Hallo,
folgendes schreibe ich, damit es mal jemand googeln kann:
Ich darf sagen, dass ich mich auskenne mit der Behandlung und dem
Transport von Fischen. Meine Aquarianerkarriere beinhaltet u.a. eine
Teich-Serie in der AT gotthabsieselig und einen Vortrag auf einer
internationalen Tagung in Decin. Aber etwas, das so heikel ist wie der
Transport von Moderlieschen (Leucaspius delineatus), kannte ich bis
gestern nicht mal als Gerᅵcht. Ich habe beim Fischtransport nie von
anderen Problemen gehᅵrt als Sauerstoff und Temperatur. Und ich weiᅵ von
Fᅵllen, in denen Leute z.B. einen Goldfisch ᅵber lᅵngere Strecken nur in
einen nassen Lappen eingewickelt heil nach Hause gebracht haben und auch
solchen, in denen balzende Fischpaare aus dem Aquarium gefangen wurden
und dann im Schraubglas auf dem Wege gelaicht haben, weil so Lappalien
einen doch nicht stᅵren mᅵssen.
Niemals aber habe ich gehᅵrt, gelesen oder Fᅵlle gesehen, in denen
Fische beim Transport vor Angst gestorben sind. Jetzt habe ich sie
selber erlebt. Bei Moderlieschen, die ich haben wollte, weil sie nach
Aussagen der Ichtyologischen Gesellschaft als einziger heimischer Fisch
keine Amphibienlarven fressen.
Vor 2 Wochen habe ich die ersten im Baumarkt gekauft. Der Verkᅵufer
sagte noch, sie wᅵren sauerstoffbedᅵrftig. Okay, aber das ist nicht
kritisch, Sauerstoffmangel kann man Fischen leicht ansehen. Und
verhinderbar ist er auch leicht, wenn nicht zu viele zusammensperrt.
Dennoch waren keine 12 Stunden nach dem Kauf 4 von 8 Fischen (mehr
hatten sie nicht) tot. Ohne erkennbare Ursache, wenn man mal die groᅵe
Nervositᅵt ausklammert.
Nun sind 4 verbleibende Fische kein Schwarm, deshalb habe ich gestern an
anderer Stelle 10 weitere kaufen wollen. Dort berichtete ich von meinem
ersten Versuch der Anschaffung. Ja, sagte mir jetzt die Hᅵndlerin, die
sind wirklich sehr zart. Wenn man 10 kauft, muss man mit dem Verlust von
zweien rechnen. Und damit ich dann 10 habe, gebe sie mir die zwei extra
mit. Angeliefert wᅵrden sie ᅵbrigens nachts bei ihr.
Ich nahm also mein Dutzend, transportierte es so schonend wie mᅵglich,
lieᅵ es die Nacht in einer semiprofessionellen Transportkanne im kᅵhlen
Wintergarten verbringen, dennoch waren am Morgen (ich konnte sie nicht
gleich in den Teich bringen) drei davon tot. Und sie reagierten nach wie
vor in vᅵlliger Panik auf praktisch nicht vorhandene Stᅵrung. Da dachte
ich an den Nachttransport und stellte die Kanne in eine schwarze
Reisetasche. Sofort deutliche Beruhigung.
So bin ich also mit den Fischen in der Reisetasche zum Garten gefahren,
um die Sensibelchen heil in den Teich zu bringen, in dem sie und ihre
Nachfahren ein glᅵckliches Fischleben fᅵhren sollen.
Alle haben die 1,5 Stunden Transport lebendig und gesund aussehend
hinter sich gebracht. Ich habe dann das Wasser und die Temperatur
angeglichen, dabei etwas Grᅵnzeug aus dem Teich als Deckung in die Kanne
geworfen (groᅵe Erleichterung unter Wasser) und sie dann in den Teich
entlassen. Alle verschwanden sofort nach unten und werden sich dort wohl
von dem Schrecken erholen.
Als Lehre daraus entnehme ich, dass es tatsᅵchlich Fische gibt, die vor
Angst sterben kᅵnnen. Ob nun direkt an der Angst oder an den
Verletzungen, die sie sich beim panischen Herumschieᅵen zuziehen, bleibt
mal dahin gestellt. Und man muss sich auch fragen, ob ein so zart
besaitetes Tier ᅵberhaupt gehandelt werden sollte. Aber da das nun mal
der Fall ist, muss man ihm wenigstens die Angst so weit wie mᅵglich
nehmen. Die Dunkelheit hat geholfen und hᅵtte ich Wasserpflanzenranken
dabei gehabt, wᅵren die sicherlich auch eine gute Idee gewesen.
Zuzᅵglich natᅵrlich zur normalen Sorgfalt und Sachkenntnis.
Ich hab dann im Nachhinein auch verstanden, warum Aquarianer mit solchen
Sensibelchen nicht konfrontiert sind: sie pflegen Tropenfische und kein
so empfindliches Tier wie unsere Moderlieschen wᅵrde Europa lebendig
erreichen.
Vielleicht hilft der Bericht, ein paar Moderlieschenleben zu retten.
Ina
--
Es wᅵchst!
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