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LK Bio 13/1 2.Klausur Aufgabe zur Analogie/Homologie???

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Benjamin Schaf

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Jan 22, 2003, 11:03:24 AM1/22/03
to
Hallo Bio-Fans,

ich habe mal wieder eine Aufgabe aus der letzten Bioklausur, die mich
noch beschäftigt...keiner aus meinem Kurs ist bisher hinter die Logik
von Analogie, Homologie, Konvergenz und Divergenz gekommen, denn
unsere Lehrerin hat uns vor der Klausur nicht richtig darüber
aufgeklärt, wie ich der Meinung bin, so mussten wir aus den Büchern
lernen, die nach Aussagen von unserer Lehrerin falsche Angaben machen.
So auch im Stark-Abitraining für Bayern...aber erst mal die Aufgabe.

Hinweis von mir: Schaut euch die total ungünstige Gliederung der
Aufgabe mal an und dann beschwert sie sich, wenn Antwort 7b direkt zu
c) geschrieben wird...eure Meinung?

7. Die vergleichende Anatomie der Lebewesen liefert wichtige Beiträge
für die Evolutionsforschung!
a) Vergleichen Sie nachstehend gegenübergestellten Organe bzw.
Lebewesen unter dem Aspekt der vergleichenden Anatomie!
b) Geben Sie für Ihre Antwort (c) eine Begründung!

a) Flügel einer Amsel <--> Vorderextremität eines Pinguins
b) Flügel eines Flugsauriers <--> Fledermausflügel
c) Kiemen eines Fisches <--> Kiemen eines Krebstieres
d) Horn eines Triceratops <--> Horn eines Nashorns

Lsg war laut Lehrerin:

a) homolog
b) homolog
c) analog
d) konvergent

b) funktionsgleich und herkunftsverschieden

WARUM ist das so? Kann mir jemand das Ganze mal vernünftig näher
bringen? Ich hab es nicht kapiert!

Unsere Lehrerin behauptet Bezugspunkt ist immer der STAMM, also z.B.
die Wirbeltiere(hat vor der Klausur keiner von uns gewusst) und das
deswegen auch folgendes im Stark-Buch falsch sein soll, da ALLES was
unter einen Stamm fällt z.B. Wirbeltiere, miteinander verglichen,
immer homolog ist. Warum kann man keine anderen Bezugspunkte wählen,
z.B. Klasse oder Ordung?

Abitur-Training Biologie, Verhaltensbiologie/Evolution, Stark Verlag
S.116

Fehler im Buch:
"Weitere Analogien sind:
Stromlinienform des Körpers bei wasserbewohnenden Tieren: Als
Angepasstheit an das Wasserleben hat sich sowohl bei
Krebsen(Garnelen), Weichtieren(Tintenfischen), Knorpel- und
Knochenfischen, Reptilien(wie den austorbenen Ichtyosauriern),
Vöglen(Pinguine) und Säugetieren(Robben, Delphine) eine
strömungsgünstige Körperform(Spindelform) entwickelt."

Der Fehler soll sein, dass die Stromlinienform zumindest bei den
Wirbeltieren also homolog und nicht analog ist.

Wenn das tatsächlich falsch ist, warum wird es immer wieder falsch
gedruckt und warum gelten dann die Stark-Bücher als inoffizielle
Abivorbereitung?

Vielen Dank für Eure Hilfe

MfG

benny

Nicola Straub

unread,
Jan 22, 2003, 2:14:00 PM1/22/03
to
Hallo Benjamin!

Benjamin Schaf wrote:

> Unsere Lehrerin behauptet Bezugspunkt ist immer der STAMM, also z.B.
> die Wirbeltiere(hat vor der Klausur keiner von uns gewusst) und das
> deswegen auch folgendes im Stark-Buch falsch sein soll, da ALLES was
> unter einen Stamm fällt z.B. Wirbeltiere, miteinander verglichen,
> immer homolog ist. Warum kann man keine anderen Bezugspunkte wählen,

Lang, lang ist's her, aber ich glaube dennoch, da hat Deine
Lehrerin einen Bock geschossen.

