Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Hufrolle - Pferd verloren? (Goldwing)

83 views
Skip to first unread message

Monica Vignoli

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Hallo
Ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal für die vielen Antworten
bedanken!!!!!
Nun weiss man, was Goldwing wirklich hat: Hufrolle (?) am linken Vorderhuf.
Das wurde durch ein Röntgen bestätigt.
Goldi ist ein vierjähriger Vollblüter, der seit fast einem Jahr im
Schulbetrieb (!!!) geht.
Jetzt hat er diese Krankheit, und ich möchte Euch noch einmal bitten, mir zu
helfen, da ich ihn unbedingt aus dem Schulbetrieb retten will.
Was ist das ganz genau? Ich habe erfahren, dass er jetzt die nächsten vier
Wochen eine Spritzenkur machen muss, und wenn es bis dahin nicht besser
wird, muss er einen Nervenschnitt erleiden.
Hat jemand Erfahrung damit? Ich weiss nicht, was ich machen soll, denn der
Kleine verendet noch seelisch in der Schule, er hält den Trubel und die
doch für ihn recht harte Arbeit nicht aus.
Kann man diese Krankheit heilen? Was für Vor-/Nachteile hat ein solcher
Nervenschnitt? Hat er Chancen, je wieder schmerzfrei (ohne Nervenschnitt)
zu gehen? Und was würde das in etwa kosten? Wie ich bereits in der ersten
Nachricht erzählt habe, habe ich nur begrenzte Zahlungsmittel, und der Preis
des Pferdes wird sicher angeheizt werden, wenn die Betreiber merken, dass
ich ihn da unbedingt herausholen will, und da muss ich wissen, wieviel ich
für den Tierarzt/Hufschmied eventuell einkalkulieren muss.
Ich selbst würde ihn erst nach vollständiger Genesung wieder langsam an der
Longe bewegen und schliesslich wieder an das Reiten gewöhnen, wobei ich
nicht im Geringsten den großen Sport anstrebe, ich möchte lediglich ein
Paar schöne Stunden in der Woche mit ihm im Gelände oder auch in der Bahn
verbringen. Die übrige Zeit wäre er auf einer großen Koppel mit anderen
Pferden (jetzt steht er einsam in einer dunklen box).
Vielen Dank für Eure Hilfe!!!!!
Eure Moni (und Goldi)

Petra Ruttiger

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to

Monica Vignoli <a924...@unet.univie.ac.at> wrote

> Ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal für die vielen Antworten
> bedanken!!!!!
> Nun weiss man, was Goldwing wirklich hat: Hufrolle (?) am linken
Vorderhuf.

Oh je :-(

> Das wurde durch ein Röntgen bestätigt.
> Goldi ist ein vierjähriger Vollblüter, der seit fast einem Jahr im
> Schulbetrieb (!!!) geht.

Find ich auch nicht gut :-(

> Kann man diese Krankheit heilen?

Nein. Vielleicht verlangsamen - aber heilen leider nicht - und wenn er mit 4
schon lahm
geht dann sieht is nicht so berauschend aus.

>Was für Vor-/Nachteile hat ein solcher
> Nervenschnitt?

Meinst Du es waere moeglich dass Du Dich mal eine halbe Stunde mit dem
Tierarzt hinsetzt und alles besprichst ? Obwohl ich die Tatsache dass vei
einem 4-jaehrigen gleich ein Nervenschnitt gemacht werden soll ehrlich
gesagt etwas suspect finde (vielleicht solltest Du Di ueberlegen ob Du nicht
einen andewren Tierarzt fragst )

>Hat er Chancen, je wieder schmerzfrei (ohne Nervenschnitt)
> zu gehen?

Vielleicht - aber ob und auf welche Dauer ist schwer zu sagen. Ohne
Spezial-beschlag und
Medikamente ist das aber eher unwahrscheinlich (wenn es mit 4 scchon so
schlimm ist) und
sowohl die Medikamente als auch der Spezialbeschlag sind teuer.

> Und was würde das in etwa kosten?

Das musst Du wohl auch wieder mit einem Tierarzt durchsprechen - ich bin in
England - da sind
die Preise anders - aber eine Freundin von mir hat ein Pferd welches im
Herbst (mit 6 Jahren)
die gleiche Diagnose gehabt hat - und sie hat bis jetzt ca DM 6000
ausgegeben - alledings ohne
eine Operation oder Nervenschnitt.

Ihr Pferd geht meistens schmerzfrei ( 6 Tage die Woche ) und wegen der
staendigen Behandlung
wird es auch voraussichtlich nicht oder nur sehr langsam schlimmer - solange
die Medikamente und der Spezialbeschlag weiter gemacht werden.

>Wie ich bereits in der ersten
> Nachricht erzählt habe, habe ich nur begrenzte Zahlungsmittel, und der
Preis
> des Pferdes wird sicher angeheizt werden, wenn die Betreiber merken, dass
> ich ihn da unbedingt herausholen will,

Kann ich mir fast nicht vorstellen. Brutal gesagt hat ein 4-jaehriges Pferd
mit Hufrolle Schlachtwert oder knapp drueber.

>und da muss ich wissen, wieviel ich
> für den Tierarzt/Hufschmied eventuell einkalkulieren muss.

Das ist eben die Frage - ob Du es finanziell schaffst. Du solltest auch
drueber nachdenken dass
es durchaus moeglich ist dass Goldwing noch 20 Jahre leben wird - aber nicht
wieder belastbar sein wird. Schaffst Du es auch ein Pferd welches Du
vielleicht nicht reiten kannst die naechsten 20 Jahre mit teueren
Medikamenten und Eisen zu versorgen ?

> Ich selbst würde ihn erst nach vollständiger Genesung wieder langsam an
der
> Longe bewegen und schliesslich wieder an das Reiten gewöhnen, wobei ich
> nicht im Geringsten den großen Sport anstrebe, ich möchte lediglich ein
> Paar schöne Stunden in der Woche mit ihm im Gelände oder auch in der Bahn
> verbringen.

Hmmm - ich wuerde sagen sprich mal mit einem Tierarzt Deines Vertrauens -
ich weiss nicht wie schlimm die Huf-rolle ist aber ein paar Stunden ins
Gelaende
sollte fuer ein paar Jahre (oder vielleicht fuer 20 Jahre) durchaus moeglich
sein.

Allerdings bitte dran denken dass 4 jaerige Vollblueter im Gelaende keine
Anfaengerpferde sind (was nicht heissen soll dass Du ein Anfaenger bist !!!)

> Die übrige Zeit wäre er auf einer großen Koppel mit anderen
> Pferden (jetzt steht er einsam in einer dunklen box).

Also. Sprich mit einem Tierarzt.
Finde heraus was die fuer das Pferd wollen.
Frag einen Schmied nach Preisen fuer den Beschlag.
Setz Dich hin und rechne aus was Dich der Spass jeden Monat kosten wird -
addiere 40 - 50 %
zu Deinem Ergebnis - dann kommst Du so etwa hin .....

DANN - und nur wenn Du meinst Du kommst finanziell ueber die Runden - frag
halt mal was sie fuer
das Pferd wollen.

VIEL GLUECK !!!!

Petra

Bernd Schupp, Winnweiler, Germany

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Hallo,

zufällig habe ich deine Probleme gelesen.

Mein Tip: das Pferd gehört zum Pferdemetzger. Nicht vergessen: Ein Pferd
ist auch ein Nutztier.

Ein Nervenschnitt bedeutet auch für den Reiter des Pferdes Lebensgefahr!
Oder fährst Du mit deinem Auto; mit einem platten Reifen; auch 120 KM ?

Investiere das Geld in hungernde Kinder !

Mfg
Bernd Schupp

Monica Vignoli schrieb:
>
> Hallo


> Ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal für die vielen Antworten
> bedanken!!!!!
> Nun weiss man, was Goldwing wirklich hat: Hufrolle (?) am linken Vorderhuf.

> Das wurde durch ein Röntgen bestätigt.
> Goldi ist ein vierjähriger Vollblüter, der seit fast einem Jahr im
> Schulbetrieb (!!!) geht.

> Jetzt hat er diese Krankheit, und ich möchte Euch noch einmal bitten, mir zu
> helfen, da ich ihn unbedingt aus dem Schulbetrieb retten will.
> Was ist das ganz genau? Ich habe erfahren, dass er jetzt die nächsten vier
> Wochen eine Spritzenkur machen muss, und wenn es bis dahin nicht besser
> wird, muss er einen Nervenschnitt erleiden.
> Hat jemand Erfahrung damit? Ich weiss nicht, was ich machen soll, denn der
> Kleine verendet noch seelisch in der Schule, er hält den Trubel und die
> doch für ihn recht harte Arbeit nicht aus.

