Am 21.02.2013 09:44, schrieb Werner G. Pflaum:>
>
> "Christina Lüdigk" schrieb im Newsbeitrag
> news:kg4k41$ntq$1...@ariadne.rz.tu-clausthal.de...
>
> Hallo,
>
>
>> Eine solche Funktion können z.B.
>> Öle, die evtl. mit etwas Spülmittel für die verbesserte Benetzung
>> versetzt wurden, erfüllen. Bleibt denn nach dem Ablösen der Briefmarke
>> und nach Verstreichen einer Zeitspanne, in der Wasser getrocknet wäre,
>> ein Fleck auf dem Papier zurück? Vielleicht handelt es sich dann um
>> dünnflüssige Silikonöle oder ein raffiniertes fettes Öl.
>
> Nein, die Original-Briefmarkenlöser sind nicht "ölig". Sie sind geruchlos
> und fühlen sich nicht anders als Wasser an. Fleck bleibt auch keiner
> zurück - das wäre auch für die Briefmarken sehr gefährlich.
>
>>> Wie könnte man Briefmarkenlöser selbst herstellen, da es bestimmt auch
>>> günstiger geht? Ich dachte schon mal an Tenside - aber die sind wohl vom
>>> Verhalten her ähnlich "farblösend" wie Spülmittel und schwer zu
>>> beschaffen.
>
>
>> Spülmittel enthält hauptsächlich Tenside und normale, nicht rückfettende
>> Seife besteht nur daraus. Diese Tenside sind billig und leicht zu
>> beschaffen.
>
> Tja, ich habe es schon bei einem Online-Chemikalienhandel versucht,
> aber nicht mal eine Antwort erhalten. Tips?
In der Drogerie findet man sehr viele Exemplare, die Kunst ist es, eine
"reine" Seife aufzutreiben. Ansonsten gehen auch Baukastenwaschmittel.
Vielleicht sind auch Shampoos geeignet, da sie meistens milder sind als
Waschmittel.
>
>>> Hat jemand eine Idee und ggf. einen Tip, wo man die entsprechende
>>> Chemikalie in Kleinmengen herbekommt?
>
>> Wenn es sich beim Briefmarkenlöser um eine Art Öl handelt, könnte man
>> vielleicht so etwas wie Ballistol, evtl. mit Spüli versetzt, zum Ablösen
>> nehmen. Das verklebt nicht beim Trocknen (wenn überhaupt trocknet) und
>> schädigt deshalb nicht die Briefmarke.
>
> Öle, z.B. auch WD-40, funktionieren bei den neuen, selbstklebenden
> z.B. USA-Marken. Auch Waschbenzin geht da gut. Bei den "alten" Marken, die
> man angefeuchtet auf den Brief klebte, bewirkt aber WD-40 z.B. nur eine
> Verhärtung des Papiers bzw. "Gummis" und die Marke lässt sich noch
> schwerer lösen.
>
> Die Gummierung älterer deutscher Briefmarken wird z.B. mit Dextrin- und
> Planatolgummierung oder auch PVA-Gummierung in den Katalogen benannt.
> Vielleicht hilft das dem Chemiker, etwas über die Gummierung abzuleiten?
>
Palntanol ist, soweit ich sehen kann, Polyvinylacetat, also so etwas wie
Weißleim. Dextrine sind Stärkeprodukte und PVA ist Polyvinylalkohol.
Damit läßt sich etwas anfangen: Organische Lösungsmittel scheiden aus.
Wenn es verdunsten soll, ist es ein Lösungsmittel mit relativ niedrigem
Siedepunkt. Alkohole, Säuren und Amine sind ungeeignet, die würde man am
Geruch erkennen und der Kleber ist ja geruchslos.
Ich bin fast versucht, auf eine Lösungsmittelmischung zu tippen, damit
man sichergehen kann, dass das polare Medium das Papier zwar
durchdringt, die Farbe aber nicht löst. Wahrscheinlich, der
Herstellungskosten wegen, wird es eine wäßrige Lösung sein. Um die Farbe
nicht herauszulösen, wird die zweite Komponente (wenn es nur zwei
Komponenten gibt) etwas unpolareres sein, was bei der stattfindenden
Chromatographie die Elutionskraft der mobilen Phase herabsetzt,
natürlich unterhalb der deklarationspflichtigen Grenzen für Gemische
(z.B. CLP-Verordnung ab Anhang 1 Abschnitt 1.1.3.).
Billig, mit Wasser mischbar, genausogut verdampfend und im schlimmsten
Falle nur reizend oder gesundheitsschädlich (damit man die Komponenten
noch mischen kann) sind einige Lösungsmittel (z.B. Wikipedia: die
Beispiele bei den polaren Lösungsmitteln), aber ob sie dann auch im
Gemisch mit Wasser geruchslos sind, weiß ich nicht. Dafür müßte man eine
Testreihe machen und leider fehlt mir die Zeit dafür.
> Dextringummierung (basiert wohl auf Glucose?) lässt sich mit Wasser
> normalerweise sehr gut lösen, manche der Planatol- und PVA-Gummierungen
> etwas schlechter und langsamer, aber immer noch ausreichend gut (im
> Unterschied zu den neuen Selbstklebermarken vor allem z.B. aus den USA).
>
> Das Problem besteht darin, dass man auf diese alten Gummierungen auf der
> Rückseite der Marken eine Kontrollnummer für Rollen aufgedruckt hatte und
> der Sammler diese beim Ablösen gerne erhalten möchte. Dies geht recht gut
> mit Spülmittellösungen - allerdings durchdringen diese z.B. dickeres
> braunes
> Papier relativ langsam (ca. 1 Minute) und lösen dabei die braune Farbe des
> Packpapiers und übertragen diese Farbe nicht mehr lösbar auf die Marke.
>
Das klingt nach Papierchromatographie. ;) Also muss das Laufmittel
gewechselt werden.
> Die kommerziellen Briefmarkenlöser wirken dagegen meist schneller und
> deshalb (?) tritt weniger oder gar keine Verfärbung der Marken mehr auf.
> Könnte es sich einfach um konzentriertere Tenside ohne die üblichen
> Zusätze der Spülmittel handeln? Ausserdem habe ich mal was gehört von
> Essigzusätzen (bin mir da aber nicht sicher, ob ich es richtig verstanden
> habe). Könnte ein saures Milieu dem Ablöseprozeß helfen?
Ein saures Milieu wird das Papier langfristig zerstören, es ist also
eher kontraproduktiv.
>
> Viele Grüße,
> Werner
Viele Grüße,
Christina