Kombinat Schwarze Pumpe

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Tomas Weber

unread,
Feb 10, 2002, 10:57:18 AM2/10/02
to
Hallo,

Ich suche Quellen (möglichst im www) über das Kombinat "Schwarze Pumpe"
v.a. in der Anfangszeit (60er Jahre?).
Google findet nur Infos zur Umstrukturiering usw. nach `89.

- Wo befand es sich genau? (Gab es mehrere Kombinate mit dieser
Bezeichnung?)

- Was wurde dort hauptsächlich hergestellt?

- War es das größte Kombinat in der DDR ?


Danke im vorraus,

Tomas

Peter Veith

unread,
Feb 10, 2002, 11:44:50 AM2/10/02
to
Tomas Weber schrieb:

> Ich suche Quellen (möglichst im www) über das Kombinat "Schwarze
> Pumpe" v.a. in der Anfangszeit (60er Jahre?).

go to "Digitale Bibliothek"
Veith
--
Strukturen, Geschichte(n) & Bilder der LSK/LV
http://www.DDR-LUFTWAFFE.de


#Auszug
VEB Gaskombinat >Fritz Selbmann<, Schwarze
Pumpe (GSP), 1970-1990

Die Legende berichtet, daß es zu dem Ortsnamen
»Schwarze Pumpe« kam, weil ein findiger Einwohner
gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges die Wasser-
pumpe seines Anwesens schwarz anstrich, um mit
diesem Zeichen der Pest marodierende Landsknechte
abzuschrecken. Die danach unter Berufung auf die
Legende errichtete Gaststätte gleichen Namens beher-
bergte 300 Jahre später die »Aufbauleitung«, die für
eine der markantesten »Großbaustellen des Sozialis-
mus« verantwortlich war. Ausgangspunkt für die Er-
richtung eines weiteren Industriegiganten war der
1954 gefaßte Beschluß des IV. Parteitages der ð
SED, alles zu tun, »daß das Zurückbleiben der Brenn-
stoff- und Energiebasis der DDR hinter den Erforder-
nissen der Wirtschaft und der Bevölkerung beseitigt
wird und daß sie [sic!] einen Entwicklungsvorsprung
gegenüber den anderen Zweigen der Volkswirtschaft
unserer Republik erhalten«.
Durch die Errichtung eines Braunkohleverede-
lungskombinats in Schwarze Pumpe sollte das von
den Wissenschaftlern Georg Bilkenroth (Projektie-
rungs- und Konstruktionsbüro Kohle, Berlin/DDR)
und Erich Rammler (ð >Bergakademie Freiberg<) in
der Großkokerei Lauchhammer erstmalig angewandte
Verfahren zur Herstellung von Braunkohlehochtem-
peratur-Koks (BHT-Koks) industriemäßig zur An-
wendung gebracht werden. Im 2. Fünfjahrplan der
DDR (für 1956-1960 projektiert, aber 1958 abgebro-
chen) waren von den für Industrieinvestitionen insge-
samt eingeplanten 22 Mrd. Mark allein 3,8 Mrd. für
dieses größte Planobjekt vorgesehen; sein Bau war
eines der wichtigsten Vorhaben des ð >Kohle- und
Energieprogramms< der DDR.
Nachdem das Präsidium des ð Ministerrats den
Aufbau des >Kombinats< am 23.6.1955 verfügt hatte,
tat der damalige Minister für Schwerindustrie, Fritz
Selbmann, am 31.8.1955 den ersten Spatenstich. Am
1.4.1958 wurde dann der >VEB Kombinat Schwarze
Pumpe< gebildet, der am 30.4.1959 die Brikettpro-
duktion aufnahm und etwa zur gleichen Zeit aus dem
Kraftwerk West den ersten Strom ans Netz abgab; am
6.4.1964 wurde schließlich die Gasproduktion aufge-
nommen. Erst zum 1.1.1970 wurde das GSP gebildet,
das auf Beschluß des ð >Zentralkomitees der SED<
am 6.10.1986 den Namen >Fritz Selbmann< erhielt.
Das >Kombinat< wurde mehrfach umstrukturiert;
zunächst gehörten die Tagebaue Welzow-Süd, Noch-
ten und Burghammer als wichtigste Kohlebasis dazu;
mit dem 1.1.1976 wurden jedoch alle Tagebaue aus
dem GSP ausgegliedert. Zum 1.10.1980 veränderte
sich die Kombinatsstruktur erneut, indem ihm nun
wichtige Betriebe der Kohle- und Energiewirtschaft
eingegliedert wurden; der VEB Jugendkraftwerk
>Artur Becker< in Trattendorf wurde Produktionsbe-
reich des Stammbetriebes. 1987 gehörten zum GSP
insgesamt rd. 33000 Beschäftigte und 7 Betriebe: der
>VEB Kombinat Schwarze Pumpe< als Stammwerk,
VEB Braunkohleveredlung Espenhain, VEB Braun-
kohleveredlung Lauchhammer, VEB Steinkohlenko-
kereien >August Bebel< Zwickau, VEB Verbundnetz
Gas Böhlitz-Ehrenberg, VEB Projektierungs-, Kon-
struktions- und Montagebüro Anlagenbau in Leipzig
