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Auch ein Segelbericht ...

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Claudia

unread,
Mar 1, 1999, 3:00:00 AM3/1/99
to
Wegen der momentanen Segelberichtflaute berichte ich von meinem ersten Törn,
vielleicht erlebt jemand die gleichen Ängste und kann mir weiterhelfen...

Als mein Freund Frank seinen Segelschein A erwerben wollte, paukte ich mit
ihm die Theorie, immer im Auge, daß wir eines schönen Sommertages mit einem
stolzen Segelboot auf einem romantischen See dahingleiten werden. Mir gefiel
die Seemannssprache, besonders solche Worte wie "Verklicker", "Wanten" und
"Tampen" hatten es mit angetan. Nach bestandener Prüfung wollte Frank mir
auch die Praxis zeigen. Am See mußte ich gleich mithelfen Groß und Fock zu
setzen, denn schließlich sollte ich eines Tages einen prima Vorschoter
abgeben. Die Sonne schien und wir hatten Windstärke 3. Gerade von der Boje
losgemacht rief mein Freund "wir gehen an den Wind, hol die Schot dich und
setz dich, wenn es nötig wird, auf die Luvkante. Vergiß ja nicht, deine Füße
unter die Ausreitgurte zu klemmen!" Im nächsten Augenblick legte sich das
Boot auf die Seite und ich bekam einen Panikanfall. Ich hatte Angst, wir
könnten kentern. Ich hielt die Schot, bis mich meine Kräfte verließen. Weil
mir meine Haare durch den "enormen" Fahrtwind ins Gesicht flatterten, konnte
ich überhaupt nicht abschätzen, wie schnell wir eigentlich waren. Ich
schrie, so daß es Frank schon peinlich war:"Ich will zurück! Ich hab' eine
Scheißangst!" Er brachte mich heil an Land, mit schlotternden Knien legte
ich mich ins Gras und wollte nicht glauben, daß Segeln so sein mußte. Nach
mehreren Versuchen an anderen Tagen und reichlich Analyse gelangten wir zum
Schluß, es mußte die Krängung sein, die mir solche Angst machte. Also
probierten wir es mit einem Katamaran, nachdem man mir versichert hat, daß
der auf gar keinen Fall krängen wird. Wir fuhren zum Velouwemeer und liehen
uns einen TopKat. Ich bekam ein mulmiges Gefühl angesichts der
hightechmäßigen Ausstattung. Also im Neopren rauf auf den Kat, und schon
gings los. Der Kat krängte tatsächlich nicht - aber wir kriegten eine
Affengeschwindigkeit drauf und hopsten und krachten durch jede Welle, daß
mir schlecht vor Angst wurde. Jetzt mußte auch noch gewendet werden (wie
gut, daß Frank sich das Katsegeln per Videolehrfilm angeeignet hatte). Also
klar zur Wende und die Schoten dicht. Frank paßte nicht auf, es gab
irgendein Problem mit dem Traveller, und das Scheißding stieg blitzeschnell
dermaßen hoch, daß ich ins Rutschen kam. Instinktiv ließ ich die Schot los,
was Frank glücklicherweise sofort bemerkte, so daß er sein Groß ebenfalls
öffnete und wir wieder in die Waagerechte kamen. Danach durfte er mich noch
an Land bringen.
Trotz meiner Ängste bin ich segelbegeistert und verschlinge besonders gern
die Barawitzka-Bücher und träume von einem Törn auf dem Meer mit einer
tollen Segelyacht. Wahrscheinlich starten wir im nächsten Jahr; mal sehen,
was es dann für ein Segelbericht wird.
Grüß Euch, Claudia

Norbert Gschw.

unread,
Mar 2, 1999, 3:00:00 AM3/2/99
to
Hallo Claudia,
ich kann dich gut verstehen!
mach doch einfach selber einen Segelkurs (*Praktisch*, denn die Theorie
nimmt dir nicht die Angst). Du brauchst nicht gleich ein Segelschein zu
machen, aber es hilft, von einem Segellehrer die Grundkenntnisse vermittelt
zu bekommen. Sprich mit einer Segelschule über dein Problem, du wirst sehen,
die meisten haben dafür Verständnis.

