Plötzlich war es halb zehn und die Drittklässlerin
mußte schleunigst in die Falle. So konnte ich noch
ein wenig planlos herumschauen und entdeckte eine
dreieckige Galaxiengruppe im Löwen, dann - nicht
weit entfernt, zwei weitere, lichtstärkere Galaxien.
Heute, oder: Von Löwen, Geistern und Eulen
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Es wurmt mich nun doch, dass ich gestern nicht etwas
konkreter geplant hatte und weder die drehbare Stern-
karte noch der Karkoschka mir Auskunft darüber geben
konnten, was ich da gesehen hatte. Meine auf MiniDisc
gesprochenen Kommentare brachten zusammen mit diversen
Sternkartenprogrammen auch keine endgültige Aufklärung,
aber immerhin hatte ich eine Vermutung.
Es ist 22:00 Uhr vorbei und der Luftdruck fällt schon
den ganzen Tag. Ich befürchte, dass das Wetter bald
umschlagen könnte. Eine Warmfront mit Wolkenaufzug
und es wäre erstmal auf unbestimmte Zeit vorbei mit
dem nächtlichen "Fernsehen". Also schnell den 8" Dobson
in den Garten gestellt, warm angezogen, Hocker, Rotlicht,
Karten und MiniDisc Recorder mitgenommen und ran an den
Löwen:
Ich warte gar nicht lange, bis der Tubus ausgekühlt ist
oder meine Augen richtig angepasst sind, sondern stürze
mich direkt auf
M65, M66 und NGC3628
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M65 und M66 sind mit Telrad und 32 mm Okular schnell
gefunden und passen problemlos gemeinsam in das Gesichts-
feld (GF) des 15 mm Okulars bei 80-facher Vergrößerung.
M65 liegt links im GF und ist mit 9.3 mag angegeben, M66
mit 8.9 mag. M66, rechts im GF, wirkt tatsächlich etwas
heller.
Unter diesen beiden Messier-Objekten befindet sich leicht
nach rechts versetzt, bei der fünf Uhr Position, NGC3628.
Mit 9.5 mag ist sie gegenwärtig an der Grenze der Wahr-
nehmbarkeit für mich.
M65
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Bei 80-facher Vergrößerung erkenne ich das hellere Zentrum
und einen leichten Halo. Die äußere Form ist eher schmal und
verläuft von 11 Uhr nach 5 Uhr. Bei 160-fach erscheint das
Zentrum nicht mehr ganz oval, sondern "unruhiger". Die Halo-
scheibe ist auch nicht messerscharf und schmal, sonder formt
ein längliches Oval, dass das Gesichtsfeld von der Länge her
fast vollständig ausfüllt. Ich denke, dass die Galaxie nicht
in Kantenlage, sondern leicht von der Seite her gesehen wird.
Auf der Position 11 Uhr sehe ich neben dem Halo einen Stern.
Dieser Stern hat die Bezeichnung GSC-0861-1061 und ist nur
12 mag schwach. Ein weiterer Stern befindet sich an der Po-
sition 8 Uhr (vom vorgenannten Stern aus gesehen) und hat
die Helligkeit 14.2 mag.
M66
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M66 schaut im Vergleich zu M65 gedrungener aus, hat also keine
ausgeprägt längliche Form. Es scheint auch eine Schrägdraufsicht
zu sein, allerdings mit einem größeren Winkel - ich sehe mehr
Fläche! Auch ist der Kern dieser Galaxie heller als der von
M65.
Links unterhalb des helleren Zentrums, aber deutlich daneben,
liegen zwei Sterne in einer Reihe. Wenn ich M66 in Okular-
mitte positioniere, dann stehen die beiden Sterne in Richtung
7 Uhr hintereinander. Der erste Stern ist vom Zentrum von M66
ungefähr gleich weit entfernt, wie der zweite Stern vom ersten.
Die Sterne sind deutlich heller (9.1 mag und 10.9 mag) im
Vergleich zu M66.
Zwischenzeitlich bin ich etwas verunsichert, weil ich kurz-
zeitig auf der rechten Seite von M66 ein dunkles Staubband
im Gegenuhrzeigersinn zu erkennen meine. Später sollte sich
anhand von Fotos herausstellen, dass dort tatsächlich so
ein Staubband zu finden ist :-)
NGC3628
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Die dritte Galaxie ist NGC3628, die bei 80-facher Vergrößerung
wirklich nur ein Hauch ist (9.5 mag). Wenn ich nicht wüßte,
dass sie da ist und ich mich nicht an den Anblick solcher
lichtschwacher Objekte gewöhnt hätte, könnte ich sie wohl
leicht übersehen.