und das Brennstoffinstitut in Freiberg.
Mitte der 80er Jahre überstieg das Produktionsvo-
lumen 8 Mrd. Mark. Täglich wurden auf dem 900
Hektar großen Gelände des Stammbetriebes 120000
Tonnen Braunkohle zu Elektroenergie, Gas, Briketts
und Koks verarbeitet. Etwa 70 Prozent der Beleg-
schaft des >Kombinats< wohnten in Hoyerswerda, das
zeitgleich mit der Errichtung der Industrieanlagen als
»sozialistische Wohnstadt« ausgebaut wurde. Im
Gaskombinat waren die Produktionskapazitäten der
DDR für Stadtgas (jährlich rd. 6 Mrd. Kubikmeter),
BHT-Koks, Flüssigprodukte aus Kohle sowie Stein-
kohlenkoks nahezu vollständig vereinigt. Es hatte fer-
ner großen Anteil an der Brikettproduktion und an der
Erzeugung von Elektroenergie; zudem war es für den
Transport von Stadt- und Erdgas auf dem Territorium
der DDR verantwortlich. In der Veredlung von
Braun- und Steinkohle zu Energieträgern oder zu
Ausgangsstoffen für die carbonchemische Weiterver-
arbeitung war es der wichtigste und technologisch
fortgeschrittenste Betrieb in der DDR.
Das >Kombinat<, dessen Stammbetrieb am
24.10.1977 mit dem >Karl-Marx-Orden< ausgezeich-
net worden war, wurde immer wieder in den Blick-
punkt der Öffentlichkeit gerückt. Von hier - dem
»schwarzen Herz« des »Energiebezirkes« Cottbus -
gingen zahlreiche Jugendinitiativen und Wettbe-
werbsaufrufe aus. Die 1974 verstorbene Schriftstelle-
rin Brigitte Reimann, die mit ihrem gesellschaftskriti-
schen Roman >Franziska Linkerhand< zu literarischem
Ruhm gelangte, folgte der Aufforderung des ð >Bit-
terfelder Weges< und lebte von 1960-1968 in Hoyers-
werda. Sie hielt enge Verbindung zum V. und arbeite-
te zeitweilig in einer Rohrleger- und Schweißerbriga-
de. Aus diesen Eindrücken entstand der Roman >An-
kunft im Alltag<, der die Arbeit im >Kombinat< zum
Gegenstand hatte und einer ganzen literarischen Rich-
tung ihren Namen gab (ð Kulturpolitik). Gemeinsam
mit ihrem Mann, Siegfried Pitschmann, leitete sie dort
den ersten ð >Zirkel schreibender Arbeiter<.
Die DDR, unter chronischer Energieknappheit lei-
dend, betrieb einen exzessiven Braunkohleabbau, der
besonders in die Landschaft der Lausitz große Narben
schlug. Mit 312,3 Mio. Tonnen erreichte die Braun-
kohleförderung 1986 die höchste Jahresmenge. Dar-
aus folgten nicht nur großräumige Naturzerstörung
und hohe Luftverschmutzung mit Kohlendioxid, son-
dern mit dem Abriß zahlreicher Dörfer auch der un-
wiederbringliche Verlust von sorbischem Kulturgut (
ð >Domowina - Bund Lausitzer Sorben<). Nach dem
Zusammenbruch des sozialistischen Regimes der
DDR brachen auch in den ostdeutschen Braunkohle-
gebieten Konflikte offen aus: Die an verstärktem Um-
weltschutz Interessierten und die vordringlich um den
Erhalt von Arbeitsplätzen Besorgten - Anfang 1990
arbeiteten noch 131000 Beschäftigte im ostdeutschen
Braunkohlebergbau - bezogen gegensätzliche, viel-
fach unversöhnliche Positionen. Die Auseinanderset-
zungen wurden überlagert und z.T. instrumentalisiert
durch Manöver der auf den ostdeutschen Markt drän-
genden westdeutschen und ausländischen Energieer-
zeuger.
Die Braunkohle, die in den Altbundesländern nach
wie vor besonders in der Stromversorgung einen Eck-
pfeiler bildet, wird auch in Ostdeutschland von großer
Bedeutung bleiben. Wenn Prognosen für West-
deutschland künftige Jahresförderquoten von 100-110
Millionen Tonnen (1990: 107,6 Tonnen) ausweisen,
so mag sich auch die ostdeutsche Braunkohleindustrie
noch einige Absatzchancen ausrechnen können. 1990
wurde das Gaskombinat in die >Energiewerke
Schwarze Pumpe AG< (ESPAG) umgewandelt; den
Vorsitz des Aufsichtsrates übernahm Ex-Bundesmini-
ster Hans Apel. Nach der Entflechtung des ehemali-
gen >Kombinats< beschäftigte die AG im April 1991
noch 12640 Mitarbeiter. Apel, der sich gegen eine
»Filetierung« der Kernbereiche der AG wandte, setzte
auf eine durchgreifende Modernisierung und Umprofi-
lierung des Unternehmens. Im Juli 1992 wurde die
Braunkohlevergasung endgültig stillgelegt.

