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Erdung von Gehäusen

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Thorsten Ostermann

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Feb 22, 2011, 1:46:21 PM2/22/11
to
Nach einer anregenden Diskussion mit einem Kunden habe ich mich
gedanklich mal etwas intensiver mit dem Thema Erdung von Gehäusen
beschäftigt:

Bei Geräten der Schutzklasse 1 müssen ja alle (von außen) berührbaren
Metallteile geerdet werden. Bei den Labornetzteilen die ich so hier habe
(EA und China-Ware von Reichelt) ist der abnehmbare Deckel separat über
ein Kabel geerdet. In dem Gerät von EA kommen am Erdungspunkt sogar 6
Leitungen zusammen (vermutlich sind beide Trafos auch noch extra
geerdet). Bei PCs habe ich noch nie ein echtes Erdungsband gesehen, nur
HF-Klammern. Zumindest zu AT-Zeiten gab es ja noch den
spannungsführenden Netzschalter, um den aber i.A. ein dicker
Isolierschlauch gezogen war. Waren solche AT-PCs damit defacto Geräte
der Schutzklasse 2? Anderseits hatte ja auch ein AT-Netzteil einen
Schutzleiter, was für Schutzklasse 1 spricht.

Wie löst man konkret das Erdungsproblem bei Gehäusen aus Aluprofilen und
-blechen? Theoretisch müsste man ja alle Einzelteile erden. Bei 6
Blechen und 4 Profilen also satte 10 Leitungen, und die Profile sind
meist von innen nichtmal vernüftig zugänglich. Oder reicht da die
Verbindung über die Gehäuseschrauben als Erdung? Und wie ist das bei
lackierten/gepulverten Blechgehäusen. Der Lack wird wohl kaum als
Isolierung durchgehen. Also müsste an jedem Teil eine unlackierte Stelle
vorgesehen werden, an der ein Erdungskabel angebracht werden kann,
richtig?

Wir das in der Praxis auch tatsächlich immer so konsequent umgesetzt?
Ich kann mich z.B. nicht erinnern, dass der alte Renkforce-Verstärker,
den ich letztes Jahr repariert habe, ein Erdungsband am Deckel hatte.
Ein Schukostecker deutet aber auf Schutzklasse 1 hin...

Gruß
Thorsten
--
http://www.mechapro.de - Wir bewegen Ihre Ideen.
mechapro GmbH, Martin-Luther-Str. 3-5, 52062 Aachen.
HR Aachen, HRB15158. Geschäftsführer: Dipl.-Ing. T. Ostermann
Tel.: +49/241/4091800, Fax: +49/241/4091803

Lutz Schulze

unread,
Feb 22, 2011, 1:56:41 PM2/22/11
to
Am Tue, 22 Feb 2011 19:46:21 +0100 schrieb Thorsten Ostermann:

> Zumindest zu AT-Zeiten gab es ja noch den
> spannungsführenden Netzschalter, um den aber i.A. ein dicker
> Isolierschlauch gezogen war. Waren solche AT-PCs damit defacto Geräte
> der Schutzklasse 2?

Nein, der sollte wohl nur zufälliges Berühren der möglicherweise noch ein
Stückchen offenliegenden Anschlüsse verhindern wenn man im PC hantiert.

Schutzklasse 2 erfordert neben der Betriebsisolierung eine komplette
zusätzliche Isolierung aller metallischen Teile, mein Wissen ist da aber
schon etwas angestaubt.

Lutz

--
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Serverraum gibt: preiswerte Monitoring Hard- und Software-kostenloses Plugin
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Kai-Martin Knaak

unread,
Feb 22, 2011, 1:56:48 PM2/22/11
to
Thorsten Ostermann wrote:

> Waren solche AT-PCs damit defacto Geräte
> der Schutzklasse 2?

Da wird wohl die Blechkiste des Netzteils als "außen" definiert sein.
Der Rest des PCs sieht im normalen Betrieb ja keine unter Netzspannung
stehenden Kabel und Bauteile.

---<)kaimartin(>---
--
Kai-Martin Knaak tel: +49-511-762-2895
Universität Hannover, Inst. für Quantenoptik fax: +49-511-762-2211
Welfengarten 1, 30167 Hannover http://www.iqo.uni-hannover.de
GPG key: http://pgp.mit.edu:11371/pks/lookup?search=Knaak+kmk&op=get

Thorsten Ostermann

unread,
Feb 22, 2011, 2:34:47 PM2/22/11
to
Hallo Kai-Martin!

