Meine Freibergerstute, geb. 1999, hat vergangenes Jahr mit dem
Headshaken angefangen. Sie war bis jetzt mit Nasennetz symptomfrei
reitbar, hat nun aber gestern abend und vergangenen Freitag abend
trotz Nasennetz Symptome gezeigt. (Sa/So - reiten zu anderer Tageszeit
- interessanterweise nicht)
Ihre Symptome sind relativ "klassisch", d.h. das Headshaking zeigt
sich bei ihr v.a. beim Reiten auf dem Platz, und da v.a. wenn sie
"warm" ist. Im Gelände ist es weniger. Im Winterhalbjahr ist sie
symptomfrei, d.h. sie hat auch schon auf Schneeflocken auf der Nase
reagiert, aber ich habe sie von ca. Okt.-März ohne Nasennetz geritten
und hatte keine Probleme.
Mir ist bekannt, dass vermutet wird, dass Headshaking von vielen
Faktoren inkl. Borreliose, Borna, Herpes, Pollenallergien etc.
ausgelöst werden kann.
Was mich nun interessiert: Hat jemand einen Headshaker erfolgreich
behandelt, d.h. mit medizinischer, homöopathischer,
naturheilkundlicher Behandlung, Akupunktur, Handauflegen ;-) oder was
auch immer die Symptome weggekriegt oder vermindern können?
Danke & Gruss
Jacqueline
Hoi Jacqueline
Ich habe das mit dem Headshaking noch in Wikipedia
nachgelesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Headshaking).
Die führen dort noch andre Gründe auf für Headshaking:
Burn-out und Wolfszahn sowie die Tatsache, dass Head-
shaking teilweise auch als Verhaltensstörung gilt/galt, wenn
Reiter ihr Pferd i.d.R. am kurzen Zügel reiten. Wie sieht's bei
Deiner Stute mit einer der drei Möglichkeiten aus?
Ich persönlich würde in Deinem Fall echt einmal mit einer TK
sprechen; fraglich ist nur wo eine wirklich gute, resp. fähige
TK "auftreiben" (ich bin da leider sehr skeptisch). Vielleicht
hat Deine Stute so ihre Gründe warum sie das tut.
Noch einfacher wäre der Weg, die Reiterei für einige Zeit - so-
fern Du dies nicht eh schon versucht hast - am langen
Zügel zu geniessen und zwar möglichst in allen Tempi.
Gruss
CM
On 17 Apr., 11:13, Carmen Mirjam <carmen.mir...@gmx.net> wrote:
> Ich habe das mit dem Headshaking noch in Wikipedia
> nachgelesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Headshaking).
> Die führen dort noch andre Gründe auf für Headshaking:
> Burn-out und Wolfszahn sowie die Tatsache, dass Head-
> shaking teilweise auch als Verhaltensstörung gilt/galt, wenn
> Reiter ihr Pferd i.d.R. am kurzen Zügel reiten. Wie sieht's bei
> Deiner Stute mit einer der drei Möglichkeiten aus?
Wie ich bereits geschrieben habe, hat meine Stute "klassische"
Headshaking-Symptome ("photisches" Headshaking), sprich die von Dir
genannten Ursachen kommen nicht in Frage. Ausser, ich würde sie nur im
Sommerhalbjahr oder im Winter bei Schneefall am kurzen Zügel reiten
(was ich eh nicht tue). Burn-out kann ich mir nicht vorstellen, meine
Stute muss a) nicht wirklich viel leisten und b) arbeitet gerne und
ist sehr willig. Auch da würde sich der Burnout auf die Monate April-
Oktober beschränken... :-) Wolfszähne hat sie, werde ich nächstens
nochmal checken lassen, aber auch die scheinen sie im Winterhalbjahr
nicht zu stören.
Gegen all diese Ursachen spricht auch, dass die Symptome letztes
Frühjahr mit dem Anbringen eines Nasennetzes wie weggeblasen waren.
Das Headshaking hat bei meinem Pferd ganz klar einen Zusammenhang mit
äusseren Bedingungen wie Wetter/Pollenflug. Ein weiteres Pferd bei uns
im Stall hat die exakt gleichen Symptome.
> Ich persönlich würde in Deinem Fall echt einmal mit einer TK
> sprechen; fraglich ist nur wo eine wirklich gute, resp. fähige
> TK "auftreiben" (ich bin da leider sehr skeptisch). Vielleicht
> hat Deine Stute so ihre Gründe warum sie das tut.
Ich teile Deine Skepsis gegenüber TK und möchte das nicht machen.
Habe mich zudem bereits umfassend schlau gemacht über Headshaking und
kenne die gängigen Entstehungs-/Ursachentheorien (Trigeminus-
Neuralgie, Herpes, Borreliose, Borna, Pollenallergie, ...) - mich
würde einfach interessieren, ob jemand bei einem "photischen"
Headshaker mit irgendeiner Behandlung *Erfolg* hatte, kurzfristig oder
dauerhaft.
> Noch einfacher wäre der Weg, die Reiterei für einige Zeit - so-
> fern Du dies nicht eh schon versucht hast - am langen
> Zügel zu geniessen und zwar möglichst in allen Tempi.
Ist leider keine Option. Erstens ändert das auch nichts an der
Tatsache, dass Ria halt im Sommerhalbjahr auf irgendwas in der Luft
reagiert, und zudem ist sie leider kein Pferd zum Gurken.
... aber danke für Deinen Input... :-)
LG
Jacqueline
> Das Headshaking hat bei meinem Pferd ganz klar einen Zusammenhang mit
> äusseren Bedingungen wie Wetter/Pollenflug. Ein weiteres Pferd bei uns
> im Stall hat die exakt gleichen Symptome.
>
>
Hallo Jaqueline,
Das Auslösen durch äußere Symptome können auch von massiven inneren
Problemen hervorgerufen werden. Ich kenne ein Pferd, das hatte von einem
Tag zum anderen mit dem Headshaken angefangen.
Irgendwelche Untersuchungen sind meistens sehr teuer und bis auf
Ausnahmen wenig Erfolgreich. Hier hatten wir eine kleine Schwellung des
2. HW festgestellt. Sie war so schmerzhaft dass Reiten mit normaler
Trense unmöglich war, da das Genickstück dort auf lag. Das führte zu
panischem Schütteln. Anfangs wurde das Pferd nur mit Halfter geritten,
es hatte zum Glück eine gute Grundausbildung. Hierbei war der Druck
nicht so stark das es ging. nach ca. einem Jahr ging es auch mit Trense,
aber es Schüttelte auch bei Licht stärker.
