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Beobachtungsbericht 24.02.2003

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Frank Stefani

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Feb 25, 2003, 4:38:10 PM2/25/03
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Hier ein Bericht von gestern Abend/Nacht. Kommentare
und vergleichende Berichte sind immer willkommen!

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Nachdem es schon einige klare Nächte gegeben hat, sogar
am Wochenende, komme ich am Montag abend endlich hinaus.
Eine leichte Unruhe hat mich gepackt - Spannung und Vor-
freude, während ich schon mal den Dobson rausstelle, damit
er auskühlen kann.

Der Sternenhimmel scheint mir besonders transparent zu
sein. Insbesondere fällt mir auf, dass ich im Süden den
großen Hund (CMa) erstmals und vollständig wahrnehmen
kann. Ein schönes Sternbild - erinnert mich fast an eine
Giraffe oder ein anderes Tier mit langem Hals.

Mit der Digitalkamera auf Stativ sammele ich zunächst
Sternbilder: Cma, Cmi, Mon, Aur, Ori, Tau, Cas, Per, Leo,
Cnc, Cvn, Umi und winige Detailaufnahmen, beispielsweise
von H und Chi Persei oder den Hyaden. Was halt so geht
mit kleiner Optik und maximal 15 Sekunden Belichtungszeit.

Alle Bildausschnitte und auch die Beobachtungsinformationen
notire ich verbal auf MiniDisc-Recorder, sodaß ich nicht
dauernd Stift suchen und schreiben muss. Es ist einfach
zu kalt dafür.

Die eigentliche Beobachtungsnacht beginnt dann um 22:20 Uhr
und wird bis 01:00 Uhr dauern.

Sternbild Löwe (Leo)
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Erstmals gemeinsam im Gesichtsfeld (GF) des 32 mm Okulars
bei 37.5-facher Vergrößerung sehe ich M65, M66 und NGC3628.
Die ersten beiden stehen links übereinander und NGC3628
befindet sich im rechten Teil des GF's. Letzterer hat
eine Grundhelligkeit von 10 mag bei einer Flächenhelligkeit
von 12 mag und ist gerade noch indirekt zu erkennen.

15 mm Okular (80-fach): Nun schiebe ich M66 im GF nach
rechts oben und M65 nach links unten, um die Struktur
und Helligkeit der beiden besser vergleichen zu können.

M65 und M66
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M66 ist wohl ein bisschen lichtstärker als die Nachbar-
galaxie - ich kann etwas mehr Details erkennen. Karkoschka
bestätigt diesen Eindruck mit 9 mag gegenüber 9.5 mag
für M65. In unmittelbarer Nachbarschaft von M66 befinden
sich zwei vergleichsweise helle Sterne.

Bei M65 sehe ich nur einen ziemlich unregelmäßigen,
diffusen Halo. Ich erkenne keine klare Form, aber ein etwas
aufgehelltes Zentralgebiet. M66 ist vergleichsweise deutlich
heller im Zentrum.

NGC3628
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NGC3628 erkenne ich als ein deutlich längliches, sehr schmales
und auch sehr blasses Nebelgebilde. Bei indirektem Sehen
erahne ich einen Bereich, der etwas heller ist als der Rest des
Ganzen. Es handelt sich offensichtlich um eine Galaxie, die man
genau von der Seite her sieht (Kantenlage).

M95 und M96
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Ich versuche mich wieder mal an diesen beiden Galaxien. Genau
lokalisieren kann ich keine der beiden. Lediglich einen sehr
schwachen Fleck dort in der Gegend kann ich ausmachen, aber
nicht eindeutig identifizieren.

Abstecher zu Jupiter
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Weil er gerade so prominent da steht und ausserdem ein Transit
des "Großen roten Fleckes" (GRF) zu sehen sein müsste, schwenke
ich mal kurz zu Jupiter im Krebs. Zwei äquatoriale Wolkenbänder
waren bei 160-facher Vergrößerung gut zu erkennen. Den GRF meine
ich kurzzeitig im Geblubber der Luftunruhe erkannt zu haben, bin
mir aber nicht sicher. Weitere Details kann ich nicht erkennen.

Sternbild Fuhrmann (Auriga, Aur)
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Ich besuche nun eines meiner derzeitigen Lieblingssternbilder,
weil es voll von schönen und relativ einfachen Objekten ist.
Etwas Entspannung sozusagen.

M37
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Dieser offene Sternhaufen ist heute bei 37.5-facher Vergrößerung
eine wahre Pracht - die Transparenz ist sicherlich recht gut. M37
sieht aus, als hätte er in der Mitte einen helleren Stern. Tat-
sächlich befindet sich dort ein Stern neunter größe, wie ich später
überprüft habe. Sehr schön anzusehen sind auch eine Reihe von
Sternbögen oder -ketten, die scheinbar aus dem Zentrum nach außen
laufen.

Die gesamte Umgebung ist sternreich und heute besonders schön
anzusehen, ein glitzerndes, funkelndes Diamantkästchen!