> Kann man diese Krankheit heilen? Was für Vor-/Nachteile hat ein solcher
> Nervenschnitt? Hat er Chancen, je wieder schmerzfrei (ohne Nervenschnitt)
> zu gehen? Und was würde das in etwa kosten? Wie ich bereits in der ersten


> Nachricht erzählt habe, habe ich nur begrenzte Zahlungsmittel, und der Preis
> des Pferdes wird sicher angeheizt werden, wenn die Betreiber merken, dass

> ich ihn da unbedingt herausholen will, und da muss ich wissen, wieviel ich


> für den Tierarzt/Hufschmied eventuell einkalkulieren muss.

> Ich selbst würde ihn erst nach vollständiger Genesung wieder langsam an der
> Longe bewegen und schliesslich wieder an das Reiten gewöhnen, wobei ich
> nicht im Geringsten den großen Sport anstrebe, ich möchte lediglich ein
> Paar schöne Stunden in der Woche mit ihm im Gelände oder auch in der Bahn

> verbringen. Die übrige Zeit wäre er auf einer großen Koppel mit anderen


> Pferden (jetzt steht er einsam in einer dunklen box).

berndschupp.vcf

Stefan Ungemach

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Hallo Bernd,

da hast Du was falsch verstanden: ein "plattes" Pferd ist kein
Aequivalent zu einem platten Autoreifen <g>

Insbesondere bedeutet ein Nervenschnitt bei Hufrollendiagnose zwar
vieles, aber keine "Lebensgefahr fuer den Reiter". Natuerlich muss mit
einem solchen Pferd sehr verantwortungsvoll umgegangen werden (kein
Springen, keine wilden Galopptouren auf unebenem Boden, korrektes
Reiten auf die Hinterhand etc. - BTW: der Turniereinsatz von
Nervenschnittpferden ist seit einigen Jahren verboten und fuehrt zu
hohen Disziplinarstrafen durch die FN), weil lediglich der
Warnindikator Schmerz ausgeschaltet wird (uebrigens nur lokal, und
auch nicht fuer immer, weil es i.d.R. nach einigen Jahren zu einer
Durchdringung der Nervenenden kommt - deshalb sind u.a. die Bedenken
von Petra bei einem 4-jaehrigen Pferd angebracht). Selbst wenn ein
solches Pferd jedoch aufgrund z.B. unebenen Bodens ins Stolpern kommen
wuerde, greift der Balancereflex schnell genug, um einen Unfall zu
verhindern - die Schmerzreaktion ist dafuer nicht erforderlich und im
Gegenteil u.U. sogar stoerend.

Einem schonenden Einsatz eines solchen Pferdes im Freizeitbereich
steht also nichts im Weg; es darf jedoch nicht ignoriert werden, dass
es immens wichtig ist, das Pferd nicht auf der Vorhand latschen zu
lassen. Inwieweit die Vorgeschichte (erst vier Jahre, schon 1 Jahr
Schulbetrieb) dies bzw. eine Ausbildung mit diesem Ziel gestattet, ist
bei akuter Hufrolle fraglich.

Gruss
Stefan

CATJA ALEXANDRA PAFORT

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Monika schrieb:

>Nun weiss man, was Goldwing wirklich hat: Hufrolle (?) am linken Vorderhuf.
>Das wurde durch ein Röntgen bestätigt.
>Goldi ist ein vierjähriger Vollblüter, der seit fast einem Jahr im
>Schulbetrieb (!!!) geht.

Da hab' ich tief schlucken muessen - meiner Meinung nach solltest Du die Finger
davon lassen. Und von dem Stall erst recht, den ein Reitlehrer, der
dreijaehrige Vollblueter als Schulpferde ankauft/einsetzt handelt nicht
verantwortungsbewusst, und nicht im Sinne von Mensch und Tier.

>Jetzt hat er diese Krankheit, und ich möchte Euch noch einmal bitten, mir zu
>helfen, da ich ihn unbedingt aus dem Schulbetrieb retten will.

Kannst Du Dir das leisten? Es gibt leider viele Pferde auf dieser Welt, die
'Rettung' noetig haetten - und Du kannst nicht alle retten. Anschaffungskosten
in diesem Fall sind minimal (Schlachtpreis - wenn er 'zum Schlachter soll'
koennen sie nicht mehr verlangen) - Haltung ist das selbe, wie bei einem
gesunden, einsetzbaren Pferd, und Tierarztkosten werden jede Menge auf Dich
zukommen. Ist das realistisch?

>Hat jemand Erfahrung damit? Ich weiss nicht, was ich machen soll, denn der
>Kleine verendet noch seelisch in der Schule, er hält den Trubel und die
>doch für ihn recht harte Arbeit nicht aus.

Nein, sonst haette er keine Hufrolle. Hufrolle ist eine
Ueberlastungserscheinung (na ja, stark vereinfacht) und tritt selten in so
jungem Alter auf. Das Problem wird sich stetig verschlechtern, was keine gute
Prognose fuer die Zukunft bietet - und oftmals sind solche Pferde auch fuer
andere arthritische Erkrankungen anfaellig.

>Ich selbst würde ihn erst nach vollständiger Genesung wieder langsam an der
>Longe bewegen und schliesslich wieder an das Reiten gewöhnen, wobei ich
>nicht im Geringsten den großen Sport anstrebe, ich möchte lediglich ein
>Paar schöne Stunden in der Woche mit ihm im Gelände oder auch in der Bahn
>verbringen. Die übrige Zeit wäre er auf einer großen Koppel mit anderen
>Pferden (jetzt steht er einsam in einer dunklen box).

Ich weiss, es klingt hart - aber warte, bis Du Dir die artgerechte Haltung
eines Pferdes wirklich leisten kannst. Und dann suche Dir ein Pferd das reitbar
ist, und mit dem Du Freude haben kannst.

Mir tut der Kleine leid.

Catja

Kati13898

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Hallo

Also ich würde das Pferd noch nicht ganz abschreiben. Ich kenne ein 7jähriges
Pferd, bei dem Hufrolle diagnostiziert wurde, wo lediglich größere Belastungen
wie Springen eingestellt werden sollten (laut TA). Ansonsten ist der ziemlich
fit und geht zum Teil auch auf Turnieren Dressur im L-Bereich. Ein anderer
Fall: ein Lipizzaner-Hengst, hat ebenfalls Hufrolle. Der ist zwar schon 20 aber
hat keine Probleme (kein Nervenschnitt) und wird Hohe-Schule geritten. Seit 2
Jahren wird er nun wirklich geschont, aber wegen seinem Alter nicht weil die
Füße nicht mehr wollen.

Ich würde mich mit dem TA beraten und noch einen zweiten TA zu Rate ziehen um
sicher zu gehen, was auf dich zukommen würde. Ich glaube, wenn das Pferd leicht
gearbeitet wird , dürfet die Hufrolle keine soo große "Rolle" spielen. Nur man
sollte sich immer dessen bewußt sein, was für ein Pferd man sich da gekauft
hat.

Zum Reitbetrieb: Da gebe ich meinem Vorredner vollkommen recht. Das gehört
eigentlich verboten, ein so junges Pferd ihm Schulbetrieb laufen zu lassen.
Leider ist das nicht der einzige Fall, den ich nun kenne.
Schon die Tatsache, daß man auf einem jungen Pferd was lernen soll, das selber
noch nichts kann ....

