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Stahldraht statt Ferrit als Spulenkern

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Matthias

unread,
Sep 16, 2002, 7:17:17 AM9/16/02
to
Hallo,

ich möchte mir für eine kleine Elektronik-Bastelei eine Spule wickeln.
Nur habe ich das Problem, dass alle meine Ferritkerne dafür viel zu
groß sind.
Mich würde nun interessieren, ob man stattdessen als Kern auch dicken
Stahldraht oder eine Schraube nehmen könnte - und inwiefern das die
Eigenschaften einer Spule beeinflusst.

Danke!

Gruß,
Matthias

MaWin

unread,
Sep 16, 2002, 8:46:21 AM9/16/02
to
Matthias <matthi...@gmx.net> schrieb im Beitrag <6f027464.02091...@posting.google.com>...
Massives Eisen ist nur fuer allerniedrigste Frequenzen geeignet
(Relaisspule, Magnetkran, ein/aus nur gelegentlich).
Sobald leicht erhoehte Schaltfrequenzen voliegen (50Hz Trafo)
braucht man schon isolierte duenne Bleche,
gehen die Frequenzen noch hoeher (Ultraschall bis Hochfrequenz)
braucht man Eisenstaub (in Glas isoliert eingeschmolzen aka Ferrit).
--
Manfred Winterhoff, mawin at gmx.net, remove NOSPAM if replying
homepage: http://www.geocities.com/mwinterhoff/
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.e-online.de/
Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask.
Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.

Dirk Lieberwirth

unread,
Sep 16, 2002, 2:08:55 PM9/16/02
to
Hi Manfred,


"MaWin" <ma...@gmx.net> schrieb:

> gehen die Frequenzen noch hoeher (Ultraschall bis Hochfrequenz)
> braucht man Eisenstaub (in Glas isoliert eingeschmolzen aka Ferrit).

Ach, da ist Glass drin? Darum brechen die dinger so leicht .-).
Macht das eigentlich etwas, wenn man gebrochene Ferritkerne z.B. in
Zeilentrafos mit Sekundenkleber zusammenklebt? Auch wenn ein kleines
Stückchen fehlt? Oder evakuiert sich dann gleich die Horizontalablenk-
endstufe?

Ciao,
Dirk

MaWin

unread,
Sep 16, 2002, 3:27:19 PM9/16/02
to
Dirk Lieberwirth <dirk.lie...@t-online.de> schrieb im Beitrag <am58v9$ssa$07$1...@news.t-online.com>...

>
> Ach, da ist Glass drin? Darum brechen die dinger so leicht .-).

Warum brechen ? Was machst du mit deinen Fernsehern.

> Macht das eigentlich etwas, wenn man gebrochene Ferritkerne z.B. in
> Zeilentrafos mit Sekundenkleber zusammenklebt?

Geht.

> Auch wenn ein kleines Stückchen fehlt?

Egal.

Rolf Bombach

unread,
Sep 16, 2002, 3:15:22 PM9/16/02
to

Allenfalls Weicheisen. Anderes Zeug hat zuviel Hysterese.
Konservendosenblech soll angeblich gehen, kommt in alten
östlichen Selbstbaubeschrieben manchmal vor.

--
mfg Rolf Bombach


Dieter Wiedmann

unread,
Sep 16, 2002, 6:18:18 PM9/16/02
to
> braucht man Eisenstaub (in Glas isoliert eingeschmolzen aka Ferrit).

^^^^^^^^^^
Hallo Manfred,

das hat sofort zur Verwirrung geführt. Das liegt allerdings
daran, dass der Begriff Ferrit mehrfach verwendet wird:

1) alpha-Eisen, eine Modifikation von metallischem Eisen

2) Eisen(III)-oxid haltige Mischoxide mit Spinellstuktur

3) Farbpigment

Aus 1) in feinstgepulverter Form und in Mischung mit
Glaskeramik fertigt man Eisenpulverkerne, aus 2) fertigt man
die Ferritkerne, mit 3) arbeiten Kunstmaler

Gruß Dieter

Georg Richter

unread,
Sep 16, 2002, 7:09:19 PM9/16/02
to
Dieter Wiedmann <Dieter....@t-online.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3D8658AA...@t-online.de...

