Parteiaufnahmen von Nazis nach 45 (was: Ehemalge Nazis in der SED)

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Matthias Opatz

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Nov 20, 2002, 9:54:32 AM11/20/02
to
Gerald Endres schrieb:

> Passend zur Debatte bin ich auf eine parteiinterne "Analyse über die
> Mitglieder- und Kandidatenbewegung im Kreis Magdeburg (nach dem Stand
> vom 31.12.53)" gestoßen (ZPA IV 2/5/1372).
>
> Danach waren 27,2 % Prozent der SED-Mitglieder und Kandidaten
> ehemalige Mitglieder von NS-Formationen. Landesweit lag diese Zahl
> etwas geringer, aber zu dieser Zeit rekrutierte sich die Partei der
> Arbeiterklasse zu einem Viertel aus ehemaligen NS-Parteigängern.

Wieviele Parteigänger hatte die NSDAP überhaupt (total und in % zur
Bevölkerung)?
Gibt es dazu Zahlen zu den Parteien im Westen zu dieser Zeit?

> Zum Vergleich dazu: In der Folge des Aufstands vom 17. Juni 53 wurden
> bis 5. Oktober 1953 1240 Menschen von DDR-Gerichten verurteilt. 138
> von ihnen waren ehemalige Mitglieder nationalszozialistischer
> Organisationen, das sind 11,1 Prozent.
> (Quelle dazu: Bericht des Kommissars der UdSSR über die politische und
> wirtschaftliche Lager der DDR im III.Quartal 53. - Beide Quellen
> liegen mir allerdings nicht direkt vor, ich habe die Informationen dem
> Buch "Politische Strafjustiz in der Ära Ulbricht" von Falco Werkentin
> entnommen)

Überweisung nach de.sci.geschichte vorgeschlagen (X-Post/F'up).

Mat"wiedergutmachung"thias


--
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Albrecht Kolthoff

unread,
Nov 20, 2002, 10:26:36 AM11/20/02
to
Matthias Opatz wrote:

>Gerald Endres schrieb:
>
>> Passend zur Debatte bin ich auf eine parteiinterne "Analyse über die
>> Mitglieder- und Kandidatenbewegung im Kreis Magdeburg (nach dem Stand
>> vom 31.12.53)" gestoßen (ZPA IV 2/5/1372).
>>
>> Danach waren 27,2 % Prozent der SED-Mitglieder und Kandidaten
>> ehemalige Mitglieder von NS-Formationen. Landesweit lag diese Zahl
>> etwas geringer, aber zu dieser Zeit rekrutierte sich die Partei der
>> Arbeiterklasse zu einem Viertel aus ehemaligen NS-Parteigängern.
>
>Wieviele Parteigänger hatte die NSDAP überhaupt (total und in % zur
>Bevölkerung)?

Ende 1925 27000, September 1929 150000, Januar 1933 1,4 Mio., 1945 rund 8,5
Mio. Mitglieder (Brockhaus-CD)

[...]

--
Albrecht Kolthoff

Peter Veith

unread,
Nov 20, 2002, 11:33:32 AM11/20/02
to
"Matthias Opatz" schrieb:

> Gerald Endres schrieb: [Kreis Magdeburg]


> > Danach waren 27,2 % Prozent der SED-Mitglieder und Kandidaten
> > ehemalige Mitglieder von NS-Formationen. Landesweit lag diese Zahl
> > etwas geringer, aber zu dieser Zeit rekrutierte sich die Partei der
> > Arbeiterklasse zu einem Viertel aus ehemaligen NS-Parteigängern.

Was heißt NS-"Formationen"? Du verwendest auch NS-"Parteigänger".
Ich tippe mal: einschließlich HJ, BDM o.ä!?

> Wieviele Parteigänger hatte die NSDAP überhaupt (total und in % zur
> Bevölkerung)?

