Ein Campingzelt könnte doch eigentlich ein perfekter Blitzschutz sein: Die
Zeltstangen sind aus Metall und könnten ein sicherer Faradayscher Käfig
sein. Vor allem bei Kuppelzelten mit zwei oder mehreren kreuzweisen Stangen.
Siehe auch
http://www.wdr.de/themen/forschung/1/kleine_anfrage/antworten/blitz_zelt.jht
ml?rubrikenstyle=kleine_anfrage
und
http://www.vde.com/NR/rdonlyres/97805789-D7A7-431C-839B-541849062C36/3241/Bl
itzeinwirkungen2008.pdf
Ich schätze, vom Zelt ist danach nur noch die Idee übrig.... und die
Insassen?
Welche Nebenwirkungen können auftreten? Wie ist es mit der Exolpsion durch
die Ausdehnung der erhitzten Luft? Wie ist es mit der Erhitzung?
Können die Alustangen die gewaltige Stromstärke ableiten?
Sind Überschläge zu den Insassen zu erwarten?
Hilft ein Blitzableiter, z.B. ein dickes, geflochtenes Kupferkabel, das man
an der Zeltspitze befestigt und dann gut erdet?
Oder wäre es besser, den Blitzableiter außen auf das Innenzelt, also
unterhalb des Zeltgestänges zu legen.
Welche Möglichkeiten gäbe es sonst? (außer Bleckplatten, die für
Motorradreisende eher umständlich zu handhaben sind)
Oder ist es die beste Lösung, mit dem Leben abzuschließen.. :o)
(Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages in der Nähe eines
Lottogewinnes liegt)
Für Wildcamper in der Pampa: wo wäre der sichertste Ort für ein Zelt bei
Gewitter?
Schon 'mal vielen Dank für die Antworten
Thomas
Im Allgemeinen sind Zeltstangen von Kuppelzelten nicht metallisch
weil biegsam.
timo.
Gerüstzelte (z. B. LANCO SG30 ... SG500) schützen recht gut vor direkter
Blitzwirkung, insbesondere wenn die Knotenstücke aus Aluminium sind. Bei
Pyramidenzelten (Tripstein, Scout, Sahara...) muss der Mittelmast aus sicher
(kein Holz) nichtleitendem Material bestehen. Der Blitzschutzkäfig könnte
hier aus vier Edelstahlseilen bestehen, die von einem Ring auf der
Mastspitze zu den Eckstäben verlaufen. Bei Kuppelzelten bietet sich ein
Edelstahlnetz an. Ein solches Netz ist auch als Äquipotentialfläche unter
und neben dem Zelt, besonders auch vor dem Eingangsbereich (Schrittspannung)
notwendig. Alleine dieses Thema (Erder, indirekte Blitzwirkungen) füllt
ganze Bücher. Ich habe nur wenige Dingen nennen können.
Gruß
Hans Jürgen
Thomas Kröger schrieb:
>
> Ein Campingzelt könnte doch eigentlich ein perfekter Blitzschutz sein: Die
> Zeltstangen sind aus Metall und könnten ein sicherer Faradayscher Käfig
> sein. Vor allem bei Kuppelzelten mit zwei oder mehreren kreuzweisen Stangen.
Hallo,
lies mal hier:
http://www.aldis.at/blitzschutz/index.html
http://www.dehn.de/www_DE/PAGES_D/blitz_info/faq_allg/top33.html
http://www.blitzschutz.com/infos/artikel/006/kap03.htm
http://www.blitzschutz.com/infos/artikel/006/kap05.htm
http://www.blitzschutz.com/infos/artikel/006/kap06.htm
http://www.darc.de/ham/wxrd/downloads/gewitter.pdf
http://www.blitzkugel.de/blitzschutz.htm
Bye
Hans Jürgen Rieb schrieb:
>
> Gerüstzelte (z. B. LANCO SG30 ... SG500) schützen recht gut vor direkter
> Blitzwirkung, insbesondere wenn die Knotenstücke aus Aluminium sind.
