Auf der Equitana habe ich den folgenden Vortrag gehoert und fand ihn sehr
interessant. Der Autor war so freundlich, mir den Text zur
Veroeffentlichung zu ueberlassen:
Praxis fuer Pferdeanalyse
Rolf Gockeln
Dipl.Psych.
Ostenhellweg 1
44135 Dortmund
Tel/Fax 0231 575477
Handy 0171 3439358
Vortragsmanuskript fuer die EQITANA `97
Thema: Die Psyche des Pferdes
Meine Damen und Herren, liebe Pferdefreunde,
zunaechst einmal moechte ich mich bei Wolf Kroeber bedanken fuer die
Gelegenheit, hier einige Gedanken vortragen zu koennen, die ich zum Thema
»Pferdepsychologie« formuliert habe. Zu verdanken habe ich meine
Einsichten zunaechst den vielen Pferden, mit denen ich als Reiter im Laufe
der Jahre zusammengekommen bin und den Pferdebesitzerinnen und Besitzern,
die ich beraten habe bei den auftretenden Problemen im Umgang mit Pferden.
Mein Beruf als Psychologe gibt mir die Moeglich
keit, mich meiner Leidenschaft fuer Pferde und die Reiterei hinzugeben. Ein
psychologischer Zustand, der Ihnen allen als sogenannter »Pferdebazillus«
bekannt ist. Diese Krankheit ist ansteckend, und wer sie einmal hat, wird
sie nicht wieder los.
Im ersten Teil geht es um einige grundlegende Thesen zur Pferdepsyche.
Zunaechst einmal ist die Psyche ein Evolutionsprodukt, d.h., sie dient
vorrangig der Entwicklung von Verhaltensweisen, die das Ueberleben
ermoeglichen. Die Psyche ist allen Tierarten wie den Menschen gegeben, wenn
sich auch ihre Ausformungen unterscheiden.
Das Pferd ist eine intelligente Lebensform.
Das Pferd ist ein intelligentes Lebewesen heisst, dass es im Rahmen seiner
artspezifischen Moeglichkeiten in der Lage ist, ueber das von der Natur
festgelegte Instinktprogramm hinaus Erfahrungen mit seiner jeweiligen
Umwelt zu machen, sie zu verarbeiten und in kreativer, schoepferischer Form
sich auf diese Umwelt einzustellen. Das heisst, Pferde sind in der
Lage,Verhaltensweisen zu entwickeln, die eine Anpassung an die jeweiligen
Lebensumstaende ermoeglichen. Sie sind also in gewisser Hinsicht zur
Einsicht faehig und zu oekonomischem Handeln.
Als Beispiel fuer kreatives Denken will ich hier die Erfahrungen von
Pferdebesitzern weiter geben, deren Pferde gelernt hatten, ihre Boxentuer
zu oeffnen und sich aus dem Hafersack in der Stallgasse zum Aerger und Neid
ihrer Stallgenossen zu bedienen. Von einem Pferd habe ich erfahren, das
sogar in der Lage war, ein auf dem Hof frei umherlaufendes Pony
herbeirufen, das ihm regelmaessig dabei half.
Andere Beispiele kennen wir alle aus der taeglichen Praxis. Jedes
einigermassen erfahrene Pferd ist in der Lage, sich auf die jeweiligen
Reiter einzustellen, und sein Verhalten nach seinen Reitkuensten
einzurichten. Oder ihre Pflegepersonen und Besitzer dazu zu bringen,
bestimmte Verhaltensweisen zu zeigen, die ihm von Nutzen sind. So erinnere
ich mich an eine Stute, die regelmaessig gegen Mitternacht mit dem Huf gegen
ihre Stalltuer schlug, bis jemand kam und ihr eine Extraportion Futter gab,
mit ihr sprach und sie klopfte. Auf diese Weise war sie in der Lage, nicht
nur den Futterneid der anderen hervorzurufen, sondern auch ihren
Beziehungshunger zu stillen ueber das Mass hinaus. Es machte ihr
offensichtlich Vergnuegen, sich so zu verhalten, und der Erfolg gab ihr
recht. Denn diese Szene wiederholte sich Nacht fuer Nacht wie bei den
Kindern, die ihre Eltern dazu bringen, nachts aufzustehen und noch ein
Glas Milch fuer ihre Kinder zu holen. Dass der ganze Stall natuerlich wuetend
war auf sie, kuemmerte diese Stute wenig.
