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Frage an Kenner der spanischen Reiterei

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Ralf Schneider

unread,
Jan 19, 2001, 7:38:11 AM1/19/01
to
Meines Erachtens unterscheiden sich, wenn überhaupt, die klassisch
englische und die spanische Reitweise kaum. Es wäre nett, wenn mir ein
Kenner der spanisch-iberischen Reitweise Auskunft geben könnte, ob ich
mit meiner Vorstellung richtig liege.

Gruß Ralf


Birgit Schlag

unread,
Jan 19, 2001, 9:54:41 AM1/19/01
to

"Ralf Schneider" <Schnei...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:949cja$997$06$1...@news.t-online.com...

Also, die Reitweise hat auf jeden Fall die gleichen Grundlagen (wie
eigentlich jeder Reitweise). Das was anders ist, ist relativ unwesentlich.
EInige Hilfengebungen sind anders. Z.B. wird in der spanischen Reitweise
nicht "geklopft", sondern mit konstantem/wechselnden Schenkel-Druck
gearbeitet. Es wird auch teils auf Stimme gearbeitet. Die Hand-/Bodenarbeit
steht mehr im Vordergrund bei diversen neuen Übungen. Es wird viel mit
Gewichtsverlagerungen gearbeitet, um das Pferd darauf zu sensibilisieren.
Der Sitz des Reiters wirkt mehr oder minder ein wenig passiv.

Mehr fällt mir grad nicht dazu ein. Wenn Du noch Fragen hast...

Gruss

Birgit


Frank Mechelhoff

unread,
Jan 19, 2001, 10:39:08 AM1/19/01
to
In article <949cja$997$06$1...@news.t-online.com>,

Das wird wohl kaum einer ernsthaft tun wollen, denn sogar mir (der ich
mich nie im Leben als "Kenner" der iberischen Reitweise bezeichnen
würde) sind erhebliche Unterschiede bekannt, z.B. in der Hilfengebung
(Verzicht auf aktives Kreuzanspannen und stattdessen Reiten mit
losgelassenem Becken). Generell ist der Eindruck geringeren
Krafteinsatzes und mehr "Leichtigkeit" (gewiss verbunden mit einem
Verzicht auf 100%-ige Präzision der Lektionsausführung). Auch beim
Vergleich "Guten mit Gutem Reiten" überwiegt beim spanischen wohl die
leichtere Hand - allerdings auch mit schärferen Gebissen.
Die Pferde sind anders, vor allem kürzer im Rücken und stärker in den
Lenden und erlauben deshalb diesen Reitstil. Die stark versammelten
Lektionen kommen mit einer ganz anderen Brillianz und Leichtigkeit
rüber.
Mir ist auch bekannt dass die Jungpferdeausbildung der Iberer ganz
anders ist (wobei ich auch da gehört habe dass viele auch auf Trense
zugeritten werden, aber hauptsächlich die neueren Typen die auf langen
Rücken und Schub gezüchtet werden). Üblich war traditionell jedenfalls
Anreiten mit Kappzaum (Serreta).
Ich will nicht sagen das eine oder andere ist besser - die Unterschiede
fallen jedenfalls ins Auge (auch wenn sich englische und kalifornische
Westernreitweise noch stärker unterscheiden mögen).

Sicher ähneln sich alle guten Reitsysteme weltweit bis zu einem gewissen
Punkt, weil sie ein gemeinsames, das überall ähnliche Pferd haben.
Dennoch bin ich der Meinung dass es erhellender ist nach Unterschieden
zu forschen statt festzustellen dass alles gleich oder ähnlich ist. Es
gibt schon ewig ein dickes Buch zu all den Unterschieden von englischem
und iberischen Reiten (Herkunft, Philosophie, Hilfengebung u.a.) von
Sadko G.Solinski: Reiter Reiten Reiterei.

Gruss Frank


Sent via Deja.com
http://www.deja.com/

Konstanze Thiele

unread,
Jan 19, 2001, 11:01:46 AM1/19/01
to
Z.B. wird in der spanischen Reitweise
>nicht "geklopft", sondern mit konstantem/wechselnden Schenkel-Druck
>gearbeitet.

Liebe Birgit,

auf das letzte dieser Statements von Dir habe ich Dir auch schon erklärt,
daß in der klassischen Reitweise ein "klopfender" Schenkel ebenfalls
grundlegend falsch ist. Es wird auch hier mit Schenkeldruck (im Schritt
wechselseitig, im Trab gleichseitig.....) gearbeitet.

