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Wärmebrücke im Bereich Stütze / Decke

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AID - NKuhnle

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Jun 17, 2003, 9:39:57 AM6/17/03
to
Hi,

wir sind gerade dabei eine Lösung für ein im Hochbau
eigentlich nicht unbekanntes Problem zu finden.
Kurze Beschreibung:
Es handelt sich um einen Verwaltungsneubau auf Rundstützen.
Das heisst im EG wird geparkt (Aussenbereich), im 1.OG befinden sich die
Büros.
Die Konstruktion ist eine Stahlbetonkonstruktion mit durchgehenden
Stahlbetonstützen und Stahlbetondecken.

Das Problem: die Wärmebrücke im Bereich der Stützen. Über die Stützen im
EG gelangt die Kälte in die Decke und danach in die Stütze im 1.OG.
Das Problem besteht zuerst einmal, egal ob die Decke von unten oder von oben
gedämmt wird.
Möchte man in erster Linie (neben der Wärmebrücke) eventuelle Bauschäden
(Schimmelbildung...) verhindern so wäre eine Möglichkeit die Stützen im EG
im oberen Bereich zu Dämmen. Das ist aber aus gestalterischen Gründen
ziemlich übel.

Noch eine Schwierigkeit:
In die Stütze selbst soll keine Dämmung eingelegt werden
(Querschnittsproblem) und die Stützen im EG wie auch im 1. OG sollen auch
nicht von oben bis unten eingepackt werden.

Gibt es eine gute Lösung (bautechnisch und gestalterisch) für dieses
Problem?

Nic


Tobias

unread,
Jun 17, 2003, 10:53:45 AM6/17/03
to
Hi Nic,

> Gibt es eine gute Lösung (bautechnisch und gestalterisch) für dieses
> Problem?

ohne großen Aufwand nicht. In der Regel wird der Stützenquerschnitt
am Auflager Decke gebraucht zur Einspannung der Stütze,
so daß man den Querschnitt nicht um eine eingelegte Dämmung
(bis ca. 50 cm unter Decke) reduzieren kann, ohne die Gesamt-
stütze in ihrem Querschnitt zu vergrößern. Ist die Tiefgarage
in ihrer Konstruktion durch Wände ausgesteift, wären event.
"Pendelstützen" mit einem punktförmigen Deckenauflager
aus Edelstahl (z.B. kegelförmiger Abschluß mit Kugel
drauf) denkbar. Das kostet aber teuer, neben den anderen
Nachteilen.

Es ist und bleibt eine Wärmebrücke, will man nicht dämmen,
aus ästhetischen oder Platzgründen. Da es in der Tiefgarage
in der Regel nicht so furchtbar kalt wird, imo ein "Problem"
mit dem man leben kann, und andere gelernt haben zu leben :-)

Gruß

Tobias


Udo Forstmann

unread,
Jun 17, 2003, 11:39:16 AM6/17/03
to

>Das Problem: die Wärmebrücke im Bereich der Stützen. Über die Stützen im
>EG gelangt die Kälte in die Decke und danach in die Stütze im 1.OG.
>Das Problem besteht zuerst einmal, egal ob die Decke von unten oder von oben
>gedämmt wird.

Das sollte sich durch einen speziellen Bewehrungsanschluß ähnlich
einem Isokorb an Balkonen minimieren lassen. Mir sind zwar im Moment
keine Standardprodukte geläufig, aber da gibt es bestimmt etwas, zur
Not selbst erfunden.

Das Prinzip ist rostfreie Bewehrung, die so ausgelegt ist, daß sie
auch die sonst dem Beton zugewiesenen Lasten aufnehmen kann, zwischen
den Stählen Dämmung.
Die Wärmebrücke beschränkt sich auf den Bewehrungsquerschnitt,
der im nicht knickgefährdeten Bereich nicht zu groß werden dürfte.

Das sollte ein beweglicher Tragwerksplaner eigentlich hinbekommen.