Dein Freund wird dir die "Segelangst" IMO nicht nehmen können.
Wenn ich meine Frau gleich am Anfang unserer Segelerfahrungen "im Neopren"
auf einen Kat gesetzt hätte - ich weis nicht recht, ob das was geworden
wäre.
Sportliche Aktivitäten vom Partner zu lernen ist, ist sehr problematisch und
bei uns tabu - Sportlehrer sind billiger als Scheidungsanwälte ;-)).

Ich hoffe, du findest noch die richtige Freude am Segeln - auch bei 30°
Schräglage!

Norbert

Mario Schwarz

unread,
Mar 2, 1999, 3:00:00 AM3/2/99
to
Hallo Claudia,

ich kann dich verstehen - mir ging es am Anfang auch so aehnlich (nicht
soo extrem ;-)).

Ich bin anfangs mit einem Kumpel, den ich im Abitur kennen gelernt habe
mitgesegelt - als Vorschot. Da ging es mir auch Anfangs recht schlecht,
als das Boot so stark kraengte, das schon Wasser unten reinlief und ich
hatte schon Angst das wir kentern. Um mir die Angst zu nehmen hat er
dann an einer flachen Stelle das Boot mit mir drin umgeschmissen. Und
ich merkte - soo schlimm war das nun auch nicht, zumal es sich nur auf
die Seite legte und ich es fast allein wieder aufrichten konnte. Und soo
klein war das Boot auch nicht (L. 5,20m ; B. 1,80m ; H. 7,00m).
Weiterhin musste ich feststellen, das die Kraengung ziemlich stark sein
konnte, bis das Boot wirklich umkippte: Winkel > 72 Grad laut CE
Pruefung. Nun ja danach lernte ich Trapez segeln und bin nun fast
suechtig danach... . Da braucht man schon ein ppar Windstaerken (ne 3-4
sollte es schon sein), das man konstant im Trapez sein kann. Und das
Gefuehl, wenn man dann ins Gleiten kommt ist schon Wahnsinn. Mein erstes
richtiges Kentern hab ich als Steuermann erlebt - zu wenig Erfahrung.
Als ich schon im Wasser lag hatte ich die Grossschot noch fest in der
Hand - Schuld eigene! Da ist das Boot aber sofort durchgekentert und wir
mussten ein Motorboot ranholen, um es wieder aufzurichten - es hatte
sich mit der Mastspitze in den Grund gebohrt. Es war aber nicht so
schlimm - Wasser war warm und wir hatten jede Menge lustige Zuschauer am
Land ;-|. Ab dem letzten Jahr nun segel ich fest auf einem (halben)
eigenen Boot als Vorschot. Wir sind zweimal gekentert letztes Jahr. Das
erste Mal bei einer Regatta bei 5-6 Windstaerken, als wir durch eine
enge Stelle (nur 10m breit - tolle Duese) gegen den Wind kreuzen
mussten. Aufrichten konnte wir das Boot auch nicht mehr, da wir beide
auch schon ziemlich fertig waren - das hat ein Betreuungsboot gemacht.
Wir wollten aber unbedingt weitersegeln, obwohl wir eh schon weit
abgeschlagen waren. Also wieder rein in die "Badewanne" - Klamotten aus
(bis auf die Badehose ;-) ). Zu meiner Verwunderung war gar nicht so
viel Wasser im Boot (knoechelhoch - so 20 Liter villeicht). Zwar
kraengte das Boot noch schneller - der Wind war immer noch der
gleiche... - aber da wir nun alles nicht mehr so dicht fuhren (v.a. die
Fock, die uns beim ersten mal umgeworfen hatte) ging es recht gut und
nicht mehr so anstrengend weiter. Nach 2-3 Schlaegen mit offenem Lenzer
war das ganze Wasser raus. Ich haette nie gedacht, das das so gut
funktioniert. Ist als ob man bei ner Badewanne den Stoepsel zieht.
Letztendlich sind wir eine Stunde, nachdem die Regatta offiziell zu Ende
war, wieder am Ausrichter Verein angekommen. Leider hat uns der fehlende
Verklicker verraten und die Freude war mal wieder ziemlich gross... .
Das zweite Mal kentern war dann noch lustiger - Ich voll im Trapez be
ner 5er Boe, als der Wind drehte. Da sind wir nach Luv gekentert - Boot
auf mich rauf - war auch ne tolle Erfahrung. Nun gut - jedenfalls ist
kentern fuer mich nun nicht mehr mit Angst verbunden - eher mit Aerger,
wenn man dadurch bei einer Regatta Plaetze verliert. Mulmig wird mir nur
noch, wenn ich auf Halbwind mit Spinnacker + Fock voll im Trapez stehe.
Wenn ausreichend Wind ist, ist es naemlich gar nicht so einfach den Spi
zu halten... . Vor allem kommt es da 100% auf den Vorschot an. Der
Steuermann kann da naemlich nicht mehr viel machen, wenn der Spi sich
selbstaendig macht und auf die Seite rauscht...

