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Hysterisches Pferd ? (Vorsicht, lang!)

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Beate M. Au

unread,
Mar 29, 2001, 1:54:43 PM3/29/01
to
Hallo miteinander,

nachdem ich mit meinem Reiterlatein momentan am Ende bin, fällt vielleicht
euch was dazu ein?

Es geht um mein derzeitiges Beteiligungspferd, das ich seit Dezember reite.
Becci (eigentlich Rebecca) war mir auf Anhieb sympathisch, nach der ersten
Viertelstunde auf ihrem Rücken fühlte ich mich so richtig wie zuhause...
Es hieß halt, daß sie im Gelände sehr schreckhaft sei, aber das ist ja eine
etwas relative Definition.

Nachdem die Winterzeit, das schlechte Wetter und auch der Rittigkeitsstand
der Stute (sie war vorher nur wenig gearbeitet worden und ziemlich steif)
nicht soo einladend waren, bin ich seitdem nur in der Halle bzw. auf dem
Platz geritten, habe nebenbei viel Führtraining mit ihr gemacht und viel
Bodenarbeit.

Das Reiten auf dem Platz war dann schon so eine Sache - sie scheute
gelegentlich heftig vor Dingen, die ein 'normales' Pferd mit einem
Ohrenzucken zur Kenntnis genommen hätte (z.B. den Landeanflug einer Krähe
auf einen 20m hohen Baum...). Ansonsten war sie eigentlich immer sehr willig
und angenehm zu reiten, auch im Umgang ein absolut nettes Pferd..

Wegen eines vertretenen Beines durfte sie jetzt ein paar Tage nur Schritt
geführt werden, keine Bolzkoppel, aber Hafer gab's auch nicht mehr. Nachdem
sowieso Führen angesagt war, habe ich die Gelegenheit genutzt und unsere
Führrunde ins Gelände verlegt - und bin seitdem sehr mit Nachdenken
beschäftigt.

Wir waren bisher zweimal draußen, dieselbe kurze Runde von ca. 30 Min, es
war jedesmal ein Fiasko. Sie scheute vor den trivialsten Dingen! Ein Jogger
in 100m Entfernung, oder zwei Radfahrer, die in absolut zivilem Tempo
dahergezuckelt kamen, eine Familie mit Kindern, die uns entgegenkam... und
diverse Sachen, die ich überhaupt nicht ausmachen konnte - auf freiem Feld
!Alles wurde mit sofortigem leichtem Steigen und anschließendem Querstellen
quittiert, völlig wurscht, ob sie sich dabei quer über den Weg stellte oder
auch im Acker versank (als ich ihr den Weg an mir vorbei verstellt hatte)...

Mir erscheint die Reaktion absolut überzogen im Verhältnis zum Auslöser, auf
deutsch total hysterisch. Sie war auch kaum dazu zu bringen, sich die
Ursache des Schreckens wirklich mal anzusehen, sondern lauerte fast nur auf
die kleinste Unaufmerksamkeit meinerseits, um den nächsten Tanz aufzuführen.
Nicht ganz ungefährlich in einem Gebiet, wo man ständig mit Radlern,
Joggern, Kinderwagen etc. konfrontiert wird!

Heute rief mich dann die andere Reitbeteiligung an: sie war mit dem Pferd 30
Min in der Halle, absolut brav, und ging dann noch raus. Wegen eines ruhig
entgegenkommenden fremden Pferdes zog sich unseres ganz plötzlich so hoch,
daß nach ein paar Kreiseln und senkrechtem Hochsteigen die Reiterin geflogen
ist - die glücklicherweise auf ihren Füßen landete, aber geschockt ist. Sie
kennt das Pferd seit 2,5 Jahren und meint, das hätte sie noch nie erlebt,
weder im Frühling, noch zu anderen Gelegenheiten, noch aus derart nichtigem
Anlaß. (btw:Ein rotgestreiftes Nashorn, das plötzlich über den Weg
galopppiert, würde uns nämlich auch schocken - in dem Fall würde nicht nur
das Pferd springen!)

Fällt vielleicht irgendjemandem was dazu ein? Nachdem wir beide das Pferd
zwar mögen, aber unsere gesunden Knochen noch brauchen, sind wir beide am
Überlegen, wie - und ob - wir mit diesem Pferd weitermachen sollen. :-(((

Liebe Grüße
Beate

Sabine Loss

unread,
Mar 30, 2001, 12:46:13 AM3/30/01
to
Hallo Beate,

[Vorgeschichte gesnippt]

> Mir erscheint die Reaktion absolut überzogen im Verhältnis zum Auslöser,
auf
> deutsch total hysterisch. Sie war auch kaum dazu zu bringen, sich die
> Ursache des Schreckens wirklich mal anzusehen, sondern lauerte fast nur
auf
> die kleinste Unaufmerksamkeit meinerseits, um den nächsten Tanz
aufzuführen.
> Nicht ganz ungefährlich in einem Gebiet, wo man ständig mit Radlern,
> Joggern, Kinderwagen etc. konfrontiert wird!

Der Auslöser ist ja oft eher der (in unseren Augen) nichtige Anlaß und nicht
der besondere :-) Mit meinem Pferd konnte ich an Kanalreinigungsmaschinen
bei der Arbeit ohne Probleme vorbeireiten, 5 Meter später fiel ein Blatt vom
Baum und ich fast vom Pferd. Gestern waren wir mit der Kutsche draußen und
die beiden hat nicht der Hubschrauber gestört, sondern der Jogger in 100
Meter Entfernung :-))
Seid Ihr mit ihr bislang immer nur alleine im Gelände gewesen? Wenn ja,
versucht es mal zu zweit mit einem "geländesicheren" Pferd (das nichts so
schnell aus der Ruhe bringen kann). Ist es auf dem Weg vom Stall weg
schlimmer als auf dem Rückweg? Und noch eine Frage: Ist sie nie viel draußen
gewesen, also keine Koppel, keine Außenbox und nie viel im Gelände? Wenn die
Pferde viel in der Box und in der Halle sind, dann sind sie durch die vielen
Reize draußen einfach überdreht und müssen erst langsam wieder daran gewöhnt
werden. Wenn sie dann sowieso eher zu der schreckhaften Sorte Pferd gehört,
macht sich das natürlich noch extremer bemerkbar.
Im Laufe des Frühjahrs müßte es dann nach und nach besser werden, wenn ihr
Geduld und gute Nerven habt und konsequent jeden Tag mit ihr rausgeht, sei
es an der Hand oder nach dem Reiten noch eine halbe Stunde im Schritt, am
besten immer zusammen mit einem anderen Pferd.
Und schließlich könntet ihr noch überprüfen, ob mit den Augen alles in
Ordnung ist. Vielleicht sieht sie auf einer Seite nicht mehr so gut und wird
dadurch schreckhafter.
Viele Grüße, auch an die Schreckhafte :-))
Sabine, die am Samstag die beiden Schwestern das erstemal auf einem Turnier
bewundern kann :-) und vorher einen Geschirr- und Kutschenputzeinsatz hat
:-(

Reinhild Nürnberger

unread,
Mar 30, 2001, 5:36:32 AM3/30/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9a05oo$34712$1...@ID-60779.news.dfncis.de...


hallo beate,

> Es geht um mein derzeitiges Beteiligungspferd......snip

> Wegen eines vertretenen Beines durfte sie jetzt ein paar Tage nur Schritt

> geführt werden... snip

> Wir waren bisher zweimal draußen, dieselbe kurze Runde von ca. 30 Min, es
> war jedesmal ein Fiasko. Sie scheute vor den trivialsten Dingen! Ein
Jogger

> in 100m Entfernung, oder zwei Radfahrer, snip.....

das liegt zum grossen teil auch an der jahreszeit. eine meiner
reiterfreundinnen kaufte im letzten jahr einen 3 1/2 jährigen pinto, den
eine andere reiterin im gelände nur mit schnürlhalfter locker galoppierte.

eine weile war er brav. dann begann er wie verrückt im gelände zu buckeln,
unter anderem auch aus dem schritt heraus. sie fiel runter und weinte und
hatte angst vor dem pferd.

jetzt arbeitet sie ihn im viereck und es geht halbwegs.. bis auf die
krähenlandungen, wolfsrudel, knackende bäume......

du machst das schon richtig, wenn du erstmals im viereck reitest und
bodenarbeit machst. ein pferd, das eine stehzeit hinter sich hat, das im
letzten jahr kaum geritten wurde, das frühjahr spürt und im fellwechsel ist,
ist nun einmal im moment kein verlasspferd.

kaida ist auf dem viereck bei diesen stürmen der letzten tage auch unruhig.
kaum gehe ich mit ihr auf die danebenliegende wiese und lasse sie fressen,
ist sie total entspannt.

gebt dem pferd eine chance und habt ein bisschen geduld. spätestens im
sommer zeigt sich, ob die stute im gelände wieder "reitbar" sein wird.
vielleicht gibt es bei euch eine(n) geduldige(n) RL, der/die helfen kann,
wenn die "schonzeit" des pferdes wieder vorbei ist?

viel erfolg und liebe greusse,
reinhild

Karin Mertens

unread,
Mar 30, 2001, 7:20:34 AM3/30/01
to
Hi Beate,

leider kann ich Dir da nicht weiterhelfen, ich habe mit meinem Pferd die selben
Probleme. Allerdings zum Glück nur mit Reiter oben drauf, zur Not hüpf ich also
runter und komme an gefährlichen Dingen vorbei und lasse dabei sogar die
unschuldigen Spaziergänger leben.

Aber falls Dir irgendwas einfällt oder was wirkt: Sag' mir bitte, bitte
Bescheid!

Btw. ist es zwar besser, wenn ein anderes Pferd dabei ist, aber keineswegs
problemlos.

Viel Glück noch

Karin

Beate M. Au

unread,
Mar 30, 2001, 6:18:56 AM3/30/01
to
Hallo Reinhild,

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag
news:3ac45f04$0$49...@SSP1NO25.highway.telekom.at...


>
> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 9a05oo$34712$1...@ID-60779.news.dfncis.de...

> > Wir waren bisher zweimal draußen, dieselbe kurze Runde von ca. 30 Min,


es
> > war jedesmal ein Fiasko. Sie scheute vor den trivialsten Dingen! Ein
> > Jogger in 100m Entfernung, oder zwei Radfahrer, snip.....
>
> das liegt zum grossen teil auch an der jahreszeit.

Sooo gerne würde ich das glauben! Wenn die andere RB nicht sagen würde, daß
sie schon 2x Frühling mit dem Pferd erlebt hätte, die ganz anders
abliefen... :-(


> jetzt arbeitet sie ihn im viereck und es geht halbwegs.. bis auf die
> krähenlandungen, wolfsrudel, knackende bäume......

Tja, es ist eben auch ein bißchen die Frage, ob sie damit *glücklich* wird.
Sicher, irgendwie zurechtkommen wird sie wohl, aber es ist doch ein
Unterschied, ob man es "wieder mal geschafft hat" oder ob man einen
wunderschönen Ritt hinter sich hat...

> du machst das schon richtig, wenn du erstmals im viereck reitest und

> kaida ist auf dem viereck bei diesen stürmen der letzten tage auch
unruhig.

Einer meiner (ganz wenigen) absolut eisernen Grundsätze: Nie bei stürmischem
Wetter ins Gelände!
Aus Erfahrung klug geworden...

> kaum gehe ich mit ihr auf die danebenliegende wiese und lasse sie fressen,
> ist sie total entspannt.

Eben. Warum mutwillig die eigenen Knochen gefährden? :-) An solchen Tagen
vermißt sie das Reiten mit Sicherheit nicht, sofern ihr keine Halle habt...

> gebt dem pferd eine chance und habt ein bisschen geduld. spätestens im
> sommer zeigt sich, ob die stute im gelände wieder "reitbar" sein wird.

Das Problem sind immer die Anderen... ;-) Ehrlich gesagt, ich möchte bei dem
try-and-error halt nicht irgendwelches harmloses Fußvolk mit gefährden...

> vielleicht gibt es bei euch eine(n) geduldige(n) RL, der/die helfen kann,
> wenn die "schonzeit" des pferdes wieder vorbei ist?

Die müßte halt auch mit rausgehen... Der Spezialist für 'wahnsinnige Roß',
den ich aufgetrieben hatte, versetzt mich momentan, und ein 0815-RL hilft da
nicht so recht weiter.

Liebe Grüße
Beate


Beate M. Au

unread,
Mar 30, 2001, 6:08:24 AM3/30/01
to
Hallo Sabine,

"Sabine Loss" <josa...@web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9a16j7$gj6$1...@news1.wdf.sap-ag.de...

> > Mir erscheint die Reaktion absolut überzogen im Verhältnis zum Auslöser,
> > auf deutsch total hysterisch.

> Der Auslöser ist ja oft eher der (in unseren Augen) nichtige Anlaß und
nicht
> der besondere :-)

Kann mir nicht helfen, ich schwanke bei solchen Reaktionen immer zwischen
mich verschaukelt fühlen und Ursachenforschung....

> Mit meinem Pferd konnte ich an Kanalreinigungsmaschinen
> bei der Arbeit ohne Probleme vorbeireiten,

Ob das klappen würde... weiß nicht so recht!

> Seid Ihr mit ihr bislang immer nur alleine im Gelände gewesen? Wenn ja,
> versucht es mal zu zweit mit einem "geländesicheren" Pferd (das nichts so
> schnell aus der Ruhe bringen kann).

Stimmt, einmal waren wir zu dritt draußen, noch ein fußkrankes Führpferd und
einer mit miserablen Manieren. Sobald wir Richtung Heimat drehten, war
dieses liebe Tier nicht mehr zum Geradeausgehen zu bewegen, sonder trabte
bzw. galoppierte diagonal versetzt vor sich hin (wie ich solche Pferde dick
habe!). Davon ließ sie sich überhaupt nicht beeindrucken! Ich nahm sie nach
vorne, den Spinner in die Mitte, das dritte Pferd nach hinten, es ging
wunderbar.

Becci wurde mir vorgestellt mit den Worten "Wir gehen eigentlich überwiegend
ins Gelände mit ihr!" Fein, dachte ich mir, dann kann sie wohl nicht viel,
aber geländesicher müßte sie wenigstens sein. (Nach drei Jahren Halle/Platz
wegen unberechenbaren Pferden wollte ich auch wieder mal raus...)

Die andere RB geht viel mit ihr raus, sowohl einzeln als auch mit anderen
Pferden. Das scheint nicht unbedingt das Ausschlaggebende zu sein.

> Ist es auf dem Weg vom Stall weg schlimmer als auf dem Rückweg?

Beim Führen ist das mit dem Scheuen ziemlich gleich, Richtung Heimat kommt
halt noch hinzu, daß sie dann gar nicht mehr neben mir gehen will, sondern
mich am liebsten gleich abschleppen würde. Was ich mir nicht gefallen lasse,
aber es ist doch sehr anstrengend.

> Und noch eine Frage: Ist sie nie viel draußen
> gewesen, also keine Koppel, keine Außenbox und nie viel im Gelände?

Leider Innenboxen, jetzt im Winter gibt es eine Bolzkoppel, wo sie
stundenweise rausdürfen, bei schlechtem Wetter gar nicht. Wenn ich nicht
genau wüßte, daß die andere RB jede Woche mindestens einmal pro Woche mit
ihr draußen ist, würde es mich auch nicht so beunruhigen, dann wäre es
nachvollziehbar.

Schwierig ist erstens die ungeheure Vehemenz, die sie da plötzlich an den
Tag legt und wohl noch nie gezeigt hat, und als zweites das Steigen. Das
hat sie bisher weder in der Halle noch auf dem Platz bei mir gemacht, im
Gelände mit der anderen RB aber wohl schon öfter. Ein Pferd, das Steigen
regelmäßig im Repertoire hat, ist für mich lebensgefährlich.

Und jetzt suche ich nach irgendwelchen Erklärungsansätzen, warum das Pferd
so dermaßen abtickt, denn eigentlich ist sie nicht bösartig.

Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht, sie bei einem Profi in Beritt zu
geben, aber ob das so sinnvoll ist? Der müßte ja auch mit ihr ins Gelände
gehen, weil sie nur da so verrückt spielt? Hat da schonmal jemand
Erfahrungen mit gemacht?

> Und schließlich könntet ihr noch überprüfen, ob mit den Augen alles in
> Ordnung ist. Vielleicht sieht sie auf einer Seite nicht mehr so gut und
wird
> dadurch schreckhafter.

Das ist sicher eine Möglichkeit, nach solchen Ansätzen suche ich. Es wäre
gut möglich, daß sie aufgrund irgendwelcher Wehwehchen so durchdreht.

> Sabine, die am Samstag die beiden Schwestern das erstemal auf einem
Turnier
> bewundern kann :-)
und vorher einen Geschirr- und Kutschenputzeinsatz hat
> :-(

Wenn du hinterher das Geschirr wieder selber zusammensetzen kannst, kannste
dir gratulieren... :-))

Liebe Grüße
Beate
Putzrekord: an einem Abend 12 Trensen und Sättel... muß ich nicht
überbieten! ;-))

Sabine Loss

unread,
Mar 30, 2001, 8:35:27 AM3/30/01
to
Hallo Beate,

> > > Mir erscheint die Reaktion absolut überzogen im Verhältnis zum
Auslöser,
> > > auf deutsch total hysterisch.
> > Der Auslöser ist ja oft eher der (in unseren Augen) nichtige Anlaß und
> nicht
> > der besondere :-)
> Kann mir nicht helfen, ich schwanke bei solchen Reaktionen immer zwischen
> mich verschaukelt fühlen und Ursachenforschung....

Kommt wahrscheinlich auf's Pferd an - Wally nutzt das ganz eindeutig, um
sich nicht konzentrieren zu müssen :-))

> Beim Führen ist das mit dem Scheuen ziemlich gleich, Richtung Heimat kommt
> halt noch hinzu, daß sie dann gar nicht mehr neben mir gehen will, sondern
> mich am liebsten gleich abschleppen würde. Was ich mir nicht gefallen
lasse,
> aber es ist doch sehr anstrengend.

Oh, das war bei mir damals anders. Auf dem Weg weg vom Stall mußte ich
höllisch aufpassen, weil Buckler gerne auch als Gelegenheit zu
180-Grad-Wendungen mit anschließendem Galopp nach Hause genutzt wurden und
ich so die Fliehkräfte auch mal live erleben durfte (bis ich damit rechnete
und mich so ziemlich nichts mehr aus dem Sattel bringen konnte). Auf dem
Heimweg konnte ich getrost am langen Zügel an allem vorbei, was zuvor noch
Buckler ausgelöst hatte :-)))

> > Und noch eine Frage: Ist sie nie viel draußen
> > gewesen, also keine Koppel, keine Außenbox und nie viel im Gelände?
>
> Leider Innenboxen, jetzt im Winter gibt es eine Bolzkoppel, wo sie
> stundenweise rausdürfen, bei schlechtem Wetter gar nicht. Wenn ich nicht
> genau wüßte, daß die andere RB jede Woche mindestens einmal pro Woche mit
> ihr draußen ist, würde es mich auch nicht so beunruhigen, dann wäre es
> nachvollziehbar.

Nun, das erklärt imho die Schreckhaftigkeit als solche - im Frühjahr ist es
wirklich zumeist schlimmer als im Sommer.

> Schwierig ist erstens die ungeheure Vehemenz, die sie da plötzlich an den
> Tag legt und wohl noch nie gezeigt hat, und als zweites das Steigen. Das
> hat sie bisher weder in der Halle noch auf dem Platz bei mir gemacht, im
> Gelände mit der anderen RB aber wohl schon öfter. Ein Pferd, das Steigen
> regelmäßig im Repertoire hat, ist für mich lebensgefährlich.

Das stimme ich Dir zu - wie gesagt: Schreckhaftigkeit im Frühjahr ist
normal, aber wenn ein Pferd das Steigen anfängt, muß es eigentlich noch
einen anderen Grund haben.

> Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht, sie bei einem Profi in Beritt zu
> geben, aber ob das so sinnvoll ist? Der müßte ja auch mit ihr ins Gelände
> gehen, weil sie nur da so verrückt spielt? Hat da schonmal jemand
> Erfahrungen mit gemacht?

Leider nein - oder gottseidank: Ich hatte selber noch nie ein steigendes
Pferd... Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie man das am besten wieder
wegbekommt.

> > Und schließlich könntet ihr noch überprüfen, ob mit den Augen alles in
> > Ordnung ist. Vielleicht sieht sie auf einer Seite nicht mehr so gut und
> wird
> > dadurch schreckhafter.
>
> Das ist sicher eine Möglichkeit, nach solchen Ansätzen suche ich. Es wäre
> gut möglich, daß sie aufgrund irgendwelcher Wehwehchen so durchdreht.

In der Halle ist sie noch nie gestiegen? Sonst kämen eventuell noch andere
Dinge wie Sattelzwang in Betracht.

> > Sabine, die am Samstag die beiden Schwestern das erstemal auf einem
> Turnier
> > bewundern kann :-)
> und vorher einen Geschirr- und Kutschenputzeinsatz hat
> > :-(
>
> Wenn du hinterher das Geschirr wieder selber zusammensetzen kannst,
kannste
> dir gratulieren... :-))

Oh jeh - ich habe gleich gesagt, ich würde lieber einzopfen :-)))

> Putzrekord: an einem Abend 12 Trensen und Sättel... muß ich nicht
> überbieten! ;-))

Wow! Das ist ja schon Akkord-Arbeit :-))

Liebe Grüße
Sabine


mh

unread,
Mar 30, 2001, 8:52:10 AM3/30/01
to
Hallo Beate,

meine Stute war die ersten Jahre extrem ängstlich. Sie stieg oder bockte
nicht, aber stoppte, machte kehrt, scheute heftig oder flüchtete auch
mal kopflos. Wollte man sie dann bremsen, explodierte sie förmlich. Dann
hab ich sie eine Weile laufen lassen, bis sie sich beruhigte. Oft ist es
sinnvoller, den Adrenalinstoss abstrampeln zu lassen. Denn diese
Übereregung kann man nicht einfach dämpfen. Das muss raus. Anfangs ging
ich nur zu Fuss ins Gelände, das Pferd an einem sehr langen Führstrick,
damit es kreiseln konnte, wenn es sich aufregte und nur, wenn das Pferd
ohnehin träge war, weil das Wetter z.B. schwül oder warm war. Ich habe
mit viel Geduld jedes Hindernis immer wieder anschauen lassen. Bis sie
merkte, sie kann mir vertrauen. Ausserdem habe ich viel Bodenarbeit und
Scheutraining gemacht, um meine Position zu festigen und der Stute damit
Vertrauen zu vermitteln und Selbstbewusstsein aufzubauen. Dann ging das
schon mal zu Fuss ruhiger. Ausritte dann nur mit Begleitung, lange Zeit
anderes Pferd, dann Radfahrer, bis die Stute vermehrt mutiger wurde.
Dann waren die folgenden Alleinritte wieder chaotisch. Den Durchbruch
brachten uns dann einige Bachblütenmischungen. Wobei schon die
Notfalltropfen gute Hilfe leisten. Die Stute ist ein ängstliches Pferd
und wird es bleiben. Aber sie hat Mut und Selbstvertrauen gewonnen und
wir meistern heute auch allein jede Situtation. Das hat aber gut 3 Jahre
gedauert und massenhaft Geduld und Ruhe bewahren meinerseits gekostet.
Sobald das Pferd merkt, dass der Reiter seine Ruhe verliert, wird es
sich noch mehr aufregen.

Könnte es sein, dass die Stute steigt, wenn sie sehr aufgeregt ist und
Du sie dann noch kurz am Zügel bzw. Führstrick festhälst? Gerade das
veranlasst viele Pferde zu steigen, weil sie nicht wissen, wohin mit dem
inneren Druck. Bekommt die Stute vielleicht zuviel Kraftfutter? Das
würde ich bei einem so nervigen Pferd evtl. auf eine Minimum reduzieren.
Und dann sollte sie erst mal lernen, wer das Sagen hat und dass sie
nicht machen kann, was ihr gerade einfällt, natürlich mit viel Geduld
und Ruhe, nicht mit Strafen. Lies mal von Kerstin Diakont: Bodenarbeit
mit Pferden.

Gruss
Maria

Frank Mechelhoff

unread,
Mar 30, 2001, 9:34:54 AM3/30/01
to
"Beate M. Au" <beat...@surfeu.de> wrote:
>
>Nachdem die Winterzeit, das schlechte Wetter und auch der Rittigkeitsstand
>der Stute (sie war vorher nur wenig gearbeitet worden und ziemlich steif)
>nicht soo einladend waren, bin ich seitdem nur in der Halle bzw. auf dem
>Platz geritten, habe nebenbei viel Führtraining mit ihr gemacht und viel
>Bodenarbeit.
>
>Wegen eines vertretenen Beines durfte sie jetzt ein paar Tage nur Schritt
>geführt werden, keine Bolzkoppel, aber Hafer gab's auch nicht mehr. Nachdem
>sowieso Führen angesagt war, habe ich die Gelegenheit genutzt und unsere
>Führrunde ins Gelände verlegt - und bin seitdem sehr mit Nachdenken
>beschäftigt.
>
>Wir waren bisher zweimal draußen, dieselbe kurze Runde von ca. 30 Min, es
>war jedesmal ein Fiasko. (...)


Hallo Beate,
was heisst schon "hysterisch"? Vorsicht mit abwertenden Begriffen! Vermutlich ist
das Pferd nur feinfühlig und bewegungshungrig. Stallstehen wegen schlechtem
Wetter, Vertreten usw. - dazu hat das Pferd mehrere Bezugspersonen die
unterschiedlich mit ihr umgehen, was auch nicht gerade Vertrauen fördert.
Bodenarbeit wird ja an sich gemacht um die Konzentration auf den Menschen zu
fördern aber wenn das Pferd völlig aufgedreht aus dem Stall rauskommt kann man
keine Konzentration erwarten - im Gegenteil manchmal wird die Grundlage zu
Ungezogenheiten gelegt...
Ein unbewegtes Pferd dessen Muskeln kalt sind, das aus dem Stall rauskommt
(möglicherweise noch bei Wind oder schönem Wetter) hat immer die Neigung zu
heftigen Bewegungen. Nicht um den Führer zu ärgern ("Absicht") sondern um sich
aufzuwärmen. Besser wäre es man lässt es auf einem Aussenreitplatz oder grossen
Paddock zunächst 1/4 Std. freilaufen bzw. treibt es sachte herum (ohne Peitsche o.
Longe).
Das schnellere und heftigere Erschrecken ist ebenfalls darauf zurückzuführen,
dass es aus einer reizärmeren Umgebung (Box) nach draussen kommt. Also ein völlig
normales Verhalten.
Selbst meine Pferde die seit 5 Monaten 24Std. am Tag auf ihrer 2,5 ha-Winterweide
sind, und dort normalerweise recht ruhig verhalten, machen an der Hand
Bocksprünge wenn sie länger nicht bewegt wurden, und ich weiss schon warum ich
Natascha, die kräftigste, am Kappzaum mitnehme und nicht am Halfter!
Wichtig ist, dass es überhaupt keinen Sinn macht das Pferd dafür zu massregeln
oder zu strafen. Erstens hat es keinen Zweck, weil es viel stärker ist und man es
auf diese Weise unmöglich dazu bekommt, sich gesitteter aufzuführen - im
Gegenteil, es macht es meist noch schlimmer - und zweitens verliert es das
Vertrauen in die Überlegenheit und Führungsstärke des begleitenden Menschen, bzw.
Reiters.


Gruss Frank

--
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Catja Pafort

unread,
Mar 30, 2001, 11:14:58 AM3/30/01
to
Beate schrieb:

>Nachdem die Winterzeit, das schlechte Wetter und auch der Rittigkeitsstand
>der Stute (sie war vorher nur wenig gearbeitet worden und ziemlich steif)
>nicht soo einladend waren, bin ich seitdem nur in der Halle bzw. auf dem
>Platz geritten, habe nebenbei viel Führtraining mit ihr gemacht und viel
>Bodenarbeit.
>

>Das Reiten auf dem Platz war dann schon so eine Sache - sie scheute
>gelegentlich heftig vor Dingen, die ein 'normales' Pferd mit einem
>Ohrenzucken zur Kenntnis genommen hätte (z.B. den Landeanflug einer Krähe
>auf einen 20m hohen Baum...). Ansonsten war sie eigentlich immer sehr willig
>und angenehm zu reiten, auch im Umgang ein absolut nettes Pferd..

Das klingt aber schon weniger schoen. Es kann verschiedene Gruende fuer
dieses Verhalten geben - Pferd nicht ausgelastet, Pferd sehr schreckhaft
(kommt halt drauf an, *wie* sie reagiert - Panik, davonrennen, buckeln,
oder 'huch' und das wars), Pferd nicht an Reize gewoehnt...

>Wir waren bisher zweimal draußen, dieselbe kurze Runde von ca. 30 Min, es

>war jedesmal ein Fiasko. Sie scheute vor den trivialsten Dingen!

An der Hand sollte sie sich eigentlich hinter Dir verstecken, wenn sie
Angst hat - dass sie das nicht tut, sagt mir dass sie entweder wenig
Vertrauen hat, oder total von der Rolle ist (nicht gewoehnt + zuviel
Energie) oder beides.

>Mir erscheint die Reaktion absolut überzogen im Verhältnis zum Auslöser, auf

>deutsch total hysterisch. Sie war auch kaum dazu zu bringen, sich die
>Ursache des Schreckens wirklich mal anzusehen, sondern lauerte fast nur auf
>die kleinste Unaufmerksamkeit meinerseits, um den nächsten Tanz aufzuführen.

Da kann ich aus leidvoller Erfahrung eigentlich nur sagen: Finger weg. Mein
Pferd hat leider auch eine Neigung zur Panik (Durchgaenger) - obwohl er
nicht schreckhaft ist! Wenn ihm das Leben ueber'n Kopf waechst, dann ist
das Gehirn leider voellig ausgeschaltet. Einigermassen in den Griff
bekommen haben wir das Problem durch

- Sicherstellen, dass er sich rundum wohlfuehlt (ein schlecht passender
Sattel hat sein Verhalten uebersteigert)
- sehr, sehr ruhig angehen und alle Situationen, in denen es ihm zuviel
werden kann vermeiden
- totale Entspannung als Arbeitsziel vor allen anderen
- etwas, von dem ich nur fuehle, dass es hilft, aber keine Beweise habe
(und das wegen Maul und Klauenseuche auch nicht auf die Probe gestellt
werden kann): Kraeuter-zusatzfutter. Magnesium-zusatz brachte gar nichts
(hat ihm wohl nicht gefehlt), aber seit ich das Zeug (NAF 'Easy Going')
fuettere habe ich den Eindruck, als ob er nicht mehr ganz so auf der
Schwelle zum Wahnsinn steht. Er ist in sich gesetzter und denkt einen
Moment laenger nach, bevor er in Panik ausbricht - und den Moment kann ich
nutzen.

>Nicht ganz ungefährlich in einem Gebiet, wo man ständig mit Radlern,
>Joggern, Kinderwagen etc. konfrontiert wird!

Sehr gefaehrlich!

>Fällt vielleicht irgendjemandem was dazu ein? Nachdem wir beide das Pferd
>zwar mögen, aber unsere gesunden Knochen noch brauchen, sind wir beide am
>Überlegen, wie - und ob - wir mit diesem Pferd weitermachen sollen. :-(((

Ganz ehrlich: Wenn ihr euch nicht aufs Hallenreiten beschraenken wollt,
solltet ihr die Sache aufgeben. Mit dem eigenen ist das etwas anderes - zum
einen, weil es schwieriger ist, aufzugeben, zum anderen, weil man viel mehr
Moeglichkeiten von Diagnose und Ausprobiererei hat. Es kann sein, dass sie
gestresst ist (Muskelprobleme, Satteldruck, was weiss ich) und wenn das
geklaert ist, zu ihrem normalen ruhigen Wesen zurueckfindet. Es kann sein,
dass sie, wenn Du die Bodenarbeit etc aufrechterhaelts, mehr Vertrauen
gewinnt. Es kann auch sein, dass sie unsicher ist, und nie zu einem
Gelaendeverlasspferd wird (sich in Halle und Gesellschaft aber manierlich
benehmen lernt).

Weissagen kann man das nicht. Aber bei einem fremden Pferd sind einem die
Haende leider gebunden :-(

Catja
und der Count

--
Posted from tweli.aber.ac.uk [144.124.16.41]
via Mailgate.ORG Server - http://www.Mailgate.ORG

Anke Spix

unread,
Mar 30, 2001, 3:16:00 PM3/30/01
to
Beate M. Au <beat...@surfeu.de> wrote:

Hallo, Beate!

> nachdem ich mit meinem Reiterlatein momentan am Ende bin, fällt vielleicht
> euch was dazu ein?
>
> Es geht um mein derzeitiges Beteiligungspferd, das ich seit Dezember
> reite. Becci (eigentlich Rebecca) war mir auf Anhieb sympathisch, nach
> der ersten Viertelstunde auf ihrem Rücken fühlte ich mich so richtig wie
> zuhause... Es hieß halt, daß sie im Gelände sehr schreckhaft sei, aber das
> ist ja eine etwas relative Definition.
>

...


> Fällt vielleicht irgendjemandem was dazu ein? Nachdem wir beide das Pferd
> zwar mögen, aber unsere gesunden Knochen noch brauchen, sind wir beide am
> Überlegen, wie - und ob - wir mit diesem Pferd weitermachen sollen. :-(((

Also, sicher sagen kann man natuerlich gar nichts. Aber wenn sie sowieso
eher aengstlich ist und eher heftig reagiert, dann kann Boxen"ruhe" plus
Bolzkoppelentzug und verminderter Bewegung genau dazu gefuehrt haben -
waere die Kraftfutterration jetzt noch dem Mass der
Bewegungsmoeglichkeiten unangemessen, wuerde dieses Verhalten voellig
"normal" werden - frag mal Birgit oder Reinhild, wie sich ihre Pferde in
erzwungenen Stehzeiten "verwandelt" haben!
Insofern war es keine so allzu gute Idee, mit ihr gerade an einem
solchen Tag ins Gelaende zu gehen - obwohl das an sich schoener ist als
in der Halle im Kreis zu latschen.
Vielleicht ist sie auch inzwischen etwas dem "Draussen-Sein" entwoehnt,
der Winter war lang und nass, und Pferde sind ja bekantlich
Gewohnheitstiere. Sie fuehlen sich in ihrer vertrauten Umgebung sicher.
Wenn diese jetzt eben ein halbes Jahr lang Halle und geschlossener Stall
war, wird sie eben alles Unvertraute draussen verunsichern - wozu auch
Kraehen, Jogger usw. gehoeren.
Schon gar eben bei einem ohnehin unsicheren Pferd, schon gar, wenn der
Uebermut sie juckt, sich schneller zu bewegen, als sie sollte.

Nur: es ist in diesem Fall leichter, einen vernuenftigen Grund fuer ihr
Verhaltenzu finden, als es abzustellen.
Ein Grossteil der Unsicherheit wuerde gewiss verfliegen, wenn sie
regelmaessig das Treiben von Joggern, Kraehen und aehnlichen Ungeheuern
beobachten koennte- ein weiterer Schritt koennte die Gegenwart eines
Pferdes sein, dass sich absolut nicht aufregt (nur finden...), aber
selbst dann kommt es vor, dass bei einem sehr unsicheren Pferd jeder Weg
neu kennengelernt werden und als sicher verstanden werden muss, bis -
nach *Jahren* das Vertrauen so weit gewachsen ist, dass jeder Weg, den
der Reiter vorschlaegt, als sicher genug akzeptiert wird.

Die Fragen, die sich da stellen, sind nur: Willst Du diese Zeit auf dich
nehmen, dieses Pferd so weit zu trainieren? Vor allem, wenn man das, was
wichtig waere, ein solches Pferd naemlich in eine Offenstallhaltung, am
besten irgendwo, wo oefter "was los ist", nicht moeglich machen kann?
Ist es eigentlich Deine Aufgabe, dieses Training zu machen, oder
vielmehr die Aufgabe der Besitzer?
Inwieweit beeinflussen Haltung, Fuetterung und Reit-und Umgangsstil der
Besitzer das Verhalten der Stute?

Dass sie zu steigen anfaengt, sehe ich eher in ihrer inneren Spannung,
als dass ich es als "Unsitte" sehen wuerde, obwohlich auch ein mulmiges
Gefuehl mit einem solchen Pferd haben wuerde. D.h., wenn man an der
Ursache arbeitet, wird sie vermutlich auch das Steigen relativ schnell
lassen.

Wenns dich troestet: Ich hatte zumindest teilweise mit Peter Pan so ein
Problem. Als er noch ein wenig juenger war, kehrte er immer den ach so
mutigen Macho raus, machte aber beim Ausreiten immer dann Theater,
sobald wir die Sichtweite des Stalles veliessen. Und er probierte alle
moeglichen Tricks.
Wenn ich mich aufregte, heizte er sich erst recht hoch. Er ist auch u.a.
vorn hochgehuepft (steigen konnte man es nicht nennen).
Bis ich drauf kam, dass er unter seinem ganzen grossmaechtigen Gehabe
vollkommen klein, unsicher und ein Muttersoehnchen war und sich einfach
nicht traute - und wenn er mit mir kaempfte, hatte er so lange zumindest
keine Angst.
Damit wurde es zwar anfangs nicht leichter, aber spaeter konnte ich
dann, indem ich auf seine provokationen nicht eingegangen bin, aber die
Strecken auch ganz bewusst sehr kurz gehalten hatte, das problem
bessern.
Gut ist es immer noch nicht - anfangs konnte ich mich dieser
Herausforderung eben nur stellen, wenn ich ausreichend seelisch stabil
war, und das war ich nur selten.
Inzwischen geht es besser, aber wenn ich auch nicht mehr ganz so viel
Mut und Gelassenheit brauche, traue ich mich eben doch noch nicht immer.

Gruss, und gute Besserung,

Anke

+ Peter Pan, der ganz mutig sein kann, solange Mami hinter ihm steht...

PS: Schade, dass Du nicht in meiner Naehe wohnst - ich suche schon lange
eine Reitbeteiligung wie dich, und du suchst schon lange Pferde wie
meine (zumindest teilweise sind)...Willst du nicht vielleicht umziehen?
;-))

Reinhild Nürnberger

unread,
Mar 31, 2001, 2:10:22 PM3/31/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9a1u7u$3aso5$2...@ID-60779.news.dfncis.de...

hallo beate,

> Sooo gerne würde ich das glauben! Wenn die andere RB nicht sagen würde,
daß
> sie schon 2x Frühling mit dem Pferd erlebt hätte, die ganz anders
> abliefen... :-(

dann hat es mit der stehzeit zu tun. ausserdem, wenn ich meine pferde den
ganzen tag in der box hätte und sie kämen nur wenige stunden am tag hinaus,
hätte ich wahrscheinlich die gleichen probleme. meine RL sagt, man sollte
das pferd vor dem ausreiten ablongieren, wenn nötig eine stunde bis es müde
ist. das kannst du mit einem rekonvaleszenten pferd natürlich nicht machen,
nur mit einem ganz gesunden.

> Tja, es ist eben auch ein bißchen die Frage, ob sie damit *glücklich*
wird.
> Sicher, irgendwie zurechtkommen wird sie wohl, aber es ist doch ein
> Unterschied, ob man es "wieder mal geschafft hat" oder ob man einen
> wunderschönen Ritt hinter sich hat...

sicher, aber es ist doch eine frage der zeit. das pferd wird 4 jahre alt und
eva ist ca. 30 - die beiden haben noch alle zeit der welt, wozu sich also
aufregen? ausserdem sollte das pferd eine grundausbildung bekommen. bevor
sie ins gelände geht. die westernreiter hingegen sagen wieder, man sollte
zuerst locker ins gelände gehen und dann ausbilden. aber diese frage müsste
man den profis stellen.


>
> Einer meiner (ganz wenigen) absolut eisernen Grundsätze: Nie bei
stürmischem
> Wetter ins Gelände!

das braucht kein grundsatz zu sein. mit cäsar gehe ich auch bei stürmischem
wetter raus, auch einige der pferde meiner freundInnen sind dabei
problemlos. allerdings stehen diese pferde auch im winter ganztägig auf der
koppel und sie gehen mindestens dreimal pro woche ins gelände; eine tour
davon ist meistens eine art wanderritt. cäsar mit seinen 28 jahren reite ich
natürlich entsprechend weniger.

> > kaum gehe ich mit ihr auf die danebenliegende wiese und lasse sie
fressen,
> > ist sie total entspannt.
>
> Eben. Warum mutwillig die eigenen Knochen gefährden? :-) An solchen Tagen
> vermißt sie das Reiten mit Sicherheit nicht, sofern ihr keine Halle
habt...

nee, ich meinte auch nach dem reiten, zumindestens beim pferd meiner
freundin. beim jungpferd bin ich noch vorsichtig, sie ist für mich beim
reiten ein unbeschriebenes blatt.

> Das Problem sind immer die Anderen... ;-) Ehrlich gesagt, ich möchte bei
dem
> try-and-error halt nicht irgendwelches harmloses Fußvolk mit gefährden...

da hast du natürlich recht, ist auch nicht ungefährlich für dich.


>
> Die müßte halt auch mit rausgehen... Der Spezialist für 'wahnsinnige Roß',
> den ich aufgetrieben hatte, versetzt mich momentan, und ein 0815-RL hilft
da
> nicht so recht weiter.

"wahnsinniges ross" ist hier übertrieben, wenn die pferde den winter über
"eingesperrt" sind. wir haben in unserem stall zwar 20 manchmal zerbissene
schlammsäue, aber die meisten sind glücklich. wenn ich wie morgen früh eine
unterrichtsstunde habe, muss ich in dieser jahreszeit am vortag kaida´s
beine gründlich abspritzen, sonst kann ich ihr keine gamaschen anlegen.
>
kopf hoch, wenn der hals auch dreckig ist, sagt mein mann.

liebe gruesse,
reinhild


Gudrun Ewald

unread,
Apr 1, 2001, 2:47:54 PM4/1/01
to

"Beate M. Au" <beat...@surfeu.de> schrieb im Newsbeitrag news:9a05oo$34712$1...@ID-60779.news.dfncis.de...
> Hallo miteinander,

>
> > Es geht um mein derzeitiges Beteiligungspferd, das ich seit Dezember reite.
> Becci (eigentlich Rebecca) war mir auf Anhieb sympathisch, nach der ersten
> Viertelstunde auf ihrem Rücken fühlte ich mich so richtig wie zuhause...
> Es hieß halt, daß sie im Gelände sehr schreckhaft sei, aber das ist ja eine
> etwas relative Definition.
> zwar mögen, aber unsere gesunden Knochen noch brauchen, sind wir beide am
> Überlegen, wie - und ob - wir mit diesem Pferd weitermachen sollen. :-(((

Hallo Beate,
ich habe mal eine ganz banale Frage dazu: steht die Stute kurz vor der Rosse, hast
du sie schon rossig erlebt? Ich habe nämlich ähnliches mit einer "unberechenbaren"
Stute erlebt (Kapriole neben meinem Kopf, Steigen ...) und nach der Rosse war es
plötzlich ein liebes Kinderreitpferd.
Liebe Grüße
Gudrun


Beate M. Au

unread,
Apr 1, 2001, 2:38:08 PM4/1/01
to
Hallo, Anke!
(und alle, die mir evtl. noch geschrieben haben sollten.... mein server
spinnt seit drei Tagen, ich kriege täglich nur noch so um die 20 postings
und das war's dann erstmal.... lese jedesmal ganz fasziniert Antworten auf
postings, die ich nie gelesen habe.... grrrr)

"Anke Spix" <Anke...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:1er3qxr.uyy...@pd9042cf9.dip.t-dialin.net...


> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> wrote:
>
> > Es hieß halt, daß sie im Gelände sehr schreckhaft sei, aber das
> > ist ja eine etwas relative Definition.
> ...
> > Fällt vielleicht irgendjemandem was dazu ein? Nachdem wir beide das
Pferd
> > zwar mögen, aber unsere gesunden Knochen noch brauchen, sind wir beide
am
> > Überlegen, wie - und ob - wir mit diesem Pferd weitermachen sollen.
:-(((
>

> waere die Kraftfutterration jetzt noch dem Mass der
> Bewegungsmoeglichkeiten unangemessen, wuerde dieses Verhalten voellig
> "normal" werden -

.... uiiii, wer viel fragt....kriegt jeden Tag ne andere Antwort! Es stimmt
zwar - Hafer kriegt sie nicht. Dafür habe ich heute mit ziemlichem Entsetzen
die Ration Silage gesehen, die sie verpaßt kriegt.... Da besteht allerdings
Kürzungsbedarf!

frag mal Birgit oder Reinhild, wie sich ihre Pferde in
> erzwungenen Stehzeiten "verwandelt" haben!

