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Lindenpresse: Interview mit Dietrich Siegl

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Sylvio Tabor

unread,
Nov 12, 1998, 3:00:00 AM11/12/98
to
Interview mit Dietrich Siegl (Stefan Nossek)

g.d., 45 j. ist im bereich werbung, medien und musik tätig.
dietrich siegl’s beruflichen werdegang verfolgt er seit den a
nfängen am linzer landestheater mitte der siebziger jahre.

er gilt als einer seiner engsten freunde und führte das
folgende gespräch:

g.d.: dietz, du bist als schauspielerkind teils in bonn,
später dann in zürich aufgewachsen stimmt’s bis hierher ?

siegl: korrekt. während meiner ersten 3 lebensjahre waren
wir allerdings noch in österreich, vor allem in linz.
geboren wurde ich in wien. du sagst, wenn’s dir zu kompliziert wird...?

g.d.: wir haben uns seit monaten nicht gesehen. sicher
angenehm, daß du zumindest am hinterhaupt keine frisurprobleme mehr hast....

siegl: eine, mir aus naheliegenden gründen, äusserst
sympathische münchener maskenbildnerin hat mir einmal
gesagt: "du brauchst koane hoar, du host a g’sicht."
spitzeninterview übrigens, weiter so !

g.d.: wieder einmal arbeitslos ? oder was ist der grund
für deine gute laune ?

siegl: kraft meiner 20 jährigen, unerklärlichen
freundschaft zu dir, erlaube ich mir, die frage
dahingehend zu deuten, daß du wissen möchtest, was ich derzeit tue...

g.d.: ...na also, geht ja...

siegl: ich habe gerade einen POLIZEIRUF 110 mit
dem titel Tod und Teufel für den bayerischen rundfunk abgedreht.
gaby dohm spielt die hauptrolle. wird angeblich schon im winter ’9
8 in der ard gesendet.

g.d.: mit der dohm hast du doch schon einmal...

siegl: ...gearbeitet, richtig. wir haben 1991 eine zwei
personen episode von felix mitterer für’s zdf gemacht: "
besuchszeit ".

g.d.: worum geht’s jetzt bei dem polizeiruf ?

siegl: um inzest und exorzismus.

g.d.: mmh, mal was für’s gemüt !

siegl: du wolltest es wissen. und jetzt steht im
BURGTHEATER die wiederaufnahme von arthur schnitzler’s "
prof. bernhardi" an. karlheinz hackl spielt den"bernhardi".
ein blitzgescheites, stets aktuelles stück und eine gelungene
aufführung, sagt man.

g.d.: >du spielst den dozenten"löwenstein", nicht gerade
die hauptrolle...

siegl: aber eine sehr gute, akzentuierte, du ignorant. in
drei von fünf akten. und ausserdem am burgtheater.

g.d.: davidoff no. 1, zur versöhnung ?

siegl: gerne. und dann will ich nach hause.

g.d.: stichwort "lindenstraße". wirst du noch manchmal
auf den "stefan nossek" angesprochen, nach....,wann hast
du dich dort verabschiedet...?

siegl: 1988. monika woytowicz, bernd tauber und ich sind
etwa zur gleichen Zeit ausgestiegen. bernd spielt übrigens
auch in dem polizeiruf 110 mit. klar werden wir noch manchmal
auf die LINDENSTRASSE angesprochen. glücklicherweise immer
seltener, wir haben alle in der zwischenzeit genügend anderes
gemacht. wie im übrigen auch vorher...

g.d.: apropos, du kamst ja seinerzeit vom THEATER IN DER
JOSEFSTADT. deshalb die originelle frage: was machst du
eigentlich lieber...

siegl: gesetzt den fall , man hätte beim fernsehen auch nur
annähernd die literarischen vorlagen wie am theater, würde
ich sagen, ich drehe lieber. mir sind die kleinen mittel,
die man dort einsetzt einfach sympathisch. so aber sehe ich
zu, daß ich etwa alle 2-3 jahre theater spiele. sonst
verlernt man es nämlich.

g.d.: ehrlich ?

