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Schaltnetzteil für Eigenbau-Lötstation?

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Manuel Reimer

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Jun 9, 2016, 11:04:07 AM6/9/16
to
Hallo,

im Internet finden sich mehrere Projekte in denen auf Basis dieser
Spitzen eine Lötstation gebaut wird:

http://www.reichelt.de/?ARTICLE=63436

Ich habe zwar schon eine große Weller mit doppelt so viel Leistung wie
diese kleinen Spitzen bringen, aber bei dem Preis reizt es mich schon
noch eine zweite Station zu bauen.

Was ich mich frage, ist, ob ich die 12V einfach aus einem Schaltnetzteil
(Tischnetzteil) nehmen kann?

Frage deshalb, weil in Schaltnetzteilen ja diese Y-Kondensatoren
primärseitig sind, die eine *echte* galvanische Trennung verhindern. Wie
gefährlich schätzt ihr diese Spannung für empfindliche Bauteile ein? An
meinem Arbeitsplatz könnte ich über eine eingebaute
Potentialausgleichsbuchse erden, aber mobil wird das schwieriger.

Gruß

Manuel

Stefan

unread,
Jun 10, 2016, 2:21:22 AM6/10/16
to
Ich weiss nicht, ob das wirklich ein Problem ist. Die Heizspannung
sollte ja von der Lötspitze isoliert sein. Würde ich ansonsten mal
nachmessen.

Ich hätte etwas Bedenken wegen des Klinkensteckers. Die sind wohl für so
einen Einsatzzweck nicht wirklich gedacht.

Außerdem machen Klinkenstecker beim Einstecken kurzzeitig einen
Kurzschluss. Das müsste man bei der Konstruktion des Netzteils unbedingt
berücksichtigen.

Gruß

Stefan





>
> Gruß
>
> Manuel

Manuel Reimer

unread,
Jun 10, 2016, 11:01:07 AM6/10/16
to
On 06/10/2016 08:21 AM, Stefan wrote:
> Ich weiss nicht, ob das wirklich ein Problem ist. Die Heizspannung
> sollte ja von der Lötspitze isoliert sein. Würde ich ansonsten mal
> nachmessen.

Ist nicht von der Lötspitze isoliert. Der "Minuspol" ist mit der
Lötspitze verbunden. Eben das man über diesen zusätzlich erden kann.

Ich werde aber wohl trotzdem das Tischnetzteil verwenden und auf der
Rückseite der Station eine Erdungsbuchse vorsehen, die innen mit dem
Minuspol verbunden wird. So kann ich die Station am Arbeitsplatz in den
Potentialausgleich einbinden.

Ich habe gerade mal ein Schaltnetzteil, das gerade greifbar war,
gemessen. Ableitstrom von beiden sekundären Polen zur Erde ist 0,1mA.
Keine Ahnung ob es dermaßen empfindliche Elektronik gibt, dass die schon
davon geschrottet wird.

> Ich hätte etwas Bedenken wegen des Klinkensteckers. Die sind wohl für so
> einen Einsatzzweck nicht wirklich gedacht.

Das stimmt. Wird aber schon klappen. Sind ja "nur" 3,33A.

> Außerdem machen Klinkenstecker beim Einstecken kurzzeitig einen
> Kurzschluss. Das müsste man bei der Konstruktion des Netzteils unbedingt
> berücksichtigen.

Belegung der Spitzen ist:
Spitze: Heizung
Kleiner Ring: Sensor
Großer Ring: GND

Beim Stecken wird also erst Heizung mit Sensor über GND und
Sensorleitung geschaltet und beim vollen Stecken kommt erst der
Heizstrom auf die Spitze. Scheint mir recht sicher zu sein.

Gruß

Manuel

Chris Jones

unread,
Jun 11, 2016, 2:10:32 AM6/11/16
to
On 11/06/2016 01:01, Manuel Reimer wrote:
> On 06/10/2016 08:21 AM, Stefan wrote:
>> Ich weiss nicht, ob das wirklich ein Problem ist. Die Heizspannung
>> sollte ja von der Lötspitze isoliert sein. Würde ich ansonsten mal
>> nachmessen.
>
> Ist nicht von der Lötspitze isoliert. Der "Minuspol" ist mit der
> Lötspitze verbunden. Eben das man über diesen zusätzlich erden kann.
>
> Ich werde aber wohl trotzdem das Tischnetzteil verwenden und auf der
> Rückseite der Station eine Erdungsbuchse vorsehen, die innen mit dem
> Minuspol verbunden wird. So kann ich die Station am Arbeitsplatz in den
> Potentialausgleich einbinden.
>
> Ich habe gerade mal ein Schaltnetzteil, das gerade greifbar war,
> gemessen. Ableitstrom von beiden sekundären Polen zur Erde ist 0,1mA.
> Keine Ahnung ob es dermaßen empfindliche Elektronik gibt, dass die schon
> davon geschrottet wird.

