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Reaktion von Platin mit Natrium?

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Sven Kerzenmacher

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May 10, 2003, 12:16:08 AM5/10/03
to
Hallo,

ich hatte kürzlich folgendes unschöne Erlebnis mit meinem
Brennstoffzellen-Teststand:

Die Anode der BZ besteht aus Nickeloxid und Zirkondioxid
(yttria-stabilisiert) und wir über ein Platin-Netz elektrisch
kontaktiert. Das Platin-Netz ist auf einen porösen Aluminiumoxid-Körper
aufgebracht und wird mittels Federkraft gegen die Anode gepresst.

Aus Versehen wurde an Stelle von Pyrex-Glas ein nicht näher definiertes
Glas mit einem niedrigeren Schmelzpunkt verwendet, wahrscheinlich
irgendein Sodaglas. Daraufhin ist das Platin-Netz quasi verdampft, d.h.
der poröse Aluminiumoxidkörper war schön gleichmässig mit einem
schwarzen Überzug versehen. Das Ganze hat sich bei ca. 800° C in einer
Stickstoff bzw. Wasserstoffatmosphäre abgespielt.

Mit Pyrexglas unter sonst identischen Bedingungen passiert das nicht.

Bilden Natrium und Platin möglicherweise ein niedrigschmelzendes
Eutektikum?

Vielen Dank und Gruss,

Sven

Andreas Haimberger

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May 10, 2003, 1:37:43 AM5/10/03
to

"Sven Kerzenmacher" schrieb:

[...]


> Aus Versehen wurde an Stelle von Pyrex-Glas ein nicht näher
> definiertes Glas mit einem niedrigeren Schmelzpunkt verwendet,
> wahrscheinlich irgendein Sodaglas. Daraufhin ist das Platin-Netz
> quasi verdampft, d.h. der poröse Aluminiumoxidkörper war schön
> gleichmässig mit einem schwarzen Überzug versehen. Das Ganze hat
> sich bei ca. 800° C in einer Stickstoff bzw. Wasserstoffatmosphäre
> abgespielt.

Ich vermute, dass dieses niedrigschmelzende Glas kein Sodaglas,
sondern ein Bleiglas war. Bei 800°C ist Bleiglas bereits ziemlich
flüssig, in Wasserstoff-Atmosphäre wird das Bleisilikat zu
metallischem Blei reduziert. Das würde die schwarze Färbung erklären,
das gleiche passiert bei der Heißverarbeitung von Bleiglas, wenn das
weiche Glas mit reduzierender Flamme bearbeitet wird.

> Mit Pyrexglas unter sonst identischen Bedingungen passiert das
> nicht.

Pyrex lässt sich nicht zu metallischen Bestandteilen reduzieren,
zumindest nicht mit Wasserstoff. Bei 800°C wird aber auch Pyrex schon
ziemlich weich.

> Bilden Natrium und Platin möglicherweise ein niedrigschmelzendes
> Eutektikum?

Natriumsilikat wird sich mit Wasserstoff allein kaum zu metallischem
Natrium reduzieren lassen. Bleisilikat wird aber bei höheren
Temperaturen sehr leicht zu metallischem Blei reduziert, welches das
Platinnetz im Nullkommanix weglegiert.

MFG, Andy

--
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Steffen Peter

unread,
May 10, 2003, 1:23:18 PM5/10/03
to
sven.ker...@gmx.net (Sven Kerzenmacher) wrote:
> irgendein Sodaglas. Daraufhin ist das Platin-Netz quasi verdampft, d.h.
> der poröse Aluminiumoxidkörper war schön gleichmässig mit einem
> schwarzen Überzug versehen. Das Ganze hat sich bei ca. 800° C in einer

Man könnte ja aus reinem Blödsinn mal (Chem)BET betreiben, vielleicht
eignet sich das Produkt ja als Katalysator. ;-)

steffen

Sven Kerzenmacher

unread,
May 12, 2003, 8:08:29 PM5/12/03
to
Hey,

Andreas Haimberger <les...@gmx.net> wrote:

> Ich vermute, dass dieses niedrigschmelzende Glas kein Sodaglas,
> sondern ein Bleiglas war. Bei 800°C ist Bleiglas bereits ziemlich
> flüssig, in Wasserstoff-Atmosphäre wird das Bleisilikat zu
> metallischem Blei reduziert. Das würde die schwarze Färbung erklären,
> das gleiche passiert bei der Heißverarbeitung von Bleiglas, wenn das
> weiche Glas mit reduzierender Flamme bearbeitet wird.


