Glück gehabt oder Du hast es immer geschafft, die Spitze auf Dein eigenes
Potential zu bringen.
Bei mir ist es vor kurzer Zeit passiert, weil eine Dumpfbacke den PE der
Lötstation im Netzstecker abgetrennt hat. Da hilft dann auch kein ESD-
Aufkleber mehr. Der Eingang des Chips, an dem ich was angelötet habe war
danach tot. Messung Spitze gegen Erde zeigte 55V~ (wir haben hier 110V~). Es
reicht auch, wenn ich das Voltmeter mit einem Pin an die Spitze und den
anderen in der Hand hielt. Meine Kapazität war schon groß genug.
Da fließen zwar keine großen Ströme, aber 55V (eff) reichen, einen CMOS
Eingang im ungünstigen Fall zu zerschießen. Der stirbt dabei u.U. schneller,
als die Schutzdioden wirken können.
Nimm einfach mal ein hochohmiges Voltmeter, und messe zwischen Lötspitze und
deiner Hand.
Betrachte mal ein Ersatzschaltbild eines Trafos mit den Kapazitäten zwischen
primär und Kern und/oder sekundär. Die sorgen dafür, dass ohne irgendeinen
Potentialausgleich die Sekundärseite auf der Mitte der Primärspannung liegt
- bei Euch also 120V bei uns 55V. Da braucht's gar keine Y-Cs.
Man merkt es normal nicht, weil schon ein relativ großer Ableitwiderstand
diese Spannung zusammenbrechen lässt.
Ich habe da schon mehr solche Überraschungen erlebt.
Drucker mit externem Netzteil und Stecker ohne PE: Als ich den Centronics-
Stecker (ja, ist länger her) des Kabels vom PC einstecken wollte, zog der
Funken am Drucker. Zum Glück bemerkte ich es bevor ein Pin Kontakt hatte.
Anderes Beispiel: Kunde beschwert sich, dass eine Spezial-Tastatur von uns
(mit USB Schnittstelle und externe 24V Versorgung) beim Test den USB-Port
mehrerer Rechner zerschossen hat. Der Grund war auch ein nicht geerdetes
24V-Netzteil.
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Reinhardt