Gruß, Udo

Tobias

unread,
Jun 17, 2003, 11:53:53 AM6/17/03
to
Hi Udo,


> Das sollte sich durch einen speziellen Bewehrungsanschluß ähnlich
> einem Isokorb an Balkonen minimieren lassen. Mir sind zwar im Moment
> keine Standardprodukte geläufig, aber da gibt es bestimmt etwas, zur
> Not selbst erfunden.

das stelle ich mir in diesem Fall relativ schwer vor, da es nach
eingespannten
Stützen ausschaut, d.h. insbesondere bei weiterer Spannweite (Garage)
ein ziemliches Stahlteil werden müßte. Dazu kann aber sicher ein
Tragwerksplaner mehr sagen :-)


> Das Prinzip ist rostfreie Bewehrung, die so ausgelegt ist, daß sie
> auch die sonst dem Beton zugewiesenen Lasten aufnehmen kann, zwischen
> den Stählen Dämmung.

Da seh ich da Problem. Wie willst Du das steif kriegen. Schon eine
Kragplatte am Isokorb muß nach außen ca. 1 cm/m steigend betoniert
werden, da sie kommt, bzw. der Isokorb nicht steif genug ist.

> Die Wärmebrücke beschränkt sich auf den Bewehrungsquerschnitt,
> der im nicht knickgefährdeten Bereich nicht zu groß werden dürfte.

> Das sollte ein beweglicher Tragwerksplaner eigentlich hinbekommen.

Nun ja, zu welchen Kosten. Ist das noch irgendeine Erdbebenzone,
dann wohl eher Stütze mit Voute und alles Betone. Gerade die unten
aufgeständerten Hütten fallen gerne und leicht um, rüttelt was dran :-)

Gruß

Tobias

Olaf Deters

unread,
Jun 17, 2003, 1:09:04 PM6/17/03
to
Am Tue, 17 Jun 2003 17:39:16 +0200, Udo Forstmann
<fors...@gmx.de> schrieb

>Das sollte ein beweglicher Tragwerksplaner eigentlich hinbekommen.
>

da kann er sich aber ganz schnell auf Glatteis bewegen, wenn
jemand nach Zulassungen etc fragt. Was Du da vorschlägst mag
gehen und sich rechnen lassen, nur eben ist das nicht die
ganze Wurst. Da fehlt der bürokratische Anteil. Ich würde
solche Sonderlösungen nur dann anfassen, wenn das mit allen
Beteiliggten incl. der Genehigungsbehörde abgestimmt ist.
Das braucht Zeit und die ist bekanntlich knapp.

Eher würde ich durch ein Fachbüro den tatsächlichen
Temperaturverlauf mal rechnen lassen. Häufiger stellt sich
das Erfggebnis gar nicht so dramatisch dar, wie man es
denken möchte. Die Temperatur verpieselt sich ja
dreidimensional und wandert nicht auf kürzestem Wege durch
die Decke.
Da bieten sich die einschlägigen Fachbereich der
nächstgelegenen Universität an. Die freuen sich zu solchen
Aufgaben und wenn der ehrenswerte und bekannte Herr
Professor die Berechnung absegnet, dann wird sich im Falle
eines Falles kein Sachverständiger mit dem anlegen. Auch die
Baubehörden akzeptieren derartige Expertisen. Holt man sich
allerdings einen Wald- und Wiesengutachter, dann wird man
damit rechnen müssen, dass im Falle eines Falles die großen
Gegengutachten kommen.
Die Kosten für Universitätsgutachten sind m.E. moderat, da
die ja nicht Gewinn einfahren müssen.


Gruß
Olaf
--
Aquaristik: Mattenfilter, Statik, Diskussionsforum,
Bodengrund, Berechnungstools
<http://www.deters-ing.de>

Georg Matejko

unread,
Jun 17, 2003, 1:56:40 PM6/17/03
to
AID - NKuhnle wrote:
> Das Problem: die Wärmebrücke im Bereich der Stützen. Über die Stützen im
> EG gelangt die Kälte in die Decke und danach in die Stütze im 1.OG.
> Das Problem besteht zuerst einmal, egal ob die Decke von unten oder
von oben
> gedämmt wird.

Wenn die Decke von unten gedämmt wird, ist es aber schon etwas besser
für die Oberflächentemperaturen innen an der Stütze.

> Gibt es eine gute Lösung (bautechnisch und gestalterisch) für dieses
> Problem?

Sicher gibt es eine bestmögliche Lösung unter diesen ungünstigen
Randbedingungen. Man muss statisch, bauphysikalisch, kaufmännisch und
gestalterisch bewerten, wie der Stützenanschluss auszubilden ist.