Wozu wird denn Bleiglas im technischen Umfeld verwendet? Ich frag' mich
nämlich wie das in unserem Labor landen konnte...


> Pyrex lässt sich nicht zu metallischen Bestandteilen reduzieren,
> zumindest nicht mit Wasserstoff. Bei 800°C wird aber auch Pyrex schon
> ziemlich weich.

Die Glasübergangstemperatur von Pyrex liegt bei 830° C. Was ich beim
ersten Posting vergessen habe zu schreiben: Das Pyrexglas wird als
Dichtungsmaterial verwendet, d.h. als Paste mit UHU und Aceton wird es
rund um die Zelle, die zwischen zwei Al2O3-Röhren befestigt ist,
aufgebracht. Bei T>Tg wird es weich und dichtet (hoffentlich!) schön ab.

Gruss und Dank,

Sven

Sven Kerzenmacher

unread,
May 12, 2003, 8:08:41 PM5/12/03
to
Hey,

Steffen Peter <steffe...@uni-bayreuth.de> wrote:

Apropos Blödsinn: Ein Frage war ob man denn das gute, teure Platin (Netz
1 x 1 cm) nicht wieder zurückgewinnen kann ;-)
Wir könnten, aber.....

Gruss...

Sven

Dieter Wiedmann

unread,
May 12, 2003, 8:16:33 PM5/12/03
to
Sven Kerzenmacher schrieb:

> Wozu wird denn Bleiglas im technischen Umfeld verwendet?

Strahlenschutz.

Gruß Dieter

Andreas Haimberger

unread,
May 13, 2003, 1:20:27 PM5/13/03
to

"Sven Kerzenmacher" schrieb:

> Wozu wird denn Bleiglas im technischen Umfeld verwendet?

Als Einschmelzglas für Metalle in der Elektrotechnik. Typische
Anwendungen: der "Fuß" von Glühbirnen, dort wo die
Stromzuführungsdrähte eingeschmolzen sind, Sockel von
Elektronenröhren, Gasentladungsröhren, pH-Elektroden. Bleiglas ist bei
höheren Temperaturen ein besserer elektrischer Isolator als z.B.
Sodaglas. Außerdem ist es wegen der niedrigeren Erweichungstemperatur
besser verarbeitbar, Metalle oxidieren beim Einschmelzen nicht so
stark wie bei anderen Glassorten.

> Ich frag' mich nämlich wie das in unserem Labor landen konnte...

Wenn das fragliche Glas ursprünglich in Rohrform vorhanden war, waren
es vermutlich Reste von z.B. pH-Elektroden oder Gasentladungsröhren,
evt. auch Rohmaterial für die Verarbeitung durch euren Glasbläser.

Juergen Hannappel

unread,
May 13, 2003, 3:08:49 PM5/13/03
to
sven.ker...@gmx.net (Sven Kerzenmacher) writes:


[...]

> Wozu wird denn Bleiglas im technischen Umfeld verwendet? Ich frag' mich
> nämlich wie das in unserem Labor landen konnte...

Bleiglas wird gerne als Detektor fuer (hochenergetische) Photonen oder
Elektronen verwendet, die bilden darin durch Bremsstrahlung und
Bethe-Heitler-Prozess (Paarbildung) naemlich Schauer, die Elektronen
und Positronen im Schauer machen dan Cherenkov-Licht und das kann man
leicht per Photomultiplier sehen.
Es gibt riesige Bleiglaskalorimeter!
--
Dr. Juergen Hannappel http://lisa2.physik.uni-bonn.de/~hannappe
mailto:hann...@physik.uni-bonn.de Phone: +49 228 73 2447 FAX ... 7869
Physikalisches Institut der Uni Bonn Nussallee 12, D-53115 Bonn, Germany
CERN: Phone: +412276 76461 Fax: ..77930 Bat. 892-R-A13 CH-1211 Geneve 23

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