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WBS 70 - Abweichungen von der Platte [Arch-Geschichte]

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Mathias Mildenberger

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Jun 20, 2001, 5:07:24 AM6/20/01
to
Hallo Newsgroup,

da ich im Moment an einer architekturgeschichtlichen Arbeit schreibe, die
sich mit der Entwicklungs-
geschichte des sogenannten "Erfurter Staffelhauses" beschäftigt (Bauhaus-Uni
Weimar, Dr. Winkler),
bin ich auf der Suche nach allerlei DDR-Mehrfamilienhaustypen, die
entwickelt wurden, um die
"klassische" WBS-70-Riegelform aufzuweichen oder deren städtebauliche/stadt-
und gebäude-
strukturliche Mängel zu beheben.
Das betrifft den DDR-typischen Systembau, hauptsächlich Großtafel- und
Großziegelbauweisen.
Interessant sind solche Ansätze für mich natürlich auch bei den
Vorgängertypen (IW67, P2 usw.).

Wenn Ihr da was wißt - eine Antwort würde mich freuen.

Da scheint es wohl u.a. einige 8-eckige Häuser zu geben (danke für den Tip
an Bettina Haenel), aber ich
weiß nicht wo, und die Literatur schweigt sich auch aus, sofern überhaupt
vorhanden. Hier gibt's nur
massenweise die alten Teilekataloge für die Elemente, armdicke Schwarten.
Artikel in der "Architektur
der DDR" sind auch eine Rarität. Buch- (GBV, KVK), Zeitschriften- (RSWB,
Iconda) und Webrecherche
(google)waren nicht besonders ergiebig.

Das "Erfurter Staffelhaus" ist mit 5 Stockwerken recht klein. Es wurde
1977-79 entwickelt, bediente sich bei
vielen Teilen aus dem WBS-70-Katalog. 1 Wohneinheit (6x12m) links,
Treppenhaus mit der Möglichkeit zum
Niveauausgleich am Hang (was beim WBS 70 nicht möglich war), 2. Teil a
12x12m mit 1-2 Wohneinheiten.
Keine so deutlichen Achsen wie beim WBS, Anbau an Bestand und/oder Balkone
in jeder Richtung möglich.

Mich interessiert auch, ob jemand weiß, wo dieser Bautyp noch realisiert
wurde (und etwa wie viele). Angeb-
lich neben Erfurt, Kleiner + Großer Herrenberg, auch in Berlin-Hellersdorf,
aber das wußte nicht mal der Ex-
Abteilungsleiter vom Wohnbaukombinat so genau (arbeitet heute beim
BauKo-Lehrstuhl der Uni ;) ).

Viele Grüße & Danke

Mathias

Karl-Ludwig Diehl

unread,
Jun 20, 2001, 5:48:10 AM6/20/01
to
Hallo Mathias,


"Mathias Mildenberger" <mathias.mi...@archit.uni-weimar.de> wrote:
>da ich im Moment an einer architekturgeschichtlichen Arbeit schreibe, die
>sich mit der Entwicklungs-
>geschichte des sogenannten "Erfurter Staffelhauses" beschäftigt (Bauhaus-Uni
>Weimar, Dr. Winkler),
>bin ich auf der Suche nach allerlei DDR-Mehrfamilienhaustypen, die
>entwickelt wurden, um die
>"klassische" WBS-70-Riegelform aufzuweichen oder deren städtebauliche/stadt-
>und gebäude-
>strukturliche Mängel zu beheben.


Interessant!


>Mich interessiert auch, ob jemand weiß, wo dieser Bautyp noch realisiert
>wurde (und etwa wie viele). Angeb-
>lich neben Erfurt, Kleiner + Großer Herrenberg, auch in Berlin-Hellersdorf,
>aber das wußte nicht mal der Ex-
>Abteilungsleiter vom Wohnbaukombinat so genau (arbeitet heute beim
>BauKo-Lehrstuhl der Uni ;) ).


Man muesste die Wohnungsbauverwaltungen angehen, welche jetzt die Haeuser unter
sich haben.
Wahrscheinlich haben solche Organismen eine direkte Kenntnis von den Bautypen,
die sie vrwalten.


