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Beobachtungsbericht 28.02.2003

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Frank Stefani

unread,
Mar 1, 2003, 5:41:59 PM3/1/03
to
Meine Beobachtungsberichte spreche ich während
der Beobachtung auf MiniDisc Rekorder und arbeite
sie später schriftlich aus. Ich gebe das, was ich
gesehen habe, an. Das kann natürlich auch eine
Täuschung oder Fehlinterpretation sein. Ggfs. weise
ich mit einer Anmerkung in eckigen Klammern darauf
hin, was ich bei der späteren Recherche zu diesem
Objekt in Erfahrung bringen konnte. Ich bin erstaunt,
dass so manches Detail tatsächlich vorhanden ist,
obwohl ich bei der Beobachtung Zweifel hatte :-)

-----<Bericht>-----

Es ist 23 Uhr vorbei und ich bin ziemlich müde - noch
von der vorigen Nacht. Aber was soll's? Der Himmel
sieht immer noch gut aus und ich rechne schon seit
gestern mit aufkommender Bewölkung. In anderen
Landesteilen soll es bereits regnen.

Der 8" Dobson steht bereits eine knappe halbe Stunde
draußen, er ist wohl noch nicht voll ausgekühlt und
meine Augen - nachdem ich gerade erst wieder heraus-
gekommen bin - noch nicht gut dunkeladaptiert.

Nachdem die große Bärin (UMa) und die Jagdhunde (CVn)
schon hoch über den Bergen stehen, beginne ich mit
den Jagdhunden (Canes Venatici, CVn):

M94
---
M94 ist schnell gefunden, indem ich mir die Strecke
Alfa und Beta CVn als Hypothenuse eines gleichschenke-
ligen Dreiecks denke, bei dem der rechte Winkel und
damit M94 auf der linken Seite liegt.

Bei 37.5x sehe ich einen deutlichen, milchigen Fleck
und ein leichter Halo ist zu erahnen. Die Galaxie
hat eine Helligkeit von 8.9 mag und die Flächenhelligkeit
liegt bei 11 mag.

Bei 80x bildet M94 im Gesichtsfeld (GF) die Spitze
eines rechtwinkeligen Dreiecks zusammen mit zwei
Sternen: Wenn M94 in der Mitte des GF's plaziert
wird, liegt der erste Stern (7.9 mag) Richtung 7 Uhr
und markiert so die kürzere Strecke. In Richtung 4 Uhr
liegt die längere Strecke, die zu einem Stern der
Größe 7.8 mag führt. Die Galaxie zeigt sich bei
dieser Vergrößerung als deuliches, gedrungenes Oval
und ich vermute, dass ich sie fast in Draufsicht sehe.

Bei 160x passt das erwähnte rechtwinklige Dreieck
aus M94 und den beiden Sternen gerade noch ins GF.
Ich sehe in kurzen Momenten dunkle Staubstrukturen
im unteren, rechten Bereich von M94, etwa zwischen
3 Uhr und 6 Uhr (vom Zentrum aus gesehen). Diese
deuten fast konzentrische, dicht am Halo liegende
Spiralarme an.

Der relativ große Kern ist von einem lichtschwächeren
Halo umgeben, der nach außen hin nochmals deutlich
an Helligkeit verliert. Ich erkenne, dass die Achse
der Galaxie etwa von 8 Uhr nach 2 Uhr verläuft.

Wie schon bei 80x sehe ich auch jetzt im unteren,
rechten Teil dunkle Staubstrukturen. Ich vermute,
dass es Spiralarme gibt, die im Uhrzeigersinn aus dem
Zentrum herauswachsen. Nachdem ich von der letzten
Nacht noch reichlich müde bin - vor allem die Augen-
kann es sein, dass mir die Augen einen Streich spielen.

[Anm: M94 hat eng am vergleichsweise hellen
Kern anliegende Spiralarme, die sehr schwer
zu beobachten sind. Die Galaxie hat tatsäch-
lich unten rechts beobachtbare Staubstrukturen]

NGC4490
-------
Wenn ich Beta CVn in die Mitte des GF vom 32 mm
Okular schiebe, sehe ich in Richtung 7 Uhr die
Galaxie NGC4490 mit einer Helligkeit von 10.2 mag
bei einer Flächenhelligkeit von 12 mag. Ich schiebe
sie in die Mitte des GF's.

Sie ist ziemlich blaß, aber doch klar zu sehen,
weil die Nachbarschaft nicht besonders sternreich
ist. Es sind zwar einige Sterne zehnter und elfter
Größe da, aber sie hebt sich trotzdem gut ab, ein
großer Fleck. Ich meine, hier schon wildere Struk-
turen zu erkennen - das muss ich überprüfen ...

