Hi Volker,
> Der Werkzeugbedarf "Kaplonski" ist ja für die seinem Sortiment
> antikorrelierende Freundlichkeit berühmt.
> Ich: (freundlich und ausgelassen) "Ein Paar
> Spannbacken für einen Gewindeschneideisenhalter, bitte!".
>
> Er: (kopfschüttelnd ob soviel techischer Unkenntnis) "Na, _WELCHE_ Firma
> darf es denn nun sein?".
>
> Es folgt eine Aufzählung aller Hersteller, die sich auf dem Gebiet der
> Handwerkzeuge Rang und Namen gemacht haben.
Also durchaus hilfsbereit und unterstützend
> Ich: (ratlos, nicht minder freundlich) "Ich, äh, ich erinnere mich
> nicht. Ich kaufte das damals von... " (andachtsvolles Schweigen um den
> folgenden Informationen mehr Gewicht zu verleihen) "... WERKZEUG
> HOFFMANN in Pasing.".
von einem Händler, der wahrscheinlich ebenfalls ein gut sortiertes
Sortiment vorhält...
> Er: (augenrollend, zu seinem Mitarbeiter) "Vom..." (imitiert meine
> Pause) "... W e r k z e u g H o f f m a n n also.".
;-) Kann man doch nachvollziehen, oder nicht?
> "Ja, für M3 bis M10 geignet!" (für M4 bis M8 einigermaßen gut, für M3
> und M10 eher weniger, siehe oben).
>
> Er (mitfühlend): "Haben sie den Halter denn dabei?".
Ich kann noch kein Fehlverhalten feststellen, wenngleich das Augenrollen
und die Wiederholung der Kundenaussage eher wenig professionell aber
durchaus menschlich sind.
> Ich: "Nein, leider.".
>
> Er: "Na dann gehen sie besser mal wieder heim und sehen *GENAU* nach, um
> was für ein Produkt es sich handelt.".
Ein durchaus sinnvoller Hinweis.
> Ich: (mit Todesmut und fester Stimme) "Sehen Sie, sie arbeiten hier
> schon seit Jahren, sind quasi ein Profi. Ich hingegen bin nur ein
> planloser Hobbypfuscher mit mangelnder Sachkenntnis und außerdem
> lückenhaftem Vokabular. ABER ICH GEHE HIER DIESES EINE MAL NICHT EHER
> WEG, BEVOR ICH NICHT ETWAS GEKAUFT HABE!!!".
Mit derart lautstarker Drohung?
> Er: (wendet sich zu einer der zahllosen Sortimentskästen und zaubert
> einen Schneideisenhalter für _Außen_gewinde hervor) "Sehen Sie, hier, da
> steht die Herstellerbezeichnung drauf. Alle guten Werkzeuge haben sowas.
> Ist das Ihrer?".
Ich bin beeindruckt. So viel Verkaufsgeschick findet man seltener
> Ich, betreten: "Äh. Ich glaube, es liegt ein Mißverständnis vor. Ich
> wollte einen Schneideisenhalter für Innengewindeschneider.".
>
> Er: (seine Augen wollen ihm schier aus den Hölen rollen, sein Kollege
> kichert bereits) "Also bitte. Es handelt sich um ein _Windeisen_ für
> Gewinde_bohrer_. Sie müssen schon sagen, was Sie wollen. Sonst wird das
> nichts.".
So ist das... Erst weiss der Kunde nicht, was er will, dann bekommt er
die Information, die er braucht, um sich korrekt artikulieren zu können
und dann ist der Kunde beleidigt, dass man seinen untauglich
vorgebrachten Wunsch nicht sofort von den Augen abgelesen hatte und ihn
jetzt auch noch belehrt.
> Ich: "Entschuldigung. Also das ist so ein Teil mit Ratschenantrieb,
> Rechts-/Stop-...".
> Er: "Macht zwei Euro fuffzig.".
Draufgelegt... An den Teilen war nichts verdient.
> Ich: "Weil ich gerade da bin: Ich wollte mich noch nach zweischneidigen
> Rechtecknutfräsern mit Hartmetallplatte in 30 für 10'000U/min max.,
> Scharnierlochbohrern in 26mm erkundigen und welche Oberfräse ich kaufen
> soll.".
>
> Er (entsetzt): "Wir haben in 45 Minuten Mittagspause. Wollen Sie
> Nachmittags wiederkommen, da vertritt mich mein Kollege." (Seitenblick).
Mit solchen Kunden macht man keinen Umsatz, das ist völlig normal. Dafür
ist die Kalkulation nicht ausgelegt.
Das ist übrigens in anderen Branchen nicht besser, eher fataler. Ich hab
das selbst schon mitbekommen im Bereich Versicherungen. Da wollte ein
Kunde einfach nur eine Wohngebäudeversicherung mit Elementarschaden und
Wasserschadenschutz für sein neues Häusle. Leider ist der Gute Ingenieur
und versteht gerne, was ihm angeboten wird. Die Fragen, die er hatte
waren durchaus nachvollziehbar und allesamt gerechtfertigt. Der erste
Makler hat sich einfach nicht mehr wieder gemeldet, auch auf Rückfragen
hin nicht. Ebenso einige weitere Versicherungskaufleute (also
Einfirmenvermittler). Über einen gemeinsamen Freund hatte ich den dann
mal als Kunden vorstellig (ich mach keine aktive Aquise, hab aber meine
Lizenzen noch). Da ich jetzt auch nicht ganz so im Detail in allen
Versicherungen fit bin, habe ich die gesammelten Fragen an die
Maklerbetreuer verschiedener Versicherer weitergeleitet. Die Antworten
waren alles andere als befriedigend, also habe ich mich erdreistet, mich
telefonisch mit den Leuten in Verbindung zu setzen, hochoffiziell
natürlich, um mich selbst für den Kunden aufzuschlauen. Bei allen
Versicherern außer einem einzigen (das waren > 10, die ich angefragt
hatte) offenbarte sich, dass nicht einmal die Maklerbetreuer diese
Fragen sinnvoll beantworten konnten. Intern rückfragen war außerhalb
jeder Diskussion, man könnte sich ja die Blöße geben. Statt dessen bekam
ich einigermaßen gleichlautende Antworten:
- Den Kunden wollen Sie nicht haben, den Aufwand bezahlt Ihnen keiner.
- Den Kunden wollen wir gar nicht haben. Wer so fragt, macht nur Ärger,
wenn es zum Schadensereignis kommt
- Warum wollen Sie sich einen solchen Kunden antun?
...
Nur ein Versicherer hatte letztlich den Schneid und hat mich zu internen
Fachleuten durchgestellt, die dann mühsam in der Lage waren, die
Sachverhalte ingenieurstauglich, also fürs dumme Volk, verständlich zu
machen. Der Auftrag wurde erteilt, ich bekomme tatsächlich eine
jährliche Provision in Höhe von 4,88 € ausbezahlt. Die investierte Zeit
bekomme ich nie auch nur mit dem Mindestlohnsatz zurück. So lange lebe
ich nicht mehr.
Jetzt liegt das Häusle wirklich abseits jeder Gefahrenzone... Wenn ich
jetzt die Diskussionen über Versicherungspflicht höre...
Da ist Deine Episode mit dem Verkäufer doch nahezu ideal gelaufen.
Marte