Hallo,
das nützt wenig wenn dann die indirekte Blitzwirkung der Schrittspannung
die Insassen verletzt oder gar tötet.
Damit das Gerüst einen Blitzeinschlag gut zum Boden ableiten kann müssen
nicht nur die Knotenstücke aus Metall sein, sondern auch die Streben.
Aber auch wenn das Gerüst den Blitz bis zur Erdoberfläche abgeleitet hat
ist das Problem noch nicht gelöst, es fehlt insbesondere bei trockenen,
schlecht leitenden Böden ein wirkungsvoller Blitzender der die
Entstehung ein gefährlich hohen Schrittspannung verhindert.
Byte
> Im Allgemeinen sind Zeltstangen von Kuppelzelten nicht metallisch
> weil biegsam.
Kommt aufs Zelt an. Bei meinem Hilleberg sind sie vollständig aus Alu.
Ist aber auch ein Tunnel-, kein Kuppelzelt :)
vG
> Ein Campingzelt könnte doch eigentlich ein perfekter Blitzschutz
> sein: Die Zeltstangen sind aus Metall und könnten ein sicherer
> Faradayscher Käfig sein. Vor allem bei Kuppelzelten mit zwei oder
> mehreren kreuzweisen Stangen.
Jein ...
Die Stangen könnten schlechten Erdkontakt haben, dann springt der Blitz
ab - auch nach innen.
Auch wenn der Blitzstrom erfolgreich von der Stange in den Boden
eingeleitet wird, breitet er sich kreisförmig auf der Oberfläche aus -
auch unter dem Zelt entlang. Stichwort Schrittspannung. Gerade wenn Du
der Länge nach im Zelt liegst, überbrückst Du kurzzeitig locker ein
paar 10^n Volt, die am Widerstand des Erdbodens nach außen hin
abfallen. Daher auch im Zelt: zusammenkauern und den Boden möglichst
nur an einem Punkt berühren.
Sekundärfolgen wie Druckwelle, thermische Wirkung etc. lassen wir mal
außen vor.
> der Erhitzung? Können die Alustangen die gewaltige Stromstärke
> ableiten?
Normale Blitzableiter können das ja auch :) Naja, warm werden sie schon
dabei, aber lieber neue Stangen kaufen als einen neuen Körper.
Letzteres ist nicht immer ganz unproblematisch.
> Oder ist es die beste Lösung, mit dem Leben abzuschließen.. :o)
> (Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Einschlages in der Nähe
> eines Lottogewinnes liegt)
Tod durch direkten Blitzschlag ist extrem selten (ein Freund von mir
hatte allerdinx anno 92 leider das "Glück"). Da würd ich mir aber keine
allzu grauen Haare wachsen lassen.
> Für Wildcamper in der Pampa: wo wäre der sichertste Ort für ein
> Zelt bei Gewitter?
Am Fuß eines Hügels, aber nicht in einer Senke und nicht in engen
Tälern (Flutgefahr - im Wasser ists nicht nur ungemütlich, sondern auch
sehr gefährlich!). Keinesfalls unter Bäumen oder ähnlichen großen
Dingern (auf einer Querstrebe innerhalb eines Gittermastes sitzend
müßte man allerdinx recht sicher sein, oder?), keinen hohen Punkt
bilden. Und für die Bewohner: auch im Zelt in der Hocke hinkauern, Füße
zusammen, Kopf zwischen die Knie.
Wenn man draußen ist, ruhig naßregnen lassen - das erhöht nämlich die
Chance, daß ein (Teil-) Blitz nicht durch den Körper, sondern an der
Oberfläche abfließt. Gibt auch Verbrennungen, aber man lebt danach eher
weiter. Und Schnupfen heilt deutlich schneller als Tod.
vG
eine Ableitung zur Erdoberfläche (wenn sie physikalisch zu verhindern wäre)
ist zum Schutz der Personen im Inneren des Schutzraumes unwichtig. Hier ist
lediglich der Potentialausgleich wichtig. Das erwähnte Edelstahlnetz bietet
diese Äquipotentialfläche auch zum Erdboden hin. Lebenswichtig werden
Erdungsfragen aber dann, wenn Personen während einer Blitzentladung den
Schutzraum verlassen oder betreten. Dann tritt am Rand der Bodenmatte zum
umgebenden Erdreich hin eine hohes Potentialgefälle auf. Dem kann man zwar
durch Potentialsteuerung (Absenkung der Bodenmatte schräg mehrere Meter nach
unten ins Erdreich) begegnen, aber das Thema war Blitzschutz bei Zelten.