Hier liegt die Vermutung nahe dass eventuell durch die Verletzung
hervorgerufene Kopfschmerzen eine Lichtempfindlichkeit auslösten, bzw
die Schmerzen durch den Lichtreiz größer wurden. Das kennt man beim
Menschen auch von Migräne. Erst nach ca. 3 Jahren stabilisierte sich der
zustand, sodass das Pferd nahezu immer zu reiten ist. Manchmal
allerdings bei Licht nur mit Nasennetz. Tendenz aber weniger werdend,
also eine Verbesserung. Das nur dazu dass die Symptome nicht unbedingt
auf die Ursache schließen lassen.
Viele Grüße
Knut
Knut Krueger wrote:
> Das Auslösen durch äußere Symptome können auch von massiven inneren
> Problemen hervorgerufen werden. Ich kenne ein Pferd, das hatte von einem
> Tag zum anderen mit dem Headshaken angefangen.
> Irgendwelche Untersuchungen sind meistens sehr teuer und bis auf
> Ausnahmen wenig Erfolgreich. Hier hatten wir eine kleine Schwellung des
> 2. HW festgestellt. Sie war so schmerzhaft dass Reiten mit normaler
> Trense unmöglich war, da das Genickstück dort auf lag. Das führte zu
> panischem Schütteln. Anfangs wurde das Pferd nur mit Halfter geritten,
> es hatte zum Glück eine gute Grundausbildung. Hierbei war der Druck
> nicht so stark das es ging. nach ca. einem Jahr ging es auch mit Trense,
> aber es Schüttelte auch bei Licht stärker.
> Hier liegt die Vermutung nahe dass eventuell durch die Verletzung
> hervorgerufene Kopfschmerzen eine Lichtempfindlichkeit auslösten, bzw
> die Schmerzen durch den Lichtreiz größer wurden. Das kennt man beim
> Menschen auch von Migräne. Erst nach ca. 3 Jahren stabilisierte sich der
> zustand, sodass das Pferd nahezu immer zu reiten ist. Manchmal
> allerdings bei Licht nur mit Nasennetz. Tendenz aber weniger werdend,
> also eine Verbesserung. Das nur dazu dass die Symptome nicht unbedingt
> auf die Ursache schließen lassen.
Danke, das ist interessant. Bei meinem Pferd ist allerdings das Licht
offenbar weniger das Problem bzw. der Auslöser, da sie z.B. vergangenen
Montag abend um 20h Symptome zeigte, tags zuvor während einer Reitstunde
um die Mittagszeit hingegen nicht.
Letztes Jahr im Mai (also kurz nach Beginn der Symptome) habe ich meine
Stute von einer Osteopathin checken lassen; die hatte im Halsbereich
nichts zu beanstanden.
Ich hoffe/vermute jetzt mal, dass es tatsächlich v.a. mit dem Pollenflug
und den Mücken zu tun hat, da sie letztes Jahr exakt um die gleiche
Zeit (d.h. Löwenzahnblüte, die letztes Jahr allerdings ein paar Wochen
später war) angefangen hat. Die letzten 2 Tage bin ich ausgeritten (mit
Nasennetz) und sie hat keinerlei Symptome gezeigt. Das Schütteln (d.h.
es ist mehr ein Zucken) kommt wenn, dann erst mit fortschreitender
Arbeit, d.h. beim warmwerden, und zwar egal, ob unter dem Sattel oder an
der Longe (mit Kappzaum).
Letztes Jahr habe ich sie den ganzen Sommer nur mit Nasennetz
geritten/longiert, aber ich werde es diesen Sommer, wenn der Pollenflug
dann mal weniger wird, mal zwischendurch ohne probieren. In einem
anderen Forum habe ich gelesen, dass es Pferde gibt, die nur im Frühling
so reagieren und später wieder symptomfrei sind.
Ein weiteres Pferd in unserem Stall hat die exakt gleichen Symptome, sie
traten letztes Jahr um die gleiche Zeit erstmals auf, das Pferd ist
ebenfalls mit Netz i.d.R. normal reitbar, und dieser Jahr sind die
Symptome nach einem beschwerdefreien Winter praktisch am selben Tag bei
beiden Pferden wieder aufgetreten.
Naja, ich lasse es mal auf mich zukommen...
LG,
Jacqueline
Grüße Knut
Aehm... gute Frage. :-) Nicht viel. Das Zucken ist mehr im
Kopf/Halsbereich, d.h. sie bewegt den Kopf ruckartig zurück und vor. Ein
unkontrolliert wirkendes Schnicken. Heute abend beim Reiten (mit
Nasennetz) auf dem Platz hat sies interessanterweise zu Anfang
ein-zweimal gezeigt, allerdings eher milde, und dann kam nichts mehr,
auch beim/nach dem Traben nicht. Es hatte heute allerdings kaum Insekten.
Ich erinnere mich jetzt nicht mehr so ganz genau im Detail, wie es
letztes Jahr ohne Nasennetz war. Da war das Schnicken auf jeden Fall
extremer und sie hat auch öfter mal die Nase an den Vorderbeinen
gerieben und geschnaubt (öfter/stärker als sonst). Ich habe dann nicht
lange zugeguckt, sondern gleich den Nasendeckel gekauft und damit war
sie symptomfrei.
Grüsse
Jacqueline
Ja das hört sich alles nicht nach Wirbelsäule an.
Viele Grüße Knut
Nein, das glaube ich definitiv auch nicht. Wir haben unsere Probleme
beim Reiten (die wohl auch zu einem guten Teil an mir liegen ;-) ), aber
beim Longieren geht sie sehr schön v/a am Kappzaum und der Rücken schwingt.
Naja, as ganze war die letzten Tage kein Problem, auch bei der Arbeit
auf dem Platz gabs vielleicht ein-zwei mal ein Schnicken und das wars
dann. Könnte definitiv schlimmer sein...