NSDAP
1937 8,5 Mio. Mitglieder

Ohne eigene Rechtspersönlichkeit und eigenes Vermögen gehörten folgende
Organisationen als Gliede-
rungen zum System der NSDAP: SA (Sturmabteilung), SS (Schutzstaffel),
NSKK (Nat.soz. Kraftfahrkorps), HJ (Hitler-Jugend), NSDDB (Nat.soz. Dt.
Dozentenbund), NSDStB (Nat.soz. Dt. Studentenbund), NS-Frauenschaft. Der
Reichsarbeitsdienst war seit Juni 1935 staatliche Organisation und nicht
mehr wie sein Vorläufer (NS-Arbeitsdienst) Gliederung der NSDAP. In
Tracht und Symbolik sowie in
der Ernennung des Reichsarbeitsführers zum Reichsleiter der NSDAP 1936
sollte aber die »innere Zu-
sammengehörigkeit der NSDAP und des Reichsarbeitsdienstes« zum Ausdruck
kommen.

_Zuzüglich_ eine Unzahl angeschlosserer Verbände.
[Teil II: Lexikon: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
(NSDAP), S. 10. Digitale Bibliothek Band 25: Enzyklopädie des
Nationalsozialismus, S. 2002 (vgl. EdNS, S. 606) (c) Verlag Klett-Cotta]

HJ
Mit dem Hitlerjugendgesetz von 1936 wurde die Jugenddienstpflicht
eingeführt und mit ihr die HJ-Zwangsmitglied-
schaft aller Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren. Mitgliederzahl 1939
8,7 Mio. Jugendliche
[Teil I: Handbuch: Hitler-Jugend, S. 6. Digitale Bibliothek Band 25:
Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S. 514 (vgl. EdNS, S. 212) (c)
Verlag Klett-Cotta]

> Gibt es dazu Zahlen zu den Parteien im Westen zu dieser Zeit?

CDU/CSU, FDP?

Mathias, die Frage nützt aber nix:
Die Westparteien haben nicht in dem Maße für sich in Anspruch genommen,
antifaschistisch zu sein (?), damit wird selbst eine deutlich höhere
Zahl ok sein!?

Die DDR ist an ihrem eigenen Anpruch gescheitert, ich sag's ja ....

Da ich nur Zahlen über KVP/NVA habe, vielleicht ein Hinweis zum
"Kommisarprinzip":
Die KVP, VP-Luft/See hatte zum 31.12.1952 insg. 3.817 Politoffiziere in
der Truppe, dh. ca. auf 25 Mann einen - pro Zug. Mit Ministerium etc.
gab es zum Stichtag 4.095 Politoffiziere.

Die 100%ige SED-Mitgliedschaft/Kanidatur liegt nahe. Von diesen 4.095
waren vorher 9 (neun) in der NSDAP[*] gewesen, allerdings 1.456 in der
HJ. Immerhin noch 316 in der KPD, 112 SPD.
[*]IdR sowj. Kriegsgefangenschaft -> Antifa-Schule

Es hatten 994 (24% in der Wehrmacht gedient), davon 18 (0,4%) als
Offizier. Ich tippe mal, unter den 18 (achtzehn) waren die 9
exNSDAP-Mitglieder.

Im Buch (die getarnte Armee) wird auch auf die Querelen, wegen der
"Einmischung" der Politoffiziere berichtet - sie hatten das sagen! Und
haben dafür georgt, daß die anderen Wehrmachts"spezialisten", immerhin
"riesige" 3,6% des Gesamtbestandes u.a. exNazis nix und garnix zu sagen
hatten.

[11% von 138 verurteilten Aufständischen waren in NS-"Organisationen"]
Was Gerald uns etwas verschlungen sagen wollte, daß man mitnichten von
einem "faschistischen Putsch" reden könne, da unter den Verurteilten die
exMitglieder von NS-"Organisationen" geringer war als in der SED.
Richtig?

Ich weiß nicht, ob man aus dieser geringen Datenmenge und der
Datenauswahl, so eine weitreichende Schlußfolgerung ziehen kann. Das die
DDR mit dem Begriff (wie übrigens auch die 68er) etwas "großzügig"
umgegangen ist, ist bekannt, vgl. "antifaschistischer Schutzwall".

ABER so wie heute "Demokratie" stets (unzulässigerweise!) mit
"Kapitalismus" gleichgesetzt werden kann, konnte _damals_ tatsächlich
"faschistisch" mit "kapitalistisch" gleichgesetzt werden - und schon
macht's Sinn! (kein Dingsbums nach desm, dafür nach dsg)

Veith
--
Ist die Olle wieder keusch, guck Ossikram und Fliegerzeuch!
http://TV.ddr-luftwaffe.de


Gerald Endres

unread,
Nov 20, 2002, 1:59:48 PM11/20/02
to
"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>
>[11% von 138 verurteilten Aufständischen waren in NS-"Organisationen"]
>Was Gerald uns etwas verschlungen sagen wollte, daß man mitnichten von
>einem "faschistischen Putsch" reden könne, da unter den Verurteilten die
>exMitglieder von NS-"Organisationen" geringer war als in der SED.
>Richtig?

