Mast und Schotbruch
Willi
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Hallo Willi!
Ich kenne das Problem, und die Meinungen differieren relativ stark. Bei Esys oder
woanders habe ich mal gelesen, dass etwa 10 Prozent der Bruchspannung eingestellt
werden sollten. Vor einem Jahr habe ich mir deshalb mal ein Wantenspannungsmessgeraet
(aus Schweden) gekauft, in dessen Anleitung dieselbe Empfehlung gegeben wurde.
Bei meiner Neptun22 habe ich dann nachgemessen und festgestellt, dass das
eine ziemlich grosse Spannung bedeutet! Wenn die Mastabstuetzung im Boot stabil
genug ist, mag das zulaessig sein. Bei der Neptun22 hingegen wird die Kraft unter
Deck von einem einlaminierten Teak-Traeger zur Seite abgeleitet, und es gibt nicht
wenige Neptuns, die entlang dieses Tragers auf Deck sichtbare Haarrisse im Gelcoat
zeigen. Auch bei meiner ein wenig, weshalb ich den Teaktraeger zusaetzlich mit
dicken Teakbohlen am Mastschott abgestuetzt habe. Trotzdem stelle ich auch zukuenftig
keine 10% Bruchlast bei der Wantenspannung ein. Allerhoechstens 2-3%. Das ist immer-
noch dicke stramm, und das Material (Beschlaege, Traeger, Schotten) wird nicht
unnoetig stark belastet.
sail away!
Jost
---
Jost Koller Institut fuer Theoretische Physik
email: jost....@tu-clausthal.de TU Clausthal
Tel.: +49 (0)5323 72-2052 Leibnizstr.10
Fax.: +49 (0)5323 72-3116 D-38678 Clausthal-Zellerfeld
Ich habe darueber schon so verschiedenes gehoert, dass ich mit
einem klaren weiss ich nicht antworten muss. Deshalb haben
wir auch nie ein solches Messgeraet benutzt. Wir haben bei unserer
(kleinen) Etap immer nach Schnauze eingestellt. Nicht zu hart und nicht zu
labrig. Die Leeseite war dann immer gerade ein bisschen entspannt.
Wir sind damit immer bestens gefahren.
Andre
wschl...@warsteiner.com wrote:
>
> Hallo, wer kann mir Infos über die Riggspannung bei Fahrtenschiffe (Wanten und
> Stage) geben ? Nach welchen Kriterien sellt mann diese ein ? Stramm wie eine
> Saite oder gerade so, "das der Mast nicht umkippt? Spannungsmeßgeräte gibt es
> ja, aber keine Infos wie mann das Rigg einstellen sollte.
>
> Mast und Schotbruch
>
> Willi
>
> -----------== Posted via Deja News, The Discussion Network ==----------
> http://www.dejanews.com/ Search, Read, Discuss, or Start Your Own
Hi Willi,
die Spannung sollte gerade so groß sein, daß das Lee-Want auch bei Wind
nicht losekommt.
Denn ein schlackerndes Want bedeutet, daß das Rigg zu stark arbeiten
kann, wobei die
Belastungen für das Schiff durch die Bewegung im Rigg im Endeffekt sogar
größer sein
können als bei höheren voreingestellten Riggspannung.
Viel Spaß damit....
Benni...
--
Hi sailor,
zum Thema Riggspannung kann ich Dich auf eine Seite in ESYS verweisen,
da wird ganz simpel aber exakt beschrieben, wie die Wantenspannung
optimal eingestellt wird.
http://www.esys.org/gaebler/gaebtrm2.html
Mast- und Schotbruch,
Peter O. Walter
webm...@esys.org ESYS: http://www.esys.org/
Handy 0171/9533253 priv. Homepage: http://www.esys.org/pow-home.html
Telefon +49/8161/13885 national: 08161/13885
Fax +49/8161/42085 national: 08161/42085
10% der Bruchlast ist fuer ein Fahrtenschiff wohl in der Tat etwas viel.
Bei Regattaschiffen bei denen man die Spannung nach dem Segeln vom
rigg nimmt ist das vielleicht OK, aber nicht wenn die Spannung das
Jahr ueber bleibt (tut sie wohl auch nicht, weil sich das Schiff darunter
verformt ;)).
Man muss erstmal trennen zwischen Wanten und Vor/achterstag,
Bei einigen Booten (z.B. soling, J/24) faehrt man relatiev wenig
Vorstagspannung (das "haengt" zum teil sogar etwas durch, obwohl man
bei solchen Schiffsgroessen durchaus ohne durchhang fahren koennte.