Lg,
Jacqueline
siehe
http://headshaking.de/
- -P-
-----BEGIN PGP SIGNATURE-----
Version: GnuPG v1.2.4 (GNU/Linux)
Comment: Using GnuPG with Thunderbird - http://enigmail.mozdev.org
iD8DBQFGLJl2dBzNjAGTl2oRAkYNAJ0fJd4KELq5EwFMz3tmXtI6szR7GgCdFTsf
4UOmMJKrOqwmhSRwiZkzq1o=
=QKFb
-----END PGP SIGNATURE-----
Danke - kenn ich schon...
Gruss
Jacqueline
Zumindest der Allergieeffekt dürfte derzeit stärker als sonst ausfallen.
Viele Pflanzen haben ihre Entwicklung heuer klimabedingt (BTW: der
ungewöhnlich warme Frühling steht gerade im *Widerspruch* zu den derzeit
unter der Überschrift "Klimawandel" kursierenden Prognosen) um bis zu
drei Wochen zu früh begonnen. Dadurch ergibt sich eine Häufung ansonsten
hintereinander auftretender Pollenschübe, worunter Allergiker heuer viel
stärker als sonst zu leiden haben.
Ebenfalls in Zusammenhang mit dieser vorgezogenen Entwicklung steht eine
Ausweitung der Risikogebiete für Borreliose und FSME. Ehemals "weiße
Flecken" auf der "Zeckenlandkarte" sind nun ebenfalls betroffen und
werden es auch künftig bleiben. Dies nur zur Warnung (ein bereits
bekannter bzw. beobachteter Headshaker mit Borelliose hat letztere ja
nicht erst heute bekommen)...
Auch die Plätze und Wege sind derzeit trockener als sonst um die
Jahreszeit. Damit wird's bei tieferem Durchatmen vorübergehend
unangenehm; auch unsere Pferde husten derzeit bei beginnender
Lastaufnahme erst mal ein paar Stöße ab. Nach einiger Zeit gibt sich das
Problem erfahrungsgemäß; vielleicht atmen sie dann anders.
Gegen Herpes schließlich kann und soll man - nicht nur wegen Headshaking
- sowieso impfen. Machen wir mit unseren Turnierpferden regelmäßig. Auch
wenn das nicht in allen Kreisen so gesehen wird: IMO hat ein jeder
Reitertypus die gleiche Verantwortung, Ansteckungsgefahren entgegen zu
wirken - egal ob er nur gelegentlich mit einem Kumpel ausreitet oder
aber am Turnier mit Dutzenden in Kontakt kommt. Die Abwägung Eigenrisiko
vs. Geldbeutel halte ich da für recht verwerflich, denn das eigene
ungeimpfte Pferd wird auch leichter zum Überträger.
Natürlich - und in *dieses* Horn stoße ich bekanntlich seit vielen
Jahren - ist der schlagende Kopf eines gerittenen Pferdes immer noch
zuallererst mal ein Indiz für ein reiterliches Problem. Das läßt sich
auch nicht ohne weiteres auf triviale Formeln wie "mit zu kurzem Zügel
reiten" herunter brechen, die man meist sehr schnell von sich weisen kann.
Die Realität ist weitaus simpler: wenn ein Pferd mit dem Kopf schlägt,
fühlt es sich unwohl. Tritt dieser Effekt gehäuft (oder gar
ausschließlich) unterm Sattel auf, fühlt es sich eben unterm Sattel
unwohl. Daran ändert doch auch eine jahreszeitliche Abhängigkeit erst
mal nichts: viele Pferde laufen z.B. bei niedrigen Temperaturen
verspannter, eiliger oder klemmiger. Mit denen hat man halt im Winter
mehr Probleme - andererseits ist es anderen schnell zu warm und sie
wehren sich halt mehr im Sommer. Bestimmte Faktoren (heuer z.B. ein
nicht enden wollender Haarwechsel) verstärken dieses Unbehagen. Selbst
wenn z.B. ein Nasennetz Linderung verschafft, was eine medizinische
Ursache nahe legt, ist auch letztere erst mal nichts weiter als eben
dies: ein weiterer *Faktor*, der zum Unwohlsein beiträgt.
Kopfschlagen (bzw. neudeutsch "Headshaking", da klingt's gleich mehr
nach Krankheit und weniger nach einem Problem zwischen Ross und Reiter)
signalisiert dieses Unwohlsein. Kopfschlagen unterm Sattel deutet
folgerichtig auf vermehrtes Unbehagen unterm Sattel hin. Das kann sich
durchaus auch erst mit fortgeschrittener "Erwärmung", meist eher mit der
vermehrten Lastaufnahme nach der Lösephase, in Symptomen äußern. Aber
die Konzentration auf einen Faktor (den medizinischen) dafür lenkt von
der Gesamtwahrnehmung und damit einer möglichen Problemlösung ab.
Meine Güte: meine Eseln haben auch mal Phasen, in denen sie unterm
Sattel mit dem Kopf schlagen - wenn nicht gerade eine Fliege in der
Nüster sitzt (und vor allem nichts Vergleichbares auf der Koppel
stattfindet), fang' ich nicht das Therapieren an, sondern nehme die
Botschaft so einfach wahr, wie sie ist. Mein Pferd fühlt sich mit *mir*
nicht wohl. Also ändere *ich* was.
Das kann in unterschiedlichen Formen stattfinden, weil ja auch die
Zusammenhänge oft recht komplex sind. Dem Ross ist z.B. gerade die
Handeinwirkung nicht genehm - aber warum? Eiert der Reiter unkoordiniert
im Sattel herum, oder hat er die Hinterhand nicht aktiv genug für eine
solide Anlehnung? Und eiert er, weil sich das Pferd im Rücken festhält,
oder hält selbiges die Anlehnung nicht, weil er unsicher sitzt?
Korelliert das Problem mit vermehrter Aufrichtung vulgo Kraftarbeit in
der Hinterhand, (ver-)spannt sich das Pferd vielleicht erst dabei? Und
damit sind die möglichen Fragen nicht mal angerissen - wenn das Reiten
auf simplen, nicht vernetzten Kausalitäten aufbauen würden, hätten's
mehr Leute auf dem Kasten...
Wir haben also eine Unmenge von momentan möglicherweise falsch
eingestellten "Stellschrauben", die sich zudem gegenseitig beeinflussen.
