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Begriff Brinksitzer

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HaWe

unread,
Jul 14, 2000, 3:00:00 AM7/14/00
to
Hallo,
wer kann mir den Begriff "Brinksitzer" erklären?

Gruss

HaWe

Henk Gebben

unread,
Jul 15, 2000, 3:00:00 AM7/15/00
to
HaWe,
Ein Kötter auch genant Brinksitter oder Brinksitzer, ist ein
"Kleinbauer". Der Kötter bewohnt seinen "Kotten",
ein kleines Wohn-/ Bauernhaus. Im den Anfängen des 20. Jahrhunderts
reichten die Erträge meistens nicht mehr für den Lebensunterhalt der
Familien aus und der Kötter musste andere Arbeit annehmen. Dies führte
nach und nach zum Ende der Kötter und ihrer Kotten. Der Ausdruck
"Kötter" ist im Westfälischen sowie im Rheinland sehr verbreitet.

Gr,
Henk

h.gebben.vcf

Gerd Schmerse

unread,
Jul 15, 2000, 3:00:00 AM7/15/00
to
Henk Gebben schrieb am Sat, 15 Jul 2000 00:38:15 +0200:

>Ein Kötter auch genant Brinksitter oder Brinksitzer,

Nach Haberkern/Wallach ist ein Brinksitzer etwas anderes als ein Kötter.
Auf dem Brink (die Gehöfte umgebender Schutzwald) siedelten sich seit
dem späteren Mittelalter Handwerker an, die sich im Laufe der Zeit auch
Land und Rechte erwarben; die Besitzungen der Brinksitzer liegen meist
zerstreut. Die Häuser der Kötter, welche nur Landwirtschaft betreiben,
liegen zwischen anderen Hofstellen, für sich in einer Gruppe, oder auch
in eigener, dorfähnlicher Siedlung (Köterdorf).

Gerd
PS: Dein Posting trug einen binären Anhang, der nur von Anwendern
weniger Programme richtig gelesen werden kann. Solche Anhänge sind im
Usenet unerwünscht, denn das Usenet ist textbasiert.
--
Genealogie: http://home.t-online.de/home/Schmerse/familie.htm
Heimseite: http://www.schmerse.de - Suche: SCHMERSE/SCHMARSE,
RAUSCHENBERG, SANNE(C)K, BENECKEN, BUMCKE, EICHBERG, GERF(F)IN
HEPTNER, KANTHAK, NADOLL, PABST, PERSI(C)KE, THOM, WOTSCHKE

Andreas Zimmermann

unread,
Jul 16, 2000, 3:00:00 AM7/16/00
to
Hallo,
wenn es sich um einen Familiennamen handelt, könnte es sich um einen aus der
Wohnstätte des "benamten" abgeleiteten Namen handeln. Brink (oder Bring) war ein
hochliegender Grasanger. Der Name Brinkmann leitet sich davon ab; ebenso könnte
es sich mit dem Namen Brinksitzer verhalten; entweder einfach jemand, der sich
oft zu Hause auf seinem Brink aufhielt, oder dort oft zu Gast o.ä. war. Das sind
aber nur Vermutungen. Ich hoffe, ein wenig geholfen zu haben.
Viele Grüße
Andreas


"HaWe" <grov...@t-online.de> wrote:
>Hallo,
>wer kann mir den Begriff "Brinksitzer" erklären?
>
>Gruss
>
>HaWe
>
>

--
_____________________________________________________________
NewsGroups Suchen, lesen, schreiben mit http://netnews.web.de

Hans Meijer

unread,
Jul 16, 2000, 3:00:00 AM7/16/00
to

"HaWe" <grov...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:8knk92$2ko$10$1...@news.t-online.com...

> wer kann mir den Begriff "Brinksitzer" erklären?
So isoliert, wie gefragt wird, kann dieser Begriff nicht erklärt werden.
Die Entstehung des Dorfes wird in verschiedene Siedlungsstufen eingeteilt.
Hier auf die Anfänge und weiteren Zusammenhänge einzugehen, würde den
quantitaven Rahmen einer NG sprengen, weshalb ich nur möglichst kurz den
'Brinksitzer' in seinem historischen Zusammenhang und seiner Rolle in der
Entstehungsgeschichte des Dorfes darstellen möchte. Zeitliche Angaben können
je nach regionaler Zuordnung selbstverständlich variieren. Die nachfolgende
Systematisierung betrifft den norddt. Raum, vor allem das heutige
Niedersachsen.