Die vergleichende Anatomie - schreibt sie ja selbst in der
Aufgabe - dient ja grad dazu, Hinweise zur Abstammung zu
geben. Es waere IMO also daher schon unlogisch, erst die
Verwandschaft kennen zu muessen, um darueber eine
Homologie zu definieren. Dann taugte die Methode ja nix ;-)

Homolog ist etwas, wenn es _einmal_ in der Entwicklung
entstanden ist.

Uebrigens: Gehoert(e) der Triceratops nicht auch zu den
Wirbeltieren? Wenn 'alles' innerhalb eines Stammes 'immer
homolog' waere, gaebs da ja keine Konvergenz ;-)

Gruss

Nicola

Thorsten Burmester

unread,
Jan 22, 2003, 3:00:50 PM1/22/03
to
Benjamin Schaf wrote:

[...]

> 7. Die vergleichende Anatomie der Lebewesen liefert wichtige Beiträge
> für die Evolutionsforschung!
> a) Vergleichen Sie nachstehend gegenübergestellten Organe bzw.
> Lebewesen unter dem Aspekt der vergleichenden Anatomie!
> b) Geben Sie für Ihre Antwort (c) eine Begründung!
>
> a) Flügel einer Amsel <--> Vorderextremität eines Pinguins
> b) Flügel eines Flugsauriers <--> Fledermausflügel
> c) Kiemen eines Fisches <--> Kiemen eines Krebstieres
> d) Horn eines Triceratops <--> Horn eines Nashorns
>
> Lsg war laut Lehrerin:
>
> a) homolog
> b) homolog
> c) analog
> d) konvergent
>
> b) funktionsgleich und herkunftsverschieden
>
> WARUM ist das so? Kann mir jemand das Ganze mal vernünftig näher
> bringen? Ich hab es nicht kapiert!

So voellig unrecht hatte Eure Bio-Lehrerin nicht, selbst wenn die
Loesungen teilweise eher spitzfindig sind.

a) Antwort ist klar.

b) Eure Lehrerin hat recht. Der Homologiebegriff ist _unabhaengig_ von
der Funktion, sondern bezieht sich auf die gleiche evolutive _Herkunft_
der Merkmale. Die Vorderbeine der Kuh sind ebenso dem Fluegel des
Flugsauriers homolog, wie eben die Fledermausfluegel.

c) Analogie: Kiemen sind Merkmalskomplexe.

d) Konvergenz: Einzelnes Merkmal.

c+d moegen ein wenig spitzfindig sein, sind aber formell ok.

> Unsere Lehrerin behauptet Bezugspunkt ist immer der STAMM, also z.B.
> die Wirbeltiere(hat vor der Klausur keiner von uns gewusst) und das
> deswegen auch folgendes im Stark-Buch falsch sein soll, da ALLES was
> unter einen Stamm fällt z.B. Wirbeltiere, miteinander verglichen,
> immer homolog ist. Warum kann man keine anderen Bezugspunkte wählen,
> z.B. Klasse oder Ordung?

Diese Begruendung ist allerdings voelliger Bloedsinn.

> Abitur-Training Biologie, Verhaltensbiologie/Evolution, Stark Verlag
> S.116
>
> Fehler im Buch:
> "Weitere Analogien sind:
> Stromlinienform des Körpers bei wasserbewohnenden Tieren: Als
> Angepasstheit an das Wasserleben hat sich sowohl bei
> Krebsen(Garnelen), Weichtieren(Tintenfischen), Knorpel- und
> Knochenfischen, Reptilien(wie den austorbenen Ichtyosauriern),
> Vöglen(Pinguine) und Säugetieren(Robben, Delphine) eine
> strömungsgünstige Körperform(Spindelform) entwickelt."

Nein, das ist kein Fehler. Das Buch hat recht, Eure Lehrerin nicht.

> Der Fehler soll sein, dass die Stromlinienform zumindest bei den
> Wirbeltieren also homolog und nicht analog ist.

