Hallo Jürgen,
Du schriebst am Tue, 16 Mar 2021 20:03:42 +0100:
...
> Kommst du aus diesem beruflichen Fachgebiet Elektromobilität/Ladesäulen?
Nein, aber ich habe mal einige Zeit bisserl mit der "anderen Seite" (den
Autos) zu tun gehabt und das auch bisserl näher verfolgt.
> Als gelernter Elektroinstallateur mit einigen Jahren Erfahrung im
> Anlagenbau hätte ich eine Ladesäule generell so gebaut:
> Netzstrom 3 Phasen 400V/50Hz wie unterm Asphalt flächendeckend
> verfügbar, abgesichert mit 3x16/25/32A sowie Abrechnungssystem mit
> modernen Stromzähler und genormter Datenschnittstelle zum Fahrzeug.
Sowas gibt's durchaus auch, das sind dann die einfachen Ladesäulen für
"Normalladung", so bis 22kW. Da wird aber in der Ladesäule _garnix:
gemacht, die leitet den Strom - Wechselstrom - einfach nur durch zum
Ladegerät _im Auto_.
> Hätte den Brachialen Vorteil das Eigenheimbesitzer keine Ladesäule mehr
> bräuchten, sondern nur noch eine CEE-Dose in der Garage.
Hätte, wenn sich die Autohersteller auf so eine einfache Methode hätten
einigen können. Aber soo einfach darf das der Kunde doch nicht haben - da
muß schon erstmal mindestens ein Spezialstecker dazwischen, damit man den
nicht einfach überall anstecken kann (was in Usanien auch sinnvoll ist,
weil das die Hausinstalltionen nochmal viel kläglicher sind als das
Verteilnetz). Und _vor_ der Spezialdose muß dann noch ein Steuergerät
sitzen, das dem Lader im Auto genau "sagt", wieviel Strom er (maximal)
abnehmen darf. Und das geht dann auch nur einphasig so einfach. Aber in
Usanien gibt's halt keinen 3-Phasen-Drehstrom im Haushalt, deswegen
"mußten" die Europäer da auch noch was eigenes zusammenschustern, was
dann im "CCS" (Combined Charging System) mündete. Dafür ist das nicht nur
für die o.g. "Normalladumg" ausgelegt, sondern auch für eine noch
schnellere "Schnellladung", die aber nicht mehr per Wechsel- sondern mit
Gleichstrom abläuft. Da sitzt dann die Ladesteuerung in der Ladesäule,
damit der fette Umrichter (_nicht_ nur Gleichrichter!) nicht zu sehr das
Auto belasten muß (auch wenn das inzwischen beherrschbar wäre).
> Zumal es doch bei der ganzen Thematik hinter der Elektromobilität auch
> um Energieeffizienz geht...dachte ich.
Ja, durchaus auch, und deswegen sitzt der Ladeumrichter für Schellladung
eben in der Ladesäule.
> Wozu dann also in der Ladesäule eine Regelung mit verlustbehafteten
> Schaltregler, wenn im E-Fahrzeug weitere verlustbehaftete Regler sitzen?
> Macht alles Abwärme/Verlustleistung, die ja gegen den Grundgedanken der
> Energieeffizienz sprechen.
Richtig, und deswegen steuert halt das - sowieso nötigw - BMS im Auto-Akku
den Umrichter in der Ladesäule (per CAN-Bus) so, daß der aus dem
Ladestecker kommende Strom sich mit der richtigen Spannung dann direkt in
die Batterie "ergießen" kann.
...
> > Wundere Dich. Die meisten der Hersteller bauen ihre Akku-Batterien
> > selber (sonst müßten sie sich ja auf einen Standard einigen - NIH!) und
> > damit auch ihr BMS, das sie dann mit der Motorsteuerung und den
> > Anzeigen für den Fahrer zusammenschalten.
>
> So wie ich das verstehe, halte ich das erst mal für ein Gerücht.
Nee, isses nich. Die Akkus werden für _jeden Fahrzeugtyp individuell_
"designed" und gebaut, da ist nicht viel mit Vorfetigung, weil sich da
praktisch alle Daten unter den Typen unterscheiden. Da kann allenfalls ein
Zuleiferer doe "Konfektion" aufgedr^Wübertragen bekommen, aber alles
elektrische und elektronische Zeugs da drin muß halt "anwendungsgerecht"
zusammengepfrimelt sein, auch, damit es letzten Endes mit den restlichen
Steuergeräten im Auto richtig zusammenarbeitet.
> Tesla ist schon so weit, aber deutsche Hersteller stehen da noch in der
> medialen Darstellung weit zurück. Hier träumt man noch davon eigene
> Akkus inklusive Zellen zu bauen.
Letzteres macht Tesla schon seit Anfang an. und jetzt bauen sie ja sogar
ihre eingenen Zellen. "Darf" da die deutsch Automobilfertigung überhaupt
zurückstehen? Seit ein paar ihrer Manager aufgrund des Wirbels um die
Dieselabgase aus ihren Träumen gerüttelt wurden, ist da viel "operative
Hektik" (und anscheinend recht moderatem Sachverstand) an Wirbeln.
...
> "Sprengmeister" war eine ironische Bewunderung.
> Wer weis was eine einzelne 18650 anrichten kann, hat Respekt vor
> Großakkus wie in der Elektromobilität, sowie die Leute die da was
> zusammenschrauben und eine BMS da final anschließen.
Naja, als "Bewunderung" hatte ich das weniger aufgefasst, als ironisch
durchaus. Ja, was bei Fehlern in solchen Akkus passieren kann, ist schon
recht spektakulär, wie in diesem Video zu sehen ist (KEIN BMS eingebaut!):
<
https://www.youtube.com/watch?v=WdDi1haA71Q>
Der Schaden hielt sich sogar in einigermaßen überschaubarem Rahmen für ein
solches Ereignis, es gab schon schlimmere. Die verwendeten Batterien waren
_Teile_ eines Tesla-Akkus, ohne jegliche Überwachunggselektronik eingesetzt.