Jetzt lese ich wenige Wochen später wieder die gleiche Aussage von Dir.
Warum glaubst Du mir nicht? Hast Du früher klassischen Reitunterricht gehabt
und wurde Dir dort beigebracht, mit klopfendem Schenkel zu reiten? Wenn ja,
wüßte ich gerne den Namen des Reitlehrers/ der Reitlehrerin.

Grüße,

Konstanze


Vollmeier René (vollmi)

unread,
Jan 19, 2001, 11:12:47 AM1/19/01
to
Hi Birgit

"Birgit Schlag" <Birgit...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:949kl1$mrq$00$1...@news.t-online.com...


> Z.B. wird in der spanischen Reitweise
> nicht "geklopft", sondern mit konstantem/wechselnden Schenkel-Druck
> gearbeitet. Es wird auch teils auf Stimme gearbeitet.

Shiet jetzt hab ich immer gedacht ich würde Englisch reiten dabei reite ich
Spanisch :-)

Im Ernst in der Klassisch Englischen Reitweise wird auch nicht geklopft
sondern auch nur mit Druck gearbeitet.

mfg René


Sarah B.

unread,
Jan 19, 2001, 11:18:56 AM1/19/01
to
Konstanze Thiele <thie...@pers.uni-passau.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3a68...@news.rz.uni-passau.de...

> auf das letzte dieser Statements von Dir habe ich Dir auch schon erklärt,
> daß in der klassischen Reitweise ein "klopfender" Schenkel ebenfalls
> grundlegend falsch ist. Es wird auch hier mit Schenkeldruck (im Schritt
> wechselseitig, im Trab gleichseitig.....) gearbeitet.

ihr habt ja irgendwie beide recht. in der klassischen reitweise versteht man
unter einem klopfenden schenkel wohl einen, der sich vom pferdekörper
zwischendurch löst, unruhig ist.
aber jemand, der spanisch reitet versteht darunter meiner kenntnis nach,
dass der der schenkel überhaupt zum "klassischen treiben" benutzt wird.
die leute, die bei uns am stall das spanische reiten lernten, wunderten sich
wohl zuerst darüber, dass sie eben ganz bewusst die beine am pferdekörper
liegen lassen, aber eben nicht den druck im takt verstärken oder lockern...

> Jetzt lese ich wenige Wochen später wieder die gleiche Aussage von Dir.
> Warum glaubst Du mir nicht?

ist das eine glaubensfrage? ;)

einen lieben gruß
sarah


Ralf Schneider

unread,
Jan 19, 2001, 2:10:01 PM1/19/01
to
Hallo Birgit,

mal ganz nebenbei: es wird unter aktiver und passiver Hilfegebung
unterschieden. Solange ein Pferd geht, wie vom Reiter gewünscht,
werden k e i n e aktiven Hilfen gegeben. In Bezug auf die
Schenkelhilfen heißt das, daß der Unterschenkel o h n e Druck am
Pferdeleib anliegt. Nur zur Einleitung einer Lektion, bzw. zur
Korrektur gibt der Reiter mehr oder weniger Druck mit dem
Unterschenkel auf die entsprechende Stelle am Pferdeleib. Je besser
ein Pferd ausgebildet ist, um so weniger aktive Hilfegebung ist
notwendig. Das Ziel ist also, das Pferd vornehmlich mit Gewichtshilfen
reiten zu können. Und eben das ist doch auch bei Meistern der
iberischen Reitkunst (z.B. bei Toreadoren) zu beobachten. Also
wiederum kein Unterschied zum klassisch-englischen Reitstil.

Gruß Ralf


Birgit Schlag

unread,
Jan 20, 2001, 4:53:27 AM1/20/01
to

"Konstanze Thiele" <thie...@pers.uni-passau.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3a68...@news.rz.uni-passau.de...

Ich glaube Dir ja, aber egal wen ich sehe beim "englischen" reiten, es sieht
halt anders aus, als das eher passive Bein beim spanischen... Wie soll ich
es denn ausdrücken? Schau mal das posting von Sarah B. an. Das ist so in
etwa was ich meine...

Bitte nicht bös sein. Ich weiss nicht wie ichs sonst erklären soll. Es gibt
diesen Unterschied halt.

Gruss Birgit


Beate M. Au

unread,
Jan 19, 2001, 2:50:35 PM1/19/01
to
Hi,
nicht gerade Kenner, aber seit Jahren begeistert davon...