Schwer genug, das auseinander zu klamüsern - erst recht, die richtige
Korrektureinstellung(en) herauszufinden und in der richtigen Dosierung
anzuwenden. Hinzu kommt die Entscheidung, ob das Unwohlsein des
Vierbeiners in jeder Lebenslage zwangsläufig dazu führen muss, dessen
momentane Befindlichkeit herauszufinden und zu bedienen - vielleicht hat
er ja einfach keinen Bock auf eine anstrengende Lektion oder mehr
Interesse an der gerade in die Bahn gekommenen Stute?
Entschuldigung, das ist jetzt sicher wieder politisch total inkorrekt
und alles andere als artgerecht - jedenfalls werden das einige
Kuschelreiter so auslegen. Aber wenn ich zu einem solchen Urteil komme
(und meine Urteilsfähigkeit ist nach mittlerweile gut fünfzehntausend in
Bahn und Parcours gerittenen Stunden gar nicht so schlecht), mache ich
eine klare Ansage und trete dem Pegasus auch mal in die Rippen. Bei
Bedarf - wenn er nicht schlagartig mit seiner Unmutsbezeugung aufhört,
entkräftet das ja nicht das Prinzip - auch mal kräftig bzw. anhaltend.
Es ist erstaunlich, wie schnell bzw. dauerhaft so ein Kopfgekasper dann
auch wieder endet. Klar, wenn es über Jahre die Chance erhalten hat, zum
fest etablierten Verhaltensmuster zu werden, ist der Fall (Beurteilung
*und* Korrektur) viel schwieriger; trotzdem gehe ich besonders beim aufs
Gerittensein konzentrierten Kopfschlagen immer erst mal von einer tiefer
liegenden Ursache aus, die *keine* Krankheit ist. Daran ändert auch
modisches Fachvokabular nichts. "Photisches Headshaking" zum Beispiel -
was soll das denn sein? Mehr Kopfschlagen bei Licht (aber nur unterm
Sattel)? Kommt etwa auf der Weide bzw. in der Lösephase ein Sonnenhut drauf?
Natürlich gibt es unter Pferden so viele Individuen wie unter Menschen;
da mögen auch lichtempfindlichere dabei sein. Na gut: deren Reizschwelle
ist dann halt im Sonnenlicht eher erreicht - aber weder unmittelbar noch
ausschließlich durch dieses. In anderen Worten: vielleicht muss man ein
Pferd, welches sich beispielsweise im Sommer leichter stresst, eben auch
im Sommer (idealerweise natürlich nicht nur dann) feinfühliger oder
konsequenter reiten, so dass die Summe *aller* evtl. unangenehmen
Einflüsse, die ja in erst ihrer *Gesamtheit* zu Unmutssymptomen führt,
ausreichend klein gehalten wird?
Ich habe unter anderem ein Pferd, welches bei Temperaturen unter Null,
vorsichtig ausgedrückt, etwas wunderlich wird. Dann reagiert es auf die
allerkleinsten Geräusche mit heftigem Erschrecken (Tipp der Experten:
Traberohren), es erleichtert sich bisweilen durch heftige Kapriolen
(Tipp der Experten, in diesem Falle aus zwei "Lagern": Schlaufzügel bzw.
Globuli), es vergisst auch mal die exakte Position seiner eigenen Füße
und stolpert über diese (Tipp der Experten: Gelände vermeiden) - und es
schlägt, etwas mehr beigezäumt, in dieser Jahreszeit auch ab und zu
heftig mit dem Kopf (Diagnose der Experten: da raten wir jetzt mal
alle...<g>).
Nun: ich habe keine Traberohren und keine Schlaufzügel, ich hab's im
letzten Winter fast täglich ausgeritten, ich habe es nicht gedopt, und
selbstverständlich ist es auch *kein* "Headshaker". Ich muss halt im
Winter versuchen, *noch* besser zu reiten; eine solche Zündkapsel über
den Sitz zu beruhigen und trotzdem etwas Leistung abzufordern ist ja
keine ganz leichte Aufgabe. Aber auch wenn es _nichtreiterliche_
Einflüsse sind, die hier die Schwelle für wahrnehmbare
Unwohlseinsbezeugungen saisonal tiefer legen, sind es immer noch
_reiterliche_ Maßnahmen, die sie - zuverlässig - verhindern. Was unterm
Strich doch auch viel hilfreicher ist: immerhin bleibt man von
therapeutischen Maßnahmen oder sonstigen Hilfsmitteln, die man
andernfalls dauerhaft einbeziehen müsste, völlig unabhängig.
Klar: wer einen generell unempfindlichen Vierbeiner sein eigen nennt,
hat solche Probleme nicht und klagt statistisch gesehen auch seltener
über Headshaking - andererseits ist jener vielleicht eine halbtote
Kartoffel, die auch des Reiters Hilfengebung durch ein weitaus gröberes
Raster filtert und von daher nur begrenzt Spaß macht...
Der langen Rede kurzer Sinn: bei _gesicherter_ klinischer Diagnose gäbe
es durchaus Gründe, weshalb die og. Symptome heuer früher und/oder
stärker zu Tage treten. Aber das eigentliche Problem der allermeisten
Betroffenen ist ein ganz anderes: sie fokussieren zu sehr auf die
organische Ursache, die doch nur einen Teil des Gesamtproblems ausmacht.
Alleine dass Kopfschlagen (einschließlich korrigierender Maßnahmen)
schon bekannt und als lösbares Problem angesehen war, bevor sich einer
einen neudeutschen Markennamen dafür ausgedacht hat, sollte doch nahe
legen, dass die gesundheitlichen Ursachen dafür zwar nicht völlig
irrelevant, aber doch nebensächlich sind.
Nun ist es zwar durchaus lobenswert, Ursachenforschung zu betreiben und
die medizinischen Aspekte für das Pferd angenehmer zu gestalten - aber
ehrlicherweise stört den Reiter ja doch in erster Linie das Symptom.
Wenn er dieses also abstellen kann, *ohne* Mediziner und Therapeuten zu
Rate zu ziehen, könnte er eigentlich zufrieden sein. In den meisten
Fällen kann "man" (wenn vielleicht auch nicht "er") das tatsächlich;
zumindest wäre das bis zu einem gewissen Zeitpunkt noch vergleichsweise
leicht gewesen. Jede Revision der Einstellung "ich mache es schon
richtig", die zwangsläufig zur Suche nach externen Einflüssen und/oder
Therapien führen muss, ist daher zielführend, wenn man bei einem
bestimmten Pferd bleiben will: der Spielraum für den Reiter, dem Pferd
das Gerittensein bis zu einem Grad, bei dem ein Nasenjucken oder
Augenbrennen als bedeutungslos weggesteckt wird, angenehmer zu
gestalten, ist oft sehr viel größer, als man meint.