Gruß
Hans Jürgen
Dann nimmt man eben Federstahl. Ist halt auch eine Preisfrage.
Servus
Christoph Müller
http://www.astrail.de
> Welche Nebenwirkungen können auftreten? Wie ist es mit der Exolpsion durch
> die Ausdehnung der erhitzten Luft? Wie ist es mit der Erhitzung?
> Können die Alustangen die gewaltige Stromstärke ableiten?
> Sind Überschläge zu den Insassen zu erwarten?
Schau mal hier ea779f$1hl$1...@news1.nefonline.de
Da wurde eine ähnliche Frage diskutiert.
Grüße
Steffen
Die Alurohre höherwertiger Kuppel und Tunnelzelte sind ausreichend biegsam
(federnd). So ein 10er Alurohr sollte es mit der Leitfähigkeit eines 8mm
Fe-Blitzableiters aufnehmen können. Auf die Leitfähigkeit alleine dürfte
es aber nicht ankommen. Auf einem Pfadfinderlager hat der Blitz in einen
(nassen) Holzfahnenmasten eingeschlagen, ob der Metallkarabiner an der
Spitze wirklich eine Rolle gespielt hat kann ich nicht sagen, aber die
Tipi-Stangen ca. 3m daneben waren etwa gleich hoch, ev. sogar eine Spur
höher. Die Leute in dem Tipi wurden zwar vom Knall "aus dem Schlafsack
gehoben" aber nicht verletzt.
--
Martin
> Am Fuß eines Hügels, aber nicht in einer Senke und nicht in engen
> Tälern (Flutgefahr - im Wasser ists nicht nur ungemütlich, sondern auch
> sehr gefährlich!). Keinesfalls unter Bäumen oder ähnlichen großen
> Dingern (auf einer Querstrebe innerhalb eines Gittermastes sitzend
> müßte man allerdinx recht sicher sein, oder?), keinen hohen Punkt
> bilden. Und für die Bewohner: auch im Zelt in der Hocke hinkauern, Füße
> zusammen, Kopf zwischen die Knie.
>
> Wenn man draußen ist, ruhig naßregnen lassen - das erhöht nämlich die
> Chance, daß ein (Teil-) Blitz nicht durch den Körper, sondern an der
> Oberfläche abfließt. Gibt auch Verbrennungen, aber man lebt danach eher
> weiter. Und Schnupfen heilt deutlich schneller als Tod.
>
Ist die Kleidung nach dem Treffer wieder trocken?
SCNR
Das könnte andererseits dann aber ungute Dampfverbrühungen geben. :-(
--
Martin
Apropos Dampf: Unser Physiklehrer hat seinerzeit mal von zu Hause aus
einen fetten Blitzeinschlag im nahen Wald beobachtet. Als er anderntags
zur Einschlagstelle ging - ein größerer Baum auf einer Waldlichtung - ,
fand er alles mit Holzsplittern übersät, und aus dem mächtigen Baum hatte
es in ein paar Meter Höhe ein Stück von ca. 3m x 1m x 30cm (also so'n
knappen Festmeter...) herausgesprengt und 20 Meter weit über die Lichtung
geschleudert...
wenn man da selber auch so viel Dampf entwickelt, dann gut'nacht...
Ansgar
--
Mails an die angegebene Adresse erreichen mich - oder auch nicht! Gültige
Adresse gibt's bei Bedarf!
Mails to the given address may or may not reach me - valid return address
will be given when required!
