Am 14.08.22 um 00:15 schrieb Ralf Kiefer:
>> Das steht bei jedem dabei. ;-)
>> Aber das passt schon. Du kannst auch jedes alte Ding nehmen, was noch
>> geht.
>
> Im Ernst? Ich habe bei der Elko-Suche im Keller eine Tüte mit
> Roederstein, Axial, 4700uF/63V, 85Grad, DIN 41316, "Elko rauh IIA"
> gefunden. Unbenutzt und mit Aufdruck "W-GERMANY". Man könnte mutmaßen,
> wie alt die sind :-) Davon sind rund 15Stück vorhanden. Bei mehr als 6
> Stück gibt's allerdings Platzprobleme im Rotel-Gehäuse ;-) Das wären je
> 14,1mF auf beiden Seiten.
Je zwei Stück davon wären auch OK. Das ist immer noch mehr als vorher,
und du willst ja nicht viel Leistung.
Aber hänge sie vorher mal über Nacht mit einen 100k-Widerstand mit ein
paar Krokoklemmen an die vollen 80V des Verstärkers. Das Stellt die
Formierung wieder her. Wenn du alle zusammen an einen Widerstand hängst,
darf er auch kleiner werden.
Jeder Elko der nach der Prozedur noch eine Weile mehr als 50V behält,
ist hinreichend in Ordnung, auch ohne Prüfgerät. ;-)
Aber aufpassen, nach so einer Formierung können die Elkos die Spannung
oft Wochenlang halten. Das kann beim Löten ganz schön batschen, wenn man
nicht dran denkt.
Es gibt übrigens einen Trick, wie man mit einer 08/15 Soundkarte
(Onboard reicht) und einem beliebigen Audioverstärker Elkos selber mit
hoher Genauigkeit messen kann, ESR und in Grenzen sogar Leckstrom
inklusive (über ESR vs. f).
http://maazl.de/project/analyze/doc/examples.html#1port
http://maazl.de/project/analyze/doc/usage.html#hardware
Für Elkos reicht ein standard Audioverstärker, der 4 Ohm kann, und ein
4,7-Ohm Widerstand in Reihe zum Elko. Verstärker _leise_ drehen, Rosa
rauschen drauf, Aufnahme, dann ganz vorsichtig lauter drehen bis der
Referenzkanal zu ca. 60% ausgesteuert ist. Das sind dann nur ein paar
Dutzend Millivolt, da ist die Polung der Elkos noch egal.
> Ggf. könnte ich noch den Brückengleichrichter
> ersetzen, der "nur" 6A dauerhaft verkraftet. Ich habe 25A- und 35A-Typen
> gefunden. Das wäre vielleicht vorteilhaft für die dann höhere
> Einschaltspitze?
Nein, das ist eher (minimal) kontraproduktiv.
Viel hilft viel ist selten eine gute Idee. Und Gleichrichterdioden sind
hart im Nehmen. Die 6A bringt das Gerät sowieso nicht.
> Diese alten Elkos hatte ich bereits rausgelegt, um sie zum Prüfstand
> mitzunehmen. Meinst Du wirklich, daß die noch einsetzbar sein können?
Klar. Nur die Formierung wird im Eimer sein. Aber die kommt wieder. Das
dauert halt nur.
> Die müßte ich am Labornetzteil ganz langsam wieder an Spannung gewöhnen.
> Formieren, oder so?
Wenn man Muße hat, ja.
Einfacher ist es mit einem großen Widerstand der einfach den
Formierungstrom auf ein unkritisches Maß begrenzt.
Ich mache es tatsächlich auf die ganz simple Tour. Phase aus der
Steckdose, Diode, 220k Widerstand und Elko dran. Das liefert nahezu
Konstantstrom, nur halt gepulst, aber das ist egal, am Elko ist es
sowieso glatt.
> Und das vor dem Test am Prüfgerät.
Wenn das Prüfgerät nur bei kleinen Spannungen misst, passiert auch
nichts. Außer, dass es vielleicht komische Werte anzeigt. ;-)
Mehr als 20% zu hohe Kapazität ist ein recht sicherer Indikator für
Probleme mit der Formierung.
>> Wie gesagt, du kannst jeden Elko rein machen.
>
> Ok. Beim Blick ins Reichelt-Angebot fällt dabei leider auf, daß manche
> Typen enorme Lieferzeiten haben. Aber wenn die vorhandenen alten
> funktionieren sollten, dann wäre das eine willkommene Einsparung beim
> Bestellwert.
Du wirst eher ein Problem mit dem Mindestbestellwert bekommen.