Gruss
Stefan
--
"Die Intelligenz auf der Erde ist eine Konstante. Nur die Bevölkerung
wächst..."
Stefan Ungemach
www.ungemachdata.de
> Zumindest der Allergieeffekt dürfte derzeit stärker als sonst ausfallen.
> Viele Pflanzen haben ihre Entwicklung heuer klimabedingt (BTW: der
> ungewöhnlich warme Frühling steht gerade im *Widerspruch* zu den derzeit
> unter der Überschrift "Klimawandel" kursierenden Prognosen) um bis zu
> drei Wochen zu früh begonnen. Dadurch ergibt sich eine Häufung ansonsten
> hintereinander auftretender Pollenschübe, worunter Allergiker heuer viel
> stärker als sonst zu leiden haben.
Ich habs in der Zwischenzeit weiter beobachtet. Im Gelände (Ausritte
meist morgens) ist meine Stute (mit Nasennetz) symptomfrei. Gestern
abend auf dem Platz hat sie wieder ein paar mal gezuckt, aber die
Löwenzahnschirmchen fliegen derzeit, also eh "Extremverhältnisse"...
An anderen Abenden (windstill, wenig Insekten, keine Schirmchen), hat
sie nicht reagiert.
Alles in allem also erträglich.
>
> Ebenfalls in Zusammenhang mit dieser vorgezogenen Entwicklung steht eine
> Ausweitung der Risikogebiete für Borreliose und FSME. Ehemals "weiße
> Flecken" auf der "Zeckenlandkarte" sind nun ebenfalls betroffen und
> werden es auch künftig bleiben. Dies nur zur Warnung (ein bereits
> bekannter bzw. beobachteter Headshaker mit Borelliose hat letztere ja
> nicht erst heute bekommen)...
Ach, wir sind hier in der Nordostschweiz eh seit vielen Jahren FSME/
Borreliose-Hochrisiko-Endemiegebiet... Bloss, meine Stute hat sonst
keine Symptome, die auf Borreliose schliessen lassen könnten.
> Auch die Plätze und Wege sind derzeit trockener als sonst um die
> Jahreszeit. Damit wird's bei tieferem Durchatmen vorübergehend
> unangenehm; auch unsere Pferde husten derzeit bei beginnender
> Lastaufnahme erst mal ein paar Stöße ab. Nach einiger Zeit gibt sich das
> Problem erfahrungsgemäß; vielleicht atmen sie dann anders.
Bei meiner Stute wirds mit dem Warmwerden eher mehr; d.h. meistens.
Auch schon hat sie zu Beginn der Arbeit (im Schritt) ein-zweimal
gezuckt und dann war gut.
> Gegen Herpes schließlich kann und soll man - nicht nur wegen Headshaking
> - sowieso impfen.
Hm, böse Zungen behaupten, es gebe Pferde, welche nach einer Herpes-
*Impfung* mit dem Shaken begonnen haben. Bei anderen wurde es offenbar
durch eine Herpes-*Infektion* ausgelöst. Tja... you can't win.
> Natürlich - und in *dieses* Horn stoße ich bekanntlich seit vielen
> Jahren - ist der schlagende Kopf eines gerittenen Pferdes immer noch
> zuallererst mal ein Indiz für ein reiterliches Problem. Das läßt sich
> auch nicht ohne weiteres auf triviale Formeln wie "mit zu kurzem Zügel
> reiten" herunter brechen, die man meist sehr schnell von sich weisen kann.
Klar. Aber wenn ein Pferd beim Freilaufen (wie z.B. meine Stute
gestern abend), beim Longieren oder beim rumhängen im Auslauf (zwar
sehr selten, aber auch schon beobachtet) diese Symptome zeigt, dann
kanns wohl nicht am Reiter liegen.
> Die Realität ist weitaus simpler: wenn ein Pferd mit dem Kopf schlägt,
> fühlt es sich unwohl. Tritt dieser Effekt gehäuft (oder gar
> ausschließlich) unterm Sattel auf, fühlt es sich eben unterm Sattel
> unwohl.
Meine zeigt wie gesagt die Symptome auch an der Longe und beim
Freilaufen.
Kopfschlagen unter dem Reiter zeigt sie mitunter auch, aber das ist a)
völlig anders ausgeprägt und b) nehme ich das immer ernst; d.h. ich
weiss, dass es bei meinem Pferd ein Anzeichen von Spannung, Stress,
Unwohlsein ist.
Wie gesagt ist aber das Spannungskopfschlagen und das "mich-kitzelts-
in-der-Nase"-Kopfschlagen völlig unterschiedlich ausgeprägt. Ersteres
ist (bei meinem Pferd) eher ein Schlenkern, letzters ein
reflexartiges, unkontrolliert wirkendes Zucken.
> Meine Güte: meine Eseln haben auch mal Phasen, in denen sie unterm
> Sattel mit dem Kopf schlagen - wenn nicht gerade eine Fliege in der
> Nüster sitzt (und vor allem nichts Vergleichbares auf der Koppel
> stattfindet), fang' ich nicht das Therapieren an, sondern nehme die
> Botschaft so einfach wahr, wie sie ist. Mein Pferd fühlt sich mit *mir*
> nicht wohl. Also ändere *ich* was.
Schon klar. Ich bin ja wirklich nicht die, die wegen jedem Scheiss den
TA holt oder sofort die Bachblüten zückt oder irgendwelche Therapeuten
ankarrt, wenn das Pferd mal schief guckt. Im Gegenteil, ich bin der
Ansicht, dass ein Pferd nichts weiter braucht ausser artgerechtes
Futter von guter Qualität, eine pferdegemässe Haltung mit Kontakt zu
Artgenossen, einen Haufen frische Luft und eine korrekte Ausbildung.