Das habe ich mit Freude gelesen.
Von wem hast Du die Informationen:
1. [ ] Vogt
2. [ ] Engels
3. [ ] Masolle
(Alle zusammen waren: TriErgon)

--
Georg O.F. Richter
alias Hourdi
hourdi_@_t-online.de

MaWin

unread,
Sep 16, 2002, 7:10:07 PM9/16/02
to
Dieter Wiedmann <Dieter....@t-online.de> schrieb im Beitrag <3D8658AA...@t-online.de>...
>
> 1) 2) 3)
>
Wir wollen es aber fuer Matthias nicht zu kompiziert machen,
und muessen daher vereinfachend (und tippfaul) bleiben.

greim

unread,
Sep 17, 2002, 2:41:54 PM9/17/02
to
Georg Richter wrote:
> Das habe ich mit Freude gelesen.
> Von wem hast Du die Informationen:
> 1. [ ] Vogt
> 2. [ ] Engels
> 3. [ ] Masolle
> (Alle zusammen waren: TriErgon)
>
Was hat denn ein Ferritkern mit dem Tonfilm zu tun ??

Grüße

Markus Greim

P.S. Mein Großvater und der alte Vogt kannten sich wohl
noch aus Kindertagen...

Christoph Hauzeneder

unread,
Sep 17, 2002, 4:36:05 PM9/17/02
to
greim wrote:

>Georg Richter wrote:
>
>>Das habe ich mit Freude gelesen.
>>Von wem hast Du die Informationen:
>>1. [ ] Vogt
>>2. [ ] Engels
>>3. [ ] Masolle
>>(Alle zusammen waren: TriErgon)
>>
>Was hat denn ein Ferritkern mit dem Tonfilm zu tun ??
>

Ist ganz einfach:
Alle 3 gemeinsam haben den Tonfilm in Berlin entwickelt und danach das
Patent in die USA verkauft.
Dr. Hans Vogt hat sich danach mit Eisenpulverkernen beschäftigt und die
heute noch bestehende Vogt electronic AG miot Sitz in Erlau bei Passau
gegründet. Der Standort ist - so nebenbei - eine Folge des 2.
Weltkrieges, da die Nazis die Technologie als Rüstungsgut ansahen und
deshalb Vogt zu einer Verlagerung von Berlin an einen strategisch
günstigen Ort zwangen.

Christoph

Christoph Hauzeneder

unread,
Sep 17, 2002, 4:39:53 PM9/17/02
to
Dirk Lieberwirth wrote:

Mit was werden die wohl in der Produktion geklebt?
Da ists halt ein Zweikomponentenkleber, der aber auch ziemlich schnell
fest wird

Christoph

Georg Richter

unread,
Sep 17, 2002, 8:40:24 PM9/17/02
to
greim <gr...@schleibinger.com> schrieb in im Newsbeitrag:
3D877772...@schleibinger.com...

Georg Richter wrote:
>> Das habe ich mit Freude gelesen.
Wirklich!

>> Von wem hast Du die Informationen:
>> 1. [ ] Vogt
>> 2. [ ] Engels
>> 3. [ ] Masolle
>> (Alle zusammen waren: TriErgon)
>>
>Was hat denn ein Ferritkern mit dem Tonfilm zu tun ??
Nicht nur. Die haben auch Schallplatten aufgenommen, gepresst, verlegt,
vertrieben.
Die Tonqualität war aber leider nicht so der Hit. Die Platten waren ganz
herkömmlich Schellack, kein Ferrit.
Falls Dein Großvater noch lebt: Aushorchen! Es gab zwar schon 'mal irgendwo
eine Abhandlung über das Dreigestirn (Funkschau? GFGF?), aber wenn Du schon
an der Quelle sitzt ... andernfalls: Beileid.
Ehrlich,
Georg

greim

unread,
Sep 18, 2002, 2:39:07 AM9/18/02
to
Falls Dein Großvater noch lebt: Aushorchen! Es gab zwar schon 'mal
irgendwo
> eine Abhandlung über das Dreigestirn (Funkschau? GFGF?), aber wenn Du schon
> an der Quelle sitzt ... andernfalls: Beileid.
> Ehrlich,

Lebt leider nicht mehr: Jahrgang 1891..