Am schnellsten wird der Unterschied vielleicht klar, wenn man Darbietungen
der spanischen Hofreitschulen in Wien (vom Ausdruck her sehr teutonisch
geprägt) mit denen von Jerez de la Frontera vergleicht, von letzterer wurde
um Weihnachten im BR eine Galavorstellung übertragen (leider tat mein
Videorecorder nicht, was er sollte... :-(( ).

Die 'spanisch gerittenen' werden mit etwas mehr Betonung auf Präsentation im
Sinne von 'in Schale werfen' oder 'alle Sinne ansprechend' vorgestellt,
also eher ein gesamtästhetisches Erlebnis mit dazupassender Musik (nicht so
sehr klassisch-getragen, sondern durchaus auch peppig). Es wird zwar Wert
auf die Korrektheit der Ausführung gelegt, aber der transportierte
Gesamteindruck ist leichter und lockerer. Wie Guerinière seinerzeit
(sinngemäß) sagte:"Wer nur die Korrektheit trainiert, verdirbt einem
wackeren Pferd den Mut."

Das sieht man! Solltest du mal in Spanien zur Fiesta-Zeit einer
Reit-Vorstellung zuschauen können, kannst du vielleicht noch mehr 'reine
Eindrücke' sammeln. Das vorgestellte Pferd soll vor Lebensfreude und Eleganz
sprühen und die Zuschauer anstecken damit, was bei guten Vorstellungen auch
wirklich gelingt - und wie! Und damit sind nicht diese peinlichen Ergebnisse
der export-orientierten Schnell-Malträtiererei gemeint, die man leider auch
finden kann...

Ein Hauptunterschied in der klassisch-spanischen Ausbildungsweise liegt m.E.
darin, daß das Kriterium für die Länge der Ausbildungseinheit von der
Konzentrationsfähigkeit des Pferdes bestimmt wird. Es ist also eher die
Regel, daß das Pferd trocken in den Stall zurückgeführt wird, weil es zum
Lernen nur kurze Zeit-Einheiten braucht. Über das Gelernte nachdenken kann
es besser, wenn es nicht wirklich müde gemacht wurde.

CU
Beate

"Ralf Schneider" <Schnei...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:949cja$997$06$1...@news.t-online.com...

Beate M. Au

unread,
Jan 21, 2001, 4:16:10 PM1/21/01
to

"Ralf Schneider" <Schnei...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:94a3hu$hmp$05$1...@news.t-online.com...

> Hallo Birgit,
>
> mal ganz nebenbei: es wird unter aktiver und passiver Hilfegebung
> unterschieden. Solange ein Pferd geht, wie vom Reiter gewünscht,
> werden k e i n e aktiven Hilfen gegeben.

Man bekommt sehr wenige Reiter englischen Stils zu sehen, die so weit
gekommen sind, vielleicht assoziieren deshalb soviel Leute "permanent
sichtbare Einwirkung = engl. Reiten"?
Oder, anders ausgedrückt: "permanent alle Hände voll zu tun" ?

In Bezug auf die
> Schenkelhilfen heißt das, daß der Unterschenkel o h n e Druck am
> Pferdeleib anliegt. Nur zur Einleitung einer Lektion, bzw. zur
> Korrektur gibt der Reiter mehr oder weniger Druck mit dem
> Unterschenkel auf die entsprechende Stelle am Pferdeleib.


Je besser
> ein Pferd ausgebildet ist, um so weniger aktive Hilfegebung ist
> notwendig. Das Ziel ist also, das Pferd vornehmlich mit Gewichtshilfen
> reiten zu können.

Zumindest in dem Zweig der spanischen Reitweise, der der reinen
Gebrauchsreiterei zuzuordnen ist und gemeinhin 'doma vacquera' genannt wird,
ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt. Das ist
eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.

Und eben das ist doch auch bei Meistern der
> iberischen Reitkunst (z.B. bei Toreadoren) zu beobachten. Also
> wiederum kein Unterschied zum klassisch-englischen Reitstil.

Die Ausbildung zum Stierkampfpferd (nicht doma vacquera) läuft sehr
unterschiedlich zu der eines
normalen Reitpferdes. Ein Pferd, das sich für diesen Einsatz als geeignet
erwiesen hat (nervlich, charakterlich und gebäudemäßig sowieso), wird z.B.
wenig im Trab geschult - wozu auch?

Recht interessant zu dem Thema insgesamt ist das Buch von Marc de Broissia
'Iberische Reitweisen', und speziell zur Gebrauchsreiterei der doma vacquera
noch das Buch von Brigitte Millán-Ruiz 'Doma vacquera'.

