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Moderlieschen transportieren

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Ina Koys

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Jun 1, 2013, 1:02:18 PM6/1/13
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Hallo,

folgendes schreibe ich, damit es mal jemand googeln kann:

Ich darf sagen, dass ich mich auskenne mit der Behandlung und dem
Transport von Fischen. Meine Aquarianerkarriere beinhaltet u.a. eine
Teich-Serie in der AT gotthabsieselig und einen Vortrag auf einer
internationalen Tagung in Decin. Aber etwas, das so heikel ist wie der
Transport von Moderlieschen (Leucaspius delineatus), kannte ich bis
gestern nicht mal als Gerᅵcht. Ich habe beim Fischtransport nie von
anderen Problemen gehᅵrt als Sauerstoff und Temperatur. Und ich weiᅵ von
Fᅵllen, in denen Leute z.B. einen Goldfisch ᅵber lᅵngere Strecken nur in
einen nassen Lappen eingewickelt heil nach Hause gebracht haben und auch
solchen, in denen balzende Fischpaare aus dem Aquarium gefangen wurden
und dann im Schraubglas auf dem Wege gelaicht haben, weil so Lappalien
einen doch nicht stᅵren mᅵssen.

Niemals aber habe ich gehᅵrt, gelesen oder Fᅵlle gesehen, in denen
Fische beim Transport vor Angst gestorben sind. Jetzt habe ich sie
selber erlebt. Bei Moderlieschen, die ich haben wollte, weil sie nach
Aussagen der Ichtyologischen Gesellschaft als einziger heimischer Fisch
keine Amphibienlarven fressen.
Vor 2 Wochen habe ich die ersten im Baumarkt gekauft. Der Verkᅵufer
sagte noch, sie wᅵren sauerstoffbedᅵrftig. Okay, aber das ist nicht
kritisch, Sauerstoffmangel kann man Fischen leicht ansehen. Und
verhinderbar ist er auch leicht, wenn nicht zu viele zusammensperrt.
Dennoch waren keine 12 Stunden nach dem Kauf 4 von 8 Fischen (mehr
hatten sie nicht) tot. Ohne erkennbare Ursache, wenn man mal die groᅵe
Nervositᅵt ausklammert.
Nun sind 4 verbleibende Fische kein Schwarm, deshalb habe ich gestern an
anderer Stelle 10 weitere kaufen wollen. Dort berichtete ich von meinem
ersten Versuch der Anschaffung. Ja, sagte mir jetzt die Hᅵndlerin, die
sind wirklich sehr zart. Wenn man 10 kauft, muss man mit dem Verlust von
zweien rechnen. Und damit ich dann 10 habe, gebe sie mir die zwei extra
mit. Angeliefert wᅵrden sie ᅵbrigens nachts bei ihr.

Ich nahm also mein Dutzend, transportierte es so schonend wie mᅵglich,
lieᅵ es die Nacht in einer semiprofessionellen Transportkanne im kᅵhlen
Wintergarten verbringen, dennoch waren am Morgen (ich konnte sie nicht
gleich in den Teich bringen) drei davon tot. Und sie reagierten nach wie
vor in vᅵlliger Panik auf praktisch nicht vorhandene Stᅵrung. Da dachte
ich an den Nachttransport und stellte die Kanne in eine schwarze
Reisetasche. Sofort deutliche Beruhigung.
So bin ich also mit den Fischen in der Reisetasche zum Garten gefahren,
um die Sensibelchen heil in den Teich zu bringen, in dem sie und ihre
Nachfahren ein glᅵckliches Fischleben fᅵhren sollen.

Alle haben die 1,5 Stunden Transport lebendig und gesund aussehend
hinter sich gebracht. Ich habe dann das Wasser und die Temperatur
angeglichen, dabei etwas Grᅵnzeug aus dem Teich als Deckung in die Kanne
geworfen (groᅵe Erleichterung unter Wasser) und sie dann in den Teich
entlassen. Alle verschwanden sofort nach unten und werden sich dort wohl
von dem Schrecken erholen.