Leiter des Aufbaustabes: Hasso Grabner
(1955-1956); Willi Kühn (1956-1958); Heinz
Reger (1958);
Generaldirektoren: Willi Kühn (1958-1961); Heinz
Lesinski (1961-1966); Herbert Richter
(1966-1989)
1. Sekretär der Parteiorganisation: Horst Dohlus
(1956-1958)

[Lexikon der Organisationen und Institutionen: Kombinate, S. 37 ff.
Digitale Bibliothek Band 32: Enzyklopädie der DDR, S. 8675 (vgl.
DDR-Org. u. Inst., S. 494 ff.) (c) 1994 by Rowohlt Taschenbuch
Verlag]Schwarze

Gaskombinat Schwarze Pumpe (VEB GSP): Der
größte Braunkohlenveredelungsbetrieb der DDR. Zu
den Hauptaufgaben des Kombinats zählen die Pro-
duktion von Braunkohlenbriketts, Braunkohlenhoch-
temperaturkoks (BHT) und Stadtgas. Der VEB GSP
ist Vertragspartner für den Import von Erdgas aus der
UdSSR (ð Energiewirtschaft, II. E.); als Generalauf-
tragnehmer leitete er den Bau des DDR-Abschnitts an
der Erdgasleitung »Sojus« (Orenburg - sowjetische
Westgrenze). Insgesamt sind im VEB GSP 38000
Menschen beschäftigt, davon allein im gleichnamigen
Stammbetrieb 14000. Der Stammbetrieb befindet sich
in der Nähe von Hoyerswerda (Kreis Spremberg);
sein Name ist von einem früher auf dem Gelände be-
findlichen Gasthaus übernommen worden.
Dem VEB GSP gehören neben dem Stammbetrieb
u.a. an:
- Zentralwerkstätten im GSP.
- VEB Braunkohlenveredelung Lauchhammer,
- VEB Steinkohlenkokerei »August Bebel« Zwickau
mit der Großgaserei Magdeburg, dem zweitgrößten
Stadtgasproduzenten der DDR,
- VEB Projektierungs-, Konstruktions- und Montage-
büro (PKM) Kohleverarbeitung Leipzig,
- VEB Ferngasleitungsbau Engelsdorf,
- VEB Verbundnetz Gas Berlin,