Ich bin wahrlich noch ein ganzes Stück davon entfernt, eine grosse
Reitmeisterin zu sein, aber ich suche den Fehler immer zuerst bei mir
und nehme Unmutsbezeugungen ernst. Ich habe das Glück, ein Pferd zu
haben, welches all meine Fehler (und die sind zahlreich) sofort und
gnadenlos spiegelt. Sprich, irgendwie wursteln ist nicht bei diesem
Pferd, zumindest für mich nicht.
Gegen ein spezifisches reiterliches Problem oder eine "Macke", die es
abzustellen gilt, spricht halt auch die Tatsache, dass der Wallach
einer Miteinstellerin (ehem. Berufsreiterin) die exakt gleichen
Symptome hat wie meine Stute - sie sind letztes Jahr zeitgleich
aufgetreten, er ist ebenfalls mit Nasendeckel symptomfrei, die
Symptome sind praktisch identisch (weniger im Gelände, mehr auf dem
Platz, schlimmer mit dem warmwerden), und er hat nach einem
beschwerdefreien Winter diesen Frühling praktisch am selben Tag wie
meine Stute wieder damit angefangen.
(schnipp)
> Klar: wer einen generell unempfindlichen Vierbeiner sein eigen nennt,
> hat solche Probleme nicht und klagt statistisch gesehen auch seltener
> über Headshaking - andererseits ist jener vielleicht eine halbtote
> Kartoffel, die auch des Reiters Hilfengebung durch ein weitaus gröberes
> Raster filtert und von daher nur begrenzt Spaß macht...
>
> Der langen Rede kurzer Sinn: bei _gesicherter_ klinischer Diagnose gäbe
> es durchaus Gründe, weshalb die og. Symptome heuer früher und/oder
> stärker zu ...
Deshalb habe ich hier gefragt, ob jemand einen HS *erfolgreich*
behandelt hat. Habe in der Zwischenzeit das Internet gründlich
abgegrast (inkl. eine Yahoo-Group zum Thema), aber irgendwie will mich
das alles nicht so überzeugen. Wie oben ausgeführt, habe ich auf Grund
meiner Beobachtungen wirklich das Gefühl, dass Madame zumindest im
Frühling ein Problem mit dem Näschen hat. Aber da das Problem im Vgl.
zu wirklich schweren Fällen, die sich im Sommer nur noch die Nase
scheuern und auf der Weide fast durchdrehen etc. und in manchen Fällen
getötet werden müssen, weil sie nur noch leiden (gibts offenbar
alles), bei uns immer noch in der Schublade "Kinderkram" anzusiedeln
ist, werde ich einfach mal weiter den Nasendeckel montieren und sonst
nichts tun. Die Erfolgsmeldungen zu den bekannten Behandlungsansätzen
sind mässig bis ernüchternd; unter diesen Umständen habe ich keine
Lust, Zeit, Nerven und Geld in Untersuchungen und Behandlungen zu
investieren. Der Leidensdruck ist dazu entschieden zu klein...
Ach ja: Zumt Thema "photisches HS ist ein Hirngespinst":
Scientists posit that headshaking may be triggered by strong light
(photic headshaking), which stimulates the fifth cranial nerve, called
the trigeminal nerve, in the horse's face and causes uncontrollable
itching, pain, and/or sneeziness. (Interestingly, this phenomenon
affects as many as 25% of humans as well, and is called the photic
sneeze or "ACHOU syndrome.") Photic sneezing is hereditary in humans
and may also be in horses. Some humans also suffer from an irritation
of the trigeminal nerve called trigeminal neuralgia (TgN) that can
cause facial pain and muscle paralysis. The genesis of TgN, which
primarily affects women over 50, is still being investigated by
neurologists; these studies may indirectly help us understand photic
headshaking in horses. (Quelle: http://www.jadwin.net/horse/)
http://en.wikipedia.org/wiki/Photic_sneeze_reflex
Bei meiner Stute scheint allerdings Licht kein Faktor zu sein; es sind
eher mechanische Reize an den Nüstern (Insekten, Schneeflocken,
Pollen, fliegende Samen, evtl. Staub).
Grüsse
Jacqueline
Tja, da wirken halt die selben störenden Einflüsse auf mehr als ein
Pferd. Und dass das gezeigte Unwohlsein direkte Folge *eines* speziellen
reiterlichen Problems sei, habe ich ja nicht behauptet - wohl aber, dass
viele sehr kleine davon trotzdem kumuliert einen ansehnlichen Stapel
ergeben können, der zusammen mit den anderen Störfaktoren zu viel wird.
Doch ändert all dies etwas am Prinzip der *Kompensation* durch
reiterliche Einflussnahme?
Du willst sicherlich darauf hinaus, die Qualifikation der "ehemaligen
Berufsreiterin" als Indiz dafür zu verstehen, dass auch erhebliches
Reitkönnen das Problem nicht lösen kann und daher getrost als
nachrangige Aufgabe eingeordnet werden darf. Das mag so sein, obwohl
sich auch unter sagen wir mal den "Berufskraftfahrern" sowohl
Pizzakuriere als auch Formel-1-Piloten befinden - immerhin haben zwar
beide hoffentlich etwas mehr als ein Sonntagsausflügler gelernt,
trotzdem könnte der Pizzafahrer _möglicherweise_ noch mit dem
schwierigeren Ansprechen der Bolidenkupplung (als Analogie zum durch
Pollen und Stäubchen grantigen Ross) überfordert sein. Man weiß es nicht...
Ich gehe jedenfalls davon aus, dass der Einfluss des Reiters auf das
Pferd - im Guten wie im Schlechten - gewaltig ist, und bin bisher mit
dem fallweise durchaus eher in Jahren als in Tagen gerechneten Ansatz
übers *Reiten* recht gut (und preiswert) gefahren.
> Ach ja: Zumt Thema "photisches HS ist ein Hirngespinst":
Da brauch' ich gar kein Wikipedia - den Niesreiz bei plötzlicher starker
Sonneneinstrahlung kenne ich am eigenen Leib, und schon meine Großeltern
hatten einen Begriff ("Sonnenstäubchen") dafür. Drum habe ich ja auch
ausdrücklich die Existenz lichtempfindlicherer Individuen konzediert.
Du hast aber betont, dass die Symptome in erster Linie beim Reiten auf
dem Platz (statt beim Aufenthalt in der Sonne) auftreten. Damit ist die
Blickrichtung vorgezeichnet: unter welchen Umständen ist die
Reizschwelle am niedrigsten angelegt? Richtig: beim Reiten. Ich
bestreite ja gar nicht, dass je nach Pferd auch Sonnenlicht, Pollenflug
oder die Stimmungslage zum Unwohlsein beitragen - aber ich will die
Relation nicht aus den Augen verlieren.