Gruß
Kathi

Jana Schwabe

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Hallo Moni,
soviel, wie ich weiss, gibt es verschiedene Arten von Nervenschnitten,
einmal spuert das Pferd wohl am gesamten Huf nichts mehr, bei der
anderen Form wird lediglich der Ballen "lahmgelegt", auf der Zehe
koennen sie dann noch spueren.
Wir haben bei einem Pferd diese letzte Art des Nervenschnittes
durchfuehren lassen. (vor 4 Jahren- er war damals 9 Jahre). Seither
laeuft mit Spezialbeschlag (Gummieinlagen), und man muss auf das Bein
mit dem Nervenschnitt natuerlich sehr genau aufpassen, da es ja auf dem
Ballen nix mehr spuert und demnach z.B. bei einer Verletzung sich nicht
schonen wuerde. Wir verwenden deshalb zum Reiten immer Sprungglocken
(ist das linke Vorderbein). Ansonsten, wie gesagt besonders den Ballen
kontrollieren und auf Puls im Bein achten. Dann bekommt er noch 1 bis 2
mal im Jahr eine besondere Mineralstoff?-kur, das ganze nennt sich
Alvitan Cartilago (was genau drin ist, muss ich nachschauen).
Dem Pferd gehts seither wieder gut, nur meinte unser Tierarzt: daß die
Hufrolle wohl auch auf dem anderen Bein durchschlagen koennte, davor
graut es uns.
Viel Glueck
Jana


mh

unread,
Jun 11, 1999, 3:00:00 AM6/11/99
to
Hallo Monika,

ich habe 13 Jahre lang ein Hufrollenpferd in
Pflege gehabt und auch geritten. Bei der
Stute begann es aus Bewegungsmangel, falscher
Reitweise und Stellungsfehler verursacht beim
Vorbesitzer. Es erfordert schon ein grosses
Mass an Tierliebe, Rücksichtnahme, Geduld und
nicht zuletzt reichlich Geld. Dann kann man
Glück haben und das Pferd einige Jahre noch
reiten. Es ist aber abhängig davon, wie stark
die Knochen bereits angegriffen sind. Im
Anfangsstadium lässt sich noch einiges
aufhalten. Im fortgeschrittenen würde ich es
nicht machen. Es ist zu aufwendig. Allerdings
würde ich mir auch niemals ein krankes Pferd
kaufen. Ein gesundes Pferd verursacht die
gleichen Unterhaltskosten und irgendwann
möchte man das Tier ja auch mal normal reiten
und nicht 20 Jahre mehr oder weniger nur
zusehen und sich immer wieder neu Sorgen
machen und unendlich viel Zeit investieren.
Denn nur auf der Wiese abstellen nützt auch
nichts, das Tier würde sich freiwillig unter
Umständen zu wenig bewegen, um den Schmerzen
auszuweichen. Und dann muss man auch in der
Lage sein, das Tier entsprechend dazu zu
bringen, sich zu bewegen, und das bei jedem
Wetter. Ich weiss wovon ich rede. Mir tat das
Tier auch leid und ich habs bis zum Schluss
durchgehalten, allerdings teilte ich mir die
Kosten mit den Vorbesitzern. Aber 13 Jahre
waren eine lange Zeit und irgendwann wird man
doch mal ungeduldig...
Zu den Kosten nur für die
Hufrollenerkrankung: der Spezialbeschlag
musste alle 6-8 Wochen erneuert werden und
kostetete je 200-230 DM.
Aufbauende Medikamente wie Muschelextrakt
verursachten monatlich je nach Bezugsquelle
80-180 DM
Eine zusätzliche Spritzenkur jährlich rund
1000 DM
Homöopathische Mittel für die Gelenke jährl.
ca. 300 DM
Dazu kommen Medikamente für den akuten Fall
wie Entzündungen durch Überlastung
verschiedenster Art
Die normale Stallmiete, Zusatzfutter,
Mineralfutter, Impfungen, Versicherung und
die ganz "normalen" ewigen Wehwehchen, die
der TA behandeln muss. Evtl. bekommt das
Pferd noch andere gesundheitliche Probleme
und dann ist man schnell bei hohen
monatlichen Belastungen. Was wird dann aus
dem Pferd, wenn das Geld nicht mehr reicht?
Ich meine, das Pferd ist besser dran, wenn es
irgendwann von seinen Problemen erlöst wird,
und Du, wenn Du Dir irgendwann, wenn es Dir
möglich ist, Dein Traumpferd kaufst.

Gruss Maria


Nina Loschmidt

unread,
Jun 12, 1999, 3:00:00 AM6/12/99
to
Liebe Monika!
Wir sind Newsgroup-Neulinge, und hoffen, dass wir Dir jetzt nicht was
schreiben, was Dir schon x andere geschrieben haben.
Hufrolle ist eine Abnützung des Strahlbein(knochens). Das heißt es ist
NICHT rückgängig zu machen bzw. zu heilen. Durch einen Nervenschnitt
wird nur das Symptom behandelt, nicht die Ursache.
Es werden im Hufbereich die Nervenstränge durchtrennt. Wie lange Dein
Pferd danach lahmfrei ist, hängt davon ab ob sich Nervenverwachsungen
bilden, und wie gut die Operation durchgeführt worden ist (einige
Jahre). Danach geht die Abnützung meist noch schneller, da das Pferd das
Bein ja nicht mehr schont. Die Nachbehandlung (zuerst vollkommen stehen,
dann wochenlang Schritt an der Hand führen) ist langwierig und sicher
auch fürs Pferd nicht angenehm.
Bei Deinem Pferd scheint die Hufrolle vererbt zu sein. Wir wollten auch
einmal so ein Pferd kaufen (auch 4jährig) -> Vererbte Hufrolle wie sich
bei der Ankunftsu. herausstellte,es war noch nicht lahm, doch der
Tierarzt (und mehrere andere die wir zu den Röntgenbildern befragt
haben) haben uns dringenst abgeraten !!
Weiter kenne ich einen Fall aus unserem Bekanntenkreis. Es wurde
operiert und dann nach einem 1/2 (wieder lahm) noch einmal. Sie haben es
danach ca. 1 Jahr nur auf der Weide stehen gehabt, und es war
schließlich wieder lahm und sie haben es einschläfern lassen müssen
Wir würden Dir dringend abraten, auch wenn es Dir leid tut.

Anke Spix

unread,
Jun 13, 1999, 3:00:00 AM6/13/99
to
Monica Vignoli <a924...@unet.univie.ac.at> wrote:

> Hallo
> Ich möchte mich an dieser Stelle erst einmal für die vielen Antworten
> bedanken!!!!!

> Nun weiss man, was Goldwing wirklich hat: Hufrolle (?) am linken Vorderhuf.
> Das wurde durch ein Röntgen bestätigt.
> Goldi ist ein vierjähriger Vollblüter, der seit fast einem Jahr im
> Schulbetrieb (!!!) geht.

> Jetzt hat er diese Krankheit, und ich möchte Euch noch einmal bitten, mir zu
> helfen, da ich ihn unbedingt aus dem Schulbetrieb retten will.

> Was ist das ganz genau?

Hufrollenentzündung ist zunächst einmal eine Sehnenscheidenentzündung,
und zwar dort, wo der Hufbeinknorpel (?) die tiefe Beugesehne von der
Hubeinunterfläche zur parallele von Fessel und Vorderröhre umlenkt.
Zwischen Hufbein und Sehne befindet sich ein Schleimbeutel, der diese
Stelle "schmiert", sodaß sie bei Bewegung nicht "heißläuft".
Ist dort eine Entzündung, so bilden sich Stoffe, die "klebrig" sind,
außerdem wird, sobald der Schleimbeutel mitbetroffen ist, die "Schmiere"
auch zäh und kann ihre Funktion so nicht mehr erfüllen. Bei längerem
Stehen "verbackt" die Sehne durch die klebrigen Stoffe (Fibrin), und
wird bei Bewegung "losgerissen". Dazu kommt, daß bei jeder Bewegung die
Sehne nun "ungeschmiert" über den Schleimbeutel gleitet, dabei
"schleißt", aber v.a. die Entzündung jedesmal neu anfacht, wodurch mehr
und mehr umgebende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden, zuletzt das
Hufbein und das Hufbein-Kronbeingelenk. Spätestens dann kann man es mit
Röntgenaufnahmen feststellen, weil die Konturen der Knochen durch die
ständige Entzündung ihre Schärfe verlieren, d.h. es bildet sich zu allem
anderen dazu noch zunächst ein Knorpelschaden und dann eine Arthrose.
Wenn es einmal so weit ist, ist es fast nicht mehr auszuheilen.
Es käme für eine Prognose also sehr auf das Stadium der Entwicklung an.
Aber selbst mit der bestmöglichen Behandlung (die meiner Meinung nach in
Akupunktur bestehen würde) ist das Pferd möglicherweise nie wieder oder
nur wenige Jahre belastbar, weil man, sobald das erste Stadium vorbei
ist, die Verschlimmerung nur noch verlangsamen oder einige Zeit
aufhalten kann, aber irgendwann greift dann nichts mehr. Und da Goldwing
ja noch so jung ist, gibt das in jedem fall wenigHoffnung. Wenn er schon
12 oder 14 wäre, könnte man ja sagen, na gut, noch ein paar Jahre, und
dann ist er sowieso langsam im Rentenalter, aber so?

Ich habe erfahren, dass er jetzt die nächsten vier
> Wochen eine Spritzenkur machen muss, und wenn es bis dahin nicht besser
> wird, muss er einen Nervenschnitt erleiden.