CU
Beate


Knut Krüger

unread,
Jan 22, 2001, 6:41:29 AM1/22/01
to

"Beate M. Au" schrieb:

>
> Zumindest in dem Zweig der spanischen Reitweise, der der reinen
> Gebrauchsreiterei zuzuordnen ist und gemeinhin 'doma vacquera' genannt wird,
> ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
> schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt. Das ist
> eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.
>

Tja, dann Unterrichte ich wohl in spanischer Reitweise ;-))

Möglicherweise liegt das daran, das es eine englische Reitweise nicht gibt, und
die Dressurlektionen bis hin zur Hohen Schule im früheren Kriegshandwerk
benötigt wurden, und da mußte die rechte Hand für den Säbel frei sein.

Grüße
Knut Krüger

Reitpark Einthal

Mail: Reit...@t-online.de
Besuchen Sie doch mal unsere Homepage ...
Homepage: http://www.einthal.de


Beate M. Au

unread,
Jan 22, 2001, 3:46:50 PM1/22/01
to

"Knut Krüger" <Reit...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3A6C1C69...@t-online.de...
>
>
> "Beate M. Au" schrieb:

>
> >
ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
> > schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt. Das
ist
> > eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.
> >
>
> Tja, dann Unterrichte ich wohl in spanischer Reitweise ;-))
>
> Möglicherweise liegt das daran, das es eine englische Reitweise nicht
gibt,

Was darunter so landläufig verstanden wird, ist die turnierorientierte
Reitweise, die für die heimischen Warmblutrassen angemessen und zielführend
ist.

und
> die Dressurlektionen bis hin zur Hohen Schule im früheren Kriegshandwerk
> benötigt wurden, und da mußte die rechte Hand für den Säbel frei sein.

Moment mal, da wirfst du aber ein bißchen die Pferdetypen und die Zeiten
durcheinander... ;-))

Aber du unterrichtest das wirklich bei dir in der Reitschule als eines der
anzustrebenden Ziele???

Etwas ungläubige Grüße
Beate

Birgit Schlag

unread,
Jan 23, 2001, 12:17:28 AM1/23/01
to

"Beate M. Au" <beat...@surfeu.de> schrieb im Newsbeitrag
news:94iak1$dd52n$4...@ID-60779.news.dfncis.de...

>
> "Knut Krüger" <Reit...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:3A6C1C69...@t-online.de...
> >
> >
> > "Beate M. Au" schrieb:
> >
> > >
> ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
> > > schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt.
Das
> ist
> > > eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.
> > >
> >
> > Tja, dann Unterrichte ich wohl in spanischer Reitweise ;-))
> >
> > Möglicherweise liegt das daran, das es eine englische Reitweise nicht
> gibt,
>
> Was darunter so landläufig verstanden wird, ist die turnierorientierte
> Reitweise, die für die heimischen Warmblutrassen angemessen und
zielführend
> ist.
>
> und
> > die Dressurlektionen bis hin zur Hohen Schule im früheren Kriegshandwerk
> > benötigt wurden, und da mußte die rechte Hand für den Säbel frei sein.
>
> Moment mal, da wirfst du aber ein bißchen die Pferdetypen und die Zeiten
> durcheinander... ;-))

Wenn es um das spanische geht, dann liegt er gar nicht so falsch, denn die
meisten Lektionen sind wirklich welche, die vornehmlich im Krieg entstanden
sind :) Die Passage war gedacht als imposanter Einmarsch beim Sieg. Die
meisten Lektionen, die über dem Boden sind, waren gedacht um die Angreifer
abzuwehren. Das einhändige oder freihändige Reiten ist tatsächlich
entstanden um eine Waffe zu führen.

Gruss
Birgit


Katje Binder

unread,
Jan 22, 2001, 3:11:56 PM1/22/01
to
Am Sun, 21 Jan 2001 22:16:10 +0100, schrieb "Beate M. Au"
<beat...@surfeu.de> in der Nachricht
<94fnmh$ddvqh$1...@ID-60779.news.dfncis.de> :

Huhu,


>Zumindest in dem Zweig der spanischen Reitweise, der der reinen
>Gebrauchsreiterei zuzuordnen ist und gemeinhin 'doma vacquera' genannt wird,
>ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
>schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt. Das ist
>eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.

Wie lange braucht das denn, bis ein Pferd soweit ist? Bei wieviel
Training in der Woche? Ich wage mal zu behaupten, dass Otto
Normalreiter gar nicht die Zeit hat, sein Pferd bis dahin zu bringen.
Oder doch?