Pferde verfuegen grundsaetzlich ueber psychologische Grundfunktionen wie
Menschen auch, was es uns ermoeglicht, sie zu verstehen, und umgekehrt den
Pferden ermoeglicht, uns zu verstehen. Das Pferd ist sich der Dinge,
Menschen und Artgenossen, die es umgeben, durchaus bewusst. Es ist in der
Lage, seine psychosoziale Umwelt zu verstehen und sich darauf
einzustellen. Es ist in der Lage, in einer einfachen Form Denkprozesse zu
vollziehen, also Verbindungen herzustellen zwischen sich selbst und den
Ereignissen in seiner Umwelt. Und es ist in der Lage, daraus Erfahrungen
zu bilden, zu speichern und Schlussfolgerungen fuer das zukuenftige Verhalten
zu ziehen.
Was Pferde nicht koennen, ist selbstreflexiv zu denken. Auch wenn wir ihnen
Namen geben, so haben sie doch keine Individualitaet. Sie verfuegen nicht
ueber das, was wir ein ICH nennen. Sie koennen nicht wie Menschen ueber sich
selbst nachdenken in Beziehung zu ihrer Umwelt. Sie koennen nicht denken in
der Form denken wie: »Also, ich bin hier die Leitstute. Es entspricht
meinem sozialen Status, hier jede Nacht an die Stalltuer zu haemmern. Das
ist mein gutes Recht. Und ich werde nicht eher damit aufhoeren, bis Erwin
kommt und mir zaehneknirschend mein Futter bringt. Andererseits ueberlege
ich, ob das so in Ordnung ist, wenn ich hier jede Nacht den ganzen Hof
aufwecke.«
Insofern haben Pferde sicherlich eine Individualitaet, kein Pferd ist wie
das andere. Sie haben sich schliesslich in der Beziehung zu ihrer
jeweiligen Umwelt entwickelt und sind nicht geklont. Aber sie haben auch
auf die Gefahr hin, dass niemand der Pferdefreunde mehr mit mir spricht
keinen Charakter. Sie reagieren aufgrund von inneren
Bereitschaften wie Instinkten, Reflexen und der Erfahrungen, die sie in
ihrem Leben mit bestimmten Menschen, Pferden und Dingen gemacht haben.
Das bedeutet auch, dass sie kein Gewissen haben und auch keine Moral, auch
wenn wir selbst bestimmte Charaktereigenschaften auf unser Pferd
projizieren. Sie sind in ihrer ganzen, psychosozialen Entwicklung in etwa
vergleichbar mit unseren Kindern. Sie haben allerdings kein natuerliches
Gewissen, d.h., es kuemmert sie nicht, wenn sie jemanden abgeworfen oder
gebissen haben. Sie koennen insofern auch keine Schuldgefuehle entwickeln,
eine Leistung, die anscheinend neben den Menschen noch Hunde offenbar
vollziehen koennen. Es hat daher wenig Zweck, einem Pferd eine gekraenkte,
moralische Standpauke ueber sein Benehmen zu halten und an seine Erziehung
zu appellieren. (Du boeses Pferd du). Was das Pferd allerdings kann ist,
den mit der Ansprache verbundenen, aggressiven Affekt zu spueren, wenn es
etwa in scharfem Ton angesprochen wird. Denn von allen Sprachen dieser
Erde verstehen wir alle, Menschen oder Pferde, instinktiv die Sprache der
Gefuehle und wissen, was sie bedeuten.
Als Beispiel moechte ich hier den Araber meiner Tochter anfuehren, der sich
beharrlich weigerte, auf den Haenger zu gehen. Obwohl sie alles richtig
machte nach der Methode von Linda Tellington Jones. Erst als ich ihm in
lautem, scharfen Ton sagte: »Spring«, war er mit einem Satz im Haenger
verschwunden. Er hatte also offensichtlich den aggressiven Tonfall in der
Stimme gut verstanden, was mich zu einem zweiten, wesentlichen Punkt in
der Grundausstattung von Pferden bringt.
