Hallo Holger,
> Das Projekt, um das es geht, ist folgendes: Der Ausgang eines Reglers
> hat ein nominelles Rauschen von 20 µV_RMS ... > Das Signal wird durch 20 geteilt ... Dieses geht zu einem
HV-Verstärker mit
> Verstärkung 20 ... > Der HV-Verstärker hat ein angegebenes Eigenrauschen von 50 µV_RMS.
> Vorgabe war, daß das Rauschen des Eingangssignals nach Verstärkung von
> 20 nicht höher ist als das Eigenrauschen.
.. als das Eigenrauschen von was?
Wenn zum Eigenrauschen des Verstärkers noch etwas Rauschen am Eingang
dazu kommt, dann wird es sehr unwahrscheinlich weniger Gesamtrauschen
geben können, als das Eigenrauschen des Verstärkers (gleiche Bandbreite
vorausgesetzt).
> LTspice sagt mir,
Dann muss man sich schon vergewissern, dass die verwendeten Modelle der
Bauteile auch das widerspiegeln, was die Bauteile in Sachen Rauschen
auch tun. Blind vertrauen würde ich da nie, solange im Modell nicht
explizit angegeben ist, dass es für Rauschbetrachtungen geeignet
konstruiert ist. Das gleiche gilt für Offsetabweichungen und ähnliche
Größen aus dem Bereich der Statistischen Abweichungen.
> daß ich je
> nach Offset schlimmstenfalls bei 2,5 µV_RMS liege (0,1 Hz bis 50 kHz
> integriert).
Hier springt mein Plausibilitätswarner an. Das kann doch eigentlich nur
passieren, wenn die Zahlen oben und unten auf ziemlich unterschiedlichen
Frequenzbreiten aufbauen.
> Nachdem effektiv sowieso nur 20 kHz benötigt werden,
Warum integrierst Du dann oben bis 50 kHz?
> Der Offset wird mit einem 10-Gang-Poti eingestellt.
Ein 10-Gang-Poti ist nicht gleich einem 10-Gang-Poti anderer Bauart. Der
These, dass diese gewöhnlich mit Draht als Widerstand gebaut seien, kann
ich mich nicht erwärmen. Ich kenne monströse Mehr-Gang-Potis, die
tatsächlich auf Drahtwickeln abgreifen. Die kenne ich von mehreren cm
Länge bis zu mehreren Dutzenden an cm und zweistelligen cm an
Durchmessern (waren in der Dimmung der Saalbeleuchtung eines
Konzerthauses - motorgesteuert zum weichen Ein- und Ausschalten)
Die 10-Gang-Trimmer, die ich aber viel häufiger sehe, also die, die
wenige mm klein sind, dürften aber sehr wahrscheinlich nicht auf
Metalldraht basieren. Die zwei Exemplare, die ich in meiner Jugend vor
ca 40 Jahren im Zuge elementarer Materialerfahrung zerlegt hatte, hatten
jedenfalls eine schwarze Fläche, die denen ganz normaler Potis entsprach.
> Das habe ich durch
> zwei per Parameter veränderbare Widerstände simuliert.
Ist im Modell der Widerstände ebenfalls etwas zur Rauschcharakteristik
hinterlegt? So lange da kein Material oder ein spezifisches Modell eines
definierten Herstellers benannt ist, wäre ich da eher skeptisch.
Allerdings rauschen Widerstände meist deutlich weniger als die
beteiligten Halbleiter, solange das Ganze nicht allzu hochohmig ist.
> Wäre ein Testaufbau auf Lochraster überhaupt sinnvoll? Letztendlich soll
> eine geätzte Leiterplatte zum Einsatz kommen (2-lagig).
Rauschen wird durch die Lochrasterplatine eher wenig dazu kommen.
Einkopplung von Störsignalen möglicherweise schon. Wenn wir im Praktikum
auf Steckbrettchen EKG-Verstärker bauen, gehe ich gelegentlich mit den
Studis nach nebenan in die Röntgenkammer. Da sehen die Signale sehr
schön aus, weil die Bleiabschirmung auch sehr viel an sonstigen
Störungen abschirmt ;-)
Das hat aber nichts mit Rauschen zu tun, auch wenn es auf dem Oszi oft
sehr ähnlich aussieht ;-)
> Sind bedrahtete Bauteile schädlich?
Die Rauschen nicht prinzipiell mehr.
> Die LT1021 ist auf den ersten Blick
> nur im DIP-Gehäuse gut verfügbar, die OP27 habe ich als DIP schon hier.
OP27 und 20 kHz klingt eher nicht so gut, ganz ohne jetzt ein Datenblatt
zu bemühen. Dass der OP27 sich in Sachen Rauchen wie ein LT1021
verhalten wird, würde ich jetzt aber niemals annehmen wollen. Ich kenne
den aber nicht in der Praxis.
Ich habe prototypische Aufbauten mit der "dead bug" Technik zu lieben
gelernt. Das Verhalten war einkopplungstechnisch größtenteils einer
doppelseitigen überlegen. Die durchgängige Massefläche schirmt in der
Tat sehr viel ab. Jede Bohrung und jede Leitung, die die Massefläche
durchschneidet, schwächen diese Abschirmwirkung. Ich hatte schon "dead
bug"-Aufbauten, die besser waren, als auf der vierlagige Platine, die
durchaus nicht stümperhaft geroutet war.
Marte