Katje, aus Zeitmangel eine RB suchend ;)

Birgit Schlag

unread,
Jan 24, 2001, 12:07:04 AM1/24/01
to

"Katje Binder" <bin...@uni-muenster.de> schrieb im Newsbeitrag
news:94kj7b$11ve$1...@redenix.uni-muenster.de...

Hi Katje,

wieso sollte das denn nicht gehen?
Wenn das Pferd entsprechend dafür geeignet ist, dann wird es schon gehen.
Was meinst Du mit wieviel Training pro Woche? Im Grunde muss das Pferd doch
sowieso täglich bewegt werden und da kann man immer diverse Übungen
einschieben. Das "spanische" Training besteht ja auch nicht nur aus reiten,
sondern auch aus Arbeit an der Hand, heisst man kann auch vor und nach dem
Longieren üben. Die meisten spanischen Bereiter predigen sowieso (wie Beate
schon sagte), dass lieber wenig aber korrekt geübt werden sollte. Heisst
z.B. spanischen Schritt übt man erst mal nur jeweils 2 Tritte auf jeder Hand
etc.

Gruss Birgit

Beate M. Au

unread,
Jan 24, 2001, 5:04:15 PM1/24/01
to

"Katje Binder" <bin...@uni-muenster.de> schrieb im Newsbeitrag
news:94kj7b$11ve$1...@redenix.uni-muenster.de...
> Am Sun, 21 Jan 2001 22:16:10 +0100, schrieb "Beate M. Au"
> <beat...@surfeu.de> in der Nachricht
> <94fnmh$ddvqh$1...@ID-60779.news.dfncis.de> :
>
> Huhu,
> >ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
> >schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt. Das
ist
> >eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.
>
> Wie lange braucht das denn, bis ein Pferd soweit ist? Bei wieviel
> Training in der Woche? Ich wage mal zu behaupten, dass Otto
> Normalreiter gar nicht die Zeit hat, sein Pferd bis dahin zu bringen.
> Oder doch?

Das wird sich sehr stark nach den Gegebenheiten des Pferdes richten, um das
es geht, und das Fingerspitzengefühl des Ausbilders. Aber warum sollte das
einen besonders intensiven Zeitaufwand erfordern?
Es erfordert mit Sicherheit die klare Entscheidung des Reiters, was er will.
Heute ein bißchen Dressur, die nächsten drei Tage am hingeschmissenen Zügel
ins Gelände und dann noch womöglich ein paar Wettrennen, weil die
Stoppelfelder gerade so toll sind und es den Pferden sooo viel Spaß macht
und anschließend eine Woche täglich 2 Std Dressur, das wird nichts.....

Jeden Tag, an dem geritten wird, 20 -30 Min Dressur und dann noch gemütlich
je nach Zeit ins Gelände bringt da wesentlich mehr. Dieser Zeitaufwand ist
doch nicht hoch?

Für einhändige Zügelführung ist ein mitarbeitendes Pferd nötig, und um das
Pferd dahin zu bekommen, muß man ein bißchen über Pferdepädagogik wissen.
Jedes Pferd lernt mit kurzen und klar strukturierten Lerneinheiten schneller
als mit langgestreckten, in denen womöglich noch mehrere verschiedene und
neue Sachen der Reihe nach trainiert werden. Sowas ermüdet geistig und
nimmt die Neugier, etwas lernen zu wollen.

Nachdem eine Grundausbildung in jeder Reitweise eine Grundausbildung bleibt,
d.h. auch die notwendige Muskulatur aufgebaut und die
Konzentrationsfähigkeit des Pferdes entwickelt werden muß etc., muß man wohl
ab 3 Jahre aufwärts rechnen.

Liebe Grüße
Beate


Beate M. Au

unread,
Jan 24, 2001, 5:30:47 PM1/24/01
to

"Birgit Schlag" <Birgit...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:94j4c3$1dh$06$1...@news.t-online.com...

>
> "Beate M. Au" <beat...@surfeu.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:94iak1$dd52n$4...@ID-60779.news.dfncis.de...
> >
> > "Knut Krüger" <Reit...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
> > news:3A6C1C69...@t-online.de...
> > >
> > >
> > > "Beate M. Au" schrieb:
> > >
> > > >
> > ist das Ziel ein einhändig zu reitendes Pferd auf blanker Kandare -
> > > > schließlich wird die andere freie Hand für andere Aufgaben benötigt.
> Das
> > ist
> > > > eigentlich in der englischen Reitweise nicht vorgesehen.

