Am 18.04.22 um 10:07 schrieb Martin Klaiber:
> Die Angaben des WM-61A im Datenblatt sind aber auch nur typische Werte,
> nichts Garantiertes. Ich denke nicht, dass man zum Preis dieser Kapsel
> so geringe Toleranzen in der Serie einhalten kann.
>
> Hier gemessene Werte von 10 Kapseln:
>
>
https://sites.pitt.edu/~szekeres/mic/plot.htm
OK, aber immer noch deutlich besser als ein beliebiges, dahergelaufenes
Mikro.
Aber danke für den Link. Ich hatte die 0,5dB eigentlich auch nur als
"Erinnerungswert" in den Raum geworfen. Das kann schon gut die rosa
Brille der Vergangenheit sein. Das Ding hat bestimmt 25 Jahre auf dem
Buckel. ;-)
> Das sieht für mich schon realistischer aus. 2 dB mehr oder weniger
> klingen vielleicht nicht nach viel, aber das hört man schon deutlich,
> gerade im MHT-Bereich, in dem das Ohr besonders empfindlich ist. BTDT.
> Dazu kommt, dass sich der Frequenzgang durch den Einbau weiter ändert
> und man nicht weiß, wo in diesem anfänglichen Toleranzschlauch man sich
> überhaupt befindet.
Einbau geht gar nicht, wenn man halbwegs genau messen will. Es ist
nahezu unmöglich, damit noch einen halbwegs genauen Frequenzgang und vor
allem eine isotrope Empfindlichkeit hinzubekommen.
Ich verwende solche Kapseln eigentlich immer nur an einem dünnen
Abschirmkabel von ca. ½m, verstärkt mit Blumendraht. Dann kommt der
Verstärker; selber gebacken und mit 10cm³ auch kompakt genug, um (in der
Entfernung) nicht zu stören.
> D.h. eigentlich kann man die Messungen weitgehend
> vergessen, außer man gibt sich mit Toleranzen von geschätzt bis zu 6 dB
> zufrieden. Das ist, verglichen mit einer Abstimmung frei Ohr, wie man
> sie in den 70ern gemacht hat, natürlich immer noch gut, aber Du willst
> ja eigentlich mehr.
>
> Kurzum: Du musst das fertige Mikrofon ohnehin kalibieren lassen, um
> mit der Messung etwas anfangen zu können. Gibts ab 25 Euro:
Kommt darauf an, was man vor hat. Für die Auslegung von Frequenzweichen,
wofür ich es hauptsächlich nutze, ist es da oben rum nicht so schlimm.
Da hat mir eine typische Kompensationskurve gereicht. Irgendwo hatte ich
die her. (Könnte bei den DRC-Downloads dabei gewesen sein.)
Auf jeden Fall konnte ich damit die Messwerte kommerzieller
Lautsprecherchassis mit Frequenzgang im Datenblatt bis auf ca. 1dB genau
nachvollziehen. Meine Messungen waren sogar eher genauer; weniger
Rauschen und kleinere Zappler an Resonanzen waren sauberer abgebildet.
Das war mir überzeugend genug.
Nur im Bassbereich funktioniert das natürlich nicht. Da bestimmt das
Gehäuse das Geschehen.
>
https://shop.hifi-selbstbau.de/produkt/mikrofonkalibrierung/
Die Dienste kenne ich. Hatte ich schon mal erwägt, aber es ging bisher
auch ohne. Auf 1dB kommt es mir wirklich nicht an. Ich brauche auch
keine absolute Pegelkalibrierung (die üblicherweise mehr abweicht).
Aber >6dB Abweichung von 08/15 Kapseln ist halt auch zu viel.
Das ist dann doch etwas teuer.
Die Dinger habe ich auch schon mal irgendwo gesehen. Selber hatte ich
aber noch keine. Sollen sehr gut gewesen sein.
> Die hätte ich Dir auch als Ersatz für das WM-61A empfohlen, aber die
> Sennheiser-Kapsel wird wohl auch nicht mehr gefertigt.
Ja, die HiFi-Zeiten sind vorbei.
Zuweilen bekommt man auch per Software kompensierte, digitale Mikrofone.
Nur dass man die halt für gar nichts gebrauchen kann, da man die
Zeitinformation (Phase) aufgrund des unabhängig laufenden ADC-Quarzes
nicht bekommt, nicht einmal relativ.
Spätestens für die Störsignalunterdrückung brauche ich eine relative
Zeitgenauigkeit in der Größenordnung 2ppm. Das ist keine Kunst, wenn ADC
und DAC im Sounddevice /denselben/ Quartz nutzen. Aber es ist halt
vollkommen unmöglich, wenn es ein anderer ist. Digitaltechnik ist halt
doch nicht immer besser. :-/
> Und man hat
> weiterhin das Problem: Ohne Kalibrierung bleibt das Mikrofon ein
> Schätzeisen. Das ging mir irgendwann so auf die Nerven, dass ich mir
> das kalibrierte Mikrofon gekauft hatte.
Es gibt eine Faustformel: je kleiner die Kapsel, desto besser klappt es
erfahrungsgemäß im Hochtonbereich, weil die Resonanzen damit nach oben
rutschen. Und unten rum ist es halt konstruktionsbedingt. Aber das
scheinen einige Hersteller erstaunlich gut in den Griff zu bekommen.
Aber wenn man in die Größenordnung <1dB vordringen will oder absolute
Schallpegel braucht, kommt man um eine individuelle Kalibrierung
wirklich nicht drum herum.
Marcel