Heinz Schmitz schrieb:
> Habt Ihr übrigens die Röntgen-Bilder bekommen (oder Print-Outs?).
Persönlich nicht. Die Bilder kommen wahrscheinlich nächste Woche nach
Auswertung der Biopsie mit dem endgültigen Befund. Bis jetzt ist nur die
Rücküberweisung aus Hofheim bei unserer TÄin angekommen.
Gestern konnte der Kater immer noch nicht fressen kann, obwohl er ganz
offensichtlich wollte. Jeder Versuch der Nahrungsaufnahme endete damit,
dass ihm das Futter an dickflüssigen Sabberfäden aus dem Maul fiel.
Schlucken schien ebenfalls nicht zu funktionieren. Nach einem Anruf in
der Tierklinik empfahl uns der behandelnde Arzt, bei unserer TÄin
vorstellig zu werden. Diese untersuchte gestern Nachmittag sein Maul
und stellte fest, dass sich seine Zunge entzündet hat. Daraufhin hat sie
ihm ein Antibiotikum mit Depotwirkung und Metacam injiziert.
Gestern Abend konnte der Kater zumindest ohne Sabbern Creme Fraiche von
meinen Fingern ablecken und auch die Tatarbrocken, die wir tagsüber
schon mal zu füttern versucht hatten, gingen halbwegs rein. Nur trinken
ging noch nicht, deshalb waren wir heute Morgen nochmal in der Praxis,
wo er eine Infusion bekommen hat. Mann, was war der Kater schlecht
drauf, aber irgendwie auch verständlich, wenn man Kohldampf schiebt,
nicht essen kann und drei Tage hintereinander gepiesackt wird. Nach der
Infusion hat er sich erstmal mit seinem subkutanen Wassersack ins Bett
gelegt und gepennt. Eben ist er aufgestanden und konnte zumindest
laktosefreie Sahne mit Metacam schlecken. Die TÄin hat uns noch zwei
Beutel extra weiches Katzenfutter mitgegeben; mal schauen, ob es damit
besser klappt.
Nachdem ich gestern Abend mal Plattenepithelkarzinom ins Englische
übersetzt (Squamous Cell Carcinoma, SCC) und nach diesem Begriff in
Verbindung mit dem wissenschaftlichen Namen des Wirkstoffs von Palladia
(Toceranib) und Katzen (Feline) gesucht habe, bin ich auch fündig
geworden:
o
http://jfm.sagepub.com/content/early/2016/01/06/1098612X15622237.abstract
Gemäß dieser Studie wird Palladia von Katzen sehr gut vertragen und die
Wirksamkeit deutlich gesteigert, wenn es mit einem NSAID (Metacam)
kombiniert wird. Da Palladia und NSAIDs nicht zusammen verabreicht
werden dürfen sieht die Therapie so aus, dass die Katze Montag, Mittwoch
und Freitag Palladia und an den anderen Tagen Metacam erhält. Diese
Therapie kann den Krebs zwar nicht heilen, aber zumindest die
Progression verlangsamen und im besten Fall stoppen.
o
http://www.vcchope.com/news/happy-case-feline-oral-squamous-cell-carcinoma
Dieser Bericht ist insofern interssant, als dass die mit Palladia
behandelte Katze zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts bereits
anderthalb Jahre seit der Diagnose eines oralen Plattenepithelkarzinoms
überlebt und keine schwerwiegenden Krankheitsymptome gezeigt hat. Auch
hier wurde Palladia in Kombination mit Metacam verabreicht, allerdings
war der Tumor bei der Diagnose erst 0,5 Zentimeter groß.
Interessant ist auch, dass es in Nordamerika bereits erste klinische
Untersuchungen über die Wirksamkeit von Palladia bei Katzen mit oralen
Plattenepithelkarzinomen gab, bevor das Medikament in der EU zur
Behandlung von caninen Mastzelltumoren überhaupt zugelassen wurde. Hier
ist noch ein Bericht von der Hale Veterinary Clinic in Ontario:
http://www.toothvet.ca/PDFfiles/palladia.pdf
In den letzten beiden Abschnitten heißt es:
"You will note that SCC is not mentioned in that information and nor are
cats. That is because Palladia is not cleared for use in cats or in the
treatment of SCC. Therefore its use in cats as part of the treatment of
SCC is 'off-label' and so Pfizer cannot provide 'on-the-record' Hale
Veterinary Clinic information about such use. However, oncologists are
aware of the drug and often use drugs off-label after obtaining informed
owner consent.
I will not be using this drug myself. As Clotilde pointed out in her
email to me "Because cancer cases are very complex (and time-consuming)
to manage, we recommend that cancer patients be referred to a specialist
as soon as the attending veterinarian suspects that they could benefit
from innovative cancer therapy options." and in these cases, the
specialist I would be calling on is a board-certified veterinary
oncologist. This is their shtick, and I am happy to let them do what
they do best."
Das Medikament Palladia und die Anwendungsmöglichkeit bei Katzen mit
oralen Plattenepithelkarzinomen ist unter praktischen Tierärzten
scheinbar noch relativ unbekannt, insofern war es goldrichtig, mit dem
Kater zu einem erfahrenen Onkologen zu fahren. Vor dem Hintergrund sehe
ich auch die Biopsie in einem anderen Licht.
Wir warten jetzt erstmal den endgültigen Befund ab. Wenn sich der
Verdacht eines Plattenepithelkarzinoms bestätigt, werden wir die
Therapie nach der oben beschriebenen Empfehlung beginnen. Zusätzlich
werden wir den Katz auch nach dem bereits beschriebenen Plan (aber ohne
B17) alternativ behandeln. Es kann mit Sicherheit nicht schaden und
vielleicht ist es der Therapie sogar zuträglich.
> Es kommt vielleicht auch darauf an, einen TA zu finden, der mit sowas
> Erfahrung hat - eine (echte!) Tierklinik? Schliesslich muss auch der
> Patient mitmachen - nicht jeder Liebling lässt sich Pillen einwerfen.
Wegen der Medikamentenzufuhr mache ich mir bei unserem Katz eigentlich
keine Gedanken, der ist eine regelrechte Fressmaschine. Eine Pille im
Futter wird anstandslos mitverspeist, aber dazu muss er erstmal
überhaupt wieder fressen.
> Ich drücke Euch weiter die Daumen - verwöhnt ihn so gut Ihr könnt.
> Aber das macht Ihr sicher sowieso schon.
Danke, das machen wir ;-)
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Gruß,
Jörg