On 09.11.17 13.59, Hanno Foest wrote:
> Am 09.11.2017 09:21 schrieb Marcel Mueller:
>
>> NV-Halogen ist so ziemlich das beste, was an Glühobst je gefertigt
>> wurde; kein Vergleich zu den ganzen 230V Teilen.
>
> Warum? Mir gefielen die HV-Halogen-Dinger besser.
Die sind aber gelber und haben aus demselben Grund einen schlechteren
Wirkungsgrad. Erst so oberhalb von 300-500W egalisiert sich der
Unterschied allmählich. Aber das ist für daheim schon sportlich.
>> Zwar kann man mit LED noch Strom sparen, allerdings deutlich weniger als
>> bei normalem Glühobst. Die üblichen Vergleichsangaben "hell wie xxW
>> Glühlampe" kannst Du guten Gewissens halbieren, wenn nicht noch weniger.
>
> Unsinn. Insbesondere, wenn der Lichtstrom angegeben ist.
Am Lichtstrom kann man die Diskrepanz oft erkennen. Wenn bei einer 146lm
12V LED dabei steht: vergleichbar zu 16W Glühobst (z.B. Diodor), dann
haben die wohl die Lampe vorher dunkel lackiert. 16W NV-Halogen aus der
Cent-Klasse hat nämlich schon ~230lm, Markenware noch mehr. Also Faktor
2 daneben.
Zudem sind die Lumen-Angaben im Gegensatz zur Leistung oft etwas
übertreiben. Das gilt für Glühobst allerdings zuweilen auch. Insofern
gelingt der Vergleich dann doch noch ungefähr.
Etwas raus holen kann man, wenn man die Richtungsbündelung der LEDs in
bestimmten Lampen nutzen kann, und sich die indirekte Beleuchtung über
den Reflektor zum Teil spart. Man muss halt die passende LED-Bauform wählen.
>> Aber dafür muss man auch etliche Nachteile in Kauf nehmen. Das beginnt
>> mit der Farbwiedergabe. Restlos /keine/ LED kommt da ran, nicht einmal
>> die teuren und abstimmbaren RGB-LEDs.
>
> Natürlich nicht. Auch keine Leuchtstoffröhre. Und bei denen nörgeln die
> Leute auch schon lange nicht mehr.
Also, ich nicht. Aber ich habe auch Vollspektrum-Röhren. In groß sind
die recht billig.
> Mir reicht ein Farbwiedergabeindex
> von > 80 - wesentlich ist, daß Haut nicht eklig aussieht :)
80 ist Baumarkt-Klasse bzw. Garagenlicht. Wer damit leben mag, soll mir
recht sein. Ich finde es komisch bzw. ungemütlich.
Ich hatte neulich mal in einem (ziemlich leckeren) indischen Restaurant
das Vergnügen. Die haben seit meinem vorletzten Besuch auf LED
umgestellt. Grausam. Der türkise Schal der Frau wurde dunkelblau, und
manche Teile des Essens sahen aus wie mit Lebensmittelfarbe versetzt.
> Künstler mögen andere Ansprüche haben.
Ich auch.
> Andererseits ist das Licht von Glühobst vielen Leuten einfach zu gelb.
Das ist (in Grenzen) korrekt. In Grenzen deshalb, weil es eine
Korrelation zwischen Farbtemperatur, Helligkeit und Müdigkeit bzw. dem
Tagesablauf gibt. Dunkeleres Licht wird als angenehmer wahrgenommen,
wenn es eine niedrigere Farbtemperatur hat. Und nicht jeder möchte
wirklich eine zu Tageslicht vergleichbare Beleuchtungsstärke abends
erreichen.
Aber die 2700K müssen wirklich nicht sein. Für eine ordentliche
Beleuchtung darf man da ruhig mal einen Tausender drauf setzen. Man muss
ja nicht gleich eine 6500K Tageslichtlampe nehmen.