Ja, ich kenne auch genügend Warmblüter, die das ohne Beruhigungsmittel nicht
verkraften. Wobei das alles Pferde waren, mit denen ich wegen schlechter
Erziehung nicht freiwillig ins Gelände gegangen wäre... (womit ich natürlich
niemandem zu nahe getreten sein möchte! ;-))

> Wenn diese jetzt eben ein halbes Jahr lang Halle und geschlossener Stall
> war, wird sie eben alles Unvertraute draussen verunsichern -

Angeblich war die andere RB jede Woche mindestens 1x mit ihr draußen, aber
ich habe langsam das Gefühl, daß diese Aussagen etwas mit Vorsicht zu
genießen sind....

> Nur: es ist in diesem Fall leichter, einen vernuenftigen Grund fuer ihr
> Verhaltenzu finden, als es abzustellen.

Du sprichst ein großes Wort gelassen aus!

> ein weiterer Schritt koennte die Gegenwart eines
> Pferdes sein, dass sich absolut nicht aufregt (nur finden...),

Das ist auch so eine Sache! Ich frage schon seit einiger Zeit nach so einem
Pferd herum, und da tun sich Abgründe auf... es ist in Englischreiterkreisen
offensichtlich ganz normal, daß die Pferde im Gelände schlecht zu
kontrollieren sind, da geht man ohne Spezialsattel und Spezialgebiß (Pelham
etc.) gar nicht erst raus. Der Rest ist eben 'Temperament'. Aaaaber
Traversalen gehen kann er, na toll! /Sarkasmus aus.

Da steh ich mit meinem Ansinnen, nach einer erfolgreichen halben Stunde
Dressur das Pferd für die tolle Mitarbeit noch durch einen geruhsamen
Ausritt belohnen zu wollen (ohne umzäumen und umsatteln) ganz schön allein
in der Runde....

aber
> selbst dann kommt es vor, dass bei einem sehr unsicheren Pferd jeder Weg
> neu kennengelernt werden und als sicher verstanden werden muss, bis -
> nach *Jahren* das Vertrauen so weit gewachsen ist, dass jeder Weg, den
> der Reiter vorschlaegt, als sicher genug akzeptiert wird.
>
> Die Fragen, die sich da stellen, sind nur: Willst Du diese Zeit auf dich
> nehmen, dieses Pferd so weit zu trainieren? Vor allem, wenn man das, was
> wichtig waere, ein solches Pferd naemlich in eine Offenstallhaltung, am
> besten irgendwo, wo oefter "was los ist", nicht moeglich machen kann?

Hmmm. Mit meinen derzeitigen Zeitverhältnissen ist es eher unrealistisch,
denn wenn man regelmäßig nur 2x pro Woche an's Pferd kommt, kann man kaum
was Grundlegendes bewirken - 3x die Woche wäre wesentlich aussichtsreicher.
*Das* ist auch ein recht wichtiger Punkt. Ich versuche mich momentan mit der
anderen RB kurzzuschließen, damit sie weiß, was ich mit dem Pferd mache.
Wenn sie's genauso macht, könnten wir wenigstens zu zweit an einem Strang
ziehen.

> Ist es eigentlich Deine Aufgabe, dieses Training zu machen, oder
> vielmehr die Aufgabe der Besitzer?
> Inwieweit beeinflussen Haltung, Fuetterung und Reit-und Umgangsstil der
> Besitzer das Verhalten der Stute?

Die Besitzerin... o mei! Sie *hat* ein Pferd. Punkt. Interessieren tut sie
sich nicht dafür... Deswegen tut mir die Stute auch leid, weil sie förmlich
um eine Bezugsperson bettelt und wirklich dankbar ist für Alles, was man mit
ihr macht - eigentlich ein Traumpferd, wenn man eine zeitlang mit eher
büffeligen bis rabiaten Naturen zu tun hatte (richtig schicke Schale, aber
steinharter Kern... :-)). Wenn nur diese hohe innere Spannung nicht wäre...

> Dass sie zu steigen anfaengt, sehe ich eher in ihrer inneren Spannung,
> als dass ich es als "Unsitte" sehen wuerde,

Steigen... da hört die Freundschaft auf.

Aber es hat sich auch ein bißchen was getan: erstens kommt mein Spezialist
für 'wahnsinnige Roß' nächste Woche mal vorbei und schaut sich das Drama im
Gelände an (Zitat:' Ja mei, die Hälfte meiner gesamten Unterrichtszeit jogg'
ich in der Pampa nebenher und schau mir das Ganze life an..." . Der Herr
steht auf dem Standpunkt, daß 90% seiner Korrekturpferde so mit dem
Selbstbewußtsein am Ende sind, daß er sie erstmal wieder aufbauen muß...
-) )

Zweitens habe ich jetzt beschlossen, daß ich bis auf weiteres vor jedem
Reiten erstmal Führübungen mache, bis der gewisse langgezogene Seufzer
kommt, der übersetzt ungefähr heißt: "na wenn's denn unbedingt sein muß...
bäää..." . Das dauert so 5 -15 Minuten, dieselbe Zeit bräuchte ich zum
Aufwärmen auch, und so habe ich aber ein aufgewärmtes *und* aufmerksames
Pferd.

Drittens waren wir heute wieder zu Fuß draußen, und bis auf die letzten 200
m ging es relativ manierlich. Das größte Problem waren die heftigen
Prellungen auf die rechte Hand, die sie mir durch *heftigstes*
in-die-Brust-beißen-und-imaginäre-Fliegen-vertreiben-wollen draufgedonnert
hat - sowas hab ich bisher noch nicht erlebt! Dafür konnte ich sie dann auch
nicht gerade loben... Geradeso, wie wenn die nach vorne -durch mich-
abgefangene Hektik jetzt nach hinten ausgetobt würde.

Auf jeden Fall werde ich sie die paar Wochen noch behalten, bis die
Weidesaison wieder anfängt, sodaß sie nicht auf das Gerittenwerden
angewiesen ist, um Bewegung zu haben (das ist eh schon so ein Mißstand, der
verboten gehört!).

> Ich hatte zumindest teilweise mit Peter Pan so ein Problem.

- snip -


> und wenn er mit mir kaempfte, hatte er so lange zumindest
> keine Angst.

lach! Das ist auch eine Methode, seine Ängste zu besiegen....

> Inzwischen geht es besser, aber wenn ich auch nicht mehr ganz so viel
> Mut und Gelassenheit brauche, traue ich mich eben doch noch nicht immer.

Das ist halt so schade, weil es eine Katze ist, die sich in den Schwanz
beißt. Je riskanter das Pferd ist, umso seltener kommt es raus, und umso
gefährlicher wird es...


>
> Gruss, und gute Besserung,
>
> Anke
>
> + Peter Pan, der ganz mutig sein kann, solange Mami hinter ihm steht...

vbg... Hosenmatz!


>
> PS: Schade, dass Du nicht in meiner Naehe wohnst - ich suche schon lange
> eine Reitbeteiligung wie dich, und du suchst schon lange Pferde wie
> meine (zumindest teilweise sind)...Willst du nicht vielleicht umziehen?
> ;-))

Danke für die Blumen! Aber umziehen - ohne Lottogewinn sieht das ganz
schlecht aus... Ich plädiere immer wieder dafür, endlich die Kunst des
Beamens (Raumschiff Enterprise) zur Hochblüte zu kultivieren...

Liebe Grüße
Beate

Sabine Loss

unread,
Apr 2, 2001, 1:51:30 AM4/2/01
to
Hallo Beate,

> Wenn du hinterher das Geschirr wieder selber zusammensetzen kannst,
kannste
> dir gratulieren... :-))

nachdem ich schon Probleme hatte, das Geschirr ordentlich von den Haken zu
bekommen, ohne alles zu verknoten, habe ich das Auseinandernehmen lieber
gelassen und immer, wenn ich auf eine Schnalle gestoßen bin, diese
aufgemacht und nach dem Putzen gleich wieder zu :-)) Der ganze Spaß hat
ungefähr 3 Stunden gedauert - mit Radio vor dem Stall in der Sonne
allerdings auszuhalten. Aber ich bin trotzdem froh, daß mein Herz am Reiten
und nicht am Kutschfahren hängt :-))
Der Aufwand ist schon tierisch: Zwei haben die Kutschen geputzt, ich das
Geschirr, dann noch Pferde einzopfen und Schrubben, Pferde in den
Transporter, Kutschen auf den Hänger und mit dem ganzen Tross los. Dabei
waren Fahrer, ein Beifahrer für das "Hütchen-Hindernis" (mit der
Dressurkusche - ich muß zugeben, daß ich nicht genau weiß, wie das heißt)
und einer für den Höhepunkt des Abends: Hindernis der Klasse M (in der
Halle, das erste M für die beiden) und noch jemand für die "Lauf- und
Haltearbeiten". Zwischen den Wettbewerben umspannen - immer jemand dabei,
der auch Fahren kann, damit der Fahrer den Parcours besichtigen kann....
Aber: Ein 5. Platz und im ersten M gleich ein 4. Platz - und vor allem die
Aussage, daß sie sich besser biegen lassen, seit ich sie reite haben den
Aufwand gelohnt :-)))
Und wir haben einen kleinen Jungen glücklich gemacht, der schon immer mal
Kutsche fahren wollte und mit uns zwei Runden über den Platz mitfahren
durfte - dem Gesicht nach zu urteilen ist wieder jemand mit dem Virus
infiziert worden und die Eltern werden nicht mehr so froh schauen, wenn sie
merken, was wir ihnen mit diesem Gefallen angetan haben :-)))

Liebe Grüße
Sabine, deren Finger nach dem Putzeinsatz noch immer nicht ganz sauber zu
kriegen sind :-))


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 2, 2001, 5:18:48 AM4/2/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9a80uo$41137$1...@ID-60779.news.dfncis.de...

liebe beate,

> Ja, ich kenne auch genügend Warmblüter, die das ohne Beruhigungsmittel
nicht
> verkraften. Wobei das alles Pferde waren, mit denen ich wegen schlechter
> Erziehung nicht freiwillig ins Gelände gegangen wäre... (womit ich
natürlich
> niemandem zu nahe getreten sein möchte! ;-))

das war in anderem sinne gemeint: es ging um die bewegung eines pferdes nach
der stehzeit (so wie bei deinem) oder um ein pferd, das im winter nicht auf
die koppel konnte. ansonsten sind die beiden gut erzogen und machen beim
reiten keine probleme. es sind allerdings jungpferde, die noch gearbeitet
und ausgebildet werden müssen.

> Das ist auch so eine Sache! Ich frage schon seit einiger Zeit nach so
einem
> Pferd herum, und da tun sich Abgründe auf... es ist in
Englischreiterkreisen
> offensichtlich ganz normal, daß die Pferde im Gelände schlecht zu
> kontrollieren sind, da geht man ohne Spezialsattel und Spezialgebiß
(Pelham
> etc.) gar nicht erst raus. Der Rest ist eben 'Temperament'. Aaaaber
> Traversalen gehen kann er, na toll! /Sarkasmus aus.

nein, das ist nicht normal. mit meinem "alten" und seinen freundInnen
verlaufen ausritte wunderschön und problemlos, auch wenn es stürmt oder
schneit. die pferde gehen mit pat parelli oder rai-zaum oder engl. mit
ausbildungstrense ohne hilfszügel. du beschreibst pferde, die keinen
koppelgang haben.


>
> Da steh ich mit meinem Ansinnen, nach einer erfolgreichen halben Stunde
> Dressur das Pferd für die tolle Mitarbeit noch durch einen geruhsamen
> Ausritt belohnen zu wollen (ohne umzäumen und umsatteln) ganz schön allein
> in der Runde....

muss ein komischer stall sein....oder besser gesagt, komische einsteller.


>
>>Vor allem, wenn man das, was
> > wichtig waere, ein solches Pferd naemlich in eine Offenstallhaltung, am
> > besten irgendwo, wo oefter "was los ist", nicht moeglich machen kann?

genau das wollte ich sagen, danke anke.


>
>>Wenn nur diese hohe innere Spannung nicht wäre...

im offenstall ist die schlagartig weg, glaube mir. auch bei boxenhaltung mit
ganztägigem koppelgang.


>>, sodaß sie nicht auf das Gerittenwerden
> angewiesen ist, um Bewegung zu haben (das ist eh schon so ein Mißstand,
der
> verboten gehört!).
>

du sagst es.

ales liebe
reinhild


Marion Scheffels

unread,
Apr 2, 2001, 6:21:16 AM4/2/01
to
Am Mon, 2 Apr 2001 07:51:30 +0200 schrieb "Sabine Loss"
<josa...@web.de> :

>nachdem ich schon Probleme hatte, das Geschirr ordentlich von den Haken zu
>bekommen, ohne alles zu verknoten, habe ich das Auseinandernehmen lieber
>gelassen und immer, wenn ich auf eine Schnalle gestoßen bin, diese
>aufgemacht und nach dem Putzen gleich wieder zu :-))

Was auch den Vorteil hat, daß du gleich wieder dieselbe Einstellung
wie vorher hast.

MarionS
--
RMS-M...@t-online.de

Anke Spix

unread,
Apr 2, 2001, 7:20:01 AM4/2/01
to
Beate M. Au <beat...@surfeu.de> wrote:

Hallo, Beate!

... ich kriege täglich nur noch so um die


> 20 postings und das war's dann erstmal.... lese jedesmal ganz fasziniert
> Antworten auf postings, die ich nie gelesen habe.... grrrr)

Tja, koennte auch am schoenen Wetter liegen (das mit den wenigen
mails...)
>

<Kraftfutterration>

>
> .... uiiii, wer viel fragt....kriegt jeden Tag ne andere Antwort! Es
> stimmt zwar - Hafer kriegt sie nicht. Dafür habe ich heute mit ziemlichem
> Entsetzen die Ration Silage gesehen, die sie verpaßt kriegt.... Da
> besteht allerdings Kürzungsbedarf!

Schau mal. Frags sich halt nur, was es dafuer ersatzweise gibt.

>
> frag mal Birgit oder Reinhild, wie sich ihre Pferde in > erzwungenen
> Stehzeiten "verwandelt" haben!
>
> Ja, ich kenne auch genügend Warmblüter, die das ohne Beruhigungsmittel
> nicht verkraften.

Ich denke, das vertragen auch Araber, reitponies oder andere Pferde
schlecht - es widerspricht einfach zu sehr ihrer Natur.

>
> > Wenn diese jetzt eben ein halbes Jahr lang Halle und geschlossener Stall
> > war, wird sie eben alles Unvertraute draussen verunsichern -
>
> Angeblich war die andere RB jede Woche mindestens 1x mit ihr draußen, aber
> ich habe langsam das Gefühl, daß diese Aussagen etwas mit Vorsicht zu
> genießen sind....

Einmal genuegt nicht. Vermutlich auch dreinmal nicht. Ist zwar besser
als nichts, aber ein *zuverlaessiges* gelaendepferd kiegt man so leider
nicht... schon gar nicht aus einer jungen Stute, vielleicht noch
unsicher und unter Bewegungsmangel leidend.


>
> > Nur: es ist in diesem Fall leichter, einen vernuenftigen Grund fuer ihr
> > Verhaltenzu finden, als es abzustellen.
>
> Du sprichst ein großes Wort gelassen aus!

Na, das weiss ich doch :-)


>
> > ein weiterer Schritt koennte die Gegenwart eines Pferdes sein, dass sich
> > absolut nicht aufregt (nur finden...),
>
> Das ist auch so eine Sache! Ich frage schon seit einiger Zeit nach so
> einem Pferd herum, und da tun sich Abgründe auf... es ist in
> Englischreiterkreisen offensichtlich ganz normal, daß die Pferde im
> Gelände schlecht zu kontrollieren sind, da geht man ohne Spezialsattel und
> Spezialgebiß (Pelham etc.) gar nicht erst raus. Der Rest ist eben
> 'Temperament'. Aaaaber Traversalen gehen kann er, na toll! /Sarkasmus aus.

Naja... Reinhild koennte recht haben, dass es mit der Haltung der Pferde
in Eurem Stall zusammenhaengen koennte. (also Mangel an freier bewegung
und Draussen-Sein)


>
> Da steh ich mit meinem Ansinnen, nach einer erfolgreichen halben Stunde
> Dressur das Pferd für die tolle Mitarbeit noch durch einen geruhsamen
> Ausritt belohnen zu wollen (ohne umzäumen und umsatteln) ganz schön allein
> in der Runde....

:-(((
>
<Fragen>


>
> Hmmm. Mit meinen derzeitigen Zeitverhältnissen ist es eher unrealistisch,
> denn wenn man regelmäßig nur 2x pro Woche an's Pferd kommt, kann man kaum
> was Grundlegendes bewirken - 3x die Woche wäre wesentlich
> aussichtsreicher. *Das* ist auch ein recht wichtiger Punkt. Ich versuche
> mich momentan mit der anderen RB kurzzuschließen, damit sie weiß, was ich
> mit dem Pferd mache. Wenn sie's genauso macht, könnten wir wenigstens zu
> zweit an einem Strang ziehen.

Das waere schonmal besser als nichts. Nur: Ein wirklich *sicheres*Pferd
wirst du so vermutlich nicht kriegen, es sei denn, die Sommerkoppel
loest einen teil der Probleme.
>
... Inwieweit beeinflussen Haltung,


> > Fuetterung und Reit-und Umgangsstil der Besitzer das Verhalten der
> > Stute?
>
> Die Besitzerin... o mei! Sie *hat* ein Pferd. Punkt. Interessieren tut sie
> sich nicht dafür... Deswegen tut mir die Stute auch leid, weil sie
> förmlich um eine Bezugsperson bettelt und wirklich dankbar ist für Alles,

> was man mit ihr macht ...

Armes Ross... tja, was will man da machen... und dann hat man unter
Umstaenden noch die netten Aussichten, dass die besitzerin, nachdem man
sich intensiv um das Pferdi gekuemmert hat und alle Probleme weitgehend
ausgebuegelt hat, entweder dann doch ihr herz fuer die Reiterei entdeckt
und das Ross wieder vergurkt, oder es verkauft, wenns mit dem Ausbuegeln
nicht klappt. Und dabei kann das Pferd doch nichts dafuer...

>
> > Dass sie zu steigen anfaengt, sehe ich eher in ihrer inneren Spannung,
> > als dass ich es als "Unsitte" sehen wuerde,
>
> Steigen... da hört die Freundschaft auf.

Hm. Ich denke, jeder hat ein Problem mit Pferden, mit dem er nicht gut
klarkommt. Ich kann evtl. bei Steigen auch gelassener sein, weil meine
Roesslein ja noch handliches Format haben. Etwas abgehoben gesehen ist
das Steigen lediglich ihr Ausruck, um die innere Spannung loszuwerden:
Vorwaerts darf sie nicht, bewegen muss sie sich (so duerfte sie sich
fuehlen), dann bleibt nur Steigen oder auf der Stelle herumspringen...


>
> Aber es hat sich auch ein bißchen was getan: erstens kommt mein Spezialist
> für 'wahnsinnige Roß' nächste Woche mal vorbei und schaut sich das Drama

> im Gelände an ...

Naja, der wird besser beurteilen koennen, was da los ist, als jeder, der
es per mail tut ;-)


>
> Zweitens habe ich jetzt beschlossen, daß ich bis auf weiteres vor jedem
> Reiten erstmal Führübungen mache, bis der gewisse langgezogene Seufzer
> kommt, der übersetzt ungefähr heißt: "na wenn's denn unbedingt sein muß...
> bäää..." . Das dauert so 5 -15 Minuten, dieselbe Zeit bräuchte ich zum
> Aufwärmen auch, und so habe ich aber ein aufgewärmtes *und* aufmerksames
> Pferd.

Das ist gewiss keine schlechte Idee.
Noch besser waere eine Moeglichkeit, sie frei laufen zu lassen, aber ich
weiss, dass das in den meisten Staellen ein Problem ist. Zudem darf sie
es ja jetzt wohl noch gar nicht, um sich nicht zu ueberanstrengen, oder?
Aber wenns ginge, dann wuerdest Du dich u.U. ueber ihre Luftspruenge
wundern koennen... wenn meine mal ihre verrueckten fuenf Minuten haben
(und die haben sie sogar im Offenstall), dann bin ich immer froh, dass
ich da jetzt nicht draufsitze... Carmina, die so ungern springt, bringt
dann leicht Kapriolen fertig mit einer Sprunghoehe von ca. 1,10 (sie ist
selber 1,47) und dreht sich dabei noch in der Luft...


>
... Geradeso, wie wenn die nach vorne -durch mich-
> abgefangene Hektik jetzt nach hinten ausgetobt würde.

Das wird es vermutlich auch gewesen sein. Aber frag mal Deinen
Pferdepsychiater ;-))


>
> Auf jeden Fall werde ich sie die paar Wochen noch behalten, bis die
> Weidesaison wieder anfängt, sodaß sie nicht auf das Gerittenwerden
> angewiesen ist, um Bewegung zu haben (das ist eh schon so ein Mißstand,
> der verboten gehört!).

Ja, eben. Dass die Pferde dann irgendwann ausrasten, braucht einen
iegentlich ja nicht zu wundern. Natuerlich darf man die evtl. eh kleinen
Weideflaechen nicht von pferden im Winter umpfluegen lassen, aber es
MUSS eben eine Moeglichkeit zur freien bewegung geben - sonst rasten
gerade Pferde wie Rebecca aus, die durch die Arbeit noch zu wenig
gefordert werden

>
> > Ich hatte zumindest teilweise mit Peter Pan so ein Problem. - snip - >
> und wenn er mit mir kaempfte, hatte er so lange zumindest > keine Angst.
>
> lach! Das ist auch eine Methode, seine Ängste zu besiegen....

Dachte er anscheined auch. :-)


>
> > Inzwischen geht es besser, aber wenn ich auch nicht mehr ganz so viel
> > Mut und Gelassenheit brauche, traue ich mich eben doch noch nicht immer.
>
> Das ist halt so schade, weil es eine Katze ist, die sich in den Schwanz
> beißt. Je riskanter das Pferd ist, umso seltener kommt es raus, und umso
> gefährlicher wird es...

Ja, das ist natuerlich richtig, nur habe ich festgestellt, dass er eben
doch so sensibel wie seine Mami ist, das heisst, setze ich mich mit
Angst drauf, hat er auch sofort welche. Das bedeutet fuer mich eben,
dass ich ihn nur dann draussen reiten kann, wenn meine Nervenkraft das
zulaesst. Nur darf man es eben nicht ganz vernachlaesigen und Ausreden
suchen... ich bin da auch nicht perfekter als andere.

> > Gruss, und gute Besserung, > > Anke > > +
> Peter Pan, der ganz mutig sein kann, solange Mami hinter ihm steht...
>
> vbg... Hosenmatz!

Genau :-) Aber sags bloss nicht laut, dann ist er ja soo beleidigt
<pscht>

Gruss,

Anke,
gestern ganz tapfer ;-)

+ Peter Pan,
der gestern wieder draussen im Wilden Wald bei den Wilden Baeumen war
<fuercht>

Volker Borchert

unread,
Apr 2, 2001, 7:25:27 AM4/2/01
to

Alternativ kann man auch blaue oder rote Presskordel in duenne Straehnen
aufdroeseln und damit die richtigen Loecher markieren.

--

"I'm a doctor, not a mechanic." Dr Leonard McCoy <mc...@ncc1701.starfleet.fed>
"I'm a mechanic, not a doctor." Volker Borchert <b...@teknon.de>

Marion Scheffels

unread,
Apr 2, 2001, 6:07:52 PM4/2/01
to
Am 2 Apr 2001 11:25:27 GMT schrieb Volker Borchert <b...@Gaia.teknon.de>
:

>Alternativ kann man auch blaue oder rote Presskordel in duenne Straehnen
>aufdroeseln und damit die richtigen Loecher markieren.

Meine Steigbügelgurte habe ich mit dem Punzeisen markiert.

>"I'm a doctor, not a mechanic." Dr Leonard McCoy <mc...@ncc1701.starfleet.fed>
>"I'm a mechanic, not a doctor." Volker Borchert <b...@teknon.de>

Dabei kommt mir endlich eine schicke Idee für ein Sig!

MarionS
--
RMS-M...@t-online.de
"Gott ist tot." - Nietsche
"Nietsche ist tot." - Gott
"Tote reden nicht." - Django

Beate M. Au

unread,
Apr 2, 2001, 3:56:48 PM4/2/01
to
Hallo Maria,

"mh" <maria....@dlr.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3AC48F8A...@dlr.de...


>
sich noch mehr aufregen.
>
> Könnte es sein, dass die Stute steigt, wenn sie sehr aufgeregt ist und
> Du sie dann noch kurz am Zügel bzw. Führstrick festhälst?

Bei mir ist sie noch nie gestiegen, was nebenbei gesagt ein Glück ist, denn
dafür wären die Trensenzügel zu kurz. Ich bin gerade auf der Suche nach
split reins, die zum Führen deutlich besser geeignet sind. Sie geht nur ein
paar cm hoch und stellt sich dann vehement quer, alles über den Haufen
schiebend, was nicht rechtzeitig wegspringt...


.
> Und dann sollte sie erst mal lernen, wer das Sagen hat und dass sie
> nicht machen kann, was ihr gerade einfällt, natürlich mit viel Geduld
> und Ruhe, nicht mit Strafen. Lies mal von Kerstin Diakont: Bodenarbeit
> mit Pferden.

Das habe ich seit etlichen Jahren im Regal stehen und empfehle es jedem
weiter, weil es mir auch gefällt. Im Gegensatz zu Pat Parelli... den
verkrafte ich nur in homöopathischen Dosen... und selbst davon nicht viel
... :-))

Liebe Grüße
Beate

Beate M. Au

unread,
Apr 2, 2001, 4:51:27 PM4/2/01
to
Hallo Frank,

"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3ac4998e$1...@netnews.web.de...


> "Beate M. Au" <beat...@surfeu.de> wrote:

> >Wir waren bisher zweimal draußen, dieselbe kurze Runde von ca. 30 Min, es
> >war jedesmal ein Fiasko. (...)

> was heisst schon "hysterisch"?

vbg... in *deiner* Tradition definiere ich 'Hysterie' als eine Form der
Reaktion, bei der der agierende Teil weit außerhalb jeglicher
Ansprechbarkeit auf Automatik geschaltet hat und nicht mehr in dieser Welt
weilt... vielleicht im Wolkenkuckucksheim, im Nirwana - was weiß ich. Bei
menschlichen Opfern dieses Zustandes haben sich einmalige Güsse mit
Eiswasser oder - für die ganz brutalen- eine Ohrfeige ausgesprochen
bewährt... :-)))

Vorsicht mit abwertenden Begriffen!

Ein normal erzogenes Pferd unter akutem Bewegungsnotstand sollte noch
einigermaßen beeinflussbar sein - meine Meinung.

> aber wenn das Pferd völlig aufgedreht aus dem Stall rauskommt kann man
> keine Konzentration erwarten - im Gegenteil manchmal wird die Grundlage zu
> Ungezogenheiten gelegt...

Die Geschichte mit dem Steigen hat sich ereignet, nachdem das Pferd bereits
eine halbe Stunde in der Halle geritten worden war, anschließend noch ins
Gelände ging und da auch nicht sofort, sondern nach einiger Zeit. *Das* fand
ich bedenklich.

> Ein unbewegtes Pferd dessen Muskeln kalt sind, das aus dem Stall rauskommt
> (möglicherweise noch bei Wind oder schönem Wetter) hat immer die Neigung
zu
> heftigen Bewegungen. Nicht um den Führer zu ärgern ("Absicht") sondern um
sich
> aufzuwärmen. Besser wäre es man lässt es auf einem Aussenreitplatz oder
grossen
> Paddock zunächst 1/4 Std. freilaufen bzw. treibt es sachte herum (ohne
Peitsche o.
> Longe).

Gerade bei einem Boxenpferd, dessen Muskulatur viel ungleichmässiger
belastet wird, würde ich genau das nicht tun, außer ich kenne es sehr, sehr
gut und weiß ganz genau, was es wann getan hat und wie es gearbeitet wurde.
Alle anderen Pferde würde ich erst führenderweise halbwegs aufwärmen, bevor
ich sie loslasse. Verletzungen wegen kalten Knochen, Sehnen und Muskeln
müssen wirklich nicht sein.

> Das schnellere und heftigere Erschrecken ist ebenfalls darauf
zurückzuführen,
> dass es aus einer reizärmeren Umgebung (Box) nach draussen kommt. Also ein
völlig
> normales Verhalten.

Ich finde es normal, wenn ein Pferd erschrickt und wie angewurzelt
stehenbleibt. Oder einen Satz zur Seite macht (obwohl das allein schon
saugefährlich ist, wenn's auf einer befahrenen Straße gemacht wird). Oder
zwei, drei Sprünge Gas gibt, und damit hat sich's. Bitte Alles mit halbwegs
nachvollziehbarem Grund. Aber kreiseln und steigen - 180° Wendung und ab -
komplettes Durchgehen - danke, das hatte ich alles schon, und wenn sich das
nicht ändern läßt, ist das kein Pferd für *mich*. Wer so ein Pferd sein
eigen nennt und einfach liebt, wird sich irgendwie arrangieren damit, das
ist wieder etwas Anderes.

> Selbst meine Pferde die seit 5 Monaten 24Std. am Tag auf ihrer 2,5
ha-Winterweide
> sind, und dort normalerweise recht ruhig verhalten, machen an der Hand
> Bocksprünge wenn sie länger nicht bewegt wurden, und ich weiss schon warum
ich
> Natascha, die kräftigste, am Kappzaum mitnehme und nicht am Halfter!

Ich stelle mir jetzt einfach mal vor, daß du groß und stark und kräftig bist
<g>- wissen tu ich's nicht. Ich persönlich finde ein erwartungsvoll und
übermütig an der Hand tänzelndes Pferd, das immer wieder nach dem Führstrick
schnappt, pustet und prustet und strahlt - herrlich! Bei Bocksprüngen hätte
ich starke Bedenken, das Pferd halten zu können! Warscheinlich hast du diese
Bedenken nicht und findest es deshalb nicht weiter schlimm...

> Wichtig ist, dass es überhaupt keinen Sinn macht das Pferd dafür zu
massregeln
> oder zu strafen.

Nein, natürlich nicht. Aber ich pariere sie durch und führe teilweise einen
regelrechten Tanz auf, damit sie mich ansieht... und das Phantastische: sie
schaut mich jedesmal ganz entgeistert an:"Du?! Ach, du bist auch noch da?!"
Und im selben Moment fällt sie regelrecht in sich zusammen, fast so, als ob
ich die Luft rausgelassen hätte. Und plötzlich kann sie sich *anschauen*,
was so entsetzlich ist.
Ist zwar einerseits schön, hilft mir aber vom Sattel aus gar nichts. :-(

> Gegenteil, es macht es meist noch schlimmer - und zweitens verliert es das
> Vertrauen in die Überlegenheit und Führungsstärke des begleitenden
Menschen, bzw.
> Reiters.

Ich kann kein Vertrauen verlieren, wenn ein Pferd nie welches entwickelt
hat, so wie dieses. Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...

CU
Beate


Beate M. Au

unread,
Apr 2, 2001, 5:07:25 PM4/2/01
to
Hallo Catja,
du sprichst aus Erfahrung... ich habe selber 4,5 Jahre einen Durchgänger
geritten, bis es dann doch geknallt hat - und wie. Ein Hoch auf die
Pferdehalterhaftpflicht!

"Catja Pafort" <ca...@aber.ac.uk> schrieb im Newsbeitrag
news:3.0.6.32.2001033...@pophost.aber.ac.uk...


Wenn ihm das Leben ueber'n Kopf waechst,

super formuliert! Genau so kommt es mir vor.

- etwas, von dem ich nur fuehle, dass es hilft, aber keine Beweise habe
(und das wegen Maul und Klauenseuche auch nicht auf die Probe gestellt
werden kann): Kraeuter-zusatzfutter. Magnesium-zusatz brachte gar nichts
(hat ihm wohl nicht gefehlt), aber seit ich das Zeug (NAF 'Easy Going')

Heißt die Firma 'NAF' oder ist das eine Abkürzung? Könnte gut sein, daß ihr
da wirklich was fehlt, denn sie säuft beim Spazierengehen mit Vorliebe aus
Schlammpfützen. Ich bin mir zwar sicher, daß das nicht optimal sein kann,
aber sie braucht's anscheinend, weil sie sich gar so gierig draufstürzt. Ein
paar Schlucke kriegt sie dann eben.

fuettere habe ich den Eindruck, als ob er nicht mehr ganz so auf der
Schwelle zum Wahnsinn steht. Er ist in sich gesetzter und denkt einen
Moment laenger nach, bevor er in Panik ausbricht - und den Moment kann ich
nutzen.

Genau, den Moment hätte ich auch gerne - wo man merkt, daß die Bewegung ins
Stocken gerät, daß der Rhythmus nicht mehr passt. Aber keine Explosion von
null auf 100.

Es kann auch sein, dass sie unsicher ist, und nie zu einem
Gelaendeverlasspferd wird

Habe gestern eine frühere RB von ihr kennengelernt. Genau das scheint der
Fall zu sein - sie hat allein Angst.

Aber bei einem fremden Pferd sind einem die
Haende leider gebunden :-(

Leider...

Liebe Grüße
Beate


Beate M. Au

unread,
Apr 2, 2001, 4:17:44 PM4/2/01
to
Hallo Reinhild,

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag

news:3ac628ee$0$28...@SSP1NO25.highway.telekom.at...


>
> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 9a1u7u$3aso5$2...@ID-60779.news.dfncis.de...

> > Sooo gerne würde ich das glauben! Wenn die andere RB nicht sagen würde,


> daß
> > sie schon 2x Frühling mit dem Pferd erlebt hätte, die ganz anders
> > abliefen... :-(
>

> meine RL sagt, man sollte
> das pferd vor dem ausreiten ablongieren, wenn nötig eine stunde bis es
müde
> ist. das kannst du mit einem rekonvaleszenten pferd natürlich nicht
machen,
> nur mit einem ganz gesunden.

Auch mit einem gesunden Pferd halte ich diese Methode für zweifelhaft, und
zwar aus zwei Gründen:
1. durch Longieren kriegt das Pferd erst richtig Kondition, damit ist das
Problem nur verschoben, wird aber in verschärfter Form wiederkommen, weil es
nichts ändert.
2. Jeder kann warscheinlich aus eigener Erfahrung bestätigen, daß müde
Nerven mürbe Nerven sind. Ein Pferd, daß so unangemessen ausrastet, wird es
auch in müdem Zustand tun - weil es erst recht keine Selbstbeherrschung mehr
aufbringen kann.

> > Sicher, irgendwie zurechtkommen wird sie wohl, aber es ist doch ein
> > Unterschied, ob man es "wieder mal geschafft hat" oder ob man einen
> > wunderschönen Ritt hinter sich hat...

> sicher, aber es ist doch eine frage der zeit. das pferd wird 4 jahre alt
und
> eva ist ca. 30 - die beiden haben noch alle zeit der welt, wozu sich also
> aufregen?

Ach so - das ist natürlich Teenie-Rabatt. ;-)

> ausserdem sollte das pferd eine grundausbildung bekommen. bevor
> sie ins gelände geht. die westernreiter hingegen sagen wieder, man sollte
> zuerst locker ins gelände gehen und dann ausbilden. aber diese frage
müsste
> man den profis stellen.

Meines Wissens gibt es gar kein Westernpferd (oder sollte es nach der reinen
Lehre zumindest nicht geben), daß nicht bereits eine solide Grundausbildung
*ohne* Reiter hinter sich hat, bevor es zum ersten Mal gesattelt wird? Damit
wären die Startvoraussetzungen zwischen Englisch- und Western-Remonten doch
sehr unterschiedlich?
Norbert, liest du noch mit?

> > Einer meiner (ganz wenigen) absolut eisernen Grundsätze: Nie bei
> > stürmischem Wetter ins Gelände!

> das braucht kein grundsatz zu sein. mit cäsar gehe ich auch bei
stürmischem
> wetter raus, auch einige der pferde meiner freundInnen sind dabei
> problemlos.

Glaube ich dir. Trotzdem - ich tu's nicht mehr!

> nee, ich meinte auch nach dem reiten, zumindestens beim pferd meiner
> freundin. beim jungpferd bin ich noch vorsichtig, sie ist für mich beim
> reiten ein unbeschriebenes blatt.

Wenn ich beim Ausreiten in einen Sturm gerate, kann ich's nicht ändern. Wenn
es bereits stürmt, reite ich nicht mehr los...

> > Ehrlich gesagt, ich möchte bei dem
> > try-and-error halt nicht irgendwelches harmloses Fußvolk mit
gefährden...
>
> da hast du natürlich recht, ist auch nicht ungefährlich für dich.

:-)))

> > Die müßte halt auch mit rausgehen... Der Spezialist für 'wahnsinnige
Roß',
> > den ich aufgetrieben hatte, versetzt mich momentan, und ein 0815-RL
hilft

> "wahnsinniges ross" ist hier übertrieben, wenn die pferde den winter über
> "eingesperrt" sind.

Das ist richtig. Trotzdem - mir kommt die Reaktion nach wie vor so überzogen
vor, daß ich auf 'Kopfschuß' tippe. Und deswegen möchte ich, daß sich das
jemand anschaut, der hauptberuflich mit schwierigen Pferden zu tun hat. Bei
solchen Grössenordnungen möchte ich mich *nicht* einmal zuviel verschätzt
haben bei der Beurteilung.

> kopf hoch, wenn der hals auch dreckig ist, sagt mein mann.

lol ! Schöner Spruch... und ob ich jetzt die reine Schxxx aus dem Fell
putzen muß oder einen Haufen Schlamm... ich persönlich ziehe den Schlamm bei
weitem vor!

Liebe Grüße
Beate


Sabine Loss

unread,
Apr 3, 2001, 1:46:21 AM4/3/01
to
Hallo Beate,

> Vorsicht mit abwertenden Begriffen!

gut gesagt <G>

> > Ein unbewegtes Pferd dessen Muskeln kalt sind, das aus dem Stall
rauskommt
> > (möglicherweise noch bei Wind oder schönem Wetter) hat immer die Neigung
> zu
> > heftigen Bewegungen. Nicht um den Führer zu ärgern ("Absicht") sondern
um
> sich
> > aufzuwärmen. Besser wäre es man lässt es auf einem Aussenreitplatz oder
> grossen
> > Paddock zunächst 1/4 Std. freilaufen bzw. treibt es sachte herum (ohne
> Peitsche o.
> > Longe).
>
> Gerade bei einem Boxenpferd, dessen Muskulatur viel ungleichmässiger
> belastet wird, würde ich genau das nicht tun, außer ich kenne es sehr,
sehr
> gut und weiß ganz genau, was es wann getan hat und wie es gearbeitet
wurde.
> Alle anderen Pferde würde ich erst führenderweise halbwegs aufwärmen,
bevor
> ich sie loslasse. Verletzungen wegen kalten Knochen, Sehnen und Muskeln
> müssen wirklich nicht sein.

Da stimme ich Dir zu - mit Boxenpferden muß man eben etwas vorsichtiger
sein! Ich habe das Glück, daß auf der Reitanlage, in der die zwei von mir
gerittenen Pferde stehen, eine Freiführmaschine steht. Wenn die beiden vor
dem Reiten eine halbe Stunde Schritt an dieser Anlage gelaufen sind, ist die
Muskulatur gelöster und die erste Spannung weg. Außerdem haben sie die
Möglichkeit, draußen zu sein, auch wenn die Koppeln noch gesperrt sind. Im
Sommer, wenn sie den ganzen Tag auf der Koppel sein können, ist es natürlich
noch schöner :-))


> > Das schnellere und heftigere Erschrecken ist ebenfalls darauf
> zurückzuführen,
> > dass es aus einer reizärmeren Umgebung (Box) nach draussen kommt. Also
ein
> völlig
> > normales Verhalten.
>
> Ich finde es normal, wenn ein Pferd erschrickt und wie angewurzelt
> stehenbleibt. Oder einen Satz zur Seite macht (obwohl das allein schon
> saugefährlich ist, wenn's auf einer befahrenen Straße gemacht wird). Oder
> zwei, drei Sprünge Gas gibt, und damit hat sich's. Bitte Alles mit
halbwegs
> nachvollziehbarem Grund. Aber kreiseln und steigen - 180° Wendung und ab -
> komplettes Durchgehen - danke, das hatte ich alles schon, und wenn sich
das
> nicht ändern läßt, ist das kein Pferd für *mich*. Wer so ein Pferd sein
> eigen nennt und einfach liebt, wird sich irgendwie arrangieren damit, das
> ist wieder etwas Anderes.

Der Übergang zwischen "normal" und "hysterisch" (oder wie auch immer man es
nennen will) ist so fließend und jeder wird für sich selber definieren
müssen, was tolerierbar ist. Kann es eigentlich sein, daß die Besitzerin das
Pferd aus Angst nicht mehr reitet? Vielleicht hat sie es mit ihr früher auch
gemacht?

Ja, wenn es sich um markante Dinge handelt, die sich das Pferd einfach mal
anschauen muß und danach problemlos vorbeigeht kann man auch mal absteigen -
aber wenn potentiell alles Angst verursachend ist und die Reaktion
unvorhersehbar und heftig ist, ist das alles schöne Theorie...

> > Gegenteil, es macht es meist noch schlimmer - und zweitens verliert es
das
> > Vertrauen in die Überlegenheit und Führungsstärke des begleitenden
> Menschen, bzw.
> > Reiters.
>
> Ich kann kein Vertrauen verlieren, wenn ein Pferd nie welches entwickelt
> hat, so wie dieses. Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...

Nun, vielleicht vergessen wir manchmal, daß nicht nur das Vertrauen des
Pferdes in den Reiter wichtig ist, sondern auch das Vertrauen des Reiters in
das Pferd. Wenn man nur "zitternd" (übertrieben gesagt) auf dem Pferd sitzt,
wird sich auch das Verhalten des Pferdes nie ändern. Und die nötige
Gelassenheit kann man nur entwickeln, wenn man eben wenigstens noch ein
wenig Vertrauen in das Pferd hat (wie bei Anke beispielsweise, die ihren
Peter Pan eben von klein auf kennt und das Verhalten des Pferdes dadurch
besser beurteilen kann). Ich habe beispielsweise den Vorteil, daß der
Besitzer die Pferde von klein auf kennt und sie sich an der Kutsche genauso
verhalten wie unter dem Sattel. Also können wir über bestimmte
Verhaltensweisen sprechen und ich kann besser beurteilen, ob es an mir, am
Frühling oder beispielsweise an der Rosse liegt, daß wieder Gespenster in
den Hallenecken umgehen.

Liebe Grüße
Sabine


Frank Mechelhoff

unread,
Apr 3, 2001, 4:19:41 AM4/3/01
to


OK, bei bestimmten Pferden kann auch schon das Freilaufen auf der Koppel schon
problematisch und verletzungsträchtig sein. (Vermutlich werden das auch
Kandidaten dafür sein, die Führmaschine zu zerlegen oder sich dort zu verletzen.
)
In jedem Fall macht ein solches Pferd Handlingprobleme egal was man mit ihm
anstellen will, deshalb werden sie ja in die Box gesperrt damit sie Ruhe geben.
Nur leider verschlimmert es das Problem. Und das Problem heisst "nicht
ausgelebter Bewegungsdrang" und nicht Hysterie. Dieser Bewegungsdrang ist
individuell nun mal sehr verschieden. Starker Bewegungsdrang ist ein Indiz für
ein edles und seelisch hochwertiges Tier. Wenn man es als Reiter nicht vermag ihn
in sinnvolle und geregelte Bahnen zu lenken, können aus permanenter Frustration
allerdings neurotische Störungen und "Untugenden" werden. Sie als Hysterie zu
bezeichnen, hilft allerdings nicht bei der Korrektur, weil nicht das Pferd schuld
ist.


>>Ich persönlich finde ein erwartungsvoll und
>> übermütig an der Hand tänzelndes Pferd, das immer wieder nach demFührstrick
>> schnappt, pustet und prustet und strahlt - herrlich! Bei Bocksprüngen hätte
>> ich starke Bedenken, das Pferd halten zu können! Warscheinlich hast du diese
>> Bedenken nicht und findest es deshalb nicht weiter schlimm...