Wenn man die Verbindung nicht unterbrechen und wieder machen wuerde,
waere es vielleicht ok - aber beim Loeten ist es schon ein Problem:
Y-Kondensator (bis 2.2nF) mit bis 1.414*230V=325V laden... Loetstelle
fertig... Wechselspannung wechselt sich (+325V -> -325V) ... naechste
Loetstelle beruhren, Kondensator muss sich von +325V bis -325V entladen
und laden, und viel Strom fliesst in wenige Mikrosekunden durch die
Loetstelle und Bauteile.

Es kann auch mit der Eingaengen von Hifi-Verstaerkern passieren, wenn
man verschiedene Dinge anschliesst (ohne z.B. CD/DVD-Spieler auszuschalten).

Stefan

unread,
Jun 11, 2016, 4:10:30 AM6/11/16
to
Am 11.06.2016 um 08:10 schrieb Chris Jones:
> On 11/06/2016 01:01, Manuel Reimer wrote:
>> On 06/10/2016 08:21 AM, Stefan wrote:
>>> Ich weiss nicht, ob das wirklich ein Problem ist. Die Heizspannung
>>> sollte ja von der Lötspitze isoliert sein. Würde ich ansonsten mal
>>> nachmessen.
>>
>> Ist nicht von der Lötspitze isoliert. Der "Minuspol" ist mit der
>> Lötspitze verbunden. Eben das man über diesen zusätzlich erden kann.
>>
>> Ich werde aber wohl trotzdem das Tischnetzteil verwenden und auf der
>> Rückseite der Station eine Erdungsbuchse vorsehen, die innen mit dem
>> Minuspol verbunden wird. So kann ich die Station am Arbeitsplatz in den
>> Potentialausgleich einbinden.
>>
>> Ich habe gerade mal ein Schaltnetzteil, das gerade greifbar war,
>> gemessen. Ableitstrom von beiden sekundären Polen zur Erde ist 0,1mA.
>> Keine Ahnung ob es dermaßen empfindliche Elektronik gibt, dass die schon
>> davon geschrottet wird.

0.1mA reicht für manche Eingänge aus...

>
> Wenn man die Verbindung nicht unterbrechen und wieder machen wuerde,
> waere es vielleicht ok - aber beim Loeten ist es schon ein Problem:
> Y-Kondensator (bis 2.2nF) mit bis 1.414*230V=325V laden... Loetstelle
> fertig... Wechselspannung wechselt sich (+325V -> -325V) ... naechste
> Loetstelle beruhren, Kondensator muss sich von +325V bis -325V entladen
> und laden, und viel Strom fliesst in wenige Mikrosekunden durch die
> Loetstelle und Bauteile.

Also ich hab keine Erfahrung mit selbstgebauten Netzteilen am Lötkolben.
Hier laufen mehrere Weller WTCP-S und diverse andere Lötstationen. Ich
kann mich nicht erinnern, mit dem Lötkolben etwas elektisch geschrottet
zu haben (wohl mechanisch, Brandlöcher etc.).

Ich habe aber auch nur Lötstationen ohne Schutzkontakt und mit
Originalnetzteil und Lötkolben mit 230V Anschluss.

Selbst wenn über den Y-Kondensator etwas fließen kann, müsste das
Werkstück ebenfalls geerdet sein, damit da ein schädlicher Strom fließen
kann. Das kann natürlich der Fall sein, wenn das Werkstück seinerseits
an einer geerdeten Stromversorgung hängt.

Aber normalerweise ist das alles ziemlich unkritisch.


Gruß

Stefan

Manuel Reimer

unread,
Jun 11, 2016, 5:41:13 AM6/11/16
to
On 06/11/2016 10:10 AM, Stefan wrote:
> Also ich hab keine Erfahrung mit selbstgebauten Netzteilen am Lötkolben.
> Hier laufen mehrere Weller WTCP-S und diverse andere Lötstationen. Ich
> kann mich nicht erinnern, mit dem Lötkolben etwas elektisch geschrottet
> zu haben (wohl mechanisch, Brandlöcher etc.).