Das Pferd ist eine sensitive Lebensform.
Pferde sind aufgrund ihrer psychischen Grundeigenschaften faehig, sich in
die jeweilig herrschende, psychologische Zustandsform ihrer psychosozialen
Umgebung verstehend einzufuehlen. Sie sind in der Lage, Stimmungen, Gefuehle
und Affekte wahrzunehmen, adaequat zu interpretieren und sich darauf
einzustellen. Dies unterscheidet sie nicht vom Menschen, denn auch die
meisten Menschen sind dazu in der Lage. Nur sind Menschen erfahrungsgemaess
in wesentlich staerkerem Masse von diesen seelischen Vorgaengen entfremdet
als die Pferde, die die Natur sind. Unser Wallach hat wohl sehr genau
verstanden, welchen Aerger er ausgeloest hat und ist lieber auf den Haenger
gesprungen als eine weitere Eskalation der Gefuehle mit unangenehmen
Konsequenzen zu riskieren.
Pferde koennen Stimmungen, Gefuehle und Affekte deshalb verstehen, weil sie
dazu in der Lage sind, sie zu empfinden. Das ermoeglicht umgekehrt
natuerlich auch den Menschen bei hinreichender Sensitivitaet, die
Gefuehlslage seines Pferdes zu erfassen und zu verstehen. Beide sind also
in der Lage, mitein ander eine gefuehlsmaessige Verbindung oder Beziehung
einzugehen, die sehr kurzfristig sein kann, aber auch sehr ueberdauernd.
Beide Seiten sind also in der Lage, Angst, Furcht, Trauer, Zorn, Schmerz,
Wut, Hass, Liebe usw. zu empfinden und zu verstehen.
Diese Eigenart ist ein Produkt aus der Erfahrungsgeschichte der gesamten
Gattung, in der das einzelne Individuum nicht lebensfaehig ist, sondern nur
in der Herde ueberleben kann, also in der Gemeinschaft mit Artgenossen.
Einzelgaenger sind unter Pferden relativ selten, sie verfuegen in der Regel
ueber einen sehr starken Selbstbehauptungsdrang.
Pferde spueren also sehr genau, mit wem sie es zu tun haben. Sie koennen
praktisch jedes Kind bis etwa 11 Jahren auf ein Pferd setzen oder mit
einem Pferd spielen lassen. Pferde spueren sehr genau auf grund des in der
Natur unviversellen Kindchen Schemas, dass hier ein schuetzenswertes
Lebewesen in der Art eines Fohlens da ist, das nicht verletzt werden darf.
Sie benehmen sich natuerlicherweise entsprechend vorsichtig.
Sie spueren natuerlich auch die Stimmungslage der Reiterin bzw. des Reiters.
Sie spueren seine Aengste, sie spueren die Aggressionen. Ausgesprochen
friedfertige Tiere mit einer geringen Grundaggressivitaet fuegen sich
wesentlich eher als aggressivere Naturen, die zur Fuehrung draengen.
Auf einer unbewussten Ebene gibt es und das ist der Kernpunkt meiner These
zu einem wechselseitigen Austausch von Gefuehlen und Verhaltensweisen
zwischen artgleichen Lebewesen, aber auch zwischen artfremden
Lebensformen. Dies ist ein Phaenomen der Natur, dass bei hinreichendem
Kontaktes moeglich ist, eine direkte Kommunikation sozusagen von Psyche zu
Psyche selbst ohne aeussere Hilfsmittel wie Sprache, Zuegel, Gerte oder
Sporen aufzunehmen. Es ist moeglich, weil grundsaetzlich alles Saeugetiere in
der Lage sind, miteinander eine nichtsprachliche Verbindung einzugehen,
welcher Art sie auch immer sein mag. Diesen Vorgang nennen wir Uebertragung
bzw. Gegenuebertragung.