Gefühlt würde ich sogar sagen, dass die meisten LEDs auf unter 3000K
abgestimmt sind, obwohl das technisch gar nicht notwendig ist. Ich denke
mal, das ist schlicht ein Tribut an die Gewohnheit.
> Natürlich ist man daran gewöhnt, aber Gewohnheit hat nichts mit Qualität
> zu tun. Die teuren Nichia-Panels, die ich mal testweise in einem alten
> Lampengehäuse verbaut habe, machen jedenfalls ein brilliantes weißes
> Licht - kein Vergleich zu Glühfunzeln.
Das ist auch richtig. Man bekommt mittlerweile (theoretisch) ganz gute
LED COBs. Theoretisch deshalb, weil es mir im letzten halben Jahr nicht
gelungen ist, die wirklich guten Module mit Ra >90 (z.B. Seoul
Semicondutor 70W als Ersatz für R7s) bei einem heimischen Händler zu
bekommen. Nahezu alle haben nur die Holzklasse oder beliefern nur
Firmen. Daran erkennt man, dass Qualität heuzutage für die Endkunden
keinerlei Rolle mehr spielt; Hauptsache billig.
Man bekommt die gute Qualität auch fast niemals als Retrofit. Deshalb
hat man da gar nicht die Option, eine gute Lichtqualität zu erreichen,
wenn man eine bestehende Lampe umrüsten will.
>> Dann ist die Lebensdauer von LEDs mit zu den NV-Halogenlampen
>> vergleichbaren Leuchtdichten mies. Das liegt schlicht an der Abwärme.
>
> Nur, wenn man sie idiotisch einbaut. OK, manche Leuchte ist in der
> Hinsicht problematisch.
Korrekt.
Hinzu kommt, dass den LEDs schon vergleichsweise geringe
Dauertemperaturen schaden. Ungefähr gilt Arrhenius: 10°C mehr ist halbe
Lebensdauer. Und oberhalb von 70°C wird es echt eng.
> Drei hab ich getauscht - die LED-Kuppelstrahler
> machen in jeder Hinsicht besseres Licht.
Im Vergleich zu NV-Halogen?
Oder vergleichst Du mit HV-Halogen? Die sind in kleinen Lampen wirklich
Mist.
>> Und dann muss die Elektronik natürlich auch noch produziert werden. Je
>> nach Einschalt- und Lebensdauer wird die dafür aufgewendete Energie
>> möglicherweise gar nicht mehr eingespart - vor allem bei den
>> China-Böllern, die nach ein paar hundert Stunden kurz nach der Garantie
>> verrecken.
>
> Im Gegensatz zu Kompaktleuchtstofflampen ist mir noch kein LED-Retrofit
> (oder sonstige LED Beleuchtung) ausgefallen.
Da haben andere durchaus auch andere Erfahrungen gemacht. Letztlich eine
Sache von Glück und Pech.
Kompakt-ESL setze ich allerdings fast nicht ein. Es gibt im ganzen Haus
AFAIK nur eine Hand voll. Wenn, dann gleich klassische
Leuchtstoffröhren; billiger, langlebiger, heller, bessere Lichtqualität.
> OK, ein Frühausfall nach
> ner Stunde, shit happens, wurde umgetauscht. - Aber wenn man den Kram
> hitzestau-lastig verbaut, bekommt man das sicher auch hin.
Man hat leider nicht immer die Wahl.
>> Es hat einen Grund, warum NV-Halogen von dem EU-Verkaufsverbot für
>> Glühobst nicht betroffen ist.
>
> Ja: es ist noch nicht September 2018. Ab dann darf nichts mehr unterhalb
> Energieeffizienzklasse B verkauft werden (Ausnahme: klare Halogenlampen
> mit r7s- und G9-Fassung und mindestens Energieklasse C).
Nahezu alle NV-Halogen haben Effizienzklasse C, manche gar B.
HV-Halogen hat hingegen durchweg D. (Die schlechteren sind schon vom
Markt.) Ausnahme sind die dicken R7s Lampen (Baustrahler, große
Deckenfluter). Die schaffen auch C.
Marcel