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Inzest-Schranke im Tierreich

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Walter Schmid

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Jan 14, 2000, 3:00:00 AM1/14/00
to
Liebe Tier-Experten!

Die Ethnologen behaupten, dass der Inzest beim Menschen nur
deshalb vermieden wird, weil man so die Verwandtschaft
vergroessert. Von einer psychologischen oder sonstwie
biologischen Inzest-Schranke wollen sie nichts wissen. Mit der
Tatsache, dass Inzest zu vermehrter Krankheit fuehrt, ist das
durchaus vertraeglich, denn Inzest-Gesellschaften sterben einfach
aus.

Wie ist das im Tierreich?

Haben Tiere Sex mit nahen Verwandten? Ich nehme an, es komm alles
vor. Wie ist das bei Bienen, Fischen, Hunden, Katzen, Affen?

Aus eigener Erfahrung weiss ich nur, dass sich Katzenkinder mit
Mutter und Geschwistern nicht mehr vertragen, wenn sie in die
Pubertaet kommen. Worauf gruendet diese (sinnvolle) Abneigung?
Geruch? Ist das Fremde attraktiv? wie?

Fuer Aufklaerung waere ein schwesternloser Nichtbiologe sehr
dankbar.

Gruss

Walter


Marion Albrecht

unread,
Jan 14, 2000, 3:00:00 AM1/14/00
to
...

>
> Haben Tiere Sex mit nahen Verwandten? Ich nehme an, es komm alles
> vor. Wie ist das bei Bienen, ...

Als Imkerin kann ich dazu sagen, daß die Bienen sich sehr viel Mühe
machen, um sich möglichst nicht mit VErwandten zu paaren: die Königinnen
fliegen, ebenso wie die Drohnen verschiedener Völker, zu viele km weit
entfernten sog. Drohnensammelplätzen. Dort kommen die GEschlechtstiere
aus einem sehr weiten Umkreis also zur Paarung zusammen. (Ich
glaube:kein Mensch weiß, wie sie das machen und woher sie die Plätze
kennen). Dort paart sich die Königin mit einigen Drohnen - das dabei ein
Verwandter von ihr ist, ist sehr unwahrscheinlich !

Gruß
Marion

Thomas Waschke

unread,
Jan 15, 2000, 3:00:00 AM1/15/00
to
Hi Walter,

> Wie ist das im Tierreich?

> Haben Tiere Sex mit nahen Verwandten? Ich nehme an, es komm alles
> vor. Wie ist das bei Bienen, Fischen, Hunden, Katzen, Affen?

wenn Dich das Thema ernsthaft interessiert, solltest Du

Bischof, Norbert 'Das Rätsel Ödipus. Die biologischen Wurzeln des
Urkonflikts von Intimität und Autonomie' 1989, Piper, München

lesen. Ich denke, daß darin alle Deine Fragen erschöpfend behandelt
werden.

Grüßle

Thomas

--
Für mich ist eine der großen Errungenschaften der Wissenschaft,
daß sie es intelligenten Menschen zwar nicht unmöglich gemacht
hat, religiös zu sein. Aber sie macht es ihnen möglich, nicht
religiös zu sein. (Stephen Weinberg)

Walter Schmid

unread,
Jan 15, 2000, 3:00:00 AM1/15/00
to
Hallo Thomas

Dir entgeht man nicht ;-)

Thomas Waschke schrieb:


>
> Bischof, Norbert 'Das Rätsel Ödipus. Die biologischen Wurzeln des
> Urkonflikts von Intimität und Autonomie' 1989, Piper, München

das ist leider vergriffen.

>
> lesen. Ich denke, daß darin alle Deine Fragen erschöpfend behandelt
> werden.

ich fuerchte, zu erschoepfend. Ich moechte eigentlich nur wissen,
wie die Inzest-Problematik bei den Tieren ist. Ich weiss
eigentlich nur, dass tierische Sexualitaet sehr variantenreich
ist. Bischof ist dazu wohl nicht die Quelle.

Gesucht waere eher ein Kinsey-Report der Tierwelt. Das gaebe aber
Tausende Baende, fuerchte ich...

Gruss

Walter

Walter Schmid

unread,
Jan 15, 2000, 3:00:00 AM1/15/00
to
Hallo Thomas

Walter Schmid schrieb:

>
> Thomas Waschke schrieb:
> >
> > Bischof, Norbert 'Das Rätsel Ödipus. Die biologischen Wurzeln des
> > Urkonflikts von Intimität und Autonomie' 1989, Piper, München
>
> das ist leider vergriffen.

scheint wieder lieferbar. Danke!

