On Sun, 30 Oct 2022 12:31:07 +0100, Hanno Foest wrote:
> On 30.10.22 08:56, Volker Bartheld wrote:
>>>> [Smartphone zur Drohnensteuerung]
>>> In der Ukraine scheint man aber dennoch mit einigem Erfolg COTS
>>> Hardware einzusetzen...
>> Wenn ich mir anschaue, was es im Umfeld der Multicopter-Hobbyisten
>> und DIYer inzwischen alles zu kaufen gibt, dann würde zumindest
>> _ich_ nicht unbedingt ein Smartphone mit Klettstreifen irgendwo
>> hinpappen wollen.
> Der Multicopter-Kram ist halt auch COTS.
Ja, natürlich. Ich kann an handelsüblicher Soft- und Hardware keinen
Nachteil erkennen, wenn man mit geringem Aufwand irgendein Fluggerät
basteln wollte. Und schon gar nicht, wenn das Ergebnis ein extrem
günstiges, waffenfähiges System sein soll. Die ganzen mil-Specs haben
größtenteils mit Zuverlässigkeit und gewissen Lieferversprechen zu tun,
das erschlägst Du bei der Billigdrohne einfach mit Redundanz.
Klar liest man immer irgendwo eine Story, wo jemand mit einem
GPS-GSM-WIFI-Jammer oder einem futuristischen Laser oder einer
Anti-Drohnen-Drohne oder gar einem Greifvogel irgendwelche
unerwünschten Flugkörper vom Himmel geholt hat. Meistens waren das
Machbarkeitsstudien mit irgendwelchem Kinderspielzeug und die
Schwierigkeit solcher Vorhaben wächst sofort um Zehnerpotenzen, wenn
erstmal ein ganzer Schwarm von den Teilen ausrückt.
> Die Frage ist, welche Aufgabenstellung man hat. Mehr Rechenleistung
> als bei einem halbwegs aktuellen Smartfon, bei dem Preis, Formfaktor
> und Stromverbrauch, wird man kaum finden.
Kann sein. Aber ob man all das wirklich braucht?
Ich würde mir auf [1] einen passenden Flightstack zusammensuchen und
fertig ist die Laube. Klar könnte irgendwo ein Warnlämpchen
aufleuchten, wenn osteuropäische Kunden plötzlich im Zehnerpack
Flugcontroller, Fahrtregler, RC-Transceiver, GPS-Empfänger, LiPO-Akkus
und bürstenlose Hochleistungsmotoren kaufen. Von den Versorgungswegen
habe ich keine Ahnung und mein Interesse an Multicoptern erstreckt sich
- nicht zuletzt wegen der ausufernden Hysterie und sich unweigerlich
anschließenden Gängelungen - auf das eine oder andere HoTo oder
Bastelprojekt, die es zahlreich im Internet zu lesen gibt [2].
Der YouTube-Kanal "Tech Ingredients" hat sich des Themas "Heavy Lift
Carbon Fiber Drone" angenommen [3]. Weil die Buben dort sogar
CFK-Propeller selber bauen, ist das bei Teileknappheit oder exotischen
Anforderungen vielleicht auch abseits irgendwelcher Gangster
interessant, die ein unbemanntes Terrorgerät bauen wollen.
Für den eiligen Leser: [4] ist ungefähr die Größenordnung, von der ich
rede.
> Andererseits ginge sicher einiges, wenn man die Sensorik des Fons mit
> einiger Programmierintelligenz kreativ kombiniert. Ist hat die Frage, ob
> sich das (Programmieraufwand, debugging) lohnt
In erster Linie ist das wieder ein Fall von NIHS, wenn es auf dem Markt
sackweise Hardware zum Schleuderpreis gibt, die genau für sowas
optimiert ist. Außerdem: Die ganzen Treiber (Fahrtregler) brauchst Du
doch sowieso und ein Smartphone ist schon vom Formfaktor her für ein
Fluggerät denkbar ungeeignet.
> Wie ist eigentlich die Genauigkeit von Laserkreiseln, und deren Preis?
Braucht man das, wenn auf der IMU sowieso schon ein vollintegriertes
6-Achsen-Stabilisierungssystem und möglicherweise zusätzlich noch GPS
und Magnetkompaß drauf sind?
>> Daß Marktführer DJI bei den Amis in Ungnade gefallen ist, es seit dem
>> AeroScope-Hoppala ein Embargo gibt und man Kriegsschauplätze als
>> No-Fly-Zone/No-Drone-Zone deklariert hat, schreckt vielleicht
>> Faulpelze und Script Kiddies ab. Entwickler bzw. Ingenieure mit
>> genug Ehrgeiz jedenfalls nicht.
> Das hatte ich noch gar nicht mitbekommen :)
War recht unterhaltsam [5].
>> Zurück zu:
https://de.wikipedia.org/wiki/HESA_Shahed_136: In den Specs
>> ist die Rede von ~50kg Nutzlast ("Gefechtskopf" bzw. "Sprengladung"),
>> einer Marschgeschwindigkeit von rund 200km/h und einer Reichweite von
>> "maximal mehrere Hundert Flugkilometer". Das ist quasi überall eine
>> Zehnerpotenz mehr und wird mit akkubetriebenen Multicoptern recht
>> spannend.
> Klar, die Kategorie Marschflugkörper ist plausiblerweise von den
> Drohnen-Hobbyisten nicht so gut beackert. - Interessant hierbei: "Bei
> keinen der in der Ukraine eingesetzten Drohnen wurde eine Ziellenkung
> gefunden; Beobachter merken an, sie sei damit für militärische Ziele
> untauglich" - ob man hier ein Handy mit Kamera und Bildverarbeitung
> benutzen könnte?
Ich würde einen Raspberry Pi mit Kamera benutzen [6]. Wenn es dafür
Personen-/Gesichtserkennungssoftware gibt [7] und extra Computemodule
[8], dann wird es doch wohl auch möglich sein, ein bisserl Software zu
stricken, die sich an Landschaftsmerkmalen aus der Vogelperspektive
orientiert und dem Flugrechner Anweisungen gibt.
Wie man dem allgegenwärtigen Lamento über Fachkräftemangel entnimmt,
sitzen die guten Softwareentwickler ohnehin in der Ukraine. Die
beschäftigt man dann eben mit solchen Aufgaben, statt sie Däumchen
drehen zu lassen.
Volker
[1]
https://ardupilot.org/copter/index.html
https://www.parrot.com/us/open-source-drone-software
https://www.librepilot.org/site/index.html
https://github.com/cleanflight/cleanflight
https://px4.io/open-source-for-drones-test/
[2]
https://dojofordrones.com/build-a-drone/
[3]
https://www.youtube.com/watch?v=Y6dkRrnUGVo&list=PLzrI14lOlSqfR9lOz-3dgf7fQaD6C9_bW
[4]
https://www.youtube.com/watch?v=zeQasZlCiJ4&t=55s
[5]
https://www.theverge.com/22985101/dji-aeroscope-ukraine-russia-drone-tracking
https://www.theverge.com/2022/4/28/23046916/dji-aeroscope-signals-not-encrypted-drone-tracking
https://www.theverge.com/23045059/dji-halt-drone-shipments-russia-ukraine-war
https://github.com/MAVProxyUser/UserPortrait
[6]
https://www.raspberrypi.com/documentation/accessories/camera.html
[7]
https://www.tomshardware.com/how-to/raspberry-pi-person-detecting-doorbell
[8]
https://www.raspberrypi.com/products/compute-module-4
https://qengineering.eu/deep-learning-with-raspberry-pi-and-alternatives.html