In meiner reiterlichen Praxis habe ich einmal den Fehler begangen, im
Rahmen eines Springlehr ganges ein Pferd zu reiten, das mir zur Verfuegung
gestellt wurde. Das Pferd brachte mir von Anfang an eine stark ablehnende
Grundstimmung entgegen, am zweiten Tag hasste es mich. Der Lehrgang nahm
natuerlich einen entsprechend katastrophalen Verlauf, abgesehen wenn den zu
erwartenden kleineren Katastrophen aufgrund meiner damaligen Inkompetenz
im Springen. Die uebrigens auf Gegenseitigkeit beruhte. Fuer die Auswahl
entsprechender Pferde ist es meiner Ansicht nach unabdingbar fuer die kuenf
tige Reiterin, sich zu fragen, welches Grundgefuehl bringt mir dieses Pferd
entgegen. Ich hatte damals das Glueck, auf einen erfahrenen Wallach
umsteigen zu koennen, mit dem ich nach den ueblichen, maennlichen
Rivalitaetskaempfen um die Frage, wer hier das Sagen hat, einen guten
Konsens fand. Er hatte im wesentlichen das Sagen im Parcour, ich vorher
und nachher. Was sehr geholfen hatte, war die Basis des gegenseitigen
Vertrauens, die sich von Anfang an hergestellt hatte.
Die Verbindung von Anfang an basiert auf gegenseitiger Akzeptanz. Partner,
die miteinander unvereinbar sind, haben kaum Freude und Erfolg
miteinander, moegen sie auch noch so kompetent sein.
Da Pferde also in der Lage sind, diese Verbindung mit Menschen
herzustellen, und umgekehrt auch viele Menschen in der Lage sind, eine
solche Verbindung einzugehen, und als drittes beide in der Lage sind,
einander zu verstehen, ist es grundsaetzlich auch moeglich mit einigen
Einschraenkungen ein Pferd auf telepathischem Wege zu reiten. Das heisst,
eine direkte, psychische Verbindung mit einem Pferd einzugehen und ihm auf
diesem Wege zu verstehen geben, was wir von ihm wollen. Also zu denken:
»Gallopiere an«, und das Pferd gallopiert an. Diesen Gedanken habe ich von
Herrn Kluewer, einem meiner Ausbilder in der psychoanalytischen Ausbildung,
der wohl auch hier auf der Equitana das Kuratorium fuer therapeutisches
Reiten vertritt.
Dieser Kommunikationsprozess tritt mit Naturnotwendigkeit beim Reiten auf,
einfach, weil die Natur es so eingerichtet hat. Reiten ist in dieser
Hinsicht nicht so sehr gebunden an Hilfsmittel wie Trense, Zuegel, Sporen
und erfolgter Drill, sondern ist ein Akt der Willensuebertragung auf
psychischem Wege, wobei der entsprechende Impuls vom Reiter bzw. der
Reiterin ausgeht und der Erfolg im wesentlichen von der individuellen
Willensstaerke abhaengt. Man kann sie auch als Faehigkeit zur
Selbstbehauptung und Durchsetzungsvermoegen, zur Autoritaetsausuebung
verstehen. Diesem Wille entspricht die natuerliche Fuegsamkeit von Pferden,
denen zwar nicht die Aggressivitaet fehlt, dafuer aber jene Form der
Wildheit, die Raubtieren zu eigen ist.
Das Pferd ist eine psychosoziale Lebensform.
Damit ist eigentlich gesagt, dass Pferde ueber einen enormen Reichtum an
emotionalen Faehigkeiten und Erfahrungen verfuegen, dass sie zu ihrer
Erhaltung und psychischen Gesundheit den emotionalen Austausch durch die
Verbindung mit anderen Lebewesen benoetigen, und dass sie sich durch
emotionales Erleben in der Gemeinschaft orientieren. In der Praxis gibt es
unendliche viele Spielarten, Differen zierungen und Abstufungen auf dem
Kontinuum des Erlebens. Aus Gruenden der Darstellbarkeit in 30min., die uns
hier zur Verfuegung stehen, einige Beispiele.
Eines Tages wurde ich zu einer vierzehnjaehrigen Westfalenstute gerufen.
Die Besitzerin, eine junge Frau von 21 Jahren, hatte sie gerade gekauft,
um mit ihr ins Gelaende zu reiten. Es war ihr aufgefallen, dass die Stute
voellig unruhig in ihrer Box hin und her rannte, dabei ihr Fohlen haeufig
ueberrannte. Zu anderen Zeiten stand sie da und bewegte den Kopf von einer
Seite auf die andere. Sonst kaeme sie gut mit ihr zurecht, sie koenne im
Schritt mit ihr ins Gelaende gehen, koenne aber nicht traben oder
gallopieren
da die Stute sofort losrasen wuerde.