> > und


> > > die Dressurlektionen bis hin zur Hohen Schule im früheren
Kriegshandwerk
> > > benötigt wurden, und da mußte die rechte Hand für den Säbel frei sein.
> >
> > Moment mal, da wirfst du aber ein bißchen die Pferdetypen und die Zeiten
> > durcheinander... ;-))
>
> Wenn es um das spanische geht, dann liegt er gar nicht so falsch, denn die
> meisten Lektionen sind wirklich welche, die vornehmlich im Krieg
entstanden
> sind :)

Die spanische Reitweise mitsamt den dazugehörigen Pferden erlebten ihre
Hochblüte vor der frz. Revolution - von den alten Rittersleuten an, und die
Kampfkultur war tatsächlich Mann gegen Mann.

Die Passage war gedacht als imposanter Einmarsch beim Sieg. Die
> meisten Lektionen, die über dem Boden sind, waren gedacht um die Angreifer
> abzuwehren.

Auch diese Lektionen entstammen aus der Zeit, bevor die Faustfeuerwaffen
erfunden waren.

Mit der französischen Revolution wurden mitsamt den Adeligen auch deren
Pferde hingerichtet.Der Haß ging so weit, daß in Frankreich lange Zeit die
Zucht von PREs und Lusitanos verboten war (ich weiß nicht, ob sie inzwischen
wieder erlaubt ist).

Es wurden also neue Pferde gebraucht, die mit dem verhaßten Bild nicht
übereinstimmten. Dies war der Beginn der Zeit des englischen Vollbluts und
der rechteckigen Pferdetypen. Dieser Pferdetypus erfordert bedingt durch das
lange Gebäude eine andere Art des Gymnastizierens als die kurzen
Barockpferde brauchen.
Gleichzeitig wurde die militärische Reiterei grundlegend umstrukturiert, die
Pferde wurden hauptsächlich gebraucht, um ihre Reiter in Schußweite zu
tragen, aber nicht mehr, um Reiter gegen Reiter im Nahkampf anzutreten.
Nachdem auch die Pferde erschossen werden konnten, lohnte sich die
jahrelange Ausbildung in hoher Schule nicht mehr, vielmehr mußten die Pferde
so schnell wie möglich und auch für weniger erstklassige Reiter halbwegs
reitbar gemacht werden.
(Wer's ganz genau wissen will, Historisches und Reiterliches mit den
dazugehörigen VIPs, lese Solinski 'Reiter, Reiten, Reiterei'..)

Das ist der Hintergrund der Entstehung der 'englischen' Reitweise -
zugeschnitten auf Pferde mit langem Rücken und mit Betonung auf schnellerer
Erlernbarkeit für alle Beteiligten. Damit war die einhändige Zügelführung
keine Selbstverständlichkeit, sondern wurde nur wenn's nötig war kurzfristig
benutzt.

Das einhändige oder freihändige Reiten ist tatsächlich
> entstanden um eine Waffe zu führen.

Sie ist das typische Kennzeichen einer Arbeitsreitweise. Auch für ein Lasso,
eine Garrocha, einen trident, eine Wanderkarte - oder für ein Sherrryglas
brauche ich eine freie Hand !

CU
Beate


Katje Binder

unread,
Jan 24, 2001, 7:28:11 AM1/24/01
to
Am Wed, 24 Jan 2001 06:07:04 +0100, schrieb "Birgit Schlag"
<Birgit...@t-online.de> in der Nachricht
<94lnvs$2er$02$1...@news.t-online.com> :

Huhu,


>wieso sollte das denn nicht gehen?
>Wenn das Pferd entsprechend dafür geeignet ist, dann wird es schon gehen.
>Was meinst Du mit wieviel Training pro Woche?

Nun, ich dachte an die durschnittliche Zeit, die Otto Normalreiter so
seinem Pferd widmet und die durchschnittlichen Reitkuenste (die gar
nicht soo schlecht sind, wie verschiedentlich behauptet wird) - auf
dieser Grundlage, sagen wir 4-5 Tage die Woche Arbeit in der Bahn,
erscheint es mir doch recht lang zu dauern, bis man sein Pferd
einhaendig auf blanker Kandare in den hoechsten klassischen Lektionen
reiten kann. Ich kenne niemanden, der es kann, und ich wuerde das eher
einem Bent Branderup oder einem v. Neindorff zutrauen als einer/ einem
von uns hier (Ausnahmen bestaetigen die Regel :-)) Das heisst nicht,
dass es nicht moeglich waere. Ich meine nur, dass das die Faehigkeiten
der meisten von uns hier weit uebersteigt... Lasse mich aber gerne vom
Gegenteil ueberzeugen.