Welcher Reiter freut sich nicht über ein bisschen ausgedrückte Lebensfreude? Nur
in der richtigen Reihenfolge: Wer die Natur beherrschen will, muss zuerst lernen
ihr zu folgen (sprich, allzugrosse Triebstauungen vermeiden!). Erst wenn das
Pferde gehorcht, kann (und sollte) ihm Freiheit vor allzu großer Bevormundung
gegeben werden, denn wir wollen ja keinen Sklaven sondern geistig mitarbeitende
Partner. Das braucht natürlich seine Zeit und geht nicht von heute auf morgen!
Ein solches Pferd macht seine Bocksprünge in gebührendem Abstand weil es nicht
die Absicht hat jemanden zu beschädigen, und entsprechend aufpasst. Es drückt
seine Lebensfreude kompatibel mit seiner Umwelt aus und wird weder seinem Herrn
noch Dritten (Fussgänger, Radfahrer, Strassenverkehr) gefährlich.

Stefan Ungemach

unread,
Apr 3, 2001, 5:40:55 AM4/3/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3ac9879d$1...@netnews.web.de...


> OK, bei bestimmten Pferden kann auch schon das Freilaufen auf der Koppel
schon
> problematisch und verletzungsträchtig sein. (Vermutlich werden das auch
> Kandidaten dafür sein, die Führmaschine zu zerlegen oder sich dort zu
verletzen.
> )
> In jedem Fall macht ein solches Pferd Handlingprobleme egal was man mit
ihm
> anstellen will, deshalb werden sie ja in die Box gesperrt damit sie Ruhe
geben.
> Nur leider verschlimmert es das Problem. Und das Problem heisst "nicht
> ausgelebter Bewegungsdrang" und nicht Hysterie. Dieser Bewegungsdrang ist
> individuell nun mal sehr verschieden. Starker Bewegungsdrang ist ein Indiz
für
> ein edles und seelisch hochwertiges Tier. Wenn man es als Reiter nicht
vermag ihn
> in sinnvolle und geregelte Bahnen zu lenken, können aus permanenter
Frustration
> allerdings neurotische Störungen und "Untugenden" werden. Sie als Hysterie
zu
> bezeichnen, hilft allerdings nicht bei der Korrektur, weil nicht das Pferd
schuld
> ist.

Wohl gesprochen. Nicht vergessen sollte man allerdings, dass es durchaus
auch "hysterische" Pferde gibt, bei denen mitnichten ein nicht ausgelebter
Bewegungsdrang, sondern was anderes die Ursache fuer die unbestrittene
Verhaltensstoerung ist. Die allerdings werden in den seltensten Faellen
durch Ablongieren oder andere Formen der "Voarb-Bewegung" wesentlich ruhiger
und steigern sich zudem erst nach einer gewissen, stoerungsfarmen
Arbeitszeit in ihre Zustaende hinein.

Gruss
Stefan
--
--
Stefan Ungemach (www.ungemachdata.de)

"Die Intelligenz auf der Erde ist eine Konstante. Nur die Bevoelkerung
waechst..."

Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 3, 2001, 12:09:25 PM4/3/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9aatpa$4mcju$4...@ID-60779.news.dfncis.de...

hallo beate,

> Ein normal erzogenes Pferd unter akutem Bewegungsnotstand sollte noch
> einigermaßen beeinflussbar sein - meine Meinung.

hast du schon mal gesehen, wenn hunde oder katzen durchdrehen? und die
wiegen nur 2 - 50 kg. das pferd wiegt 380 - 750 kg, auch der kräftigste mann
ist ein nichts gegen so viel geballte kraft. ich habe 6 monate alte fohlen
gesehen, die junge burschen beim vortraben durch die bahn geschliffen haben.


>
> Alle anderen Pferde würde ich erst führenderweise halbwegs aufwärmen,
bevor
> ich sie loslasse. Verletzungen wegen kalten Knochen, Sehnen und Muskeln
> müssen wirklich nicht sein.

dagegen ist ja nichts einzuwenden. aber dann darf das tierchen schon ein
bisschen laufen. wir müssen erst zehn minuten gehen, um zum viereck zu
kommen, also sind wir schon etwas aufgewärmt.


>
>Wer so ein Pferd sein
> eigen nennt und einfach liebt, wird sich irgendwie arrangieren damit, das
> ist wieder etwas Anderes.

perfekt ist kein mensch und kein pferd. auch mitreiter dürfen redlich an
freud und leid mit dem pferd teilhaben.


>
> schnappt, pustet und prustet und strahlt - herrlich! Bei Bocksprüngen
hätte
> ich starke Bedenken, das Pferd halten zu können! Warscheinlich hast du
diese
> Bedenken nicht und findest es deshalb nicht weiter schlimm...

auch wenn du meinst, von pat parelli nichts mehr lernen zu können: mit
seinem führstrick und halfter tue ich mir am leichtesten, ob ein pferd nun
schwierig zu führen ist oder nicht. wenn das pferd stürmt, kreist du mit dem
strickende vor dem gesicht des pferdes und sagst: mädel/bub, da ist eine
wand, schau eine wand... berühren sollst du das pfed damit aber nicht, und
freiwillig läuft es nicht ins strickende.


>
> Ich kann kein Vertrauen verlieren, wenn ein Pferd nie welches entwickelt
> hat, so wie dieses. Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...

pass auf, dass sich nirgends schlagen ringeln und dass du keine äpfel isst..
...

liebe gruesse,
reinhild


Catja Pafort

unread,
Apr 3, 2001, 12:39:37 PM4/3/01
to
Reinhild schrieb:

>meine RL sagt, man sollte
>das pferd vor dem ausreiten ablongieren, wenn nötig eine stunde bis es müde
>ist. das kannst du mit einem rekonvaleszenten pferd natürlich nicht machen,
>nur mit einem ganz gesunden.

Das sollte man auch mit einem ganz gesunden nicht machen, sonst bleibt es
nicht lange gesund. Wenn Pferde "muede geritten" (longiert) werden, steigt
die Verletzungsgefahr - eine kurze Longe (5 min) oder ein kurzer (15 min)
Bahnritt um volle Aufmerksamkeit sicherzustellen - ja, wenn noetig - aber
wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann sollte entweder
aufs Ausreiten oder aufs Pferd verzichten!

>die westernreiter hingegen sagen wieder, man sollte
>zuerst locker ins gelände gehen und dann ausbilden. aber diese frage müsste
>man den profis stellen.

Man kann die Grundausbildung sehr wohl ins Gelaende verlegen - in geigneter
Begleitung, und solange das Pferd mitspielt. Zur Korrektur von
Problempferden ist das Gelaende jedoch denkbar schlecht geignet. Das
Problem mit extrem gruenen Pferde in der Bahn ist, das die Bahn gross genug
sein muss, um keine Gleichgewichtsprobleme zu schaffen, und man mit manchen
Pferden so gut wie gar nichts tun kann. Im Gelaende ist das Problem eher
die Kontrolle ueber das ungeschulte Pferd - es muss sich jeder Reiter mit
jedem Pferd halt selber entscheiden, was wichtiger ist.

>> Einer meiner (ganz wenigen) absolut eisernen Grundsätze: Nie bei
>>stürmischem Wetter ins Gelände!
>
>das braucht kein grundsatz zu sein. mit cäsar gehe ich auch bei stürmischem
>wetter raus, auch einige der pferde meiner freundInnen sind dabei
>problemlos.

Manche Pferde sind problemlos, anderen macht Schlechtwetter was aus -
ausprobieren und danach richten.

>"wahnsinniges ross" ist hier übertrieben, wenn die pferde den winter über
>"eingesperrt" sind.

Sorry - ich habe so manches Winterstallpferd erlebt, das beim ersten
Ausritt *nicht* verrueckt war - ein wenig frisch, ja, aber gerade wenn der
Aussenplatz genutzt wird, nicht total frischluftentwoehnt. _Natuerlich_ ist
der ganzjaehrige Weidegang besser und auch fuer den Reiter gesuender - aber
er macht noch lange nicht jedes Pferd zum Monster.

Catja
und der Count (der es hasst, in der Box zu stehen, aber trotzdem nicht
verrueckt wird)

Karin Mertens

unread,
Apr 4, 2001, 2:30:20 AM4/4/01
to
Catja Pafort wrote:

> Das sollte man auch mit einem ganz gesunden nicht machen, sonst bleibt es
> nicht lange gesund. Wenn Pferde "muede geritten" (longiert) werden, steigt
> die Verletzungsgefahr - eine kurze Longe (5 min) oder ein kurzer (15 min)
> Bahnritt um volle Aufmerksamkeit sicherzustellen - ja, wenn noetig - aber
> wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann sollte entweder
> aufs Ausreiten oder aufs Pferd verzichten!
>

Hi Catja,
den letzten Satz halte ich für stark übertrieben. Es gibt nun mal Pferde, die
anfangs powern. Die machen es in der Halle und im Gelände, in ersterer ist es
nur ungefährlicher.
Soll ich mein Pferd jetzt verkaufen, weil er mir im Gelände immer rumtobt? Soll
ich auf Sonntagsausritte verzichten, weil mir da (ohne vorherige Arbeit in der
Halle) zu viele Leute unterwegs sind, die ich mit meinem Pferd nicht von der
Straße schubsen will?
Wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann, soll sein Pferd
vorher arbeiten und dann, wenn er es kontrollieren kann, damit im Gelände
glücklich werden!

> Im Gelaende ist das Problem eher
> die Kontrolle ueber das ungeschulte Pferd - es muss sich jeder Reiter mit
> jedem Pferd halt selber entscheiden, was wichtiger ist.
>

Naja, oder wie die Umgebung eben ist - wenn ich hier nach 300 Metern in
irgendeine Richtung auf eine Straße treffe, werde ich das Gelände reiten doch
erst mal unterlassen, bis mein Tierchen weiß, was eine Parade ist ;)

> Manche Pferde sind problemlos, anderen macht Schlechtwetter was aus -
> ausprobieren und danach richten.
>

*nick*

> Sorry - ich habe so manches Winterstallpferd erlebt, das beim ersten
> Ausritt *nicht* verrueckt war - ein wenig frisch, ja, aber gerade wenn der
> Aussenplatz genutzt wird, nicht total frischluftentwoehnt. _Natuerlich_ ist
> der ganzjaehrige Weidegang besser und auch fuer den Reiter gesuender - aber
> er macht noch lange nicht jedes Pferd zum Monster.

Ich hoffe, daß es die lange Nicht-Ausreit-Zeit war, die mein Pferd momentan
draußen so ätzend macht - frischluftentwöhnt ist er aber trotz Boxenhaltung
nicht, weil er bei trockenem Wetter sich auf dem Paddock rumtreiben darf.

MfG

Karin

Katje Binder

unread,
Apr 4, 2001, 3:48:19 AM4/4/01
to
Am Tue, 3 Apr 2001 11:40:55 +0200, schrieb "Stefan Ungemach"
<stefan....@bingo-ev.de> in der Nachricht
<9ac1tu$flv$1...@news2.dtag.de> :

Hallo Ihr,

>Wohl gesprochen. Nicht vergessen sollte man allerdings, dass es durchaus
>auch "hysterische" Pferde gibt, bei denen mitnichten ein nicht ausgelebter
>Bewegungsdrang, sondern was anderes die Ursache fuer die unbestrittene
>Verhaltensstoerung ist. Die allerdings werden in den seltensten Faellen
>durch Ablongieren oder andere Formen der "Voarb-Bewegung" wesentlich ruhiger
>und steigern sich zudem erst nach einer gewissen, stoerungsfarmen
>Arbeitszeit in ihre Zustaende hinein.

Die Therapie muss dann also darauf abzielen, die stoerungsarme Zeit so
weit wie moeglich auszudehnen und vor allem mit einem solchen Pferd
_nie_ alleine und _nie_ laenger als das Pferd sicher ruhig bleibt,
auszureiten. Sich um zusaetzliche Bewegung zu kuemmern, es auszubilden
und mal einen Blick in den Futtertrog zu werfen schadet auch auf
keinen Fall. Solche Stoerungen sind IMHO immer durch mehrere Faktoren
bedingt.

So long,

Katje

Katje Binder

unread,
Apr 4, 2001, 3:48:17 AM4/4/01
to
Am Mon, 2 Apr 2001 22:17:44 +0200, schrieb "Beate M. Au"
<beat...@surfeu.de> in der Nachricht
<9aatp9$4mcju$3...@ID-60779.news.dfncis.de> :

Hallo,
[longieren]


>Auch mit einem gesunden Pferd halte ich diese Methode für zweifelhaft, und
>zwar aus zwei Gründen:
>1. durch Longieren kriegt das Pferd erst richtig Kondition, damit ist das
>Problem nur verschoben, wird aber in verschärfter Form wiederkommen, weil es
>nichts ändert.

Das Pferd hat aber die Gelegenheit, ueberschuessige Energie erstmal
gefahrlos abzureagieren. Ich habe das damals mit Apollo auch gemacht,
der aehnlich paranoid war, wenn es ins Gelaende ging. Und der hatte
wohlgemerkt den ganzen Tag Weidegang...
Vor dem Reiten 15 Minuten flott longieren hat jedenfalls bei uns
geholfen, etwas entspannter auf den Ausritt zu gehen.

>2. Jeder kann warscheinlich aus eigener Erfahrung bestätigen, daß müde
>Nerven mürbe Nerven sind. Ein Pferd, daß so unangemessen ausrastet, wird es
>auch in müdem Zustand tun - weil es erst recht keine Selbstbeherrschung mehr
>aufbringen kann.

Du sollst das Pferd ja auch nicht stundenlang longieren. Es soll sich
nur ein bisschen abregen. Ich habe festgestellt, dass aengstliche
Pferde sich haeufig so benehmen wie jemand, der zu viel Kaffee
getrunken hat :-). Diese Uebererregung durch kontrollierte Bewegung
abzufangen ist nichts Schlechtes... alternativ kann man ja auch in der
Halle oder eben dort, wo das Pferd sich nicht aufregt, reiten, bis der
erste Uebermut verflogen ist.

So long,

Katje + Apollo, der inzwischen super entspannt im Gelaende ist - vor
einem Jahr haette ich nie geglaubt, dass wir je so weit kommen wuerden
:-))

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 4, 2001, 6:08:56 AM4/4/01
to
"Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:
>
>Wohl gesprochen. Nicht vergessen sollte man allerdings, dass es durchaus
>auch "hysterische" Pferde gibt, bei denen mitnichten ein nicht ausgelebter
>Bewegungsdrang, sondern was anderes die Ursache fuer die unbestrittene
>Verhaltensstoerung ist. Die allerdings werden in den seltensten Faellen
>durch Ablongieren oder andere Formen der "Voarb-Bewegung" wesentlich ruhiger
>und steigern sich zudem erst nach einer gewissen, stoerungsfarmen
>Arbeitszeit in ihre Zustaende hinein.


Ich neige das zu bezweifeln. "Hysterie" suggeriert sexualhormonelle Ursache
zeitweiser Hyperaktivität. In Kombination mit anderen Ursachen mag das im
Frühjahr bei rossigen Stuten schon mal vorkommen (dann äussern sich diese
"Zustände" kaum ausschliesslich unterm Sattel). Aber auch das sollte sich durch
einen verständigen Besitzer soweit mildern lassen, dass das Pferd weder für ihn,
noch sich selbst, oder die Umgebung zu einer potentiellen Gefahrenquelle wird.


Pferde die sich im Laufe der Arbeit hochputschen kenne ich selbstverständlich
auch! Auch dann liegt "Hysterie" höchst selten vor, sondern entweder
übersteigerter Eifer (oft psychische Folge von einseitigem oder Übertraining) -
oder irgendetwas passt nicht, tut weh, z.B. Sattel, Schmerzen im Hals, Rücken,
Hinterbeinen, zu stark zusammengestellte Haltung usw. In jedem Fall ein Grund für
den Reiter, einen Gang zurückzuschalten und Ursachenforschung zu betrieben.


Ein Pferd in diesem Zustand weiter zu arbeiten hat fast immer üble Folgen, da es
unter Endorphinen steht und das normale Gefühl und Schmerzempfinden herabgesetzt
ist. Andererseits gibt es den "normalen" Übereifer des temperamentvollen Pferdes
im Leistungstraining das gern mitmacht und mehr anbietet als ihm vielleicht
guttäte. Das ist ohne entsprechende Erfahrung manchmal nicht leicht
auseinanderzuhalten, fällt aber gleichfalls nicht unter "Hysterie".


Es gibt Reiter die werfen mit Abwertungen wie "Pferd ist blöd im Kopf",
"hysterisch" o.ä. nur so um sich. Sie zeigen damit nur dass sie von Pferden mit
Nerv, Adel und Temperament doch besser die Finger lassen, und lieber eins nehmen
sollten das bestrebt ist alle 4 Füsse auf dem Boden zu haben. Gegen eine solche
Wahl ist ja nicht das geringste einzuwenden.


Reiterliche Grüsse,

Catja Pafort

unread,
Apr 4, 2001, 6:18:14 AM4/4/01
to
Karin schrieb:

>> wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann sollte entweder
>> aufs Ausreiten oder aufs Pferd verzichten!
>>
>
>Hi Catja,
>den letzten Satz halte ich für stark übertrieben. Es gibt nun mal Pferde, die
>anfangs powern. Die machen es in der Halle und im Gelände, in ersterer ist es
>nur ungefährlicher.

Die Frage, die ich mir da stelle, ist *warum*. Ich halte es beim Reiten mit
l'Hotte: Ruhig, vorwaerts, und geradegestellt. Besonders die Sache mit der
Ruhe. Die ist in meinen Augen die erste Vorraussetzung fuer ein gutes
Reitpferd - und wenn ich die nicht habe, dann kann ich den Rest schlichtweg
vergessen. Dass heisst nicht, dass man dem Pferd den Vorwaertsdrang
austreiben soll - (wie man es beim Muedereiten/longieren ja versucht) - im
Gegenteil! Nur kontrollierbar in die richtige Richtung soll der
Vorwaertsdrang werden - nein, MUSS er werden, wenn der Reiter das Pferd in
der Hand haben will.

>Soll ich mein Pferd jetzt verkaufen, weil er mir im Gelände immer rumtobt?
Soll
>ich auf Sonntagsausritte verzichten, weil mir da (ohne vorherige Arbeit in
der
>Halle) zu viele Leute unterwegs sind, die ich mit meinem Pferd nicht von der
>Straße schubsen will?

Nein - aber Dir genau ueberlegen, warum Dein Pferd rumtobt, rausfinden, wie
Du seine Konzentration verbessern kannst, und wie Du die Dinge, die ihn
aufregen, abstellen bzw ihn besser darauf vorbereiten kannst.

>Wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann, soll sein Pferd
>vorher arbeiten und dann, wenn er es kontrollieren kann, damit im Gelände
>glücklich werden!

Es tut mir leid - aber wenn Du es regelmaessig *noetig* hast, Dein Pferd
mehr als besagte kurze Konzentrationsuebung zu reiten, dann scheint er
tatsaechlich 'eine Nummer zu gross' fuer Dich. Und das halte ich fuer
gefaehrlich. Helfen tut da nur Reitunterricht mit jemandem, der sich mit
sowas auskennt. Ich habe es leider mehrfach erlebt, das Leute mit Pferden,
die sie im Normalfall einigermassen unter Kontrolle hatten, zu Schaden
gekommen sind :-(


>> Im Gelaende ist das Problem eher
>> die Kontrolle ueber das ungeschulte Pferd - es muss sich jeder Reiter mit
>> jedem Pferd halt selber entscheiden, was wichtiger ist.
>>
>
>Naja, oder wie die Umgebung eben ist - wenn ich hier nach 300 Metern in
>irgendeine Richtung auf eine Straße treffe, werde ich das Gelände reiten doch
>erst mal unterlassen, bis mein Tierchen weiß, was eine Parade ist ;)

In der Tat. <SEUFZ>
Habt ihr auch so ein bescheuertes Gelaende? Unser Ausreitgelaende ist fuer
Englische Verhaeltnisse relativ gut - aber der halbe "Ausritt" findet auf
der Strasse statt, und der Rest hat Gattertore bis zum Abwinken. Irgendwie
ist das Ausreiten nicht sonderlich witzig wenn man alle fuenf Minuten auf-
und absteigen muss...

>> Sorry - ich habe so manches Winterstallpferd erlebt, das beim ersten
>> Ausritt *nicht* verrueckt war - ein wenig frisch, ja, aber gerade wenn der
>> Aussenplatz genutzt wird, nicht total frischluftentwoehnt. _Natuerlich_ ist
>> der ganzjaehrige Weidegang besser und auch fuer den Reiter gesuender - aber
>> er macht noch lange nicht jedes Pferd zum Monster.
>
>Ich hoffe, daß es die lange Nicht-Ausreit-Zeit war, die mein Pferd momentan
>draußen so ätzend macht - frischluftentwöhnt ist er aber trotz Boxenhaltung
>nicht, weil er bei trockenem Wetter sich auf dem Paddock rumtreiben darf.

Gut. Wenn der Boden (notfalls halt doch Strasse, seufz) einigermassen
mitspielt, wuerde ich auch im Winter immer mal 'ne kurze Runde rausgehen,
notfalls zu Fuss - so dass der gefuerchtete 'erste Ausritt' nie stattfindet.

Manchmal leichter gesagt als getan.

Catja
und der Count

Sabine Loss

unread,
Apr 4, 2001, 7:14:48 AM4/4/01
to
Hallo,

> >
> >Wohl gesprochen. Nicht vergessen sollte man allerdings, dass es durchaus
> >auch "hysterische" Pferde gibt, bei denen mitnichten ein nicht
ausgelebter
> >Bewegungsdrang, sondern was anderes die Ursache fuer die unbestrittene
> >Verhaltensstoerung ist. Die allerdings werden in den seltensten Faellen
> >durch Ablongieren oder andere Formen der "Voarb-Bewegung" wesentlich
ruhiger
> >und steigern sich zudem erst nach einer gewissen, stoerungsfarmen
> >Arbeitszeit in ihre Zustaende hinein.
>
> Ich neige das zu bezweifeln. "Hysterie" suggeriert sexualhormonelle
Ursache
> zeitweiser Hyperaktivität. In Kombination mit anderen Ursachen mag das im
> Frühjahr bei rossigen Stuten schon mal vorkommen (dann äussern sich diese
> "Zustände" kaum ausschliesslich unterm Sattel). Aber auch das sollte sich
durch
> einen verständigen Besitzer soweit mildern lassen, dass das Pferd weder
für ihn,
> noch sich selbst, oder die Umgebung zu einer potentiellen Gefahrenquelle
wird.

Nun, schauen wir doch mal, was "Hysterie" bedeutet, wenn Du schon so auf
diesem Begriff "rumhackst". Ich habe (in wissen.de) folgende Definition
gefunden:

"Psychisch bedingte körperliche Störungen im Sinne einer Konversionsneurose.
Als unerträglich empfundene seelische Belastungen führen wahrscheinlich bei
entsprechender charakterlicher Veranlagung zu der für die Hysterie typischen
Diskrepanz zwischen der unbewussten Selbstwahrnehmung und -darstellung eines
Hysterikers und seinem eigentlichen Wesen. Der Verlust bewusster Verhaltens-
und Wahrnehmungskontrolle führt zu der Scheinlösung der hysterischen
Neurose.
Der Begriff geht auf Hippokrates zurück, der in der Antike die Hysterie als
typisches Frauenleiden auf krankhafte Vorgänge in der Gebärmutter
(griechisch hystéra) zurückführte. Charcot und Freud beschrieben die
Hysterie erstmals als eigenes Krankheitsbild. - In der Alltagssprache wird
mit Hysterie eine unangemessene, überzogene seelische Erregung bezeichnet
(z. B. Massenhysterie)."

Wichtig ist der letzte Satz, denn der Alltagssprache bedienen sich ja die
allermeisten hier in der Newsgroup: "...eine unangemessene, überzogene
seelische Erregung...". Diese kann beim Pferd IMHO durch Reizüberflutung
zustandekommen, durch Bewegunsgmangel und durch Tausend andere Dinge, und
zwar unabhängig vom Geschlecht des Pferdes. Wallache können genauso
"hysterisch" sein wie Stuten und Hengste.
Da es eine "unangemessene, überzogene" Erregung ist, kann sie in dem Moment
nicht vom Besitzer geregelt werden, weil dieser sie in dieser Heftigkeit
nicht erwartet.


>
> Pferde die sich im Laufe der Arbeit hochputschen kenne ich
selbstverständlich
> auch! Auch dann liegt "Hysterie" höchst selten vor, sondern entweder
> übersteigerter Eifer (oft psychische Folge von einseitigem oder
Übertraining) -
> oder irgendetwas passt nicht, tut weh, z.B. Sattel, Schmerzen im Hals,
Rücken,
> Hinterbeinen, zu stark zusammengestellte Haltung usw. In jedem Fall ein
Grund für
> den Reiter, einen Gang zurückzuschalten und Ursachenforschung zu
betrieben.

ACK. Aber: Im Ausgangsposting ging es gerade nicht um ein Pferd, das sich im
Laufe der Arbeit hochputscht, sondern das draußen plötzlich überreagiert und
Verhaltensweisen zeigt, die man sonst nicht von ihm kennt. Und die
Ausgangsfrage war: Woran kann es liegen - also Ursachenforschung. Dieses
wurde als "hysterisch" bezeichnet.

> Ein Pferd in diesem Zustand weiter zu arbeiten hat fast immer üble Folgen,
da es
> unter Endorphinen steht und das normale Gefühl und Schmerzempfinden
herabgesetzt
> ist. Andererseits gibt es den "normalen" Übereifer des temperamentvollen
Pferdes
> im Leistungstraining das gern mitmacht und mehr anbietet als ihm
vielleicht
> guttäte. Das ist ohne entsprechende Erfahrung manchmal nicht leicht
> auseinanderzuhalten, fällt aber gleichfalls nicht unter "Hysterie".

Nun, IMHO gehört Steigen beispielsweise nicht zu dem "normalen" Übereifer
des Pferdes, sondern zu einer Unart (und so sehr Pferde Pferde und keine
Menschen sind, Unarten können sie durchaus haben). Es ist doch eine
Drohgebärde, oder liege ich völlig falsch? Buckeln ist dagegen eher Ausdruck
von "Lebensfreude" oder Temperament. Wenn beide Verhaltensweisen plötzlich
auftauchen und bislang eher ungewöhnlich für das Pferd sind, ist es eben
"Hysterie".

> Es gibt Reiter die werfen mit Abwertungen wie "Pferd ist blöd im Kopf",
> "hysterisch" o.ä. nur so um sich. Sie zeigen damit nur dass sie von
Pferden mit
> Nerv, Adel und Temperament doch besser die Finger lassen, und lieber eins
nehmen
> sollten das bestrebt ist alle 4 Füsse auf dem Boden zu haben. Gegen eine
solche
> Wahl ist ja nicht das geringste einzuwenden.

Bei einer per se nervigen Pferd erwarte ich hier als "hysterisch"
bezeichnete Verhaltensweisen und würde eben einen anderen Begriff
verwenden - nervig oder temperamentvoll zum Beispiel. Bei einem Pferd, das
sonst aber nicht bei jeder Kleinigkeit in die Luft geht, ist es eben eine in
diesem Moment überzogene Reaktion und damit "hysterisch".
Ich kann mir nicht vorstellen, daß es Reiter gibt, die lieber buckelnde,
steigende und/oder durchgehende Pferde haben als solche, die alle 4 Füße auf
dem Boden lassen. Aber es gibt Reiter die das in gewissen Maßen akzeptieren
oder gelernt haben, damit umzugehen. (Aber solche Pferde können BTW dennoch
gute Geländepferde sein.) Und es gibt Reiter, die mit solchen Pferden
überfordert sind und dann bewundere ich die, die in der Lage sind, das
zuzugeben.

Viele Grüße
Sabine


Karin Mertens

unread,
Apr 4, 2001, 8:33:21 AM4/4/01
to
Hi Catja,

also die Sache ist die: Mein Pferd ist Trakehner, erwachsen (10 Jahre) und im
Umgang 95% zuverlässig (wenn die Laune mal da ist, macht er halt nen Hüpfer). Im
Gelände ist er momentan meistens unerträglich. Wenn ich Lust auf ein bißchen
bummeln habe, führe ich ihn lieber als daß ich mich drauf setze. Szenario: Karin
geht nach dem Reiten mit dem Dicken noch eine Sonnenuntergangsrunde - beide völlig
entspannt, Pferd am hingegebenen Zügel. Karin denkt sich . o O ( Boooo, toll, mein
Pferd ist heute ganz locker und cool), Karin biegt nach links ab. Pferd läuft 20
Meter und bleibt stehen. Karin schaut sich verzweifelt um und entdeckt nicht das,
was das Pferd stört (vermutlich wieder ein dunkelgrünerer Grashalm auf der Wiese
schräg vor uns...). Pferd hat Eselmodus eingestellt: Ich geh keinen Schritt mehr
vorwärts, nicht einen. Pferd versucht umzudrehen, treiben wird mit Steigen
quittiert. Vermehrtes Treiben wird mit Steigen und Umdrehen quittiert (wobei wir
halber noch stürzen - ich bin froh, daß mein Pferd keine Eisen auf dem Teerweg
draufhat). Karin denkt sich . o O ( DANKE Pferdlein), spart sich das Absteigen und
an -wasauchimmer- vorbeiführen, da das nur dazu führt, daß das Pferd dann alle 20
Meter irgendwas entdeckt - hatten wir schon öfters probiert. Karin hat auch keinen
Bock auf die Schnauze zu fallen, dreht Pferd um und geht heim. Hey, im Normalfall
würde ich auch sagen "auf jeden Fall da vorbei" - aber mein Pferd und ich sind
nicht normal ;)

Catja Pafort wrote:

> Karin schrieb:
>
> >> wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann sollte entweder
> >> aufs Ausreiten oder aufs Pferd verzichten!
> >>
> >
> >Hi Catja,
> >den letzten Satz halte ich für stark übertrieben. Es gibt nun mal Pferde, die
> >anfangs powern. Die machen es in der Halle und im Gelände, in ersterer ist es
> >nur ungefährlicher.
>
> Die Frage, die ich mir da stelle, ist *warum*. Ich halte es beim Reiten mit
> l'Hotte: Ruhig, vorwaerts, und geradegestellt. Besonders die Sache mit der
> Ruhe.

Mein Pferd IST ruhig und völlig gelassen - bis zu dem Moment, in dem er irgendwas
entdeckt, was er schrecklich finden kann. Ob das nun in der Halle oder draußen
ist, macht keinen Unterschied, nur daß er in der Halle weder steigt noch umkehrt,
sondern nur versucht, sich wegzumogeln. Ich hab' öfters das Gefühl, daß er mich
verarscht. Da er es aber nur beim Reiten macht und in manchen Fällen auch wirklich
Panik schiebt, ist dem sehr schwer beizukommen.

> >Soll ich mein Pferd jetzt verkaufen, weil er mir im Gelände immer rumtobt?
> Soll
> >ich auf Sonntagsausritte verzichten, weil mir da (ohne vorherige Arbeit in
> der
> >Halle) zu viele Leute unterwegs sind, die ich mit meinem Pferd nicht von der
> >Straße schubsen will?
>
> Nein - aber Dir genau ueberlegen, warum Dein Pferd rumtobt, rausfinden, wie
> Du seine Konzentration verbessern kannst, und wie Du die Dinge, die ihn
> aufregen, abstellen bzw ihn besser darauf vorbereiten kannst.

Erzähl mir was Neues :( Was meinst Du, was wir schon alles versucht und untersucht
haben. Mein Pferd sucht sich einfach irgendwelche Dinge, die ihn erschrecken
könnten - manchmal erkenne ich sie dann auch, wenn er rumhüpft (am Tollsten waren
die Haufen von anderen Pferden). Aber wirklich Veranlassung hat er seltenst. Er
stiert ja nicht jeden Maulwurf auf der Wiese an, sondern gestern den fünften auf
der linken Seite und heute den dritten rechts - und morgen gar keinen. Ich habe
auf gut deutsch keine Ahnung, warum er sich erschreckt, dementsprechend
genausowenig Möglichkeiten, ihn abzulenken oder irgendwie mich darauf
vorzubereiten...

>
>
> >Wer sein Pferd nicht in frischem Zustand kontrollieren kann, soll sein Pferd
> >vorher arbeiten und dann, wenn er es kontrollieren kann, damit im Gelände
> >glücklich werden!
>
> Es tut mir leid - aber wenn Du es regelmaessig *noetig* hast, Dein Pferd
> mehr als besagte kurze Konzentrationsuebung zu reiten, dann scheint er
> tatsaechlich 'eine Nummer zu gross' fuer Dich. Und das halte ich fuer
> gefaehrlich. Helfen tut da nur Reitunterricht mit jemandem, der sich mit
> sowas auskennt. Ich habe es leider mehrfach erlebt, das Leute mit Pferden,
> die sie im Normalfall einigermassen unter Kontrolle hatten, zu Schaden
> gekommen sind :-(
>

Du darfst mir gerne mal zeigen, wie man das bei dem Pferd macht... Ich hatte schon
einige Leute drauf sitzen, die reiten können... Übrigens habe ich nicht gesagt,
daß ich mein Pferd jedesmal vor einem Ausritt müde reite - nur an Feiertagen mache
ich es und werde es weiterhin machen - zum Schutz der anderen, die unterwegs sind.

> In der Tat. <SEUFZ>
> Habt ihr auch so ein bescheuertes Gelaende? Unser Ausreitgelaende ist fuer
> Englische Verhaeltnisse relativ gut - aber der halbe "Ausritt" findet auf
> der Strasse statt, und der Rest hat Gattertore bis zum Abwinken. Irgendwie
> ist das Ausreiten nicht sonderlich witzig wenn man alle fuenf Minuten auf-
> und absteigen muss...
>

*nick* Fast nur Teerwege, auf unbefestigten Wegen darf man eigentlich gar nicht
reiten, alles andere geschottert (was meiner in der Umstellungszeit jetzt noch
schlechter als Teer verkraftet).

> >Ich hoffe, daß es die lange Nicht-Ausreit-Zeit war, die mein Pferd momentan
> >draußen so ätzend macht - frischluftentwöhnt ist er aber trotz Boxenhaltung
> >nicht, weil er bei trockenem Wetter sich auf dem Paddock rumtreiben darf.
>
> Gut. Wenn der Boden (notfalls halt doch Strasse, seufz) einigermassen
> mitspielt, wuerde ich auch im Winter immer mal 'ne kurze Runde rausgehen,
> notfalls zu Fuss - so dass der gefuerchtete 'erste Ausritt' nie stattfindet.

Wie gesagt: Ich hoffe, daß es am Frühling liegt, bin mir da aber keineswegs
sicher. Außerdem bin ich mit meinem Dicken im Winter oft genug spazieren gegangen,
aber das bringt nicht wirklich viel. Irgendwie muß er lernen, auch ohne Menschen
neben sich mehr Vertrauen in sich zu haben... aber wie?

Ich war ja tierisch stolz, als wir letztens auf unseren schon fast wattartigen
Sandplatz reiten konnten und mit vielviel Überredungskunst tatsächlich einmal
außenrum sind - trotz schrecklichem Wegbrechen des Sandes bei Belastung und mit
nur ganz wenig steigen und umdrehen wollen *seufz*

Irgendwann stand ich mit ihm (ich saß drauf) in unserer Sandplatzpfütze und habe
richtig gemerkt, wie mein Pferd in Panik geriet, weil er nicht wußte, wohin er
sich trauen kann bei dem spiegelnden Wasser, durch das er den Boden nicht sehen
konnte.

Es ist einfach unheimlich schwer zu merken, was er sich ausdenkt, weil er einfach
Spaß dran hat, was er wirklich komisch findet und sich anschauen können will, und
was ihn schlichtweg in Panik versetzt :(

Karin

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 4, 2001, 8:55:47 AM4/4/01
to
"Sabine Loss" <josa...@web.de> wrote:


Was schliessen wir daraus? Es war einst eine Bezeichnung für eine Krankheit
hormonellen Ursprungs, vorzugsweise oder ausschliesslich bei weibliche Personen.
Heute ist es "umgangssprachlich" die (abwertende) Bezeichnung für ein
VerhaltensSYMPTOM. Es erklärt nicht ("Weshalb verhält sich der oder die so?")
sondern wertet ab ("Unangemessene Erregung, Massenhysterie).


Nun, auch das "hysterisch" sich aufführende Pferd wird sicherlich irgendeinen
Grund für sein Verhalten haben, von daher verhält es sich aus seiner Sicht gewiss
nicht unangemessen. Entweder hat es tatsächlich Angst oder hat kein Vertrauen zu
seinem Reiter o. irgendeine andere Erklärung.


>Wichtig ist der letzte Satz, denn der Alltagssprache bedienen sich ja die
>allermeisten hier in der Newsgroup: "...eine unangemessene, überzogene
>seelische Erregung...". Diese kann beim Pferd IMHO durch Reizüberflutung
>zustandekommen, durch Bewegunsgmangel und durch Tausend andere Dinge, und
>zwar unabhängig vom Geschlecht des Pferdes. Wallache können genauso
>"hysterisch" sein wie Stuten und Hengste.
>Da es eine "unangemessene, überzogene" Erregung ist, kann sie in dem Moment
>nicht vom Besitzer geregelt werden, weil dieser sie in dieser Heftigkeit
>nicht erwartet.


Also wird er sie wohl oder übel an der Ursache angehen müssen, d.h. die
Bedingungen schaffen dass die Auslöser für "überzogene Reaktionen" entweder
wegfallen, oder gemildert werden.


>> Pferde die sich im Laufe der Arbeit hochputschen kenne ich
>selbstverständlich
>> auch! Auch dann liegt "Hysterie" höchst selten vor, sondern entweder
>> übersteigerter Eifer (oft psychische Folge von einseitigem oder
>Übertraining) -
>> oder irgendetwas passt nicht, tut weh, z.B. Sattel, Schmerzen im Hals,
>Rücken,
>> Hinterbeinen, zu stark zusammengestellte Haltung usw. In jedem Fall ein
>Grund für
>> den Reiter, einen Gang zurückzuschalten und Ursachenforschung zu
>betrieben.
>
>ACK. Aber: Im Ausgangsposting ging es gerade nicht um ein Pferd, das sich im
>Laufe der Arbeit hochputscht, sondern das draußen plötzlich überreagiert und
>Verhaltensweisen zeigt, die man sonst nicht von ihm kennt. Und die
>Ausgangsfrage war: Woran kann es liegen - also Ursachenforschung. Dieses
>wurde als "hysterisch" bezeichnet.


Und darauf habe ich auch geantwortet. Jetzt führte Stefan *die* Pferde ins Feld,
auf die ich oben antwortete.


>> Ein Pferd in diesem Zustand weiter zu arbeiten hat fast immer üble Folgen,
>da es
>> unter Endorphinen steht und das normale Gefühl und Schmerzempfinden
>herabgesetzt
>> ist. Andererseits gibt es den "normalen" Übereifer des temperamentvollen
>Pferdes
>> im Leistungstraining das gern mitmacht und mehr anbietet als ihm
>vielleicht
>> guttäte. Das ist ohne entsprechende Erfahrung manchmal nicht leicht
>> auseinanderzuhalten, fällt aber gleichfalls nicht unter "Hysterie".
>
>Nun, IMHO gehört Steigen beispielsweise nicht zu dem "normalen" Übereifer
>des Pferdes, sondern zu einer Unart (und so sehr Pferde Pferde und keine
>Menschen sind, Unarten können sie durchaus haben)


Auch dies ist eine Wertung und keine Ursachenermittlung. Zweifelsohne kann
Steigen lästig, unangenehm oder gefährlich sein, sogar lebensgefährlich. Wenn es
aber durch eine harte Hand oder/und zu scharfe Zäumung, zu harten Sitz o.ä.
ausgelöst wird, ist es eine verständliche Reaktion auf eine "Unart" des Reiters.
Erst wenn das Pferd gewohnheitsmässig schafft sich von den reiterlichen Hilfen
durch Steigen loszumachen (bzw. sich ihm zu entledigen) wird es zu einer
(chronischen) Unart des Pferdes.


>. Es ist doch eine
>Drohgebärde, oder liege ich völlig falsch? Buckeln ist dagegen eher Ausdruck
>von "Lebensfreude" oder Temperament. Wenn beide Verhaltensweisen plötzlich
>auftauchen und bislang eher ungewöhnlich für das Pferd sind, ist es eben
>"Hysterie".


"Unwerwartet und ungewöhnlich", aus mangelnder Ursachenkenntnis (oder
Einfühlungsvermögen) des Reiters. Oder, wenn es auch "unmotiviert" ist, schlicht
und ergreifend ungezogen! Aber auch dann liegt ein Fehler des Reiters vor,
nämlich entweder Schwäche, oder die Erziehung versäumt zu haben.


Das Pferd verhält sich (aus seiner Sicht) nie unvernünftig, erst recht nicht
"hysterisch". Für jedes Verhalten gibt es eine Ursache. Sollten wir den Anspruch
haben der intelligentere der beiden Partner zu sein müssen wir uns schon
bequemen, diesen nachzuforschen und uns nicht mit "Erklärungen"
zufriedenzugeben, die zwar wenig Nachdenken erfordern, aber doch keine Lösungen
nahelegen. Oder wie wird Deiner Ansicht nach "Hysterisches Verhalten" beim Pferd
behandelt? Soll man es solange vermöbeln bis es wieder zu sich kommt? Diese Kur
legen viele nahe bei diesem Stichwort...


>> Es gibt Reiter die werfen mit Abwertungen wie "Pferd ist blöd im Kopf",
>> "hysterisch" o.ä. nur so um sich. Sie zeigen damit nur dass sie von
>Pferden mit
>> Nerv, Adel und Temperament doch besser die Finger lassen, und lieber eins
>nehmen
>> sollten das bestrebt ist alle 4 Füsse auf dem Boden zu haben. Gegen eine
>solche
>> Wahl ist ja nicht das geringste einzuwenden.
>

>Ich kann mir nicht vorstellen, daß es Reiter gibt, die lieber buckelnde,
>steigende und/oder durchgehende Pferde haben als solche, die alle 4 Füße auf
>dem Boden lassen. Aber es gibt Reiter die das in gewissen Maßen akzeptieren
>oder gelernt haben, damit umzugehen. (Aber solche Pferde können BTW dennoch
>gute Geländepferde sein.)


Ein bewegungsfreudiges Pferd ist durch sein Bestreben definiert, eben nicht alle
4 Beine möglichst ständig auf dem Boden zu haben, Ein gutes Geländepferd ist kein
solches, wo man sich nach jedem Passieren eines Strassenübergangs, Radfahrers
oder LKW den Schweiss von der Stirn wischt, "Glück gehabt". Solche Risiko-Pferde
zu kaufen, ist OK - aber nur mit einem gewaltigen Preisnachlass. Temperamentvoll
und doch gehorsam, ist mir lieber.


>Und es gibt Reiter, die mit solchen Pferden
>überfordert sind und dann bewundere ich die, die in der Lage sind, das
>zuzugeben.


Symptomatische Bezeichnungen wie "Hysterie" suchen den Fehler beim Pferd und
nicht beim Reiter - das ist das Problem.


Gruss Frank

Stefan Ungemach

unread,
Apr 4, 2001, 9:55:00 AM4/4/01
to
> Ich neige das zu bezweifeln. "Hysterie" suggeriert sexualhormonelle
Ursache
> zeitweiser Hyperaktivität.

Das war einmal. Bis auf vereinzelte Ausnahmen ist diese Auslegung, die sich
im Wortstamm wiederspiegelt, im 12 Jhdt. ausgestorben. Heute wird der
Begriff weiter ausgelegt, und zwar in etwa folgendermassen:.

"H. ist eine neurotische Störung, die sich in körperlichen Symptomen (z.B.
Lähmungen), Sinnesstörungen ohne organische Ursache und in psychischen
Auffälligkeiten (z.B. Weinkrämpfe) äußert. H. wird als eine Reaktion auf
emotional stark belastende Ereignisse verstanden, die aufgrund einer
angeborenen oder erworbenen Veranlagung nicht normal verarbeitet werden
können."