[Anm: In der Tat zeigen Bilder von NGC4490, z.B.
http://www.ngcic.org/dss/n/4/n4490.jpg, dass
die Galaxie unsymmetrische und kurze Spiral-
armansätze (?) hat und mehrere chaotische
Strukturen aufzeigt.]

So, nun bin ich bei 80x angekommen: NGC4490 liegt
offensichtlich etwas schräg im Raum, ungefähr von
7 Uhr nach 1 Uhr ausgerichtet. Rechts unterhalb,
an der Position 5 Uhr, sehe ich noch ganz, ganz
schwach ein milchiges Flecklein. Das müsste

NGC4485
-------
sein, zu der es eine Staub- oder Spiralarmbrücke
geben soll. Da muss ich nochmal stärker vergößern,
um das zu eruieren ...

Bei 160x erkenne ich, dass NGC4490 am unteren Ende
doch ziemlich schungvoll mit NGC4485 (12.3 mag)
verbunden ist. Nun gehe ich mit der Vergrößerung
nochmals auf 80x zurück. Ich vermute, dass die
optimale Vergößerung bei etwa 130x liegen wird.

Inzwischen merke ich, dass sich einige feine
Cirren vor mein Objekt geschoben haben, so fein,
dass man sie mit bloßem Auge nicht wahrnehmen
kann. Jetzt erklärt sich mein Bedürnis, die
hohe Vergrößerung aufzugeben und wieder zu 80x
zurückzukehren. Am Himmel ziehen von SW her
mehrere hohe Wolkenfelder heran - und ich dachte
schon, ich hab was mit den Augen :-)

NGC4449
-------
Von NGC4490 will ich mich via Star Hopping
zu NGC4449, die 10 mag bzw. 12 mag hell ist,
hangeln. Wie komme ich dahin? Ich probiere es
mal so:

Ich stelle NGC4490 in die Mitte des GF's vom
32 mm Okular und lass sie dann in Richtung 10 Uhr
aus dem GF wandern, versuche die Bewegungsrichtung
beizubehalten. Zunächst durchquere ich eine
sternarme Gegend. Wenn die Galaxie das GF schon
längst verlassen hat, kommt eine schöne Sternkette
mit etwa 6 vergleichsweise hellen Sternen (9 und
-10 mag) vorbei, die etwa horizontal durch's GF
läuft, also von 3 Uhr nach 9 Uhr. Bei dieser
Sternkette hat man gut die Hälfte des Weges von
NGC4490 zu NGC4449 zurückgelegt.

Wenn diese Sternkette vorbei ist kommt wieder ein
dunklerer Abschnitt und bald darauf erscheint
NGC4449 im Blickfeld.

[Anm: Die erwähnte Sternkette ist in der
Karkoschka Detailkarte mit vier Sternen
eingezeichnet.]

Bei 80x scheint sie kompakt, mit einem länglichen,
helleren Kern zu sein - der Karkoschka spricht
von einem rechteckigen Zentralgebiet, was ich
durchaus bestätigen könnte. Von einem Halo ist
allerdings nicht viel zu sehen.

Wenn ich NGC4449 im GF an die Position 8 Uhr
verschiebe, dann befindet sich rechts davon, an
der Position 5 Uhr, ein Stern 8.7 mag. Über der
gedachten Verbindungslinie dieser beiden Objekte
steht dann ein weiterer 10.2 mag heller Stern,
sodaß ich hier wieder ein rechtwinkeliges Dreieck
erkenne.

Bei 160x zeigt sich das Zentralgebiet ziemlich
deutlich als balkenförmig. Die Galaxie ist von
der Fläche her scheinbar nicht sehr groß und
liegt etwa in Richtung 9 Uhr bis 3 Uhr im GF,
möglicherweise aber an der rechten Seite noch
weiter unten.

Es sieht so aus als hätte die Galaxie einen Halo
oder Spiralarmansätze, die vor allem im rechten,
unteren Teil ausgeprägter und damit besser sichtbar
sind.

[Anm: Vergleiche http://www.seds.org/~spider/ngc/ngc.cgi?4449]

Über meinem Kopf tummelt sich jetzt eine größere
Zahl von feinen Schichtwolken, zwischendrin in
den Löchern einzelne Sterne. Die Wolkenschicht
wird aus Richtung Garmisch-Partenkirchen mit
mehreren wild tanzenden Lichtkegeln angestrahlt.
Unglaublich, wie nervig das jetzt bei guter
Dunkeladaption ist!