Bei 80-fach ist das GF gut gefüllt. Der hellere Stern in der Mitte
ist immer noch besonders gut zu erkennen. Rechts davon sehe ich
im GF eine Stelle, die relativ dunkel, fast sogar schwarz aussieht.
Sie wirkt sogar dunkler als der Hintergrund, was aber eine Täuschung
sein könnte. Insgesamt gibt es eine große Zahl etwa gleich heller
Sterne, die das GF füllen.

Bei 160-facher Vergrößerung ist M37 deutlich unschärfer - die Luft
ist ständig in Bewegung, aber der Hintergrund zwischen den Sternen
wirkt jetzt deutlich dunkler und die einzelnen Sterne leuchten
schön heraus, wenn auch unscharf - und der Kontrast bringt einen
schönen Eindruck.

M36
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Bei 37.5-fach ein kleiner, nicht sonderlich beeindruckender
Sternhaufen. Man erkennt eine leichte Zusammenballung von etwa
20 Sternen und im Zentrum ist ein Doppelstern zu erkennen, der
bei dieser Vergrößerung allerdings schon klar getrennt ist.

Bei 80-fach nimmt M36 einen weiten Teil des GF's ein, ringsherum
gibt es allerdings größere dunkle Flächen. Dieser offene Sternhaufen
ist bei weitem nicht so dicht und eindrucksvoll wie M37. Dafür gibt
es hier einige Sternpaare - nicht unbedingt Doppelsterne - die sogar
im Zentrum zu finden sind. Insgesamt ist der Sternhaufen jetzt
deutlich aufgelöst und wirkt nicht mehr so zwingend wie ein kompaktes
Objekt. Auf die 160-fache Vergrößerung verzichte ich deshalb.

NGC1931
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Von M36 schwenke um etwa einen GF-Durchmesser des 32 mm Okulars
in Richtung 11 Uhr und gelange zu einem ganz schwachen, milchigen
Fleck: NGC1931. Auch bei stärkerer Vergrößerung bis 160-fach
erkenne ich dort aber keine Details, abgesehen davon, dass dieser
milchige Fleck größer wird.

M38
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M38, bei 37.5-facher Vergrößerung, schön zu sehen! Insgesamt
relativ klein im Gesichtsfeld, aber bei indirektem Sehen erkenne
ich doch einige der markanten Sternreihen, die dieser offene
Sternhaufen beheimatet.

Während M38 noch im Gesichtsfeld verbleibt, entdecke ich Richtung
zwei Uhr ein weiteres Objekt, auf das ich später noch eingehen
werde. Zurück zu M38 ...

Bei 80-facher Vergrößerung flimmert die Luft immer noch sehr
deutlich, aber die Sternketten sind schön erkennbar. Einmal im
Bereich von 10:00 Uhr nach 02:00 Uhr eine längere Reihung, die
ich allerdings nur indirekt ganz sehen kann. Dazu dann mehrere
Sterne die paarweise angeordnet sind.

NGC1907
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Nun schwenke ich rüber zu dem vorhin entdeckten kleinen Objekt,
das ich später als NGC1907 identifiziere. Wenn M38 bei etwa
08:00 Uhr im GF zu sehen ist (37.5-fach), dann erscheint dieses
neblige Objekt etwa in der GF-Mitte. Ich vergrößere 80- und
160-fach, kann aber kaum weitere Details erkennen: Das Objekt
ist grob oval und ich erkenne einige dunkle Streifen. Ich weiß
nicht, was es damit auf sich hat und ich kann nicht sagen, ob
es ein Nebelobjekt ist. Ich bilde mir allerdings ein, einige
Sterne zu sehen, die möglicherweise in irgendwelche Nebel
eingebettet sind. Später sollte ich noch feststellen, dass
es sich hier um einen kleinen offenen Sternhaufen handelt, der
tatsächlich auch Nebel beheimatet.

Sternbild Großer Wagen (Ursa Major, Uma)
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Nach Mitternacht steht Uma schön hoch am Himmel
und nachdem ich letztens Erfolg mit M51 und M106
vermelden konnte, will ich heute nochmals dorthin
wandern, die alten Bekannten besuchen und Neuland
entdecken.

M109
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Diese Spiralgalaxie ist recht leicht in der Nähe
des Sternes Phecda von Uma zu finden, vorausgesetzt,
die atmosphärischen Bedingungen passen. Mit 10 mag
bei einer Flächenhelligkeit von 13 mag gehört er
nicht gerade zur leichten Beute für Achtzöller. Es
handelt sich also um ein ganz schwaches Messier-
Objekt, nur ein kleines Nebelchen kann ich erkennen.
Einzelheiten bleiben mir verborgen. Bei 80-fach sieht
es grob gesagt dreiecksförmig aus und ist in der Mitte
leicht aufgehellt. Tatsächlich handelt es sich hierbei
um eine Balkenspirale (kurzer Balken, lange Spiralarme),
die dem Messier-Katalog erst 1953 einverleibt wurde.