>> Waren solche AT-PCs damit defacto Geräte
>> der Schutzklasse 2?
>
> Da wird wohl die Blechkiste des Netzteils als "außen" definiert sein.
> Der Rest des PCs sieht im normalen Betrieb ja keine unter Netzspannung
> stehenden Kabel und Bauteile.

Doch, eben der besagte Netzschalter. Erst seit ATX ist der Netzschalter
ja kein echter Netzschalter mehr.

Gruß
Thorsten
--
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Olaf Kaluza

unread,
Feb 22, 2011, 2:28:38 PM2/22/11
to
Thorsten Ostermann <Ne...@ostermann-net.de> wrote:

>HF-Klammern. Zumindest zu AT-Zeiten gab es ja noch den
>spannungsführenden Netzschalter, um den aber i.A. ein dicker
>Isolierschlauch gezogen war. Waren solche AT-PCs damit defacto Geräte
>der Schutzklasse 2? Anderseits hatte ja auch ein AT-Netzteil einen
>Schutzleiter, was für Schutzklasse 1 spricht.

Das habe ich mich auch schon gefragt, und ich habe den Verdacht als
sich der Rest der Welt das gefragt hat ist der Netzschalter ganz
schnell in das Netzteil verschwunden weil die Hersteller nicht wollten
das man ihnen diese Frage stellt. :-)


>Wie löst man konkret das Erdungsproblem bei Gehäusen aus Aluprofilen und
>-blechen? Theoretisch müsste man ja alle Einzelteile erden. Bei 6
>Blechen und 4 Profilen also satte 10 Leitungen, und die Profile sind
>meist von innen nichtmal vernüftig zugänglich. Oder reicht da die
>Verbindung über die Gehäuseschrauben als Erdung?

Es gibt spezielle Unterlegscheiben die sich beim zusammenschrauben in
das Alu druecken und die Verbindung herstellen. Normale schauben
reichen nicht. Die Eloxierung ist eine ganz gute Isolierung.

>Und wie ist das bei
>lackierten/gepulverten Blechgehäusen. Der Lack wird wohl kaum als
>Isolierung durchgehen. Also müsste an jedem Teil eine unlackierte Stelle
> vorgesehen werden, an der ein Erdungskabel angebracht werden kann,
>richtig?

Im Prinzip schon. Aber wie schon gesagt die Hersteller der Gehaeuse
haben dafuer meist irgendeine spezielle Loesung.

Olaf

Florian Breithaupt

unread,
Feb 22, 2011, 2:37:30 PM2/22/11
to
Am 22.02.2011 19:56, schrieb Lutz Schulze:

> Schutzklasse 2 erfordert neben der Betriebsisolierung eine komplette
> zusätzliche Isolierung aller metallischen Teile, mein Wissen ist da aber
> schon etwas angestaubt.

Nicht ganz.
Schutzklasse 2 wird durch eine zusätzlich zur Betriebsisolierung
vorhandene Schutzisolierung definiert.
Z.B. ein Gehäuse aus zumindest Schlagzähem Kunststoff, ausreichenden
Sicherheitsabständen, und eventuellen zusaätzlichen Isolierplatten,
Folien, Papieren usw.

Ein Beispiel für Schutzklasse2 kann auch eine einfache Leitung sein (ok,
Schutzklassen werden für Leitungen nicht in dem Sinne verwendet, aber
als Beispiel taugt es alle mal).
Wenn man nur die einzelnen Adern mit Betriebsisolierung nimmt und zum
Beispiel mit Kabelbindern zusammen hält, kann man auch einen Stecker und
eine Kupplung miteinander verbinden, ohne daß im Normalfall etwas
passiert. Aber das ist nicht zulässig, weil eben die Schutzisolierung
fehlt. Auch ein Wickel- oder Gewebeschlauch funktionieren, zählen
allerdings nicht als Schutzisolierung, weil im Falle eines Defektes der
Betriebsisolierung nicht sichergestellt werden kann, daß man die blank
liegenden Kupferadern nicht berühren kann.
Wenn man allerdings eine Mantel- oder Schlauchleitung wie z.B. H05VV-K
nimmt, ist der zusätzliche PVC-Mantel um die Einzeladern die
Schutzisolierung und erst wenn diese beschädigt ist, weil man sie zum
Beispiel zu oft um irgend welche Kanten gezogen hat, kann auch die
Betriebsisolierung beschädigt werden und es wird gefährlich. Aber das
kann ja nicht passieren, weil man die Leitung vor dem Gebrauch,
zumindest aber täglich in Augenschein nimmt und defekte Leitungen
aussondert oder repariert/reparieren lässt. *Hust*
So zumindest sollte es gemacht werden und so steht es auch in vielen
Gebrauchsanleitungen. Daß das nicht immer (oder eher in den seltensten
Fällen) gemacht wird, gerade im privaten Umfeld, steht auf einem anderen
Blatt. Allerdings muß man damit rechnen, daß eine eventuell in die
Pflicht genommene Versicherung die Frage stellt, warum man die
Verlängerung überhaupt erst benutzt hat, obwohl die Leitung sichtbare
Schäden aufweist.