> Hat jemand Erfahrung damit? Ich weiss nicht, was ich machen soll, denn der
> Kleine verendet noch seelisch in der Schule, er hält den Trubel und die
> doch für ihn recht harte Arbeit nicht aus.

> Kann man diese Krankheit heilen?

s.o. Heilen kaum. Schmerzfreiheit und Verlangsamen weiterer
Verschlechterung für einige Zeit ist das Maximum - wobei völlig unsicher
ist, ob das gar nicht, für einige Wochen oder zehn Jahre erreicht werden
kann. Und nur unter der Voraussetzung von täglichem Weidegang, sehr
gutem, möglicherweise speziellem Beschlag und ständigen
Therapeutenkosten.

Was für Vor-/Nachteile hat ein solcher
> Nervenschnitt? Hat er Chancen, je wieder schmerzfrei (ohne Nervenschnitt)
> zu gehen?

Vorteil des Nervenschnittes ist, daß das Pferd in einem bestimmten
Hufbereich eben den Schmerz nicht mehr spürt, was ihm Erleichterung
verschafft, aber natürlich am Prozeß als solchem nichts ändert. Nachteil
ist, daß das Pferd beispielsweise eingetretene Fremdkörper nicht mehr
spürt, was auch sehr gefährlich werden kann, aber nicht so schlimm ist,
wenn man ein wenig aufpaßt. Die Trittsicherheit leidet nicht so sehr,
denke ich, die Pferde können sich größtenteils darauf einstellen. ABER:
Die Krankheit ist immer noch da, und bei gleicher Belastung wird sie
eben so lange fortschreiten, bis sie noch mit Nerven versorgte Bereiche
erreicht hat oder so schlim geworden ist, daß es allein von der Mechanik
her nicht mehr geht, und dann ist absolut nichts mehr zu machen. Hat
sich das Pferd vorher geschont, weil es Schmerzen hatte, tut es das nach
dem Nervenschnitt nicht mehr, was die Verschlechterung eher
beschleunigt.

Und was würde das in etwa kosten? Wie ich bereits in der ersten
> Nachricht erzählt habe, habe ich nur begrenzte Zahlungsmittel, und der Preis
> des Pferdes wird sicher angeheizt werden, wenn die Betreiber merken, dass
> ich ihn da unbedingt herausholen will, und da muss ich wissen, wieviel ich
> für den Tierarzt/Hufschmied eventuell einkalkulieren muss.

Das Pferd ist in diesem Zustand nicht mehr als seinen Schlachtpreis
wert.
Die Behandlung kann sehr teuer werden, je nachdem, was notwendig ist.
Ich weiß nicht, was eine "konventionelle" Threapie kosten würde,
Akupunktur könnte aber leicht 100,- bis 200,- DM monatlich ausmachen,
zumindest anfangs. Wenn Du Glück hast (im Regelfall), werden danach die
Besuche nicht mehr so oft nötig sein, aber das weiß man nicht. Besser,
zu hoch zu kalkulieren, als nachher zuwenig Geld zur Verfügung zu haben.
Ebenso viel kann ein spezieller Beschlag kosten, der dann auch
spätestens alle sehs Wochen erneuert werden müßte. Dazu kommen eventuell
noch Zusatzhilfsmittel wie Muschelextrakt o.ä., die auch nicht wenig
kosten.

> Ich selbst würde ihn erst nach vollständiger Genesung wieder langsam an der
> Longe bewegen und schliesslich wieder an das Reiten gewöhnen, wobei ich
> nicht im Geringsten den großen Sport anstrebe, ich möchte lediglich ein
> Paar schöne Stunden in der Woche mit ihm im Gelände oder auch in der Bahn
> verbringen. Die übrige Zeit wäre er auf einer großen Koppel mit anderen
> Pferden (jetzt steht er einsam in einer dunklen box).

Tja, bei allem Einsatz ist es möglich, daß Dir nicht einmal das gegönnt
sein könnte. Es kann so weit gutgehen, ich habe schon genügend "Wunder"
in meiner Praxis gesehen, um nicht rundweg sagen zu wollen, daß es
nichts werden kann. Aber genauso gut kannst Du mehrere sehr bittere
Jahre durchmachen, um am Ende trotz allem Kämpfen verloren zu haben -
und das wird umso bitterer werden, je enger Deine Beziehung zu Goldwing
wird.

> Vielen Dank für Eure Hilfe!!!!!

Ich fürchte, viel Hilfe war es nicht :-(

Mit tiefem Mitgefühl,

Anke

Volker König

unread,
Jun 15, 1999, 3:00:00 AM6/15/99
to
Hallochen Birgit!

Birgit Rydlewski schrieb:

> Wenn er mit vier schon an Hufrolle erkrankt ist, sind die Prognosen
> leider nicht sehr gut. Das muß übrigens nicht notwendigerweise am
> Schulbetrieb liegen. Hufrolle ist stark vererblich und kann leider
> schon bei einigen Jungpferden nachgewiesen werden, obwohl sie noch nie
> eine reiterliche Belastung hatten.

Hufrollentzündung scheint eine verbreitete Erbkrankheit zu sein. Eine Freundin
von uns hat ein Pferd, 8 Jahre, da auch seit einer Weil an der
Hufrollenentzündung leidet. Außerdem sind die Hufe "bröcklig", hält zur Zeit
keine Hufeisen und mit orthopädischen Hilfen läßt sich folglich nichts machen.

Ein Homöopath hat nun noch eine Belastungsrehe und eine Huflederhautentzündung
diagnostiziert, die der Tierarzt aber nicht bestätigt hat.

Das Pferd soll nun nicht mehr geritten werden, es soll aber wenigstens ein Leben
außerhalb der Box haben. Kann man die Symptome der Hufrollenentzündung irgendwie
so in den Griff kriegen, daß das Pferd wenigstens sich selbst halbwegs
schmerzfrei und ab un an mal einen Reiter tragen kann (Nervenschnitt kommt nicht
in Frage)?

> Ein Nervenschnitt ist sicherlich auch eine Möglichkeit, behandelt aber
> nicht das eigentliche Problem, sondern macht das Pferd "nur"
> schmerzfrei. Allerdings hält die Schmerzfreiheit zumeist nur einige
> Jahre, dann müßte der Nervenschnitt eventuell wiederholt werden.
> Heute wird der Nervenschnitt immerhin schon so gut ausgeführt, daß es
> nicht mehr zu einer völligen Gefühllosigkeit kommt, die auch zu
> Trittunsicherheiten führen würde.

Hinzu kommt, daß die Hufrollenentzündung eine degenerative Erkrankung wie Rheuma
beim Menschen ist. Der Schnitt führt dazu, daß das Pferd den Schmerz (der ein
Warnzeichen ist) nicht spürt und sich so bewegt, als wäre es gesund. Irgendwann
ist es verschlissen (im wahrsten Sinne des Wortes).

Grüße,
Volker.


Regina Geiger

unread,
Jun 17, 1999, 3:00:00 AM6/17/99
to

Stefan Ungemach wrote:
>
>
> Insbesondere bedeutet ein Nervenschnitt bei Hufrollendiagnose zwar
> vieles, aber keine "Lebensgefahr fuer den Reiter".

Hallo Stefan
- bist Du Dir da so sicher? Das Pferd hat kein Schmerzempfinden mehr
hat ist stolpern etc vorprogrammiert. Was glaubst Du, warum die Natur
den Schmerz entwickelt hat, als Schutzmechanismus fuer den Organismus?

>... lediglich der Warnindikator Schmerz ausgeschaltet wird (uebrigens nur lokal, und auch nicht fuer immer, weil es i.d.R. nach einigen Jahren zu einer Durchdringung der Nervenenden kommt -
-was heisst hier "lediglich"? Das ist ein massiver Eingriff in den
Organismus. Und mit Deiner optimistischen Meinung, dass nach ein paar
Jahren alles wieder paletti ist, stehst Du ziemlich allein. Der
Nervenstumpf waechst zwar, aber ungerichtet ins Gewebe hinein und wird
nie die original Funktion wieder aufnehmen koennen. Ausserdem weiss man
von Kriegsversehrten und andern amputierten Menschen, dass
Phantomschmerz was ganz widerliches ist. Vom medizinischen Standpunkt
her ist ein Nervenschnitt die aller-aller-allerletzte Alternative, weil
die Folgeprobleme sehr gross sind. "Ausschuhen" z.B. des Hufes sind
moeglich und ohne Huf kein Pferd. Also wo faengt der Tierschutz an und
wo hoert er auf?
Hufrolle-Patienten sind Dauerpatienten mit wenig Aussicht auf Nutzung.
Von einer Heilung spricht sowieso keiner. Daran aendert auch der
Nervenschnitt nichts.
Gruss Regina

Stefan Ungemach

unread,
Jun 17, 1999, 3:00:00 AM6/17/99
to
Regina Geiger <med...@wdt.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3768DBD0...@wdt.de...

