bei einem elektrischen Keyboard aus den 70ern oder 80ern ist, nachdem
ich es 5 Jahre nicht benutzt und dann eingeschaltet hatte, offenbar der
Transformator des Netzteils durchgebrannt. (Das schliesse ich aus Ge-
stank und nachfolgender Messung, bei der die Primaerwicklung einen Wi-
derstand von "unendlich" hatte.)
Ich verfuege leider nicht ueber einen Schaltplan (doch der liesse sich
notfalls aus der recht simplen Platine rekonstruieren) oder eine Stueck-
liste, wuerde das Netzteil aber gern reparieren. Kann mir jemand ziel-
fuehrende Hinweise geben, wie ich einen geeigneten Ersatztransformator
ausfindig mache?
Hier das, was ich weiss:
Der Trafo hat auf der Primaerseite drei Kontakte (weil sich das Ge-
raet zwischen 110 und 220V umschalten laesst). Er traegt die Aufschrift
"GA 8394 (Zeilenwechsel) 1 - 5K198". Die Spule auf der Sekundaerseite
Ist ausserdem mit "E48-3PEY/25 G3" beschriftet.
Auf der Sekundaerseite sind 5 Anschluesse, ich nenne sie mal A bis F.
Aus der Trafo-Wicklung fuehren zu A bis E je ein kupferfarbener Draht,
zu E und F je ein roter Draht (E hat also als einziges zwei Draehte).
Widerstandsmessung A-B 1,5 Ohm; C-F 23,3 Ohm; C-E 11,8 Ohm;
E-F 11,5 Ohm, alle anderen Paare nicht leitend.
An der Platine sehe ich, dass A und B zu einem Gleichrichter fuehren
(A vorher noch durch eine Sicherung "T800mA 250V"), C und F fuehren
zu einem anderen Gleichrichter (beide vorher durch je eine Sicherung
"T500mA 250V"). E fuehrt zu einigen grossflaechigen Leiterbahnen und
ist unter anderem mit einigen ziemlich grossen Elkos 2,2F/16V und
2,2F/35V verbunden. Der "-"-Ausgang des A-B-Gleichrichters ist eben-
falls fest mit E verbunden (das ist beim C-F-Gleichrichter nicht der
Fall).
Auf dem Netzteil befinden sich ausserdem drei Spannungsregler an einem
Kuehlblech mit den Aufschriften
"7805 529H" (drei Pins in Reihe, der mittlere mit E verbunden, von
den anderen einer Richtung Ausgang, der andere Richtung A-B-Gleich-
richter)
"7915 547C" (drei Pins in Reihe, der linke mit E verbunden, von den
anderen einer Richtung Ausgang, einer Richtung C-F-Gleichrichter)
"7815A 513H" (drei Pins in Reihe, der mittlere mit E verbunden, von den
anderen einer Richtung Ausgang, der andere Richtung
C-F-Gleichrichter)
Das Netzteil hat am Ausgang 4 Pins, von denen einer mit E verbunden
ist und die anderen 3 je mit einem Beinchen eines der drei Spannungs-
regler.
Ausser den Spannungsreglern, Gleichrichtern und einer Handvoll Kon-
densatoren sind keine Bauteile zu sehen. Wenn es mir nicht gelingt,
einen Ersatz-Trafo zu finden, kann ich ja evtl. anhand der Spannungs-
regler die benoetigten Spannungen erraten und ein eigenes Netzteil
bauen?
Danke fuer jeden Loesungs-Hinweis,
Frederik
--
Frederik Ramm ## eMail fred...@remote.org ## N49°00.22' E008°24.56'
Allen Reglern ist gemein, dass die TO220 Typen maximal 1,5 A liefern, was
für ein Mischpult mehr als reichlich sein sollte. Daher brauchst du einen
Trafo mit 2 Sekundärwicklungen mit jeweils 18 V, insgesamt sollten 55 VA
reichen. Falls die Leistungsaufnahme des Mischpultes bekannt ist, kann der
Trafo mit entsprechend niedrgem Strom gewählt werden.