Bei den Wanten wuerde ich erstmal anfangen beim segeln zu schauen, ob der
Mast zur seite biegt (und wo) wenn er das tut, ist's zuwenig Spannung,
wenn nicht ist's ok.
Beim trimmen groesserer Schiffe habe ich eigentlich noch nie ein
Messgeraet benutzt und es fuhr trotzdem.
Man will mit den wanten den Mast ja nur gerade halten, evtl die Biegung
beeinflussen (bei schraegen Sailingen), aber nicht einfach nur den
Mast stauchen.
Beim Segeln (an der Kreuz natuerlich) einfach mal den
Mast langpeilen...
Mehr wiess ich auch nicht.
Gruss
Peter
>Trotzdem stelle ich auch zukuenftig
>keine 10% Bruchlast bei der Wantenspannung ein. Allerhoechstens 2-3%. Das ist
>immer-
>noch dicke stramm, und das Material (Beschlaege, Traeger, Schotten) wird
>nicht
>unnoetig stark belastet.
Hallo Willi.
Jost kann ich nur zustimmen.
Zu starke Wantenspannung belastet das Material aufs äußerste.
Ist nur was für (Profi) Regattasegler, die die Spannung
laufend kontrollieren und auch ändern und (wichtig) nach dem Segeln wieder
"runterfahren".
Stell Deine Wantenspannung als Fahrtensegler so ein, daß sie
(ohne Belastung) stramm ist, beim Segeln dürfen dann die Leewanten
etwas durchhängen(nicht schlabbern). Damit kommst Du gut durch die See.
Und zum Trimm ist sowieso wichtiger, das der Mast gerade
steht und die Mastkrümmung (nach vorn oder hinten) stimmt.
(Ist natürlich wiederum abhängig von Spannung - ergänzt sich halt
alles und ist ein sehr komplexes System).
Mein Rat zum Fahrtensegeln: nicht zu viel Spannung, damit machst
Du schnell was falsch und belastest das Material immens
(z.B. Maststauchung, zu hohe Rumpfbelastung etc).
Grüße
Manfred
PS: ich hoffe, Du hast "keinen" hydraulischen Achterstagspanner :-))
und Literatur über "Riggtrimm" gibts wie Sand am Meer.
Auf Wunsch gebe ich gerne ein paar Adressen.
Rolf
--
Rolf Kleinecke
-----------------------
52°27,5'N
07°03,4'E
----------------------
keep smiling
Jost Koller schrieb in Nachricht
<79blkp$9ba$1...@methusalix.rz.tu-clausthal.de>...
>wschl...@warsteiner.com wrote:
>: Hallo, wer kann mir Infos ueber die Riggspannung bei Fahrtenschiffe
(Wanten und
>: Stage) geben ? Nach welchen Kriterien sellt mann diese ein ? Stramm wie
eine
>: Saite oder gerade so, "das der Mast nicht umkippt? Spannungsmessgeraete
gibt es
>: ja, aber keine Infos wie mann das Rigg einstellen sollte.
>
>Hallo Willi!
>
>Ich kenne das Problem, und die Meinungen differieren relativ stark. Bei
Esys oder
>woanders habe ich mal gelesen, dass etwa 10 Prozent der Bruchspannung
eingestellt
>werden sollten. Vor einem Jahr habe ich mir deshalb mal ein
Wantenspannungsmessgeraet
>(aus Schweden) gekauft, in dessen Anleitung dieselbe Empfehlung gegeben
wurde.
>Bei meiner Neptun22 habe ich dann nachgemessen und festgestellt, dass das
>eine ziemlich grosse Spannung bedeutet! Wenn die Mastabstuetzung im Boot
stabil
>genug ist, mag das zulaessig sein. Bei der Neptun22 hingegen wird die Kraft
unter
>Deck von einem einlaminierten Teak-Traeger zur Seite abgeleitet, und es
gibt nicht
>wenige Neptuns, die entlang dieses Tragers auf Deck sichtbare Haarrisse im
Gelcoat
>zeigen. Auch bei meiner ein wenig, weshalb ich den Teaktraeger zusaetzlich
mit
>dicken Teakbohlen am Mastschott abgestuetzt habe. Trotzdem stelle ich auch
zukuenftig
>keine 10% Bruchlast bei der Wantenspannung ein. Allerhoechstens 2-3%. Das
ist immer-
>noch dicke stramm, und das Material (Beschlaege, Traeger, Schotten) wird
nicht
>unnoetig stark belastet.