Kernpunkt ist, dass Hysterie als Folge emotional (zu) stark belastender
Ereignisse zu sehen ist, und dass die Moeglichkeiten einer "normalen"
Verarbeitung erschoepft sind. Das gibt es *selbstverstaendlich* auch bei
Pferden. Ob dies "hoechst selten" auftritt oder nicht, ist irrelevant - ich
habe ja nur darauf hingewiesen, dass solche Faelle existieren.


> Pferde die sich im Laufe der Arbeit hochputschen kenne ich
selbstverständlich
> auch! Auch dann liegt "Hysterie" höchst selten vor, sondern entweder
> übersteigerter Eifer (oft psychische Folge von einseitigem oder
Übertraining) -
> oder irgendetwas passt nicht, tut weh, z.B. Sattel, Schmerzen im Hals,
Rücken,
> Hinterbeinen, zu stark zusammengestellte Haltung usw. In jedem Fall ein
Grund für
> den Reiter, einen Gang zurückzuschalten und Ursachenforschung zu
betrieben.

Gar so ueberschaubar waere das Spektrum der Moeglichkeiten hoechstens, wenn
es tatsaechlich nur um "sich (...) hochpushende Pferde" ginge. Das ist aber
etwas ganz anderes. Wenn ich auf die Existenz von hysterischen Pferden (im
Wortsinne) hingewiesen habe, dann schlicht deshalb, weil ich solche -
zugegebenermassen seltenen - Faelle kenne und durchaus vom og. aufgeregten
oder temporaer unwilligen Pferd zu unterscheiden weiss.

Der Unterschied zeigt sich im Grad der Symptome. Wenn sich ein Pferd in
unregelmaessigen Abstaenden schnell, ohne vorhergehende Anzeichen und unter
sicheren Reitern, bis zur Unfaehigkeit, feste Hindernisse wie eine massive
Wand noch wahrzunehmen, in blinde Widersetzlichkeit hineinsteigert, und wenn
koerperliche wie ausruestungsbedingte Ausloeser eliminiert werden koennen,
darf getrost von einer psychischen Auffaelligkeit gesprochen werden - mit
temporaerer Ueberreizung hat das nichts mehr zu tun. Treten aehnliche
Verhaltensweisen auch in anderen Situationen als der des Gerittenwerdens
auf, erhaertet sich diese Diagnose.

Hier ist zwar ebenfalls Ursachenforschung angeraten - auf die Erkenntnis
simpler Kausalzusammenhaenge (Training, Sattel etc.) darf man da jedoch
nicht hoffen. Am haeufigsten findet sich eine waschechte Hysterie als Folge
jahrelanger verkehrter Ausbildung, die die Basis der Zusammenarbeit mit dem
Menschen nachhaltig beeintraechtigt hat. Zwar hat die Empfehlung, "einen
Gang zurueckzuschalten", prinzipiell auch hier Gueltigkeit, doch ist
letztere bei naeherer Betrachtung bloss theoretischer Natur.

Ausgehend von der Binsenweisheit, dass eine stabile reiterliche Korrektur
(mindestens) die doppelte Zeit dessen, was fuer das "Herbeireiten" des
Fehlers erforderlich war, benoetigt, ergibt sich aus der Dauer falscher
Ausbildung/Erziehung, die zu einem hysterischen Pferd fuehren kann, ein
rechnerisches Dilemma. In einem konkreten Fall hatten wir es mit einem Pferd
zu tun, welches relativ kurz nach dem ersten Anreiten unbeaufsichtigt in
Amateurhaende gegeben wurde und sich dort, noch dazu in der Praegephase,
ueber zweieinhalb Jahre bereits durch geringsten Widerstand erfolgreich
gegenueber der Reiterin durchsetzen konnte. Es folgten anderthalb Jahre
unter einem staerkeren Reiter, der sich jedoch (vermutlich) mangels
Interesse damit begnuegte, den Status quo zu erhalten und den Ungehorsam
waehrend 2-3er Reittage pro Woche nicht weiter zunehmen zu lassen. Ergebnis
war ein Pferd, welches im Alter von acht Jahren erstmals (also nach vier
"Reitjahren", und mit - im negativen Sinne - "gefestigten" Charakter) mit
dem Ziel einer nachtraeglich irgendwie zu vervollstaendigenden
Grundausbildung in (vorerst auf ein halbes Jahr angesetzten) Korrekturberitt
kam.

Nach der eingangs erwaehnten Faustregel haette man allerdings erst im Alter
von etwa 14-16 Jahren mit einem solide gerittenen Pferd rechnen duerfen.
Genau das ist aber das, was bei "Ursachenforschung und Zurueckschalten"
herauskommt - nicht verkehrt, aber auch nicht notwendigerweise praktikabel.
Zumal ein solches Pferd zumindest waehrend der ersten 6 bis 12 Monate -
damit trotz seiner noch fehlenden "Mitarbeit" wenigstens mal eine konstante
Linie geritten werden kann - einen absolut sicheren und ausgeglichenen
Bereiter erfordert. Danach ist mit dessen Unterstuetzung an ein
selbstaendiges Weiterreiten zu denken; bis jedoch ein korrektes Pferd
herauskommt, welches dauerhaft nicht nur von 1-2 Leuten geritten werden
kann, sondern innerhalb gewisser Grenzen jedem Fehler verzeiht, vergehen
viele Jahre mehr. Im konkreten Fall konnte das Pferd nach knapp anderthalb
Jahren - allerdings nach wie vor bei staendigem Nachreiten durch den
Ausbilder - von Freizeitreitern geritten werden. Im Do-it-yourself-Verfahren
sind die allermeisten Reiter mit solchen Pferden hoffnungslos ueberfordert
(was so einem Esel so alles einfaelt, hatten wir bereits mal an anderer
Stelle - damals hatte hier jemand die Behauptung aufgestellt, es gaebe keine
gefaehrlichen Pferde) - u.a. deswegen gibt's ja Profis.

Wichtig ist hierbei, dass wir nicht von einem zu korrigierenden
Fehlverhalten (z.B. voruebergehendes Pullen) reden, welches oft unter einem
anderen Reiter gar nicht auftritt oder vergleichsweise schnell zu beheben
ist. Vielmehr ist eine durch den Menschen *erworbene* nachhaltige
Persoenlichkeitsstoerung gemeint, die selbst wochenlange Phasen der
Mitarbeit jaeh in voellig instabiles Verhalten umschlagen laesst. Der ganze
Charakter ist dann gestoert. Die Kosten der erforderlichen, womoeglich
jahrelangen Korrektur durch hierfuer geeignete (Be)Reiter - dass die Sicht
vom Biden aus eine gaenzlich andere ist, hatten wir ja schon mal... -
uebersteigt jedoch nicht selten den Zeitwert des Pferdes bei weitem.
Infolgedessen bleibt sie aus, und die Hysterie als "nicht normale
Verarbeitung emotional stark belastender Ereignisse" (in diesem Fall das
Gerittenwerden an sich) verfestigt sich sogar.

Vergleichsweise kurz anhaltende Phasen dramatisch "pferdeungerechter"
Ausbildung hingegen lassen sich, gerade auch bei jungen Pferden, noch
relativ gut in den Griff bekommen. Juengstes Beispiel bei uns ist ein
aufgrund seiner angeborenen (Spring-)Faehigkeiten praktisch direkt von der
Koppel durch Verkaufsbereiter ruecksichtslos auf eine gute Show beim
Vorreiten "hochgeballerter" Wallach, der in den ersten Wochen panische Angst
vor jedem Schenkeldruck zeigte, sich beim Steigen nahezu ueberschlug und
aufgrund seiner erheblichen Groesse wie auch seines undosierten
Krafteinsatzes gegen jede Hilfengebung keinen Freiwilligen in den Sattel
bekam. Gleichzeitig war aber das Verhalten jenseits der Reitbahn absolut
ausgeglichen und "klar", und auch ein paar andere Indizien wiesen darauf
hin, dass lediglich die ersten Phasen der Ausbildung sozusagen im schnellen
Vorlauf uebersprungen worden waren. Ohne diese Beobachtungen haette man
alleine aus dem Verhalten unter dem Sattel leicht auf etwas der Hysterie
Aehnliches schliessen koennen, doch der Unterschied wurde nach wenigen Tagen
der Beobachtung offenkundig. Im Gegensatz zu einer durch *jahrelange*
Fehlausbildung zementierten Verhaltensstoerung hat sich hier bereits nach
vier Wochen eine deutliche Beruhigung eingestellt; nach inzwischen acht
Wochen sind die Fortschritte nicht mehr so auffaellig, aber weiterhin
stetig.

Ich will gar nicht bestreiten, dass Faelle tatsaechlicher Hysterie nicht so
verbreitet sind. Gottseidank. Aus dem gluecklichen Umstand, Derartiges - im
Gegensatz zu sich ein wenig hochpushenden Pferden - (noch) nicht zu kennen,
sollte man aber nicht prinzipielle Zweifel an der Feststellung, dass diese
Faelle Realitaet sind, herleiten. Aufgrund von Ausbildungs- wie
Haltungsdefiziten ist sogar eher eine Zunahme zu befuerchten.


> Es gibt Reiter die werfen mit Abwertungen wie "Pferd ist blöd im Kopf",
> "hysterisch" o.ä. nur so um sich. Sie zeigen damit nur dass sie von
Pferden mit
> Nerv, Adel und Temperament doch besser die Finger lassen, und lieber eins
nehmen
> sollten das bestrebt ist alle 4 Füsse auf dem Boden zu haben.

Es gibt aber auch Reiter, die das bisschen "pferdischer" Lebensfreude, mit
dem sie vielleicht bislang konfrontiert waren, irrigerweise bereits fuer das
Maximum an vorstellbarer "Action", die Bewegung ihrer 145cm-Roesser fuer
gewaltig, und ihre braven Heiter fuer Pferde von "Nerv, Adel und
Temperament" halten. Wenn beispielsweise ein wenig Pullen als "Durchgehen"
apostrophiert wird, mag dies ein Indiz hierfuer sein. Solche Reiter wiederum
neigen nicht selten dazu, auffaelliges Pferdeverhalten, das deutlich ueber
ihren persoenlichen Erfahrungshorizont hinausgeht, abzuleugnen. Wie so
vieles ist also auch die Einstufung von Reitern aufgrund ihrer Aeusserungen
ziemlich relativ... :-)

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 4, 2001, 9:32:43 AM4/4/01
to
"Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:
>> Ich neige das zu bezweifeln. "Hysterie" suggeriert sexualhormonelle
>Ursache
>> zeitweiser Hyperaktivität.
>
>Das war einmal. Bis auf vereinzelte Ausnahmen ist diese Auslegung, die sich
>im Wortstamm wiederspiegelt, im 12 Jhdt. ausgestorben.


Dann scheint es diese "Ausnahmen" auch noch in der Psychologie des 20.JH zu
geben...


>Heute wird der
>Begriff weiter ausgelegt, und zwar in etwa folgendermassen:.
>
>"H. ist eine neurotische Störung, die sich in körperlichen Symptomen (z.B.
>Lähmungen), Sinnesstörungen ohne organische Ursache und in psychischen
>Auffälligkeiten (z.B. Weinkrämpfe) äußert. H. wird als eine Reaktion auf
>emotional stark belastende Ereignisse verstanden, die aufgrund einer
>angeborenen oder erworbenen Veranlagung nicht normal verarbeitet werden
>können."


Diese Defintion zeigt doch schon dass sie auf Pferde so ziemlich unpassend ist!
Schau mal im Blendinger nach, ob der irgendwo "Hysterie" als Verhaltensstörung
des Pferdes beschreibt! So ein Quatsch!


>Es gibt aber auch Reiter, die das bisschen "pferdischer" Lebensfreude, mit
>dem sie vielleicht bislang konfrontiert waren, irrigerweise bereits fuer das
>Maximum an vorstellbarer "Action", die Bewegung ihrer 145cm-Roesser fuer
>gewaltig, und ihre braven Heiter fuer Pferde von "Nerv, Adel und
>Temperament" halten.


...ich weiss Herr Herrenreiter, es war unnötig das nochmals zu erwähnen: Bei Dir
beginnt der Reiter beim bronzenen Reitabzeichen und dem 1,80-Bock mit 700 Kilo
Gewicht unterm Hintern, weil wenn *der* steigt da gehts ja erst richtig zur Sache.
Und wer es schaftt, dass er Häuser springt, das ist das ein richtiger Reiter!
Der Kandidat, der das seelisch nicht mitmacht, in Mauern rennt oder sich
überschlägt, der ist dann "hysterisch". Schon verstanden, Rest geschenkt.

Sabine Loss

unread,
Apr 4, 2001, 10:58:58 AM4/4/01
to
Hallo Frank,

Entscheidend ist, wie das Wort heutzutage verwendet wird, nicht was
Hippokrates ursprünglich damit meinte. (Aber wenn Du soviel Wert darauf
legst: Ja, ursprünglich hat Hippokrates es für ein "Frauenleiden" verwendet.
Scheint ja wichtig zu sein <g>.) "Unangemessen" und "überzogen" heißt für
mich "außerhalb der Norm" und ist noch lange nicht abwertend. Das Wort
selber soll auch nicht erklären, warum sich der oder die so verhält, sondern
einen Zustand beschreiben. Ob es nun richtig gewählt ist oder nicht darüber
kann man länger und kontroverser und mit mehr Belegen diskutieren als Stefan
und Du über die Klassiker und würde in eine andere Newsgroup gehören.
Tatsache ist, Beate hat das Wort gebraucht und die Verwendung in ihrem
Posting dadurch geklärt, indem sie ausführlich das Verhalten geschildert
hat.


>
> Nun, auch das "hysterisch" sich aufführende Pferd wird sicherlich
irgendeinen
> Grund für sein Verhalten haben, von daher verhält es sich aus seiner Sicht
gewiss
> nicht unangemessen. Entweder hat es tatsächlich Angst oder hat kein
Vertrauen zu
> seinem Reiter o. irgendeine andere Erklärung.
>

Natürlich. Ein Amoklaufender Mensch verhält sich aus seiner Sicht auch nicht
unangemessen. Und ein Pferd tut das noch viel weniger. Diese Erklärung hat
Beate doch gesucht. Für jede Hysterie, ob beim Menschen oder beim Pferd gibt
es eine Erklärung. Dennoch bleibt es hysterisches Verhalten.

> >Wichtig ist der letzte Satz, denn der Alltagssprache bedienen sich ja die
> >allermeisten hier in der Newsgroup: "...eine unangemessene, überzogene
> >seelische Erregung...". Diese kann beim Pferd IMHO durch Reizüberflutung
> >zustandekommen, durch Bewegunsgmangel und durch Tausend andere Dinge, und
> >zwar unabhängig vom Geschlecht des Pferdes. Wallache können genauso
> >"hysterisch" sein wie Stuten und Hengste.
> >Da es eine "unangemessene, überzogene" Erregung ist, kann sie in dem
Moment
> >nicht vom Besitzer geregelt werden, weil dieser sie in dieser Heftigkeit
> >nicht erwartet.
>
>
> Also wird er sie wohl oder übel an der Ursache angehen müssen, d.h. die
> Bedingungen schaffen dass die Auslöser für "überzogene Reaktionen"
entweder
> wegfallen, oder gemildert werden.
>

ACK. Und das ist der Punkt - nicht die Frage, ob hysterisch das richtige
oder falsche Wort ist, die Du hier aufgebracht hast.

> >> Pferde die sich im Laufe der Arbeit hochputschen kenne ich
> >selbstverständlich
> >> auch! Auch dann liegt "Hysterie" höchst selten vor, sondern entweder
> >> übersteigerter Eifer (oft psychische Folge von einseitigem oder
> >Übertraining) -
> >> oder irgendetwas passt nicht, tut weh, z.B. Sattel, Schmerzen im Hals,
> >Rücken,
> >> Hinterbeinen, zu stark zusammengestellte Haltung usw. In jedem Fall ein
> >Grund für
> >> den Reiter, einen Gang zurückzuschalten und Ursachenforschung zu
> >betrieben.
> >
> >ACK. Aber: Im Ausgangsposting ging es gerade nicht um ein Pferd, das sich
im
> >Laufe der Arbeit hochputscht, sondern das draußen plötzlich überreagiert
und
> >Verhaltensweisen zeigt, die man sonst nicht von ihm kennt. Und die
> >Ausgangsfrage war: Woran kann es liegen - also Ursachenforschung. Dieses
> >wurde als "hysterisch" bezeichnet.
>
> Und darauf habe ich auch geantwortet. Jetzt führte Stefan *die* Pferde ins
Feld,
> auf die ich oben antwortete.

Du hast nicht nur auf die Frage geantwortet, sondern eben auch wieder einen
Rundumschlag gegen alle geführt, die dieses Verhalten als "hysterisch"
bezeichnen. Und nun versuchen wieder alle Dir zu erklären, daß es durchaus
ein "hysterisches" Verhalten bei Pferden gibt.
Ich versuche ein Beispiel: Ein Pferd wurde in die Reithalle geführt genau in
dem Moment als sich irgendwo etwas löste und mit einem gewaltigen Knall auf
den Boden krachte. Das Pferd hat sich, wie der Besitzer, fürchterlich
erschrocken und hat hysterisch reagiert, weil es daraufhin minutenlang durch
die Halle rannte und buckelte und noch Minuten später am ganzen Körper
zitterte und sich durch nichts und niemand beruhigen ließ. Das Erschrecken
war nachvollziehbar, die Heftigkeit der Reaktion war - ganz neutral und nich
t abwertend - hysterisch.

Ich denke, daß keiner bezweifelt, wie wichtig Ursachenermittlung ist, wo
immer es funktioniert. Es kann aber schwer werden, wenn Du von einem Pferd
nicht den gesamten Lebensweg bis zu Dir kennst. Dann kannst Du nur an den
Symptomen arbeiten, Geduld haben und hoffen. Und ich halte es für schwer,
den Unterschied zwischen Reaktion auf Unart des Reiters, Unart und
chronischer Unart genau zu definieren. Das dürfte doch ein sehr fließender
Übergang sein.
Außerdem bezweifle ich, daß alle Pferde/Tiere als kleine Engel auf die Erde
kommen und nur der böse Mensch ihnen Unarten beibringt. Bei Menschen liegt
oft die Hauptschuld oder ein verstärkender Faktor aber nicht die ganze
Schuld. Undnatürlich ist es der Mensch, der in dem Zusammenleben die Regeln,
was Unart ist und was nicht, definiert. Aber in der Natur würde es
wahrscheinlich der Leithengst der Herde definieren (mal so ins Blaue
gesagt).


>
> >. Es ist doch eine
> >Drohgebärde, oder liege ich völlig falsch? Buckeln ist dagegen eher
Ausdruck
> >von "Lebensfreude" oder Temperament. Wenn beide Verhaltensweisen
plötzlich
> >auftauchen und bislang eher ungewöhnlich für das Pferd sind, ist es eben
> >"Hysterie".
>
>
> "Unwerwartet und ungewöhnlich", aus mangelnder Ursachenkenntnis (oder
> Einfühlungsvermögen) des Reiters. Oder, wenn es auch "unmotiviert" ist,
schlicht
> und ergreifend ungezogen! Aber auch dann liegt ein Fehler des Reiters vor,
> nämlich entweder Schwäche, oder die Erziehung versäumt zu haben.
>

Ach ja, mit Erziehung läßt sich viel, aber doch nicht alles ausschließen.
Letztlich ist es doch Dein Argument, daß es sich eben um Pferde und nicht um
Menschen handelt und ihnen damit die Fähigkeit zur Einsicht fehlt. Also kann
ich viel erziehen, manches wird man damit abstellen können, manches eben
nicht.

> Das Pferd verhält sich (aus seiner Sicht) nie unvernünftig, erst recht
nicht
> "hysterisch". Für jedes Verhalten gibt es eine Ursache. Sollten wir den
Anspruch
> haben der intelligentere der beiden Partner zu sein müssen wir uns schon
> bequemen, diesen nachzuforschen und uns nicht mit "Erklärungen"
> zufriedenzugeben, die zwar wenig Nachdenken erfordern, aber doch keine
Lösungen
> nahelegen. Oder wie wird Deiner Ansicht nach "Hysterisches Verhalten" beim
Pferd
> behandelt? Soll man es solange vermöbeln bis es wieder zu sich kommt?
Diese Kur
> legen viele nahe bei diesem Stichwort...

Siehe oben. Ich hoffe, Du hast aus keiner meiner Beiträge bisher
herausgelesen, daß ich "Vermöbeln" in irgendeiner Weise für ein adäquates
Vorgehen in gleich welcher Situation halte. Ich stimme doch zu, daß
Ursachenforschung notwendig ist. Manchmal führt sie nur nicht weiter. In
manchen Fällen mag es gar keine "richtige Behandlung" geben. Lösungen sind
eine schöne Sache, sie zu finden aber manches Mal unmöglich. Und dann muß
man mit Erklärungen oder Lösungsansätzen anfangen. Und der Versuch, das
Verhalten zu beschreiben oder zu erklären ist bestimmt nicht der
schlechteste Ansatz. Aber auch dabei muß man alle Aspekte in die Betrachtung
einbeziehen: Den Reiter, das Umfeld, die besonderen Umstände in dieser
Situation und die Persönlichkeit des Pferdes. Strittig war die Frage, ob
Pferde hysterisch sein können oder nicht - und ich meine: es gibt
hysterische Verhaltensweisen bei Pferden.

Mir auch :-))


>
> >Und es gibt Reiter, die mit solchen Pferden
> >überfordert sind und dann bewundere ich die, die in der Lage sind, das
> >zuzugeben.
>
>
> Symptomatische Bezeichnungen wie "Hysterie" suchen den Fehler beim Pferd
und
> nicht beim Reiter - das ist das Problem.

Und dieser Aussage stimme ich eben, wie in den obigen Kommentaren erklärt,
nicht zu.
Gruss,
Sabine


Frank Mechelhoff

unread,
Apr 4, 2001, 1:29:06 PM4/4/01
to
"Sabine Loss" <josa...@web.de> wrote:
>
>Natürlich. Ein Amoklaufender Mensch verhält sich aus seiner Sicht auch nicht
>unangemessen. Und ein Pferd tut das noch viel weniger.


Der Mensch hat im Unterschied zum Pferde Moral (jedenfalls die meisten) - von
ihm kann man verlangen, dass er *nicht* amokläuft oder "hysterisch" reagiert. Das
Pferd hat Gründe für sein verhalten - aber das heisst nicht dass es darüber
nachdenkt. Das Pferd verhält sich immer "angemessen".


>
>Du hast nicht nur auf die Frage geantwortet, sondern eben auch wieder einen
>Rundumschlag gegen alle geführt, die dieses Verhalten als "hysterisch"
>bezeichnen. Und nun versuchen wieder alle Dir zu erklären, daß es durchaus
>ein "hysterisches" Verhalten bei Pferden gibt.


Ich mache grundsätzlich keine Rundumschläge, sondern gebe nur manchmal unbequeme
Antworten, dies aber nicht persönlich. Thats it. Gewiss nicht gegen die Autorin
des Ursprungsthread die ja Hysterie in " " (leider aber auch in den Titel)
gesetzt hat, aber von der ich nicht annehme dass sie diese "bequeme"
(symptomatische, anstatt ursachenbezogene) "Erklärung" als auisreichend
akzeptiert, wie offenbar einige andere. Die sollten vielleicht überlegen ob sie
sich nicht mit etwas anderem beschäftigen sollten als dem Pferd, wo
sichergestellt ist dass es in ihren Augen immer "angemessen" reagiert...


Du scheinst mir aber darauf herumzureiten, und so muss ich der weiteren, mir zu
emotional und ohne sachlichen Zugewinn geführten weiteren Debatte entraten.


>Ich versuche ein Beispiel: Ein Pferd wurde in die Reithalle geführt genau in
>dem Moment als sich irgendwo etwas löste und mit einem gewaltigen Knall auf
>den Boden krachte. Das Pferd hat sich, wie der Besitzer, fürchterlich
>erschrocken und hat hysterisch reagiert, weil es daraufhin minutenlang durch
>die Halle rannte und buckelte und noch Minuten später am ganzen Körper
>zitterte und sich durch nichts und niemand beruhigen ließ. Das Erschrecken
>war nachvollziehbar, die Heftigkeit der Reaktion war - ganz neutral und nich
>t abwertend - hysterisch.


Das Pferd hat sich in eine Abwehrreaktion hineingesteigert, mit realem Auslöser
(Erschrecken), aber Übersteigerung, wahrscheinlich durch Bewegungsmangel,
beschränkte Fluchtmöglichkeit und "unnatürliche Umgebung" (Halle) begründet, bis
es in Panik geriet und gar nicht mehr anders konnte als immer weiterzurennen.
Armes Tier. Also menschengemacht und keine "Hysterie".


Zu beurteilen ob eine Reaktion "angemessen" ist oder nicht, setzt demzufolge
eine gewisse Grundkenntnis von der Psychologie des Pferdes voraus, die leider
nicht bei jedem Reiter vorhanden ist, und auch nicht genügend gelehrt wird.

Stefan Ungemach

unread,
Apr 4, 2001, 6:46:48 PM4/4/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3acb227c$1...@netnews.web.de...

> ...ich weiss Herr Herrenreiter, es war unnötig das nochmals zu erwähnen:
Bei Dir
> beginnt der Reiter beim bronzenen Reitabzeichen und dem 1,80-Bock mit 700
Kilo
> Gewicht unterm Hintern, weil wenn *der* steigt da gehts ja erst richtig
zur Sache.
> Und wer es schaftt, dass er Häuser springt, das ist das ein richtiger
Reiter!
> Der Kandidat, der das seelisch nicht mitmacht, in Mauern rennt oder sich
> überschlägt, der ist dann "hysterisch". Schon verstanden, Rest geschenkt.

"Verstanden", Frank, hast Du mal wieder rein gar nichts. Und Deine
erneuten, voellig ueberzogenen, Ausfaelle haettest Du Dir auch getrost
schenken koennen.

Wo bei mir der Reiter "beginnt" steht nicht zur Debatte, und ich habe auch
nichts dazu gesagt. Allerdings kann ich Dir so langsam mal sagen, wo er fuer
mich "aufhoert": wenn jemand unentwegt alles persoenlich nimmt und
unkontrolliert Aggression wie Ungeduld demonstriert, broeckelt die Tuenche
des so belesenen wie gelassenen Pferdekenners rapide ab. Ich will mich nicht
auf Dein Niveau herablassen und aus der schriftlichen Ausdrucksweise eines
anderen voreilige Schluesse auf dessen Umgang mit Pferden ziehen (eine
Freiheit, die Du Dir schon des oefteren herausgenommen hast), aber die
Versuchung ist schon gross...

Immerhin hast Du, nicht ich, das Bild vom Reiter, der aufgrund seiner
individuellen Unfaehigkeit "hysterisches Pferd" plaerrt, in den Raum
gestellt. Es ist mir schon klar, dass Dir eine Relativierung (und mehr ist
es nicht, wenn man auf ein Extrem, welches immerhin ein anderer "erfunden"
hat, mit der Moeglichkeit eines anderen antwortet) dieser arroganten These
nicht schmeckt - aber Dein Erfahrungshorizont in Sachen (Korrektur-)Beritt
wie auch der einen solchen erfordernden Pferde ist garantiert begrenzter als
meiner. Zum (sehr speziellen) Sujet "Distanzreiten" mag das anders sein,
aber das steht hier mal nicht im Mittelpunkt des Interesses - und
rechtfertigt auch nicht derart ueberhebliche Einlassungen zu weniger
vertrauten Themen wie dem Wert einer nie durchlaufenen Ausbildung oder der
Existenz von verhaltensgestoerten Pferden.

Ich bin nicht zum Spass ausfuehrlich und anhand mehrerer Beispiele auf das
Thema eingegangen. Haettest Du dies gelesen und begriffen, so wuerdest Du
weder was vom "Haeuser springen", noch vom - weil DAZU nicht bereit - als
hysterisch qualifizierten Kandidaten herumfabulieren. Da stand in klaren
Worten, dass es darum ging, ein Pferd fuer Freizeitreiter reitbar zu machen;
da stand auch, dass eine solche Verhaltensstoerung, wie sie als Beispiel
fuer hysterisches Verhalten angefuehrt wurde, so etwas erst nach vielen
Jahren halbwegs stabil erreichbar macht. Und - was Du nicht wissen kannst -
das bewusste Korrekturpferd, welches nach dem Ende der Arbeit vom Profi
locker und ohne Druck reitbar war und sogar in zwei Disziplinen auf
Turnieren vorgestellt wurde, hat bislang ausnahmslos alle Kaufinteressenten
aus der Freizeitreiterszene (rund ein Dutzend) aus dem Sattel gepfeffert.
Weil seine unberechenbare Verhaltensweise eben noch lange nicht in einer
Stabilitaet korrigiert (bzw. korrigierbar) ist, die es fuer jedermann
"brauchbar" macht. Das ist der Unterschied zu einem zeitlich begrenzten,
wenn auch noch so spektakulaeren, Fehlverhalten.

Aber warum eigentlich erklaere ich immer wieder, worum es geht; warum lenke
ich immer wieder ein; wozu suche ich unentwegt nach moeglichst vorsichtigen
Formulierungen - wenn Du ja doch bloss nach Ausloesern zum Rumpoebeln
suchst? Schon langsam empfinde ich es, auch wenn mittlerweile daran gewohnt,
als eine Frechheit, wenn so ein nassforscher Bub alles wegsnippt, was seine
boesartigen Retourkutschen nicht untermauert, sich die Wahrnehmung von
allem, was ihm nicht passt, "schenkt", und sich darueberhinaus auch noch
Implizierungen gestattet, die glatt gelogen sind. Und das ermuedet...

Stefan Ungemach

unread,
Apr 4, 2001, 7:24:28 PM4/4/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3acb59e2$1...@netnews.web.de...

> Der Mensch hat im Unterschied zum Pferde Moral (jedenfalls die meisten) -
von
> ihm kann man verlangen, dass er *nicht* amokläuft oder "hysterisch"
reagiert. Das
> Pferd hat Gründe für sein verhalten - aber das heisst nicht dass es
darüber
> nachdenkt. Das Pferd verhält sich immer "angemessen".

Verhaltensforscher sehen das anders. Ohne sich mit diffusen Begiffen wie
"Moral" aufzuhalten, messen sie die "Angemessenheit" einer Reaktion unter
anderem daran, in welchem Verhaeltnis ihr Energieaufwand zum erreichbaren
Ergebnis steht. Auch Fragen, ob bereits gemachte Erfahrungen solche
Reaktionen zu steigern oder zu mindern geeignet sind, oder ob die
Wahrnehmung "normal" oder beeintraechtigt ist, fliessen hierin ein.

Ansonsten koennte man mit dieser simplen Formel jedes Verhalten eines nicht
vernunftbegabten Lebewesens als "angemessen" bewerten. Auch die
Aggressionschuebe eines dedizierten Kampfhundes? Natuerlich nicht: auch wenn
den Menschen zu seinem Verhalten hin erzogen haben, ist dieses im Vergleich
zu dem "normaler" Hunde ja wohl etwas ueberzogen. Schliesslich bestimmt den
Masstab fuer die Angemessenheit jedweden Verhaltens weniger das Individuum,
als vielmehr dessen Umwelt.

Ob der Mensch eventuell an einem bestimmten tierischen Verhalten "schuld"
ist, ist fuer die Frage nach der Angemessenheit voellig unerheblich.
"Unangemessen" wird eine Reaktion bereits dann, wenn die durchschnittliche
vergleichbare Reaktion anderer Tiere in der gleichen Situation - oder die
des individuellen Tieres in aehnlichen Lagen - deutlich geringer ausfaellt.


> Ich mache grundsätzlich keine Rundumschläge, sondern gebe nur manchmal
unbequeme
> Antworten, dies aber nicht persönlich.

So kann man's natuerlich auch nennen... ;-)


> Das Pferd hat sich in eine Abwehrreaktion hineingesteigert, mit realem
Auslöser
> (Erschrecken), aber Übersteigerung, wahrscheinlich durch Bewegungsmangel,
> beschränkte Fluchtmöglichkeit und "unnatürliche Umgebung" (Halle)
begründet, bis
> es in Panik geriet und gar nicht mehr anders konnte als immer
weiterzurennen.
> Armes Tier. Also menschengemacht und keine "Hysterie".

"Menschengemacht" und "Hysterie" ist kein gegensaetzliches Wertepaar,
sondern hat miteinander nichts zu tun. Lies am besten nochmal die diversen
Definitionen von Hysterie, und schrei diesmal nicht gleich "so ein Quatsch".

Davon mal abgesehen: was ist eigentlich mit den anderen Pferden in der
Halle? Koennten die nicht unter vergleichbarem Bewegungsmangel,
eingeschraenkten Fluchtmoeglichkeiten oder der unnatuerlichen Umgebung
leiden? Deiner Erklaerung nach muessten die dann ja auch alle in heillose
Panik geraten - aber nein: da sind ja noch die individuell unterschiedlichen
Verarbeitungsmechanismen von Stressituationen. Und einen Teil davon, den
extremeren, bezeichnet man halt nicht mehr als angemessen, sondern als
hysterisch - die Frage ist schlicht die, ob die og. Uebersteigerung aus
aeusseren Umstaenden oder aus der charakterlichen EIgenart resultiert.


> Zu beurteilen ob eine Reaktion "angemessen" ist oder nicht, setzt
demzufolge
> eine gewisse Grundkenntnis von der Psychologie des Pferdes voraus, die
leider
> nicht bei jedem Reiter vorhanden ist, und auch nicht genügend gelehrt
wird.

Na ja: eine gewisse "Grundkenntnis" von moeglichst vielen Pferden in der
jeweiligen Situation (das nennt man Erfahrung) stellt eine noch viel bessere
Grundlage fuer derartige Beurteilungen dar. Blendinger lesen ergaenzt das,
ersetzt es aber nicht. Allerdings ist auch diese Erfahrung nicht bei jedem
Reiter vorhanden, noch wird sie gelehrt...

Sabine Loss

unread,
Apr 5, 2001, 2:08:29 AM4/5/01
to
Hallo Frank,

<einiges gesnippt, zu dem Stefan Antworten gegeben hat, denen ich zustimme>

>
> >Ich versuche ein Beispiel: Ein Pferd wurde in die Reithalle geführt genau
in
> >dem Moment als sich irgendwo etwas löste und mit einem gewaltigen Knall
auf
> >den Boden krachte. Das Pferd hat sich, wie der Besitzer, fürchterlich
> >erschrocken und hat hysterisch reagiert, weil es daraufhin minutenlang
durch
> >die Halle rannte und buckelte und noch Minuten später am ganzen Körper
> >zitterte und sich durch nichts und niemand beruhigen ließ. Das
Erschrecken
> >war nachvollziehbar, die Heftigkeit der Reaktion war - ganz neutral und
nich
> >t abwertend - hysterisch.
>
> Das Pferd hat sich in eine Abwehrreaktion hineingesteigert, mit realem
Auslöser
> (Erschrecken), aber Übersteigerung, wahrscheinlich durch Bewegungsmangel,
> beschränkte Fluchtmöglichkeit und "unnatürliche Umgebung" (Halle)
begründet, bis
> es in Panik geriet und gar nicht mehr anders konnte als immer
weiterzurennen.
> Armes Tier. Also menschengemacht und keine "Hysterie".

In dieser Beurteilung gehst Du von Deinen Pferden und ihren Lebensumständen
aus, auf die das ja zutreffen mag. Aber ein Pferd, das täglich bewegt wird
und den ganzen Winter über in der Halle geritten wurde unterstelle ich weder
Bewegungsmangel noch bezeichne ich die Halle als "Unnatürliche Umgebung".
Das Pferd ist sonst eher ruhig und andere haben sich ebenfalls nicht von
dieser überzogenen Reaktion anstecken lassen.


>
> Zu beurteilen ob eine Reaktion "angemessen" ist oder nicht, setzt
demzufolge
> eine gewisse Grundkenntnis von der Psychologie des Pferdes voraus, die
leider
> nicht bei jedem Reiter vorhanden ist, und auch nicht genügend gelehrt
wird.

Ich bezweifle, daß es "die" Psychologie des Pferdes gibt, weil sie
Individuen sind. Die arttypischen Verhaltensweisen, beispielsweise das
Fluchtverhalten, sind ein Grundgerüst innerhalb dessen jedes Pferd für sich
unter Berücksichtigung seines Lebensweges beurteilt werden muß. Von
pauschalisierenden Aussagen wie "Hysterie bei Pferden gibt es nicht" halte
ich daher nichts und das habe ich versucht dazulegen.
Es ist immer so einfach, Anderen Unwissenheit oder Emotionalität zu
unterstellen und damit alles abzuwehren, auf das man nicht eingehen mag.
Oder zu behaupten, der Gesprächspartner käme mit den Antworten nicht
zurecht. Letztlich gelten immer nur Deine Maßstäbe. Und da ich daher in
dieser Debatte ebenfalls keinen sachlichen Zugewinn mehr sehen kann, beende
ich diese "Diskussion" nun ebenfalls.
Gruss
Sabine


Peter Sev

unread,
Apr 5, 2001, 2:30:59 AM4/5/01
to
Hallo Reinhild,

> hallo beate,
>
> > Ein normal erzogenes Pferd unter akutem Bewegungsnotstand sollte noch
> > einigermaßen beeinflussbar sein - meine Meinung.
>
> hast du schon mal gesehen, wenn hunde oder katzen durchdrehen? und die
> wiegen nur 2 - 50 kg. das pferd wiegt 380 - 750 kg, auch der kräftigste
mann
> ist ein nichts gegen so viel geballte kraft. ich habe 6 monate alte fohlen
> gesehen, die junge burschen beim vortraben durch die bahn geschliffen
haben.

ich verstehe nicht so richtig, was Du der Beate damit sagen willst.
Hat Beate nun ein normal erzogenes Pferd, welches gerade mal durchgedreht
hat?
Wenn dem so ist, soll sie sich mit dem Zustand abfinden, beim Durchdrehen
evtl. durch die Bahn geschliffen zu werden?
Ist ein normal erzogenes Pferd unter akutem Bewegungsnotstand
Deiner Meinung nach nicht mehr beeinflußbar, dreht also sowieso durch?
Oder handelt es sich bei Beates Pferd von vornherein um einen ständigen
Durchdreher, also nicht mehr um ein normales Pferd?

Ich sehe nicht so richtig den Zusammenhang zwischen Beates Meinung und
Deinen Ausführungen dazu.

> > schnappt, pustet und prustet und strahlt - herrlich! Bei Bocksprüngen
> hätte
> > ich starke Bedenken, das Pferd halten zu können! Warscheinlich hast du
> diese
> > Bedenken nicht und findest es deshalb nicht weiter schlimm...
>
> auch wenn du meinst, von pat parelli nichts mehr lernen zu können: mit
> seinem führstrick und halfter tue ich mir am leichtesten, ob ein pferd nun
> schwierig zu führen ist oder nicht. wenn das pferd stürmt, kreist du mit
dem
> strickende vor dem gesicht des pferdes und sagst: mädel/bub, da ist eine
> wand, schau eine wand... berühren sollst du das pfed damit aber nicht, und
> freiwillig läuft es nicht ins strickende.

Erstens kann ich micht nicht erinnern, daß Beate gemeint hat, daß sie von
einem Parelli nichts mehr lernen kann.
Zweitens bringst Du das Beispiel mit dem Führstrick und Halfter,
welches bei der - zugegebenermaßen von mir herausgelesenen - Aussage
Deines obigen Textes, daß es sich bei dem Pferd um einen Durchdreher
handelt, der eh nicht mehr zu halten ist, keinen Erfolg bringen wird.
Bis Du bei so einem Durchdreher dazu kommst, mit dem Strickende vor
dem Gesicht des Pferdes zu wedeln, hat die Durchdrehphase schon gegriffen.
Ob Du dann noch zum Kreisen kommst, um dem Pferd die imaginäre Wand
zu zeigen?

Apropos Kreisen - warum muß es ein Parelli-Führstrick sein?
Nur mal so eine Frage am Rand.

> > Ich kann kein Vertrauen verlieren, wenn ein Pferd nie welches entwickelt
> > hat, so wie dieses. Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...
>
> pass auf, dass sich nirgends schlagen ringeln und dass du keine äpfel
isst..

Spöttisch, zynisch, sarkastisch, mitleidig? Oder nur ein kleiner Scherz?

Gruß

Peter Sev

Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 5, 2001, 4:00:36 AM4/5/01
to

Peter Sev <pete...@web.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9ah360$2gd$1...@news.netcologne.de...

hallo peter,

> ich verstehe nicht so richtig, was Du der Beate damit sagen willst.
> Hat Beate nun ein normal erzogenes Pferd, welches gerade mal durchgedreht
> hat?
> Wenn dem so ist, soll sie sich mit dem Zustand abfinden, beim Durchdrehen
> evtl. durch die Bahn geschliffen zu werden?
> Ist ein normal erzogenes Pferd unter akutem Bewegungsnotstand
> Deiner Meinung nach nicht mehr beeinflußbar, dreht also sowieso durch?
> Oder handelt es sich bei Beates Pferd von vornherein um einen ständigen
> Durchdreher, also nicht mehr um ein normales Pferd?

beate ist mitreiterin bei einem pferd, das eine rekonvaleszenz hinter sich
hat. es ist - vermutlich - ein sensibles pferd, das nach der stehzeit eine
menge überschüssige energien hat, die man aber durch vermehrte arbeit im
moment nicht abbauen kann. sie bemüht sich redlich, kann aber das pferd noch
nicht richtig einschätzen, weil sie es noch ncht so lange kennt.

meine bemerkung bezieht sich auf einen begriff, den beate geprägt hat,
nämlich die "unerzogenen warmblüter". das wollte ich klarstellen. lies bitte
die bisherigen postings, dann weisst du was ich meine.

> Ich sehe nicht so richtig den Zusammenhang zwischen Beates Meinung und
> Deinen Ausführungen dazu.

siehe oben.

>
> > > schnappt, pustet und prustet und strahlt - herrlich! Bei Bocksprüngen
> > hätte
> > > ich starke Bedenken, das Pferd halten zu können! Warscheinlich hast du
> > diese
> > > Bedenken nicht und findest es deshalb nicht weiter schlimm...

> Erstens kann ich micht nicht erinnern, daß Beate gemeint hat, daß sie von


> einem Parelli nichts mehr lernen kann.

bezieht sich auf den satz "pat parelli in homöopathischen dosen".

> Zweitens bringst Du das Beispiel mit dem Führstrick und Halfter,
> welches bei der - zugegebenermaßen von mir herausgelesenen - Aussage
> Deines obigen Textes, daß es sich bei dem Pferd um einen Durchdreher
> handelt, der eh nicht mehr zu halten ist, keinen Erfolg bringen wird.
> Bis Du bei so einem Durchdreher dazu kommst, mit dem Strickende vor
> dem Gesicht des Pferdes zu wedeln, hat die Durchdrehphase schon gegriffen.
> Ob Du dann noch zum Kreisen kommst, um dem Pferd die imaginäre Wand
> zu zeigen?

wie gesagt, es geht nicht um ein pferd das durchdreht, sondern um eines, das
eine stehzeit hinter sich hat.


>
> Apropos Kreisen - warum muß es ein Parelli-Führstrick sein?
> Nur mal so eine Frage am Rand.

kann auch ein anderer drei meter langer führstrick sein - einfach, damit man
nicht zu nahe am pferd ist, sonst schmerzt der rechte arm nach einiger zeit.
hatte ich bereits geschrieben.
im übrigen kann man diese dinge nur ausprobieren, es wirkt nicht alles bei
jedem pferd, und dieses kennt beate einfach noch nicht gut genug. meine
anregung ist als einer der vielen vorschläge zu verstehen, die hier gemacht
wurden.


>
> > > Ich kann kein Vertrauen verlieren, wenn ein Pferd nie welches
entwickelt
> > > hat, so wie dieses. Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...
> >
> > pass auf, dass sich nirgends schlagen ringeln und dass du keine äpfel
> isst..
>
> Spöttisch, zynisch, sarkastisch, mitleidig? Oder nur ein kleiner Scherz?

na, vielleicht kann beate wenigstens darüber lachen. beate, wenn ich dich
damit gekränkt haben sollte, entschuldige ich mich natürlich.

gruss,
reinhild


Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 3:59:02 AM4/5/01
to
"Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:


>Aber warum eigentlich erklaere ich immer wieder, worum es geht; warum lenke
>ich immer wieder ein; wozu suche ich unentwegt nach moeglichst vorsichtigen
>Formulierungen - wenn Du ja doch bloss nach Ausloesern zum Rumpoebeln
>suchst? Schon langsam empfinde ich es, auch wenn mittlerweile daran gewohnt,
>als eine Frechheit, wenn so ein nassforscher Bub alles wegsnippt, was seine
>boesartigen Retourkutschen nicht untermauert, sich die Wahrnehmung von
>allem, was ihm nicht passt, "schenkt", und sich darueberhinaus auch noch
>Implizierungen gestattet, die glatt gelogen sind. Und das ermuedet...