Gekaufte Lötstationen haben meist Ringkerntrafos oder ähnliche
klassische Netzteile. Die haben das Problem der Y-Kondensatoren nicht.
Hier ist der Lötkolben also *echt* galvanisch getrennt.

Dazu sind Weller-Stationen ab Werk so geschaltet, dass der Kolben hart
geerdet ist (auf PE der Zuleitung).

Eben da bin ich noch unschlüssig. Eigentlich würde es mich reizen etwas
leichtes portables zu bauen. Ein Ringkern würde mit seiner Größe und
seinem Gewicht da dagegensprechen.

Eventuell ein Open-Frame-Schaltnetzteil nehmen? Wenn die
Kaltgerätebuchse im Gehäuse ist kann man den Minuspol hart erden.

Gruß

Manuel

Stefan

unread,
Jun 11, 2016, 9:36:47 AM6/11/16
to
Am 11.06.2016 um 11:41 schrieb Manuel Reimer:
> On 06/11/2016 10:10 AM, Stefan wrote:
>> Also ich hab keine Erfahrung mit selbstgebauten Netzteilen am Lötkolben.
>> Hier laufen mehrere Weller WTCP-S und diverse andere Lötstationen. Ich
>> kann mich nicht erinnern, mit dem Lötkolben etwas elektisch geschrottet
>> zu haben (wohl mechanisch, Brandlöcher etc.).
>
> Gekaufte Lötstationen haben meist Ringkerntrafos oder ähnliche
> klassische Netzteile. Die haben das Problem der Y-Kondensatoren nicht.
> Hier ist der Lötkolben also *echt* galvanisch getrennt.
>
> Dazu sind Weller-Stationen ab Werk so geschaltet, dass der Kolben hart
> geerdet ist (auf PE der Zuleitung).

Meine WTCP-s haben keinen Schutzleiteranschluss. Zweiadrige Zuleitung
mit Eurostecker...


horst-d.winzler

unread,
Jun 11, 2016, 9:45:11 AM6/11/16
to
Am 11.06.2016 um 15:36 schrieb Stefan:
> Am 11.06.2016 um 11:41 schrieb Manuel Reimer:
>> On 06/11/2016 10:10 AM, Stefan wrote:
>>> Also ich hab keine Erfahrung mit selbstgebauten Netzteilen am Lötkolben.
>>> Hier laufen mehrere Weller WTCP-S und diverse andere Lötstationen. Ich
>>> kann mich nicht erinnern, mit dem Lötkolben etwas elektisch geschrottet
>>> zu haben (wohl mechanisch, Brandlöcher etc.).
>>
>> Gekaufte Lötstationen haben meist Ringkerntrafos oder ähnliche
>> klassische Netzteile. Die haben das Problem der Y-Kondensatoren nicht.
>> Hier ist der Lötkolben also *echt* galvanisch getrennt.

Ich habe hier eine Lötstation mit Schaltnetzteil.

>> Dazu sind Weller-Stationen ab Werk so geschaltet, dass der Kolben hart
>> geerdet ist (auf PE der Zuleitung).
>
> Meine WTCP-s haben keinen Schutzleiteranschluss. Zweiadrige Zuleitung
> mit Eurostecker...

Die hat eine Potentialausgleichsbuchse auf der Frontseite. ;-)

--
---hdw---

Chris Jones

unread,
Jun 11, 2016, 9:48:49 AM6/11/16
to
Viele Laptop-netzteile (mit 3-polige Stecker) sind genau so gebaut.
Eigentlich waere es besser wenn die Netzteile mit 3-polige
Ausgangsstecker vorgesehen waeren (Minuspol und PE nur im Laptop
verbunden), aber fuer Loetkolben reicht es (wahrscheinlich) weil <500mV
am Minuspol liegen werden.
http://www.epanorama.net/newepa/2012/02/14/dell-laptop-ground-loop-problems/
http://www.epanorama.net/newepa/2012/03/13/improved-laptop-grounding/

Chris

Stefan

unread,
Jun 11, 2016, 11:16:40 AM6/11/16
to
Ist richtig, hab ich aber nie benutzt.

Wie weiter oben beschrieben: Ich kann mich nicht daran erinnern, in
meiner 40 jährigen Basteltätigkeit jemals irgendein Bauteil durch
elektrische Ströme über die Lötspitze zerstört zu haben...