Es handelt sich zweifelsohne um eine Analogie. Evolutiv unabhaengie
Entstehung eines Merkmalskomlexes. Wenn sie tatsaechlich das Gegenteil
behauptet, bedarf Eure Lehrerin einer Fortbildung.

Gruss,

Thorsten

--
Thorsten Burmester
t_bur...@yahoo.com
http://www.uni-mainz.de/FB/Biologie/Zoologie/abt2/thorsten/thorsten.htm

Benjamin Schaf

unread,
Jan 22, 2003, 4:09:45 PM1/22/03
to
Vielen Dank für Eure Hilfe, hat mich schon etwas weiter
gebracht...lasst es Euch aber nicht nehmen, Euch noch weiter über die
Frage auszulassen...je mehr Meinung, desto eher geht es mir vielleicht
auch in den Kopf ;-)

MfG

benny

Joachim Warner

unread,
Jan 22, 2003, 5:42:01 PM1/22/03
to
Benjamin Schaf schrieb:

> ... von Analogie, Homologie, Konvergenz und Divergenz gekommen, denn
>

Hallo Benjamin,

um das mal einfach darzustellen:

Homologie - ich denke, du kennst die drei gängigen Kriterien. Lage: Ist
einfach zu verstehen - auf gemeinsamen Grundbauplan zurückzuführen.
Kontinuität: Du brauchst irgendwelche fossilen Zwischenformen. Spezifische
Qualität: Kompliziert, ohne fundierte anatomische Kenntnisse nicht und
damit für Schüler gar nicht realisierbar.

Analogie: Funktionsähnlichkeit, aber aufgrund Phylogenie und
Nichtanwendbarkeit der Homologiekriterien passt da nichts zusammen.

Konvergenz: Eigentlich besser konvergente Entwicklung aufgrund langsam,
aber stetig veränderter Umweltbedingungen. Wenn dazu nichts Konkretes an
Material vorliegt, kann m. E. Konvergenz und Analogie nahezu gleichgesetzt
werden.

Divergenz: Beobachtbare Folge spaltender Selektion.

> ... da ALLES was


> unter einen Stamm fällt z.B. Wirbeltiere, miteinander verglichen,
> immer homolog ist.

Siehe oben - wenn eines der Homologiekriterien anwendbar ist, sind die
Organe homolog. Octopusauge und Wirbeltierauge sind trotz nahezu gleichem
Aufbau nicht homolog. Guck auch mal in die Phylogenie - Deuterostomier -
Protostomier.

> Fehler im Buch:
> "Weitere Analogien sind:
> Stromlinienform des Körpers bei wasserbewohnenden Tieren: Als
> Angepasstheit an das Wasserleben hat sich sowohl bei
> Krebsen(Garnelen), Weichtieren(Tintenfischen), Knorpel- und
> Knochenfischen, Reptilien(wie den austorbenen Ichtyosauriern),
> Vöglen(Pinguine) und Säugetieren(Robben, Delphine) eine
> strömungsgünstige Körperform(Spindelform) entwickelt."
>
> Der Fehler soll sein, dass die Stromlinienform zumindest bei den
> Wirbeltieren also homolog und nicht analog ist.

Falsch: Robben, Delphine und Wale sind sekundär ins Meer zurückgekehrt,
die Form ist Ergebnis von nachfolgender Selektion, damit ist die
strömungsgünstige Form von Fischen und Walen analog - aber eben nur die
Form. Nimm die Richtung der "Schwanzflosse": Bei Fischen vertikal, bei
Walen horizontal

> Wenn das tatsächlich falsch ist, warum wird es immer wieder falsch
> gedruckt

Weil ein Lehrbuchautor immer irgend welche Vorlagen in Form bestehender
anderer Bücher hat und nicht über Fehler seiner Vorautoren nachdenkt,
sondern quasi abschreibt und nur Formulierung und Layout neu gestaltet.

Hoffe, dir etwas geholfen zu haben!

Joachim

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