Es gibt in diesem Fall natuerlich verschiedene Einflussgroessen. Vorrangig
faellt uns allen natuerlich auf, dass die Stute webt. Verstaerkt wurde das
Weben offensichtlich durch ihre Einzelhaltung in einem Stall, in dem es
sonst keine Pferde gab.
Das Weben ist ein aeusserlich sichtbares Zeichen fuer einen innerpsychischen
Mangelzustand. In extremeren Faellen sterben diese Tiere. Der Grund liegt
haeufig in den Haltungsbedingungen der Einzelhaltung ohne Weide, wodurch
der lebensnotwendige Austausch emotionaler Lebensenergie verhindert wird.
Daneben gibt es wie im menschlichen Bereich einfach Tiere, die nach der
Geburt emotional nicht von der Mutterstute angenommen werden. Bei aller
aeusseren Versorgung sind sie doch nicht in der Lage, ein psychisches
Eigenleben zu entwickeln. In diesem Falle ging ich davon aus, dass die
Mutter stute als Fohlen diese Erfahrung gemacht hatte, und nun ihrerseits
nicht in der Lage war, ihrem Fohlen die notwendige Zuwendung zu geben, die
auf die individuelle Beduerfnislage des Fohlens abgestimmt ist wie die
Stutenmilch, deren Zusammensetzung auch genau auf dieses Fohlen abgestimmt
ist.
Dieser emotionale Mangelzustand ist eine Art »psychischen Verhungerns«. Ab
einem bestimmten Zustand ist wie bei anderen Mangelzustaenden der Prozess
nicht mehr umkehrbar. Solche Tiere mit der Unfaehigkeit oder Unmoeglichkeit
zur emotionalen Bindung liegen eines Morgens tot in der Box. Haeufig ist es
Herzversagen, da mit dem fehlenden Austausch ein unspezifischer,
uebermaessiger Stresszustand
verbunden ist, der nicht mehr zu stoppen ist.
Ich habe der jungen Frau empfohlen, dieses Pferd zu verkaufen an einen
Zuechter mit einer Stuten herde in der Hoffnung, dass dieses Tier seinen
Mangelzustand ausgleichen koenne. Sie hatte auch schon ein entsprechendes
Angebot und gab die Stute ab.
Dieses Beispiel soll dazu dienen, die Lebensnotwendigkeit des psychischen
Austausches von Pferden mit Pferden und ersatzweise mit Menschen zu
unterstreichen. Fuer viele Menschen ist umgekehrt die emotionale Zuwendung,
die Pferde bieten, sehr wichtig geworden, weil sie den direkten Austausch
im menschlichen Bereich vermissen.
Das Pferd ist eine hierarchische Lebensform.
Zum Abschluss noch ein Beispiel zum Themenbereich der Hierarchie im
Pferdebereich, wobei ich die dazugehoerigen Menschen zaehle. Die heutigen
Pferde sind Schoepfungen von Menschen fuer Menschen, jede Pferdeart ist im
Grunde eine kollektive Idealvorstellung des jeweiligen Zuchtverbandes
verkoerpert. Jede Gemeinschaft hat somit ihr eigenes Ideal, wie ein
Hannoveraner auszusehen hat.
Eine junge Frau wandte sich an mich zur Beratung von der Art, sie habe das
unbestimmte Gefuehl etwas wuerde mit ihr oder dem Pferd nicht stimmen. Sie
ritt eine Hannoveraner Stute. Beide passten auf den ersten Blick
hervorragend zusammen. Eine aparte, gut aussehende Frau mit wunderbaren
Bewegungen auf einer aparten, gut aussehenden Stute mit wunderbaren
Gaengen. Beide schienen sich hervorragend zu verstehen, was mich zu dem
Gedanken verleitete, diese Frau habe in der Stute ihr weibliches,
feminines Selbst gefunden und einen guten Kontakt hergestellt.