Die große Bärin (UMa) verschwindet gerade hinter
den Wolken. Richtung NO, über dem Fricken, entdecke
ich allerdings gerade die Corona Borealis (CrB),
sowie je einen Teil von Bootes (Boo) und Herkules (Her).

Da werde ich doch gleich mal einen Versuch mit

M13
---
unternehmen, obwohl es in dieser Richtung dunstig
ist und das markante Sternviereck von Herkules noch
deutlich links unterhalb des Frickengipfels liegt.
Da Teleskop ist sehr flach ausgerichtet, ich würde
sagen 20 Grad vom Horizont.

Mit dem Telrad die grobe Position von M13 angepeilt
und sofort einen Volltreffer gelandet. Als deutlicher
Nebelfleck präsentiert sich mir der größte aller
nördlichen Kugelsternhaufen im 32 mm Okular. Seine
Helligkeit ist groß, aber es gibt noch keine Einzel-
sterne zu sehen.

Bei 80x wird M13 körnig. Bei indirektem Sehen erkenne
ich außen eine Unzahl von kleinen Einzelsternen und
auch im Inneren eine Reihe von Strukturen, aber insgesamt
ist er noch nicht aufgelöst. Ich denke, dazu steht er
noch zu niedrig am Himmel und dann kommt auch noch der
Dunst dazu.

NGC2420 - Eskimonebel
---------------------
Aus gegebenem Anlass - die Wolkenfelder haben sich
weiter Richtung NO vorgeschoben - schwenke ich nochmals
Richtung W, wo Jupiter im Krebs (Cnc) und Gemini (Gem)
gut zu sehen sind. In den Zwillingen (Gem) gibt es ja
den Eskimonebel, ein planetarischer Nebel mit der
Helligkeit 8.3 mag.

Von Pollux ziehe ich gedanklich eine Linie nach Wasat,
beides Mehrfachsterne auf den Hauptlinien des Sternbildes
Gem, die mir wieder als Hypothenuse für ein rechtwinkeliges
Dreieck liefern. Von Wasat aus gehe ich mit dem Telrad-
Finder so weit nach links, bis ich den Punkt erreiche, der
genau uner Pollux steht und an dieser Stelle mit Wasat
einen rechten Winkel bildet.

Bei 37.5x kann man den Eskimonebel durchaus übersehen, er
ist nicht größer als ein Stern, schimmert aber etwas
anders: Bei indirektem Sehen erkennt man den milchigen
Charakter dieses Objekts.

Bei 80x sehe ich ihn in einer eher sternreichen Gegend
und man sieht dieser kleinen Scheibe deutlich an, dass
sie etwas anderes als ein Stern sein muss.

Nun nehme ich bei 160-fachen Vergrößerung auch noch den
UHC-Filter hinzu. Ich kann eigentlich nur erkennen, dass
es unterschiedliche Helligkeitsbereiche gibt, die ähnlich
wie die Blütenblätter einer Blume ineinander übergehen,
sich überlappen. Knapp links unterhalb des Eskimonebels
befindet sich ein kleiner Stern mit etwa 10 mag.

Außer den Helligkeitsunterschieden sind an NGC2420 keine
Details erkennbar.

Fazit
-----
Es hat sich gelohnt, kurz vor dem Wetterumschwung nochmal
die Nacht zu nutzen, wenngleich dien Bedingungen nicht
optimal waren. Insbesondere merke ich, dass es sinnvoll
ist, bei lichtschwachen Galaxien länger zu verweilen und
höher zu vergrößern, bis schließlich doch noch einige
Details sichtbar werden.

Der Eskimonebel war neu für mich, die drei Galaxien in
CVn auch.

Viele Grüße aus den Alpen,
Frank
--
My Home: 47°31'29" N / 11°06'51" E

C. Lutsch

unread,
Mar 1, 2003, 6:57:49 PM3/1/03
to
"Frank Stefani" <frank....@web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3E613737...@web.de...

> Meine Beobachtungsberichte spreche ich während
---SNIP---

Bravo, Frank...
...das ist ja der reinste Fortsetzungsroman. Wenn das so weitergeht, kannst
du anfangen ein Buch rauszugeben: "Dobson Deep Sky Guide by Frank Stefani
;-))))"

Nee, im Ernst: Wirklich gut.
Freudvolle Nächte;
Clem


Frank Stefani

unread,
Mar 2, 2003, 11:15:13 AM3/2/03
to
Danke Clemens :-)
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