Im Koeln gibt es eine Dachorganisation der Wohnungsbaugesellschaften, in der
sich die westlichen sozialen Wohnungsbaugesellschaften zusammengeschlossen hatten.
Ich nehme an, dass die Wohnungsbaugesellschaften, welche auf ehemaligem DDR-
Gebiet wirtschaften, sich diesem Dachverband angeschlossen haben. Vielleicht
kommst Du ueber diesen Organismus auch weiter.
Mir faellt leider das Kuerzel nicht ein, wie der Dachverband heisst. Prof.
Grosshans, der an der RUB
also an der Ruhruniversitraet Bochum in Stadtsoziologie lehrte oder lehrt, ist
vielleicht erreichbar. Er lebt in Koeln. Aber das waere vielleicht ein Weg, um an
email-Adresse der Wohnungsbauverwaltungen zu kommen, die fuer Dich relevant sind.


Gruesse
K.L.Diehl
--
__________________________________________________________
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Udo Forstmann

unread,
Jun 20, 2001, 12:55:06 PM6/20/01
to
On Wed, 20 Jun 2001 11:07:24 +0200, "Mathias Mildenberger"
<mathias.mi...@archit.uni-weimar.de> wrote:

>Hallo Newsgroup,
>
>da ich im Moment an einer architekturgeschichtlichen Arbeit schreibe, die
>sich mit der Entwicklungs-
>geschichte des sogenannten "Erfurter Staffelhauses" beschäftigt (Bauhaus-Uni
>Weimar, Dr. Winkler),

Die Entwicklung eines flexibleren Plattenbausystems lief unter Prof.
Stahr, der noch bis Mitte der 90er den Wohn- und Gesellschaftsbau-
Lehrstuhl innehatte, der jetzt bei Stamm-Teske, Schmitz und Rieß
liegt.

Stahr ist bestimmt in Weimar noch zu erreichen und ansprechbar, hör
dich mal um.

Soviel ich weiß sollte das System WBR80 oder WBR85 (Wohnungsbaureihe)
heißen und neben der beschriebenen Höhenstaffelung u.a. auch größere
Funktionsunterlagerungen und Maisonettelösungen ermöglichen.

Es ist aber nicht zu Serienreife gelangt und deshalb in den gängigen
Baukobüchern nicht enthalten. Angeblich wurde es von Berlin gestoppt,
weil der Wohnungsbau in der Provinz nicht attraktiver sein durfte als
in der Hauptstadt.

Alle diese Entwicklungen (auch in Rostock gab es ähnlich Tendenzen,
das Ergebnis ist vom Bahmhof aus zu sehen) sind an die
Wohnungsbaukombinate der Bezirke gekoppelt (bist Du im Bilde? Es gab
in der DDR nach Zerschlagung der Länder 15 Verwaltungsbezirke )

Da die Technologie das alles entscheidende Kriterium war, lag die
Entwicklung bei den WBKs und wurde von den Unis lediglich begleitet.
Dabei gab es in den Regionen durchaus verschiedene Schwerpunkte, das
wäre aus meiner Sicht ein lohnendes Thema.
Ich habe das aber selbst auch nicht mehr erlebt.

>Da scheint es wohl u.a. einige 8-eckige Häuser zu geben

So ein 8-Eck-Haus hat unser Büro im letzten Fahr saniert. Es ist Ende
der siebziger gebaut und war von der TU Dresden projektiert.
Witzigerweise sieht es aus wie ein Plattenbau, ist aber aus Ziegeln
gebaut. Offensichtlich war es ein Experimentalbau, an dem zunächst die
funktionalen und ausbautechnischen Belange getestet werden sollten,
während Fertigteile und Montagetechnologie noch nicht zur Verfügung
standen.
Im Entwurf aus heutiger Sicht nichts aufregendes, aber mit vier
Ansichtsseiten für eine Lückenbebauung im Umfeld größerer Mietvillen
geeignet.
Zeichnungen kannst Du bei Bedarf (per mail) bekommen, der Bestand ist
allerdings neu und nur im unbedingt notwenigen Umfang aufgenommen und
die Pläne lassen den Charme der Originalzeichnungen vermissen :-)

Gruß, Udo

Thorwald Brandwein

unread,
Jun 20, 2001, 1:04:03 PM6/20/01
to
Mathias Mildenberger <mathias.mi...@archit.uni-weimar.de>
schrieb in im Newsbeitrag: 9gpp4e$rrm$1...@tigger.scc.uni-weimar.de...