Falsch.
Mir ging es vor allem darum, eine Vergleichsgröße zu den rund 25
Prozent ehemaligen NS-Parteigängern in der SED zu haben.
- Mit dem Gerede vom faschistischen Putsch muss man sich doch nicht
mehr auseinandersetzen.

Die 17. Juni-Verurteilten sind insofern sehr interessant, als sich
tatsächlich kein SED-Apologet hinstellen wird und erklären, dass ich
mir hier eine Bevölkerungsgruppe zum Vergleich ausgesucht habe, in der
unterdurchschnittlich wenige NS-Verstrickte enthalten sind.
Wenn wir nur davon ausgehen, dass die 17.-Juni-Verurteilten einem
Bevölkerungsdurchschnitt entsprechen könnten, finde ich die Differenz
von 25 % (SED) zu 11 % (na gut: bei den angeblich "faschistischen
Provokateuren")doch recht erheblich.

Gruß
Gerald

--
http://www.boen-end.de

Kai-Uwe Thiessenhusen

unread,
Nov 20, 2002, 2:38:28 PM11/20/02
to

--> d.s.g.

In de.alt.folklore.ddr Gerald Endres <g.en...@gmx.de> wrote dieses
> "Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb jenes

Ist es Euch allesamt nicht allmählich peinlich, zum x-ten Mal
in den wohlbekannnten Personenkonstellationen die sattsam
bekannten Haltungen durchzukauen, dutzendfach in parallelen
Postings?


Aber wenn Ihr der Netzwelt um jeden Preis zeigen wollt,
daß Eure Pawlowschen Reflexe funktionieren, nehmt dann
bitte wenigstens *ein bißchen* Rücksicht auf den Mitleser
und setzt ein Followup-To auf *genau eine* Gruppe und
tretet das nicht noch sinnlos breit!

Danke.


Eine inhaltliche Anmerkung:

>>[11% von 138 verurteilten Aufständischen waren in NS-"Organisationen"]

> Falsch.


> Mir ging es vor allem darum, eine Vergleichsgröße zu den rund 25
> Prozent ehemaligen NS-Parteigängern in der SED zu haben.

Die Zahl wurde an anderer Stelle im anderen Nazithread bereits
genannt, von Albrecht, glaube ich. Danach inkludierten die 25%
auch HJ und dergleichen Mitglieder. Daß so gesehen, Anfang der
50er 25% "NS-Parteigänger" waren, überrascht mich ebenso wenig,
wie, wenn jemand herausfindet, daß 1998 50% der SPD oder CDU-
Mitglieder ostdeutscher Herkunft ehemalige SED-Parteigänger
(sprich: FDJ-Mitglieder waren). Simple Biologie.

Wenn '53 nur 11% der Verurteilten "NS-Parteigänger" waren,
so vermutlich deswegen, weil ein Gutteil von ihnen damals
recht jung war.

-kut

David Dahlke

unread,
Nov 20, 2002, 6:48:02 PM11/20/02
to
>Ist es Euch allesamt nicht allmählich peinlich, zum x-ten Mal
>in den wohlbekannnten Personenkonstellationen die sattsam
>bekannten Haltungen durchzukauen, dutzendfach in parallelen
>Postings?

Offensichtlich nicht - und dann muss es auch sein.
Gruss nach .li - bekanntermassen im Brennpunkt jeglichen
angesprochenen Geschehens.

David Dahlke

--
Try to be Mensch
http://ddahlke.de/

Volker Eichmann

unread,
Nov 21, 2002, 5:16:03 AM11/21/02
to
Hallihallo!

David Dahlke schrieb:


>
> >Ist es Euch allesamt nicht allmählich peinlich, zum x-ten Mal
> >in den wohlbekannnten Personenkonstellationen die sattsam
> >bekannten Haltungen durchzukauen, dutzendfach in parallelen
> >Postings?
>
> Offensichtlich nicht - und dann muss es auch sein.
> Gruss nach .li - bekanntermassen im Brennpunkt jeglichen
> angesprochenen Geschehens.