Auch ein Gehäuse aus Metall kann man mit geeigneten Massnahmen in
Schutzklasse2 ausführen, wenn man z.B. das Netzteil kapselt, an
erforderlichen Stellen Kunststoff oder Papierlagen zwischen setzt und
alle Netzspannungsführende Teile so befestigt und nötigenfalls mit einer
zweiten Isolierschicht ummantelt, daß dies Netzspannung nicht ans
Gehäude kommen kann, auch wenn das Gerät unsanft behandelt wird oder
runter fällt.
Ob man so etwas tun sollte oder nicht, ist eine andere Frage.

Beim PC-Netzteil sieht das etwas anders aus. Das Netzteil selbst ist
Schutzklasse1, und dessen Metallgehäuse ist mit dem Schutzleiter
verbunden. Der PC selbst hat dann nicht mehr viel mit dem Schutzleiter
zu tun, da dort ja nur die Kleinspannung aus dem Netzteil verwendet wird.
Bei den XT- und AT-Netzteilen deren Netzschalter vorne im PC-Gehäuse
angebracht war wurde die Sicherheit dadurch erreicht, daß die Leitung
mitsamt Schalter als Schutzklasse2 ausgeführt war (oder es zumindest
sein sollte).

Florian

Heiko Lechner

unread,
Feb 22, 2011, 3:21:26 PM2/22/11
to
Am 22.02.2011 20:28, schrieb Olaf Kaluza:

> Im Prinzip schon. Aber wie schon gesagt die Hersteller der Gehaeuse
> haben dafuer meist irgendeine spezielle Loesung.

Und wenn nicht, dann hat man die Wahl zwischen SK2 und "dremeln" würde
ich sagen :D

Heiko Lechner

unread,
Feb 22, 2011, 3:22:36 PM2/22/11
to
Am 22.02.2011 20:37, schrieb Florian Breithaupt:

> Auch ein Gehäuse aus Metall kann man mit geeigneten Massnahmen in
> Schutzklasse2 ausführen, wenn man z.B. das Netzteil kapselt, an
> erforderlichen Stellen Kunststoff oder Papierlagen zwischen setzt und
> alle Netzspannungsführende Teile so befestigt und nötigenfalls mit einer
> zweiten Isolierschicht ummantelt, daß dies Netzspannung nicht ans
> Gehäude kommen kann, auch wenn das Gerät unsanft behandelt wird oder
> runter fällt.

Das ist meistens bei Hifi- Zeug so.

Kai-Martin Knaak

unread,
Feb 22, 2011, 5:02:38 PM2/22/11
to
Thorsten Ostermann wrote:

> Doch, eben der besagte Netzschalter. Erst seit ATX ist der Netzschalter
> ja kein echter Netzschalter mehr.

Ein Netzschalter gehört ebensowenig zum Gehäuse im Sinne der Norm, wie
auch die Kaltgerätebuchse. Dafür, dass er seine Funktion ohne Gefährdung
des Benutzers erfüllt, bürgen die diversen eingeprägten Icons.

Thomas Prufer

unread,
Feb 23, 2011, 1:39:40 AM2/23/11
to
On Tue, 22 Feb 2011 20:28:38 +0100, Olaf Kaluza <ol...@criseis.ruhr.de> wrote:

>Thorsten Ostermann <Ne...@ostermann-net.de> wrote:
> >Und wie ist das bei
> >lackierten/gepulverten Blechgehäusen. Der Lack wird wohl kaum als
> >Isolierung durchgehen. Also müsste an jedem Teil eine unlackierte Stelle
> > vorgesehen werden, an der ein Erdungskabel angebracht werden kann,
> >richtig?
>
>Im Prinzip schon. Aber wie schon gesagt die Hersteller der Gehaeuse
>haben dafuer meist irgendeine spezielle Loesung.

Kleben!

Ein Freund wunderte sich warum die Erde gar so wenig erdete -- die Bolzen waren
angeklebt. ISTR sogar noch auf die Farbe drauf...


