In article <
arpls4...@mid.individual.net>,
Hanno Foest <
hurga...@tigress.com> wrote:
>Am 30.03.2013 07:53, schrieb Ralph Aichinger:
>
>> WLAN existiert und funktioniert. Jedes Handy hat WLAN, warum
>> nicht der Heizkessel oder die Waschmaschine?
>
>Weil ich weder Updates (sofern überhaupt existent) in meinen Heizkessel
>oder die Waschmaschine einspielen möchte,
Die Sicherheitsupdates wären -- leider -- zwingend notwending. Aber wie
man schon bei den ach so populären Smartphones und Tablets sieht: Ist
das Gerät erst mal verkauft, ist es beim Hersteller aus dem Sinn. Das
Geld hat er ja schon und Updates würden seinen Gewinn nur schmälern.
>noch erleben möchte, auf was
>für interessante Ideen Hacker kommen, wenn die erwähnten Geräte drahtlos
>hackbar sind.
Die Ergebnisse dieser "Kreativität" dürfte man dann wegen der fehlenden
Sicherheitsupdates recht bald bewundern können.
>Kann man Heizkessel zum Überkochen bringen? Oder im Schleudergang
>Resonanzkatastrophen erzeugen?
Wahlweise gefrorenes Bier oder vergammelte Eier im Kühlschrank sind
vermutlich noch recht profan.
Bei Waschmaschinen würde so ein tolles Hausautomatisierungs-Feature per
WLAN wohl dazu führen, dass man sie -- außer per "Stecker-raus" -- nicht
mehr komplett abschalten könnte. Denn sonst wäre das tolle Feature ja
schließlich nutzlos. Wenn man zum Einschalten sowieso hingehen müsste,
könnte man auch gleich das Waschprogramm manuell wählen (wie kommt
eigentlich die Wäsche in die Trommel -- auch per WLAN?). Wenn das Ding
immer an ist, dann kann ein Hacker es natürlich auch jederzeit in Gang
setzen. Wenn er dann die Limits für Wasserstand und Wasserzulauf-Zeit
auf absurd hohe Werte setzt, stellt sich die Frage, ob irgendeine
Versicherung für den Wasserschaden aufkommt. Oder ob dann Gutachten
darüber erstellt werden müssen, ob die Gerätesoftware durch den
Gerätebesitzer ausreichend aktuell gehalten wurde. Oder die Benutzung so
einer Waschmaschine wird von den Versicherungen kurz nach der
Markteinführung generell als grob fahrlässig eingestuft.
Von diesen ganz realen Gefahren, die von solchem Funk-Spielzeug
ausgehen, gibt es auch noch einige Punkte, die für den
durchschnittlichen Benutzer direkt greifbare Nachteile brächten.
Die Steuerung per WLAN bringt nicht nur die Hardware-Kosten (auch wenn
es nur einige wenige Euro sein sollten) für das WLAN-Interface mit sich.
Wer etwas weiter denkt als "hurra, WLAN ist ja so toll", wird
feststellen, dass da noch einiges mehr dranhängt. Erst mal muss das WLAN
sinnvoll in die Gerätesteuerung integriert werden. Das ist ein
erheblicher Mehraufwand für die Entwicklung der Gerätesoftware, der
natürlich auch Geld kostet. Dann braucht man irgendein _leicht
bedienbares_ (Zielgruppe: Hausfrau) Interface, über das man den WPA-Key
ändern kann. Dafür wird vermutlich ein nicht mehr ganz kleines Display
und eine Tastatur notwendig, oder gleich ein Touchscreen. Schon steigt
die Rechnung wieder um ein erkleckliches Sümmchen. Dann soll der tolle
Touchscreen ja nicht nur zum Ändern des WPA-Key herhalten, nein, da kann
man ja ganz toll auch die Bedienung der Maschine darüber abwickeln. Der
geneigte Leser mag es erahnen -- dafür braucht es natürlich weitere
Software, die für teuer Geld entwickelt werden muss. Die Rechnung steigt
schon wieder. Jetzt hat man schon keine simple Maschinensteuerung mehr,
die drei Tasten, zwei Drehschalter und fünf Sensoren abfragen müsste,
sondern ein hochkomplexes System. Dass dadurch die Programmfehler nicht
weniger werden, sollte zumindest jedem, der schon mal ernsthaft Software
entwickelt hat, ohne weiteres Nachdenken klar sein. Deshalb wird es dann
sicherlich Zerifizierungen geben, die sicherstellen sollen, dass diese
Waschmaschinen zwar nicht fehlerfrei, aber zumindest fehlerarm sind und
nicht bei jeder dritten Wäsche (ohne Hacker-Eingriffe) das Haus fluten
oder die Wollsachen kochen. Die Zertifizierung kostet natürlich auch
was. Und weil wir gerade dabei sind, wird eventuell auch die
Hack-Resistenz zertifiziert. Diesen Wisch gibt es aber auch nicht
umsonst.
Insgesamt wird das dann entweder ein Luxus-Gerät, das sich nur
diejenigen leisten können, die sowieso schon eine Haushaltshilfe haben
und all die schönen Features gerade wegen der Haushaltshilfe gar nicht
benötigen. Oder das ganze Geld für die ach so tolle WLAN-Fernsteuerung
muss woanders eingespart werden. Da gibt es dann halt noch billigere
Lager, bei den Elkos kann man auch noch sparen, ein etwas langsamerer
Prozessor bringt ein Paar Cent, etc., etc. Da braucht es dann keine
_geplante_ Obsoleszenz mehr.
Und das Teil wird -- wie bei so mancher (bzw. vieler) Software
inzwischen üblich -- mit größter Wahrscheinlichkeit wegen jedem Furz
nachhause Telefonieren. Schöne neue Welt!
Wie weiter oben schon beschrieben werden zur Bedienung nicht mehr drei
Tasten und zwei Drehschalter vorhanden sein, sondern vermutlich ein
Touchscreen. Wenn ich mir nur die Bedienführung von so manchem Drucker,
Faxgerät oder Kopierer ansehe, gehe ich davon aus, dass die
durchschnittliche Hausfrau sich ganz schnell eine stinknormale
Waschmaschine zurückwünschen wird.
Grüße,
Günther