Robert
Frederik Ramm schrieb:
> Hallo,
>
> Hier das, was ich weiss:
bestimmt weisst Du auch, welches Fabrikat und dir Typenbezeichnung,
das wäre eigentlich erstmal die No.1 bei den Daten.
Ansonsten ist es ein Netzteil mit +5/+15/-15V.
Gruss Udo
> Hier das, was ich weiss:
>
Dank deiner Vorarbeit kein Problem,
aber beschaffbar sind meist nur Trafos mit 2 Wicklungen, nicht 3.
Du brauchst einen Trafo mit einer Doppelwicklung 2 x 18V (D-E-F)
bzw. einer Wickung mit Mittenabgriff,
und einen Trafo mit einer einfachen Wicklung 9V (A-B).
Offenbar handelt es sich bei dem Trafo um einen mit einem E48
Kern, also 48mm Kantenlaenge (+ Plastikdicke, miss mal nach).
Solche Trafos haben meist nur 10VA, also 10 Watt, ausserdem
verteilt sich der Strom auf die 3 Wicklungen ungleichmaessig.
So 190mA bei jeder 18V Wicklung und 330mA bei der 9V Wicklung.
weil die Sicherungen bekannt sind.
Also tut es als Ersatz z.B. EL38/13,6 109 und 4836-2 von Reichelt.de
Wenn du es nicht schaffst, zwei Trafos als Ersatz in das Keyboard zu
bekommen, und darauf bestehtst, das sich der Ersatztrafo direkt
ohne Kabelverbindungen passend einloesten laesst, bleibt dir nichts
anderes uebrig, als dir einen passenden Trafo wicklen zu lassen,
bei einer Ankerwickelei in der naechsten Grosstadt.
--
Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at despammed.com
homepage: http://www.geocities.com/mwinterhoff/
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/
Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask.
Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.
Die Primärspannung ist 230 V.
Aus den Abmessungen des Trafos kann man die Leistung bestimmen durch
Vergleich mit Trafotabellen (z.B. Friedrich Tabellenbuch). Aus den
Drahtdurchmessern der Wicklung die Ströme.
Aus den Spannungsreglern, ergänzt um die Werte von Sicherungen und
Netzteilelkos kann man die Spannungen und auch die Ströme bestimmen.
Logikbauteile benötigen zumeist 5 V und analoge Bauteile wie Opamps
zumeist +-15 V.
http://www.rbeelectronics.com/wtable.htm
http://www.mogami.com/e/cad/wire-gauge.html
http://www.stud.uni-wuppertal.de/~ma0107/gesch4.htm
http://www.bnoack.com/data/wire-resistance.html
http://meineseite.i-one.at/oafv/technik/Berechnungen/TRAFO/trafo01.htm
HTH
Bernd Mayer
--
MR. MCBRIDE: "Yes, Your Honor. ... I want to walk the Court through
enough of our complaint to help the Court understand that IBM clearly
did contribute a lot of the Unix-related information into Linux.
We just don't know what it is." http://lwn.net/Articles/62817/
Die Primärspannung ist 230 V.
Aus den Abmessungen des Trafos kann man die Leistung bestimmen durch
Vergleich mit Trafotabellen (z.B. Friedrich Tabellenbuch). Aus den
Drahtdurchmessern der Wicklung die Ströme.
Aus den Spannungsreglern, ergänzt um die Werte von Sicherungen und
Netzteilelkos kann man die Spannungen und auch die Ströme bestimmen.
Logikbauteile benötigen zumeist 5 V und analoge Bauteile wie Opamps
zumeist +-15 V.
HTH
Bernd Mayer schrieb:
> Hallo Frederik,
>
> Die Primärspannung ist 230 V.
> Aus den Abmessungen des Trafos kann man die Leistung bestimmen durch
> Vergleich mit Trafotabellen (z.B. Friedrich Tabellenbuch). Aus den
> Drahtdurchmessern der Wicklung die Ströme.
> Aus den Spannungsreglern, ergänzt um die Werte von Sicherungen und
> Netzteilelkos kann man die Spannungen und auch die Ströme bestimmen.