> Die Alurohre höherwertiger Kuppel und Tunnelzelte sind ausreichend
> biegsam (federnd). So ein 10er Alurohr sollte es mit der
> Leitfähigkeit eines 8mm Fe-Blitzableiters aufnehmen können. Auf
> die Leitfähigkeit alleine dürfte es aber nicht ankommen. Auf
> einem Pfadfinderlager hat der Blitz in einen (nassen)
> Holzfahnenmasten eingeschlagen, ob der Metallkarabiner an der
> Spitze wirklich eine Rolle gespielt hat kann ich nicht sagen, aber
> die Tipi-Stangen ca. 3m daneben waren etwa gleich hoch, ev. sogar
> eine Spur höher. Die Leute in dem Tipi wurden zwar vom Knall "aus
> dem Schlafsack gehoben" aber nicht verletzt.
Das ist genau die Methode sich zu schützen. Mindestens 3m Abstand
(wegen Vermeidung Wärmewirkung) neben einem höheren leitfähigen Objekt
das durch den Blitz nicht umkippt, ist man sicherer. Am besten sind
natürlich Mulden. Es gibt da das Blitzkugelmodell. Stellt Euch eine
grosse Kugel mit 30m Durchmesser vor, die über die Umgebung rollt. Dort
wo die Kugel auf leitfähigen Materialien aufliegt, schlägt der Blitz
mit hoher Wahrscheinlichkeit ein. Dazwischen sehr viel seltener (naja,
sag niemals nie, es gibt auch Blitzkugelmodelle mit 10m Durchmesser und
manchmal hält sich der Blitz auch daran nicht). Man sollte auch nicht
zu nah an dem "Blitzableiter" stehen und ihn und sämtliche mit ihm
verbundenen leitfähigen Materialien nicht berühren.
Nach dieser Theorie wäre die Mitte einer Lichtung im Wald mit weniger
als 30m Durchmesser relativ sicher, naja, sofern man nicht durch einen
umfallenden Baum getroffen wird. Prinzipiell würde eine Alustange, die
3m neben das Zelt in die Erde gesteckt wird und das Zelt mind. 3m
überragt, guten Schutz bieten.
Gegen die Schrittspannung ist man im trockenen Zelt auf den Isomatten -
oder noch besser - aufgeblasenen Luftmatratzen recht gut geschützt.
M.
--
Bitte auf mwn...@pentax.boerde.de antworten.
Wenn man seine Zelte nur bei Aldi kauft, kennt man natürlich nur die
Fiberglasgestänge. Hochwertige Zelte verfügen hingegen schon seit Jahren
über Aluminiumgestänge.
SCNR
Gerd
Seit wann sind ein oder zwei Stangen über dem Kopf ein Käfig? Du
solltest mal in den Zoo gehen, um dein Weltbild aufzufrischen :-))
Frank
Federstahl, welcher noch biegbar sein soll, ist so dünn, dass
er die zu erwartende Stromstärke eines Blitzes nicht
aushalten würde.
W.
>> > Im Allgemeinen sind Zeltstangen von Kuppelzelten nicht
>> > metallisch weil biegsam.
>>
>> Dann nimmt man eben Federstahl. Ist halt auch eine Preisfrage.
>
> Federstahl, welcher noch biegbar sein soll, ist so dünn, dass
> er die zu erwartende Stromstärke eines Blitzes nicht
> aushalten würde.
Alles relativ und 100%igen Schutz gibt es sowieso nicht. Die meisten
Blitze sind relativ "schwach". Die Zeltstangen der teureren Zelte
bestehen aus hochbiegsamen Alu. Der Aussendurchmesser der Rohre
entspricht ca. denen der Blitzableiter an Häusern. Sind zwar Rohre,
reltiv dickwandig; im Notfall halten sie bestimmt etwas ab. In so einem
Zelt möchte ich bei einem Blitzeinschlag aber auch nicht liegen.
Angeblich sollen Autos ja auch schützen. Schon bemerkt, wie dünn das
Blech bei Manchen ist? So ein geringer Querschnitt, da mag man kaum
glauben, das es den Blitz ableitet (lediglich die Säulen sind etwas
stabiler).