Von "Einlenken" kann wohl keine Rede sein, Stefan. Einlenken tut hier immer nur
einer und das bin wieder mal ich. Was Deine "Beispiele" betrifft: "erklärt" haben
sie rein gar nichts, denn sie betrafen "verrittene" nicht "hysterische" Pferde;
Thema verfehlt.


Sollten meine Bemerkungen über "Adel, Nerv und Temperament" Dich zu Deinen
Beleidigungen gegen meine Pferde und mich veranlasst haben, die ich Dir wirklich
übel nehme wenn Du Dich nicht für sie entschuldigt: Ich habe sie nicht gebracht
(wenn auch als Antwort an Dich) um Deinen Pferden diese Eigenschaften
abzusprechen, sowas würde mir nämlich nicht im Traum einfallen. Auch kann ich mir
Dich als feinfühligen Reiter der mit schwierigen Pferden gut umgehen kann, recht
gut vorstellen - was die Feinfühligkeit gegenüber Menschen anbetrifft da haperts
leider..!


Was die Frage angeht "Was hat Adel mit Stockmass zu tun" da empfehle ich Dir das
letzte Kapitel im BLENDINGER nochmal sehr gründlich durchzulesen. Von den 9
Charakteristika des "Edlen" die er aufführt, sind 8 geistigen, 3 körperlichen
Ursprungs. Zwei sind somit gemischten Ursprungs: *Beweglichkeit* (als wichtigstes
Charakteristikum des Edlen überhaupt) und *Feinfühligkeit/ Feinhäutigkeit*. Das
einzige rein körperliche Kriterium des Edlen, das er nennt, ist die "Trockenheit".
Über "Stockmass" steht da nix! "Rassereinheit" ist keine eigenständige
Eigenschaft sondern erfährt seine Rechtfertigung nur über "Reinlichkeit" (was
zeigt dass Blendinger alles andere als ein Rassist ist). Was seine Anmerkungen
zur deutschen Grosspferdezucht in dem Zusammenhang angeht, erfährst Du hingegen
sehr genau warum ich mich nicht zu diesen sondern Pferden mit arabischen Blut
hingezogen fühle, was wohl bis an mein Reiter-Lebensende so bleiben wird. (Ein
weiterer Grund ist allerdings der, dass mir deren Besitzer immer die Achtung als
Pferdemenschen entgegengebracht haben - auch wenn deren Pferde mitunter 10x oder
noch teurer waren als meine - die ich von Grosspferdeleuten und Herrenreitertypen
bis auf den heutigen Tag so gut wie nie bekomme. Scheint also irgendwie doch eine
Charaktersache zu sein...)


Frank Mechelhoff

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 4:11:54 AM4/5/01
to
"Sabine Loss" <josa...@web.de> wrote:
>> Das Pferd hat sich in eine Abwehrreaktion hineingesteigert, mit realem
>Auslöser
>> (Erschrecken), aber Übersteigerung, wahrscheinlich durch Bewegungsmangel,
>> beschränkte Fluchtmöglichkeit und "unnatürliche Umgebung" (Halle)
>begründet, bis
>> es in Panik geriet und gar nicht mehr anders konnte als immer
>weiterzurennen.
>> Armes Tier. Also menschengemacht und keine "Hysterie".
>
>In dieser Beurteilung gehst Du von Deinen Pferden und ihren Lebensumständen
>aus, auf die das ja zutreffen mag. Aber ein Pferd, das täglich bewegt wird
>und den ganzen Winter über in der Halle geritten wurde unterstelle ich weder
>Bewegungsmangel noch bezeichne ich die Halle als "Unnatürliche Umgebung".


Du bezeichnest es vielleicht so, aber für das Pferd ist es keine natürliche
Umgebung, selbst wenn es sein ganzes Leben in der Reithalle verbracht hat und 10
Generationen vor ihm. Das ändert nichts daran, dass es von der Psyche her nach
wie vor ein Bewohner der Graslandschaften und Steppen und ein Fluchttier ist. Die
meisten (wenn nicht alle) Probleme, die Reiter mit Pferden haben, rühren daher
dies nicht genügend beachtet zu haben.


>>
>Ich bezweifle, daß es "die" Psychologie des Pferdes gibt, weil sie
>Individuen sind.


Gibt es Deiner Meinung nach auch keine Psychologie des Menschen?


Und erlaube mir bitte: Hast Du Dich schon mal der Mühe unterzogen, ein Buch über
Pferdeverhalten und -Psychologie zu lesen? Denn dann würdest Du keine solchen
Fragen stellen.

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 4:26:17 AM4/5/01
to
"Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:
>"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
>news:3acb59e2$1...@netnews.web.de...
>
>> Der Mensch hat im Unterschied zum Pferde Moral (jedenfalls die meisten) -
>von
>> ihm kann man verlangen, dass er *nicht* amokläuft oder "hysterisch"
>reagiert. Das
>> Pferd hat Gründe für sein verhalten - aber das heisst nicht dass es
>darüber
>> nachdenkt. Das Pferd verhält sich immer "angemessen".
>
>Verhaltensforscher sehen das anders. Ohne sich mit diffusen Begiffen wie
>"Moral" aufzuhalten, (...)


nein, das tun sie sehr wohl (s.Blendinger). Hast Du übrigens "Hysterie" bei ihm
gefunden? Wohl schreibt er über "Unarten" und deren Ursachen - lies das bitte
noch einmal sehr genau.


>messen sie die "Angemessenheit" einer Reaktion unter
>anderem daran, in welchem Verhaeltnis ihr Energieaufwand zum erreichbaren
>Ergebnis steht.


Ob eine Verhaltensäusserung "ökonomisch" ist, ist eine völlig andere Frage. Ein
Pferd das sich panisch verhält, verhält sich selbstverständlich nicht öknomisch.
Panik und Hysterie sind aber keinesfalls identisch.


Rest siehe meine Antwort an Sabine.


>Na ja: eine gewisse "Grundkenntnis" von moeglichst vielen Pferden in der
>jeweiligen Situation (das nennt man Erfahrung) stellt eine noch viel bessere
>Grundlage fuer derartige Beurteilungen dar. Blendinger lesen ergaenzt das,
>ersetzt es aber nicht. Allerdings ist auch diese Erfahrung nicht bei jedem
>Reiter vorhanden, noch wird sie gelehrt...


Ganz recht Stefan, aber persönliche Handhabung und Reiten von ca. 100 Stück in
20 Jahren erlauben mir schon ein gewisses Urteil. Dabei sind Pulsmessungen
fremder Pferde auf Wettkämpfen nicht berücksichtigt, sonst wären es über 1000 -
quer durch alle Rassen. Wobei gerade das eine schnelle, intuitive und auch
sichere Beurteilung des Verhaltens des jeweiligen Pferdes unbedingt erfordert...


Frank Mechelhoff

PS, lass endlich Deine verdammten Unterstellungen sein, wenn Du Dich hier nicht
zum Gespött machen willst. ich sage es Dir ganz freundlich: Du misst Dich mit dem
Falschen.

Sabine Loss

unread,
Apr 5, 2001, 4:24:24 AM4/5/01
to
Hallo,

Nun gut, es ist keine natürliche, sondern "nur" die gewohnte Umgebung. Die


meisten (wenn nicht alle) Probleme, die Reiter mit Pferden haben, rühren

daher, daß Reiten keine natürliche Fortbewegung weder des Pferdes noch des
Menschen ist.

> >>
> >Ich bezweifle, daß es "die" Psychologie des Pferdes gibt, weil sie
> >Individuen sind.
>
>
> Gibt es Deiner Meinung nach auch keine Psychologie des Menschen?

Es gibt auch nicht "die" Psychologie des Menschen. Auch da kann die
Wissenschaft (mit allen ihren Strömungen) nur Rahmenbedingungen vorgeben,
innerhalb derer das Individuum betrachtet werden muß. Nochmal: Weder beim
Menschen, noch beim Pferd darf verallgemeinert werden.

>
> Und erlaube mir bitte: Hast Du Dich schon mal der Mühe unterzogen, ein
Buch über
> Pferdeverhalten und -Psychologie zu lesen? Denn dann würdest Du keine
solchen
> Fragen stellen.

Ja, habe ich. Ich lese viel und je mehr ich lese, desto mehr Fragen habe
ich. Würde ich lesen und keine Fragen mehr haben, wäre ich der Typ Mensch,
den Du so gerne zeichnest :-))

Gruss
Sabine

Beat Leuppi

unread,
Apr 5, 2001, 5:02:37 AM4/5/01
to
le 05 Apr 2001 09:59:02 +0200, "Frank Mechelhoff"
<fmec...@csksoftware.de> a écrit:

>Was die Frage angeht "Was hat Adel mit Stockmass zu tun" da empfehle ich Dir das
>letzte Kapitel im BLENDINGER nochmal sehr gründlich durchzulesen. Von den 9
>Charakteristika des "Edlen" die er aufführt, sind 8 geistigen, 3 körperlichen

Man rechne : 9 = 8 + 3

scnr

und ab in den Filter, tschüss

Beat

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 5:37:08 AM4/5/01
to
Beat Leuppi <ble...@bluewin.ch> wrote:
>le 05 Apr 2001 09:59:02 +0200, "Frank Mechelhoff"
><fmec...@csksoftware.de> a écrit:
>
>>Was die Frage angeht "Was hat Adel mit Stockmass zu tun" da empfehle ich Dir
das
>>letzte Kapitel im BLENDINGER nochmal sehr gründlich durchzulesen. Von den 9
>>Charakteristika des "Edlen" die er aufführt, sind 8 geistigen, 3 körperlichen
>
>Man rechne : 9 = 8 + 3
>
Nein 9=8+3-2
Lesen verlangt, nicht am Komma damit aufzuhören-
Frank

Karin Mertens

unread,
Apr 5, 2001, 5:49:08 AM4/5/01
to

Frank Mechelhoff wrote:

> "Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:
> >Na ja: eine gewisse "Grundkenntnis" von moeglichst vielen Pferden in der
> >jeweiligen Situation (das nennt man Erfahrung) stellt eine noch viel bessere
> >Grundlage fuer derartige Beurteilungen dar. Blendinger lesen ergaenzt das,
> >ersetzt es aber nicht. Allerdings ist auch diese Erfahrung nicht bei jedem
> >Reiter vorhanden, noch wird sie gelehrt...
>
> Ganz recht Stefan, aber persönliche Handhabung und Reiten von ca. 100 Stück in
> 20 Jahren erlauben mir schon ein gewisses Urteil. Dabei sind Pulsmessungen
> fremder Pferde auf Wettkämpfen nicht berücksichtigt, sonst wären es über 1000 -
> quer durch alle Rassen. Wobei gerade das eine schnelle, intuitive und auch
> sichere Beurteilung des Verhaltens des jeweiligen Pferdes unbedingt erfordert...
>
> Frank Mechelhoff
>
> PS, lass endlich Deine verdammten Unterstellungen sein, wenn Du Dich hier nicht
> zum Gespött machen willst. ich sage es Dir ganz freundlich: Du misst Dich mit dem
> Falschen.

Man kann sich ja schon sehr bemüht den falschen Schuh anziehen. Das tust Du gerade
Frank. Ich sehe keine Stelle, wo Stefan behaupten würde, daß DU nicht die Reaktion
eines Pferdes beurteilen könntest. In seinem Posting war das die Antwort auf Dein:


> Zu beurteilen ob eine Reaktion "angemessen" ist oder nicht, setzt demzufolge
> eine gewisse Grundkenntnis von der Psychologie des Pferdes voraus, die leider
> nicht bei jedem Reiter vorhanden ist, und auch nicht genügend gelehrt wird.

Und er äußert damit schlichtweg seine Meinung, daß Erfahrungswerte mehr zur korrekten
Beurteilung eines Situation beitragen als "Grundkenntnis von der Psychologie des
Pferdes" (die man natürlich über Erfahrung + Abstraktion bekommen kann, aber auch
meinen kann, durch das Lesen von Büchern bekommen zu können).

Also bitte sieh nicht gleich in jedem Satz von Stefan einen persönlichen Angriff.

MfG

Karin - leicht genervt

Stefan Ungemach

unread,
Apr 5, 2001, 6:49:02 AM4/5/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3acc25c8$1...@netnews.web.de...

> einer und das bin wieder mal ich. Was Deine "Beispiele" betrifft:
"erklärt" haben
> sie rein gar nichts, denn sie betrafen "verrittene" nicht "hysterische"
Pferde;
> Thema verfehlt.

Aber kein bisschen. "Verritten" sagt etwas ueber die Ursachen aus (oder die
"Schuld" des Menschen); "hysterisch" ueber die daraus resultierenden
Verhaltenssysmptome. Dass diese Begriffe kein Gegensatzpaar darstellen,
sondern koexistieren und sogar kausal zusammenhaengen koennen, habe ich
bereits an anderer Stelle klargemacht.

> Sollten meine Bemerkungen über "Adel, Nerv und Temperament" Dich zu Deinen
> Beleidigungen gegen meine Pferde und mich veranlasst haben, die ich Dir
wirklich
> übel nehme wenn Du Dich nicht für sie entschuldigt: Ich habe sie nicht

gebracht...

Kein Mensch hat Dich oder Deine Pferde "beleidigt" oder auch nur das
geringste Interesse daran. Du ziehst Dir diesen Schuh immer freiwillig an.
Wenn Du mit dem Tenor "Es gibt Reiter, die ... <irgendwas zumindest
teilweise Negatives>" Statements aufstellst, ist eine anderslautende Ansicht
a la "Es gibt auch Reiter, die..." genauso zu verstehen wie das, was von Dir
kommt.

Entweder willst Du keinen beleidigen, und dann brauchst Du das auch nicht
von den Dir in dieser Weise Antwortenden annehmen. Oder Fuer Dich sind
derartige Formulierungen eben doch beleidigend: dann darfst Du Dich aber
auch nicht beschweren, denn Du hast damit angefangen. Du brauchst nichts
weiter zu tun, als an Deine Formulierungen und die anderer den gleichen
Masstab anzulegen... :-)

> Was die Frage angeht "Was hat Adel mit Stockmass zu tun" da empfehle ich
Dir das
> letzte Kapitel im BLENDINGER nochmal sehr gründlich durchzulesen.

Eine solche "Frage" hat keiner ausgesprochen. Vielmehr hast Du mit "Adel,
Nerv und Temperament" eine diffuse Attributmenge als Synonym fuer ein
lebhafteres Pferdeverhalten eingefuehrt, mit dem ein Reiter, der das Wort
"Hysterie" zu gebrauchen wagt, wohl nicht umzugehen weiss. Ich bin lediglich
auf die von Dir vorgegebene "Spielregel" eingestiegen, um aufzuzeigen, dass
es genausogut *noch* "lebhafteres" Verhalten geben kann, als jemandem, der
sich Deiner Nomenklatur bedient, bekannt sein mag.

> hingezogen fühle, was wohl bis an mein Reiter-Lebensende so bleiben wird.
(Ein
> weiterer Grund ist allerdings der, dass mir deren Besitzer immer die
Achtung als
> Pferdemenschen entgegengebracht haben - auch wenn deren Pferde mitunter
10x oder
> noch teurer waren als meine - die ich von Grosspferdeleuten und
Herrenreitertypen
> bis auf den heutigen Tag so gut wie nie bekomme. Scheint also irgendwie
doch eine
> Charaktersache zu sein...)

Ja - aber vielleicht auch eine des Deinigen (ist ja nur eine
Moeglichkeit...). Bekanntlich schallt's genauso aus dem Walde heraus, wie
man hineinruft. Und da ich mit einer erklecklichen Anzahl von Kleinpferde-,
Freizeit-, Spazier- und Hobbyreitern bestens auskomme (so wie die mit mir),
mit Dir hingegen regelmaessig in unerfreulichere Streitereien gerate - und
Du zudem generelle Probleme mit "Grosspferde- und Herrenreitern" zu haben
behauptest - erscheint es doch denkbar, dass die Ursache fuer diese
Konflikte bei der einzigen Stelle liegt, die die in Konflikte geratenden
Parteien gemeinsam haben. Und das bist, so leid es mir tut, nun mal Du. Auch
wenn Du Dich fuer einen gelassenen, kompetenten, auf jede Frage sachlich
eingehenden, fairen und allenfalls (fuer entsprechend schwache Partner)
etwas "unbequemen" Gespraechspartner haeltst - und das alle paar Schlag
irgendwem erklaerst - KOENNTE diese Einschaetzung fehlerbehaftet sein...

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 6:10:10 AM4/5/01
to


Ist denn das Pferd in Deinem Beispiel geritten worden? Ich nahm an, es läuft
frei durch die Halle. In dem Fall dass es geritten worden wäre, würden sich noch
viel einfachere (und dem Besitzer zu denken gebende) Erklärungsmodelle anbieten,
als ausgerechnet "Hysterie"...


>> >Ich bezweifle, daß es "die" Psychologie des Pferdes gibt, weil sie
>> >Individuen sind.
>>
>>
>> Gibt es Deiner Meinung nach auch keine Psychologie des Menschen?
>
>Es gibt auch nicht "die" Psychologie des Menschen. Auch da kann die
>Wissenschaft (mit allen ihren Strömungen) nur Rahmenbedingungen vorgeben,
>innerhalb derer das Individuum betrachtet werden muß. Nochmal: Weder beim
>Menschen, noch beim Pferd darf verallgemeinert werden.


Ist denn "Hysterie" nicht eine ziemlich üble, für das betreffende Pferd wenig
schmeichelhafte Verallgemeinerung?


Die Tatsache dass Wissenschaft eine komplexe Angelegenheit ist, und oft mehr
Fragen neu stellt als beantwortet (dann aber feinere und präzisere!), darf einen
nicht daran verzagen, und zur Ansicht kommen lassen es gäbe keine
allgemeingültigen Regeln, die auf das Individuum angewendet werden dürfen. Die
gibt es selbstverständlich, gerade was Verhaltensursachen betrifft.


Was "Verallgemeinerungen" betrifft, muss man unterscheiden zwischen
feststehenden Fakten und vernünftigen Arbeitshypothesen. Selbstverständlich weiss
ich auch nicht ob meine Erklärung des Verhaltens Deines hypothetischen Pferdes
zutrifft, nur die Schlussfolgerungen die ich aus ihnen ziehe sind andere. Ich
würde hergehen und untersuchen, ob sich dieses Ereignis einmalig ist, oder ob es
sich ähnlich verhält:
a) unter freiem Himmel,
b) nach mehrtägigem ununterbrochenen Weidegang und eifrigem Reiten
c) unter einem anderen Reiter (falls ein Reiter im Spiel ist)


und versuchen hinter die Ursache zu kommen. Bestandteil der wissenschaftlichen
Methode ist, die einfachen, wahrscheinlichen und nachprüfbaren Ursachen
auszuschliessen, bevor man zu den komplexen, weniger wahrscheinlichen und
schlecht überprüfbaren geht.


Du kannst gerne mit "Hysterie" anfangen. Ich habe einmal ein Pferd gekauft, das
als "hysterisch" verschrieen war. Ich werde es gern wiedertun, doch diesmal werde
ich den Verkäufer bis aufs Hemd runterhandeln. ;-)


>> Und erlaube mir bitte: Hast Du Dich schon mal der Mühe unterzogen, ein Buch
über
>> Pferdeverhalten und -Psychologie zu lesen? Denn dann würdest Du keine solchen
>> Fragen stellen.
>Ja, habe ich. Ich lese viel und je mehr ich lese, desto mehr Fragen habe ich.
Würde ich lesen und >keine Fragen mehr haben, wäre ich der Typ Mensch, den Du so
gerne zeichnest :-))


Ist vielleicht ein Tick von mir, sorry. Wichtig ist nicht dass nachher keine
Fragen mehr übrig sind (das wäre ja langweilig) sondern nur dass die Fragen
nachher feiner, präziser und mit mehr Hintergrundwissen gestellt werden.


Also nochmal, welche Bücher? (welche ich favorisiere und warum, da mache ich
kein Geheimnis draus, das zeigen meine ständigen Bezüge und Zitate...)

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 6:17:35 AM4/5/01
to
Tut mir leid wenn Du genervt bist, Karin, dann lies an der Stelle nicht weiter,
aber der Satz "Blendinger lesen genügt nicht" ist auf mich gemünzt. Stefan weiss
es, und er weiss auch dass ich es weiss. Er testet derzeit aus, mir alle
Erfahrung auf jedem x-beliebigem Gebiet abzusprechen, um mich zu desauvieren. So
billig ziehe ich mich nicht aus der Affaire.
Gruss Frank

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 5, 2001, 7:34:03 AM4/5/01
to
"Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:


>Wenn Du mit dem Tenor "Es gibt Reiter, die ... <irgendwas zumindest
>teilweise Negatives>" Statements aufstellst, ist eine anderslautende Ansicht
>a la "Es gibt auch Reiter, die..." genauso zu verstehen wie das, was von Dir
>kommt.


Ausflucht statt Entschuldigung - nicht akzeptiert!

"Es gibt Reiter die werfen mit Abwertungen wie "Pferd ist blöd im Kopf",

"hysterisch" o.ä. nur so um sich"- das habe ich gesagt!
Das kann nicht auf Dich gemünzt gewesen sein, dazu äusserst Du Dich (wenn Du
nicht Deine gerade wieder Deine "Zustände" hast, etwas anderes fällt mir dazu
schon nicht mehr ein...) zu differenziert. Und ist mit Sicherheit auch von
niemandem so missverstanden werden! (meingott, ich hab mir überlegt ob ich
dazuschreiben soll, dass ich Dich nicht meine - aber ich dachte, sei nicht
albern, SO dünnhäutig ist der Kerl auch wieder icht, mich missverstehen zu WOLLEN.
.. habe mich getäuscht, sorry!)


Hingegen hast Du alles versucht eine ziemlich üble und verächtliche Karrikatur
meiner Person zu zeichnen, so deutlich (obwohl unrichtig) dass sie von niemandem
missverstanden werden kann! Zumal darin keinerlei Bezug zum Thema "Hysterie"
existierte, sondern nur meine Pferde und Erfahrung als Reiter verächtlich zu
machen...


>Eine solche "Frage" hat keiner ausgesprochen. Vielmehr hast Du mit "Adel,
>Nerv und Temperament" eine diffuse Attributmenge als Synonym fuer ein
>lebhafteres Pferdeverhalten eingefuehrt, mit dem ein Reiter, der das Wort
>"Hysterie" zu gebrauchen wagt, wohl nicht umzugehen weiss. Ich bin lediglich
>auf die von Dir vorgegebene "Spielregel" eingestiegen, um aufzuzeigen, dass
>es genausogut *noch* "lebhafteres" Verhalten geben kann, als jemandem, der
>sich Deiner Nomenklatur bedient, bekannt sein mag.


Dummes Gewäsch und Hinterher-Rechtfertigungsgerede! "Noch lebhafteres Verhalten"
von Warmblütern als von "Ponies mit 1,45 Stm"? Mein lieber Freund, ich wage zu
bezweifeln ob Du den Unterschied bemerkst, ob Dich Dein 1,75-Bomber in den Dreck
wirft, oder die Rippen bricht, oder ein Vollblutaraber mit 1,60, und was wohl
früher eintritt bei unangemessener Behandlung!


Aber wenn Du "Hysterie" als Verhaltensursache akzeptierst, dann werde doch
glücklich damit! Allzuoft kriegt man ja das Gerede zu hören mit den hochblütigen
"Hysterikern". Ein Grund mehr um Dich und Deine Pferde einen Bogen zu machen!

> Und da ich mit einer erklecklichen Anzahl von Kleinpferde-,
>Freizeit-, Spazier- und Hobbyreitern bestens auskomme (so wie die mit mir),
>mit Dir hingegen regelmaessig in unerfreulichere Streitereien gerate - und
>Du zudem generelle Probleme mit "Grosspferde- und Herrenreitern" zu haben
>behauptest - erscheint es doch denkbar, dass die Ursache fuer diese
>Konflikte bei der einzigen Stelle liegt, die die in Konflikte geratenden
>Parteien gemeinsam haben. Und das bist, so leid es mir tut, nun mal Du.


Nein Stefan, ganz einfach. Wenn DU Dich nicht von mir gekränkt fühlen willst,
und Dich dann berufen fühlen willst mich "wieder-zu-kränken" - und Dich morgen
wieder im Gulag wähnst den die Mittelmässigen und Dilettanten für Dich errichten -
dann fordere den Streit nicht immer wieder heraus und unterlass es doch ganz
einfach auf meine Antworten zu antworten. Ist doch irgendwie merkwürdig wie das
zustandekommt oder?


Dass ich Dir, Herr Herrenreiter, nachdem was Du in den letzten 14 Tagen für
Versuchen unternommen hast mich hier runterzumachen, jetzt mit besonderer
Freundlichkeit und Sympathie entgegentrete, das wirst Du leider nicht erwarten
können, das ist nunmal allein Problem, und hat seine Ursache vielleichtr darin,
dass Du ja keine Miene machst irgendwas davon zurückzunehmen, sondern immer nur
rechtfertigst, und abstreitest. Naja, ist wohl Charaktersache. Aber wenn Du nicht
auch der Meinung bist, dass etwas Deeskalation oder Konfliktmanagement guttäte,
dann erlaube ich mir jetzt erstmals gewisse Zweifel zu äussern an Deiner
Intelligenz, auf dies Du ja so grosse Stücke zu halten scheinst, dass Du sie in
jedem Posting aufführen musst!


Also Stefan, DU hast den "längeren", bist Du jetzt happy?


Für heute langt's mir.

Stefan Ungemach

unread,
Apr 5, 2001, 8:27:12 AM4/5/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3acc463f$1...@netnews.web.de...

>>> PS, lass endlich Deine verdammten Unterstellungen sein, wenn Du Dich
hier nicht
>>> zum Gespött machen willst. ich sage es Dir ganz freundlich: Du misst
Dich mit dem
>>> Falschen.
>>

K> ( hielt das - mit Recht - fuer eine Ueberreaktion )


>>
> Tut mir leid wenn Du genervt bist, Karin, dann lies an der Stelle nicht
weiter,
> aber der Satz "Blendinger lesen genügt nicht" ist auf mich gemünzt. Stefan
weiss
> es, und er weiss auch dass ich es weiss. Er testet derzeit aus, mir alle
> Erfahrung auf jedem x-beliebigem Gebiet abzusprechen, um mich zu
desauvieren.

Das meinst Du. Aber Dich zu desavouieren ist so leicht (es geschieht ja
ziemlich oft ohne das bewusste Zutun anderer <g>) wie uninteressant, so dass
ich eigentlich keine Zeit darauf verschwende. Abgesehen davon habe ich
Blendinger ja selbst gelesen, zitiert und empfohlen (teilweise lange bevor
Du die drtp entdeckt hast), so dass ein solcher Satz, jedenfalls von mir,
gar nicht auf Dich gemuenzt sein KANN.

Nur wollen wir nicht vergessen, dass Du Dich zu Einlassungen ueber den
Seelenzustand eines Dir fremden Pferdes bereitgefunden, und darueberhinaus
gar kategorisch die Realitaet von Hysterie, gar mit Spekulationen ueber das
Unvermoegen der davon sprechenden Reiter garniert, bestritten hast. Sowohl
mit der Begriffsdefinition von Hysterie, als auch mit den Erfahrungen der
unmittelbar mit Derartigem konfrontierten Reiter hast Du Dich dagegen nicht
auseinanderzusetzen geruht, sondern ersatzweise immer wieder zu
unzulaessigen Begriffsvermengungen gegriffen.

Besonders spassig mutet in diesem Zusammenhang an, dass Du die Existenz von
hysterischem Verhalten u.a. mit der Begruendung abstreitest, dass Blendinger
das Wort nicht verwendet. Wuerde der eindeutig sagen, dass es hysterisches
Verhalten *nicht* bei Pferden gaebe, waere das legitim - da dies nicht
zutrifft, ist er weniger als Negativindikator zu gebrauchen (man bestreitet
ja auch nicht die Verwendung der Bauchmuskulatur zum "Kreuzanspannen"
aufgrund des Umstandes, dass ein Mueseler dies *nicht* erwaehnt bzw. sich
einer anderen, mittlerweile ueberholten, Wortwahl bedient).

Und weil Du momentan alle paar Absaetze irgendjemand dazu aufforderst,
Blendinger zu lesen, ist der Eindruck, Dein Urteil ueber Dir fremde Pferde
und Reiter sei in erster Linie durch dieses Buch begruendet, wohingegen
unmittelbare Erfahrungen mit leichter Hand abgetan werden, berechtigt. SO,
und nicht durch den vermeintlichen Wunsch, Dich auszutesten (wozu sollte ich
ein so gewaltiges Interesse an Deiner Person entwickeln?), ist der bewusste
Satz zu verstehen. Zu einer "verdammten Unterstellung" machst erst Du ihn
und andere, indem Du mit aller Gewalt und aus allem Angriffe auf Dich, bzw.
ueberhaupt ein besonderes Interesse an Dir, herauszulesen versuchst.

Ganz abgesehen davon (und ebenfalls in aller Freundlichkeit): ich habe nicht
das geringste Interesse, mich (hier) mit Dir zu "messen". Darunter verstehe
ich immer noch einen direkten Vergleich, beispielsweise einen der Dir so
suspekten Wettkaempfe: ersatzweise im Usenet "ich hab' den Laengeren" (bzw.
"ich hab' schon 1000 Pferde geritten, 100 angefasst und 10 geritten" - oder
so aehnlich <vbg>) zu rufen, ist da vergleichsweise reizlos...


> So billig ziehe ich mich nicht aus der Affaire.

Klar, wie Du meinst... :-)

Sabine Loss

unread,
Apr 5, 2001, 8:02:14 AM4/5/01
to
Hallo,

Nein, es wurde gerade in die Halle geführt.

> >> >Ich bezweifle, daß es "die" Psychologie des Pferdes gibt, weil sie
> >> >Individuen sind.
> >>
> >> Gibt es Deiner Meinung nach auch keine Psychologie des Menschen?
> >
> >Es gibt auch nicht "die" Psychologie des Menschen. Auch da kann die
> >Wissenschaft (mit allen ihren Strömungen) nur Rahmenbedingungen vorgeben,
> >innerhalb derer das Individuum betrachtet werden muß. Nochmal: Weder beim
> >Menschen, noch beim Pferd darf verallgemeinert werden.
>
> Ist denn "Hysterie" nicht eine ziemlich üble, für das betreffende Pferd
wenig
> schmeichelhafte Verallgemeinerung?

Es hat ja keiner behauptet, alle Pferde seien hysterisch oder würden dazu
neigen, es zu sein :-)) Wenn man aber das Verhalten eines Pferdes beschreibt
und dafür das Wort hysterisch verwendet ist es IMHO nicht verallgemeinernd.

> Die Tatsache dass Wissenschaft eine komplexe Angelegenheit ist, und oft
mehr
> Fragen neu stellt als beantwortet (dann aber feinere und präzisere!), darf
einen
> nicht daran verzagen, und zur Ansicht kommen lassen es gäbe keine
> allgemeingültigen Regeln, die auf das Individuum angewendet werden dürfen.
Die
> gibt es selbstverständlich, gerade was Verhaltensursachen betrifft.

Ja, im Sinne von "arttypischen Verhaltensweisen". Ich wehre mich dagegen,
Tiere wie Menschen in einen Karton mit der Aufschrift "allgemeingültige
Verhaltensegeln" zu stecken. "Regeln für Verhaltensursachen" würde bedeuten,
daß eine Ursache immer dieselbe Wirkung hat. Das bezweilfle ich eben, dazu
spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Aber diese Diskussion geht mir nun
einfach zu weit. Du kannst gerne annehmen, daß sie meine Intelligenz
überfordert <scnr>

> Was "Verallgemeinerungen" betrifft, muss man unterscheiden zwischen
> feststehenden Fakten und vernünftigen Arbeitshypothesen.
Selbstverständlich weiss
> ich auch nicht ob meine Erklärung des Verhaltens Deines hypothetischen
Pferdes
> zutrifft, nur die Schlussfolgerungen die ich aus ihnen ziehe sind andere.
Ich
> würde hergehen und untersuchen, ob sich dieses Ereignis einmalig ist, oder
ob es
> sich ähnlich verhält:
> a) unter freiem Himmel,
> b) nach mehrtägigem ununterbrochenen Weidegang und eifrigem Reiten
> c) unter einem anderen Reiter (falls ein Reiter im Spiel ist)
>
> und versuchen hinter die Ursache zu kommen. Bestandteil der
wissenschaftlichen
> Methode ist, die einfachen, wahrscheinlichen und nachprüfbaren Ursachen
> auszuschliessen, bevor man zu den komplexen, weniger wahrscheinlichen und
> schlecht überprüfbaren geht.

Nur weil das Verhalten als "hysterisch" bezeichnet wird, bezweifelt doch
keiner (wie ich schon mehrfach sagte), daß Ursachenerforschung notwendig
ist.

> Du kannst gerne mit "Hysterie" anfangen. Ich habe einmal ein Pferd
gekauft, das
> als "hysterisch" verschrieen war. Ich werde es gern wiedertun, doch
diesmal werde
> ich den Verkäufer bis aufs Hemd runterhandeln. ;-)

Nochmal: Ich "verschreie" ein Pferd, auch das von mir als Beispiel
angeführte, nicht als hyterisch, sondern bezeichne ein Verhalten in einer
speziellen Situation (die über einen längeren oder kürzeren Zeitraum
andauern kann oder auch nur punktuell sein kann) als hysterisch, da
überzogen. Ich sage nicht, da es ein "unheilbarer" Zustand ist. Das Pferd
ist sonst sehr ruhig, vielleicht macht es das nie wieder, aber in diesem
Moment war es IMHO "hysterisch". Wenn Du die Ursache für die "Hysterie" des
Pferdes, das Du gekauft hast, herausgefunden hast und dadurch daran arbeiten
konntest und Erfolg hattest, ist das doch wunderbar :-)

> >> Und erlaube mir bitte: Hast Du Dich schon mal der Mühe unterzogen, ein
Buch
> über
> >> Pferdeverhalten und -Psychologie zu lesen? Denn dann würdest Du keine
solchen
> >> Fragen stellen.
> >Ja, habe ich. Ich lese viel und je mehr ich lese, desto mehr Fragen habe
ich.
> Würde ich lesen und >keine Fragen mehr haben, wäre ich der Typ Mensch, den
Du so
> gerne zeichnest :-))
>
> Ist vielleicht ein Tick von mir, sorry. Wichtig ist nicht dass nachher
keine
> Fragen mehr übrig sind (das wäre ja langweilig) sondern nur dass die
Fragen
> nachher feiner, präziser und mit mehr Hintergrundwissen gestellt werden.
>
> Also nochmal, welche Bücher? (welche ich favorisiere und warum, da mache
ich
> kein Geheimnis draus, das zeigen meine ständigen Bezüge und Zitate...)

Jaaa - gerade aus den bisherigen Threads bin ich mir nicht sicher, ob ich
das so genau offenlegen soll :-)) Steinbrecht habe ich ja, wie bereits
"gestanden" nicht gelesen - HdV 12 habe ich jetzt gelesen. Die anderen
pferdespezifischen Bücher sind schon ein paar Jährchen her (als Titel in
Erinnerung ist mir noch Maday, Psychologie des Pferdes..."), da könnte ich
nicht mit Zitaten dienen. Und dann habe ich in den letzten Jahren
verschiedene Bücher über Verhaltensforschung und Bewußtsein bei Tieren
gelesen, also nicht pferdespezifisch (z.T. herausgegeben von W. Wickler, dem
Nachfolger von K. Lorenz in Seewiesen). Nun, und dann las ich natürlich von
Brunner, Der "eingebildete" Pferdekenner, und habe alle Immenhof-Filme
gesehen <scnr>
Aber dennoch, die Zitatklauberei liegt mir nicht so - dieses "jener hat es
so formuliert" und "dieser hat es aber so formulier" und am Ende meinen
eigentlich beide dasselbe.
Gruss
Sabine


Stefan Ungemach

unread,
Apr 5, 2001, 10:43:56 AM4/5/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3acc582b$1...@netnews.web.de...

> Aber wenn Du "Hysterie" als Verhaltensursache akzeptierst, dann werde doch
> glücklich damit!

Wie oft soll ich das eigentlich noch sagen, bis Du's mal zur Kenntnis zu
nehmen geruhst: Hysterie ist eine Verhaltensweise, keine Verhaltensursache!


> Allzuoft kriegt man ja das Gerede zu hören mit den hochblütigen
> "Hysterikern". Ein Grund mehr um Dich und Deine Pferde einen Bogen zu
machen!

Da wird Dir wohl auch nichts anderes uebrigbleiben: spazieren reiten wir
beide in verschiedenen Bundeslaendern (obwohl ich Deine Gegend, und auch
einige Leute da, als gebuertiger Frankfurter vielleicht besser kenne, als Du
glaubst), und auf Kat.A-Turnieren - der einzige Anlass fuer mich, mit
Pferden nach Hessen zu kommen - lassen sie ueblicherweise nur die ollen
FN-Reiter mit ihren Reitausweisen rein :-)


> Hingegen hast Du alles versucht eine ziemlich üble und verächtliche
Karrikatur
> meiner Person zu zeichnen, so deutlich (obwohl unrichtig) dass sie von
niemandem
> missverstanden werden kann!

Woher willst Du wissen, was von Deinen Aeusserungen, und was von den meinen,
wie verstanden wird? Es gibt nur zwei vernuenftige Masstaebe: die Intention
der Verfasser (und da musst Du mir schon die gleichen Motive wie Dir
zubilligen: entweder sind BEIDE wohlwollend, oder BEIDE uebel), und der
Feedback durch Dritte. Davon hat's bislang aber nur einen einzigen gegeben -
und zwar des Tenors, dass gar so viel "Veraechtliches" ueber Dich nur in
Deiner persoenlichen Auslegung, nicht jedoch tatsaechlich irgendwo, zu
finden sei.


> "Noch lebhafteres Verhalten"
> von Warmblütern als von "Ponies mit 1,45 Stm"?

Speziell auf die 145cm bezogen war in meinem Satz ganz konkret von der
*Bewegung* die Rede. Damit meine ich nicht irgendwelche Widersetzlichkeiten
(obwohl auch die ein anderes Format annehmen koennen: bilde erst mal einen
rohen Warmblueter in King-Size und mit *viel* Nerv aus...), sondern viel
allgemeiner die Gaenge. Ein Pony ist nun mal aufgrund der geringeren
Amplituden trotz hoeherer Gangfrequenz sehr viel leichter als ein gewaltig
antretender "Grosser" zu sitzen, zumindest empfinde ich das so. Das ist
schlichte Kinematik. Damit jedoch ist der Anspruch an den Sitz (der Deine
ist uebrigens genauso wie der meine im Internet zu bewundern, so dass sich
ein jeder hierueber ein eigenes Urteil bilden kann) nicht selten beim
Grosspferd hoeher, was die Korrektur von eventuellen Widersetzlichkeiten
schwieriger gestaltet.


> Dummes Gewäsch und Hinterher-Rechtfertigungsgerede! (...) Mein lieber
Freund...
> ...Dir, Herr Herrenreiter, ...

Und was das "dumme Gewaesch" etc. angeht - Du laeufst mal wieder Gefahr,
durch erheblichen Kontrollverlust aufzufallen. Meine "lieben Freunde"
zeichnen sich im uebrigen durch eine kultiviertere Umgangsform aus...

Catja Pafort

unread,
Apr 5, 2001, 1:07:54 PM4/5/01
to
Frank schrieb:

>Das Pferd verhält sich immer "angemessen".

Einspruch. 'Angemessen' fuer ein Fluchttier ist Erschrecken -
Grundfluchtdistanz - Nachgucken ob Gefahr herrscht bzw sich am Leittier
orientieren.

Unangemessen sind z.B. Erschrecken - Panik oder staendiges Erschrecken
gekoppelt mit Flucht. Beide Strategien sind nicht gerade Ueberlebensfoerdernd.

>>Ich versuche ein Beispiel: Ein Pferd wurde in die Reithalle geführt genau in
>>dem Moment als sich irgendwo etwas löste und mit einem gewaltigen Knall auf
>>den Boden krachte. Das Pferd hat sich, wie der Besitzer, fürchterlich
>>erschrocken und hat hysterisch reagiert, weil es daraufhin minutenlang durch
>>die Halle rannte und buckelte und noch Minuten später am ganzen Körper
>>zitterte und sich durch nichts und niemand beruhigen ließ. Das Erschrecken
>>war nachvollziehbar, die Heftigkeit der Reaktion war - ganz neutral und nich
>>t abwertend - hysterisch.
>
>

>Das Pferd hat sich in eine Abwehrreaktion hineingesteigert, mit realem
Auslöser
>(Erschrecken), aber Übersteigerung, wahrscheinlich durch Bewegungsmangel,
>beschränkte Fluchtmöglichkeit und "unnatürliche Umgebung" (Halle)
begründet, bis
>es in Panik geriet und gar nicht mehr anders konnte als immer
weiterzurennen.
>Armes Tier. Also menschengemacht und keine "Hysterie".

Nicht unbedingt menschengemacht, aber auch nicht nicht unbedingt Hysterie.
Das laesst sich schlecht beurteilen, wenn man weder das Pferd kennt noch
die Umstaende.

Ich habe zwei Pferde kennengelernt, die ich als 'hysterisch' bezeichnen
wuerde - das eine war ein sechs Monate altes Fohlen (dessen Mutter dank
Unfall beim Anreiten unreitbar war, und das das Anreiten selber nicht
erlebt hat. Ursache: Beide sind durch Zaeune gerannt). Bei bestimmten
Reizen (z.B. Traktor - sie stand auf einem Bauernhof und sah das Ding fast
taeglich) drehte sie durch - war nicht ansprechbar, schien kein
Schmerzempfinden zu haben, und liess sich nur durch Anschreien wieder auf
den Boden zurueckholen. Der andere, seufz, ist mein Kleiner - der unter
bestimmten Umstaenden auch ueberhaupt nicht mehr ansprechbar ist. Was das
ausloest, und warum, weiss ich nicht - ich weiss nur, dass es besser ist,
seit er etwas mehr Vertrauen in die Menschheit hat. Am Anfang waren
Menschen fuer ihn Luft - er hat Dich einfach nicht beachtet. Das hat sich
geaendert - er ist ziemlich anhaenglich geworden - aber waehrend er sich
beim Fuehren gern hinter mir versteckt, hat er das Vertrauen unterm Sattel
noch nicht ganz.

Catja
und der Count

--
Posted from tweli.aber.ac.uk [144.124.16.41]
via Mailgate.ORG Server - http://www.Mailgate.ORG

Beate M. Au

unread,
Apr 5, 2001, 1:28:10 PM4/5/01
to
Hi Katje,

"Katje Binder" <bin...@uni-muenster.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9aejcf$qos$2...@redenix.uni-muenster.de...
> Am Mon, 2 Apr 2001 22:17:44 +0200, schrieb "Beate M. Au"
> <beat...@surfeu.de> in der Nachricht
> <9aatp9$4mcju$3...@ID-60779.news.dfncis.de> :
>
> [longieren]
> >Auch mit einem gesunden Pferd halte ich diese Methode für zweifelhaft,
und
> >zwar aus zwei Gründen:
> >1. durch Longieren kriegt das Pferd erst richtig Kondition, damit ist das
> >Problem nur verschoben, wird aber in verschärfter Form wiederkommen, weil
es
> >nichts ändert.
>
> Das Pferd hat aber die Gelegenheit, ueberschuessige Energie erstmal
> gefahrlos abzureagieren.

Das posting, auf das ich geantwortet, lautete ganz anders: die RL hatte
empfohlen, das Pferd so lange zu longieren, bis es *müde* wäre, also bis zu
einer Stunde (!) und länger. *Das* hat mir nicht gefallen und dagegen werde
ich mich immer wenden, weil es letztlich heißt, gegen das Pferd zu
arbeiten - nicht mit dem Pferd. Das Pferd lernt garantiert nichts dabei und
wird schnell Probleme mit den Beinen kriegen.