Hallo Mathias

> Wenn Ihr da was wißt - eine Antwort würde mich freuen.

Ich kann nicht sagen, ob es für dich hilfreich ist, aber:

In (heute) unmittelbarer Nachwendezeit war die "Bauschadensfrage
Plattenbau" ein Thema, das bis zu unsereiner vordrang.... allerdings
natürlich fachspezifisch "gefiltert".

Für mich war besonders interessant

1. Kontakte zur damaligen "Bauakademie" in Berlin
2. Eine Schriftenreihe des Bundesbauministeriums mit dem
Titel:
"Leitfaden für die Instandsetzung und Modernisierung von
Wohngebäuden in der Plattenbauweise"

Hier gab es für eine größere Anzahl Typen jeweils ein Heft, die
anscheinend alle an der o.a. Bauakademie verfasst wurden. Die
entsprechende Abteilung hieß zu dieser Zeit:
Institut für Erhaltung und Modernisierung von Bauwerken
Plauener Str. 163 - 165
0 - 1092 Berlin
existiert aber höchstwahrscheinlich - so wie die Bauakademie - nicht
mehr unter diesem Namen.... Aber hier können sicher andere weiter
helfen.

In allen Heften werden die Bauten beschrieben und die
Standardausführungen dargestellt. Einige Hefte, z.B. "Blockbauart 1,1
t" enthalten auch Ideen für Umgestaltung. Das Heft "WBS 70 6,3 t" (=
42% aller Plattenbauten) widmet sich leider nicht den "bezirklichen
Variationen", listet allerdings ca 15 "ausgewählte" auf.
Statt konkrete Beschreibung der ausdrücklich erwähnten Möglichkeiten
- differenzierbare Gebäudeformen....
- abwechslungsreiche....Grundrissvariationen ....unterschiedliche
Gebäudetiefen... in Verbindung mit Erganzungssektionen und
Giebelsegmenten
- variable städtebauliche Lösungen durch hohen Grad der
Kombinierbarkeit
- Anpassung an differenzierte Standortbedingungen...
- ....
findert sich in der Einleitung folgender Hinweis:
"Bei der Planung und realisierung von Baumaßnahmen konnten jedoch
viele der vorgenannten Möglichkeiten der WBS 70 aufgrund der
restriktionen staatlicher Einrichtungen der ehemaligen DDR nicht
genutzt und umgesetzt werden. Durch weitere Forderungen nach Senkung
der Bauzeiten ..... wodurch die funktionelle und gestalterische
Vielfalt.......weiter eingeschränkt wurde."

Es folgt der Verweis auf o.a. "bezirkl. Variationen", die sich im
Wesentlichen durch Grundrissänderungen (mittlere Wohnungsgröße von 52
bis 67 qm) und die Geschosshöhe im Keller unterscheiden.

Ansonsten gibt das Heft viele technische Details wieder - ob es für
dich interessant wäre, weiß ich nicht.

Aber eine vollständige Serie dieses Leitfadens (hab ich nicht) wäre
für dich sicher hilfreich, da scheinbar häufiger variierte Bauarten
als WBS 70 auch diesbezüglich etwas umfassender dargestellt werden.

Und wenn du nicht weiter kommen solltest, könnte ich mal in meinen
Visitenkarten nach ehemaligen Mitarbeitern der Bauakademie graben,
darunter war ein Architekt der scheinbar in der
"Experimentierabteilung" saß .....

Grüße
Thorwald Brandwein

--
www.biotekt.de


Bettina Haenel

unread,
Jun 21, 2001, 4:35:51 AM6/21/01
to

Mathias Mildenberger <mathias.mi...@archit.uni-weimar.de> schrieb:


> da ich im Moment an einer architekturgeschichtlichen Arbeit schreibe, die

> sich mit der Entwicklungsgeschichte des sogenannten "Erfurter Staffelhauses"


> beschäftigt (Bauhaus-Uni Weimar, Dr. Winkler),
> bin ich auf der Suche nach allerlei DDR-Mehrfamilienhaustypen, die
> entwickelt wurden, um die
> "klassische" WBS-70-Riegelform aufzuweichen oder deren städtebauliche/stadt-

> und gebäudestrukturliche Mängel zu beheben

> Hier gibt's nur massenweise die alten Teilekataloge für die Elemente, armdicke
> Schwarten. Artikel in der "Architektur der DDR" sind auch eine Rarität.