siegl: ja, vor allem wenn man die persönliche entwicklung
nicht auch auf der bühne vollzieht. ein 45 jähriger agiert
nun einmal anders als ein 30-jähriger, normalerweise... das
muß auch erst erforscht und erkundet werden. wenn du versuchst
diesen prozess zu überspringen, wist du schnell draufkommen,
daß die bisher angewandten mittel im neuen fach nicht mehr
funktionieren. einmal habe ich 5 jahre pause gemacht, ’ 9
2 -’97, da kam ich mir in bei ersten proben vor wie auf e
inem anderen planeten..

g.d.: falls du von der wiener fassung des musicals "GUYS
AND DOLLS" im metropol sprichst, die mündete doch in einen
großen publikumserfolg, und nicht zuletzt in einen persönlichen
für dich.

siegl: stimmt schon, aber das hätte auch ins auge gehen können.
lauter überwuzelte, (alternde) vom leben schwer gezeichnete
schauspieler, die tanzen und singen...

g.d.: ... oder solches zumindest versuchen...

siegl: ...sind nicht unbedingt der feuchte traum eines
musicalproduzenten. aber genau das wollte das publikum
anscheinend sehen. manche haben die aufführung 20 mal
und öfter besucht und sich offensichtlich immer wieder
köstlich amüsiert...

g.d.: wie damals anno 80, als du als frontman unserer
band TSIEGENFOOT MUSIC den rockstar gemimt hast....egal,
heute machst du jedenfalls relativ viel fernsehen, spielst
an der burg, schreibst kurzgeschichten, hin und wieder
kommentare für zeitschriften. was aber die wenigsten
wissen: du hast hunderte von werbespots gesprochen.
hast du ein problem damit, daß man das erfährt ?

siegl: quatsch. die werbung - es waren übrigens eher
tausende, als hunderte - hat mir die freiheit beschert,
nicht immer gleich den erstbesten käse annehmen zu müssen.
sondern nur jeden zweitbesten. außerdem entspricht die dort
geforderte sekundenkonzentration genau dem, was ich auch beim
drehen so liebe. ich bin eher sprinter als marathonläufer,
vom naturell her. daß den kreativen sirs, die noch vor 10
jahren die branche bevölkerten, fast ausschliesslich entmannte
kundenknechte nachgewachsen sind, ohne jedweden anflug von
selbstironie, dafür kann ja die tätigkeit als solche nichts.
ähnliches gilt doch auch für weite teile der heutigen tv- landschaft.

g.d.: du hast letzthin behauptet, anzeichen von besserung auszumachen...

siegl: ja, es fängt langsam wieder an spaß zu machen und ich
gebe zu, daß mich das derzeit erfreuliche abschneiden der
öffentlich-rechtlichen hoffnungsfroh stimmt.

g.d.: fisch mit aszendent widder, stimmt’s ? typischer dritte
programme- und arte-kunde.

siegl: (lacht) ich gestehe.

g.d: du bist seit 14 jahren mit maria zusammen. 7 jahre habt
ihr euch zeit gelassen bis zu nina’s geburt. warum eigentlich ?

siegl: scherzkeks ! du bist doch selbst seinerzeit nächtelang
in maria’s damaligem lokal, dem EUROPA herumgehüpft und wenn
nicht dort, dann in unserer wohnung (2 etagen drüber). Soweit
ich mich erinnern kann war das eine na sagen, wir einmal, sehr
intensive zeit und bestimmt nicht die umgebung, die ich meiner
prinzessin als einstieg ins leben gewünscht hätte.

g.d.: nun wohnt ihr seit 1991 auf dem land bei wien, meist wirkst
du ausgeschlafen, trinkst keinen alkohol mehr, quälst nur mehr zum
spass wehrlose musikinstrumente, pflegst den rasen, gehst spazieren...

siegl: ...das habe ich früher auch getan, da hast du noch geschlafen...

g.d.: ...bist du ein anderer mensch geworden bist, seit deiner
leidentschaftlichen vaterschaft ?

siegl: nein. es hat nur alles seine zeit und was man tut, das
soll man ganz tun...

g.d.: ist ja gut, vielleicht noch eine abschließende wunschfrage ?

siegl: ich kann mich beherrschen....., oder doch: frag’ m
ich, warum ich jetzt wieder meine eigene agentur bin !

g.d.: interessiert doch kein schwein.

siegl: ...weil sich das in 24 von 25 berufsjahren bewährt hat.

g.d.: (schnappt sich 2 gitarren) kannst du noch "handyman"
von james taylor ?

siegl: d-dur ?

g.d.: hat sich zumindest bewährt...

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