Sie scheint ziemlich langgestreckt und schmal zu sein und liegt
in einem Sterndreieck nahe dessen oben befindlicher Spitze. Die
drei erwähnten Sterne dort sind 9-10 mag hell. NGC3628 liegt
etwa von 8 Uhr nach 2 Uhr im GF und füllt dies gut aus. Mit
ihrer geringen Lichstärke ist sie für mich an der Grenze des
Wahrnehmbaren. Wenn ich das Teleskop ganz leicht hin und her
bewege, wird der Helligkeitsunterschied zwischen Galaxie und
Hintergrund besser sichtbar.
Zum Abschluß nochmal ein Blick auf alle drei Galaxien: Im GF
des 32 mm Okulars sehen sie ein wenig wie ein Smiley aus. M65
und M66 sind die senkrecht gezeichneten Augen und NGC3628 ist
der waagrecht liegende - hier aber nur zart angedeutete - Mund.
M105, NGC3371 und NGC3373
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Hier finde ich die anfangs erwähnte Dreieckgruppe wieder, die
ich am Vortag erstmals gesehen hatte. Die Transparenz des
Himmels ist leider nicht mehr so gut, wie am Vortag.
NGC3373
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Mit nur 12.5 mag absolut an der Grenze der Wahrnehmbarkeit. Wenn
ich nicht wüsste, dass sie da ist, würde ich sie glatt übersehen.
Nun aber kann ich den helleren Fleck erahnen. NGC3371 ist wohl so
ziemlich das lichtschwächste Objekt, dass ich jemals mit bloßem
Auge gesehen habe. Die Lage der Galaxie im GF verläuft etwa von
8 Uhr nach 2 Uhr. Rechts daneben befinden sich drei senkrecht
übereinander stehende Sterne elfter Größe und NGC3371 liegt auf
der Höhe des mittleren Sterns.
NGC3373 zeigt sich tatsächlich nur durch ein ganz feines Schimmern.
Ineressanterweise kann ich seine Existenz dadurch bestätigen,
indem ich ganz leicht unscharf fokussiere. Dann nämlich nimmt die
Flächenhelligkeit sichtbar zu - keine Welten, aber doch soviel,
dass man sieht, es ist was da.
NGC3371
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Diese Galaxie ist mit ihren 10.9 mag schon direkt hell, im Vergleich
zur vorgenannten. Wenn NGC3371 im Mittelpunkt des Okulars liegt,
dann reicht der Scheind der Nachbargalaxie gerade noch ins GF.
Der Kern von NGC3371 ist deutlich heller, als sein Halo und der
Kern ist auch deutlich stärker konzentriert als bei M105. Ich
vermute zunächst, dass es sich hier um eine Draufsicht handelt,
stelle aber später fest, dass die Galaxie schräg im Raum liegt:
Bei 80-facher Vergrößerung, auf die ich nochmal zurückgegangen
bin, erkenne ich eine Kantenausrichtung von 11 Uhr nach 5 Uhr,
was den Tatsachen entspricht. Interessant, dass ich das bei
160-fach nicht so genau sagen kann.
M105
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Mit 9.3 mag ist sie die lichtstärkste Galaxie dieser Dreiecks-
gruppe. Bei 160-fach scheint es eine Draufsicht zu sein, da
sie am ehesten als kreisförmig erscheint. Ich bilde mir ein,
für kurze Momente dunkle, konzentrische Stellen zu sehen - das
würde für eine Spiralgalaxie sprechen (Später stelle ich fest,
dass das nicht der Fall ist).
Alle drei Galaxien passen übrigens gemeinsam in das GF des
7.5 mm Okulars bei 160-facher Vergrößerung.
M96
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Von der Galaxiengruppe um M105 gehe ich in Richtung 11 Uhr
hinauf zu M96, die 9.3 mag hell ist. Sie ist bei 80-fach
wirklich besser zu sehen. Ein heller Kern ist zu erkennen,
ein etwas größerer, nicht ganz ovaler Halo und sie scheint
von 7 Uhr nach 1 Uhr ausgerichtet zu sein. Zusätzlich er-
ahne ich noch einen größeren Halo (Später stellte ich anhand
eines Fotos fest, dass meine Vorstellung der Ausrichtung auf
Dunkelbänder in dieser Richtung zurückzuführen ist und der
vermeintlich größere Halo die äußeren Spiralarme sind.).
Bei 160-fach erkenne ich, dass der Helligkeitsunterschied
zwischen Kern und Halo nicht so riesig ist, der Halo aller-
dings eine ziemlich große Ausdehnung hat: Ich wackele leicht
an der Tubusöffnung hin und her und sehe dann einen Hell-
Dunkel-Übergang, nur ganz zart natürlich, der ungefähr von
8 Uhr nach 2 Uhr verläuft und ziemlich ausgedehnt ist. Die
Galaxie scheint also einen deutlich größeren Durchmesser
zu haben, als es auf den ersten Blick, vom hellen Kern her,
zu sein scheint!