Thomas Prufer

Oliver Betz

unread,
Feb 23, 2011, 2:08:59 AM2/23/11
to
Thorsten Ostermann schrieb:

>Nach einer anregenden Diskussion mit einem Kunden habe ich mich
>gedanklich mal etwas intensiver mit dem Thema Erdung von Gehäusen

du wirst nicht um die Arbeit herumkommen, Dich in dem Bereich zu
qualifizieren. Das heißt, die gültigen Normen lesen und verstehen
(viel Spaß). Alles andere ist fahrlässig. Etwas leichter verdaulich
für den Einstieg sind Bücher, z.B. "Der Kiefer".

Und ja, viele Erdungsdrähte sind in Alugehäusen nicht ungewöhnlich.

Servus

Oliver
--
Oliver Betz, Munich
despammed.com is broken, use Reply-To:

Thorsten Just

unread,
Feb 23, 2011, 3:08:23 AM2/23/11
to
Am 22.02.2011 19:46, schrieb Thorsten Ostermann:
> Wie löst man konkret das Erdungsproblem bei Gehäusen aus Aluprofilen und
> -blechen? Theoretisch müsste man ja alle Einzelteile erden. Bei 6
> Blechen und 4 Profilen also satte 10 Leitungen, und die Profile sind
> meist von innen nichtmal vernüftig zugänglich.

Das wird vom Gehäuse abhängen. Die Norm (z.B. DIN EN 61010) macht zum
konkreten Wie wenig Aussagen. Sie fordert aber, dass der Widerstand nach
Erde (unter festgelegten Messbedingungen) kleiner 0,1 Ohm ist. Wie man
das im konkreten Fall erreicht ist dann die Aufgabe des jeweiligen
Inscheniööörs. Die Varianten Erdungsbänder/-leiter und spezielle
Verschraubungen wurden ja schon genannt.

Ansonsten kann ich sagen, dass das bei unseren Geräten auch oft so ist,
dass sich dann einiges an Erdungsleitern ansammelt.

Gruß

(ein anderer) Thorsten

Thorsten Ostermann

unread,
Feb 23, 2011, 3:57:22 AM2/23/11
to
Hallo Kai-Martin!

>> Doch, eben der besagte Netzschalter. Erst seit ATX ist der Netzschalter
>> ja kein echter Netzschalter mehr.
>
> Ein Netzschalter gehört ebensowenig zum Gehäuse im Sinne der Norm, wie
> auch die Kaltgerätebuchse. Dafür, dass er seine Funktion ohne Gefährdung
> des Benutzers erfüllt, bürgen die diversen eingeprägten Icons.

Der Schalter selbst vielleicht nicht, aber was ist mit der Zuleitung,
z.B. vom Netzfilter zum Schalter und von dort zum Netzteil? Die *könnte*
sich ja lösen und Metallteile des Gehäuses berühren...

Gruß
Thorsten
--
PGP welcome!
Thorsten online: http://www.ostermann-net.de/electronic
Rund um Schrittmotor, Fräs-Bohr-Plotter & Mikrocontroller

Thorsten Ostermann

unread,
Feb 23, 2011, 3:59:31 AM2/23/11
to
Hallo Oliver!

> du wirst nicht um die Arbeit herumkommen, Dich in dem Bereich zu
> qualifizieren. Das heißt, die gültigen Normen lesen und verstehen
> (viel Spaß). Alles andere ist fahrlässig. Etwas leichter verdaulich
> für den Einstieg sind Bücher, z.B. "Der Kiefer".

Wer oder was ist "Der Kiefer"? Ein Fachbuch nehme ich an? Kannst Du
vielleicht auch noch den Titel in den Raum werfen? "Kiefer" alleine als
Suchbegriff dürfte alles mögliche zu Tage fördern, aber nicht die
Informationen, die ich suche.

Rafael Deliano

unread,
Feb 23, 2011, 4:49:47 AM2/23/11
to
> Wer oder was ist "Der Kiefer"? Ein Fachbuch nehme ich an?

Kiefer VDE100
http://www.amazon.de/VDE-0100-die-Praxis-Wegweiser/dp/3800731304/ref=sr_1_fkmr0_3?ie=UTF8&qid=1298453758&sr=8-3-fkmr0
Als Einführung mühsam, bringts aber im Detail.