>

Reinhardt Behm

unread,
Jun 11, 2016, 11:50:29 AM6/11/16
to
Glück gehabt oder Du hast es immer geschafft, die Spitze auf Dein eigenes
Potential zu bringen.
Bei mir ist es vor kurzer Zeit passiert, weil eine Dumpfbacke den PE der
Lötstation im Netzstecker abgetrennt hat. Da hilft dann auch kein ESD-
Aufkleber mehr. Der Eingang des Chips, an dem ich was angelötet habe war
danach tot. Messung Spitze gegen Erde zeigte 55V~ (wir haben hier 110V~). Es
reicht auch, wenn ich das Voltmeter mit einem Pin an die Spitze und den
anderen in der Hand hielt. Meine Kapazität war schon groß genug.
Da fließen zwar keine großen Ströme, aber 55V (eff) reichen, einen CMOS
Eingang im ungünstigen Fall zu zerschießen. Der stirbt dabei u.U. schneller,
als die Schutzdioden wirken können.

Nimm einfach mal ein hochohmiges Voltmeter, und messe zwischen Lötspitze und
deiner Hand.

Betrachte mal ein Ersatzschaltbild eines Trafos mit den Kapazitäten zwischen
primär und Kern und/oder sekundär. Die sorgen dafür, dass ohne irgendeinen
Potentialausgleich die Sekundärseite auf der Mitte der Primärspannung liegt
- bei Euch also 120V bei uns 55V. Da braucht's gar keine Y-Cs.
Man merkt es normal nicht, weil schon ein relativ großer Ableitwiderstand
diese Spannung zusammenbrechen lässt.

Ich habe da schon mehr solche Überraschungen erlebt.
Drucker mit externem Netzteil und Stecker ohne PE: Als ich den Centronics-
Stecker (ja, ist länger her) des Kabels vom PC einstecken wollte, zog der
Funken am Drucker. Zum Glück bemerkte ich es bevor ein Pin Kontakt hatte.

Anderes Beispiel: Kunde beschwert sich, dass eine Spezial-Tastatur von uns
(mit USB Schnittstelle und externe 24V Versorgung) beim Test den USB-Port
mehrerer Rechner zerschossen hat. Der Grund war auch ein nicht geerdetes
24V-Netzteil.

--
Reinhardt

horst-d.winzler

unread,
Jun 11, 2016, 11:57:08 AM6/11/16
to
Am 11.06.2016 um 17:16 schrieb Stefan:
> Am 11.06.2016 um 15:45 schrieb horst-d.winzler:

>> Die hat eine Potentialausgleichsbuchse auf der Frontseite. ;-)
>
> Ist richtig, hab ich aber nie benutzt.
>
> Wie weiter oben beschrieben: Ich kann mich nicht daran erinnern, in
> meiner 40 jährigen Basteltätigkeit jemals irgendein Bauteil durch
> elektrische Ströme über die Lötspitze zerstört zu haben...

Ein Bauteil muß nicht gleich ausfallen, es kann lediglich geschädigt
werden. Schädigungen können die Lebensdauer eines Bauteils verkürzen
oder einfach den Leckstrom vergrößern.
---hdw---

Manuel Reimer

unread,
Jun 19, 2016, 4:56:22 AM6/19/16
to
On 06/11/2016 03:36 PM, Stefan wrote:
> Meine WTCP-s haben keinen Schutzleiteranschluss. Zweiadrige Zuleitung
> mit Eurostecker...

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Spannung gegen Erde am Ausgang liegt.

Es ist möglich ein Schaltnetzteil auch ohne diese (manchmal
unerwünschte) Wechselspannung auf der Sekundärseite zu bauen. Bei den
Netzteilen, die Fritz-Boxen beiliegen, messe ich zum Beispiel keine
Spannung zwischen Ausgang und Erde. Keine Ahnung wie die da tricksen um
trotzdem eine Funkentstörung hinzubekommen.

Ich habe mir jetzt ein Tischnetzteil rausgesucht, das zwar eine
Kaltgerätebuchse hat, aber damit nicht den Minuspol erdet (zumindest
macht es ein baugleiches Modell für andere Ausgangsspannung, welches ich
dahabe, nicht). Dieses ist mit normalen Schrauben zugeschraubt. Ich
werde also einfach direkt im Netzteil eine Brücke zwischen sekundär
Minus und PE herstellen. Ich habe in Schaltnetzteilen auch schon gesehen
das zwischen PE und Minus noch ein Kondensator liegt. Den müsste ich in
dem Fall nur überbrücken.

Gruß

Manuel
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