Fazit: Einfach mal kentern - das nimmt die Angst!! ;-)

Gruss
Mario

--
SCK Webmaster
http://www.segel.de/SCK
Segel Club Kruepelsee e.V.
mailto:bl...@cs.tu-berlin.de

DokOrg

unread,
Mar 2, 1999, 3:00:00 AM3/2/99
to
Im Artikel <7bgdtt$e9b$2...@news07.btx.dtag.de>, N.Gsch...@t-online.de
(Norbert Gschw.) schreibt:

>Ich hoffe, du findest noch die richtige Freude am Segeln - auch bei 30°
>Schräglage!

hi claudia,
glaub ihm, es kann _wirklich_ spass machen, sogar bei 31° .-)
Gruss
Christian

<<neu im usenet>>

Andreas Janke

unread,
Mar 2, 1999, 3:00:00 AM3/2/99
to
(Zitat ein wenig gekürzt)
Claudia schrieb:
>
> ... ich bekam einen Panikanfall. Ich hatte Angst, wir

> könnten kentern. Ich hielt die Schot, bis mich meine Kräfte verließen. Weil
> mir meine Haare durch den "enormen" Fahrtwind ins Gesicht flatterten, konnte
> ich überhaupt nicht abschätzen, wie schnell wir eigentlich waren. Ich
> schrie, so daß es Frank schon peinlich war:"Ich will zurück! Ich hab' eine
> Scheißangst!" Er brachte mich heil an Land, mit schlotternden Knien legte
> ich mich ins Gras und wollte nicht glauben, daß Segeln so sein mußte. Nach
> mehreren Versuchen an anderen Tagen und reichlich Analyse gelangten wir zum
> Schluß, es mußte die Krängung sein, die mir solche Angst machte.
(...)

> Trotz meiner Ängste bin ich segelbegeistert und verschlinge besonders gern
> die Barawitzka-Bücher und träume von einem Törn auf dem Meer mit einer
> tollen Segelyacht. Wahrscheinlich starten wir im nächsten Jahr; mal sehen,
> was es dann für ein Segelbericht wird.
> Grüß Euch, Claudia