Tobias wrote:
> ohne großen Aufwand nicht. In der Regel wird der Stützenquerschnitt
> am Auflager Decke gebraucht zur Einspannung der Stütze,
> so daß man den Querschnitt nicht um eine eingelegte Dämmung
> (bis ca. 50 cm unter Decke) reduzieren kann, ohne die Gesamt-
> stütze in ihrem Querschnitt zu vergrößern. Ist die Tiefgarage
> in ihrer Konstruktion durch Wände ausgesteift, wären event.
> "Pendelstützen" mit einem punktförmigen Deckenauflager
> aus Edelstahl (z.B. kegelförmiger Abschluß mit Kugel
> drauf) denkbar. Das kostet aber teuer, neben den anderen
> Nachteilen.

Pendelstützen kann man z.B. auch mit Elastomerlagern ausführen. Dazu
dürfen die Stützen am Kopf aber nicht statisch ausgereizt sein, da die
nutzbaren Pressungen in der Größenordnung von auf Druck ausgereiztem
Beton B25 bis B35 liegen. Die Lager würden sonst größer als die
Stützenquerschnitte. Bei eher schlanken Stützen, die ich hier allerdings
nicht vermute, kann das eine Lösung sein. Bewehrte Elastomerlager sind
dicker als unbewehrte, Ferner ist für die Wärmeleitfähigkeit der Anteil
der Stahleinlagen zu berücksichtigen.

Wenn das EG ausreichend durch andere Bauteile ausgesteift ist, können
die Stützen Pendelstützen sein.

Unter allen denkbaren Möglichkeiten (Informationen zum
Aussteifungssystem und Konstruktion der übrigen Geschosse liegen nicht
vor, wir spekulieren nur.) besteht vielleicht auch die Möglichkeit,
überhaupt weniger Stützen zu benötigen.

> Es ist und bleibt eine Wärmebrücke, will man nicht dämmen,
> aus ästhetischen oder Platzgründen. Da es in der Tiefgarage
> in der Regel nicht so furchtbar kalt wird, imo ein "Problem"
> mit dem man leben kann, und andere gelernt haben zu leben :-)

Ich habe eher offenes EG verstanden.


Udo Forstmann wrote:
> Das sollte sich durch einen speziellen Bewehrungsanschluß ähnlich
> einem Isokorb an Balkonen minimieren lassen. Mir sind zwar im Moment
> keine Standardprodukte geläufig, aber da gibt es bestimmt etwas, zur
> Not selbst erfunden.
>

> Das Prinzip ist rostfreie Bewehrung, die so ausgelegt ist, daß sie
> auch die sonst dem Beton zugewiesenen Lasten aufnehmen kann, zwischen
> den Stählen Dämmung.

Nachdem ich mir anhand der Lektüre von
http://www.bsi.bv.tum.de/skripten/pdf/Kunststoffe/Kunststoffskript-neu.pdf
das Verhältnis (28,57) der Wärmeleitfähigkeit von Stahl (60 W/mK) und
Normalbeton (2,1 W/mK) vor Augen geführt habe, finde ich Beton besser
als Stahl. Das Verhältnis der bemessungsrelevanten Tragfähigkeiten liegt
für nach DIN 1055 alt für B55 bei 200/(30/2,1)=14 und selbst für B25 bei
200(17,5/2,1)=24.

Mit hochfestem Beton, eventuell als Fertigteil z.B. aus Schleuderbeton,
spricht die Rechnung noch mehr für den Beton.

Andererseits könnte eine Stahlrohrstütze oder Verbundstütze vom
Außendurchmesser vielleicht soviel kleiner ausfallen als eine
Betonstütze, dass eine Dämmschicht auf der Stütze möglich wird.

> Das sollte ein beweglicher Tragwerksplaner eigentlich hinbekommen.

Finde ich auch.