Die Elkos wären das einzige, was mehr als ein paar Cent kostet. ;-)
>> Ich habe es bei einem ähnlich alten Gerät einfach durch eine diskrete
>> Endstufe ersetzt. Die Bauteile habe ich nahezu alle der Grabbelkiste
>> bzw. Ausschlachtware entnommen. Das hält bis heute, sogar bei einem
>> Kurzschluss bei voller Fahrt passiert nichts mehr.
>
> Schön, daß Du sowas kannst. Ich momentan eher nicht. Ich würde mir
> höchstens einen Bausatz kaufen können und den zusammenbraten.
Muss ja auch nicht. Bei meinem Exemplar war eine Endstufe halt schon
abgeraucht.
>> Würde ich nicht machen. Das kostet mehr und ist wesentlich schlechter
>> als ein paar billige BD-Transistoren. Mit BD24x o.ä. als Emitterfolger
>> musst du dir nicht viel Mühe geben, und die gibt's immer noch recht günstig.
>> Vor allem aber muss man beim Emitterfolger keine Angst mit Rauschen oder
>> Schwingen haben. Die 78/79xx sind da zum Teil übelster Mist.
>
> Wenn ich den Aufbau und die Schaltung grundlegend ändere, muß ich
> Lochrasterplatinen füllen. Und die Schaltung testen. Selbst entwerfen
> kann ich das von Dir vorgeschlagene nicht wg. zu analog.
Ach was.
Jetzt sieht es so aus:
(Die X sind die Stellen, wo aufgetrennt werden muss.)
in ---RRR---X---*---*---X--- out
| |
Z E
| |
=== ===
Mit Transistor würde ich es so machen:
in ---*---RRR--------------+
| |
| B | / C
+---RRR---*---*---|<
| | | \ E
Z E +--- out
| |
=== ===
Die dicken Widerstände bleiben einfach drin und dienen nunmehr als
Strombegrenzung im Kollektorzweig.
Das geht als "Lötigel".
Da wird der dicke Widerstand auf der Z-Dioden-Seite ausgelötet und kommt
an den Kollektor des Transistors.
Die neuen Widerstände kommen einfach flach unter die Keramikteile. Auf
der einen Seite an das Beinchen des Keramik-R, auf der anderen Seite in
das nunmehr freie Loch der Platine.
An das Beinchen des neuen Widerstands, wo vorher der dicke drin war,
lötet man die Basis des Transistors.
Dann noch die Leiterbahn zu den externen Anschlusspin durchtrennen und
Emittern von Transistor direkt da dran löten.
Fertig.
Bemessung der neuen Widerstände: ca. 20-facher Wert der aktuellen
Widerstände, also 10k.
Wenn du wirklich noch die 14V aus der 25V destillierst, wie mit den
78/79 vorgesehen, verteilt sich die Verlustleistung auch besser über die
Transistoren, so dass keiner davon mehr ein Kühlblech braucht. 1W pro
Transistor bekommt man auch so weg.
Nachteil ist nur, dass man dann natürlich die Widerstände verkleinern
muss, da sie ja nun nur noch 10V Spannung haben statt vorher über 20V
(für 14V) bzw. mehr Strom abbekommen (für 25V). Die müssten also alle in
etwa halbiert werden.
Kurzum, das würde ich vmtl. nicht machen, sondern lieber auf die
Transistoren für die 14V einen kleinen Aufsteckkühlkörper stecken.
Die gegrillten Elkos würde vmtl. sogar drin lassen, falls sie überhaupt
noch gehen. Aufgrund der Schaltungsänderung wäre jetzt ein
Kapazitätsverlust und ESR-Anstieg bis Faktor 20 noch OK.
> Die Bastelaktion mit den Längsreglern bedeutet ebenso Aufbau auf
> Lochraster und Test, aber das verstehe ich immerhin.
Eben, und du brauchst noch kleine Abblockkondensatoren, damit sie nicht
schwingen. Und mit sekundärseitigen Elkos (die das Rauschen zähmen
würden) muss man auch aufpassen. Da schwingen sie auch gerne.
>> Elkos von 1980 sind keine Elkos von 2020.
>
> Das bedeutet was? Heutige Elkos sind kleiner bzw. haben mehr Kapazität
> bei gleichen Außenmaßen. Sie halten sich näher an ihre Spec als die von
> 1980. Diese alten halten dafür viel mehr aus?
Ja, so ungefähr.
> Wenn das so wäre, wäre kein technischer Fortschritt erkennbar, sondern
> lediglich einer auf dem Datenblatt.
Ja, und beim Preis. Es ist halt mehr auf Kante genäht.
Aber das ist doch überall so. Die CD-Player der ersten und zweiten
Generation haben die (billig-)Grenzen der Technik auch noch nicht
ausgelotet und spielen so manche CD in mäßigem Erhaltungszustand, wo die
späteren schon bocken; CD-R, die es damals noch gar nicht gab, inklusive.
Marcel