Hallo Regina,

| > Insbesondere bedeutet ein Nervenschnitt bei Hufrollendiagnose zwar
| > vieles, aber keine "Lebensgefahr fuer den Reiter".
|

| - bist Du Dir da so sicher? Das Pferd hat kein Schmerzempfinden mehr
| hat ist stolpern etc vorprogrammiert.

| >... lediglich der Warnindikator Schmerz ausgeschaltet wird
(uebrigens nur lokal...


|
| was heisst hier "lediglich"? Das ist ein massiver Eingriff in den
| Organismus. Und mit Deiner optimistischen Meinung, dass nach ein
paar
| Jahren alles wieder paletti ist, stehst Du ziemlich allein.

"lediglich" heisst, dass ein Nervenschnitt keine Therapie darstellt,
sondern ein Symptom unterdrückt. Auf diesen Umstand und die daraus
entstehenden Konsequenzen habe ich deutlich hingewiesen; nirgends
hingegen behauptet, dass irgendwann "alles paletti" sei. Was also soll
der Quatsch?

Zentrale Aussage war auch nicht, dass man mit einem Nervenschnittpferd
wunder was anfangen koenne. Dem vehement zu widersprechen ist somit
voellig sinnlos. Nicht zuletzt in dem Wissen, dass die Frage zum Thema
Hufrolle rsp. Nervenschnitt eine ganze Sammlung an erlaeuternden
Beitraegen nach sich ziehen wuerde (was ja auch eingetroffen ist) und
es mehr als genuegend einschlaegige Fachliteratur hierzu gibt, habe
ich mir einen Aufsatz zu diesem Thema gespart und mir stattdessen
lieber den Aspekt "Lebensgefahr fuer den Reiter" herausgegriffen. Und
der ist in der Tat nicht besonders ernstzunehmen: bereits in meinem
von Dir zitierten Beitrag steht deutlich drin, dass ein Stolpern mit
Nervenschnitt zwar wahrscheinlicher wird, aber noch lange nicht zum
Sturz fuehrt.

Immerhin ist es bei einem jungen, noch nicht ausbalancierten und noch
wachsenden Pferd wahrscheinlicher, dass die Bewegungsroutine, die den
teilweisen Gefuehlsverlust kompensieren kann, noch nicht in dem
erforderlichen Mass gefestigt ist. Das hat der "Lebensgefahr"-Autor
aber so nicht differenziert, sondern pauschal von der Lebensgefahr
beim Reiten eines Nervenschnittpferdes fabuliert. Mir sind mehrere im
"Erwachsenenalter" mit Nervenschnitt behandelte Pferde bekannt, die
von ihren freizeitreitenden BesitzerInnen wie geschubst durch Wald und
Flur galoppiert werden ("der hat halt noch so einen Spass dran") -
worueber man sich seinen Teil denken mag -, ohne dass hierbei
irgendwelche Trittunsicherheiten zu beobachten waeren.

Dass ein Ausschuhen von Hufen direkte Konsequenz eines Nervenschnittes
sein kann, ist mir uebrigens voellig neu. Ich haette vermutet, dass
das Hufwachstum von der lokalen Bewegung des Hufmechanismus und vom
Stoffwechsel weitaus staerker als durch eine Reizleitung zum
Zentralnervensystem beeinflusst wird. Woher stammt die Information,
gibt es hierzu Quellen?

Gruss
Stefan
--
Stefan Ungemach ( www.ungemachdata.de/_Stefan_privat )

Regina Geiger

unread,
Jun 18, 1999, 3:00:00 AM6/18/99
to

Stefan Ungemach wrote:
>
> Regina Geiger <med...@wdt.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 3768DBD0...@wdt.de...
>
>

> "lediglich" heisst, dass ein Nervenschnitt keine Therapie darstellt,
> sondern ein Symptom unterdrückt. Auf diesen Umstand und die daraus
> entstehenden Konsequenzen habe ich deutlich hingewiesen; nirgends
> hingegen behauptet, dass irgendwann "alles paletti" sei.

_Vielleicht solltest Du dann mal Deine Wortwahl uberpruefen. Deine mail
klang durchaus als extreme Verharmlosung des ganzen. Im uebrigen kann
man Tage darueber diskutieren, welche Stuerze bei einem stolpernden
Pferd moeglich sind. Wir wissen doch gar nix ueber den Ausblindungsstand
des Pferdes und des Reiters. Und ein "Nervenschnittpferd" einfach einem
"Freizeitreiter" in die Hand zu druecken und zu sagen, der beansprucht
das Pferd ja nicht so, da passiert dann nix ist schon genug Leichtsinn.
Ich kenne Freizeitreiter, bei denen die Pferde x-mal mehr leisten als
bei den sogenannten Profis. Und im Gelaende kann allemal mehr passieren
fuer Reiter und Pferd als in der Bahn.

> lieber den Aspekt "Lebensgefahr fuer den Reiter" herausgegriffen. Und

> der ist in der Tat nicht besonders ernstzunehmen:......dass ein Stolpern mit Nervenschnitt zwar wahrscheinlicher wird, aber noch lange nicht zum Sturz fuehrt.
????? bist Du da so sicher?

Dass ein Ausschuhen von Hufen direkte Konsequenz eines Nervenschnittes
> sein kann, ist mir uebrigens voellig neu.

> gibt es hierzu Quellen?

- Frag mal diverse aeltere Pferdetieraerzte ueber Folgeschaeden.
(Im uebrigen bin ich uebers Wochenende nicht am PC und kann mich die
naechsten Tage nicht melden)
Gruss Regina

Stefan Ungemach

unread,
Jun 18, 1999, 3:00:00 AM6/18/99
to
Regina Geiger <med...@wdt.de> schrieb in im Newsbeitrag:
3769EC06...@wdt.de...

Hallo Regina.

| _Vielleicht solltest Du dann mal Deine Wortwahl uberpruefen. Deine
mail
| klang durchaus als extreme Verharmlosung des ganzen.

Im Zweifelsfall ist es keine schlechte Idee, sich zuerst auf das
tatsaechlich Geschriebene und nicht auf das zwischen den Zeilen
Vermutete/Befuerchtete/Erhoffte zu beziehen - das ist keine
Anforderung an die Wortwahl, sondern eine an das Lesen :-)

| > der ist in der Tat nicht besonders ernstzunehmen:......dass ein
Stolpern mit
| > Nervenschnitt zwar wahrscheinlicher wird, aber noch lange nicht
zum Sturz fuehrt.
| ????? bist Du da so sicher?

Ja. Immer unter der Voraussetzung, dass Selbsthaltung, Balance und
generelle Koordination hinreichend ausgebildet waren, bevor es zum
Nervenschnitt kommt; das habe ich bereits gesagt. Alle spaet
operierten Pferde, die mir bekannt sind, sind nach der Operation eher
noch trittsicherer geworden, weil ihnen eben nicht mehr bei jedem
Auftreten ein Schmerz durch den Fuss schiesst und sie somit
gleichmaessiger und weniger verspannt gehen koennen. An das
veraenderte Gefuehl beim Laufen scheinen sie sich somit ganz gut
gewoehnen zu koennen. Auf den Ruessel fallen hingegen vor allem junge
und/oder nicht an das Gelaende gewoehnte Pferde - und das bei voellig
intaktem Bewegungsapparat.

BTW: Mir ist sogar ein geschnittenes Freizeitpferd bekannt, welches
von seiner Reiterin wieder gesprungen wurde (was eine Schweinerei
ist). Photos belegen, daß sich die Vorderbeintechnik nicht nachteilig
veraendert hat. Der erlernte Bewegungsablauf ist also vollstaendig
erhalten geblieben (ganz abgesehen von der Trittsicherheit) -
mitnichten faellt der teilweise gefuehllosere Fuss jetzt irgendwie
unkontrolliert 'runter...

| > Dass ein Ausschuhen von Hufen direkte Konsequenz eines
Nervenschnittes

| > sein kann, ist mir uebrigens voellig neu. (...)


| > gibt es hierzu Quellen?
|
| - Frag mal diverse aeltere Pferdetieraerzte ueber Folgeschaeden.

Eigentlich hatte ich Dich gefragt - koenntest Du bitte einen der
"diversen aelteren Tieraerzte" namhaft machen, damit ich ihn unter
Bezugnahme auf Deine Aussage um eine Erklaerung des
Kausalzusammenhangs Hufrolle/Ausschuhen bitten kann?