Als Lehre daraus entnehme ich, dass es tatsᅵchlich Fische gibt, die vor
Angst sterben kᅵnnen. Ob nun direkt an der Angst oder an den
Verletzungen, die sie sich beim panischen Herumschieᅵen zuziehen, bleibt
mal dahin gestellt. Und man muss sich auch fragen, ob ein so zart
besaitetes Tier ᅵberhaupt gehandelt werden sollte. Aber da das nun mal
der Fall ist, muss man ihm wenigstens die Angst so weit wie mᅵglich
nehmen. Die Dunkelheit hat geholfen und hᅵtte ich Wasserpflanzenranken
dabei gehabt, wᅵren die sicherlich auch eine gute Idee gewesen.
Zuzᅵglich natᅵrlich zur normalen Sorgfalt und Sachkenntnis.
Ich hab dann im Nachhinein auch verstanden, warum Aquarianer mit solchen
Sensibelchen nicht konfrontiert sind: sie pflegen Tropenfische und kein
so empfindliches Tier wie unsere Moderlieschen wᅵrde Europa lebendig
erreichen.

Vielleicht hilft der Bericht, ein paar Moderlieschenleben zu retten.

Ina
--
Es wᅵchst!
http://www.koys.de/Gemuese-Abenteuer/
Jetzt mit Update:
http://www.touringaustralia.de/

Peter Lederer

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Jun 1, 2013, 1:53:03 PM6/1/13
to
Am 01.06.2013 schrieb Ina Koys:

> Vielleicht hilft der Bericht, ein paar Moderlieschenleben zu retten.

Vielen Dank für den Bericht. Da auch ich überlege, ein paar Moderlieschen
in den Teich zu bringen, weiß ich nun in Ansätzen, worauf ich achten muß.

In welchem Behältnis hast Du sie denn transportiert? Hast Du sie in diesem
Behältnis erst einmal in den Teich gestellt, wenn ja, wie lange? Was muß
man ggf. sonst noch beachten, wenn man sie im Teich aussetzen will?

Viele Grüße

Peter

--
wen's interessiert - Bilder aus meinem Garten
www.peterlederer.de/galerien/

Holger Issle

unread,
Jun 1, 2013, 2:09:18 PM6/1/13
to
On Sat, 01 Jun 2013 19:02:18 +0200, Ina Koys wrote:

>So bin ich also mit den Fischen in der Reisetasche zum Garten gefahren,

Hm, ich habs bisher immer so gemacht. Keine Ahnung warum und bei
unseren Fischen vermutlich auch nicht notwendig. Gut zu wissen aber
daß das wirklich was bringen kann.
--

Ciao,
Holger (GUS-KOTAL, GUS#1100, GRR#51)

90-92 Honda CB400 10 Mm | 93-95 Yamaha TDM 850 26 Mm
95-97 KTM 620 LC4 13 Mm | seit 97 BMW R1100GS 81 Mm (Die Renndrecksau!)

cu @ http://www.issle.de

Ina Koys

unread,
Jun 1, 2013, 2:26:06 PM6/1/13
to
Am 01.06.2013 19:53, schrieb Peter Lederer:

> In welchem Behältnis hast Du sie denn transportiert?

Diese Frage öffnet Abgründe. Im Osten wäre sie nicht gefragt worden,
denn das Behältnis aller Semiprofis und derer, die es gern sein wollten
war der Senfeimer, nur genannt "die Kruke". Ein Bildnis davon konnte ich
nicht googlen und ich hab ihn auch nicht knipsbereit. Ein
unverkäufliches würfelförmiges Leihbehältnis der Gastronomie aus
milchigem Plastik mit 10 l Volumen. Leider noch mit Originaldeckel.
Hätte die DDR etwas länger durchgehalten, hätte ich auch noch den
Milchkannendeckel, der noch besser ging, organisiert.

> Hast Du sie in diesem
> Behältnis erst einmal in den Teich gestellt, wenn ja, wie lange?

Wäre eine Möglichkeit. Aber ich kann die Kruke nicht in den Teich
stellen. Ich hab sie in der Tasche gelassen und aus dem Glas Wasser
aufgefüllt. Der Temperaturunterschied war sowieso nicht groß, da musste
man keinen Kult treiben.

> Was muß
> man ggf. sonst noch beachten, wenn man sie im Teich aussetzen will?

Beim Aussetzen wenig, die Temperatur sollte nur überein stimmen. Nicht
unbedingt aufs Grad genau, aber so, dass es sich gleich anfühlt. Und
nicht zu wenige kaufen, nicht nur wegen der Transportverluste. Es ist
ein Schwarmfisch, da sollte man nicht weniger als 10 von haben. Und ich
persönlich rechne stark damit, dass es bei der Anzahl nicht bleiben
wird. Damit das so kommt, brauchen die was Senkrechtes zum Laichen.
Konkrete Erfahrungswerte ansonsten noch übersichtlich. Vermutlich wird
es den schüchternen Neubewohnern helfen, dass die Frösche ständig
irgendwas anstellen. Da ist es nie so ganz stille im Wasser und man
hofft, dass sie etwas nervenstärker werden. Wie die Frösche ja auch.