Bei gmx-Adressen aus dem Kürzel .li auf den Wohn- und Herkunftsort des
Posters zu schließen, halte ich für reichlich gewagt. Zur Info - Dein
Vorposter kennt sich mit dem angesprochenen Geschehen durchaus aus.

Gruß, Volker

M.Müller-Götz

unread,
Nov 21, 2002, 10:19:32 AM11/21/02
to

Volker Eichmann wrote:


> Bei gmx-Adressen aus dem Kürzel .li auf den Wohn- und Herkunftsort des
> Posters zu schließen, halte ich für reichlich gewagt. Zur Info - Dein
> Vorposter kennt sich mit dem angesprochenen Geschehen durchaus aus.

Vielleicht verbindet so mancher mit dem .li auch das PAF, und muss
deshalb grinsen.
Was nicht heissen soll, dass Thiessehusens Hinweis auf Netiquette
irgendetwas mit Chrissi zu tun hat. Im Gegenteil...

Gruesse

MMG
--
Matthias Mueller-Goetz

Gerald Endres

unread,
Nov 30, 2002, 11:49:10 AM11/30/02
to
Das sehe ich erst jetzt:


"Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:

>[11% von 138 verurteilten Aufständischen waren in NS-"Organisationen"]
>Was Gerald uns etwas verschlungen sagen wollte, daß man mitnichten von
>einem "faschistischen Putsch" reden könne, da unter den Verurteilten die
>exMitglieder von NS-"Organisationen" geringer war als in der SED.
>Richtig?

Das ist, wie gesagt, nicht richtig. Mir ging es darum, die 25 %
ehemaligen Nazis unter den SED-Mitglieder mit einer Referenzgruppe aus
der Bevölkerung zu vergleichen, - und da boten sich die
17.Juni.Verurteilten an.

Worum es mir aber jetzt geht, ist, dass du mir das hier unterschiebst:


>[11% von 138 verurteilten Aufständischen waren in NS-"Organisationen"]

Geschrieben hatte ich aber:

>> Zum Vergleich dazu: In der Folge des Aufstands vom 17. Juni 53 wurden
>> bis 5. Oktober 1953 1240 Menschen von DDR-Gerichten verurteilt. 138
>> von ihnen waren ehemalige Mitglieder nationalszozialistischer
>> Organisationen, das sind 11,1 Prozent.
>> (Quelle dazu: Bericht des Kommissars der UdSSR über die politische und
>> wirtschaftliche Lager der DDR im III.Quartal 53. - Beide Quellen
>> liegen mir allerdings nicht direkt vor, ich habe die Informationen dem
>> Buch "Politische Strafjustiz in der Ära Ulbricht" von Falco Werkentin
>> entnommen)

Wer meine Zahlen dermaßen eklatant und frech verhunzt, ist wahlweise
- aus ideologischer Verblendung nicht mehr in der Lage, Zahlen zu
lesen.
- ein unverschämter Fälscher.

Deine weiter Äußerung

>Ich weiß nicht, ob man aus dieser geringen Datenmenge und der
>Datenauswahl, so eine weitreichende Schlußfolgerung ziehen kann.

erledigt sich damit von selbst.

Sauer
Gerald

--
http://www.boen-end.de

Peter Veith

unread,
Nov 30, 2002, 1:12:06 PM11/30/02
to
"Gerald Endres" schrieb:

> "Peter Veith" <ve...@snafu.de> schrieb:
> >[11% von 138 verurteilten Aufständischen waren in
> >NS-"Organisationen"]

> Geschrieben hatte ich aber:


> >> Zum Vergleich dazu: In der Folge des Aufstands vom 17. Juni 53
> >> wurden
> >> bis 5. Oktober 1953 1240 Menschen von DDR-Gerichten verurteilt. 138
> >> von ihnen waren ehemalige Mitglieder nationalszozialistischer
> >> Organisationen, das sind 11,1 Prozent.

> Wer meine Zahlen dermaßen eklatant und frech verhunzt, ist wahlweise


> - aus ideologischer Verblendung nicht mehr in der Lage, Zahlen zu
> lesen.
> - ein unverschämter Fälscher.

[x] kann nicht lesen.

Sorry,

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