> >2. Jeder kann warscheinlich aus eigener Erfahrung bestätigen, daß müde
> >Nerven mürbe Nerven sind. Ein Pferd, daß so unangemessen ausrastet, wird
es
> >auch in müdem Zustand tun - weil es erst recht keine Selbstbeherrschung
mehr
> >aufbringen kann.
> Du sollst das Pferd ja auch nicht stundenlang longieren.

s.o.

... alternativ kann man ja auch in der
> Halle oder eben dort, wo das Pferd sich nicht aufregt, reiten, bis der
> erste Uebermut verflogen ist.

Im Anfang dieses threads war dargestellt worden, daß die Reiterin genau das
gemacht hatte... 30 Min Halle, ganz friedlich, und nach einiger Zeit im
Gelände die Explosion...

CU
Beate


Beate M. Au

unread,
Apr 5, 2001, 1:55:43 PM4/5/01
to
Hallo Reinhild,

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag
news:3ac9f30b$0$19...@SSP1NO25.highway.telekom.at...
>
> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 9aatpa$4mcju$4...@ID-60779.news.dfncis.de...


>
> > Ein normal erzogenes Pferd unter akutem Bewegungsnotstand sollte noch
> > einigermaßen beeinflussbar sein - meine Meinung.
>

> ich habe 6 monate alte fohlen
> gesehen, die junge burschen beim vortraben durch die bahn geschliffen
haben.

Ich wollte überhaupt nicht bestreiten, daß es sowas gibt, sondern ein paar
Erfahrungen anderer haben, weil ich Probleme mit der Bewertung dieses
Verhaltens habe.

Übrigens sah ich auf einer Pferdemesse einen kleinen Welsh-Hengst, der
furchtbar aufgeregt war! Was tat der nette Kleine? Er galoppierte im Stand -
an durchhängender Führleine! Nach einiger Zeit sprang er um, fliegender
Galoppwechsel im Stand sozusagen, dann fing er's piaffieren an...
gelegentlich lauthals den Stuten hinterherschmetternd ! Alles bei
durchhängender Führleine !!! Seine Besitzerin bedachte ihn ab und zu mit
einem stolzen Blick und ließ ihn ansonsten gewähren. Seither tut es mir
leid, keine Videokamera dabeigehabt zu haben. Das Bild hat mich zutiefst
beeindruckt und in gewisser Weise auch ein wenig Maßstäbe gesetzt, wie
wohlerzogen so ein Pferd sein kann. (Bitte keine postings á là : das ist mit
meinem Pferd schlicht unmöglich, weil.... Natürlich ist es nicht mit jedem
Pferd möglich. Aber es müßte auch nicht so fürchterlich viel miserabel
erzogene Pferde geben, wie tatsächlich herumlaufen...)

> perfekt ist kein mensch und kein pferd. auch mitreiter dürfen redlich an
> freud und leid mit dem pferd teilhaben.

Sofern die von Anfang an darüber aufgeklärt werden, was auf sie zukommt, ist
das vollkommen korrekt. Wenn...

> auch wenn du meinst, von pat parelli nichts mehr lernen zu können:

Einspruch : Holzweg! Das ist falsch rübergekommen. Selbstverständlich *kann*
ich - als Angehörige der ehrgeizigen Freizeitreitergruppe namens
"wer-immer-strebend-sich-bemüht" - von jedem Profi was lernen. Die Frage ist
nur, ob ich ausgerechnet von demjenigen was lernen *will*. Der Maßstab dabei
heißt für mich immer: für oder gegen das Pferd gearbeitet?

Parelli hat - soweit ich mich durch das Buch gequält habe - mit allem recht,
was er sagt, und natürlich funktioniert das auch. Aber mir erscheint sein
Ansatz als wahnsinnig gefährlich, wenn er von den falschen Leuten in der
falschen Art praktiziert wird. Die Chance, ein *richtig* totes Pferd damit
zu machen, ist m.E. sehr hoch. Das Zauberwort dafür ist die 'Dominanz', das
wurde ja gerade sehr ausführlich im thread 'join up und so' behandelt. (Der
größte Schläger im Viertel ist zwar der dominanteste, aber anerkannt ist er
deswegen noch lange nicht. )

btw: den hinten im Buch angegebenen Test für Level 1 hatte ich aus dem Stand
geschafft, bis auf das Kunststück, ein Pferd mit dem Kopf dicht am Boden
aufzuhalftern. Wozu auch... ?

> > Ich kann kein Vertrauen verlieren, wenn ein Pferd nie welches entwickelt
> > hat, so wie dieses. Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...
>
> pass auf, dass sich nirgends schlagen ringeln und dass du keine äpfel
isst..

Ups... zu spät! Apfel Nummer 2 war das heute schon.... Sch.....grippe!

Liebe Grüße
Beate


Beate M. Au

unread,
Apr 5, 2001, 2:42:51 PM4/5/01
to
Hallo Frank,
und wieder mal: in der Kürze liegt die Würze....!

"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag

news:3acb19d3$1...@netnews.web.de...


> "Sabine Loss" <josa...@web.de> wrote:
>
>
> >d seinem eigentlichen Wesen. Der Verlust bewusster Verhaltens-
> >und Wahrnehmungskontrolle führt zu der Scheinlösung der hysterischen
> >Neurose.

Erstmal vielen Dank unbekannterweise an Sabine für die Verteidigung! :-)))

- snnnniiiippppppp - (viele durchaus richtige Dinge, die aber hier nicht
sehr hilfreich sind)

> >> Es gibt Reiter die werfen mit Abwertungen wie "Pferd ist blöd im Kopf",

> >> "hysterisch" o.ä. nur so um sich. Sie zeigen damit nur dass sie von
> >Pferden mit
> >> Nerv, Adel und Temperament doch besser die Finger lassen, und lieber
eins
> >nehmen
> >> sollten das bestrebt ist alle 4 Füsse auf dem Boden zu haben. Gegen
eine
> >solche
> >> Wahl ist ja nicht das geringste einzuwenden.

Nerv, Adel, Temperament... schon wieder mit Kanonen auf Spatzen geschossen!
Wenn ich Pferde nehme, die ausschließlich auf Hochleistung gezüchtet werden
ohne wenn und aber, habe ich eine sehr viel größere Chance, auf ein sehr
schwieriges und nur von Spezialisten hantierbares Pferd zu treffen, als wenn
die Rasse unter anderem auch sehr strenge Maßstäbe an die charakterliche
Eignung als Allrounder stellt. Ich würde z.B. Quarter horses oder Connemaras
nicht als unedel bezeichnen, aber die Zuchtselektion läuft stark unter dem
Aspekt der Hantierbarkeit. Ein Hengst, der bei der Vorstellung bloß die
Ohren in Richtung anderer Pferde anlegt, kriegt sofort Punktabzug - nachdem
das die entscheidenden Punkte sein können, die zur erfolgreichen Wertung
fehlen, ergibt sich damit im Laufe der Generationen eben doch ein anderer
rassetypischer Charakter als z.B. bei Rennpferden, die ausschließlich auf
Schnelligkeit hin selektiert werden.

> Symptomatische Bezeichnungen wie "Hysterie" suchen den Fehler beim Pferd
und
> nicht beim Reiter - das ist das Problem.

Du interpretierst das so, das sei dir unbenommen. Ich habe mit voller
Absicht diesen Begriff gewählt, weil er für mich die Grenze markiert, an der
ich endgültig das Pferd seinem Schicksal überlasse, in der Hoffnung, es möge
ein gnädiges Schicksal sein.
Das heißt nicht, daß ich dem Pferd einen Vorwurf aus seinem so-sein mache,
aber es heißt, daß ich feststelle, das ich in diesem Fall klar überfordert
wäre.

Zu einem langen und gesunden Menschenleben gehört auch ein Minimum an
gesunder Selbsteinschätzung. So edel ich es auch immer finde, wenn einem
armen Lebewesen geholfen werden soll, ist mein Selbsterhaltungstrieb doch so
ausgeprägt, daß ich mir beizeiten überlege, ob es nicht sein könnte, daß das
Objekt meiner Hifsbereitschaft mich eines Tages umbringt...

CU
Beate


Beate M. Au

unread,
Apr 5, 2001, 4:48:43 PM4/5/01
to
Hallo Catja,

"Catja Pafort" <ca...@aber.ac.uk> schrieb im Newsbeitrag
news:3.0.6.32.2001040...@pophost.aber.ac.uk...

Die Frage, die ich mir da stelle, ist *warum*. Ich halte es beim Reiten mit
l'Hotte: Ruhig, vorwaerts, und geradegestellt. Besonders die Sache mit der
Ruhe. Die ist in meinen Augen die erste Vorraussetzung fuer ein gutes
Reitpferd - und wenn ich die nicht habe, dann kann ich den Rest schlichtweg
vergessen.

Das war so schön, daß ich es stehengelassen habe - man hört so selten IRL
was in diesem Tenor. Wie man diese Ruhe ins Pferd hineinbringt, ist m.E. ein
Schlüssel zum sicheren Reiten. Bei einigen Pferden geht's relativ einfach,
bei anderen ist es das Hauptproblem - wie bei meinem Sorgenkind Becci.

Es gibt von Jean-Claude Dysli sogar ein Video mit dem tollen Titel:"Das
Fundament der Ruhe im Pferd - (wie man es dem Pferd leichtmacht, das
Richtige zu tun)"- kenne ich zwar noch nicht, wird sich aber - aus gegebenem
Anlaß - sehr bald ändern....

So, und jetzt erstmal ein herzliches Danke für Alle, die sich mit ihren
Beiträgen zum Teil auch meinen Kopf zerbrochen haben ! ;-)))

Ich berichte jetzt mal, was sich bei uns getan hat!

Wir hatten gestern Besuch von dem Trainer, der seine Korrekturberittpferde
erstmal psychisch aufbaut, wenn sie zu ihm kommen.
Er ist gleich aufgestiegen und die übliche Runde losgeritten, die ich
letztens mehrfach geführt hatte, ich lief nebenher. Schon nach 5 Min erste
Diagnose: "Bewegungsmangel hat sie nicht, da hätten wir jetzt schon unsere
Galavorstellungen hinter uns!" Weiter, absolut ereignislos...
Vorführeffekt....

Wir änderten dann die Runde: genau entgegengesetzt der Heimat in Richtung
Wald... schon fing das Pferd an zu pusten und zu blasen, der Unterhals fing
an hart zu werden, der Kopf kam höher, vorwärts wollte sie nicht mehr ...
Und dann folgten einige Manöver, um das Pferd bei der Stange zu halten, die
mir ausgesprochen exotisch erschienen, aber wie heißt es: wer heilt, hat
recht.

Erstmal kurz treibend eingesessen, dann ganz leichte, weiche einseitige
Zügelanzüge mit tiefer Hand zur Seite heraus ausgeführt - nach rechts, dabei
linken Zügel komplett freigeben, nach links, dabei rechten Zügel komplett
freigeben (leicht zu lesen, aber schwierig in der Ausführung). Pferdi war
nach ein paar dieser Manöver ganz ruhig, Kopf unten, die Tritte wurden
wieder länger. Die Zügel wurden komplett auf den Hals geworfen, ein paarmal
schallend über dem Pferdi in die Hände geklatscht - es ging zwar jedesmal
ein gewaltiger Ruck durch das ganze Pferd, aber sie blieb im Schritt - ohne
irgendwelche Zügeleinwirkung. Dazu bekam ich eine Privatvorlesung über
Pferdepsyche und warum manche Problemlösungen gerade zum Gegenteil dessen
führen, was beabsichtigt war...

Als der Weg Richtung Heimat drehte, wurde es dann richtig spannend: ruck
zuck war sie hochgezogen, das Weiße in den Augen zu sehen, der Unterhals
herausgedrückt zum Erbarmen und das ganze Pferd direkt vorm Lospreschen. Sie
wurde ganz ruhig einfach in die Gegenrichtung umgedreht, hingestellt und der
Zügel sofort auf den Hals geworfen.

Da stand sie nun - total perplex. Noch nie habe ich ein Pferd so stehen
sehen! Die Vorderbeine spagatartig gespreizt, die Hinterbeine genausoweit
auseinander, dabei aber das eine Hinterbein noch untergezogen fast bis zur
Gurtlinie, der Unterhals herausgedrückt und das ganze Pferd zitterte und
bebte am ganzen Körper - minutenlang. Ein paarmal ging der Kopf ruckartig
nach vorne-unten, da aber dort kein Zügel war, passierte nichts weiter....
Totale Verwirrung auf seiten des Pferdes.

Der Reiter fing dann ganz gemütlich an, das Pferd überall herzhaft
abzuklopfen, bei den ersten Patschern ging sie fast komplett in die Knie,
entspannte sich dann aber etwas
.
Kommentar des Reiters:"Da schau, sie ist nur am Warten was-kommt-jetzt. Die
kann sich gar nicht vorstellen, daß ich überhaupt nichts von ihr will! Macht
nichts, das begreift sie schon noch!" Richtig, nach kurzer Zeit kam der Kopf
ganz runter und die Nase ging Richtung Wegrand, da wo's so schön hellgrün
schimmerte... ein Bein ging zögerlich hinterher, noch eines.. haps! Frisches
Frühlingsgras, fein! (In diesem Zusammenhang war das Grasen erwünscht, so
wie Alles, was dazu beitragen würde, die Ruhe wieder einkehren zu lassen).

Dann wurde in aller Ruhe wieder umgedreht, das Spiel mit den ganz weichen
einseitigen Zügelanzügen wiederholt, und immer wenn 'es' über ihr
zusammenschlagen wollte, wurde sie wieder umgedreht - hingestellt - Zügel
komplett weg - Ruhe. Ein anderes schönes Manöver Richtung Heimat: das Pferd
einen Schritt vorlassen - durchparieren - einen Schritt vorlassen -
durchparieren usw.

Zusammenfassende Diagnose in etwa: das ganze Pferd steckt voller
Unsicherheit, daraus baut sich die Spannung auf. Ein Reiter, der zu der sich
hochschaukelnden allgemeinen Reizüberflutung seinerseits noch beiträgt durch
permanente Hilfengebung, kann damit ziemlich sicher den Effekt auslösen, daß
das Pferd 'auf Durchzug' schaltet und abgeht. (Hmmmmja. Ich gebe hier
einfach wieder, was ich gesehen habe und was funktioniert hat. *Gelernt*
habe ich das Alles auch mal ganz anders).

Dann habe ich mich draufgesetzt (etwas nervös, und außerdem zum ersten Mal
im Gelände). Es folgten kleinere, aber sehr wichtige Korrekturen bezüglich
Sitz, Handhaltung etc., auf die ich selber nie gekommen wäre, aber es
funktionierte. Wir sind tatsächlich durch den gemeingfährlichen Hohlweg kurz
vorm Stall geritten ohne Scheuen und Trappeln, am mörderischen Weiher
vorbei, über den Parkplatz... sagenhaft!

Letzter Kommentar war: "so, das machst du jetzt ein paar Wochen mit ihr, und
dann kannst du deinen Picknickkorb mitnehmen und auf der Kruppe Tisch
decken... Ist ein Traumpferd!"

Ich habe feierlich versprochen, bei den ersten eigenen Versuchen vorher eine
Halbe zu trinken - oder Melissentee.... ;-) ... oder vielleicht werde ich
doch lieber an den werten Herrn denken, der -Ellenbogen auf der Kruppe,
Beine um den Hals geschlungen - auf dem Pferderücken von links nach rechts
wackelte und dabei gemütlich vor sich hin dozierte - ein ungeheuer
beruhigender Anblick!

Alles in Allem hatte ich gestern einen ausgesprochen verblüffenden (und
komischen!) Nachmittag mit einem Aha-Effekt nach dem anderen, und jetzt bin
ich gespannt, wie wir das ohne Aufsicht umsetzen können.

Ist etwas lang geworden - na, steht ja auch im Titel! schmunzel... - Ich
finde diese Vorgehensweise aber so ausgefallen, daß ich sie einfach mal
darstellen wollte. Mir würde auch noch viel zu berichten einfallen, aber ich
beende jetzt erstmal den längsten Bericht, den ich hier jemals geschrieben
habe. Wer noch was wissen möchte - der frage eben.... ;-)

Liebe Grüße
Beate
ohne 'Knieweich', aber der Navarra ist auch nicht schlecht :-)


Sabine Loss

unread,
Apr 6, 2001, 1:31:44 AM4/6/01
to
Hallo Beate,

> So, und jetzt erstmal ein herzliches Danke für Alle, die sich mit ihren
> Beiträgen zum Teil auch meinen Kopf zerbrochen haben ! ;-)))

<Bericht gesnippt>

Hört sich interessant an :-)) Ich drücke Dir die Daumen, daß es hilft und
Becci und Du mit dieser Methode zurecht kommen und Du noch viel Spaß an
Deinem Beteiligungspferd hast!

Liebe Grüße
Sabine

Karin Mertens

unread,
Apr 6, 2001, 2:57:13 AM4/6/01
to
Hi Beate,

hört sich ja so an, als ob der gute Mensch richtigen Pferdeverstand hat.
Glückwunsch, daß Du so jemanden gefunden hast! :) (Kommt der auch mal in meine
Gegend?)

Witzigerweise habe ich die letzten beiden Tage mit meinem Dicken im Ansatz auch
sowas gemacht:
Unser Sandplatz ist momentan eine ganz schreckliche Umgebung für mein Pferd:
überall sind kleine Pfützen und der trockenere Boden gibt ganz komisch nach.
Nach dem Reiten sind wir noch ein bißchen Schritt im Gelände gewesen und auf den
Sandplatz abgebogen. Drauf gelaufen ist er ganz mutig - aber nach ca. vier
Metern kamen die Pfützen in die nähere Umgebung und mein Pferd wollte umkehren.
Zügel lang gelassen (hui, aber auf der Hut - schließlich wollte ich nicht im
gestreckten Galopp auf den Hof zurückkehren, falls es ihm eingefallen wäre :) )
und Pferd viel und laut beidseitig auf den Hals geklopft und viel mit ihm
geredet. Dabei habe ich immer wieder ganz leicht getrieben, damit er weiß, daß
ich eigentlich weiter will. Außerdem habe ich den Sitz entlastet und siehe da:
nach gar nicht langer Zeit nimmt mein Pferd den Kopf runter, schaut sich die
schrecklichen Dinge an und - läuft zögernd los. *freu*
Und es hat jetzt sogar zweimal an darauffolgenden Tagen geklappt.

Karin - freut sich schon darauf, Spaziergänger zu amüsieren, indem sie auf
einem stehenden Pferd sitzt und ihm ständig erzählt, daß er ein toller, braver
und ganz mutiger Kerl ist

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 6, 2001, 3:48:04 AM4/6/01
to
ca...@aber.ac.uk (Catja Pafort) wrote:
>Frank schrieb:
>
>>Das Pferd verhält sich immer "angemessen".
>
>Einspruch. 'Angemessen' fuer ein Fluchttier ist Erschrecken -
>Grundfluchtdistanz - Nachgucken ob Gefahr herrscht bzw sich am Leittier
>orientieren.
>
>Unangemessen sind z.B. Erschrecken - Panik oder staendiges Erschrecken
>gekoppelt mit Flucht. Beide Strategien sind nicht gerade=
> Ueberlebensfoerdernd.


OK, sagen wir besser "zielgerichtet" statt angemessen (denn die Frage
"angemessen - unangemessen" schließt eine Wertung ein, zu dem das Pferd nicht
fähig ist). "Zielgerichtet" schliesst die Möglichkeit eines Irrtums ein. Irren
kann sich schliesslich jeder bei seinem Verhalten (und damit sogar sein Leben
gefährden) - der Mensch nicht minder. Das ist aber noch keine Hysterie, denn:


Nach Blendinger sind die höchsten 4 Verhaltensbereiche der psychischen
Stufenleiter (Begriffliche Sprache, Ichbewusstsein (Reflektierendes Denken),
Ethik und Vernunft) nur dem Menschen vorbehalten. Die nächstniedrigeren Stufen
Empfindung, Bewußtsein, Gefühl, Gedächtnis und Verstand besitzt auch das Pferd
und somit auch aus diesen resultierende Verhaltensweisen.
Die Gesamtheit der aufgezeigten Bereiche nennt er Seele (unabhängig von
religiöser Verwendung des Begriffs)


Neben den Vorteilen und geistigen Errungenschaften des spezifisch menschlichen
reflektierenden Denkens nennt er aber auch zahlreiche Nachteile und Gefahren, die
nur hierdurch entstehen können:
Bewegungsmangel infolge technischen Fortschritts, Übersteigerungen des
Selbstwertgefühls, Überheblichkeit, Größenwahn, Verkümmerung anderer seelischer
Bereiche (insbes. des Gefühls), mangelndes EinfühlungsvermÖgen in den Mitmenschen
wie die Tierseele, sowie Selbsttäuschung und Hysterie an..


"Eine allzu radikale Trennung, hier der Mensch mit seinem Mitteilungsvermögen,
dort das Tier ohne mitteilende Sprache, ist auch aus anderen Gründen fragwürdig:
Der Mensch ist nämlich keinesfalls fähig, sein eigenes Seelenleben anderen
zuverlässig mitzuteilen. Es ist sogar für ihn oftmals schwierig, sich selbst zu
begreifen. Irrtum, Lüge und Selbstbetrug stehen einer Selbstekenntnis oft im Wege.
Simulation, Hysterie und Selbsttäuschung haben gerade in heutiger Zeit groteske
Formen angenommen... eben deshalb muß sich ja die Psychoanalyse so raffinierter
Formen bedienen, um den Patienten die Augen über sich selbst zu öffnen. Diese
Probleme der Täuschung haben wir im Umgang mit dem Tier nicht. Zwar gilt mit
Recht das Fehlen der Sprache als besondere Erschwerung für den Tierarzt bei der
Untersuchung seiner Patienten und bei der Diagnosestellung. Dieser Nachteil im
Vergleich zum Humanmediziner wird aber dadurch ausgeglichen, daß uns das Tier
nicht belügt. Ist der Mensch nur in beschränktem Maße in der Lage, das Was seiner
eigenen Seelenvorgänge anderen mitzuteilen, so steht es noch schwieriger um das
Wie..." (S.41)


Zielstrebiges Verhalten ist Kennzeichen jeden Lebens und jedes Lebewesens. Dabei
verhält es sich aber nicht immer zweckmäßig. Die Möglichkeit des Irrtums ist
ebenfalls ein grundlegendes Prinzip allen Lebens. "Als charakteristische
Eigenschaft der Seele wird die Irrbarkeit umso größer sein, je höher das
betreffende Lebewesen entwickelt ist. Sie erreicht auch tatsächlich ihre
Kulmination in der Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu betrügen und sich
selbst zu vernichten" (S.24)


D.h. wenn ein Pferd z.B. vor einem Traktor oder einer raschelnden Papiertüte
scheut, ist dieses Verhalten immer zielgerichtet, muß aber nicht zweckmäßig,
richtig, oder maßvoll sein. Das Pferd kann sich in der Beurteilung einer Gefahr
irren; es kann aufgrund der Besonderheit der Situation, seines Charakters, seiner
Stimmung, oder z.B. unterdrücktem Bewegungstrieb, so oder so reagieren -
zweckmäßig oder unzweckmäßig, maßvoll ider nicht. Mangels reflektierendem
Denkvermögens ist es aber gefeit vor (spezifisch menschlichen) Fehlverhalten und
Übersteigerungen, wie Selbstbetrug, Größenwahn, Simulantentum oder eben Hysterie.


(Blendinger, Psychologie des Pferdes mit Vergleichen zum Verhalten anderer
Tierarten und des Menschen, 5.Aufl. 1988)


Folgerung: wer bei seinem Pferd "Hysterie" vermutet hat allenfalls Veranlassung
über sein eigenes Verhalten nachzudenken.


Gruss Frank

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 6, 2001, 4:38:58 AM4/6/01
to
"Stefan Ungemach" <stefan....@bingo-ev.de> wrote:


>Und was das "dumme Gewaesch" etc. angeht - Du laeufst mal wieder Gefahr,
>durch erheblichen Kontrollverlust aufzufallen. Meine "lieben Freunde"
>zeichnen sich im uebrigen durch eine kultiviertere Umgangsform aus...


"Aber nicht doch". Mir "Kontrollverlust" zu attestieren legt die Vermutung nahe,
dass Du wohl nicht viel gewohnt bist, vor allem keinen Widerspruch! Die Nachteile
die ein "Übermass an reflektierendem Denken" mit sich bringt, vor allem der
Verlust der Kritikfähigkeit, äussern sich bei Dir wie in einem
Anschauungsbeispiel.


Daß, wer austeilt (auch verbal), auch einstecken können muss, sehe ich als
spezifisch männliche Fähigkeit, ebenso wie die Einsicht, seine Worte auch mal
zurücknehmen zu können. In einer Zeit da Stärke oft mit Roheit, Gefühl mit
Schwäche verwechselt wird, ist sie nicht jedem mehr gegeben. Das heisst leider
nicht dass ich Dich zukünftig mit Samthandschuhen anpacken werde, wenn Du mir in
die Quere kommst - denn den Höflichkeitsschleier, um der Sache willen zu
argumentieren, hast Du ja fallenlassen. Und dann ziehe ich offenes Visier vor.


"Kultivierte Umgangsformen" dergestalt dass man Deine ständigen Anzüglichkeiten,
Verächtlichmachungen und Unterstellungen nicht bemerkt, oder fleissig überhört --
mit solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr. Da ist mir *herzliches*
Benehmen von "Proleten" 10x lieber. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, mit
welcher Geringschätzung und Überheblichkeit Du übers Wanderreiten und den dazu
nötigen Fähigkeiten gesprochen hast: Grundtun, wie stets, das ist doch alles
nichts und lächerlich, das bisschen rumgehoppel, Herr U. kann alles und ist
unfehlbar. Ich habe die Erfahrung gemacht dass solche Leute keine drei Tage
durchhalten, bevor sie (bzw. ihre armen Pferde) dank ihrer Überheblichkeit
gründlich auf der Schnauze liegen, und die Stimmung derartig vergiften dass ich
so Leute (die ja gottseidank sehr schnell zu erkennen sind) nicht mehr mitnehme.
Die armen "Freizeitreiter" mit denen Du angeblich Umgang hast, müssen demzufolge
wohl sehr jung, naiv und unwissend sein, damit sie ständig staunend zu Dir
aufblicken. Oder Du reisst Dich ein bisschen mehr am Riemen wenn Du face2face
Umgang mit ihnen hast. Ansonsten kann ich mir kaum vorstellen wie Du mit Männern
auf gleicher Ebene umgehst ohne ständig Prügel angedroht zu bekommen.


Das ist der Grund warum man Euch Herrenreiter nicht mag, Stefan!


Aus jedem Ärger entwächst auch ein gutes, Du hast mir mal wieder gezeigt wo ich
hingehöre, und dass meine Differenzen zu den "FN-Reitern" (für die Du leider für
mich stehst, selbst wenn es andere auch geben mag) noch nicht mal so sehr
reiterlich sondern viel eher eine Frage der geistigen Haltung ist. (Ich habe nach
Deinem Gerede ja schon bald selber gegalubt, dass ich auf sie zuentwickeln würde).
Nun bin ich wohl eine Weile davon kuriert, und weiss dass ich eher den Umgang
mit Pferden einstellen, als mit Deiner Herrenreiterclique verwechselt werden will.


Du kannst hier gern noch was drauf antworten, wenn Du meinst nicht anders zu
können; ich werde aus den o.g. Gründen mit Dir in keinen Dialog mehr treten.


Frank Mechelhoff


--
"Ja, es gibt einen Adel -- einen des Geistes" (Ghettysburg, US-Spielfilm)

Katje Binder

unread,
Apr 6, 2001, 5:26:31 AM4/6/01
to
Am Thu, 5 Apr 2001 19:28:10 +0200, schrieb "Beate M. Au"
<beat...@surfeu.de> in der Nachricht
<9aidvv$59o8k$1...@ID-60779.news.dfncis.de> :

>"Katje Binder" <bin...@uni-muenster.de> schrieb im Newsbeitrag
>news:9aejcf$qos$2...@redenix.uni-muenster.de...
>> Am Mon, 2 Apr 2001 22:17:44 +0200, schrieb "Beate M. Au"
>> <beat...@surfeu.de> in der Nachricht
>> <9aatp9$4mcju$3...@ID-60779.news.dfncis.de> :

Huhu,
>> [longieren]


>Das posting, auf das ich geantwortet, lautete ganz anders: die RL hatte
>empfohlen, das Pferd so lange zu longieren, bis es *müde* wäre, also bis zu
>einer Stunde (!) und länger. *Das* hat mir nicht gefallen und dagegen werde
>ich mich immer wenden, weil es letztlich heißt, gegen das Pferd zu
>arbeiten - nicht mit dem Pferd. Das Pferd lernt garantiert nichts dabei und
>wird schnell Probleme mit den Beinen kriegen.

Da stimme ich Dir natuerlich zu. Das ist ja Quatsch...

>>... alternativ kann man ja auch in der
>> Halle oder eben dort, wo das Pferd sich nicht aufregt, reiten, bis der
>> erste Uebermut verflogen ist.
>
>Im Anfang dieses threads war dargestellt worden, daß die Reiterin genau das
>gemacht hatte... 30 Min Halle, ganz friedlich, und nach einiger Zeit im
>Gelände die Explosion...

Fragt sich halt jetzt, ob das Reiten in der Halle die Explosion
verschiebt oder nicht. Wenn ja, wuerde ich auf jeden Fall meine
Haupt-Reitzeit dorthin verlegen, wo das Pferd gut mitmacht, und dann
das Gelaende als "Entspannung" anbieten. Am Anfang 5 Minuten am langen
Zuegel einmal vom Hof runter und wieder zurueck - wichtig ist dann,
dass das Pferd das auch als Entspannung versteht, und dass es auf
keinen Fall wieder zu einem Durchdrehen kommt.
Dann muss man halt mal aufs Ausreiten verzeichten, so schwer es auch
faellt (habe ich auch monatelang gemacht), und das Pferd langsam und
vorsichtig wieder daran gewoehnen.

So long,

Katje + Apollo, der auch Panikanfaelle hatte, wenn es alleine ins
Gelaende ging, die aber aufgrund langsamer Gewoehnung vollkommen
verschwunden sind...

Katje Binder

unread,
Apr 6, 2001, 5:26:34 AM4/6/01
to
Am Thu, 5 Apr 2001 20:42:51 +0200, schrieb "Beate M. Au"
<beat...@surfeu.de> in der Nachricht
<9air8q$566a0$2...@ID-60779.news.dfncis.de> :

Hallo,


>Ich habe mit voller
>Absicht diesen Begriff gewählt, weil er für mich die Grenze markiert, an der
>ich endgültig das Pferd seinem Schicksal überlasse, in der Hoffnung, es möge
>ein gnädiges Schicksal sein.
>Das heißt nicht, daß ich dem Pferd einen Vorwurf aus seinem so-sein mache,
>aber es heißt, daß ich feststelle, das ich in diesem Fall klar überfordert
>wäre.

ob das Pferd jetzt hysterisch, paranoid oder extrem aengstlich ist,
ist ja nun ein klitzekleines bisschen Nebensache. Fakt ist, dass es
sich dermassen aufregt bzw. ploetzlich explodiert, dass es nicht mehr
kontrollierbar ist und Du Dich um Deine Unversehrtheit sorgst.
Die Fragen, die jetzt zu stellen sind, sind folgende:
- ist das Pferd es Dir wert, dass Du einen langen, moeglicherweise
erfolglosen Versuch machst, seine Angst in den Griff zu bekommen?
- hast Du die Moeglichkeit, grundlegende Dinge in der Haltung o.ae. zu
veraendern, die mit das Problem tragen koennten?
- Hast Du die Ruhe und Geduld, mit einem solchen Pferd umzugehen?
Wenn Du Dir diese Fragen ehrlich beantwortest, hast Du danach zwei
Moeglichkeiten: entweder trennst Du Dich von dem Pferd und suchst Dir
ein anderes Beteiligungspferd oder Du versuchst zusammen mit der
Besitzerin, ihm zu helfen.

Eine "Therapie" koennte folgende Punkte beinhalten:
- Arbeit an der Rittigkeit und Bodenarbeit zur Vertrauensbildung (ist
zugegeben ein bisschen schwierig, wenn 3 oder mehr Leute sich mit dem
Pferd beschaeftigen)
- Regelmaessiger, moeglichst langer Weidegang, am besten auf einer
Weide, wo die Stute viel sehen kann (an einer Strasse oder einem
belebten Feldweg)
- Kontrolle des Futters; vielleicht auf eiweissaermere Sorten
umsteigen. Auf jeden Fall mal nachrechnen, ob sie fuer das, was sie
tut, nicht vielleicht zu viel Futter bekommt (Rauhfutter dabei nicht
vergessen)
- Aufnehmen einer Desensibilisierung: Wie ich schon oben geschrieben
habe, muessen diese Ausbrueche im Gelaende unbedingt abgestellt bzw.
verhindert werden. Also anfangs nur einige Minuten den Hof verlassen,
und nur nachdem sie gearbeitet wurde. Am langen Zuegel reiten und
sobald sie erste Anzeichen von Unsicherheit zeigt, stehenbleiben,
vielleicht eine Vorhandwendung o.ae. machen und dann ruhig zum Stall
zurueck.
- Arbeiten am eigenen Sitz: Je besser und sicherer man im Sattel
sitzt, desto weniger belastend ist das fuer das Pferd. Wer will schon
auf der Flucht noch einen 60-kg-Sack mitschleppen ;-)
- Trab und Galopp sind auf dem Ausritt absolut tabu!!
- Das Pferd darf nicht beruhigt werden, wenn es sich aufregt; dies
wird oft als Bestaetigung ausgelegt, dass da wirklich was
geafehrliches ist. Auf jeden Fall vorausschauend reiten und lieber
umdrehen, bevor der Maehdrescher an einem vorbefaehrt...

Wie gesagt, es ist anstrengend und man steckt eine Menge Energie in
ein ungewisses Projekt. Ich kann aber sagen, dass es sich lohnt. Vor
einem Jahr noch war Apollo fast unberechenbar im Gelaende; er war wie
Eure Stute: Eine Zeitlang geht es gut, aber dann kommt irgendwas und
dann gehen die Nerven durch. Nach jedem Ausritt hatte ich tagelang
Rueckenschmerzen, weil er so verspannt war und seine Beine so in den
Boden gerammt hat. Nach einem Jahr jetzt ist er richtig vergnuegt und
laesst sich in allen Gangarten problemlos reiten. Seine gelegentlichen
Huepfer oder "da geh ich nicht vorbei" sind kein Thema mehr, weil
vernachlaessigbar.

So long,

Katje + der ehemals Paranoide

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 6, 2001, 5:32:21 AM4/6/01
to
Hallo Sabine,


Somit dürfte Deine Erklärung "Die meisten (oder alle) Probleme rühren daher dass
Reiten unnatürlich ist" für dieses Beispiel wohl weniger zutreffend als meine
sein, richtig?


>
>> >> >Ich bezweifle, daß es "die" Psychologie des Pferdes gibt, weil sie
>> >> >Individuen sind.
>> >>
>> >> Gibt es Deiner Meinung nach auch keine Psychologie des Menschen?
>> >
>> >Es gibt auch nicht "die" Psychologie des Menschen. Auch da kann die
>> >Wissenschaft (mit allen ihren Strömungen) nur Rahmenbedingungen vorgeben,
>> >innerhalb derer das Individuum betrachtet werden muß. Nochmal: Weder beim
>> >Menschen, noch beim Pferd darf verallgemeinert werden.
>>
>> Ist denn "Hysterie" nicht eine ziemlich üble, für das betreffende Pferd
>wenig
>> schmeichelhafte Verallgemeinerung?
>
>Es hat ja keiner behauptet, alle Pferde seien hysterisch oder würden dazu
>neigen, es zu sein :-)) Wenn man aber das Verhalten eines Pferdes beschreibt
>und dafür das Wort hysterisch verwendet ist es IMHO nicht verallgemeinernd.


Wenn ich sagen würde Pferde sind (prinzipiell) dumm, oder faul, dann ist das
vielleicht ein Irrtum meinerseits, heisst aber nicht dass ich ein bestimmtes
Individuum schlechter behandle als den Rest. Wenn ich sage dieses (bestimmte)
Pferd ist dumm, oder faul, trete ich dem Pferd auch so gegenüber, d.h. negativer
als dem Rest. Genauso verhält es sich wenn ich sage das Pferd ist hysterisch. Es
ist eine negative Beschreibung mit abwertenden Charakter ("unangemessen").
Deshalb kennt ja der Verhaltensforscher den Begriff der Panik, aber nicht den der
Hysterie. Das Pferd kann sich (durch im Blut zirkulierende Stresshormone) in eine
Panik "hineinsteigern", im Extremfall bis zu völliger Kopflosigkeit -- das ist
nicht "Hysterie". Diese ensteht durch fehlerbehaftetes reflektierendes Denken. Es
ist ein dem Menschen eigentümliches Fehlverhalten.


>> Die Tatsache dass Wissenschaft eine komplexe Angelegenheit ist, und oft
>mehr
>> Fragen neu stellt als beantwortet (dann aber feinere und präzisere!), darf
>einen
>> nicht daran verzagen, und zur Ansicht kommen lassen es gäbe keine
>> allgemeingültigen Regeln, die auf das Individuum angewendet werden dürfen.
>Die
>> gibt es selbstverständlich, gerade was Verhaltensursachen betrifft.
>
>Ja, im Sinne von "arttypischen Verhaltensweisen". Ich wehre mich dagegen,
>Tiere wie Menschen in einen Karton mit der Aufschrift "allgemeingültige
>Verhaltensegeln" zu stecken. "Regeln für Verhaltensursachen" würde bedeuten,
>daß eine Ursache immer dieselbe Wirkung hat. Das bezweilfle ich eben, dazu
>spielen zu viele Faktoren eine Rolle. Aber diese Diskussion geht mir nun
>einfach zu weit. Du kannst gerne annehmen, daß sie meine Intelligenz
>überfordert <scnr>


Nein Du hast einfach nur einen schlechten Begriff (eigentlich ist es eher eine
inflationär gebrauchte Phrase) nicht genügend reflektiert.


Verhaltensweisen können "gleich" aussehen, ohne gleich zu sein. Reflexe,
Instinkte, Sinne, Triebe, Gefühl, und Verstand des Pferdes müssen gekannt und
unterschieden werden. Im Unterschied zum Menschen besitzt Pferd weder
Ichbewusstsein, Ethik oder Vernunft. Somit kommt eher die "hardcodiert-
pragmatische", weniger die Tiefen-Psychologie in Betracht. (pschologische
Verhaltenspyramide, s.mein Posting an Catja)


>Nochmal: Ich "verschreie" ein Pferd, auch das von mir als Beispiel
>angeführte, nicht als hyterisch, sondern bezeichne ein Verhalten in einer
>speziellen Situation (die über einen längeren oder kürzeren Zeitraum
>andauern kann oder auch nur punktuell sein kann) als hysterisch, da
>überzogen.


ich würde es einfacher ausdrücken: das Pferd irrt sich in seinem Verhalten.
"Irren" ist nichts speziell menschliches, jedes Lebewesen kann in seinem
Verhalten fehlgehen. Vor allem ist Irren aus Mangel an Information oder
Unvermögen demjenigen nicht anzukreiden.


>Ich sage nicht, da es ein "unheilbarer" Zustand ist. Das Pferd
>ist sonst sehr ruhig, vielleicht macht es das nie wieder, aber in diesem
>Moment war es IMHO "hysterisch". Wenn Du die Ursache für die "Hysterie" des
>Pferdes, das Du gekauft hast, herausgefunden hast und dadurch daran arbeiten
>konntest und Erfolg hattest, ist das doch wunderbar :-)


Das Pferd war keine Sekunde hysterisch, obwohl es sich manchmal panisch
verhalten hat. Die Ursache der vermeintlichen Hysterie war körperliche wie
emotionale Feinfühligkeit. Folglich muss *ich* mich angemessen verhalten im
Umgang mit diesem speziellen Pferd, oder eben auf den Umgang verzichten. Denn
erstens bin ich klügere und zweitens der Fordernde (wenn ich z.B. reiten, oder
das Pferd auch nur führen will). Demzufolge bin *ich* derjenige der sich
anpassen muß, nicht umgekehrt. Mit Hysterie als "Diagnose" wäre ich nicht
weitergekommen, es ist eine Sackgasse. Noch weniger taugt es bei
Verhaltensstörungen die eindeutig menschengemacht sind, weil das Pferd z.B. durch
einen gewissenlosen Ausbilder zusammengeknallt und völlig überfordert wurde, dass
es hinterher in massive Hindernisse rennt. Dann ist "Hysterie" alles andere als
ein "Betriebsunfall" bei dem das Pferd eben "selber schuld" ist dass es sich so
"überzogen" verhält. Ein misshandeltes Tier für seine Verhaltensstörungen auch
noch verantwortlich machen zu wollen ist schon ausgesprochen gemein!


Wirkliche Panik kommt im Naturleben des Pferdes sehr selten vor; es ist ein
Ausnahmezustand. Das Pferd in Panik ist immer verzweifelt und in Todesangst,
unabhängig von der Ursache. Todesangst ist immer real, nie eingebildet. Bei
freilebenden Pferden ist es Aufgabe des Herdenführers, Rückzug, Flucht oder
Abwehr zu organisieren, und es nicht zur ungeregelten Panik kommen zu lassen. Hat
der Mensch die Obhut, obliegt ihm diese Pflicht. Einem Kind das nicht den Grad
einer Gefährdung erkennt und vor Angst (nicht aus Trotz oder Fehlens guter
Erziehung) schreit und weint, sagst Du ja auch nicht: "Sei nicht hysterisch,
benimm Dich nicht so überzogen!"


>Jaaa - gerade aus den bisherigen Threads bin ich mir nicht sicher, ob ich
>das so genau offenlegen soll :-)) Steinbrecht habe ich ja, wie bereits
>"gestanden" nicht gelesen - HdV 12 habe ich jetzt gelesen. Die anderen
>pferdespezifischen Bücher sind schon ein paar Jährchen her (als Titel in
>Erinnerung ist mir noch Maday, Psychologie des Pferdes..."), da könnte ich
>nicht mit Zitaten dienen. Und dann habe ich in den letzten Jahren
>verschiedene Bücher über Verhaltensforschung und Bewußtsein bei Tieren
>gelesen, also nicht pferdespezifisch (z.T. herausgegeben von W. Wickler, dem
>Nachfolger von K. Lorenz in Seewiesen).


Das ist, verzeih mir die Bemerkung, ein bisschen wenig direkt zum Thema. Maday
ist nicht schlecht, aber weder besonders aktuell, noch sind seine eigenen
Erfahrungen so arg gross trotz Kavallerie ("one-rat"). In erster Linie bestechend
durch seine Zitate Dritter. Blendinger hat ihn erkennbar mitverarbeitet, und
wesentlich weitergeführt. Dann erlaube ich mir noch auf Michael Schäfer
hinzuweisen, dessen Bücher erfreulicherweise gerade Neuauflagen erfahren, und der
besonders auf die Zusammenhänge eingeht zwischen Herkunft der Pferderassen -
natürliche und künstliche Umgebungen - daraus resultierende Verhaltensweisen und
Eigenschaften.


>Aber dennoch, die Zitatklauberei liegt mir nicht so - dieses "jener hat es
>so formuliert" und "dieser hat es aber so formulier" und am Ende meinen
>eigentlich beide dasselbe.


Das ist der Punkt, aber logische und begriffliche Klarheit erleichtert Analyse
und Korrektur unerwünschten Verhaltens beim Pferd ungemein. Erfahrung ist
wichtig, aber man muss auch fähig sein sie in ein schlüssiges System zu bringen.
Über populäre, aber heutzutage inflationär und meist ohne wissenschaftlichen
Hintergrund gebrauchte Phrasen und Etikettierungen wie "Hysterie" zu debattieren
halte ich noch für unfruchtbarer.