Ich habe hier immer noch eine alte ( 1980 ) Ausgabe von
Hösl Elektroinstallation
rumliegen:
http://www.amazon.de/Die-vorschriftsm%C3%A4%C3%9Fige-Elektroinstallation-Wohnungsbau-Industrie/dp/3778540491/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1298453981&sr=1-1
Der war damals gut lesbar, kann ich als Einführung
empfehlen.
Weder Kiefer noch Hösl sind speziell für Geräteentwicklung
gedacht. Da sind die VDE-Broschüren die
oft alt billig bei ebay zu finden sind oft lesenswert.
A la "VDE-Schriftenreihe / Sicherheit in der Fermelde- und
Informationstechnik , Kommentar zu DIN VDE xyz"

MfG JRD


k...@familieknaak.de

unread,
Feb 23, 2011, 4:52:48 AM2/23/11
to
Thorsten Ostermann wrote:

>> Ein Netzschalter gehört ebensowenig zum Gehäuse im Sinne der Norm, wie
>> auch die Kaltgerätebuchse. Dafür, dass er seine Funktion ohne Gefährdung
>> des Benutzers erfüllt, bürgen die diversen eingeprägten Icons.
>
> Der Schalter selbst vielleicht nicht, aber was ist mit der Zuleitung,
> z.B. vom Netzfilter zum Schalter und von dort zum Netzteil? Die *könnte*
> sich ja lösen und Metallteile des Gehäuses berühren...

Ja sicher. Genau wegen diesen Fehlerfällen gibt es die Anforderung,
dass alle von auixßen berührbaren Metallteile geerdet sein müssen(*).
Wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass
die Teile des Netzteilgehäuses durch konstruktive Maßnahmen
sicher mit Schutzerde verbunden sind. Das muss nicht unbedingt
ein grüngelbes Erdungskabel mit Kabelschuh sein. Der Netzfilter
hat beispielsweise Laschen, die einen guten Kontakt zum Blech
herstellen. Drei Seiten sind ohnehin aus einem Stück gebogen.
und bei unlackierten, verschaubten Blechen kann man auch von
einer sicheren Erdung ausgehen.

(*) Wobei das in gewissem Maß Verhandlungssache ist. Zum
Beispiel muss das Drahtgitter über dem Lüfter nicht
notwendigerweise eine garantierte Erdung haben. Man kann
argumentieren, dass rein mechanisch nichts dorthin gelangen
kann, das eventuell unter Netzspannung steht.

---<)kaimartin(>---
--
Kai-Martin Knaak

Öffentlicher PGP-Schlüssel:
http://pgp.mit.edu:11371/pks/lookup?op=get&search=0x6C0B9F53

k...@familieknaak.de

unread,
Feb 23, 2011, 5:00:27 AM2/23/11
to
Florian Breithaupt wrote:

> Bei den XT- und AT-Netzteilen deren Netzschalter vorne im PC-Gehäuse

> angebracht war ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Ah. Jetzt verstehe
ich erst, wie der Einwand von Thorsten gemeint war. Irgendwie
ist für mich der harte Netzschalter automatisch mit Rückseite
verbunden. Vermutlich habe ich mich zu der Zeit, als das anders
war noch nicht ernsthaft für PCs interessiert.

Henning Paul

unread,
Feb 23, 2011, 5:20:28 AM2/23/11
to
k...@familieknaak.de wrote:

> Florian Breithaupt wrote:
>
>> Bei den XT- und AT-Netzteilen deren Netzschalter vorne im PC-Gehäuse
>> angebracht war ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
> Ah. Jetzt verstehe
> ich erst, wie der Einwand von Thorsten gemeint war. Irgendwie
> ist für mich der harte Netzschalter automatisch mit Rückseite
> verbunden. Vermutlich habe ich mich zu der Zeit, als das anders
> war noch nicht ernsthaft für PCs interessiert.

Wie alt warst Du 1996? Ich hätte Dich jetzt (wie mich) Ü30
kategorisiert.

Gruß
Henning

Christoph Matuschek

unread,
Feb 23, 2011, 5:37:18 AM2/23/11
to
Olaf Kaluza schrieb:

> >Wie löst man konkret das Erdungsproblem bei Gehäusen aus Aluprofilen und
> >-blechen? Theoretisch müsste man ja alle Einzelteile erden. Bei 6
> >Blechen und 4 Profilen also satte 10 Leitungen, und die Profile sind
> >meist von innen nichtmal vernüftig zugänglich. Oder reicht da die
> >Verbindung über die Gehäuseschrauben als Erdung?
>
> Es gibt spezielle Unterlegscheiben die sich beim zusammenschrauben in
> das Alu druecken und die Verbindung herstellen. Normale schauben
> reichen nicht. Die Eloxierung ist eine ganz gute Isolierung.