Die DorfENTSTEHUNG wird in Siedlungsstufen eingeteilt:

1. Siedlungsstufe: der Höfner
Mit der Landnahme später als Hufner, Höfner, Vollhöfner bezeichneten Bauern
begann die Besiedlung und damit Beginn und Geschichte des Dorfes. Zeitlich
weit früher als das Jahr 1000, möglicherweise noch in die
langobardisch-frühsächsische Zeit um 300 nC. Weitere Erläuterungen zu dieser
äußerst interessanten Siedlungsstufe würden hier zu weit führen.

Die 2. Siedlungsstufe, die der KÖTNER,
umfaßt nach Pröve die Zeit zw. 800 und 1500. Ihre Zahl in den einzelnen
Dörfern ist meist klein. Unterschiede zw. Groß- und Kleinkötnern sind
bereits Mitte des 17. Jh. urkundlich nachweisbar. Die Gruppe der Kleinkötner
gehört einer etwas später angesiedelten Stufe an oder ist auch aus der
Teilung einer Großkote, was immer wieder vorkam, hervorgegangen. Mit dem
Begriff Kate wird meist ein 'kleines Haus, Wohnung eines kleineren
Besitzers' im Gegensatz zu dem Haus der Höfner bezeichnet. Aus dem Wort Kate
entstand die Bezeichnung für die kleineren Bauern, der Kötner. Der in
manchen Gegenden gebräuchliche Name 'Kotsaß', ist der auf einer Kote
sitzende Bauer.

Die 3. Siedlungsstufe, die der B R I N K S I T Z E R oder auch BRINKKÖTNER

Die Bauern des Dorfes selber hatten mit Einwilligung des Amtes darüber zu
befinden, dieser bereits im späten 16.Jh. in der Mehrzahl aber nach dem
30jährigen Kriege in den Dörfern erscheinenden Gruppe die Ansiedlung zu
gestatten. Dazu schien fast immer der Dorfsbrink der geeignete Platz zur
Errichtung der Kate zu sein. Der Brink lag in der Mitte, aber auch am Rande
des Dorfes. Die Brinksitzer hatten anfangs kein Land oder nur sehr wenig und
übernahmen im Dorf neben der Arbeit und Hilfe auf den Höfen noch
Botendienste, so etwa das Briefetragen oder andere Meldegänge zwischen Dorf
und Amt.

Die 4. Siedlungsstufe umfaßt die ANBAUER, auch Neubauer (etwa nach 1750),
Siedler, deren Name und Besitz in den Registern nach ca. 1750 erscheint und
besonders deutlich in den Niederschriften und den Rezessen der sog.
Verkoppelungszeit des 19. Jh. hervorhgehen. Unter ihnen befinden sich auch
die ersten Handwerker, abgesehen von solchen, die schon in der 2. und 3.
Stufe der Besiedlung ihren Platz im Dorfe hatten. Diese Anbauer nahmen an
der Spezialteilung der den Dörfern zugewiesenen Flächen aus der Aufteilung
der Allmende-Flächen teil und bekamen eine kleine Fläche, dagegen nicht die
der nächsten Stufe angehörenden Abbauer, die die

5. Siedlungsstufe, der ABBAUER
bildeten. Sie begann mit den Jahren, als die Bauern durch die
Spezialteilung, Verkoppelung und nach der Möglichkeit der Ablösung ihrer
grundherrschaftlichen Lasten und Dienste Besitzer des Bodens wurden, auf dem
die Vorfahren teilweise schon seit Jahrhunderten gelebt und gewirtschaftet
hatten. Nun konnten sie über Grundstücke nach eigenem Ermessen verfügen,
konnten jüngeren Söhnen Grundstücke abtreten als Kindesteil, auch Töchtern
Ländereien als Mitgift übereignen. Diese wurden also vom Hofe abgefunden,
darum bilden die Abbauer die 5. Siedlungsstufe, die letzte in der Geschichte
des alten Dorfes.

Ich hoffe, die obigen Ausführungen haben etwas zur Aufhellung der
entwicklungsgeschichte des Dorfes und seiner Bewohner beigetragen. Für
detailliertere weitere Information bin ich gerne bereit, sofern Gesundheit
und Zeit dies zualssen.
Hans W. Meyer


Gerd Schmerse

unread,
Jul 16, 2000, 3:00:00 AM7/16/00
to
Hans Meijer schrieb am Sun, 16 Jul 2000 16:18:04 +0200:

[ausführliche Entwicklungsgeschichte des Dorfes]

Vielen Dank für diese umfassende Darstellung, die mir manche
Zusammenhänge klargemacht hat. Nur eine Frage im Zusammenhang mit der
ursprünglichen Fragestellung:

>die Ansiedlung zu
>gestatten. Dazu schien fast immer der Dorfsbrink der geeignete Platz zur
>Errichtung der Kate zu sein. Der Brink lag in der Mitte, aber auch am Rande
>des Dorfes.