Hallo Mathias!

Daß die gute "Architektur der DDR" nicht ergiebig gewesen sein soll, verwundert
mich doch etwas. In den Achzigern wurde verstärkt innerstädtisch mit der Platte
gebaut, zum Beispiel wurde der Bereich der Hauptstraße (innere Neustadt) in
Dresden mit der Platte gebaut, und dabei im Rahmen des Möglichen umgewandelt,
städtebaulich angepaßt und sogar eine vorsichtige Betonprofilierung die Gewände
und Pilaster "darstellen" sollten (Formgebung plus Beton =ornamentale Wirkung
des Stofflichen (KLD) ;-)))) drangezaubert. Weiterhin gab es eine "Funktions-
unterlagerung" (Geschäfte im EG). Es war sicher ein Maximum an Anpassung an
die historische Situation ("Harmonische Verbindung von Alt und Neu" schimpfte sich
das), was im Angesicht der Prämissen: schnelle Montage, Kranbahn und Grad der
Vorfertigung möglich war. Meines Erachtens sollten darüber doch eigentlich Artikel
zu finden sein. Könnte mir schlecht vorstellen, daß man vergessen habe, nicht mit
Selbstlobbehudelung die _Erfolge_ der _einen_ (und wahren) Partei zu irgendeinem
Parteitag ins rechte Licht gerückt zu haben....;-)

Allerdings muß ich Dich darauf aufmerksam machen, daß in der Regel bei allen
Veröffentlichungen in DDR- Printmedien die Wahrheit zwischen den Zeilen des
eben genannten oberflächlichen Hurra- Patriotismus steht. Mehr wirst Du allerdings
dann doch nur über eine mühevolle Kleinarbeit der weiteren Recherche (über
den Verfasser usw.) erfahren. Eventuell erfährst Du auch etwas über die Stadt-
archive bei beipielhaften innerstädtischen Bebauungen. Deine Erfahrung, daß die
Leiter der Betonkombinate des Bezirkes a nicht wußten was die Leiter der
Betonkombinate des Bezirkes b machten, halte ich auch für wahrscheinlich. Auch
die Zusammenarbeit zwischen Theorie (Unis) und Praxis war nicht weit her, so
daß Deine Recherche sehr mühevoll wird, und eine Gesamtschau schwierig.

Einen Hinweis vielleicht noch:
Es war bei der Hauptstraßenlösung in Dresden (früher "Straße der Befreihung")
nicht unbedingt Ziel, einen neuen Bau-Typ für die Platte zu kreieren, sondern mit
den vorhandenen Typen das Maximum zu machen.

Der von Udo angesprochene (bau-) politische Schwenk Mitte der Achziger: alle
Kraft für Berlin, war tatsächlich so. Es war zu dieser Zeit einfach kein Geld mehr
für Entwicklungen in der Bauwirtschaft da, und Berlin als "Aushängeschild der
DDR" hatte Vorrang. Also dürften die "interessanten" Recherchejahre für dich halt
zwischen 1980- 1985 liegen...In dieser Zeit wurden auch in den Unis massen-
weise Diplomarbeiten mit Anpassungsversuchen von Architektur an die Platte in
den sog. Wohnungsbau- und "Gesellschaftsbau"- Lehrstühlen gemacht, gerade für
historische Stadtkerne (in Cottbus gibt es z.B. auch ein paar Beispielgebäude
im Bereich des Klosterplatzes).

Viel Erfolg,

Bettina


Mathias Mildenberger

unread,
Jun 21, 2001, 3:41:19 PM6/21/01
to
Hallo Udo,

ersteinmal Danke für Deine schnelle Antwort...

"Udo Forstmann" <fors...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9gqkmv$ajvfp$1...@ID-8854.news.dfncis.de...