Nicht nur "ganz gut" .... wie bei vielen Keramiken ist sie hervorragend. Wir
hatten hier bei Tests mehr als 50V/µm Durchschlagsfestigkeit :-)

> >Und wie ist das bei
> >lackierten/gepulverten Blechgehäusen. Der Lack wird wohl kaum als
> >Isolierung durchgehen. Also müsste an jedem Teil eine unlackierte Stelle
> > vorgesehen werden, an der ein Erdungskabel angebracht werden kann,
> >richtig?
>
> Im Prinzip schon. Aber wie schon gesagt die Hersteller der Gehaeuse
> haben dafuer meist irgendeine spezielle Loesung.

Schweissbolzen - Bolzen in die Pistole, aufgesetzt, ausgelöst - fertig :-)

Selbst M8-Gewindebolzen sind bei 0,5mm-Blechen auf der abgewandten Seite
nicht sichtbar. Kein Anlaufen, keine Delle, nichts!

Es gibt auch entsprechende 6,3mm-Steckzungen - feine Sache, das.

Und preiswert ist es auch.

Wir geben unseres nicht mehr her :-)

Chris

k...@familieknaak.de

unread,
Feb 23, 2011, 6:38:33 AM2/23/11
to
Henning Paul wrote:

> Wie alt warst Du 1996? Ich hätte Dich jetzt (wie mich) Ü30
> kategorisiert.

Bin ich auch (deutlich). Trotzdem waren für mich Computer
eher uninteressant --- bis zu dem Moment, wo das Internet vor
Ort erreichbar war. Email, talk, ftp, die ersten www-Browser
und natürlich das Usenet haben aus einem Apparat ein
Kommunikationsmittel gemacht.
Natürlich habe ich auch vorher hier und da an der Tastatur
gesessen. Ein eigener PC war aber finanziell sowieso unerreichbar
und für den Atari fehlte mir irgendwie die Anwendung.

Heiko Lechner

unread,
Feb 23, 2011, 6:40:39 AM2/23/11
to
Am 23.02.2011 10:52, schrieb k...@familieknaak.de:

> Ja sicher. Genau wegen diesen Fehlerfällen gibt es die Anforderung,
> dass alle von auixßen berührbaren Metallteile geerdet sein müssen(*).

Bei SK1.
In welche Klasse fiel denn so ein alter PC?

Oliver Betz

unread,
Feb 23, 2011, 2:21:11 PM2/23/11
to
Thorsten Ostermann schrieb:

>> du wirst nicht um die Arbeit herumkommen, Dich in dem Bereich zu
>> qualifizieren. Das heißt, die gültigen Normen lesen und verstehen
>> (viel Spaß). Alles andere ist fahrlässig. Etwas leichter verdaulich
>> für den Einstieg sind Bücher, z.B. "Der Kiefer".
>
>Wer oder was ist "Der Kiefer"? Ein Fachbuch nehme ich an? Kannst Du
>vielleicht auch noch den Titel in den Raum werfen? "Kiefer" alleine als
>Suchbegriff dürfte alles mögliche zu Tage fördern, aber nicht die
>Informationen, die ich suche.

http://lmgtfy.com/?q=kiefer+erdung+normen (SCNR)

Ohne das Wort "Normen" bei mir immer noch an dritter Stelle.

Servus,

Guido Grohmann

unread,
Feb 23, 2011, 2:29:43 PM2/23/11
to
k...@familieknaak.de schrieb:

> (*) Wobei das in gewissem Maß Verhandlungssache ist. Zum
> Beispiel muss das Drahtgitter über dem Lüfter nicht
> notwendigerweise eine garantierte Erdung haben. Man kann
> argumentieren, dass rein mechanisch nichts dorthin gelangen
> kann, das eventuell unter Netzspannung steht.

Sicher? Ich habe mal einen Server im Serverraum aus dem Verkehr gezogen,
bei dem der vermutlich nervende Lüfter im Netzteil mit einem Metallstift
festgeklemmt wurde. :o

Ich habe mir sofort Kollegen als Zeugen und ne Digicam geholt. Das war
mir denn doch etwas *zu* starker Tobak.

Guido

Klaus Butzmann

unread,
Feb 23, 2011, 3:29:52 PM2/23/11
to
Am 23.02.2011 09:59, schrieb Thorsten Ostermann:

> Wer oder was ist "Der Kiefer"?