Grüße

Markus

Rafael Deliano

unread,
Sep 18, 2002, 2:40:04 AM9/18/02
to
> da die Nazis ... zu einer Verlagerung von Berlin an einen strategisch
> günstigen Ort zwangen.
Da von den westlichen Demokraten ausgebombt zu werden nicht so die
Freude ist, wird das wohl auch im Intresse der damaligen Firmenleitung
gewesen sein und wenig Zwang erfordert haben.

MfG JRD

Joerg Niggemeyer

unread,
Sep 18, 2002, 6:41:53 AM9/18/02
to
In article <01c25d7e$8e5087e0$0100007f@amdk6-300>, MaWin
<URL:mailto:ma...@gmx.net> wrote:
> Matthias <matthi...@gmx.net> schrieb im Beitrag <6f027464.0209160317.7800224f@posti
> ng.google.com>...

> >
> > Mich würde nun interessieren, ob man stattdessen als Kern auch dicken
> > Stahldraht oder eine Schraube nehmen könnte - und inwiefern das die
> > Eigenschaften einer Spule beeinflusst.
Induktive Heizelemente??

> >
> Massives Eisen ist nur fuer allerniedrigste Frequenzen geeignet
> (Relaisspule, Magnetkran, ein/aus nur gelegentlich).
> Sobald leicht erhoehte Schaltfrequenzen voliegen (50Hz Trafo)
> braucht man schon isolierte duenne Bleche,
> gehen die Frequenzen noch hoeher (Ultraschall bis Hochfrequenz)
> braucht man Eisenstaub (in Glas isoliert eingeschmolzen aka Ferrit).

Jo, aber die "Ferrite" sind wohl eher gesinterte Keramiken, bei
den Eisenpulverkernen wird IMHO auch das Pulver zusammengepresst. wobei
Oxidschicht und ein Füllstoff die Partikel isolieren. Einschmelzen
hört sich ziemlich teuer an und die Partikel könnten vieleicht
zusammenclustern.

Du kannst allerdings auch eine spezielle Metallfolie aufnudeln,
wie es Vacuumschmelze praktiziert. TDK hat auch sowas ähnliches schonmal
gemacht. Das sah aus wie ein Metallband aus dem Kasendreher,
also natürlich gleich mal ausprobiert! Hat natürlich nicht
recht funzen wollen, weil der Eisenanteil einfach zu gering war um auf
Induktivität zu kommen - aber Versuch macht kluch...........

mit freundlichen Gruessen
best regards

Joerg Niggemeyer

--
Email: Joerg.Ni...@nuconverter.de WEB: http://www.nuconverter.de
Telefon: +49 4181 290913


Joerg Niggemeyer

unread,
Sep 18, 2002, 6:25:56 AM9/18/02
to
In article <3D879319...@t-online.de>, Christoph Hauzeneder
<URL:mailto:christoph....@t-online.de> wrote:

> >
> Mit was werden die wohl in der Produktion geklebt?
> Da ists halt ein Zweikomponentenkleber, der aber auch ziemlich schnell
> fest wird
>

Sekundenkleber und auch andere Zweikomponentenkleber haben den
Nachteil, dass es zu einem ungewollten Luftspalt kommt.
Je nach verschiedenen Anpressdruck durch Klammern bekommst Du
keine vernünftigen Toleranzen hin im Vergleich zu ungeklebten,
durch Klammern zusammengesezten Ferritkernen ohne Spalt.

Deswegen nimmt man für das Verkleben einen Metallkleber wie
z.B. Loctite 648 (eher eine Flüssigkeit) .
Dieser Kleber ätzt die Oberflächen an, weswegen
der Klebvorgang recht lange dauert, aber die Induktivität wird
nicht verändert!

Falls Spalt vorhanden, fällt der zusätzliche Spalt natürlich weniger auf,
allerdings sollte der Kleber schon Temperatur beständig sein ;-)

Kai H. Schmidt

unread,
Sep 18, 2002, 5:50:35 AM9/18/02
to
>From: Joerg Niggemeyer <Joerg.Ni...@nuconverter.de>
>Subject: Re: Stahldraht statt Ferrit als Spulenkern
>Date: Wed, 18 Sep 2002 11:41:53 +0100

Eigentlich koennte man ja auch mal Magnetband-Spulen versuchen...

Kai

----------------------------------------------------------
Kai H. Schmidt k.schmidt*tu-clausthal.de * = @ !