Alles lief also wunderbar, und ich fragte mich nach dem Problem bzw. dem
Grund, warum beide sich so ungluecklich fuehlten. Die weitere Exploration
ergab, dass beide in einem Springstall zu Hause waren, und von dem
Stallbesitzer, der auch als Reitlehrer ausbildete, im Springen trainiert
wurden. Dieser vertrat die Ansicht, die Stute muesse ein Springpferd sein,
alle Vorfahren haetten »Haeuser gesprungen«. Damit lag der Fall klar. Aus
dieser Reihe an hervorragenden Springpferden war aufgrund einer Laune der
Natur ein erstklassiges Dressurpferd hervorgegangen. Beide waren nur im
falschen Stall. Sie konnten dort nicht ihre Bestimmung erfuellen, naemlich
Dressur zu reiten.
In der Beratung konnte diese Frau davon ueberzeugt werden, sich nicht der
Tradition des Stalles und der Hierarchie dieses Stalles zu fuegen, sondern
den Stall zu wechseln. Was sie nach einiger Zeit und Beratung hinsichtlich
der Autoritaetsproblematik auch tat. Bei beiden hob sich die Grundstimmung
erheblich, beide konnten sozusagen wie befreit aufatmen, ohne den Zwang
und die Verpflichtung, nun Springen zu muessen, was bei beiden so
offensichtlich gegen die individuelle Natur ging.
Dieses Beispiel habe ich angefuehrt um zu zeigen, dass Pferde wie Menschen
aufgrund ihrer psychosozialen Natur zu Gefuegigkeit und Unterwerfung unter
einen fremden Willen neigen. Dass es in jeder Pferdeherde eine Hierarchie
gibt mit sogenannten Alpha Tieren und der nachfolgenden Abstufung
entsprechend ihrer Bedeutung fuer den Bestand und das Ueberleben der
Gemeinschaft, ist uns allen bekannt. Was ich hier versucht habe zu zeigen
ist, wie die menschliche Form der Autoritaetsausuebung ueber Hierarchie und
Tradition einen enormen Einfluss auf die emotionale Grundstimmung von Pferd
und Reiterin haben kann, wenn beide ihren natuerlichen Platz nicht gefunden
haben.
Damit bin ich mit meinen Gedanken fuer heute am Ende angelangt. Ich danke
ihnen fuer Ihre Geduld und Aufmerksamkeit.
Schoene Gruesse
Michael
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> Hallo.
>
> Auf der Equitana habe ich den folgenden Vortrag gehoert und fand ihn sehr
> interessant. Der Autor war so freundlich, mir den Text zur
> Veroeffentlichung zu ueberlassen:
>
>
> Praxis fuer Pferdeanalyse
> Rolf Gockeln
> Dipl.Psych.
...
schöner Text.
Hast du zur telepathischen Verbindung noch was ?
Da forsche ich noch ...
Gruss
Uwe
> Tach,
>
> > Hallo.
> >
> > Auf der Equitana habe ich den folgenden Vortrag gehoert und fand ihn sehr
> > interessant. Der Autor war so freundlich, mir den Text zur
> > Veroeffentlichung zu ueberlassen:
> >
> >
> > Praxis fuer Pferdeanalyse
> > Rolf Gockeln
> > Dipl.Psych.
>
> ...
>
> schoener Text.
>
> Hast du zur telepathischen Verbindung noch was ?
>
> Da forsche ich noch ...
Nur ein paar eigene Erfahrungen und ein Buch aus der "das habe ich doch
sowieso schon immer gesagt"-Reihe: Penelope Smith: Gespraeche mit Tieren,
erschienen bei Zweitausendeins.
MOIN!!
>> Hallo.
>>
>> Auf der Equitana habe ich den folgenden Vortrag gehoert und fand ihn sehr
>> interessant. Der Autor war so freundlich, mir den Text zur
>> Veroeffentlichung zu ueberlassen:
>>
>>
>> Praxis fuer Pferdeanalyse
>> Rolf Gockeln
>> Dipl.Psych.
Ääääähm, irgendwie habe ich den Text nicht bekommen. (P.Mail?) Würde mich
aber auch interessieren und wäre nun sehr dankbar, wenn ihn mir jemand
Mailen könnte!
DANKE!!!
Ines
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Sprach der Rabe nimmermehr..
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