ISBN: 3-8007-2744-7


Butzo

k...@familieknaak.de

unread,
Feb 23, 2011, 4:46:40 PM2/23/11
to
Guido Grohmann wrote:

>> Man kann
>> argumentieren, dass rein mechanisch nichts dorthin gelangen
>> kann, das eventuell unter Netzspannung steht.
>
> Sicher?

Gemeint ist: "Von allein und ohne aktives Zutun des Benutzers"
Und vor allem: "Mit soweit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit,
dass es den zuständigen Ingenieur bei der Zertifizierung überzeugt."


> Ich habe mal einen Server im Serverraum aus dem Verkehr gezogen,
> bei dem der vermutlich nervende Lüfter im Netzteil mit einem Metallstift
> festgeklemmt wurde. :o

Geräteklasse 1 ist keine Garantie gegen Sabotage. Sie muss
nicht gegen hinein gesteckte Drähte immun sein. Hände und Finger,
ja -- Werkzeuge aller Art nein.

Thorsten Ostermann

unread,
Feb 24, 2011, 1:04:19 AM2/24/11
to
Hallo Christoph!

>> Im Prinzip schon. Aber wie schon gesagt die Hersteller der Gehaeuse
>> haben dafuer meist irgendeine spezielle Loesung.
>
> Schweissbolzen - Bolzen in die Pistole, aufgesetzt, ausgelöst - fertig :-)
>

> Es gibt auch entsprechende 6,3mm-Steckzungen - feine Sache, das.

Sind die denn zulässig? Ich dachte bisher immer, die Erdung des Gehäuses
müsste geschraubt werden. Steckzungen wären deutlich einfacher in der
Handhabung.

Guido Grohmann

unread,
Feb 24, 2011, 2:00:35 AM2/24/11
to
k...@familieknaak.de schrieb:

> Guido Grohmann wrote:
>
>>> Man kann
>>> argumentieren, dass rein mechanisch nichts dorthin gelangen
>>> kann, das eventuell unter Netzspannung steht.
>>
>> Sicher?
>
> Gemeint ist: "Von allein und ohne aktives Zutun des Benutzers"
> Und vor allem: "Mit soweit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit,
> dass es den zuständigen Ingenieur bei der Zertifizierung überzeugt."

OK. Hast recht, dann stimt es.

Guido

Henning Paul

unread,
Feb 24, 2011, 3:36:49 AM2/24/11
to
Guido Grohmann wrote:

> k...@familieknaak.de schrieb:
>
>> (*) Wobei das in gewissem Maß Verhandlungssache ist. Zum
>> Beispiel muss das Drahtgitter über dem Lüfter nicht
>> notwendigerweise eine garantierte Erdung haben. Man kann
>> argumentieren, dass rein mechanisch nichts dorthin gelangen
>> kann, das eventuell unter Netzspannung steht.
>
> Sicher? Ich habe mal einen Server im Serverraum aus dem Verkehr
> gezogen, bei dem der vermutlich nervende Lüfter im Netzteil mit einem
> Metallstift festgeklemmt wurde. :o

Dafür nimmt man doch (stärkere) Kabelbinder...

Gruß
Henning

Christoph Matuschek

unread,
Feb 24, 2011, 6:03:56 AM2/24/11
to
Thorsten Ostermann schrieb:

> Hallo Christoph!
>
>>> Im Prinzip schon. Aber wie schon gesagt die Hersteller der Gehaeuse
>>> haben dafuer meist irgendeine spezielle Loesung.
>>
>> Schweissbolzen - Bolzen in die Pistole, aufgesetzt, ausgelöst - fertig
>> :-)
>>
>> Es gibt auch entsprechende 6,3mm-Steckzungen - feine Sache, das.
>
> Sind die denn zulässig? Ich dachte bisher immer, die Erdung des Gehäuses
> müsste geschraubt werden. Steckzungen wären deutlich einfacher in der
> Handhabung.

Das weiss ich nicht - wir verwenden nur Gewindebolzen, da wir eh einiges zu
befestigen haben :-)

Ich habe allerdings schon sehr viele Geräte mit gestecktem Schutzleiter
gesehen. Eventuell muss auch nur der erste Anschluss (des Netzkabels)
geschraubt sein?

Die schweissbaren Steckzungen werden auch mit aufgestanztem Erdungszeichen
vertrieben - ist also vermutlich zulässig.

Jemand hier, der uns darüber aufklären kann?