Tobias wrote:
> das stelle ich mir in diesem Fall relativ schwer vor, da es nach
> eingespannten
> Stützen ausschaut, d.h. insbesondere bei weiterer Spannweite (Garage)
> ein ziemliches Stahlteil werden müßte. Dazu kann aber sicher ein
> Tragwerksplaner mehr sagen :-)

Selbst wenn es dort gar keine Wände gibt, ein paar dezente
Aussteifungselemente wie Verbandskreuze oder Rahmen werden doch sich
doch architekturkompatibel in den Entwurf einbringen lassen. ;)

Grüße an euch alle
Georg


--
Georg Matejko

Email: ge...@matejko.de
URL: www.matejko.de

Georg Matejko

unread,
Jun 17, 2003, 2:04:56 PM6/17/03
to
Olaf Deters wrote:
> Am Tue, 17 Jun 2003 17:39:16 +0200, Udo Forstmann
> <fors...@gmx.de> schrieb
>
>
>>Das sollte ein beweglicher Tragwerksplaner eigentlich hinbekommen.
>>
>
>
> da kann er sich aber ganz schnell auf Glatteis bewegen, wenn
> jemand nach Zulassungen etc fragt. Was Du da vorschlägst mag
> gehen und sich rechnen lassen, nur eben ist das nicht die
> ganze Wurst. Da fehlt der bürokratische Anteil. Ich würde
> solche Sonderlösungen nur dann anfassen, wenn das mit allen
> Beteiliggten incl. der Genehigungsbehörde abgestimmt ist.
> Das braucht Zeit und die ist bekanntlich knapp.

Mit pingeligen Prüfern kann das schon mal sein.

> Eher würde ich durch ein Fachbüro den tatsächlichen
> Temperaturverlauf mal rechnen lassen. Häufiger stellt sich
> das Erfggebnis gar nicht so dramatisch dar, wie man es
> denken möchte. Die Temperatur verpieselt sich ja
> dreidimensional und wandert nicht auf kürzestem Wege durch
> die Decke.
> Da bieten sich die einschlägigen Fachbereich der
> nächstgelegenen Universität an. Die freuen sich zu solchen
> Aufgaben und wenn der ehrenswerte und bekannte Herr
> Professor die Berechnung absegnet, dann wird sich im Falle
> eines Falles kein Sachverständiger mit dem anlegen. Auch die
> Baubehörden akzeptieren derartige Expertisen. Holt man sich
> allerdings einen Wald- und Wiesengutachter, dann wird man
> damit rechnen müssen, dass im Falle eines Falles die großen
> Gegengutachten kommen.
> Die Kosten für Universitätsgutachten sind m.E. moderat, da
> die ja nicht Gewinn einfahren müssen.

Zuerst sprachst du von Fachbüro. Warum sollte das nicht jemand machen,
der regelmäßig Wärmebrücken rechnerisch nachweist? Traust du das nicht
zumindest den zahlreichen StASV für Wärmeschutz zu?

Gruß

Olaf Deters

unread,
Jun 17, 2003, 5:07:23 PM6/17/03
to
Am Tue, 17 Jun 2003 20:04:56 +0200, Georg Matejko
<ma...@matejko.de> schrieb


>Zuerst sprachst du von Fachbüro. Warum sollte das nicht jemand machen,
>der regelmäßig Wärmebrücken rechnerisch nachweist? Traust du das nicht
>zumindest den zahlreichen StASV für Wärmeschutz zu?
>

nach meiner Erfahrung erstickt ein Gutachten / Expertise /
Stellungnahme einer renomierten Universität sofort jegliche
Widersprüche. Das vereinfacht enorm und ist nicht teurer.

Ich hatte z.B. mal einen alten Balkon nachzuweisen. Da habe
ich mir aus unserer Nachbarschaft einen Dr. aus dem Gefolge
von Prof.Valtinat kommen lassen. Der hat ein paar Späne
abgefeilt und seinen Text dazu gemacht. Sofort war Ruhe, da
kam nichts seitens der Behörde. Mit Beton habe ich ähnliches
durchgezogen. Man muss schon aufpassen, dass die nicht "zu
gut" urteilen. Solche Dinge muss man m.E. gleich von oben
eintüten lassen.

Gero Weiske

unread,
Jun 17, 2003, 5:33:31 PM6/17/03
to
AID - NKuhnle schrieb:

> Das Problem: die Wärmebrücke im Bereich der Stützen. Über die Stützen im
> EG gelangt die Kälte in die Decke und danach in die Stütze im 1.OG.

Wie ist das eigentlich mit den Dübeln beim Vollwärmeschutz? ;-)

Gruß Gero

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