>Im Grunde muss das Pferd doch
>sowieso täglich bewegt werden und da kann man immer diverse Übungen
>einschieben. Das "spanische" Training besteht ja auch nicht nur aus reiten,
>sondern auch aus Arbeit an der Hand, heisst man kann auch vor und nach dem
>Longieren üben. Die meisten spanischen Bereiter predigen sowieso (wie Beate
>schon sagte), dass lieber wenig aber korrekt geübt werden sollte. Heisst
>z.B. spanischen Schritt übt man erst mal nur jeweils 2 Tritte auf jeder Hand

Das ist ja schoen. Aber wie lange dauert es bei durchschnittlichen
reiterlichen Faehigkeiten und 4-5 Mal reiten pro Woche (incl.
Unterricht), bis das Pferd soweit ist? 5 Jahre? 10 Jahre?

So long,

Katje + Apollo, die heute in der schrecklich aufregenden Halle waren
°graus°

Knut Krüger

unread,
Jan 26, 2001, 5:53:23 PM1/26/01
to

Katje Binder schrieb:

> Am Wed, 24 Jan 2001 06:07:04 +0100, schrieb "Birgit Schlag"
> <Birgit...@t-online.de> in der Nachricht
> <94lnvs$2er$02$1...@news.t-online.com> :
>
> Huhu,
> >wieso sollte das denn nicht gehen?
> >Wenn das Pferd entsprechend dafür geeignet ist, dann wird es schon gehen.
> >Was meinst Du mit wieviel Training pro Woche?
> Nun, ich dachte an die durschnittliche Zeit, die Otto Normalreiter so
> seinem Pferd widmet und die durchschnittlichen Reitkuenste (die gar
> nicht soo schlecht sind, wie verschiedentlich behauptet wird) - auf
> dieser Grundlage, sagen wir 4-5 Tage die Woche Arbeit in der Bahn,
> erscheint es mir doch recht lang zu dauern, bis man sein Pferd
> einhaendig auf blanker Kandare in den hoechsten klassischen Lektionen
> reiten kann. Ich kenne niemanden, der es kann, und ich wuerde das eher
> einem Bent Branderup oder einem v. Neindorff zutrauen als einer/ einem
> von uns hier (Ausnahmen bestaetigen die Regel :-)) Das heisst nicht,
> dass es nicht moeglich waere. Ich meine nur, dass das die Faehigkeiten
> der meisten von uns hier weit uebersteigt... Lasse mich aber gerne vom
> Gegenteil ueberzeugen.

Eigentlich sind doch nur zwei Voraussetzungen nötig um ein Pferd einhändig reiten
zu können.
Früher, vor Einführung der Unterlegtrense nannte man dies Kandarenreife.

1. Sollte das Pferd den vorherrschenden inneren Zügel beim Reiten auf gebogen
Linien nicht mehr benötigen.
2. Sollte das Pferd durch Treiben an das Gebiss herantreten und sich leicht
abstoßen, also korrekt die Paraden annehmen.

Beides sind Dinge die ein Pferd in der Grundausbildung lernen sollte, nachdem es
sich als Remonte noch durch den inneren Zügel führen lies.

Selbst mit Pferden, die nicht auf Kandare geritten werden kann man anfangen das
einhändige Reiten auf Zirkel, Volten und auch bei den Seitengängen zu üben.
Allerdings benötigt man hierfür einen Hilfszügel (am besten Dreieckszügel) der
das Pferd in der Dehnungshaltung hält und für einen losgelassenen Rücken sorgt.
Paraden kann man einhändig ohne Kandare nur bei extrem leichtrittigen Pferden
geben, da der Weg für die Hand (bei annehmenden Paraden) sehr kurz ist (der Bauch
ist im Weg).

Wer hier schon Schwierigkeiten hat auf den Zirkel zu kommen, reitet zuviel mit
Hand und zu wenig mit Bein. Meistens lernen die Pferde dies aber schnell, da das
Unangenehmste für das Pferd zu viel Handeinwirkung ist. Verstärkt man die Hilfen
mit den Beinen wendet das Pferd entweder ab, oder es wird schneller. Wird es
schneller hält man mit der Hand solange gegen bis es beginnt abzuwenden.
Ausprobieren muss man noch, ob der äußere Schenkel, oder der innere Schenkel oder
beide eventuell mehr oder weniger eingesetzt werden müssen. Als Gewichtshilfe
reicht das Zurücklegen des äußeren Knies um 1-2 cm. Damit hat man das äußere Bein
in der verwahrenden Position und der innere Gesäßknochen ist mehr belastet.

