Am 15.01.2012 15:23, schrieb Tobias Crefeld:
> Und ja, die meisten kommerziellen Schulen
> bieten Bootsmaterial, dass dafür ausgelegt ist, mit minimalen
> Trainingsaufwand möglichst schadensarm möglichst viele Scheinaspiranten
> die Prüfungen zu schleusen.
> Besser als nix ist das. Aber gut ausgebildet ist gerade das eben nicht!
Oder auch nicht besser als nix. Ich habe mein Geld mal als Trainer für
Herstellerzertifizierungen (so was wie MCSE) verdient. Oft für
"Umschüler". Das Glück war, daß wir eine Serie aus 6-7 Prüfungen auf ca.
3-4 Monate ausbreiten konnten. Da hat man dann die Zeit, mit den
Prüflingen praktisch zu arbeiten und den Stoff wirklich zu lehren. Beim
selben Auftraggeber habe ich die gleiche Prüfungsserie mal als
Firmenschulung. Da geht es wirklich darum, Leute in der vom Hersteller
vorgesehenen Zeit so zu trainieren, daß sie durch die Prüfung kommen.
Die Arie dauerte vier Wochen.
Also keine Spezialität bei dieser Art Schulung.
> Also die Einrichtungen, die die unselige
> Union aus DSV, DMYV und kommerziellen Schulverbänden bei den letzten
> Gesetzesnovellen am liebsten völlig aussen vor liessen.
Es beginnt übel zu riechen, wenn man die Ausbildung auf "zugelassene"
oder "zertifizierte" Schulungszentren beschränkt.
Damit fallen dann alle nichtkommerziellen Anbieter wie durch ein Wunder
aus...
Die SBF-Prüfung damals war ja ein Aufsatzwettbewerb, der im
Straßenverkehr Fragen gehabt hätte wie "Welche Farben zeigt eine
Verkehrsampel", statt zu vermitteln, wie man mit dem Auto von A nach B
kommt.
Ich hatte nach Ausbildung (in kommerzieller Schule) und vor Prüfung noch
Probleme in Navigation und verwandten Gebieten, bin dann zu meinen
Großvater gefahren (alter A6er und leidenschaftlicher Segler), der mir
auf seiner gestrengen Art erst einmal mitteilte, was er von
Schulungsunterlagen und Prüfungsanforderungen hielt (wenig!), um mir
dann in einem Heißsiedekurs das beizubringen, was er für wesentlich hielt.
Seine mir am tiefsten im Gedächtnis bleibende Übung war: "Wir sind bei
Helgoland und wollen nach Hamburg in den und den Hafen."
Natürlich aus Sicht des Berufsschiffers. Da habe ich dann so einiges
verstanden, was ich sonst nur stumpf und ohne Sinn auswendig gelernt hätte.
Hätte aber in meiner Schule vielleicht wirklich zu viel Zeit gebraucht.
Ob das durch eine Zertifizierung der Schulen besser gelaufen wäre?
Ich habe mal einen "Certified Technical Trainer" gemacht, Kurs in
London, schriftliche Prüfung und Beispielvideo. War ganz nett,
aber wer es vorher nicht konnte, konnte es hinterher auch nicht.
Bestanden haben aber alle.
>> Mit den Führerscheinen scheint es so zu sein, daß sie den
>> frischgebackenen Besitzer dazu qualifizieren, ohne Aufsicht mit einem
>> Wasserfahrzeug zu üben, ohne gleich von vornherein zum Scheitern
>> verurteilt zu werden oder eine große Gefahr für alle anderen
>> Verkehrsteilnehmen darzustellen.
>
> Das ist wohl der Plan der meisten bundesdeutschen Scheine-Aspiranten - der
> dann bei den meisten eine Halbwertszeit hat, die kaum über die Zeit bis
> zur Prüfung hinausreicht, oder war das bei Euch anders?
Die meisten Sachen, die man uns lernen ließ, habe ich nie wieder
gebraucht. Das, was ich brauchte, wußte ich vorher. Was nicht viel war -
beschränktes Revier, einfach zu beherrschendes Fahrzeug. Keine
Schleusen, kein klassisches Anlegen. Keine Fahrerei bei Nacht und Nebel.
dafür ständig "Mann über Bord"-Manöver (Wasserskischlepp).
Jetzt, nach Jahrzehnten, würde ich DAS noch können. Aber ich käme nicht
heil mit 14 Metern Schiff von Hamburg nach Kiel, ohne dieses oder jenes
noch mal neu zu lernen oder Fahrstunden zu nehmen.
> Und ja, natürlich gibt es Situationen, in denen man auch ohne Maschine im
> Hafen anlegen sollte. Wobei es mir im Zweifel herzlich wurscht ist, ob ich
> das darf. Oder frei nach Birne: Entscheidend ist, was dabei herauskommt.
Zugestanden. Aber muß es dann so geübt werden, daß es perfekt aussieht? :)
Gruß,
Jens