On Sat, 1 Oct 2022 21:01:46 +0200, Hanno Foest wrote:
> On 01.10.22 14:06, Wolf gang P u f f e wrote:
>> [Volker:]
>>> Hatte kurz über "optische" Computertastaturen nachgedacht. [...] Sinnlos. Wer
>>> Wert auf eine robuste Tastatur legt, muß sich im Fetischbedarf mit
>>> Modellen eindecken, in denen Cherry MXe werkeln.
>> Tastaturen mit Hall-ICs gab und gibt es noch.
> Über den Daumen [...] gibt es zwei Systeme, die den Test der Zeit
> überstanden haben: IBMs "buckling spring over membrane" Model M, und
> Cherry MX.
Vielleicht mit Ausnahme von Klonen wie Gateron, Kailh, Razer, Outemu,
Gazzew, ... Ich bin mit denen nicht warmgeworden, insbesondere nicht auf
kurzhubigen, skelettierten Gamerbrettern. Bei Notebooktastaturen sind -
wenn man sie denn partout benutzen _muß_ - die Teile von Lenovo m. M. n.
am besten.
> Von beiden gibt es haufenweise Tastaturen, die seit > 30
> Jahren benutzt werden und nicht totzubekommen sind. Wobei Cherry die
> Nase vorne haben dürfte: Man bekommt die Schalter immer noch als
> Ersatzteile
Genau. Nachdem mir an meiner antiken Cherry G80-3019 HFO /07
zwischenzeitlich auch das "F" verreckt ist, bestand Handlungsbedarf,
bspw. wenn das wegen Group-Policies unnötig lange und komplizierte
Windows-Paßwort "Ficken13Halleluja" heißt. ;-) Glücklich jedoch der,
der in weiser Voraussicht vom Reichelt einen Sack mit 50 MX1A-E1N
georgt hat.
Deswegen also der Austausch ausnahmslos aller restlicher Buchstaben,
ENTER, BACKSPACE, ENTF, SHIFT- und Cursortasten, TAB und ESC. Auf den
Zehnerblock und die Zahlentasten habe ich erstmal verzichtet.
Das ist eine Arbeit für Menschen, die Mutter und Vater ermordet haben.
Insbesondere mit einem ungeregelten Weller-Lötkolben, einer extrem
schrottigen Huschiwuschi-Entlötsaugpumpe, mit miesem Licht und schon
leicht presbyotischem Visus, wenn es ständig an der Türe klingelt oder
die Handwerker am Arbeitszimmerfenster herumschrauben wollen, während
Radio Arabella aus dem Festo-Baustellenradio dröhnt.
In der Mittagspause habe ich dann Lupenbrillen recherchiert
(
https://www.amazon.de/dp/B0892LPSHD - hmmm, hmmmm.
https://www.amazon.de/dp/B09C7TJJWB - hmmmmmmm.
https://www.amazon.de/dp/B08C4X4TGP - hmmmmmnaja.
https://www.amazon.de/dp/B01I8Y22GE - *hüstel*.
https://www.amazon.de/dp/B000ZECV12 - *schluck*) und geschaut, ob es die
gute Soldappullt noch gibt.
Angesichts von
https://www.amazon.de/dp/B001ZZU2ZC
https://www.amazon.de/dp/B002MJMXD4
dann entschieden, daß es mein Chinakracher mit neuen O-Ringen und etwas
Silikonfett schon noch tut.
Die Krönung dann, daß ich mir bei der Reinigung am scharfkantigen
Alutubus der Entlötsauglutsche dann noch sauber in den rechten
Zeigefinger geschnitten habe. War glücklicherweise ein glatter Schnitt
und blutete mit Pflaster und Kompression dann gar nicht übermäßig lang.
Die Aktion konnte weitergehen.
Auf die Dioden in der Originalbestück war das Cherry-Motherboard
offenbar nicht angewiesen, auf einige Drahtbrücken hingegen doch (hat
vielleicht 3-Key-Rollover, wer weiß das schon so genau). Ich habe die
Brücken einfach aus den alten Tasten ausgebaut und von der Lötseite
direkt auf die Platine gebraten.
Ein MX1A-E1N hat nämlich nur zwei Kontakte und da, wo Diode oder Brücke
hinkämen, sind nicht einmal ausreichend große Durchgangslöcher. Auf
Proxxon-Mikrobohrungen hatte ich dann keine ausgesprochen große Lust,
da erschienen mir die fuddeligen Rastzungen des Tastergehäuse ohne
dedizierten "Keyopener" aus der Keymodderszene Herausforderung genug.
Insbesondere, wenn man zum Kürzen der Beinchen grad keine Knipex
Elektronikzange parat hat, sondern nur den Kraft-Seitenschneider mit
einer Wate, die auch vor 2mm Stahlnägeln nicht zurückschreckt.
> Es fällt aber auf, daß an beiden Systemen nichts konzeptionell
> spezielles ist: Die Cherry MX haben mechanische Schaltkontakte, und
> bei den Model M ist es eine Folientastatur, bzw. Membran. Die
> Entwickler haben "lediglich" beim Gesamtsystem gute Arbeit geleistet.
Kann man so sagen, ja. Die - wie man neudeutsch titeln würde: "PBT
Double-Shot Keycaps" an meiner G80-3019 HFO sind nach Jahrzehnten noch
vollkommen makellos. Seidenmatter Glanz, nichts abgerubbel, nichts
hakt, nichts quietscht, nichts fällt ab.
Kann man von dem Hackbrett meiner besseren Hälfte (Durandal, ebenfalls
Cherry, IIRC aber Brown) nicht behaupten. Die glänzt an den häufiger
benutzten Tasten schon wie eine Speckschwarte und die ohnehin nicht
besonders kontrastreiche Beschriftung läßt nach. Außerdem schreibt sie
sich irgendwie dumpf und knochig und keineswegs so frisch wie meine G80
mit MX Blue.
Volker