Ist es anzunehmen, das im 16. Jh. Platz *in der Mitte* des Dorfes war
für Neuansiedlung? Bezieht sich Brink nicht doch eher nur auf am Rande
oder gar außerhalb des Dorfes gelegene Plätze? Vgl. auch das Wort
"brink" (= Rand) in der englischen Sprache, die ja der in
Norddeutschland gesprochen vielfach ähnlich ist. Bahlows Deutung als
"erhöhten Grasanger" halte ich übrigens eher für eine regionale
westfäl.-ndrhein. Spezialität.


Gerd

Hans Meijer

unread,
Jul 17, 2000, 3:00:00 AM7/17/00
to

"Gerd Schmerse" <ge...@detebe.de> schrieb im Newsbeitrag
news:8ksqla$oae$10$1...@news.t-online.com...

> Hans Meijer schrieb am Sun, 16 Jul 2000 16:18:04 +0200:
>
> Ist es anzunehmen, das im 16. Jh. Platz *in der Mitte* des Dorfes war
> für Neuansiedlung? Bezieht sich Brink nicht doch eher nur auf am Rande
> oder gar außerhalb des Dorfes gelegene Plätze? Vgl. auch das Wort
> "brink" (= Rand) in der englischen Sprache, die ja der in
> Norddeutschland gesprochen vielfach ähnlich ist. Bahlows Deutung als
> "erhöhten Grasanger" halte ich übrigens eher für eine regionale
> westfäl.-ndrhein. Spezialität.

Die Entwicklungsgeschichte der Dörfer dürfen wir uns nicht so geordnet
vorstellen, wie wir es aus dem vor- und letzten Jahrhundert her gewohnt
sind. Der Mittelpunkt eines Dorfes war immer ein Teich (nicht die Kirche!)
oder aber ein fließendes Gewässer, mit entsprechender Höfeanordnung. Platz
gab es da immer noch, wie ältere Dorf*karten* häufig aufzeigen.

(Prof.)Eduard Kück, ein für die *Nordheide*/Nord-Niedersachsen (aber nicht
nur für diese Region) wichtiger
(zu seiner Zeit zu Beginn des letzten Jh.) Historiker schreibt dazu in
seinem Lüneburger Wörterbuch: "Brink ist im allgemeinen ein Grasplatz, ein
Anger, unmittelbar am Rande oder in der Mitte eines Dorfes, ein angeriger
Platz unter Eichen, früher die Versammlungsstätte der Bauern. Die dort sich
ein Haus einrichteten, bekamen geringe Landflächen, nahmen später auch an
der Verkoppelung teil, wurden zu Botendiensten eingesetzt oder dienten bei
den Bauern, um gelegentlich zu helfen. Ihre Kate hieß in den Dörfern
Brinkkate, ...". (Dass sie an der Verkoppelung teilnahmen, kann übrigens
nach den heutigen Erkenntnissen nicht so verallgemeinernd für die Frühzeit,
sondern erst ab etwa Mitte des 19. Jh. gesagt werden, da die Brinksitzer in
den meist sehr kleinen Katen (ein Geldregister spricht z. B. von Häuschen,
die nur 2 bis 3 Fach groß sind) anfangs keinen Anteil an der Gemeinheit
hatten.
Wenn ich mir z.B. die alten Karten von Moisburg (bei Buxtehude) oder
Hollenstedt ansehe aus der Zeit um 1600 und später, so sind liegen die
Brinkkaten sowohl in der Mitte wie am Rande des Dorfes. Das ist so zu
verstehen. Die Dörfer, die oft nur aus wenigen Höfen bestanden, waren meist
um den Teich oder Fluss angeordnet. Da diese Dörfer aber um die Zeit nur aus
wenigen Familien bestanden, bestand dieser 'Kreis' überwiegend nur aus einer
Kreisreihe, so dass ein Brink, der zwischen den Höfen zu liegen kam, sowohl
in der 'Mitte' wie auch am 'Rande' lag.
Kück, Eduard, Lüneburger Wörterbuch, 3 Bände, Neumünster 1942-1964.

Hans-Werner Meyer
hans....@t-online.de
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