Man kann auch bei defekter (unterbrochener) Primärwicklung eine
Wechselspannung in eine der Primärwicklungen mit bejannter Spannung einspeisen
und die übrigen nachmessen.
> Logikbauteile benötigen zumeist 5 V und analoge Bauteile wie Opamps
> zumeist +-15 V.
Oder +/- 12V.
Bei Flourenzenz-Anzeigen wird manchmal noch eine Wechselspannung auf dem
Netzteil abgezweigt.
- Udo
Hallo Frederik,
vielleicht ist bei Deinem Trafo ja nur die 230V-Wicklung durchgebrannt.
Dann könntest Du die 110V-Wicklung mit einem entsprechenden Vorschalt-
trafo speisen. Ansonsten am besten einen Trafo mit 2x18V und einen mit
1x9V kaufen, wie bereits von anderen beschrieben. Ein Neuwickeln ist
bei diesem einfachen Aufbau nicht sinnvoll.
Gruss
Harald
Harald Wilhelms schrieb:
> Dann könntest Du die 110V-Wicklung mit einem entsprechenden Vorschalt-
> trafo speisen. Ansonsten am besten einen Trafo mit 2x18V und einen mit
Das wird vermutlich nicht funktionieren, da üblicherweise die 110V-Wicklungen parallel
geschaltet werden und der Gesamtstrom doppelt so hoch ist wie im 220V-Betrieb. Na, zum
Messen reicht es vermutlich.
Gruss Udo
Hallo Udo,
es gibt beides. Frederik sagte etwas von drei Anschlüssen. Ich meinte
den Anschluss an 110 V durchaus als Dauerlösung. Ein Nachmessen der
alten Trafospannungen erübrigt sich meiner Ansicht nach, da sich diese
aus den Ansprüchen der Spannungswandler ergeben.
Gruss
Harald
Vielen Dank fuer Eure Hilfe, mein Keyboard geht jetzt wieder!
@Udo: Fabrikat und Typbezeichnung sind "Yamaha KX-88". Obwohl das
Geraet locker 20 Jahre auf dem Buckel hat, haette Yamaha mir sogar
noch eine passende Netzteilplatine besorgen koennen (ich hatte dort
gleichzeitig mit meinem Newsposting gefragt) - fuer etwa 120 Euro.
@Harald: Das mit dem Vorschalt-Trafo klingt trickreich, und in der
Tat laesst sich zwischen zwei der drei Pins auf der Primaerseite
noch ein Widerstand messen, aber da der Trafo nun - offenbar aus
Altersgruenden - einfach so seinen Dienst versagt hat, ist mein
Vertrauen in die noch funktionierende Haelfte der Primaerseite
nicht mehr das beste.
@MaWin: Klasse, Du hast mir gleich noch die Reichelt-Bestellnummern
mitgeliefert. Ich habe genau die von Dir genannten Typen bestellt
und eingebaut - es war ein bisschen Fummelei, bis sie halbwegs
stabil und sicher sassen - und jetzt tut das Geraet wieder. Dauer-
test steht noch bevor, aber was die Leistung betrifft, habe ich
keine Bedenken, die beiden neuen Trafos uebersteigen zusammen so-
wohl Volumen als auch Gewicht des alten.
@alle: Erst jetzt faellt mir auf, dass ich in meinem Anfangsposting
ziemlich konfus war: "... 5 Anschluesse, ich nenne sie mal A-F ..." -
und dann kam "C" in der weiteren Beschreibung kein einziges Mal vor.
Also, nochmal ein Dankeschoen an alle, ich habe 115 Euro und 4-6
Wochen Wartezeit auf das Original-Ersatzteil gespart!