>
> Die Entwicklung eines flexibleren Plattenbausystems lief unter Prof.
> Stahr, der noch bis Mitte der 90er den Wohn- und Gesellschaftsbau-
> Lehrstuhl innehatte, der jetzt bei Stamm-Teske, Schmitz und Rieß
> liegt.
>

(= Wohnungsbau, Gebäudelehre II, Gebäudelehre I, in der o.g. Reihenfolge)

> Stahr ist bestimmt in Weimar noch zu erreichen und ansprechbar, hör
> dich mal um.

Der wohnt hier, gar nicht weit vom Haus am Horn. In den Sommersemesterferien
werde ich ihn wohl mal für ein Gespräch besuchen. Die Tel.-Nr. hab' ich
schon, sein Neffe arbeitet beim Statik-Lehrstuhl der Fak. A.

> Soviel ich weiß sollte das System WBR80 oder WBR85 (Wohnungsbaureihe)
> heißen und neben der beschriebenen Höhenstaffelung u.a. auch größere
> Funktionsunterlagerungen und Maisonettelösungen ermöglichen.
>
> Es ist aber nicht zu Serienreife gelangt und deshalb in den gängigen
> Baukobüchern nicht enthalten. Angeblich wurde es von Berlin gestoppt,
> weil der Wohnungsbau in der Provinz nicht attraktiver sein durfte als
> in der Hauptstadt.

Über die WBR 85 gibt es hier genügend Material. Ich habe einige Unterlagen
aus der Konzeptions- und Planungsphase in der Bibliothek gefunden ("K1"- und
"K2"-Stufe). Gebaut wurde die WBR 85, so viel ich weiß, zumindest in der
Innenstadt von Gera. Für die Marktnordseite in Weimar war entweder WBS 70
oder WBR 85 vorgesehen, wurde dann aber doch nicht gemacht - wohl besser
so...

Über die Gliederung der Kombinate nach Bezirken bin ich im Bilde, auch als
geborener Wessi ;).
Es gab anfangs sogar 16 Wohnungsbaukombinate, mehr als Bezirke. Das 16. saß
in Nordhausen und wurde später an das in Erfurt angeschlossen.

> Da die Technologie das alles entscheidende Kriterium war, lag die
> Entwicklung bei den WBKs und wurde von den Unis lediglich begleitet.

Kommt drauf an, wie sie begleitet wurde... Für das Staffelhaus wurden 2-3
Leute der Uni für einige Zeit nach Erfurt abgeordnet. Ansonsten stimmt das
schon, die Bauhochschulen haben sich mehr um Theorie und Konzeption
gekümmert. Die Weimarer hatten da aber wohl mal wieder Bauhaus-Attitüden und
wollten auch die Praxis mit rein bringen.

> Dabei gab es in den Regionen durchaus verschiedene Schwerpunkte, das
> wäre aus meiner Sicht ein lohnendes Thema.
> Ich habe das aber selbst auch nicht mehr erlebt.

Ich weiß, vor allem bei den Dichtungsdetails der Fassaden der einzelnen
Baureihen. Darüber Material zu bekommen, dürfte aber äußerst schwer sein,
weil die meisten WBKs die Wende nicht überlebt haben (oder wohl nur kurz)
und keine Nachfolgeorganisationen im engeren Sinne haben. Damit dürfen auch
die Archive untergegangen sein, weil sich alles irgendwann ín der Müllabfuhr
gefunden hat. Inklusive Detailkatalogen. Die hat unsere Bibliothek nämlich
auch nur noch begrenzt.
Allerdings steht der "Sonderbestand" nicht im Bibliothekskatalog. Den horten
die in einer Abstellkammer, weil sie noch nicht so richtig wissen, was sie
damit tun sollen.

> So ein 8-Eck-Haus hat unser Büro im letzten Fahr saniert. Es ist Ende
> der siebziger gebaut und war von der TU Dresden projektiert.

<snip>


> Zeichnungen kannst Du bei Bedarf (per mail) bekommen, der Bestand ist

> allerdings neu [...].
Aber gerne. Bitte an die Uni-Mailadresse, da geht der Server erst bei Mails
mit über 10 MB Größe in die Knie ;) . Auch Fotos sind gut. Wenn es Dir nicht
zu viel Mühe macht...