Gruss

Walter

Thomas Waschke

unread,
Jan 16, 2000, 3:00:00 AM1/16/00
to
Hi Walter,

> Gesucht waere eher ein Kinsey-Report der Tierwelt. Das gaebe aber
> Tausende Baende, fuerchte ich...

ups, leider habe ich das Buch gerade verliehen, es heißt irgendwie
'Sexualität im Tierreich', der Autor heißt Forsyth(e?).

Harouka

unread,
Jan 17, 2000, 3:00:00 AM1/17/00
to
mittlerweile ist bekannt, daß affen durchaus inzestuösen sexualverkehr
miteinander haben, um spannungen innerhalb der gemeinschaft zu kompensieren.
auch katzen haben sexualverkehr unter geschwistern beispielsweise und diese
bringen gelegentlich sogar nachkommen hervor.
anscheinend ist die inzest-schranke also kein unüberbrückbares hindernis. ich
müßte mich genauer informieren, womit es zusammen- hängt, daß nicht alle
affenarten aber ich vermute, daß auch der altersunterschied zwischen
generationen (z.B. mutter/sohn) eine rolle spielt. tierarten, die sich nur sehr
langsam fortpflanzen, wie affen dies z.B. tun, haben eine art natürliche
inzest-schranke. bis die nachfolgende generation die geschlechtsreife erlangt
hat
( was einige jahre in anspruch nimmt ) ist die parentale generation vermutlich
sexuell nicht mehr "attraktiv". damit meine ich, daß sie als sexualpartner
nicht mehr, oder nur eingeschränkt geeignet sind-aufgrund ihres alters.
höchstwahrscheinlich aber ist vieles von dem, was ich geschrieben habe, auch
nur völliger quatsch <lächel>.
alles gute.

Carmen Dandl-Zwetti

unread,
Jan 27, 2000, 3:00:00 AM1/27/00
to
Hab mal in einer Vorlesung gehört, daß Vögel aufgrund von Gesang
(Ähnlichkeit oder nicht Ähnlichkeit von Strophen) Verwandtschaft von nicht
Verwandtschaft unterscheiden können.
Sie paaren sich laut Studien also mit Partnern, die den Verwandtschaftsgrad
von Cousins 2. Grades haben oder so, und vermeiden Paarungen mit ganz nah
Verwantden UND ganz Fremden...

Soviel zu den Vögeln ;-)

Grü Carmen

Laumeier

unread,
Jan 27, 2000, 3:00:00 AM1/27/00
to

Carmen Dandl-Zwetti schrieb:

Wer bitte gibt solche Vorlesungen? Grüße Thomas


Uta Nowak

unread,
Jan 28, 2000, 3:00:00 AM1/28/00
to
Hallo!

<snip>

>Wer bitte gibt solche Vorlesungen? Grüße Thomas
>

Ich hab etwas ähnliches auch in meiner Verhaltensbiologievorlesung gehört.
Da ging es irgendwie um Vögel, die Brutparasitismus betreiben und bei denen
war das auch so. Paarung nur mit Individuen, die nicht genau gleich und
nicht ganz fremd aussahen. Und irgendein schlauer Kopf hat dann
ausgerechnet, dass der Cousin zweiten Grades nach diesem Prinzip der ideale
Kopulationspartner ist. Er hatte da auch mehrere verscjiedene Beispiele für!
Uta

Carmen Dandl-Zwetti

unread,
Jan 28, 2000, 3:00:00 AM1/28/00
to
Ich glaube es war im Rahmen von "Komunikation" am Zoologischen Institut Uni
Graz (Österreich)
warum fragst?

Grü Carmen

Laumeier <lau...@t-online.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3890BBAF...@t-online.de...


>
>
> Carmen Dandl-Zwetti schrieb:
>
> > Hab mal in einer Vorlesung gehört, daß Vögel aufgrund von Gesang
> > (Ähnlichkeit oder nicht Ähnlichkeit von Strophen) Verwandtschaft von
nicht
> > Verwandtschaft unterscheiden können.
> > Sie paaren sich laut Studien also mit Partnern, die den
Verwandtschaftsgrad
> > von Cousins 2. Grades haben oder so, und vermeiden Paarungen mit ganz
nah
> > Verwantden UND ganz Fremden...
> >
> > Soviel zu den Vögeln ;-)
> >
> > Grü Carmen
>

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