- Brennstoffinstitut Freiberg.
Das Kombinat verarbeitet jährlich rd. 70 Mill. t
Braunkohle. An der DDR-Produktion ist es mit fol-
genden Anteilen beteiligt (Angaben für 1981):
- Stadtgas 87 v.H.
- Briketts 45 v.H.
- BHT-Koks 100 v.H.
Rohstoffgrundlage für das GSP ist das Niederlausit-
zer Revier (ð Bergbau), insbesondere die Großtage-
baue von Welzow-Süd, Burghammer und Spreetal.
Mit dem Bau des Werkes Schwarze Pumpe wurde
1956 begonnen. Die 1. Ausbaustufe war 1961 fertig-
gestellt; sie umfaßte eine Brikettfabrik (3 Mill. t Jah-
resproduktion) und ein Kraftwerk (Kapazität zunächst
250 MW, später auf 1050 MW erweitert). Mit der In-
betriebnahme der Druckgaserzeugungsanlage (2. Aus-
baustufe) im Jahre 1964 wurde Schwarze Pumpe zum
größten Stadtgasproduzenten der DDR.
Die 3. Ausbaustufe wurde 1964/65 in Angriff ge-
nommen. Nach dem Vorbild der bereits im VEB
Braunkohlenkombinat Lauchhammer arbeitenden
Großkokerei wurde u.a. eine BHT-Kokerei errichtet.
Der BHT-Koks ist für den Einsatz in der Metallurgie
und in einigen Bereichen der chemischen Industrie ge-
eignet. Damit wird vor allem die Abhängigkeit von
der Einfuhr von Hüttenkoks gemindert (Einfuhr von
Steinkohlenkoks 1965: 3,2 Mill. t, 1982: 2,0 Mill. t).

Da die Braunkohle, im Gegensatz zur Steinkohle,
nicht die Eigenschaft hat, beim Entgasungsprozeß zu-
sammenzubacken, muß die zur BHT-Verkokung ver-
wendete Kohle zunächst brikettiert werden. Neben-
produkte des Verkokungsprozesses sind Teer, Öle
und Gas. Eine Aufbereitung des Gases ist erforder-
lich, da sein Heizwert von ca. 2800 kcal/m3 nicht der
Stadtgasqualität entspricht (4300 kcal/m3).
Bereits 1968/69 wurde ein Kohledruckvergaser auf
den Einsatz von schwerem Heizöl umgestellt. Das er-
zeugte Spaltgas dient als Mischkomponente bei der
Stadtgasherstellung. Nachdem die DDR Anfang der
70er Jahre ihr Erdgasaufkommen durch Inlandsförde-
rung und Importe deutlich erhöht hatte, konnte sie
dazu übergehen, Erdgas auch zur Stadtgaserzeugung
einzusetzen. Das in Salzwedel geförderte Erdgas wird
durch eine Pipeline in das GSP transportiert. Somit
werden im GSP folgende Gase zur Stadtgasmischung
verwendet: Kohledruckvergasungsgas, Öldruckverga-
sungsgas, Entgasungsgas aus der BHT-Verkokung,
Erdgas, Stickstoff, Flüssiggas und Spaltgas aus Erd-
gas.
Insgesamt stammen zwei Drittel der Stadtgaserzeu-
gung der DDR aus dem Stammbetrieb des GSP.

[DDR-Handbuch: Gaskombinat Schwarze Pumpe (VEB GSP), S. 3. Digitale
Bibliothek Band 32: Enzyklopädie der DDR, S. 2665 (vgl. DDR-HB, S. 487)
(c) Bundesministerium des Innern]#


Frauke Klinge

unread,
Feb 11, 2002, 5:19:50 AM2/11/02
to
Tomas Weber <Tom...@gmx.net> wrote:
>Hallo,
>
>Ich suche Quellen (möglichst im www) über das Kombinat "Schwarze Pumpe"
>v.a. in der Anfangszeit (60er Jahre?).


Ein alltagsgeschichtlicher Ansatz bei


Rüdiger SOLDT, Zum Beispiel Schwarze Pumpe: Arbeiterbrigaden in der DDR, in:
Geschichte und Gesellschaft 24, 1998, S. 88-109.


Gruß,
Frauke
--
__________________________________________________________
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Tomas Weber

unread,
Feb 12, 2002, 7:37:40 AM2/12/02
to

Peter Veith wrote:


>
> [DDR-Handbuch: Gaskombinat Schwarze Pumpe (VEB GSP), S. 3. Digitale
> Bibliothek Band 32: Enzyklopädie der DDR, S. 2665 (vgl. DDR-HB, S. 487)
> (c) Bundesministerium des Innern]#
>


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