Chris

Holger

unread,
Feb 24, 2011, 8:53:20 AM2/24/11
to
Henning Paul schrieb:

> Wie alt warst Du 1996? Ich hätte Dich jetzt (wie mich) Ü30
> kategorisiert.

Trotzdem bist du noch ein ziemlich junger Kerl. Ü50 kann ich bieten.

--

Alzheimer ist ganz toll. Man lernt ständig neue Leute kennen.

Olaf Kaluza

unread,
Feb 24, 2011, 11:42:06 AM2/24/11
to
Christoph Matuschek <chris.m...@gmx.de> wrote:

>Die schweissbaren Steckzungen werden auch mit aufgestanztem Erdungszeichen
>vertrieben - ist also vermutlich zulässig.

ICh hab schon Geraete gesehen wo solche STecker vom Hersteller gleich
mitgeliefert wurden. Das waren welche die sich selber verriegelt
haben, also nicht von selber abfallen koennen.

Ich habe aber auch schon eingeschweisste Gewindebolzen gesehen die
einfach abgefallen sind. :-)

Olaf

Christoph Matuschek

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Feb 24, 2011, 12:15:31 PM2/24/11
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Olaf Kaluza schrieb:

> Christoph Matuschek <chris.m...@gmx.de> wrote:
>
> >Die schweissbaren Steckzungen werden auch mit aufgestanztem
> >Erdungszeichen vertrieben - ist also vermutlich zulässig.
>
> ICh hab schon Geraete gesehen wo solche STecker vom Hersteller gleich
> mitgeliefert wurden. Das waren welche die sich selber verriegelt
> haben, also nicht von selber abfallen koennen.

Hmmm. Die 6,3mm-Steckschuhe, die wir hier haben, besitzen ein Art "Raste"
(für das Loch in der Zunge). Abziehen kann man die per Hand eigentlich gar
nicht mehr, man muss sie mit einem Schraubendreher "abhebeln".

> Ich habe aber auch schon eingeschweisste Gewindebolzen gesehen die
> einfach abgefallen sind. :-)

Wahrscheinlich Chinesenbolzen, von Chinesen verschweisst ;-)

Wenn man vernünftige Bolzen mit entsprechenden Toleranzen kauft und
vernünftige Geräte benutzt, reisst man eher das Blech ein als die Bolzen ab.

Das ist wirklich eine geniale Sache, gerade im Bereich dünner Frontplatten
oder (unserem) Spezialbehälterbau. Keine Schrauben von außen, keine Löcher,
keine Abdichtungsprobleme - und sehr schnell angebracht.

Die Bolzen sind genormt und es gibt sie in üblicherweise in Stahl, Edelstahl
(V2A und V4A), Messing und Aluminium.

Wir haben dann noch Bolzen aus Reintitan für unsere Spezialanwendungen -
aber die müssen wir selbst drehen.

Chris

Thorsten Just

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Feb 24, 2011, 4:33:44 AM2/24/11
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Am 23.02.2011 22:46, schrieb k...@familieknaak.de:
> Geräteklasse 1 ist keine Garantie gegen Sabotage. Sie muss
> nicht gegen hinein gesteckte Drähte immun sein. Hände und Finger,
> ja -- Werkzeuge aller Art nein.

Zumindest die 61010 fordert auch, dass man einen 4mm Stab bis zu einer
Tiefe von 100mm einführen darf ohne gefährlich aktive Teile zu berühren.

Gruß

Thorsten

Thorsten Just

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Feb 25, 2011, 3:02:41 AM2/25/11
to
Am 23.02.2011 22:46, schrieb k...@familieknaak.de:
> Geräteklasse 1 ist keine Garantie gegen Sabotage. Sie muss
> nicht gegen hinein gesteckte Drähte immun sein. Hände und Finger,
> ja -- Werkzeuge aller Art nein.

Zumindest die 61010 fordert auch, dass man einen 4mm Stab bis zu einer

k...@familieknaak.de

unread,
Feb 26, 2011, 5:54:59 AM2/26/11
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Thorsten Just wrote:

>> Geräteklasse 1 ist keine Garantie gegen Sabotage. Sie muss
>> nicht gegen hinein gesteckte Drähte immun sein. Hände und Finger,
>> ja -- Werkzeuge aller Art nein.
>
> Zumindest die 61010 fordert auch, dass man einen 4mm Stab bis zu einer
> Tiefe von 100mm einführen darf ohne gefährlich aktive Teile zu berühren.

Was auf das Gleiche hinaus läuft und auch so gemeint ist.
(Kleinkinder-Finger, lange Finger, plus Sicherheitszuschlag)

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