Letztlich bringt hier irgendein Tropfen das (Reiz-)Fass zum Überlaufen.
Zwar ist es durchaus möglich, dass dieses Fass auch ohne des Reiters
Zutun fast randvoll ist und dessen minimales Stören jenem Tropfen
entspricht. Da es sich aber (a) öfters andersherum verhält und (b) dem
Reiter Möglichkeiten zu Gebote stehen, sozusagen das Fass zu vergrößern,
kommt man über letzteren meist einer Problemlösung in Form ungestörteren
Reitens näher.
Beispiel: meiner recht sensible Stute sind jedes Jahr während der ersten
Frühlingswochen die kleinen Fluginsekten besonders zuwider. Dann
schüttelt sie auch beim Grasen andauernd den Kopf, und natürlich noch
viel öfters, wenn sie was arbeiten und zu diesem Behufe in stabiler
Anlehnung gehen soll. Die Versuchung, sich mit der nahe liegenden
Ursache "Fliegen" zufrieden zu geben, ist somit groß; es stimmt ja auch
irgendwie.
Weder die Beobachtung auf der Weide noch die Annahme eines unterm Sattel
höheren Stresspegels müssen jedoch vorrangig zur Suche nach einem
wirksamen Fliegenschutz (und zur Resignation, sofern ein solcher nicht
gefunden werden kann) führen. Auch wenn das durchaus einen Sinn machen
würde.
Kinder beispielsweise quengeln je nach Charakter auch über
verschiedenste Dinge, die ihnen auch tatsächlich Unbehagen verursachen -
aber man kann sie mit etwas Geschick doch relativ leicht davon ablenken.
Veranstaltet man hingegen ein Mordsbrimborium über die vermuteten
Auslöser, verfestigt sich das Problem nur allzu leicht.
Übertragen auf das og. Pferd kann der Reiter zweierlei tun: erstens das
Pferd soweit motivieren und beschäftigen, dass es sich nicht mehr auf
die Fliegen kapriziert, und zweitens so gut wie eben möglich vermeiden,
noch zusätzliche Frust- bzw. Stressauslöser auf des Pferdes Buckel
(sic!) zu packen.
Im konkreten Fall hieß das besonders konsequentes Reiten (also eben
*nicht* Zugeständnisse in Form von laxeren Anforderungen an das
"leidende" Pferd, sondern im Gegenteil *ganz* genaues Abfragen von
Figuren und Übergängen), allerdings gleichzeitig vorübergehend Verzicht
auf besondere körperliche Anstrengungen wie z.B. die Krafttraining
vergleichbare Herausarbeitung versammelnder Lektionen. Ergebnis: kein
Kopfschütteln mehr unterm Sattel, obwohl die Fliegen immer noch da waren
und auf der Koppel auch immer noch störten.
Daraus folgt: der Reiter *hat* erhebliche Einflussmöglichkeiten, ohne
ins Knechten abzugleiten, er ist nicht *völlig* von des Pferdes
unbeinflußtem Wohlbefinden bzgl. externer Einflüsse abhängig - und er
kann aktiv (und wirksam) zu eben diesem Wohlbefinden beitragen (wenn die
Kopfschüttelei während der Arbeit unterbleibt, tritt deren Auslöser ja
offenbar in den Hintergrund). Das sollte er - wie beim Kind -
realisieren und anstreben.
Deswegen sind die Fliegen (oder Pollen, oder Photonen) immer noch da und
unbestritten störend - aber sie verlieren doch sehr an Bedeutung.
> Tja, da wirken halt die selben störenden Einflüsse auf mehr als ein
> Pferd. Und dass das gezeigte Unwohlsein direkte Folge *eines* speziellen
> reiterlichen Problems sei, habe ich ja nicht behauptet - wohl aber, dass
> viele sehr kleine davon trotzdem kumuliert einen ansehnlichen Stapel
> ergeben können, der zusammen mit den anderen Störfaktoren zu viel wird.
> Doch ändert all dies etwas am Prinzip der *Kompensation* durch
> reiterliche Einflussnahme?
Ah, ich hatte Dich missverstanden - Du siehst die reiterliche
Einglussnahme als quasi Zusatzfaktor zum Grundproblem "es juckt am
Näschen" und nicht als primären Auslöser.
> Du willst sicherlich darauf hinaus, die Qualifikation der "ehemaligen
> Berufsreiterin" als Indiz dafür zu verstehen, dass auch erhebliches
> Reitkönnen das Problem nicht lösen kann und daher getrost als
> nachrangige Aufgabe eingeordnet werden darf.
Nicht zwingend - wie Du ja richtig sagst, gibts unter den Berufsreitern
ja auch solche und andere - ich wollte dadurch nur ausgedrückt haben,
dass es bei verschiedenen Pferden mit verschiedenen Reiterinnen in
praktisch identischer Ausprägung auftritt, im konkreten Falle 1x
Ex-Vielseitigkeitsreiterin/Anglo-Araber und 1x ambitionierte
Freizeitreiterin mit mässigem Können/Freiberger.
Besagte Dame reitet übrigens sehr ansprechend (das nur der
Vollständigkeit halber). :-)
> Du hast aber betont, dass die Symptome in erster Linie beim Reiten auf
> dem Platz (statt beim Aufenthalt in der Sonne) auftreten. Damit ist die
> Blickrichtung vorgezeichnet: unter welchen Umständen ist die
> Reizschwelle am niedrigsten angelegt? Richtig: beim Reiten.
Nein, nicht nur beim Reiten - auch (z.B. gestern, hatte ich im vorigen
Posting bereits geschrieben) beim Freilaufen und beim Longieren. Damit
ist auch ein eventueller "störender" Einfluss der Zäumung
(Kappzaum/Trense/Leder am Kopf) nicht wirklich plausibel.
Gestern hatte ich sie auf einem Teil des Reitplatzes freilongiert
(ohne Nasennetz), dabei hat sie dann, als sie warm wurde, mit der
Zuckerei angefangen. Beim Longieren (mit Kappzaum, ohne HZ) hat sies
auch schon öfter gezeigt.