Sabine Loss

unread,
Apr 6, 2001, 7:21:37 AM4/6/01
to
Hallo Frank,

ich denke nach dieser Antwort eigentlich, daß wir gar nicht so weit in
unserer Meinung auseinanderliegen und die ganze Diskussion jetzt um
Wortklaubereien geht. In einer Newsgroup gehe ich nun einmal von
Alltagssprache aus, da sich beispielsweise nicht jeder in der Tiefe mit
Psychologie beschäftigt.
Also lese ich ein Posting und definiere das Wort Hysterie so, wie es in
diesem Posting gebraucht wird und schaue mir eventuell noch an, wie es
heutzutage zumeist verwendet wird. Wenn andere es als Panik, wieder andere
als Unart oder sonstwie bezeichnen mag das ja alles richtig sein, aber im
Ursprungsposting stand Hysterie und darauf bezieh ich mich. Du definierst
Begriffe, wie du sie bei Blendinger gelesen hast, weil Du seine Meinung
teilst. Drückt jemand dasselbe anders aus, korrigierst Du es gnadenlos nach
Bendingers Sprachregelung.
Andere mögen aber anderen Sprachregelungen folgen und schon ist der größe
Streit da - und deshalb mag ich Zitatklauberei nicht. Meine liebste
Arbeitsweise ist, einen Text zu nehmen und diesen aus sich selbst heraus zu
interpretieren und nur die Biographie und u.U. die Zeitgeschichte des Autors
miteinzubeziehen (so sie bekannt ist). Also nehme ich Beates Posting, und
interpretiere die Begriffe so, wie sie sie gebraucht und frage eventuell
nach. Daß die Ursachenforschung wichtig ist, darüber waren wir uns ja einig
:-))
Und wenn Blendinger Hysterie nicht im Zusammenhang mit Pferden verwendet,
ist das Blendingers Sache. Ich versiche meine Interpretation zu belegen und
freue mich natürlich, wenn andere sie nachvollziehbar finden. Aber ich würde
sie eben nie als alleinseligmachende Meinung postulieren. Und auf
Definitionen anderer im Wortlaut Wert zu legen, das ist eben nicht meine
Sache, denn ich bin durchaus selber des Denkens (und Nachlesens) mächtig.

<ich snippe jetzt alles, auf das ich mich nicht direkt beziehe,steht schon
alles in den vorherigen Postings>

> Somit dürfte Deine Erklärung "Die meisten (oder alle) Probleme rühren
daher dass
> Reiten unnatürlich ist" für dieses Beispiel wohl weniger zutreffend als
meine
> sein, richtig?

Ich gebe zu: Unklar ausgedrückt. Statt Reiten hätte ich sagen müssen "Umgang
zwischen Pferd und Mensch" oder "Beziehung zwischen Pferd und Mensch" oder
so ähnlich. Natürlich ist, daß Pferde sich auf der Steppe rumtreiben und
anhauen oder freidlich weitergrasen, wenn ein Mensch sich nähert (je
nachdem, wie er sich nähert). Das Führen eines Pferdes am halfter oder
Trense ist ebenso unnatürlich wie Reiten.

> Wenn ich sagen würde Pferde sind (prinzipiell) dumm, oder faul, dann ist
das
> vielleicht ein Irrtum meinerseits, heisst aber nicht dass ich ein
bestimmtes
> Individuum schlechter behandle als den Rest. Wenn ich sage dieses
(bestimmte)
> Pferd ist dumm, oder faul, trete ich dem Pferd auch so gegenüber, d.h.
negativer
> als dem Rest. Genauso verhält es sich wenn ich sage das Pferd ist
hysterisch. Es
> ist eine negative Beschreibung mit abwertenden Charakter ("unangemessen").
> Deshalb kennt ja der Verhaltensforscher den Begriff der Panik, aber nicht
den der
> Hysterie. Das Pferd kann sich (durch im Blut zirkulierende Stresshormone)
in eine
> Panik "hineinsteigern", im Extremfall bis zu völliger Kopflosigkeit -- das
ist
> nicht "Hysterie". Diese ensteht durch fehlerbehaftetes reflektierendes
Denken. Es
> ist ein dem Menschen eigentümliches Fehlverhalten.

Da ich Hysterie anders definere als du (bzw. Blendinger), sehe ich es nicht
als abwertend. Aber natürlich trete ich einem Pferd das "in der
beschriebenen Weise" reagiert anders entgegen als dem 100%-Verlaßpferd. Muß
ich ja auch, um ihm gerecht zu werden (und meiner Krankenkasse eventuell
auch). Ich muß vorsichtiger und sensibler auf alles reagieren - ist das
negativ?

> Nein Du hast einfach nur einen schlechten Begriff (eigentlich ist es eher
eine
> inflationär gebrauchte Phrase) nicht genügend reflektiert.

Here we go: Was Du inflationär gebrauchte Phrase nennst, nenne ich
Alltagssprache. Verstehe ich sie so, wie sie gerade jetzt, im März/April
2001 in einem Posting in dieser Newsgroup gebraucht wird, liege ich damit
höchstwahrscheinlich näher am hierin diesem speziellen Zusammenhang
Gemeinten als Blendinger. BTW: Hat Blendinger denn das Wort Hysterie
komplett ethymologisch korrekt hergeleitet und dann für seine Zwecke darauf
aufbauen definiert oder hat er vielleicht das Wort so verwendet, wie es in
seinem Dunstkreis verwendet wurde? Oder in der Psychologischen Strömung, der
er anhängt.

> Verhaltensweisen können "gleich" aussehen, ohne gleich zu sein. Reflexe,
> Instinkte, Sinne, Triebe, Gefühl, und Verstand des Pferdes müssen gekannt
und
> unterschieden werden. Im Unterschied zum Menschen besitzt Pferd weder
> Ichbewusstsein, Ethik oder Vernunft. Somit kommt eher die "hardcodiert-
> pragmatische", weniger die Tiefen-Psychologie in Betracht. (pschologische
> Verhaltenspyramide, s.mein Posting an Catja)

Gehen wir zu dieser Diskussion in eine andere Newsgroup? Gibt's eine
Psychologie-NG (oder besser noch: Tierpsychologie-NG)?


>
> ich würde es einfacher ausdrücken: das Pferd irrt sich in seinem
Verhalten.
> "Irren" ist nichts speziell menschliches, jedes Lebewesen kann in seinem
> Verhalten fehlgehen. Vor allem ist Irren aus Mangel an Information oder
> Unvermögen demjenigen nicht anzukreiden.

Ich dachte, Pferde handeln nie falsch - irren oder können sie aber? <scnr>

> Das Pferd war keine Sekunde hysterisch, obwohl es sich manchmal panisch
> verhalten hat.

Hysterisch - panisch - .... Das meine ich eben mit Wortklauberei. Vielleicht
will ich mich als unlogisches, emotionales Weibswesen nicht auf die Logik,
die hinter all dem stecken mag, einlassen <gd&r>

>Die Ursache der vermeintlichen Hysterie war körperliche wie
> emotionale Feinfühligkeit. Folglich muss *ich* mich angemessen verhalten
im
> Umgang mit diesem speziellen Pferd, oder eben auf den Umgang verzichten.
Denn
> erstens bin ich klügere und zweitens der Fordernde (wenn ich z.B. reiten,
oder
> das Pferd auch nur führen will). Demzufolge bin *ich* derjenige der sich
> anpassen muß, nicht umgekehrt. Mit Hysterie als "Diagnose" wäre ich nicht
> weitergekommen, es ist eine Sackgasse.

Nur wenn man Hysterie in dem von Dir postulierten Sinne versteht. In meinem
Sinne wäre ich weiter gekommen und B. ist es scheinbar auch, wie sie in
einem anderen Posting beschreibt :-))

>Noch weniger taugt es bei
> Verhaltensstörungen die eindeutig menschengemacht sind, weil das Pferd
z.B. durch
> einen gewissenlosen Ausbilder zusammengeknallt und völlig überfordert
wurde, dass
> es hinterher in massive Hindernisse rennt. Dann ist "Hysterie" alles
andere als
> ein "Betriebsunfall" bei dem das Pferd eben "selber schuld" ist dass es
sich so
> "überzogen" verhält. Ein misshandeltes Tier für seine Verhaltensstörungen
auch
> noch verantwortlich machen zu wollen ist schon ausgesprochen gemein!

Nie hat jemand behauptet, das Pferd sei "selber schuld" an seinem
hysterischen Verhalten! Keiner macht hier misshandelte Tiere für ihre
Verhaltensstörungen verantwortlich. Ich verstehe nicht, warum man zum Teil
wunderbar mit Dir diskutieren kann und dann von Zeit zu Zeit so ein Schlag
unter die Gürtellinie kommt, der IMHO jeglicher Grundlage entbehrt.

> Wirkliche Panik kommt im Naturleben des Pferdes sehr selten vor; es ist
ein
> Ausnahmezustand.

Nun, ausgehend von Deutschland: Gibt es hier noch Pferde, die ein
"Naturleben" führen? Das ist doch nicht der Zustand, von dem ich bei einem
gezüchteten Reitpferd ausgehen darf. Ich muß von deren Verhalten ausgehen
und das beobachten und interpretieren.

>Das Pferd in Panik ist immer verzweifelt und in Todesangst,
> unabhängig von der Ursache. Todesangst ist immer real, nie eingebildet.
Bei
> freilebenden Pferden ist es Aufgabe des Herdenführers, Rückzug, Flucht
oder
> Abwehr zu organisieren, und es nicht zur ungeregelten Panik kommen zu
lassen. Hat
> der Mensch die Obhut, obliegt ihm diese Pflicht. Einem Kind das nicht den
Grad
> einer Gefährdung erkennt und vor Angst (nicht aus Trotz oder Fehlens guter
> Erziehung) schreit und weint, sagst Du ja auch nicht: "Sei nicht
hysterisch,
> benimm Dich nicht so überzogen!"

Nein, aber ich sage den Eltern manchmal, daß ihr Kind hysterisch vor Angst
war. Und die verstehen, was ich meine. Dieses Posting richtete sich ja nicht
an die Pferde, sondern an die Reiter :-))

> Das ist, verzeih mir die Bemerkung, ein bisschen wenig direkt zum Thema.

Warum, weil Blendinger nicht mit auf der Liste stand <scnr>?

Nun denn - beenden wir die Diskussion hier vielleicht, solange sie noch so
nett geführt wird :-))
Viele Grüße,
Sabine, die ihre Magisterarbeit mit Absicht über ein Thema/Buch geschrieben
hat, zu dem noch keine Sekundärliteratur existiert, um dem
"Zitierzwang/-wahn von sogenannten Koryphäen" der Germanisten zu entgehen
:-)))

Anke Spix

unread,
Apr 6, 2001, 8:56:40 AM4/6/01
to
Frank Mechelhoff <fmec...@csksoftware.de> wrote:


> Mangels reflektierendem Denkvermögens ist es aber
> gefeit vor (spezifisch menschlichen) Fehlverhalten und Übersteigerungen,
> wie Selbstbetrug, Größenwahn, Simulantentum oder eben Hysterie.

Was man von einigen Menschen, die sich hier tummeln, leider nicht gerade
sagen kann ;-((
>
Gruss,

Anke

Anke Spix

unread,
Apr 6, 2001, 8:56:37 AM4/6/01
to
Beate M. Au <beat...@surfeu.de> wrote:

Hallo, Beate!


> Erstmal kurz treibend eingesessen, dann ganz leichte, weiche einseitige
> Zügelanzüge mit tiefer Hand zur Seite heraus ausgeführt - nach rechts,
> dabei linken Zügel komplett freigeben, nach links, dabei rechten Zügel
> komplett freigeben (leicht zu lesen, aber schwierig in der Ausführung).
> Pferdi war nach ein paar dieser Manöver ganz ruhig, Kopf unten, die Tritte
> wurden wieder länger.

Muss ich mir mal merken :-)

> Als der Weg Richtung Heimat drehte, wurde es dann richtig spannend: ruck
> zuck war sie hochgezogen, das Weiße in den Augen zu sehen, der Unterhals
> herausgedrückt zum Erbarmen und das ganze Pferd direkt vorm Lospreschen.
> Sie wurde ganz ruhig einfach in die Gegenrichtung umgedreht, hingestellt
> und der Zügel sofort auf den Hals geworfen.
>

> Da stand sie nun - total perplex. ..., da aber dort kein Zügel war,


> passierte nichts weiter.... Totale Verwirrung auf seiten des Pferdes.
>
> Der Reiter fing dann ganz gemütlich an, das Pferd überall herzhaft
> abzuklopfen, bei den ersten Patschern ging sie fast komplett in die Knie,
> entspannte sich dann aber etwas . Kommentar des Reiters:"Da schau, sie ist
> nur am Warten was-kommt-jetzt. Die kann sich gar nicht vorstellen, daß ich
> überhaupt nichts von ihr will!

Genau das hab ich mit meinem Peterle in der schlimmsten Zeit auch machen
sollen - einfach stehen lassen und NICHTS TUN! Und, was am schwersten
war, wenn er dies-und-das ausprobierte, nicht aufregen, nicht
kaempfen... nun ist Becci vermutlich keine solche "Kaempferin", weswegen
es da anders noetig gewesen sein duerfte.
Aber bei Peter hat auch genau das geholfen: *Nichts* vom Pferd zu wollen
- er reagierte dann eben irgendwann so, dass im das Rumstehen einfach
viel zu langweilig war. Und dann sind wir weitergeritten... erst mal nur
50 m, dann das gleiche Spiel wieder (halbe Zeit), aber immerhin...
Ich finde auch Katjes Tip mit den ganz winzigen Strecken eigentlich ganz
gut, wenn Du ihn praktizieren kannst, denn die Unsicherheit waechst im
Quadrat zur Entfernung zur gewohnten Umgebung.

> Ein anderes schönes Manöver Richtung Heimat: das Pferd einen Schritt
> vorlassen - durchparieren - einen Schritt vorlassen - durchparieren usw.

Das kenne ich auch, es kann aber je nach Pferd erst recht zum Aufheizen
fuehren. Man muss da sehr genau hinhoeren, wie man es macht und wie
lange man das Pferd stehen lassen kann.
Dann hilfts auch gut.

>
> Zusammenfassende Diagnose in etwa: das ganze Pferd steckt voller
> Unsicherheit, daraus baut sich die Spannung auf.

Hab ich mir doch gedacht :-)

> Ein Reiter, der zu der sich hochschaukelnden allgemeinen Reizüberflutung
> seinerseits noch beiträgt durch permanente Hilfengebung, kann damit
> ziemlich sicher den Effekt auslösen, daß das Pferd 'auf Durchzug' schaltet
> und abgeht. (Hmmmmja. Ich gebe hier einfach wieder, was ich gesehen habe
> und was funktioniert hat. *Gelernt* habe ich das Alles auch mal ganz
> anders).

Ich habs teilweise auch so gelernt - und an Faramir ja gerade ein
Musterbeispiel fuer Reizueberflutung :-( Bisschen anders machts meine
Lehrerin schon, aber jeder hat halt seine Trickkiste...
>

> Letzter Kommentar war: "so, das machst du jetzt ein paar Wochen mit ihr,
> und dann kannst du deinen Picknickkorb mitnehmen und auf der Kruppe Tisch
> decken... Ist ein Traumpferd!"
>
> Ich habe feierlich versprochen, bei den ersten eigenen Versuchen vorher
> eine Halbe zu trinken - oder Melissentee.... ;-) ... oder vielleicht
> werde ich doch lieber an den werten Herrn denken, der -Ellenbogen auf der
> Kruppe, Beine um den Hals geschlungen - auf dem Pferderücken von links
> nach rechts wackelte und dabei gemütlich vor sich hin dozierte - ein
> ungeheuer beruhigender Anblick!

Das haett ich auch gern gesehen :-)) Ich wuerde aber lieber
Notfalltropfen nehmen als Knieweich trinken - weiche Knie duerftest Du
sowieso haben :-))


>
> Alles in Allem hatte ich gestern einen ausgesprochen verblüffenden (und
> komischen!) Nachmittag mit einem Aha-Effekt nach dem anderen, und jetzt
> bin ich gespannt, wie wir das ohne Aufsicht umsetzen können.

Ich auch!
>
Liebe Gruesse, auch an Becci,

Anke

+ Carmina, die anfangs aehnlich reagierte wie Becci (Tip: "Reit sie doch
einfach so wie Kicki") -> ich war in Erwartung ihres Scheuens immer
schon ganz verkrampft, weswegen sie auch immer guckiger wurde...

+ Peter Pan, der Hosenmatz ;-))

Anke Spix

unread,
Apr 6, 2001, 8:56:42 AM4/6/01
to
Frank Mechelhoff <fmec...@csksoftware.de> wrote:

Hallo, Frank!

<Bergriffsdefinition Hysterie>

Abgesehen von allen Worten, die jetzt darum geredet worden sind, will
ich doch mal zum Ursprung zurueckkommen: Beate hat, wie du ja (kritisch)
festgestellt hast, den Begriff in Anfuehrungszeichen verwendet, d.h idR,
dass man sich der Klarheit einer solchen Bezeichnung nicht sicher ist.
Immerhin kann man einen Titel ja nicht irre lang schreiben.
Und wenn man nicht um die moeglichen Ursachen eines Verhaltens weiss,
kann einem das leicht so vorkommen, wie der Begriff in der
Alltagssprache verwendet wird.

> Das Pferd war keine Sekunde hysterisch, obwohl es sich manchmal panisch
> verhalten hat.

Woher willst Du das wissen? Wast du dabei?

Die Ursache der vermeintlichen Hysterie war körperliche wie
> emotionale Feinfühligkeit.

Einverstanden. Und da es bei Pferden diese Eigenschaften in sehr
verschiedenen Graden gibt, ebenso wie die Eigenschft der Nervenstaerke,
muss ich hier Stefan widersprechen, wenn er meint, dass alle Pferde
panisch reagieren muessten, wenn eines das in einer bestimmten Situation
tut.
Das ist eben deshalb nicht korrekt, weil Pferde verschieden sensibel,
aengstlich und nervenstark sind.
Immer mal wieder sind welche dazwischen, die besonders viel
Sensibilitaet mit besonders wenig Nervenstaerke gekopelt haben - und die
reagieren eben erheblich schneller panisch.
Was allerdings IMHO nichts mit Adel zu tun haben muss ;-))

... Ein misshandeltes Tier für seine


> Verhaltensstörungen auch noch verantwortlich machen zu wollen ist schon
> ausgesprochen gemein!

Prinzipiell richtig, fuehrt aber etwas vom Thema ab.

>
>
> Wirkliche Panik kommt im Naturleben des Pferdes sehr selten vor; es ist
> ein Ausnahmezustand. Das Pferd in Panik ist immer verzweifelt und in
> Todesangst, unabhängig von der Ursache. Todesangst ist immer real, nie
> eingebildet.

Da muss ich ein wenig widersprechen: Die Empfindungen sind fuer
denjenigen real, das stimmt. Aber sie muessen es nicht "fuer die
Allgemeinheit" sein.
Dieser Widerspruch fuehrt dazu, leicht annehmen zu wollen, dass es eine
"ueberzogene" Reaktion ist, weil man selber bzw. andere es nicht genauso
empfinden.
Das macht aber die Gefuehle fuer die Betroffenen nicht weniger intensiv,
sondern vermehrt u.U. nur deren Stress, z.B. wrenn die Umgebung es
leugnet, das verhalten santioniert oder eben durch staendiges Einwirken
zusaetzlichen Stress schafft.
In der Homoeopathie gibt es einen, der daran die Definition von
Krankheit festmacht: Krankheit sei lt. Rajan Sankaran eine ueberzogene
Reaktion auf Reize/Wahrnehmungen, (nur sinngemaess zitiert, weil er mir
in meinem allgemeinen Buchmangel auch nicht vorliegt) wobei sich das
sowohl auf Aengste wie auf Allergien oder innere Krankheiten beziehen
kann.
In der Hinsicht waere Rebecca krank, aber das wuerde ja auch nicht
ausschliesen, dass man so oder so dieses Verhalten positiv beeinflussen
koennte... jedenfalls kann jemand idR nichts fuer seine Erkrankung ;-)

Gruss,

Anke

+ der Sonderschueler, der auch u.a. mit Hilfe homoeopathischer Mittel
einen Entwicklungsschub macht

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 6, 2001, 10:15:48 AM4/6/01
to
Anke...@t-online.de (Anke Spix) wrote:
>
>Einverstanden. Und da es bei Pferden diese Eigenschaften in sehr
>verschiedenen Graden gibt, ebenso wie die Eigenschft der Nervenstaerke,
>muss ich hier Stefan widersprechen, wenn er meint, dass alle Pferde
>panisch reagieren muessten, wenn eines das in einer bestimmten Situation
>tut.
>Das ist eben deshalb nicht korrekt, weil Pferde verschieden sensibel,
>aengstlich und nervenstark sind.
>Immer mal wieder sind welche dazwischen, die besonders viel
>Sensibilitaet mit besonders wenig Nervenstaerke gekopelt haben - und die
>reagieren eben erheblich schneller panisch.
>Was allerdings IMHO nichts mit Adel zu tun haben muss ;-))


"Adel" ist entschieden durch bewegliches und initiatives Verhalten
gekennzeichnet - das genaue Gegenteil von "wenig Nervenstärke". Sensibilität und
Mut/Initiative sind sogar eine ideale Kombination, besonders wenn sie mit
Intelligenz und Vertrauen zum Reiter gepaart sind. Es ist zu unterscheiden ob ein
Pferd vor einer Kleinigkeit in einer "unklaren" Situation erschrickt
(Sensibilität; Reaktionsbereitschaft!) und dann normal reagiert, oder wirklich
feige ist.
Es wird schon einen Grund gehabt haben weshalb in früheren Jahrhunderten Pferde
mit arabischem Blut als beste Kriegspferde galten. Ich weiss weshalb!

Frank Mechelhoff

unread,
Apr 6, 2001, 10:31:47 AM4/6/01
to
"Sabine Loss" <josa...@web.de> wrote:
>> Verhaltensweisen können "gleich" aussehen, ohne gleich zu sein. Reflexe,
>> Instinkte, Sinne, Triebe, Gefühl, und Verstand des Pferdes müssen gekannt
>und
>> unterschieden werden. Im Unterschied zum Menschen besitzt Pferd weder
>> Ichbewusstsein, Ethik oder Vernunft. Somit kommt eher die "hardcodiert-
>> pragmatische", weniger die Tiefen-Psychologie in Betracht. (pschologische
>> Verhaltenspyramide, s.mein Posting an Catja)
>
>Gehen wir zu dieser Diskussion in eine andere Newsgroup? Gibt's eine
>Psychologie-NG (oder besser noch: Tierpsychologie-NG)?


Zweifellos gibt es die nicht. Aber ich bin zufälligerweise der Meinung (und
befinde mich dabei in nicht ganz schlechter Gesellschaft, auch wenn das
heutzutage vielleicht ein wenig altmodisch klingen sollte) bevor man ein Pferd
reiten, oder sonstwie mit ihm umgehen will, sollte man ein bisschen - ich will es
mal "zweckfreies Wissen" um das Tier nennen - sich aneignen. Das betrifft die
Besonderheiten der Anatomie, aber auch seines Verhaltens. "Zweckfreies Wissen"
deshalb, damit man es nicht verwechselt mit billigen Ratgebern nach dem Motto
"Mein Pferd zeigt die oder die Unart, steigt, beisst, wird hysterisch, usw. - was
muss ich machen?" Die Antwort ist allemal die gleiche - den richtigen Umgang (bzw.
Reiten) lernen.


Das Pferd ist nämlich etwas mehr wie ein Auto, wo man einen Schlüssel rumdreht
und dann funktionierts, bzw. wenn nicht bringt man's in die Werkstatt. Da braucht
man in der Tat nur zu lernen wo Gaspedal, Bremse, und Schaltung sind und wie man
sie korrekt bedient. Reitenlernen erfordert etwas eingehendere "Beschäftigung"

Sabine Loss

unread,
Apr 6, 2001, 11:13:58 AM4/6/01
to
Hallo,

> >> Verhaltensweisen können "gleich" aussehen, ohne gleich zu sein.
Reflexe,
> >> Instinkte, Sinne, Triebe, Gefühl, und Verstand des Pferdes müssen
gekannt
> >und
> >> unterschieden werden. Im Unterschied zum Menschen besitzt Pferd weder
> >> Ichbewusstsein, Ethik oder Vernunft. Somit kommt eher die "hardcodiert-
> >> pragmatische", weniger die Tiefen-Psychologie in Betracht.
(pschologische
> >> Verhaltenspyramide, s.mein Posting an Catja)
> >
> >Gehen wir zu dieser Diskussion in eine andere Newsgroup? Gibt's eine
> >Psychologie-NG (oder besser noch: Tierpsychologie-NG)?
>
> Zweifellos gibt es die nicht. Aber ich bin zufälligerweise der Meinung
(und
> befinde mich dabei in nicht ganz schlechter Gesellschaft, auch wenn das
> heutzutage vielleicht ein wenig altmodisch klingen sollte) bevor man ein
Pferd
> reiten, oder sonstwie mit ihm umgehen will, sollte man ein bisschen - ich
will es
> mal "zweckfreies Wissen" um das Tier nennen - sich aneignen.

Ja, man muß ein "bisschen" (das ist Dein Wort <G>) Ahnung haben. Bestreitet
das denn irgendjemand?

>Das betrifft die
> Besonderheiten der Anatomie, aber auch seines Verhaltens. "Zweckfreies
Wissen"
> deshalb, damit man es nicht verwechselt mit billigen Ratgebern nach dem
Motto
> "Mein Pferd zeigt die oder die Unart, steigt, beisst, wird hysterisch,
usw. - was
> muss ich machen?" Die Antwort ist allemal die gleiche - den richtigen
Umgang (bzw.
> Reiten) lernen.

Wie gesagt, ich dachte die Immenhof-Filme würden mir alles beibringen <g>.
Es geht doch nur darum, daß man auch Ahnung haben kann, ohne die Werke
gelesen zu haben oder mit diesen Meinungen konform zu gehen, die _Du_
gelesen hast oder mit denen _Du_ übereinstimmst. Ahnung haben heißt nicht,
_Deine_ Meinung zu teilen oder Bücher gelesen zu haben, die in _Deinen_
Augen die richtigen sind.


>
> Das Pferd ist nämlich etwas mehr wie ein Auto, wo man einen Schlüssel
rumdreht
> und dann funktionierts, bzw. wenn nicht bringt man's in die Werkstatt. Da
braucht
> man in der Tat nur zu lernen wo Gaspedal, Bremse, und Schaltung sind und
wie man
> sie korrekt bedient. Reitenlernen erfordert etwas eingehendere
"Beschäftigung"

Ach? Es erfordert vor allem, sich mit dem Wesen Pferd auseinanderzusetzen
und _niemals_ mit vorgefertigten Meinungen an ein Pferd herangehen. Wenn Du
glaubst das bei Pferden zu können, versuche es doch mal auf Menschen
umzusetzen...

Endgültig die Diskussion abschließende Grüße
Sabine,
deren Auto auch einen Namen hat und von Zeit zu Zeit eingehendere
Beschäftigung braucht und die sich manchmal fragt, wo Wally's Bremspedal
ist, bis ihr einfällt, daß das ja am Auto war :-))


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 6, 2001, 12:58:03 PM4/6/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9air8p$566a0$1...@ID-60779.news.dfncis.de...

liebe beate,

........! Alles bei


> durchhängender Führleine !!! Seine Besitzerin bedachte ihn ab und zu mit
> einem stolzen Blick und ließ ihn ansonsten gewähren. Seither tut es mir
> leid, keine Videokamera dabeigehabt zu haben. Das Bild hat mich zutiefst
> beeindruckt und in gewisser Weise auch ein wenig Maßstäbe gesetzt, wie
> wohlerzogen so ein Pferd sein kann. (Bitte keine postings á là : das ist
mit
> meinem Pferd schlicht unmöglich, weil.... Natürlich ist es nicht mit jedem
> Pferd möglich. Aber es müßte auch nicht so fürchterlich viel miserabel
> erzogene Pferde geben, wie tatsächlich herumlaufen...)

nee, was ich meine ist: an manchen tagen ist so etwas mit einem pferd
möglich und an anderen nicht. ich hatte vor zwei tagen kaida an der langen
leine, stand bei meinem auto und telefonierte bei offenem kofferraumdeckel
mittels handys. dabei hagelte es grässlich in den offenen kofferraum......
ich sagte meiner freundin, sie bräuchte besser nicht zu kommen, die pferde
wären zu nass.

ich war heute eine stunde mit kaida im gelände und sie macht sich ganz gut.
wir gingen schritt (ariadne als führpferd), bergauf, bergab, und liessen sie
über baumstämme steigen. wir gingen auch durch den gatsch und anschliessend
durchs wasser, was noch etwas mühsam war. auf dem rückweg schien kaida das
wasser so gefährlich, dass sie einen s-sprung darüber machte und wir
landeten im gestrüpp. fast wäre ich runtergeflogen, auf der linken
stirnseite habe ich ein paar rote male - damit ich nicht zu vorlaut werde...
alles in allem war es ein erfolgreicher und schöner ausritt und wir werden
in der nächsten zeit viel, viel über. ich könnte dich im moment als
begleitperson mit cäsar gut brauchen, grins....falls schrittgehen nicht zu
fad für dich wäre....

> Sofern die von Anfang an darüber aufgeklärt werden, was auf sie zukommt,
ist
> das vollkommen korrekt. Wenn...

ja, gelogen sollte nicht werden, das hasse ich auch. wenn das pferd jetzt
wieder belastbar ist und ihr beide mit ihr arbeitet, wird sich in ein paar
wochen zeigen, ob sich alles normalisiert. ausserdem werden pferdchen oft
faul und ruhig, wenn es wärmer wird.
das würde ich abwarten: wenn sich das pferd in zwei bis drei monaten aber
nicht gebessert hat, würde ich mir an deiner stelle doch ein anderes suchen.

> Parelli hat - soweit ich mich durch das Buch gequält habe - mit allem
recht,
> was er sagt, und natürlich funktioniert das auch. Aber mir erscheint sein
> Ansatz als wahnsinnig gefährlich, wenn er von den falschen Leuten in der
> falschen Art praktiziert wird. Die Chance, ein *richtig* totes Pferd damit
> zu machen, ist m.E. sehr hoch. Das Zauberwort dafür ist die 'Dominanz',
das
> wurde ja gerade sehr ausführlich im thread 'join up und so' behandelt.
(Der
> größte Schläger im Viertel ist zwar der dominanteste, aber anerkannt ist
er
> deswegen noch lange nicht. )

das buch wirkt vor allem durch die miese übersetzung sehr schwerfällig. ohne
kurs sollte man sich aber nicht drübermachen. jeder ansatz kann gefährlich
sein, wenn man glaubt man kann das auch alleine. ausserdem sind die
kursleiter sehr verschieden; lobend hervorheben möchte ich den schweizer
berni zambail, der uns unwahrscheinlich reiterlebnisse mit unseren sher
unterschiedlich ausgebildeten freizeitpferden beschert hat. seine
instruktionen würde ich gerne wiederholen. ausserdem hat er mir einen sehr
guten rat wegen der damals schlechten bröckelnden hufe von cäsar gegeben,
und nach nur zwei beschlagsperioden war das problem gelöst. berni ist
gelernter hufschmied.

> btw: den hinten im Buch angegebenen Test für Level 1 hatte ich aus dem
Stand
> geschafft, bis auf das Kunststück, ein Pferd mit dem Kopf dicht am Boden
> aufzuhalftern. Wozu auch... ?

kommt drauf an mit welchem pferd - kaida z.b. kann noch keine seitengänge
vom boden aus (d.h., sie kann das überhaupt noch nicht). das lass ich einen
profi ausprobieren, denn sie lehnt sich total über die oberste
baender-absperrung des vierecks und droht diese zu zerreissen. heinz und
cäsar wurden für die gleiche übung sehr gelobt.

> > > ...Da muß ich bei Adam und Eva anfangen...


> > pass auf, dass sich nirgends schlagen ringeln und dass du keine äpfel
> isst..
>
> Ups... zu spät! Apfel Nummer 2 war das heute schon.... Sch.....grippe!

na ja, nicht jeden apfel hat die schlage mit weisheit geschlagen, so werden
wir auch nicht gleich aus dem pferdeparadies vertrieben. ausserdem hat der
apfel einen haufen vitamine. gute besserung für die grippe!

liebe gruesse,
reinhild


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 6, 2001, 1:16:42 PM4/6/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9air8r$566a0$3...@ID-60779.news.dfncis.de...

hallo beate,

> Wir hatten gestern Besuch von dem Trainer, der seine Korrekturberittpferde
> erstmal psychisch aufbaut, wenn sie zu ihm kommen.
> Er ist gleich aufgestiegen und die übliche Runde losgeritten, die ich
> letztens mehrfach geführt hatte, ich lief nebenher. Schon nach 5 Min erste
> Diagnose: "Bewegungsmangel hat sie nicht, da hätten wir jetzt schon unsere
> Galavorstellungen hinter uns!" Weiter, absolut ereignislos...

> Vorführeffekt........... snip, obwohl echt schade darum ist...

das ist ein super posting und ein super bericht! es klingt nach
westernreiter. ich habe z.b. in einem bericht gelesen, wie man ein pullendes
pferd unter kontrollle bekommt:
mit ruhigen nicht schlagenden pferden rausreiten. pferd pullt und setzt sich
an die spitze. ruhige volte, pferd wieder einreihen. pferd pullt wieder und
geht vor an die spitze. pferd gewähren lassen, volte, wieder ans ende der
gruppe gehen. irgendwann bleibt das pferd auch dort. sich auf keinen kampf
einlassen, den gewinnt das pferd sowieso, sondern alles in ruhe abwickeln.
klingt so logisch wie dein bericht, den ich mir aufheben werde.

>> Der Reiter fing dann ganz gemütlich an, das Pferd überall herzhaft
> abzuklopfen, bei den ersten Patschern ging sie fast komplett in die Knie,
> entspannte sich dann aber etwas

herrlich - wir haben unseren pferdenlaufend das strickende sanft auf die
kruppe geworfen, nd den strick hinter der kruppe auf die andere seite
gelegt. die pferde "fädeln" sich dann aus. wir haben vorder- und hinterbeine
einzeln sanft mit dem seil ein stück hochgehoben. meine pferde panicken
nicht, wenn sie einmal in einen strick steigen.

> Dann wurde in aller Ruhe wieder umgedreht, das Spiel mit den ganz weichen
> einseitigen Zügelanzügen wiederholt, und immer wenn 'es' über ihr
> zusammenschlagen wollte, wurde sie wieder umgedreht - hingestellt - Zügel
> komplett weg - Ruhe. Ein anderes schönes Manöver Richtung Heimat: das
Pferd
> einen Schritt vorlassen - durchparieren - einen Schritt vorlassen -
> durchparieren usw.

grossartig, hätte keiner besser machen können.

> Letzter Kommentar war: "so, das machst du jetzt ein paar Wochen mit ihr,
und
> dann kannst du deinen Picknickkorb mitnehmen und auf der Kruppe Tisch
> decken... Ist ein Traumpferd!"

der trainer hat auch dir das vertrauen zurückgegeben, ich bewundere ihn.


>
> Ist etwas lang geworden - na, steht ja auch im Titel! schmunzel... - Ich
> finde diese Vorgehensweise aber so ausgefallen

das finde ich gar nicht. ich finde sie so absolut logisch.

liebe gruesse,
reinhild

Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 6, 2001, 1:23:40 PM4/6/01
to

Karin Mertens <Terr...@yahoo.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3ACD68C9...@yahoo.de...

hallo karin,

> Karin - freut sich schon darauf, Spaziergänger zu amüsieren, indem
sie auf
> einem stehenden Pferd sitzt und ihm ständig erzählt, daß er ein toller,
braver
> und ganz mutiger Kerl ist

selb auf die gefahr hin, dass sích einige jetzt vor lachen auf dem bauch
wälzen - ich habe cäsar in seiner sturm- und drangzeit (wenn ich mit ihm
alleine im gelände war) immer gedichte aufgesagt, möglichst lange balladen.
die bürgschaft kennt er auswendig, die drei indianer auch, bis auf die
stellen die ich nicht mehr korrekt wiedergeben kann. manchmal habe ich namen
durch "pferd" und "cäsar" ersetzt (zu cäsar dem tyrannen schlich, das pferd
mit dem dolch im gewande....). ihr könnt eu
>


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 6, 2001, 1:31:56 PM4/6/01
to

Karin Mertens <Terr...@yahoo.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3ACD68C9...@yahoo.de...

hallo, dämlicher computer hat mcih schon wieder rausgeschmissen!

> Karin - freut sich schon darauf, Spaziergänger zu amüsieren, indem
sie auf
> einem stehenden Pferd sitzt und ihm ständig erzählt, daß er ein toller,
braver
> und ganz mutiger Kerl ist


forsetzung:....... ihr könnt euch das ohrenspiel dabei sicher lebhaft
vorstellen. und ich hatte ein ruhiges nicht pullendes pferd, sei es dass er
literarisches interesse hat, dass er meine stimme mag oder dass mich mein
eigenes gerede beruhigt hat.

liebe gruesse,
reinhild

p.s. kaida musste den erlkönig in der halle lernen, wenn wir allein waren.
>


Catja Pafort

unread,
Apr 6, 2001, 4:16:27 PM4/6/01
to
Karin schrieb:

>also die Sache ist die: Mein Pferd ist Trakehner, erwachsen (10 Jahre) und im
>Umgang 95% zuverlässig (wenn die Laune mal da ist, macht er halt nen Hüpfer).

Wie ist er denn gezogen? Was Du schreibst klingt naemlich bekannt...

>Szenario: Karin geht nach dem Reiten mit dem Dicken noch eine
>Sonnenuntergangsrunde - beide völlig entspannt, Pferd am hingegebenen Zügel.
>Karin denkt sich . o O ( Boooo, toll, mein Pferd ist heute ganz locker und
>cool), Karin biegt nach links ab. Pferd läuft 20
>Meter und bleibt stehen. Karin schaut sich verzweifelt um und entdeckt nicht
>das, was das Pferd stört (vermutlich wieder ein dunkelgrünerer Grashalm auf
>der Wiese schräg vor uns...). Pferd hat Eselmodus eingestellt: Ich geh
keinen
>Schritt mehr vorwärts, nicht einen. Pferd versucht umzudrehen, treiben wird
>mit Steigen quittiert.

Das ist ja schon die harmlosere Variante. Die erste Zeit mit meinem war -
soweit gehen wie moeglich - aaargh! und zack war er umgedreht und in der
anderen Richtung und 20m weiter im Galopp. Bevor Du so richtig mitgekriegt
hattest, was los war. Nicht gut fuer den Orientierungssinn!

Steigen hat meiner theoretisch auch im Repertoire - ausser einem leichten
Lupfer hat er es aber noch nicht versucht, und ich reize ihn auch nicht so
weit. Zuviel Angst meinerseits.

>(wobei wir halber noch stürzen - ich bin froh, daß mein Pferd keine
>Eisen auf dem Teerweg draufhat). Karin denkt sich . o O ( DANKE Pferdlein),

Die woertliche Uebersetzung wuerde die Luft blaufaerben...

>spart sich das Absteigen und an -wasauchimmer- vorbeiführen, da das nur dazu
>führt, daß das Pferd dann alle 20 Meter irgendwas entdeckt - hatten wir
schon
>öfters probiert.

Na klar - weil es nicht ein 'etwas' ist, sondern ein Ort, der Angst macht -
zuweit vom Stall weg, bzw zu weit vom *Vertrauten* entfernt. Was nach vier
Wochen nicht-Ausreitens bei meinem alles nach den ersten hundert Metern ist.

>Karin hat auch keinen Bock auf die Schnauze zu fallen, dreht Pferd um und
>geht heim.

Und das geht? Respekt! Wenn ich das gemacht habe, hiess es eher "und fliegt
heim" - oder fast, denn das Tempo war 'kurz vorm abheben'. Extrem stickig
beim Rausgehen, dann war der Angstpunkt erreicht, und dann - zoom. Anfangs
ohne, spaeter mit Erlaubnis zum Umdrehen - aber sobald der Kopf in die neue
Richtung zeigt, war ZOOM angesagt. Anhalten (oder fast anhalten), umdrehen,
und wieder zurueck, und wieder, und wieder - war ganz gut nervig!

>Hey, im Normalfall würde ich auch sagen "auf jeden Fall da vorbei" - aber
>mein Pferd und ich sind nicht normal ;)

Nein - aber vertraut. ENDLICH jemand, der ein Pferd hat, das mir bekannt
vorkommt. Ich hab' so etwas naemlich noch nie erlebt...

Muss auch nicht sein!

>> Die Frage, die ich mir da stelle, ist *warum*. Ich halte es beim Reiten mit
>> l'Hotte: Ruhig, vorwaerts, und geradegestellt. Besonders die Sache mit der
>> Ruhe.
>

>Mein Pferd IST ruhig und völlig gelassen - bis zu dem Moment, in dem er
>irgendwas entdeckt, was er schrecklich finden kann.

Das ist oftmals ein Zeichen von langsam aufgebauter Spannung. Mork hat das
betrieben (und der war nun wirklich nicht schreckhaft) - Billy zu einem
geringeren Mass, und Crumble tut das auch, besonders wenn Schmerzen im
Spiel sind. Es gibt nur wenige Dinge, vor denen er _Angst_ hat - Wasser,
Vogelschrecks (lautes Knallen), und alles, was nach Sprung ausschaut.

>Ob das nun in der Halle oder draußen ist, macht keinen Unterschied, nur daß
>er in der Halle weder steigt noch umkehrt, sondern nur versucht, sich
>wegzumogeln. Ich hab' öfters das Gefühl, daß er mich verarscht. Da er es
aber
>nur beim Reiten macht und in manchen Fällen auch wirklich Panik schiebt, ist
>dem sehr schwer beizukommen.

Das glaub ich Dir. Bei meinem liegt hat die Ursache der Angstreaktion
jedoch nichts mit dem Ausloeser zu tun. Die *Art* der Reaktion ist - siehe
Ueberschrift - ein ganz grosser Teil des Problems. Wenn ein 'normales'
Pferd beim Springen eine Stange runterholt, wird es ein wenig vorsichtiger
- es wird u.U. versuchen, dem Springen zu entgehen, und vielleicht ein oder
zwei Wochen brauchen, bis es kleine Spruenge wieder mit Vertrauen angeht.
Es wird *nicht* auf eine am Boden liegende Stange mit Panik reagieren, und
noch sechs Monate spaeter beim Anblick eines Sprunges mit den Augen rollen
und den Fluchtreflex voll ausspielen.

>Mein Pferd sucht sich einfach irgendwelche Dinge, die ihn erschrecken
>könnten - manchmal erkenne ich sie dann auch, wenn er rumhüpft (am Tollsten
>waren die Haufen von anderen Pferden). Aber wirklich Veranlassung hat er
>seltenst. Er stiert ja nicht jeden Maulwurf auf der Wiese an, sondern
gestern
>den fünften auf der linken Seite und heute den dritten rechts - und morgen
>gar keinen. Ich habe auf gut deutsch keine Ahnung, warum er sich erschreckt,
>dementsprechend genausowenig Möglichkeiten, ihn abzulenken oder irgendwie
>mich darauf vorzubereiten...

Das sagt mir doch, dass er sich nicht vor irgendetwas erschreckt, sondern
das das winzige Etwas der Tropfen ist, der das Fass zum Ueberlaufen bringt.
Das heisst andererseits, dass Du das Verhalten an ganz anderer Stelle
anpacken musst. Leider kann ich keine absolute Erfolgsmeldung bringen - wir
sind noch zu sehr im Prozess begriffen, und dank Maul-und Klauenseuche wird
das mit dem Ausreiten so schnell auch nix.

Dennoch denke ich, dass ich der Loesung des Problems recht nahe bin. Wir
sind letztens ca. 200m den Weg entlang gebummelt - am langen Zuegel, ohne
Gucken - und wir sind angehalten, und umgedreht, und im gleichen Tempo
(nicht im Powerwalk!) zurueckgebummelt, ebenfalls ohne Gucken, und ohne
Nachbrenner. Das ist durchaus ein Erfolg, denn vor sechs Monate war das
nicht moeglich.

>Du darfst mir gerne mal zeigen, wie man das bei dem Pferd macht... Ich hatte
>schon einige Leute drauf sitzen, die reiten können...

Das beschriebene Verhalten laesst sich nicht von heute auf morgen
abstellen. Schoen waer's. Das einzige Mal wo meiner wirklich durchgegangen
ist (abgesehen von auf dem Platz, und da kam er nicht weit) war mit meinem
mutigeren und sattelfesteren Partner, also mach ich mir wenigstens keine
Vorwuerfe mehr, dass das ganze mein Fehler ist. Auch was wert! (Leider
hat's ihn ganz gut durchgeschuettelt, mental)

>Irgendwie muß er lernen, auch ohne Menschen
>neben sich mehr Vertrauen in sich zu haben... aber wie?