Ansonsten verstehe ich unter "Quellen" was anderes - naemlich
Literaturfundstellen. Nicht zuletzt weil "aelter" fuer sich alleine
ein fragwuerdiges Qualitaetskriterium fuer einen TA ist; jedenfalls
nicht so gut fuer die Untermauerung einer Aussage geeignet wie eine
vernuenftige Begruendung und/oder eine nachvollziehbare Zahlenbasis.

Regina Geiger

unread,
Jun 18, 1999, 3:00:00 AM6/18/99
to

Stefan Ungemach wrote:
>
> Regina Geiger <med...@wdt.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 3769EC06...@wdt.de...

Hallo Stefan,

> Im Zweifelsfall ist es keine schlechte Idee, sich zuerst auf das
> tatsaechlich Geschriebene und nicht auf das zwischen den Zeilen
> Vermutete/Befuerchtete/Erhoffte zu beziehen - das ist keine
> Anforderung an die Wortwahl, sondern eine an das Lesen :-)

> ????? sollen jetzt die Leser immer nur ueberlegen, was zwischen den Zeilen steht??

.dass ein Stolpern mit
> | > Nervenschnitt zwar wahrscheinlicher wird, aber noch lange nicht
> zum Sturz fuehrt.
> | ????? bist Du da so sicher?
>
> Ja.

genial!

nach der Operation eher noch trittsicherer geworden, weil ihnen eben
nicht mehr bei jedem Auftreten ein Schmerz durch den Fuss schiesst und
sie somit gleichmaessiger und weniger verspannt gehen koennen.

-Schmerz ist eine Schutzmaßnahme des Koerpers und soll zur Vermeidung
der Bewegung fuehren, damit die schmerzende Region im Koerper ausheilen
kann. Schmerz ist ein Ausdruck, dass ein organischer Schaden vorliegt.
Der Mensch bildet sich ein, dem Tier einen Gefallen zu tun, indem er
einfach die Schmerzleitung kappt, damit der Mensch damit dann nicht mehr
wahrnimmt, dass das Gewebe geschaedigt ist. Der Mensch will das Tier
nutzen. Nur darum geht es doch. Dass der Schaden weiterhin besteht,
interessiert dann nicht mehr.

>
> BTW: Mir ist sogar ein geschnittenes Freizeitpferd bekannt, welches
> von seiner Reiterin wieder gesprungen wurde (was eine Schweinerei
> ist).

Genau!
>

> | > gibt es hierzu Quellen?
> |
> | - Frag mal diverse aeltere Pferdetieraerzte ueber Folgeschaeden.
>
> Eigentlich hatte ich Dich gefragt - koenntest Du bitte einen der
> "diversen aelteren Tieraerzte" namhaft machen, damit ich ihn unter
> Bezugnahme auf Deine Aussage um eine Erklaerung des
> Kausalzusammenhangs Hufrolle/Ausschuhen bitten kann?

> Der Kausalzusammenhang war Nervenschnitt- Ausschuhen und nicht Hufrolle -Ausschuhen
Das lernt man während des Studiums der Tiermedizin z.B. von Prof
Eikmeier, langjaehriger Lehrmeister an der Universitaet Giessen. Obwohl
er mitlerweile emeritiert ist, ist sein Wissen lange nicht hinfaellig.
Er verfuegt ueber jahrzehntelange Erfahrung und haertesten Einsatz bei
der Kavallerie, wo die Pferde weiss gott nicht geschont wurden. Ich
empfinde das Kriterium "aelter" bei Tieraerzten durchaus als
Qualitaetsmerkmal. Deren Erfahrung ist oft nicht mit Gold aufzuwiegen
und steht oft auch in keiner Literatur. Aber zum Zusammenhang
Nervenschnitt und Ausschuhen kannst Du jedes Lehrbuch der Chirurgie auf
dem Pferdesektor befragen. Ich schicke Dir gern eine Buecherliste.
Vergiss das Pferd nicht, welches zu dieser Diskussion gefuehrt hat! Ein
sehr junges Pferd, falsch eingesetzt, mit einem chronischen Schaden ohne
Aussicht auf Heilung! Die Heilung ist das, was man anstreben sollte. Und
es macht schon einen Unterschied, ob ich einem alten Pferd mit einem
Nervenschnitt noch eine Zeit auf der Weide goenne oder mit ihm spazieren
gehe oder ob ein junges Pferd fuer den kurzen Rest seines Lebens noch
schnell praepariert wird, damit sein Besitzer ihn noch ein paar Monate
oder im besten Fall Jahre nutzen kann. Es ist eben oft eine Frage des
Tierschutzes dass man einem Tier das Leiden beendet.
Gruss Regina


Gruss Regina

Stefan Ungemach

unread,
Jun 18, 1999, 3:00:00 AM6/18/99
to
Regina Geiger <med...@wdt.de> schrieb in im Newsbeitrag:
376A3F36...@wdt.de...

Hallo Regina,

| > ????? sollen jetzt die Leser immer nur ueberlegen, was zwischen
den Zeilen steht??

nein, ganz im Gegenteil - sie sollen einfach zunaechst mal genau das
lesen, was geschrieben steht. Genaugenommen koennen sie natuerlich
"zwischen den Zeilen" herauslesen, was ihnen passt - das ist aber
keine Diskussionsgrundlage, weil subjektive Interpretation.

| -Schmerz ist eine Schutzmaßnahme des Koerpers und soll zur
Vermeidung
| der Bewegung fuehren, damit die schmerzende Region im Koerper
ausheilen

| (etc.)

Aber das bestreitet doch keiner - warum reitest (sic!) Du immer wieder
darauf herum? Bevor wir weiter aneinander vorbeireden: ich habe weder
einen Erklaerungsbedarf in Sachen Schmerzfunktion oder
Hufrollenthematik, noch in Sachen Tierschutz. Und ich habe dazu auch
keine Ansichten gleich welcher Art verbreitet, egal zwischen welchen
Zeilen auch immer irgendwer welche herauslesen zu koennen glaubt.

Ich beziehe mich ausschliesslich auf die These, durch einen
Nervenschnitt wuerden Pferde generell in einem so deutlichen Masse
tritt- bzw. bewegungsunsicher werden, dass beim Reiten von einer
Lebensgefahr fuer den Reiter gesprochen werden kann. Gegen diese These
habe ich sowohl Beobachtungen ueber viele Jahre als auch stichhaltige
Argumente angefuehrt.

Letztere laufen vor allem darauf hinaus, dass die Trittsicherheit bzw.
die Gefahr, ein Stolpern nicht abfangen zu koennen, nicht von einem
gegensteuernden Schmerz abhaengt. Ein Pferd vermeidet Stolpern bzw.
sich zu "vertreten" nicht dadurch, dass ein warnender Schmerz
eintritt; dazu erfolgt der Fehltritt zu schnell. Bis der Schmerz
irgendwas "steuern" bzw. effektiv vor der Fehlbewegung warnen koennte,
ist das Malheur bereits passiert. Das weisst Du selber, sonst haettest
Du nicht zum wiederholten Mal auf die Warnfunktion des Schmerzes zur
Ermoeglichung der Schonung per Bewegungseinschraenkung hingewiesen.
Zur Schonung, nicht zum sicheren Auftreten - letzteres wird eben nicht
ueber Schmerzen bei zu starkem Abweichen vom sicheren Bewegungsablauf
geregelt, sondern ueber das Koordinationsvermoegen, den
Gleichgewichtssinn, Reflexe etc.

Ein mit einer Bewegung gekoppelter Schmerz hingegen fuehrt, egal ob
beim spazierengerittenen Pferd oder beim - sagen wir mal - mit
Kreuzschmerzen geplagten Mensch, zu einem automatischen
Kompensationsversuch, der in Verspannungen incl. Folgeschmerzen
muendet (das wird meistens ein Teufelskreis) und weitere Schaeden nach
sich zieht. Geraet ein solchermassen schmerzgeplagt "dahineierndes"
Lebewesen aus dem Gleichgewicht, wird die Chance auf einen Sturz
GROESSER, weil der dem unwillkuerlichen Ausgleichen folgende Schmerz
ebendieses Ausgleichen erheblich beeintraechtigt.

Hieraus folgt schlicht, dass eine Beseitigung des Schmerzes durch den
Nervenschnitt einen positiven Einfluss auf die Trittsicherheit bzw.
die Balance hat, hingegen keinesfalls mit zusaetzlichen
Unsicherheiten, gar einer "Lebensgefahr", verbunden ist.