Der nächste Schritt ist dann mit Kandare natürlich ohne Hilfszügel.
Hier merkt man dann erst einmal wieviel man treiben muss, damit ein Pferd
wirklich bei den Paraden an die Hand herantritt und sich abstößt. Nun langt aber
durch die Hebelwirkung der Kandare der kurze Weg für die Hand bis zum Bauch
(nicht bei allen Bäuchen ;-))

Für alle die es ausprobieren und es nicht gleich klappt mag zum Trost gesagt
werden, dass ich als gerade fertiges und (zu) stolzes Bereiterlein bei Waldemar
Ress (Er hatte bei Crailsheim in Hessenau im stillen gearbeitet und ausgebildet,
ist aber leider viel zu früh verstorben) das erste mal einhändig geritten bin.
Die ersten Minuten habe ich mir sehr genau die Bande angesehen ... Runde um
Runde und ich war nicht der erste Bereiter bei ihm dem das so ging :-))

Viele Grüße

Beate M. Au

unread,
Jan 27, 2001, 4:49:31 AM1/27/01
to

"Katje Binder" <bin...@uni-muenster.de> schrieb im Newsbeitrag
news:94ss5j$jng$2...@redenix.uni-muenster.de...

> Am Wed, 24 Jan 2001 06:07:04 +0100, schrieb "Birgit Schlag"
> <Birgit...@t-online.de> in der Nachricht
> <94lnvs$2er$02$1...@news.t-online.com> :
>

> >Was meinst Du mit wieviel Training pro Woche?

> Nun, ich dachte an die durschnittliche Zeit, die Otto Normalreiter so
> seinem Pferd widmet und die durchschnittlichen Reitkuenste (die gar
> nicht soo schlecht sind, wie verschiedentlich behauptet wird) - auf
> dieser Grundlage, sagen wir 4-5 Tage die Woche Arbeit in der Bahn,
> erscheint es mir doch recht lang zu dauern, bis man sein Pferd
> einhaendig auf blanker Kandare in den hoechsten klassischen Lektionen
> reiten kann.

Du legst ja ganz schönes Tempo vor mit deinen Ansprüchen... :-)))
Um die normalen reiterlichen Anforderungen einhändig reiten zu können,
braucht das Pferd eine absolut solide Grundausbildung und der Reiter einen
wirklich zügelunabhängigen Sitz (d.h. unter anderem auch, daß er gelernt
hat, seinen freien Arm selbst so zu tragen, daß er nicht permanent
unbeabsichtigte Gewichtshilfen damit gibt.)


>
> Das ist ja schoen. Aber wie lange dauert es bei durchschnittlichen
> reiterlichen Faehigkeiten und 4-5 Mal reiten pro Woche (incl.
> Unterricht), bis das Pferd soweit ist? 5 Jahre? 10 Jahre?

Wenn du natürlich die höchsten reiterlichen Ansprüche im Sinne hast, fällt
mir folgende Anekdote ein:

eine Dame, die hier im Münchner Umland vor Jahren die ersten Kurse mit
Bereitern der portugiesischen Hofreitschule organisierte, wollte - bei
Interesse - auch Kurse mit Ausbildern der Doma Vacquera anbieten. Nach
einiger Zeit fragten wir dann mal nach, ob sich schon Interessenten gefunden
hätten?

Etwas entnervt setzte sie eine richtige Nöle-Stimme auf und zitierte " ja
Grüß Gott, ich möchte bitte doma vacquera lernen?". Mit ihrer normalen
Stimme fügte sie dann hinzu:"Ich frage dann nur noch ganz freundlich zurück:
'Ja, können Sie denn eine M-Dressur reiten? Und zwar einhändig???' Also, da
kommen die Leute doch wirklich an und meinen, nur weil's so toll klingt,
machen die Pferde alles von selber, reiten können braucht man dann nicht
mehr...."

Wie lange braucht man, um M oder S reiten zu können? (btw: ich kann's auch
noch nicht...) . :-)))
Die andere Frage ist auch: wer will wirklich soweit kommen, wenn womöglich
das eigene Pferd gar nicht die Gänge hat, die auf einem Turnier honoriert
werden?

Liebe Grüße
Beate


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