Dankeschön & Grüße

Mathias

Mathias Mildenberger

unread,
Jun 22, 2001, 11:16:56 AM6/22/01
to
Hallo Bettina,

auch Dir ein Dankeschön für Deine Antwort.

Bettina Haenel <haene...@debitel.net> schrieb im Newsbeitrag
news:3b31...@news.ivm.net...


>
> Daß die gute "Architektur der DDR" nicht ergiebig gewesen sein soll,
verwundert
> mich doch etwas.

Eigentlich gibt sie schon einiges her, aber manchmal sind die Artikel unter
etwas obskuren Titeln erschienen. Und im RSWB/ICONDA bzw. SilverPlatter (der
Zeitschriftendatenbank, die unsere Uni nutzt) sind sie nicht immer richtig
verschlagwortet. Im Moment habe ich leider nicht die Muße, mich durch etwa
10 Jahrgänge der AdDDR durchzuwühlen, sonst wäre da die Ausbeute auch
besser.
Einiges ist auch in der "Wissenschaftlichen Zeitschrift der HAB" zu finden.
Ich habe aus Zeitgründen leider auch noch nicht alle Quellen ausführlichst
gefilzt. Unser Uni-Archiv wird da sicher auch noch einiges hergeben, unsere
Bibliothek hat einen nicht im Katalog aufgeführten Sonderbestand alter
Unterlagen, ein oder zwei Mitarbeiter von damals wollen auch noch befragt
werden. Und dazu hat sicher die Stadt Erfurt oder deren
Wohnungsbaugesellschaft auch noch etwas Material. Die Archivrecherche habe
ich auf später verschoben im Angesicht der Modellbau-Orgie in den nächsten 3
Wochen.

> Weiterhin gab es eine "Funktionsunterlagerung" (Geschäfte im EG).
Die "Funktionsunterlagerung" für Geschäftsnutzung in den
innerstädtisch(er)en Lagen war auch recht ulkig: Keller
Platte/Großtafelsystem, Erdgeschoß Skelettbauweise (System SKBM 72), darüber
wieder Platte/WBS-70.

Der Weg der Platte in die Innenstädte war auch in den eher theoretischen
Schriften vorgezeichnet. Nach der für Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre
vorgesehenen "Lösung der Wohnungsfrage" wollte man darangehen, dort etwas zu
tun.
"Wir stehen mit Beseitigung des Wohnungsdefizits im nächsten Fünfjahresplan
vor einem Wendepunkt im Wohnungsbau. Während wir heute den größten Teil des
Wohnungsbaues als Erweiterungsbau in großen Standorten auf neu erschlossenen
Geländen realisieren, werden wir dann zur vorwiegenden qualitativen
Veränderung der vorhandenen Wohnungssubstanz kommen." (Prof. Joachim Stahr,
"Zur Aufgabe des Architekten bei der Lösung der Wohnungsfrage", S. 288/289,
in: Wissenschaftliche Zeitschrift der HAB Weimar, 21. Jg., 3-4/1974, S.
285-292)

Betreffs SED-Parteitags-Gelobhudel und Zwischen-den-Zeilen-Lesen: Da bin ich
schon vorgewarnt. Es ist nicht das erste Mal, daß ich Papiere aus Epochen in
der Hand habe, bei denen das eigentlich Interessante - über die Meinung des
Autors - nicht so wortwörtlich im Text steht, wie er es eigentlich gemeint
hat...

Den Mailto, den Du haben wolltest, wenn die Seminararbeit fertig ist - nein,
den gibt es nicht ;). Ich werde die fertige Arbeit als PDF-Datei auf meine
Webseite packen, dort kann sie sich jeder, der will, herunterladen. Aber
eine Mail mit der www-Adresse bekommst Du gern.
Wozu hat man(n) denn eine legale Version des "5D PDF Creator"? Damit kannst
Du aus jeder Anwendung heraus PDF-Dateien machen, weil das Teil wie ein
Druckertreiber funktioniert. Sehr geschickt, so was (->
http://www.ctrlp.com).

Viele Grüße und ein schönes Wochenende wünscht

Mathias

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