>
Alfred
http://www.aumat.com/homeport
Ich verwende "einen" hydraulischen Achterstagspanner ;-)
>
>Ich verwende "einen" hydraulischen Achterstagspanner ;-)
>
Na, hoffentlich "ziehst" Du den nicht zu sehr an, so daß
der Mast zum Flitzebogen wird und das Vorstag dann auch
keine Lust mehr hat und sich aus seinen Verankerungen
verabschiedet :-))
Grüße
Manfred
> Hallo, wer kann mir Infos über die Riggspannung bei Fahrtenschiffe (Wanten und
> Stage) geben ? Nach welchen Kriterien sellt mann diese ein ? Stramm wie eine
> Saite oder gerade so, "das der Mast nicht umkippt? Spannungsmeßgeräte gibt es
> ja, aber keine Infos wie mann das Rigg einstellen sollte.
>
> Mast und Schotbruch
>
> Willi
>
Hallo,
ich kann die Seite http://www.dersegler.de/nordic/home.html empfehlen, in der der
ganze Rigg Trimm kurz und buendig beschrieben ist, vor allem auch von der
Reihenfolge her.
Ob die angegebene Spannung (15-20% d. Br.Last) fuer das eigene Schiff geeignet
ist, mag
jeder selbst entscheiden.
Was mich wundert ist, dass dort 15-20% Br.Last 3-5mm Reck pro m Draht
entsprechen,
waehrend bei esys.org... 15 % Br.Last 3mm Reck auf 2m entsprechen (seltsame
Masseinheit).
Vielleicht kann jemand vom Fach den einen oder anderen Wert mal bestaetigen.
Gruss
Wolfgang
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~~~~/\~~~~ Navigare necesse est
~~_/__\__~
~~\_____/~ Wolfgang Iden
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Hallo Willi,
tatsächlich ist die Frage der Riggspannung nicht so einfach zu
beantworten. Allgemeingültige Antworten gibt es jedenfalls nicht. Es
kommt halt zu sehr auf das einzelne Schiff, den individuellen Mast an.
Der wichtigste Faktor in diesem Zusammenhang sind neben den "ziehenden"
Wanten die "drückenden" Salinge, die in Abhängigkeit von ihrer Länge
dafür sorgen, daß der durch Windlast "verbogene" Mast wieder
"zurechtgedrückt" wird, damit er wieder gerade steht. Eine kürzere
Saling braucht einen höheren Wantendruck, um diesen Effekt zu erzeugen.
Weil bei Fahrtenschiffen zu hohe Wantenspannungen nicht erwünscht sind,
findet man hier oft längere Salinge als bei Regattaschiffen, die mit
höherer Spannung gesegelt werden. Grundsätzlich würde auch ich den Mast
erstmal so hinstellen, daß er gerade steht und das Leewant gerade nicht
schlackert. Dann aber muß man herangehen und die Spannung der
verschiedenen Wanten soweit verändern, daß man auch unter Last einen
geraden Mast hat. Die einzigen Wanten, die die MastBIEGUNG nicht
beeinflussen, sind die tiefsten Unterwanten. Damit kann man erstmal eine
Grundeinstellung machen. Die Spannung der Mittel-/Oberwanten findest Du
heraus, indem Du bei belastetem Mast mit dem Auge direkt am Mast in
Richtung Top schaust. Eine Krümmung nach Luv braucht mehr Druck auf der
Saling an der entsprechenden Stelle, also höhere Wantenspannung des dort
umgelenkten Wantes. Eine Krümmung nach Lee braucht mehr Spannung des an
der Stelle direkt angeschlagenen Wantes. Du merkst schon: An Land kann
man einen Mast nicht vernünftig einstellen. Das macht man am Besten auf
dem Wasser, wenn man Zeit und Crew zum Basteln hat. Man stellt jeweils
das Leewant ein, macht eine Wende und korrigiert danach das andere Want
um dieselbe Anzahl Umdrehungen, damit die Symmetrie gewahrt bleibt.
Für das Segeln ist allerdings ein ganz anderer Riggdruck viel wichtiger:
Der Druck auf den Stagen. Bei einem 7/8-Rigg kann ich nur sehr zu
ordentlich strammen Backstagen raten, sobald der Wind zunimmt. Gleiches
gilt für das Achterstag bei toppgetakelten Schiffen. Denn nur so kann
ein durchhängendes Vorstag verhindert werden. -Und das ist bekanntlich
der Schlüssel zur Höhe am Wind...
Hab ich Dir helfen können?
Liebe Grüße, Folkmar