M95
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Etwa 40 Bogenminuten östlich liegt die 9.7 mag helle Nachbar-
galaxie M95.Ich sehe sie nur sehr schwach. Der Kern scheint
sehr klein zu sein und ist blasser als die allernächsten
Nachbarsterne, die ich noch sehen kann. Den Halo sehe ich
bei 80-fach indirekt, sehr diffus und ohne Einzelheiten.
Hier tritt nun bei 160-facher Vergrößerung der Kern etwas
deutlicher hervor und der Halo wirkt auch etwas ausgedehnter.
Weitere Details kann ich aber nicht erkennen.
Geisterstunde
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Nachdem mir schon reichlich kalt ist, will ich die Beobachtung
mit einem besonderen Schmankerl im bereits aufgegangenen
Sternbild Hydra beenden - dem "Geist des Jupiter".
Hydra steht vielleicht 30 Grad hoch am Himmel und damit
gerade über den Bergen, allerdings direkt hinter der
Lichglocke von Garmisch-Partenkirchen. Der Geist des
Jupiter - NGC3242 - ist schnell direkt unterhalb von
"My Hydrae" gefunden, etwa eineinhalb Grad.
Auch bei 160-fach kann ich keine wirklichen Details erkennen,
lediglich die Farbe schimmert blaugrün. Die Helligkeit
dieses Objekts ist in allen Vergrößerungsstufen gut.
Dicht über ihm steht ein Stern elfter Größe und unter
ihm - etwa bei 8 Uhr - befindet sich eine kleine Gruppe
von Sternen elfter bis dreizehner Größe.
Und noch eins drauf
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Ich weiß gar nicht, wie spät es ist - die Zeit ist mir
völlig entglitten, aber ich will nochmal zu UMa hinauf,
der gerade zenithnah steht.
M108 und M97
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Der Eulennebel M97 ist bereits im 32 mm Okular prominent
zu sehen und paßt gemeinsam mit M108 in das GF.
M97
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Bei 80-fach sehe ich den Eulennebel unregelmäßig und mit
Helligkeitsunterschieden. Ziemlich dicht daneben (3 Uhr)
ein schacher Stern. Bei 160-fach ist M97 nur noch ein
schummriges Bällchen, ein Wattebausch. Ich sehe lediglich
einige leichte Hell-Dunkel-Unterschiede, aber er ist nicht
mehr so eindrucksvoll, weil der Kontrast fehlt. Wäre einen
Versuch mit dem UHC-Filter werd, aber den hole ich jetzt
nicht mehr raus.
M108
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Bei 37.5-fach ein schwaches, milchiges Streiflein. Bei
80-fach sehe ich eine fast-Kantenlage von 7 Uhr nach
1 Uhr. Es sieht so aus, dass dort ein Stern im Vordergrund
der Galaxie scheint, der sich optisch nahe am Galaxien-
zentrum befindet. Vielleicht ist es aber auch einfach nur
das kompakte Zentrum.
M101
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Zum wirklichen, endlichen, feierabendmäßigen Abschluß
gibt es noch etwas Neues: M101 hatte ich noch nie gesehen.
Im 32-er Okular ein milchiger Fleck, ziemlich schwach,
aber als Halo zu erkennen. Bei 80-fach wird es nicht
besser - der milchige Fleck wird nur noch diffuser.
160-fach macht bei M101 überhaupt keinen Sinn. Es huscht
nur ein ganz blasser und schwacher Lichtkegel durch's GF,
der dasselbe ausfüllt und keine weiteren Details bietet.
Am schönsten sieht M101 noch im 32 mm Okular bei 37.5-fach
aus, ein ziemlich großer Halo! Ich hätte allerdings erwartet,
dass dieses Objekt insgesamt lichtstärker ist, obwohl die
Helligkeit mit 10.5 mag und die Flächenhelligkeit mit 13 mag
angegeben ist. Der fehlende helle Kern macht das Beobachten
schwieriger.
Fazit
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Acht Galaxien im Löwe beobachtet, davon fünf für mich neu,
einen Geist gesehen, eine Eule und viele Hallos ... oder
Halos? Für einen ganz normalen Feierabend eine schöne
Beute :-)
Jetzt habe ich noch zwei Stunden lang an diesem Bericht
getippt - es ist dreiviertel Drei morgens - und ich frage
mich, wie ich es um halb Acht ins Büro schaffen soll.
Aber es ist ja gleich Wochenende ... ;-)
Viele Grüße aus den Alpen,
Frank Stefani
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My Home: 47°31'29" N / 11°06'51" E
Oops ... verpasst! So was aber auch :-)
ein Wahnsinnsbericht! Ich find es beeindruckend, daß Du nicht
tonnenweise Objekte nur abhakst, sondern - ähnlich wie ich auch -
versuchst, möglichst viele Details rauszukitzeln!
Einer der interessantesten berichte die ich in letzter Zeit gelesen
hab.
Viele Grüße
Markus
Frank Stefani <frank....@web.de> wrote in message news:<3E5EC119...@web.de>...