Ceterum censeo Microsoftem delendam esse.

Christoph Hauzeneder

unread,
Sep 18, 2002, 3:11:53 PM9/18/02
to
Joerg Niggemeyer wrote:

>In article <01c25d7e$8e5087e0$0100007f@amdk6-300>, MaWin
><URL:mailto:ma...@gmx.net> wrote:
>
>>Matthias <matthi...@gmx.net> schrieb im Beitrag <6f027464.0209160317.7800224f@posti
>>ng.google.com>...
>>
>>>Mich würde nun interessieren, ob man stattdessen als Kern auch dicken
>>>Stahldraht oder eine Schraube nehmen könnte - und inwiefern das die
>>>Eigenschaften einer Spule beeinflusst.
>>>
>Induktive Heizelemente??
>
>>Massives Eisen ist nur fuer allerniedrigste Frequenzen geeignet
>>(Relaisspule, Magnetkran, ein/aus nur gelegentlich).
>>Sobald leicht erhoehte Schaltfrequenzen voliegen (50Hz Trafo)
>>braucht man schon isolierte duenne Bleche,
>>gehen die Frequenzen noch hoeher (Ultraschall bis Hochfrequenz)
>>braucht man Eisenstaub (in Glas isoliert eingeschmolzen aka Ferrit).
>>
>
>Jo, aber die "Ferrite" sind wohl eher gesinterte Keramiken, bei
>den Eisenpulverkernen wird IMHO auch das Pulver zusammengepresst. wobei
>Oxidschicht und ein Füllstoff die Partikel isolieren. Einschmelzen
>hört sich ziemlich teuer an und die Partikel könnten vieleicht
>zusammenclustern.
>

Wenn einer mehr über die Werkstoffe für die Kerne wissen will, kann sich
bei Vogt electronic unter Produkte im Katalog Werkstoffe über das ganze
informieren.

>
>Du kannst allerdings auch eine spezielle Metallfolie aufnudeln,
>wie es Vacuumschmelze praktiziert. TDK hat auch sowas ähnliches schonmal
>gemacht. Das sah aus wie ein Metallband aus dem Kasendreher,
>also natürlich gleich mal ausprobiert! Hat natürlich nicht
>recht funzen wollen, weil der Eisenanteil einfach zu gering war um auf
>Induktivität zu kommen - aber Versuch macht kluch...........
>

Diese Metalfolie ist amorphes Metall (ein Stück liegt noch bei mir rum
von einer Fortbildung während meines Praktikums). Produziert wird
dieses, in dem die Schmelze über eine schnell rotierende, gekühlte
Scheibe gegossen wird. Dies bewirkt zum einen eine dünne Folie, zum
anderen kann sich aufgrund der schnellen Abkühlung keine Gitterstruktur
im Metall ausbilden. Kerne aus amorphen Metall werden nach dem Wickeln
getempert. Sie haben eine sehr hohe Permeabilität. Solche Kerne findet
man unter anderem in Sicherungsautomaten.

Christoph

Rolf Bombach

unread,
Sep 22, 2002, 2:16:10 PM9/22/02
to
Christoph Hauzeneder wrote:
>
> Diese Metalfolie ist amorphes Metall (ein Stück liegt noch bei mir rum
> von einer Fortbildung während meines Praktikums). Produziert wird
> dieses, in dem die Schmelze über eine schnell rotierende, gekühlte
> Scheibe gegossen wird. Dies bewirkt zum einen eine dünne Folie, zum
> anderen kann sich aufgrund der schnellen Abkühlung keine Gitterstruktur
> im Metall ausbilden. Kerne aus amorphen Metall werden nach dem Wickeln
> getempert. Sie haben eine sehr hohe Permeabilität. Solche Kerne findet
> man unter anderem in Sicherungsautomaten.

Diese Metallstreifen gibt es auch zu Matten gewebt, Breite
(geschätzt) 20cm. Diese Matten sind sehr flexibel und eignen
sich als Mümetall-Ersatz in vielen Fällen. Scheint auch
hochvakuumgeeignet, hatte sie allerdings nur bis ca 1e-6mbar
im Einsatz. Wider erwarten lässt sich dieses glasartige Metall
ohne Probleme weichlöten.

--
mfg Rolf Bombach


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