Ina
--
Es wächst!

Peter Lederer

unread,
Jun 1, 2013, 5:00:42 PM6/1/13
to
Am 01.06.2013 schrieb Ina Koys:

> Am 01.06.2013 19:53, schrieb Peter Lederer:
>
>> In welchem Behältnis hast Du sie denn transportiert?
>
> Diese Frage öffnet Abgründe.

Danke für Deine Erklärungen. Nächstes Wochenende werde ich den ersten
Versuch starten.

Frank Hartwig

unread,
Jun 2, 2013, 2:53:00 AM6/2/13
to
Am 01.06.2013 19:02, schrieb Ina Koys:

> Vor 2 Wochen habe ich die ersten im Baumarkt gekauft. Der Verkäufer
> sagte noch, sie wären sauerstoffbedürftig. Okay, aber das ist nicht
> kritisch, Sauerstoffmangel kann man Fischen leicht ansehen. Und
> verhinderbar ist er auch leicht, wenn nicht zu viele zusammensperrt.
> Dennoch waren keine 12 Stunden nach dem Kauf 4 von 8 Fischen (mehr
> hatten sie nicht) tot. Ohne erkennbare Ursache, wenn man mal die große
> Nervosität ausklammert.
> Nun sind 4 verbleibende Fische kein Schwarm, deshalb habe ich gestern an
> anderer Stelle 10 weitere kaufen wollen. Dort berichtete ich von meinem
> ersten Versuch der Anschaffung. Ja, sagte mir jetzt die Händlerin, die
> sind wirklich sehr zart. Wenn man 10 kauft, muss man mit dem Verlust von
> zweien rechnen. Und damit ich dann 10 habe, gebe sie mir die zwei extra
> mit. Angeliefert würden sie übrigens nachts bei ihr.

Ich kenne inzwischen 2 Gartencenter/Baumärkte, die Moderlieschen nicht
mehr führen, weil sie denen zu teuer kommen (man kauft viele und
verkauft nur wenige).

Der sicherste Bezug ist möglichst in der Nähe aus einem Teich, in dem
sie sich wohlfühlen. Dann vermehren sie sich wie verrückt und werden
auch gern mal abgegeben. Zusätzlich hat man dann nur einen kurzen Weg
(bei mir war es ca. 1/2 Stunde Autofahrt) und den haben sie (1 Kescher
voll, ca. 40 Stück) bei mir alle lebend in einem schwarzen Baueimer
überstanden. Und dann am eigenen Teich gleich umgesetzt ohne große
Temperaturanpassung oder ähnlich.

Sie laichen bei mir übrigens überwiegend an den Seerosenblattstengeln.

Gruß Frank

Ina Koys

unread,
Jun 2, 2013, 12:11:21 PM6/2/13
to
Am 02.06.2013 08:53, schrieb Frank Hartwig:

> Der sicherste Bezug ist möglichst in der Nähe aus einem Teich, in dem
> sie sich wohlfühlen.

Aus einem Gartenteich gern, wenn ich so einen auftreibe. Aber wie mach
ich das? Aus der Natur wirds einerseits technisch schwierig und
andererseits illegal.

http://www.anglerverein-hirschfeld.de/moderlieschen.html

> Sie laichen bei mir übrigens überwiegend an den Seerosenblattstengeln.

Da sind sie auch bei mir herzlich zu eingeladen. Und da ich sie nicht
füttern werde gehe ich davon aus, dass der Bestand sich im Rahmen hält.
Ich nehm gern alle und auch viele, wenn die sich so viel Futter
beschaffen können. Ich finde die sehr hübsch und sie machen den Teich
lebendiger.

Ina
--
Es wächst!

Ina Koys

unread,
Jul 4, 2013, 8:56:32 AM7/4/13
to
Am 02.06.2013 08:53, schrieb Frank Hartwig:

> Der sicherste Bezug ist möglichst in der Nähe aus einem Teich, in dem
> sie sich wohlfühlen. Dann vermehren sie sich wie verrückt und werden
> auch gern mal abgegeben.
>
> Sie laichen bei mir übrigens überwiegend an den Seerosenblattstengeln.

Sieht aus, als würden meine das Konzept auch mögen. Habe gestern erst so
ein zitterndes Seerosenblatt entdeckt und dann bei näherer Ansicht einen
kleinen Fisch, der so ein Stück gallertartige Masse am Blattstängel
erbittert und entnervt gegen die fast gleichgroßen Kaulquappen
verteidigt hat :)

Ina
--
Es wächst!
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