Bye
Das freut mich. Hier in den Newsgroups passiert es leider immer
wieder, das Fragen gestellt werden und auch entsprechend hilfreiche
Antworten kommen, man aber nie erfährt, ob der Ursprungsposter damit
sein Problem lösen konnte. Es ist schön, das es da noch ein paar
Ausnahmen gibt... :-)
> @Harald: Das mit dem Vorschalt-Trafo klingt trickreich, und in der
> Tat laesst sich zwischen zwei der drei Pins auf der Primaerseite
> noch ein Widerstand messen, aber da der Trafo nun - offenbar aus
> Altersgruenden - einfach so seinen Dienst versagt hat, ist mein
> Vertrauen in die noch funktionierende Haelfte der Primaerseite
> nicht mehr das beste.
Eigenlich halten Trafos praktisch ewig, da sie keine Verschleissteile
enthalten; es gibt allerdings Fehler, die schon beim Bau entstanden
sind, sich aber erst nach vielen Jahren auswirken, z.B. eine "abgefaulte"
Lötstelle durch falsches Flussmittel. Eigentlich sollte man sich
jedes Mal Gedanken darüber machen, wodurch der Fehler wohl entstanden
sein könnte, damit die Reparatur dauerhaft ist. Vielleicht solltest
Du sicherheitshalber noch mal die Stromaufnahme Deines neuen Netzteils
messen, um sicherzugehen, das der Trafo nicht z.B durch Überlastung
von der Sekundärseite her durchgebrannt ist.
Gruss
Harald
> Eigenlich halten Trafos praktisch ewig, da sie keine Verschleissteile
> enthalten; es gibt allerdings Fehler, die schon beim Bau entstanden
> sind, sich aber erst nach vielen Jahren auswirken,
Habe grad einen alten Trafo untersucht. Wicklungen waren offensichtlich
nicht genügend, befestigt. Als Folge von "großen" Temperaturänderungen
und der Kraft, denen ja Wicklungen ausgesetzt sind, kam es zum
Windungsschluß.
--
mfg horst-dieter
Nein, dummerweise nicht. Es gibt eine (Innen-)Temperatur, bei der
ein Trafo nur 10 Jahre (im Mittel) haelt, und auf diese Belastung
werden Trafos berechnet, das sind also die Belastungszahlen die
im Katalog angegeben werden.
Gluecklicherweise werden die meisten Trafos nicht an der
Belastungsgrenze (oder gar darueber) betrieben, so das sie
deutlich laenger halten, als nur 10 Jahre.
Siehe
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/
--
Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at despammed.com
homepage: http://www.geocities.com/mwinterhoff/
Das scheint sich teilw. auch zu ändern (-> billiger), da sieht man
Trafos (20W Halogen, 35W irgendein 5.1 Verstärker-Boxen-Kombi),...), wo
man sich fragt, wie die Hersteller die aufgedruckte Trafoleistung in dem
Gehäuse realsieren konnten. Ich schätze, wohl nur durch Auslastung "bis
unter die Hutkrempe".
Oder 12V /0,5A Ladenetzteil (Lampe), was nach 2 Ladevorgängen ausfällt
-> umgetauscht, das 2. hat etwa die Campingsommersaison überdauert um
nach 3/4 Jahr auszufallen (etwa 4 Ladevorgänge).
Martin
Hallo MaWin,
die von mir(als Lehrling) gewickelten Trafos (Fest gewickelt,
Lagenisolation) waren auch nach 20 Jahren noch in Ordnung,
aber bei der heutigen Geiz ist geil-Stimmung kann man sicher
auch Trafos mit eingebautem Ablaufdatum produzieren. Das
Problem ist dann nur noch, dieses Datum genau auf 24 Monate
plus ein Tag zu legen.
Gruss
Harald
Kann ich bestätigen. Gerade ist mir ein uralt-Spaltpolmotor
mit Windungsschluss abgeraucht. Grund war offenbar, dass
zuletzt über die Wicklungen noch eine Lage Isolierband
angebracht war, so Textilband mit ekligem, schmierig
gewordenen Klebstoff. Sollte wohl das äussere Ende und
den daran befestigten Anschlussdraht festhalten. Der
Klebstoff hat offenbar die sehr dünne und miese Isolation
(leicht lila?) der Windungsdrähte aufgelöst.
--
mfg Rolf Bombach