Wielange hast Du ihn schon? Und was hat er vorher gemacht? Angeblich (ich
trau dem Ganzen inzwischen weniger) war meiner frueher Jagdpferd. Das
einzige, was ich mir vorstellen kann, ist dass er im Pulk und voll
aufgedreht (Blueter) ueberhaupt keine Zeit hatte, Angst zu haben - das hat
ihn aber wohl total verrueckt gemacht.

>Ich war ja tierisch stolz, als wir letztens auf unseren schon fast
wattartigen
>Sandplatz reiten konnten und mit vielviel Überredungskunst tatsächlich einmal
>außenrum sind - trotz schrecklichem Wegbrechen des Sandes bei Belastung
und mit
>nur ganz wenig steigen und umdrehen wollen *seufz*

Tolle Leistung! Kleine Schritte wie der sind mit 'normalen' Pferden gar nix
- mit einem solchen Spezialfall ist der kleinste Schritt viel Wert.

>Es ist einfach unheimlich schwer zu merken, was er sich ausdenkt, weil er
>einfach Spaß dran hat, was er wirklich komisch findet und sich anschauen
können
>will, und was ihn schlichtweg in Panik versetzt :(

Bei meinem ist das relativ einfach - oder vielleicht kenne ich ihn einfach
nur gut genug. Wie gesagt, eigentlich ist er ueberhaupt nicht schreckhaft,
und die 'Schreck'reaktion ist einmal kurz vorschiessen. Das andere... nun ja.

Also, das Gesamtprogramm. Mein 'Crumble in Reitpferd verwandeln' programm
hat drei Grundpfeiler. Bis auf Sattelbedingte Mentalausfaelle war er in der
Bahn und in ruhiger Gesellschaft im Gelaende eigentlich nie ein Problem,
also geht es hier nur ums Ziel 'Alleine Ausreiten'...

In dem Moment, als mir endgueltig klar wurde, dass es sich nicht nur um
Vollblut, unausgelastet, ueberfuettert, Fruehlingsgefuehle, und aehnliche
Ausreden mehr handelt, sondern mein Pferd ein echtes Problem hat, habe ich
mir angesehn wieso, und wo es sonst noch fehlt. Und dann gings los:

- Zum ersten haben wir potentielle Problemsituationen vermieden - immer
innerhalb seiner Komfortzone bleiben. Das gibt ganz viele Gelegenheiten zum
Loben und keine Gelegenheit zur Panik. Das heisst nicht, alles vermeiden -
aber die Umstaende sehr genau auswaehlen.

- Dann haben wir viel Aufbauarbeit gemacht - Hindernisse zu Fuss. Fuer ihn
war es wichtig, Monster *anzusehen*. Am Anfang habe ich seinen
'Sicherheitsabstand' zu den Monstern eingehalten, dass hat das Ganze noch
schlimmer gemacht. (Das hatte mit anderen aengstlichen Pferden gut
funktioniert). Also hingehen, Nase hinstecken, Leckerli geben. Wiederum,
viel Gelegenheit zum Loben, Selbswertgefuehl aufbauen, Vertrauen zum
Menschen gewinnen. (Vertrauen, bzw ueberhaupt Bewusstsein, dass da noch
jemand da war, fehlte voellig. Ignoriert hat er die Menschheit als Ganzes,
und zwar ziemlich gut)

Danach ging er ueberall hin, wo er sich hinter mir verstecken konnte. Nur
unterm Sattel ging das noch nicht...

- Dressurarbeit unterm Sattel. Das hatte nicht nur alle ueblichen Vorteile,
sondern gab mir zwei wertvolle Mittel an die Hand: Schulterherein und
Viereckverkleinern/vergroessern. Wie der one-rein stop, denn Beate
beschrieben hat, geben diese beiden Lektionen meinem Pferd Sicherheit.
Anhalten geht nicht, wenn auch nur ein bisschen Spannung da ist - wenn er
wirklich nervoes ist, gehen nicht einmal Trab-Schritt Uebergaenge, es geht
einfach nicht, nichts zu machen - aber mit den beiden Lektionen kann ich
ihm Sicherheit geben, *bevor* ihm alles ueber den Kopf waechst. Bei unseren
letzten Kurzausfluegen fing er an, die Augen zu rollen, einmal kurz
seitlich verschoben, und er seufzte tief und liess sich wieder los.

Jetzt hoffe ich, auf diesen Dingen aufzubauen, bis zum Ende der Auffahrt zu
kommen, und eventuell auch wieder runter zum Fluss, und dann bis zur
Pumpstation von wo aus er durchgegangen war.

Aber ganz, ganz wichtig war es, einzusgestehen, das wir ein Problem hatten,
durch dass man sich nicht laenger durchmogeln konnte. Oder zumindest hatte
ich keine Lust dazu - ich bin zweimal mit schlotternden Knien zu Fuss nach
Hause gelaufen, weil Pferdi total verrueckt spielte - und lieber freiwillig
absteigen, als im fliegenden Galopp ankommen...

Eine letzte Warnung:
drei Dinge sollte man herausfinden, bevor man ein Pferd an den Rand seiner
Moeglichkeiten draengt.
- Zum einen, wie man es beruhigen kann. Manche Pferde muessen stehen,
andere im Schritt oder sogar Trab vorwaerts geritten werden.
- Zum zweiten, wie man die Aufmerksamkeit seines Pferdes wiederherstellen
kann: vorwaertsreiten? Reden? Pfeifen? Biegearbeit? Beruehrung?
- Zum dritten, wieviel Reitereinmischung das Pferd braucht. Es gibt Pferde,
die fuehlen sich am wohlsten, wenn der Reiter 'unsichtbar' im Sattel ist -
ganz leicht am Sattel schweben, kurze Hilfengebung und dann weg - andere
Pferde kriegen Panik wenn der Reiter nicht jede Sekunde des Rittes 'da'
ist, tief im Sattel sitzt und den Zuegelkontakt aufrechterhaelt. Crumble
liegt da so in der Mitte - er braucht *genau die richtige Menge* an Druck,
und das ist auch nicht einfach...

Peter Sev

unread,
Apr 6, 2001, 5:14:44 PM4/6/01
to
Hallo, Anke!

> > Erstmal kurz treibend eingesessen, dann ganz leichte, weiche einseitige
> > Zügelanzüge mit tiefer Hand zur Seite heraus ausgeführt - nach rechts,
> > dabei linken Zügel komplett freigeben, nach links, dabei rechten Zügel
> > komplett freigeben (leicht zu lesen, aber schwierig in der Ausführung).
> > Pferdi war nach ein paar dieser Manöver ganz ruhig, Kopf unten, die
Tritte
> > wurden wieder länger.
>
> Muss ich mir mal merken :-)

Merken wie - im positiven oder negativen Sinne?

Sollte Dein Zeiger in Richtung positiv pendeln, werfe ich an dieser Stelle
schon mal ein, daß hier ein klassisches Beispiel einer Methode geschildert
wurde, die Du in Deinem letzten Beitrag zum Thema "Join up und so"
kategorisch abgelehnt hast.

Zur Erläuterung:
Der Trainer saß auf einem Pferd (offensichtlich zum ersten mal), dessen
Unsicherheit sich durch Fehlverhalten der Menschen, die sich vorher mit ihm
beschäftigt hatten, gesteigert hatte.
Diese Unsicherheit äußerte sich so:


"Wir änderten dann die Runde: genau entgegengesetzt der Heimat in Richtung
Wald... schon fing das Pferd an zu pusten und zu blasen, der Unterhals fing
an hart zu werden, der Kopf kam höher, vorwärts wollte sie nicht mehr "

und das, obwohl da jemand auf ihm drauf saß. Oder ein anderes Zitat:


"Als der Weg Richtung Heimat drehte, wurde es dann richtig spannend: ruck
zuck war sie hochgezogen, das Weiße in den Augen zu sehen, der Unterhals
herausgedrückt zum Erbarmen und das ganze Pferd direkt vorm Lospreschen."

Hierbei ignoriert das Pferd komplett, daß es jemanden auf sich zu sitzen
hat,
zumal derjenige das Pferd wahrscheinlich bisher nicht so oft zu Gesicht
bekommen hat; also bisher gar nicht die Zeit und die Möglichkeiten hatte,
den von Dir so oft zitierten und gewünschten Respekt aufzubauen.

Was macht der Mann nicht?
Er überläßt es dem Pferd nicht, eigene Entscheidungen zu treffen, denn dann
wäre es vom Hof weg keinen Schritt mehr gegangen oder auf dem
Nachhauseweg losgeprescht. Aus Unsicherheit wohlgemerkt; nicht, weil das
Pferd mal ausprobieren wollte, ob heute noch dieselben Regeln gelten wie
gestern.

Was macht der Mann aber nun wirklich?
Zuerst mal: Er baut keinen Druck auf und wendet keine Gewalt an.
Dann:
Er steuert gegen die Unsicherheit des Pferdes; einer Unsicherheit, einer
Angst, die vorhanden ist, und die er dem Pferd nehmen will.
Zuerst gewinnt er dafür die Aufmerksamkeit des Pferdes auf sich selbst,
bringt es dazu, sich auf ihn zu konzentrieren. Dann fordert er eine kleine
Übung
in Form der Zügelanzüge. Und da das Pferd diese Übung ausführt, hat er
auch noch - nur so "nebenbei" - die Akzeptanz des Pferdes gewonnen.
Denn es gibt seinen Kopf und lehnt sich nicht dagegen auf.
Hat er dadurch eventuell auch das Vertrauen eines Pferdes gewonnen,
daß diesen Menschen bisher noch nie (oder wenig) auf dem Rücken
hatte? Verliert es durch dieses Vertrauen einen Teil seiner Unsicherheit?
Nach Deinen bisherigen Ausführungen nicht, da für Vertrauen Respekt
erforderlich ist. Und den bekommt man - wiederum nach Deinen Ausführungen -
nur
in Zusammenarbeit mit dem Pferd über einen längeren Zeitraum (was ja bei
dem Mann nicht der Fall gewesen war).
Oder hat er bei dem Pferd evtl. nur die Emotion Unsicherheit und Angst
unterdrückt, und
Beate muß nun aufpassen, daß diese unterdrückten Emotionen nicht
später in geballter Ladung ausbrechen? Auch etwas, was Du bisher
beschrieben hast.

Egal was es ist - er hat zumindestens ein ruhiges Pferd gewonnen.

Aber vielleicht schlägt Dein Zeiger ja auch in Richtung negativ aus.
Dann war mein Einwurf Zeitverschwendung. ;-))

Gruß

Peter Sev


Stefan "Steff" Knoll

unread,
Apr 7, 2001, 8:09:30 AM4/7/01
to
Servus Frank!

Ich mische mich jetzt noch einmal in Euren Disput ein, weil Du (!)
überziehst.

"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag

news:3acd80a2$1...@netnews.web.de...


> Ich kann mich noch sehr gut erinnern, mit
> welcher Geringschätzung und Überheblichkeit
> Du übers Wanderreiten und den dazu
> nötigen Fähigkeiten gesprochen hast:

Dagegen halte ich, daß Stefan mich und meine Frau bereits vor Jahren auf
einem an Ingolstadt vorbeiführenden Wanderritt in ihrem Stall
aufgenommen und hochanständig und respektvoll behandelt hat. Was Dich zu
Deiner negativen Darstellung seiner angeblichen Charakterschwächen
bewegt, kann weder auf eigener Kenntnis beruhen, noch auf belegbaren
Begebenheiten, die von Dritten kolportiert werden.

> Ich habe die Erfahrung gemacht dass solche Leute
> keine drei Tage durchhalten, bevor sie (bzw. ihre
> armen Pferde) dank ihrer Überheblichkeit
> gründlich auf der Schnauze liegen, und die Stimmung
> derartig vergiften dass ich so Leute (die ja gottseidank
> sehr schnell zu erkennen sind) nicht mehr mitnehme.

Natürlich gibt es die von Dir als Herrenreiter bezeichneten Dilettanten,
die bei einem Wanderrittversuch auf Kosten ihrer Pferde scheitern - bloß
gibt es mindestens genausoviele Cowboy-Dilettanten,
Freizeit-Dilettanten, Distanz-Dilettanten etc, die ähnlich schwache
Leistungen abliefern. Und das als "Argument" in einer Diskussion zu
bringen, ist lächerlich, weil es nichts damit zu tun hat und nur den
schwachen Versuch darstellt, jemanden aufgrund irgendeiner unterstellten
Gruppenzugehörigkeit schlecht zu machen.

> Die armen "Freizeitreiter" mit denen Du angeblich Umgang
> hast, müssen demzufolge wohl sehr jung, naiv und
> unwissend sein, damit sie ständig staunend zu Dir
> aufblicken.

PITSCH - PATSCH - PLONK!

Mach mir am 8.Juni ein Geburtstagsgeschenk - halte Dich von Burgbernheim
fern.

Steff


Stefan "Steff" Knoll

unread,
Apr 7, 2001, 9:04:26 AM4/7/01
to
Servus Reinhild!

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag

news:3acdfadd$0$27...@SSP1NO25.highway.telekom.at...

> selbst auf die gefahr hin, dass sích einige jetzt vor lachen


> auf dem bauch wälzen - ich habe cäsar in seiner sturm-
> und drangzeit (wenn ich mit ihm alleine im gelände war)
> immer gedichte aufgesagt, möglichst lange balladen.

Ich finde es nicht lächerlich (aber rührend <g>). IMO hast Du aber nicht
durch Caesarens Ehrfurcht vor den (literarischen) Klassikern etwas
erreicht, sondern durch die dadurch erzwungene Ablenkung (für Dich) und
die ausgelöste Atmungskontrolle. Wer kennt nicht die Tips bei
Schluckauf: Mein Favorit ist 27 x 39 im Kopf zu rechnen - wenn man damit
fertig ist, ist der Schluckauf auch weg...

> zu cäsar dem tyrannen schlich, das pferd
> mit dem dolch im gewande....

LOL - das muß ja geklungenhaben ;-) .

> kaida musste den erlkönig in der halle lernen,
> wenn wir allein waren.

Weia - als Reiter finde ich gerade den Erlkönig etwas arg düster ;-)

CU

Steff

Anke Spix

unread,
Apr 7, 2001, 10:28:48 AM4/7/01
to
>Was allerdings IMHO nichts
> mit Adel zu tun haben muss ;-))
>
>
> "Adel" ist entschieden durch bewegliches und initiatives Verhalten
> gekennzeichnet - das genaue Gegenteil von "wenig Nervenstärke".

Wer sagt das? Blendinger? Dann hat er wirklich manche Begriffe voellig
anders definiert als andere Leute.

> Sensibilität und Mut/Initiative sind sogar eine ideale Kombination,
> besonders wenn sie mit Intelligenz und Vertrauen zum Reiter gepaart sind.

Das bestreite ich ja nicht. Ist ja schoen, wenn man sowas hat.

> Es ist zu unterscheiden ob ein Pferd vor einer Kleinigkeit in einer
> "unklaren" Situation erschrickt (Sensibilität; Reaktionsbereitschaft!) und
> dann normal reagiert, oder wirklich feige ist.

Ich dachte, du seiest gegen Vorverurteilungen? "Feige" ist auch eine.

Es wird schon einen Grund
> gehabt haben weshalb in früheren Jahrhunderten Pferde mit arabischem Blut
> als beste Kriegspferde galten. Ich weiss weshalb!

So? Ich nicht - eins von meinen ist so, die anderen leider alle nicht,
die haben mehr Sensibilitaet als Mut (wasauchimmerdasist) und reagieren
eben in unvertrauten Situationen oft sehr unsicher. Und Catjas Herr
von-und-zu-auf-und-davon (nette Bezeichnung, Beate! Catja, nicht
aergern...) auch nicht, obwohl auch das englische Vollblut fuer diese
Kombination beruehmt ist. Es gibt mindestens genauso viele Araber-und
Vollblutkreuzungen mit "schlechten Nerven" wie mit guten.
>
Gruss,

Anke

+ die Unsicheren, die jeden Adel, auch den arabischen, verleugnen
wuerden, wenn die Kobolde im Gebuesch hocken

Anke Spix

unread,
Apr 7, 2001, 5:03:03 PM4/7/01
to
Peter Sev <pete...@web.de> wrote:

Hallo, Peter!


>
> > > Erstmal kurz treibend eingesessen, dann ganz leichte, weiche
> einseitige > > Zügelanzüge mit tiefer Hand zur Seite heraus ausgeführt -
> nach rechts, > > dabei linken Zügel komplett freigeben, nach links, dabei
> rechten Zügel > > komplett freigeben (leicht zu lesen, aber schwierig in
> der Ausführung). > > Pferdi war nach ein paar dieser Manöver ganz ruhig,
> Kopf unten, die Tritte > > wurden wieder länger. >

> Muss ich mir mal merken :-)
>
> Merken wie - im positiven oder negativen Sinne?
>
> Sollte Dein Zeiger in Richtung positiv pendeln, werfe ich an dieser Stelle
> schon mal ein, daß hier ein klassisches Beispiel einer Methode geschildert
> wurde, die Du in Deinem letzten Beitrag zum Thema "Join up und so"
> kategorisch abgelehnt hast.

Diese Deine nachfolgende Interpretation dessen, was Beates
"Pferdemensch" gemacht hat, und, vor allem, warum, kann genauso gut von
ihm so gemeint sein, wie sie auch ganz anders haette gemeint sein
koennen - Beate hat ueber die Hintergruende seines Tuns nicht viel
angegeben.

Lediglich folgendes:

> Kommentar des Reiters:"Da schau, sie ist nur am Warten was-kommt-jetzt.
> Die kann sich gar nicht vorstellen, daß ich überhaupt nichts von ihr will!

> > > > Macht nichts, das begreift sie schon noch!"

und:

> Zusammenfassende Diagnose in etwa: das ganze Pferd steckt voller

> Unsicherheit, daraus baut sich die Spannung auf. Ein Reiter, der zu der


> sich hochschaukelnden allgemeinen Reizüberflutung seinerseits noch
> beiträgt durch permanente Hilfengebung, kann damit ziemlich sicher den
> Effekt auslösen, daß das Pferd 'auf Durchzug' schaltet und abgeht.
>

...
Peter Sev schrieb:

> Hat er dadurch eventuell auch das Vertrauen eines Pferdes gewonnen, daß
> diesen Menschen bisher noch nie (oder wenig) auf dem Rücken hatte?
> Verliert es durch dieses Vertrauen einen Teil seiner Unsicherheit? Nach
> Deinen bisherigen Ausführungen nicht, da für Vertrauen Respekt
> erforderlich ist. Und den bekommt man - wiederum nach Deinen Ausführungen
> - nur in Zusammenarbeit mit dem Pferd über einen längeren Zeitraum (was ja
> bei dem Mann nicht der Fall gewesen war).

Da hast du anscheinend ein bisschen zu schnell gelesen - ich schrieb,
das Respekt aus Vertrauen erwaechst.
Im Grunde koennte ich ebenso eine Kette angeben: Sicherheit vermitteln
-> daraus erwaechst Vertrauen -> Vertrauen plus Konsequenz in
Alltagsdingen -> daraus erwaechst Respekt. Respekt und Vertrauen bilden
wiederum die Basis dafuer, dass ein so fertig erzogenes und
selbstsicheres Pferd eben auch mal die Fuehrung uebernehmen darf, wenn
klar ist, dass das Pferd es besser kann.
Bei Beates Pferd war nicht mal die Grundvoraussetzung gegeben, dass
Beate ihr haette Sicherheit vermitteln koennen - das geht hier nicht
gegen beate, weil sie um die Motive ihres Pferdes ja nicht wusste und
selber ohnehin schon Erfahrungen gemacht hat, die sie geaengstigt haben.
Und der Mann hat, zumindest meinem Eindruck nach, keineswegs gemeint,
mit diesem seinem Eingreifen sei das Problem nun geloest. Er hat Beate
einen Weg gezeigt, wie sie mit dem Pferd arbeiten kann und wie sie es
besser verstehen kann, machen muss sie es jetzt selber.

Interessant finde ich, dass er die Ursache in Reizueberflutung sieht -
waere ja durchaus nachvollziehbar und wuerde das Verhalten vieler Pferde
erklaeren, die aus ihrer gewohnten Umgebung heraus kommen.
Geuebte Pferde werden vermutlich etliche Reize ausblenden, so wie auch
ein Autofahrer alles, was nicht fuer die Fahrtsicherheit erforderlich
ist, ausblendet, ungeuebte werden viel mehr wahrnehmen.
Zudem unterscheiden ja Pferde nur zwischen den Hauptkategorien "kenne
ich - ist ungefaehrlich", "kenne ich - ist gefaehrlich" und "kenne ich
nicht - ist im Zweifelsfalle gefaehrlich". Je weniger sie kennenlernen -
und im vertrauten Raum ists numal immer weniger, wenn dieser sich auf
Hof und Halle beschraenkt - desto eher sind sie zur Flucht geneigt, je
weniger sie Vertrauen haben, desto weniger wollen sie glauben, dass das
unbekannte Objekt harmlos ist.
Je mehr unbekannte Objekte sie auf einer Tour sehen, desto naeher rueckt
eine reizueberflutung, wobei ich inzwischen nur zu gut weiss, dass
Pferde dann sehr zu unkontrollierbarer Panik neigen.
Was letztendlich der Tropfen ist, der das Fass zum Ueberlaufen bringt,
ist dann unbedeutend, und je nach Nervenkostuem kann das sogar von Tag
zu Tag wechseln.
Und wenn sie sich dazu in ihre Angst und Erregung hineinsteigern, wird
oft ein Teufelskreis ausgeloest.
IMHO hat der Mann diesen Teufelskreis durchbrochen, indem er keine
Forderungen gestellt hat, sodass das Pferd erst mal Ruhe hatte, sich mit
der Situation zu befassen, er hat ihm Sicherheit vermittelt, indem er
selber ruhig geblieben ist, die Stute hat zumindest ein wenig Vertrauen
gefasst und somit konnte die angsteinfloesende Situation entschaerft
werden.
Wobei ich eben die seitlichen Biegungen des Halses deswegen interessant
fand, weil sie die angststarre Haltung aufloesen koennen. Und mit der
Aufloesung der Starre ist schonmal ein Anfang fuer eine De-Eskalation
da.
Und er hat dann nicht noch stundenlang weitergemacht, sondern bald
aufgehort, um ihr Aufnahmevermoegen nicht zu ueberfordern.

Aber letztendlich wissen wir nicht genau, warum er genau das gemacht hat
- es sei denn, wir wuerden ihn selber fragen.
Weswegen sich eigentlich eine Diskussion ueber die Hintergruende
eruebrigt.
Nicht *was* jemand macht, ist entscheidend, sondern *wie* und *warum*.

Gruss,

Anke,

die wieder mal was dazugelernt hat - aber nicht von Peter Sev ;-))

+ Peter Pan,

der vermutlich in Zukunft davon profitieren wird


Beate M. Au

unread,
Apr 7, 2001, 4:15:02 PM4/7/01
to
Hi Reinhild,

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag

news:3acdf78c$0$23...@SSP1NO25.highway.telekom.at...


>
> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 9air8r$566a0$3...@ID-60779.news.dfncis.de...
>

> es klingt nach westernreiter.

Volltreffer! Gelernter Rennreiter und dann - wg. zu groß und ewigen
Gewichtsproblemen - auf's Westernreiten umgestiegen. Wer bei Dysli gelernt
hat, kann ziemlich sicher was...

> > Letzter Kommentar war: "so, das machst du jetzt ein paar Wochen mit ihr,
> und
> > dann kannst du deinen Picknickkorb mitnehmen und auf der Kruppe Tisch
> > decken... Ist ein Traumpferd!"
>
> der trainer hat auch dir das vertrauen zurückgegeben, ich bewundere ihn.

:-)))


> > finde diese Vorgehensweise aber so ausgefallen
>
> das finde ich gar nicht. ich finde sie so absolut logisch.

Interessiert mich auf jeden Fall, ich möchte das weiter vertiefen. Der
ewigen Kämpfe gegen unwillige Pferde überdrüssig...

Liebe Grüße
Beate

Beate M. Au

unread,
Apr 7, 2001, 3:44:55 PM4/7/01
to
Hallo Anke,

"Anke Spix" <Anke...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
news:1erg46q.jq...@pd9042f06.dip.t-dialin.net...


> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> wrote:
>
> > Erstmal kurz treibend eingesessen, dann ganz leichte, weiche einseitige
> > Zügelanzüge mit tiefer Hand zur Seite heraus ausgeführt - nach rechts,
> > dabei linken Zügel komplett freigeben, nach links, dabei rechten Zügel
> > komplett freigeben (leicht zu lesen, aber schwierig in der Ausführung).

> Muss ich mir mal merken :-)

Probier's vielleicht erstmal auf dem Platz, denn die Übung hat's in sich!
Als Englischreiter ist der Griff nach dem 2. Zügel schon so instinktiv in
Fleisch und Blut übergegangen, daß es ungeheure bewußte Überwindung kostet,
ihn loszulassen!

Da muß ich auch noch etwas weiter ausholen: das ist eine der Basisübungen im
Westernreiten, die dazu benutzt wird, das Pferd 'weich' zu machen, d.h. sein
Gleichgewicht selber zu finden und nicht auf der Hand zu liegen: man nehme
im Schritt einen Zügel seitlich kurz, *ohne* mit dem Sitz irgendwie zu
helfen, einfach gerade sitzenbleiben. Das Pferd muß auf diese Weise auf
einer Volte übertreten und sich selber ausbalancieren und wird nach einiger
Zeit sehr weich im Maul gegenüber seitlicher Einwirkung. Es gewinnt auch
unglaublich an Koordinationsfähigkeit sämtlcher Beine. Der Gegeneffekt ist
natürlich der, daß die Hinterhand wegschwimmt, das ist aber in dem
Zusammenhang uninteressant. Wer runde Kurven reiten will, muß sowieso den
äußeren Schenkel zuhilfe nehmen - spätestens dann, wenn er diese Übung ein
paarmal mit seinem Pferd gemacht hat. :-)

Jedenfalls üben wir das schon seit ein paar Wochen, sodaß dem Pferd das
prinzipiell schon vertraut war. In disem Fall, beim Ausritt, wurde aber nur
jeweilige Stellung abgerufen, kein Übertreten. Ich kann nicht sagen, was ein
Pferd daraus macht, das damit nicht vertraut ist.
Wenn's der Reiter nicht richtig beherrscht und den jeweiligen Außenzügel
nicht losläßt, entsteht der gegenteilige Effekt - das Pferd ist durch beide
Zügel gleichzeitig begrenzt und kriegt Platzangst - das konnte ich gerade
persönlich austesten.

> Das haett ich auch gern gesehen :-)) Ich wuerde aber lieber
> Notfalltropfen nehmen als Knieweich trinken - weiche Knie duerftest Du
> sowieso haben :-))

Ich verrate bei Gelegenheit, was ich genommen habe.. ;-)

Liebe Grüße
Beate

Beate M. Au

unread,
Apr 7, 2001, 4:08:13 PM4/7/01
to
Hallo Peter,
irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, daß ihr beide aneinander
vorbeiredet.

"Peter Sev" <pete...@web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:9albb0$op2$1...@news.netcologne.de...


>
> > > Erstmal kurz treibend eingesessen, dann ganz leichte, weiche
einseitige
> > > Zügelanzüge mit tiefer Hand zur Seite heraus ausgeführt - nach rechts,
> > > dabei linken Zügel komplett freigeben, nach links, dabei rechten Zügel
>

> Merken wie - im positiven oder negativen Sinne?

Also, wer Anke etwas länger schriftlich kennt, für den stellt sich die Frage
eigentlich nicht...

Sorry, mir scheint, du wirfst join up und reiten durcheinander.

> Zur Erläuterung:
> Der Trainer saß auf einem Pferd (offensichtlich zum ersten mal), dessen
> Unsicherheit sich durch Fehlverhalten der Menschen, die sich vorher mit
ihm
> beschäftigt hatten, gesteigert hatte.

Das ist zwar vollkommen richtig, ich muß aber mal kurz darauf hinweisen, daß
dieses Pferd samt Reiterin (die Andere, die sehr viel mit ihr draußen war)
ganz locker Ausbildungsstand A draufhat. Die Crux dabei ist, daß in der
englischen Reitweise Geländereiten genau in der Form gelehrt wird:
permanentes Spielen mit dem Zügel, das Pferd hat immer auf den Reiter
konzentriert zu sein, der deswegen permanent am Ackern ist... bloß das die
meisten Pferde davon nicht ruhiger werden, weil sie einfach zuwenig
Gelegenheit kriegen, sich umzusehen - sofern sie das eben wollen und nicht
eh schon nur noch in Habacht-Stellung gehen, so wie dieses Pferd.

> Hierbei ignoriert das Pferd komplett, daß es jemanden auf sich zu sitzen
> hat,

aufgrund der bisher erlebten praktizierten Reizüberflutung

> zumal derjenige das Pferd wahrscheinlich bisher nicht so oft zu Gesicht
> bekommen hat; also bisher gar nicht die Zeit und die Möglichkeiten hatte,
> den von Dir so oft zitierten und gewünschten Respekt aufzubauen.

Nein, ganz nebenbei: er *kann* auch reiten, was viele Join-upper nicht
unbedingt können. Kleiner, aber feiner Unterschied!

> Dann:
> Er steuert gegen die Unsicherheit des Pferdes; einer Unsicherheit, einer
> Angst, die vorhanden ist, und die er dem Pferd nehmen will.
> Zuerst gewinnt er dafür die Aufmerksamkeit des Pferdes auf sich selbst,
> bringt es dazu, sich auf ihn zu konzentrieren.

Und wie macht er das? Durch das gezielte Einsetzen des *Sitzes*, treibend,
bzw. viel öfter bremsend. Anders ausgedrückt: jemand, der ohne Zügelgebrauch
ein Pferd durchparieren kann, das noch dazu in einer anderen Reitweise
ausgebildet ist, dürfte erheblich mehr Kompetenz auch in seiner Kehrseite
haben als viele andere Leute in diversen anderen Bereichen.

> in Form der Zügelanzüge. Und da das Pferd diese Übung ausführt, hat er
> auch noch - nur so "nebenbei" - die Akzeptanz des Pferdes gewonnen.
> Denn es gibt seinen Kopf und lehnt sich nicht dagegen auf.

Auch das klingt sehr leicht, erfordert aber Einiges an Praxis, damit der
gewünschte Effekt auch eintritt.

> Hat er dadurch eventuell auch das Vertrauen eines Pferdes gewonnen,
> daß diesen Menschen bisher noch nie (oder wenig) auf dem Rücken
> hatte? Verliert es durch dieses Vertrauen einen Teil seiner Unsicherheit?

In diesem Fall saß ein sehr guter Reiter auf dem Rücken, und das die
gemeinhin kaum Probleme mit irgendwelchen Pferden haben, ist hinlänglich
bekannt. Gut geritten ist schon gewonnen... :-)

> Nach Deinen bisherigen Ausführungen nicht, da für Vertrauen Respekt
> erforderlich ist. Und den bekommt man - wiederum nach Deinen
Ausführungen -
> nur
> in Zusammenarbeit mit dem Pferd über einen längeren Zeitraum (was ja bei
> dem Mann nicht der Fall gewesen war).

> Oder hat er bei dem Pferd evtl. nur die Emotion Unsicherheit und Angst
> unterdrückt, und
> Beate muß nun aufpassen, daß diese unterdrückten Emotionen nicht
> später in geballter Ladung ausbrechen? Auch etwas, was Du bisher
> beschrieben hast.

Sag mal, stellst du dich nur so oder ist das dein Ernst? Manchmal frage ich
mich wirklich...

> Egal was es ist - er hat zumindestens ein ruhiges Pferd gewonnen.

Kannst du mir jetzt bitte nochmal, so ganz langsam und zum Mitschreiben für
die Kleinen, erklären, was *wirklich gutes Reiten* mit join up zu tun hat?
Keine Idee...

CU
Beate

Beate M. Au

unread,
Apr 7, 2001, 3:22:47 PM4/7/01
to
Hi Karin,

"Karin Mertens" <Terr...@yahoo.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3ACD68C9...@yahoo.de...

> hört sich ja so an, als ob der gute Mensch richtigen Pferdeverstand hat.
> Glückwunsch, daß Du so jemanden gefunden hast! :)

Entgegen vieler böswilliger Kommentare - meist von männlicher Seite (scnr)
;-) - ist ratschen auch eine Reitertugend... in Bayern sagt man "man muß
halt reden mit die Leut!" Dann erfährt man auch mal was...

(Kommt der auch mal in meine Gegend?)
Wo wohnst du denn?

> und Pferd viel und laut beidseitig auf den Hals geklopft und viel mit ihm
> geredet.

> Karin - freut sich schon darauf, Spaziergänger zu amüsieren, indem
sie auf
> einem stehenden Pferd sitzt und ihm ständig erzählt, daß er ein toller,
braver
> und ganz mutiger Kerl ist

Davor hatte er eindringlich gewarnt - er meinte nämlich, der Reiter beruhigt
sich selber damit, und zwar solange, bis er hinter jeder Pferdereaktion
sicher zurückbleibt. Während das Pferd sich dadurch eher belästigt fühlt...
Interessant, gell? Völlig neue Erkenntnisse!

CU
Beate


Beate M. Au

unread,
Apr 7, 2001, 3:14:57 PM4/7/01
to
Hi Reinhild,

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag

news:3acdf2fb$0$19...@SSP1NO25.highway.telekom.at...


>
> Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 9air8p$566a0$1...@ID-60779.news.dfncis.de...
>
>

> in der nächsten zeit viel, viel über. ich könnte dich im moment als
> begleitperson mit cäsar gut brauchen, grins....falls schrittgehen nicht zu
> fad für dich wäre....

Ähem - irgendwie scheint bei uns die nächste Zeit im Gelände genau das
angesagt zu sein - und was heißt da langweilig! Viele Leute wundern sich,
wenn ich sage, ich gehe *gerne* mit dem Pferd spazieren... :-) Das tue ich
wirklich, kein Witz! Und wenn man immerhin schonmal draufsitzt, ist doch
schon ne Steigerung... Trab-Reprisen wird's dann auch erst abgezählt
geben - 10 Tritte - 15 Tritte - wer die Nerven nicht aufbringt, ist
fehlbesetzt... :-)

> ja, gelogen sollte nicht werden, das hasse ich auch.

Verschweigen ist nicht gelogen und trotzdem und unfair...


> wieder belastbar ist und ihr beide mit ihr arbeitet,

Nummer 2 ist bis auf weiteres ausgefallen, hat sich anscheinend bei dem
Sturz die lädierten Bandscheiben wieder so gestaucht, daß sie auch mit
Spritzen und Tabletten nicht schmerzfrei ist... :-(((

sein, wenn man glaubt man kann das auch alleine. ausserdem sind die

Es ist die Frage, wieviel man auf das Pferd eingehen kann. Betrachtet man
das Ganze als gemeinsames Happening, macht man kaum was kaputt. Mir graust's
bloß immer vor den Leuten, die das stur nach Schema F einsetzen, auch wenn
das Pferd schon x-mal die weiße Fahne gehißt hat, wird weitergemacht....

> kommt drauf an mit welchem pferd - kaida z.b. kann noch keine seitengänge
> vom boden aus (d.h., sie kann das überhaupt noch nicht). das lass ich
einen
> profi ausprobieren, denn sie lehnt sich total über die oberste
> baender-absperrung des vierecks und droht diese zu zerreissen.

Verdutzt kuck - ich mach das *ohne* Absperrung ?! Tritt für Tritt - loben -
fertig!? Am ersten Tag drei Tritte auf jeder Hand, nicht mehr? Vielleicht
fällt Kaida die Biegung einfach sehr schwer, sodaß sie Platzangst kriegt?

Schnief - es grüßen fishermen's friends...

Liebe Grüße
Beate


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 8, 2001, 5:16:20 AM4/8/01
to

Stefan "Steff" Knoll <stefan...@t-online.de> schrieb in im Newsbeitrag:

hallo steff,

> Ich finde es nicht lächerlich (aber rührend <g>). IMO hast Du aber nicht
> durch Caesarens Ehrfurcht vor den (literarischen) Klassikern etwas
> erreicht, sondern durch die dadurch erzwungene Ablenkung (für Dich) und
> die ausgelöste Atmungskontrolle. Wer kennt nicht die Tips bei
> Schluckauf: Mein Favorit ist 27 x 39 im Kopf zu rechnen - wenn man damit
> fertig ist, ist der Schluckauf auch weg...

kopfrechnen liegt mir einfach nicht - bei den balladen tue ich mir leichter.

> LOL - das muß ja geklungenhaben ;-) .

er wackelte interessiert mit den ohren, wirklich.


>
> Weia - als Reiter finde ich gerade den Erlkönig etwas arg düster ;-)

nicht, wenn du den erlkönig (so wie ich) schon mehrmals umgedichtet hättest:
"kaida, was birgst du so bang dein gesicht, siehst frauchen du den
mesohippus nicht? den mesohippus mit wallendem schweif - kaida, das ist ein
nebelstreif".
auch mein chef war schon einmal das opfer des erlkönigs ("gib her das
projekt, sonst wirst du nicht alt, und bist du nicht willig, so brauch ich
gewalt...")

was hältst du übrigens von "zum kampf um fussballmeisterschaft, die
freundschaft unter ländern schafft, weil im stadion sie froh vereint, zog
charly s...., der fussballfreund.....")

deswegen kann ich einige der klassischen balladen noch immer auswenig...

liebe gruesse,
reinhild


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 8, 2001, 5:28:22 AM4/8/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9ao13r$69763$1...@ID-60779.news.dfncis.de...

hallo beate,

> Ähem - irgendwie scheint bei uns die nächste Zeit im Gelände genau das
> angesagt zu sein - und was heißt da langweilig! Viele Leute wundern sich,
> wenn ich sage, ich gehe *gerne* mit dem Pferd spazieren... :-) Das tue ich
> wirklich, kein Witz! Und wenn man immerhin schonmal draufsitzt, ist doch
> schon ne Steigerung... Trab-Reprisen wird's dann auch erst abgezählt
> geben - 10 Tritte - 15 Tritte - wer die Nerven nicht aufbringt, ist
> fehlbesetzt... :-)

ja, so spielt sich das mit kaida im moment auch ab. sie ist zwar recht brav,
aber ich möchte mir das gerne bewahren. deshalb gehe das geländereiten so
langsam an. getrabt oder galoppiert wird erst in ein zwei monaten, wenn
kaida sich an das gelände spielerisch gewöhnt hat. im moment geht immer ein
"kindermädchen", sprich ein ruhiges pferd, mit.

> Nummer 2 ist bis auf weiteres ausgefallen, hat sich anscheinend bei dem
> Sturz die lädierten Bandscheiben wieder so gestaucht, daß sie auch mit
> Spritzen und Tabletten nicht schmerzfrei ist... :-(((

oh je, sie tut mir leid, hoffentlich helfen ihr die behandlungen doch.

>>. Mir graust's
> bloß immer vor den Leuten, die das stur nach Schema F einsetzen, auch wenn
> das Pferd schon x-mal die weiße Fahne gehißt hat, wird weitergemacht....

du meinst, man muss erkennen wenn die "massnahmen" nicht mehr nötig sind?
ja, dazu gehört aber einiges selbstvertrauen. zugegeben, mit einem
"unbeleckten" pferd geht es leichter als mit einem verdorbenen.


>
> Verdutzt kuck - ich mach das *ohne* Absperrung ?! Tritt für Tritt -

oben -
> fertig!? Am ersten Tag drei Tritte auf jeder Hand, nicht mehr? Vielleicht
> fällt Kaida die Biegung einfach sehr schwer, sodaß sie Platzangst kriegt?

ja, sicher, kaida ist noch ein baby. cäsar kann das schon sehr gut.


>
> Schnief - es grüßen fishermen's friends...

nicht schnief ..... der frühling kommt auch wenn es heute noch regnet und
kaida´s unterrichtsstunde ins wasser gefallen ist.

liebe gruesse,
reinhild


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 8, 2001, 5:30:22 AM4/8/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:
9ao13s$69763$2...@ID-60779.news.dfncis.de...

hallo beate,

> Davor hatte er eindringlich gewarnt - er meinte nämlich, der Reiter
beruhigt
> sich selber damit, und zwar solange, bis er hinter jeder Pferdereaktion
> sicher zurückbleibt. Während das Pferd sich dadurch eher belästigt
fühlt...
> Interessant, gell? Völlig neue Erkenntnisse!

du meinst, kaida könnte den Erlkönig als belästigung empfinden? so wie
unwillige hauptschüler? schnief....

gruss,
reinhild


Reinhild Nürnberger

unread,
Apr 8, 2001, 5:37:29 AM4/8/01
to

Beate M. Au <beat...@surfeu.de> schrieb in im Newsbeitrag:

hallo beate,

> Interessiert mich auf jeden Fall, ich möchte das weiter vertiefen. Der
> ewigen Kämpfe gegen unwillige Pferde überdrüssig...

du solltest reinhard mantler aus wolfern bei steyr oder seine leute sehen.
sie machen aus "unreitbaren" pferden solche, die sie in der halle und auf
dem platz ohne zaumzeug reiten. meine freundin und ich machen nächstes jahr
einen kurs dort mit unseren pferden und freuen uns schon sehr.

liebe gruesse,
reinhild

Birgitt Giessler

unread,
Apr 8, 2001, 8:48:47 AM4/8/01
to

"Reinhild Nürnberger" <nuern...@aon.at> schrieb im Newsbeitrag
news:3ad02d23$0$20...@SSP1NO25.highway.telekom.at...

Hallo Reinhild!

> > Davor hatte er eindringlich gewarnt - er meinte nämlich, der Reiter
> beruhigt
> > sich selber damit, und zwar solange, bis er hinter jeder Pferdereaktion
> > sicher zurückbleibt. Während das Pferd sich dadurch eher belästigt
> fühlt...
> > Interessant, gell? Völlig neue Erkenntnisse!
>
> du meinst, kaida könnte den Erlkönig als belästigung empfinden? so wie
> unwillige hauptschüler? schnief....

Ich glaube, das hat er nicht gemeint ;-)
Aber ich habe auch von meiner Rl gesagt bekommen, dass ich nicht grad dann
loben oder tätscheln soll, wenn _ich_ meine, es könnte kritisch werden...
dann mache ich das Pferd erst darauf aufmerksam, dass da vielleicht eine
Gefahr drohen könnte, weil der Reiter aus Pferdesicht unmotiviert handelt.
Also muss doch da was sein, was der besonderen Aufmerksamkeit bedarf...

Liebe Grüße,
Birgitt und ?Lümmel (der heute 31 würde) dem die Schlager der 70er und 80er
vertraut waren


Stefan Ungemach

unread,
Apr 8, 2001, 6:37:37 PM4/8/01
to
"Frank Mechelhoff" <fmec...@csksoftware.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3acd80a2$1...@netnews.web.de...

> "Aber nicht doch". Mir "Kontrollverlust" zu attestieren legt die Vermutung
nahe,
> dass Du wohl nicht viel gewohnt bist, vor allem keinen Widerspruch! Die
Nachteile

Ach was. Das Wort Kontrollverlust ist ganz leicht zu verstehen, naemlich
woertlich: Verlust der (Selbst-)Kontrolle. Genau das ist die - noch
wohlwollendste - Annahme, wenn jemand zu Beschimpfungen greift, weil ihm zur
Sache immer weniger einfaellt.

Und darueber taeuscht auch eine wortreiche Rechtfertigung, zwar voellig
offtopic, aber dafuer mit weitgepanntem Bogen ueber Fern-Charakterdiagnosen
von jammervollen Betrachtungen ueber "Herrenreiter" bis zum Beschwoeren
maennlicher Tugenden (au weia, Frank: da hat's einer aber noetig...<g>)
nicht weg. Mensch, das ist das Usenet: hier kann ein jeder nicht nur lesen,
was Du JETZT schreibst, sondern auch was Du GESTERN von Dir gegeben hast
(die Wechselfrequenz Deines jeweiligen Stils unterschreitet inzwischen
allerdings die Tagesgrenze) - und dieser immer hektischere Wechsel zwischen
Gepoebel und Pseudointellekt macht Dich vollends unglaubwuerdig.

Traurig ist das.

Stefan
--
--
Stefan Ungemach (www.ungemachdata.de)

"Die Intelligenz auf der Erde ist eine Konstante. Nur die Bevoelkerung
waechst..."


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