Ist also keineswegs nur aufs Reiten beschränkt, sondern scheint v.a. a)
mit dem Warmwerden, also vermutlich mit verstärkter Atmung bzw.
Durchblutung zu tun haben - wozu dann aber nicht recht passen will, dass
die Symptome im Gelände (wo sie ja auch warm wird) weniger bis gar nicht
auftreten. Und es ist nicht so, dass Ausreiten uns unserem Falle nur
Gurken am langen Zügel ist.
> Letztlich bringt hier irgendein Tropfen das (Reiz-)Fass zum Überlaufen.
> Zwar ist es durchaus möglich, dass dieses Fass auch ohne des Reiters
> Zutun fast randvoll ist und dessen minimales Stören jenem Tropfen
> entspricht. Da es sich aber (a) öfters andersherum verhält und (b) dem
> Reiter Möglichkeiten zu Gebote stehen, sozusagen das Fass zu vergrößern,
> kommt man über letzteren meist einer Problemlösung in Form ungestörteren
> Reitens näher.
(...)
> Übertragen auf das og. Pferd kann der Reiter zweierlei tun: erstens das
> Pferd soweit motivieren und beschäftigen, dass es sich nicht mehr auf
> die Fliegen kapriziert, und zweitens so gut wie eben möglich vermeiden,
> noch zusätzliche Frust- bzw. Stressauslöser auf des Pferdes Buckel
> (sic!) zu packen.
> Im konkreten Fall hieß das besonders konsequentes Reiten (also eben
> *nicht* Zugeständnisse in Form von laxeren Anforderungen an das
> "leidende" Pferd, sondern im Gegenteil *ganz* genaues Abfragen von
> Figuren und Übergängen), allerdings gleichzeitig vorübergehend Verzicht
> auf besondere körperliche Anstrengungen wie z.B. die Krafttraining
> vergleichbare Herausarbeitung versammelnder Lektionen. Ergebnis: kein
> Kopfschütteln mehr unterm Sattel, obwohl die Fliegen immer noch da waren
> und auf der Koppel auch immer noch störten.
So weit einleuchtend - nur, im Falle meiner Stute (und des Wallachs
meiner Miteinstellerin) will das in meinen Augen alles nicht so recht
passen. Denn das "normale" Reagieren auf Bremsen, Fliegen u. dgl. kann
ich bei ihr mit konzentrierter Arbeit auch gut in den Hintergrund
drängen - nicht aber das Gezucke. Bei dem Pferd meiner Miteinstellerin
wars letzten Frühling vor der Montage des Nasennetzes so arg, dass er
auf dem Platz praktisch nicht mehr reitbar war, weil er irgendwann
abgesehen vom Gezucke nur noch den Rüssel durch den Belag zog oder
selbige am Bein scheuerte. Nasendeckel drauf - Symptome wie weggeblasen.
Tja...
Ich weiss nicht, ob Du solches Zucken, wie es bei diesen Pferden
auftritt, schon mal gesehen hast - meine Stute kann quasi konzentriert
mitarbeiten und dann ohne Vorwarnung heftig mit dem Kopf schnicken - es
ist quasi eine isolierte Bewegung, die wie ein Reflex wirkt. Die Nase
zuckt kurz in Richtung Brust und dann heftig nach vorne. Danach wirkt
sie quasi wieder völlig normal - bis zum nächsten Zucken. Zumindest bei
meiner Stute ist es radikal anders ausgeprägt als alle anderen
Unmutsäusserungen vom "ich bin verspannt"-Kopfgeschlenker bis hin zum
"blöde Fliegen"-Gehampel.
Ich werds aber mal im Hinterkopf behalten und weiter beobachten.
Grüsse
Jacqueline
Zum Thema:
Nach 2 Jahren nicht geritten werden, ist Rih Rückenmuskulatur
weitestgehend weg. Nach ein wenig longieren habe ich dann einen
Wintec Sattel durch wechseln des Kopfeisens und unterlegen eines
Pads passend gemacht (dachte ich zumindest) und habe angefangen
ihn zu reiten. Das ging zunächst auch ganz gut, bis Rih etwas
Muskulatur bekommen hat und ich auf die nächste Kopfeisengröße
gewechselt habe. Danach hat Rih beim Reiten stark mit dem Kopf
geschlagen und ohne Reiter und Sattel mit den Kopf gezuckt.
Zurück tauschen des Kopfeisens brachte keine Besserung. Ich habe
dann Rihs Osteopathen geholt der mir schnell klar machte das der
Sattel nicht nur nicht passt, sonder auch wenn er scheinbar gut
liegt der falsche Typ ist. Er hat mir einen Punkt am Übergang
von Widerrist zu Rücken gezeigt der auf Druck genau das Kopf-
schlagen auslöst. Das geht aber nicht jedesmal, sondern braucht
so 10 - 20 sekunden um wieder scharf gemacht zu werden. Das
reizen diese Punktes ist kumulativ, d.h. der Sattel war von
Anfang an verkehrt, es hat aber etwa 6 Wochen gedauert, diesen
Punkt so zu überreizen das es zum dauernden Kopfschlagen/zucken
gekommen ist.
Nach 3 Wochen Erholung habe den vom Osteopathen empfohlen Kieffer
Sattel aufgelegt und die Kammerweite anpassen lassen. Leider hat
Rih so wenig Muskeln das es trotz passender Kammer nicht ohne
Pad geht.
Wenn ich Rih putze komme ich manchmal an besagten Punkt oder
an einen an der linken Schulter und löse damit (jetzt zum
Glück nur noch) Kopfzucken aus, das dann aber erstmal nicht
mehr verschwindet. Wenn ich das Pad 200%tig genau positioniert
habe und beim Reiten einen guten Tag (Alles klappt: Schenkel dran,
hinter dem Gurt, Hand ruhig und weich, ....) dann lässt sich das
Zucken weg reiten. Es bleibt dann auch nach dem Reiten weg.
Das Zucken ist in praller Sonne an heftigsten und wird im Dunkeln
von selbst besser.
Der Fellwechsel macht es mir schwer die Konstruktion aus Sattel und
Pad passend zu bekommen. Wenn das Pad nur 5mm zu weit vorn oder
hinten liegt geht es los mit Zucken und lässt sich dann auch nur
schwer bzw. gar nicht weg reiten.
Gruß
Reiner