Leider hast Du dem bislang nichts entgegensetzen koennen. Es hat
keinen Sinn, in der Debatte mit mir "Nebenkriegsschauplaetze" zu
Themen wie dem Tierschutz zu eroeffnen bzw. Deine Ansichten zu diesen
Themen zu wiederholen: erstens bin ich in diesen Punkten Deiner
Meinung, zweitens nicht an sinnlosen Streitereien interessiert, und
drittens tragen diese Ansichten nichts zum Thema "Trittsicherheit" -
und auf kein anderes nehme ich in einer Weise, die in einem
Widerspruch zu Deinen Ansichten steht, Bezug - bei.

Der Versuch einer sachlichen Erklaerung, weshalb eine schmerzfreie
Bewegung als Folge eines Nervenschnittes - unabhaengig von gaenzlich
anderen Faktoren wie Verschleiss, Tierschutz etc.! - speziell
deutliche Trittunsicherheiten nach sich ziehen soll, oder die Angabe
von Quellen, die dies auf breiterer Basis belegen, waere dagegen
interessant.

| Der Kausalzusammenhang war Nervenschnitt- Ausschuhen und nicht
Hufrolle -Ausschuhen

Richtig, Fluechtigkeitsfehler von mir.

| Aber zum Zusammenhang
| Nervenschnitt und Ausschuhen kannst Du jedes Lehrbuch der Chirurgie
auf
| dem Pferdesektor befragen. Ich schicke Dir gern eine Buecherliste.

Brauchst Du nicht - wenn das auf so breiter Basis nachzulesen ist,
finde ich's auch. Ich frage mich bloss, warum Du mir das (anstelle der
Nummer mit den aelteren Tieraerzten) nicht gleich geantwortet hast...

Gruss
Stefan
---

Regina Geiger

unread,
Jun 21, 1999, 3:00:00 AM6/21/99
to

hallo Stefan,
wir haben voellig unterschiedliche Ansaetze: mein Ansatz ist eben, dass
ein Pferd mit Hufrolle und Schmerz nicht geritten werden soll. Aus
medizinischer und tierschuetzerischer Sicht. Da brauch ich keinen
"Nebenkriegsschauplatz" aufzumachen. Was ich so aetzend finde, ist das
das Pferd mit dem Nervenschnitt eben nur fuer den Menschen wieder
praepariert wird, aber der Schnitt keine Heilung verursacht und die
entzuendlichen, in folge dann auch arthrotischen Prozesse munter
weitergehen durch die Belastung! Da durch den Nervenschnitt keine
Empfindung mehr ans Gehirn (infolge dann Reflex des Ausweichens und
Bewusstsein) dringt, laeuft das Pferd dann weiter auch wenn es eine
normalerweise schmerzausloesende Situation beim Auftreten etc aerlebt.
Das bezeichnet dann der Mensch als "trittsicher". Der Schmerz ist bei
der Hufrolle ja vorher schon da und soll verhindern, dass sich das Pferd
ueberhaupt bewegt, denn im Huf ist eine Entzuendung.
Dadurch dass man den Reflex des Ausweichens schon bei einfachem Stolpern
ausschaltet durch Nervenschnitt kann es im uebrigen auch zu
anderweitigen Verletzungen kommen, das nur nebenbei.

... gar einer "Lebensgefahr", verbunden ist.


>
> Leider hast Du dem bislang nichts entgegensetzen koennen.

- doch: ich habe darauf hingewiesen, dass wir den Ausbildungsstand des
Pferdes und des Reiters nicht kennen und daher immer eine Gefahr
besteht. Ich kenne Reiter, die ueber langjaehrige Erfahrung und Koennen
auch mit schwierigen Pferden verfuegten, deren Pferd "nur" gestolpert
ist im Gelaende, die ungluecklich gefallen sind und sich schwerste
Verletzungen zugezogen haben auch mit Todesfolge. Eine junge Frau war
schwerbehindert im Anschluss. Sicher man kann sagen: sie war ja nicht
tot, daher "Keine Lebensgefahr". Aber im Rollstuhl sitzen ist nicht so
prall.
Wir sind eben unterschiedlicher Meinung
Gruss Regina

Regina Geiger

unread,
Jun 21, 1999, 3:00:00 AM6/21/99
to

Hallo Birgit,
da einige der Diskussionsteilnehmer schon erwaehnt hatten, dass es sehr
unterschiedliche Nervenschnitte gibt, bin ich da nicht weiter darauf
eingegangen. Natuerlich wird immer versucht, so wenig wie moeglich
einzugreifen aber das haengt vom einzelnen Fall, von der Geduld des
Pferdesbesitzers und von der Einstellung des behandelnden Arztes ab.
Das lass ich jetzt einfach so stehen ohne grosse Ausfuehrung.

Gruss Regina

Stefan Ungemach

unread,
Jun 21, 1999, 3:00:00 AM6/21/99
to
> hallo Stefan,
> wir haben voellig unterschiedliche Ansaetze: mein Ansatz
> ist eben, dass ein Pferd mit Hufrolle und Schmerz nicht
> geritten werden soll.
> (Rest snipped)

Hallo Regina,

haben wir nicht. Du unterstellst mir das jetzt zum dritten
(und hoffentlich letzten) Mal, und ich widerspreche dem zum
dritten (und sicher letzten, weil ich's langsam leid bin)
Mal. Also nochmal langsam zum Mitschreiben (fuer
Promovierte):

1. Ein Pferd mit Hufrolle und Schmerz soll nicht geritten
werden. Das ist eine Frage der Ethik.

2. Die Ausschaltung eines lokalen Schmerzes hat keinen
negativen Einfluss auf die Trittsicherheit. Das ist eine
Beobachtung aus der Praxis.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und insbesondere
habe ich nie aus 2.) den Schluss gezogen, dass 1.) nicht
zutrifft. Wer mir das unterstellt, ist entweder des Lesens
nicht maechtig oder zum vernuenftigen Dialog nicht bereit.
Es erzeugt aber einen gewissen Unmut bei mir, fortgesetzt
von Dir oeffentlich untergeschoben zu bekommen, ich wolle -
im Gegensatz zu Dir - nervengeschnittene Pferde geritten
sehen.

Eine solche "Argumentation" ist genauso fair und intelligent
wie der Versuch, eine Ueberlegung zur Bodenhaftung
verschiedener Reifenprofile permanent - und penetrant - mit
dem Hinweis zu beantworten, man solle nicht so schnell
fahren (und damit Frauen, Kinder und suesse kleine Hunde
gefaehrden). Zur Sache traegt ein solcher Einwurf nichts
bei, vor allem dann nicht, wenn er noch unpassenderweise
durch die Qualifizierung "der Meinung bin ich, aber nicht
Du" verschaerft wird. Das ist vielleicht funktionierende
Bundestagsrethorik - aber keine Diskussionskultur.

> Dadurch dass man den Reflex des Ausweichens
> schon bei einfachem Stolpern ausschaltet durch
> Nervenschnitt kann es im uebrigen auch zu
> anderweitigen Verletzungen kommen, das nur nebenbei.

Auch nur nebenbei: das tut man i.d.R. auch nicht, weil
zumeist lediglich ein ganz bestimmter Nerv geschnitten und
keineswegs der ganze Hufbereich "togelegt" wird. Was man
z.B. schoen beobachten kann, wenn ein Pferd mit
Nervenschnitt aufgrund einer Hufprellung krummgeht.

> Ich kenne Reiter, die ueber langjaehrige Erfahrung
> und Koennen auch mit schwierigen Pferden verfuegten,
> deren Pferd "nur" gestolpert ist im Gelaende, die
> ungluecklich gefallen sind und sich schwerste
> Verletzungen zugezogen haben auch mit Todesfolge.

Na und? Daraus laesst sich hochstens folgern, dass es
lebensgefaehrlich ist, wenn ein Pferd oder sein Reiter ein
Stolpern nicht ausgleichen kann. Sonst nichts. Eine Aussage,
dass Stolpern durch Nervenschnitt haeufiger vorkommt oder
gravierender ausfaellt, wird mit nicht gemacht und bliebe
auch bis auf weiteres weder begruend-, noch beweisbar.

Gruss

Stefan Ungemach
Software-Ingenieur

www.ungemachdata.de (Firma)
www.ungemachdata.de/_Stefan_privat (privat)

Anke Spix

unread,
Jun 21, 1999, 3:00:00 AM6/21/99
to
Regina Geiger <med...@wdt.de> wrote:

hallo, Regina, hallo, Stefan!