M97
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Eine weitere kleine Perle hat Uma noch für mich bereit:
Der kleine planetarische Nebel M97 - vielleicht besser
bekannt unter dem Namen "Eulennebel" - ist hier bei
80-facher Vergrößerung als ziemlich runder, nebliger
Fleck zu erkennen. Mit unangepassten Augen, etwa gleich
zu Beginn, hätte ich ihn wahrscheinlich übersehen. Die
Helligkeit beträgt nur 10 mag und die Flächenhelligkeit
12 mag. M97 ist mir zufällig ins GF geploppt, als ich
die Gegend dort nach M108 durchsuchte.

Ich stecke nochmal das 7.5 mm Okular ein, um mir das
ganze mit 160-facher Vergrößerung anzusehen: Der UHC-
Filter bringt in diesem Fall vom Kontrast her schon
einiges. Es sind zwar nach wie vor keine feineren
Strukturen sichtbar (Eulenaugen), aber der Nebel ist
sehr schön rund abgebildet.

Wird ja immer besser hier ... leider auch immer kälter 8^)

M108
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Während der Eulennebel auf etwa 11 Uhr im GF steht (37.5-fach),
entdecke ich M108 an der Position 5 Uhr. Hierbei handelt
es sich um eine Galaxie mit deutlicher Kantenlage, ungefähr
so hell wie der Eulennebel. Also schaun wir mal!

Bei 80-fach sehe ich die Kantenlage ungefähr von 01:00 Uhr
nach 07:00 Uhr und bei indirektem Sehen etwa im Zentrum einen
deutlich hellen Punkt, der ein Stern - vielleicht sogar im
Vordergrund - sein könnte. Es sieht jedenfalls so aus, dass
es deutlich heller als die übrige Fläche ist. Später sollte
sich zeigen, dass es sich hierbei tatsächlich um das aufge-
hellte Zentrum der Galaxie handelt.

M51 und NGC5195
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Weil ich gerade in der Gegend bin, besuche ich nochmal M51,
die berühmte Whirlpool-Galaxie. Bei 37.5-fach ein leicht
heller Kern, Draufsicht erkennbar. Die Nachbargalaxie ist
ebenfalls gut sichtbar und insgesamt erkenne ich beide jetzt
viel besser als beim letzten Besuch.

80-fach: Ich bin entzückt! M51 zeigt mir für Sekundenbruchteile
bei indirektem Sehen seine Spiralstruktur. Ich sehe die dunklen
Lücken zwischen den Spiralarmen und bin sehr beeindruckt.

Auch bei 160-fach ist M51 sehr schön. Ich bilde mir ein, die
Spiralstruktur im Uhrzeigersinn aus dem Zentrum heraus drehen
zu sehen. Die Strukturen ziehen sich wie eine Brücke hinüber
zur Begleitgalaxie NGC5195.

M106
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Bin zwar schon sehr müde und müsste schnellstens in die Falle,
aber M106 muss jetzt auch noch besucht werden. Durch den ersten
Deichselstern von Uma und den Stern Phecda Uma denke ich mir zwei
Geraden in der Weise, dass sie in einem rechten Winkel aufeinander
treffen. Dort etwa befindet sich M106 (Cvn). Mit bloßem Auge
ist an dieser Position gar nichts zu erkennen.

Mit 37.5-fach sehe ich einen milchigen Fleck mit einem etwas
helleren Zentrum und einem leichten Halo.

Bei 80-facher Vergrößerung scheint M106 mehr oder weniger waagerecht
im GF zu liegen, etwa von 03:00 Uhr nach 09:00 Uhr, allerdings nicht
ganz symmetrisch und auch nicht gerade flach. Es gibt offensichtlich
eine hellere Struktur in der Mitte und einen blasseren Halo unregel-
mäßiger Art außen herum.

Bei 180-facher Vergrößerung und indirektem Sehen, bilde ich mir ein,
leichte Spiralarmstrukturen und dunklere Streifen dazwischen zu
erkennen. Jetzt wird auch deutlich, dass es sich um eine Schräg-
draufsicht handelt.

So um 01:00 Uhr schleppe ich mein Zeug wieder in die Wohnung. Zum
Glück muss ich heute nicht föhnen, weil durch den weniger strengen
Frost in Vebindung mit ganz leichtem SW-Wind der Dobson diesmal
nicht vereist war - was für ein Glück!

Schon vor 02:00 Uhr bin ich im Bett und es braucht eine Weile,
bis ich warm werde. Sechseinhalb Stunden später holt mich der
Wecker wieder auf den Boden und ich beginne reichlich müde mein
Tagwerk ...

Fazit
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Ich bin wieder einmal schwer beeindruckt von der Vielfalt und
Schönheit da oben. Aber: Geduld tut not! Nicht nur auf bessere
Nächte hoffen, sondern sich dann auch Zeit nehmen, entspannt
und ausdauernd die gewünschten Objekte zu beobachten.

Viele Grüße aus den Alpen,
Frank
--
My Home: 47°31'29" N / 11°06'51" E

Jürgen Mischke

unread,
Feb 26, 2003, 2:50:53 AM2/26/03
to
Frank Stefani wrote:

< snip >

War mal wieder interessant, (d)einen Bericht zu lesen.

Danke

Jürgen

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