> wir haben voellig unterschiedliche Ansaetze: mein Ansatz ist eben, dass

> ein Pferd mit Hufrolle und Schmerz nicht geritten werden soll. Aus
> medizinischer und tierschuetzerischer Sicht. Da brauch ich keinen
> "Nebenkriegsschauplatz" aufzumachen. Was ich so aetzend finde, ist das
> das Pferd mit dem Nervenschnitt eben nur fuer den Menschen wieder
> praepariert wird, aber der Schnitt keine Heilung verursacht und die
> entzuendlichen, in folge dann auch arthrotischen Prozesse munter
> weitergehen durch die Belastung!

In der seltenen Lage, mehr oder weniger auf Stefans Seite zu sein...
;-))
Eine Diskussion darüber, daß ein Nervenschnitt nichts ausheilt ist wohl
überflüssig, da dieser Punkt ja auch von niemandem bestritten wird.
Es ist natürlich auch deutlich sinnvoller, zu versuchen, die Krankheit
zu so behandeln, daß kein Nervenschitt notwendig ist, da ja auch beim
Nervenschnitt die Kontrolle über eventuellen Behandlungs"erfolg" über
die Lahmheit wegfällt. Problematischerweise gibt es aber wenig
Möglichkeiten, diese Krankheit "konventionell" (im Unterschied zu
operativ) zu behandeln, selbst mit naturheilkundlichen Methoden
(vorausgesetzt, gut und korrekt ausgeführt) stehen die Chancen oftmals
schlecht. Oftmals kommt das daher, weil erst viele andere Möglichkeiten
ausgeschöpft wurden, oder daran, daß man die Krankheit zunächst nicht
als solche erkannt hat.
Wie auch immer. Wenn es dann erst einmal so weit ist, daß ein ständiger
Schmerz vorliegt und die veränderungen so stark sind, daß sie nicht mehr
ausgeheilt werden können, d.h. die Schmerzen schon aufgrund mechanischer
Veränderungen auftreten, ist es schon gnädiger gegenüber dem Pferd, und
auch "gesünder", eien Nervenschnitt zu machen. Die einzigen anderen
Alternativen (ohne Naturheilkunde) wären Tod oder ständige
Schmerzmittelgabe, wobei ersteres vielleicht ein bißchen drastisch,
letzteres auf die Dauer schlimmer wäre als der Nervenschnitt. Insofern
kann man ihn nicht komplett ablehnen (ich jedenfalls nicht).
Wenn das Pferd dann wieder schmerzfrei ist, soll es natürlich nicht
einfach genutzt werden wie bisher. Ich glaube auch, daß es kaum noch
Tierärzte geben wird, die nicht ausdrücklich die Folgen eines solchen
Eingriffes betonen.
Was das Reiten als Belastung an sich angeht, so muß betont werden, daß
***jede*** Bewegung des Pferdes, jeder einzelne Schritt, die Entzündung
neu anheizen kann, auch das Gehen auf der Weide, oder, noch schlimmer,
das Stehen im Stall mit nur stundenweisem Weidegang. Letzteres ist
genauso schlimm wie Reiten, solange beim Reiten entsprechend Rücksicht
genommen wird.
Im Übrigen ist die geistige und seelische Gesundheit des Tieres ebenso
ausschlaggebend, es kann sein, daß ein Pferd mit einem ausschließlichen
Weidedasein auch sich zu Tode langweilt und unglücklich ist, weil es
nicht mehr gebraucht wird, genau wie ein alter Mensch, und man ihm
deshalb, genau wie einem alten Menschen, innerhalb seines Vermögens noch
Aufgaben stellen sollte. Selbst wenn es seine erwartete Lebensdauer
vielleicht um ein halbes Jahr verkürzt.
Es gibt natürlich immer wieder Leute, die einen Nervenschnitt dazu
mißbrauchen, ein (oft von ihnen selber) kaputtgerittenes Pferd noch eine
Zeitlang zu Erfolgen zu jagen. Diese Pferde wären wohl besser ohne
Nervenschnitt dran. Daß das aber nicht der Sinn und die Indikation für
diese Operation sein sollte, ist aber, glaube ich, so ziemlich jedem
hier klar.

> Dadurch dass man den Reflex des Ausweichens schon bei einfachem Stolpern
> ausschaltet durch Nervenschnitt kann es im uebrigen auch zu
> anderweitigen Verletzungen kommen, das nur nebenbei.

Das ist, wie Stefan schon ausführte, falsch. Der Reflex, der bei einem
Stolpern das Sich-fangen auslöst, ist nicht unmittelbar mit dem
Tastgefühl im Huf verbunden, sondern tritt davon unabhängig in Kraft. Zu
dieem Komplex gehören außer dem direkten Reflex ja auch noch andere
Mechanismen, wie der Lagesinn etc. die ebenfalls eine "Fehlermeldung"
abgeben.
Außerdem ist es richtig, daß heutzutage meist nur ein Nerv, der den
hinteren und inneren Bereich des Hufes versorgt, zertrennt wird, sodaß
das Tastgefühl gar nicht soo stark eingeschränkt sein kann.
Es wäre empfehlenswert, wenn Du ein wenig Anatomie und Physiologie
lernen würdest, bevor Du diese Diskussion weiterführst. Dazu ist hier
vor kurzem eine gute Quelle angegeben worden: "Handbuch Pferdepraxis".


>
> ... gar einer "Lebensgefahr", verbunden ist.
> >
> > Leider hast Du dem bislang nichts entgegensetzen koennen.
> - doch: ich habe darauf hingewiesen, dass wir den Ausbildungsstand des
> Pferdes und des Reiters nicht kennen und daher immer eine Gefahr

> besteht. Ich kenne Reiter, die ueber langjaehrige Erfahrung und Koennen


> auch mit schwierigen Pferden verfuegten, deren Pferd "nur" gestolpert
> ist im Gelaende, die ungluecklich gefallen sind und sich schwerste

> Verletzungen zugezogen haben auch mit Todesfolge. Eine junge Frau war
> schwerbehindert im Anschluss. Sicher man kann sagen: sie war ja nicht
> tot, daher "Keine Lebensgefahr". Aber im Rollstuhl sitzen ist nicht so
> prall.

Zweifellos ist das mehr als unglücklich, aber die aufgeführten Fälle
haben nicht direkt mit dem Thema zu tun. Oder war einer dieser Unfälle
auf einem Nervenschnitt-Pferd, und ist es eindeutig zu beweisen, oder
wenigstens stark zu vermuten, daß es daran gelegen hat? Es bestehen
*immer* Gefahren, sobald man näher als drei Meter an ein Pferd
herantritt, und man sollte auch meiner Meinung nach alles tun, um
Gefahrenquellen zu minimieren, aber deswegen eine Hexenjagd auf
nervengeschnittene Pferde, die evtl. noch geritten werden, zu
veranstalten, nur weil sie vielleicht eher stolpern als ein gesundes
(was ja nach wie vor zweifelhaft ist), halte ich für etwas überzogen.

NB: Eine Freundin von mir hat infolge einer etwas mißratenen Operation
in drei Fingern kein Gefühl mehr. Sozusagen ein unbeabsichtigter
Nervenschnitt. Deswegen würde ich ihr trotzdem genausoviel zu- und
anvertrauen, als wenn sie dieses Handicap nicht hätte. Und sie kann mit
der Hand immer noch so hantieren, daß man praktisch nichts sieht, wenn
man nicht davon weiß.

Grüße,

Anke,


Regina Geiger

unread,
Jun 22, 1999, 3:00:00 AM6/22/99
to

Anke Spix wrote:
>
Hallo Anke,
im Grunde sagts du auch nichts Neues. Den Tip mit der Anatomie und
Physiologie kann ich Dir auch nur weiterempfehlen. Besonders was den
Aufbau einer Nervenfaser anbelangt.
Was heisst es denn nur "einen" Nerv zu durchtrennen?? Dass es
unterschiedliche Stellen gibt an denen man einen Nervenschnitt
durchfuehren kann wurde ja schon mehrfach erwaehnt. Dass man damit auch
ein unterschiedlich grosses Gebiet beeinflusst duerfte jedem klar sein.

> NB: Eine Freundin von mir hat infolge einer etwas mißratenen Operation
> in drei Fingern kein Gefühl mehr. Sozusagen ein unbeabsichtigter
> Nervenschnitt. Deswegen würde ich ihr trotzdem genausoviel zu- und
> anvertrauen, als wenn sie dieses Handicap nicht hätte. Und sie kann mit
> der Hand immer noch so hantieren, daß man praktisch nichts sieht, wenn
> man nicht davon weiß.

Laueft Deine Freundin auf ihren Fingern oder was soll das Beispiel?

Gruss Regina

0 new messages