Hi, Claudia,

ich bin zum Segeln etwas anders gekommen: Zunächst als Mitfahrer am
Ruder bei einem netten ruhigen Kaffeetörn (sehr schwacher Wind), dann
einmal in strömendem Regen, ein weiteres Mal hier ... und da ... und
dort ... und plötzlich hatte ich ein eigenes Boot! Nach der Überführung
von Seestermühe (Elbe) unter Maschine - mit einem sehr erfahrenen
Kollegen - lag das Boot erst einmal eine Woche in Stickenhörn /Kiel.
Während dieser Liegezeit haben wir die Ausrüstung vervollständigt und
sind dann ein erstesmal alleine rausgeschippert.
Nach einer Weile dachten wir uns, es wäre doch ganz nett, auch einmal
diese großen weißen Tücher anzubinden (hatten alle anderen auch). Wir
kriegten das auch ganz gut hin und fuhren dann (völlig vertrimmt, die
Sache, aber es war Fahrt im Schiff!) Richtung Innenförde. Ausweichregeln
und die Theorie waren bekannt.
Wir hatten erst nur das Vorsegel drauf und nach einer Weile dann auch
das Groß (hatten alle anderen auch). Die Schräglage war nicht besonders,
und wir hatten eigentlich viel Spaß. Dann bemerkte ich irgendwann, daß
von den anderen Booten nacheinander die Segel verschwanden. Huch?
Feierabend? So früh schon? .. und dann die schwarze Wolke und eine
Böenfront, die sich gewaschen hatte ... und wir mit > 30° und vollem
Zeug mittendrin ... auf dem ersten "Törn".
Soviel Schiß habe ich im Leben noch nicht gehabt...
Aber heute sehe ich das nach zugegeben etlichen Meilen etwas ruhiger:
Wir haben den alten Kasten (schau sie Dir ruhig mal an:
http://home.t-online.de/home/A.Janke/molly.htm ) auch schon bei 5 Bft
unter vollem Zeug auf 50° übergelegt und hatten einen Sauspaß dabei! Das
Deck war an den Seiten fast bis zum Kajütenfenster im Wasser, und die
Segel hatten wir auch noch absichtlich ein wenig dichter genommen,
einfach nur um mal zu sehen, wie's geht.
Angst kannst Du meiner bescheidenen Meinung nach nur durch "aufbauendes"
Segeln bekämpfen. Steige mal bei einem ruhigen und erfahrenen Skipper
ein - an einem Tag, an dem nix los ist (wettermäßig) auf einem größeren
Boot, nicht grade auf 'ner Jolle (würd' ich auch heute noch nicht
draufsteigen).
Ich hatte das Glück, so einen sehr gut zu kennen, und ich habe einen
Großteil meiner ersten Saison als Eigner immer noch meinen persönlichen
"Coach" an Bord gehabt, der nicht so schnell die Ruhe verliert wie ich
(bin ein kleiner Hektiker...). Das hilft ungemein!
Wegen der Krängung: Du schreibst von "Ausreitgurten", sicherlich wart
Ihr auf einer Jolle unterwegs. Versuche auf einem normalen Kielboot ein
paar ruhige Fahrten mitzumachen. Die Krängung ist bei einem normalen
Kielboot erst dann unangenehm, wenn sie 30° übersteigt (ist schon
heftig), vielleicht könnt Ihr auch Segelfläche wegnehmen. Nach einer
Weile könnt Ihr dann ja die Schräglage steigern. Im Kielboot sitzt Du
auch gefühlsmäßig sicherer, weil höher über dem Wasser und in der Regel
durch's Cockpitsüll gestützt.
Probieren, probieren - Segeln macht dann irgendwann einmal SPASS!!!

Herzlichst,
Andreas

Mario Schwarz

unread,
Mar 3, 1999, 3:00:00 AM3/3/99
to Claudia B.
Hi Claudia,

werd mal wieder in die Group zurueckwandern - ist ja alles oeffentlich?!

"Claudia B." wrote:
>
> Hi Mario,
>
> ich habe mich fast schlappgelacht über Deine Geschichten. Hast Du denn auch
> mal ne Regatta gewinnen können?

Ne - das geht nicht so schnell - schon gar nicht mit "Schnuddel" (Name
unseres Bootes - Homepage:
http://user.cs.tu-berlin.de/~black/schnuddel/schnuddel.htm). Wir waren
im letzen Jahr immer so im hinteren Mittelfeld - die Konkurrenz ist echt
stark. Unsere beste absolute Plazierung war nen 4. Platz (von 5) - die
beste relative ein 11. Platz (von 20). In diesem Jahr planen wir zum
Saison Ende so ins vordere Mittelfeld zu fahren. Das ist schon echt
schwer bei den guten Leuten mit super neuen Booten und Segeln... . Unser
Boot ist schon 17 Jahre alt und die Segel - zwar wenig gesegelt - sind
auch schon 10 Jahre alt.

> Übrigens hat man mir auch mal angetragen,
> eine Kenterung herbeizuführen, ähm... wollte ich aber dann doch nicht.

Ist lustig!

> Ich
> halte es manchmal aber auch schon länger auf einem Boot aus! Ich hab unsere
> Urlaubsgeschichte noch vergessen: Letztes Jahr haben wir uns ein 7m-Boot
> (Jouet) in Frankreich für vier Stunden auf einem See gemietet. Wir waren zu
> viert. Die Böen waren teilweise sehr heftig, und es sah nach Gewitter aus.
> Das Boot hatte ganz schön Schräglage - da bin ich lieber unter Deck
> gegangen, obwohl es dort penetrant nach Benzin roch. Zwei Stunden habe ich
> mich dort unten abgelenkt, indem ich der Mannschaft diverse Essenshäppchen
> zurechtmachte und raufreichte. Dann war ich am Ende und man mußte mich an
> Land bringen. Sobald die Segel runterwaren und der Motor lief, kam ich
> vergnügt an Deck. Ist doch wirklich bescheuert, oder? Na jedenfalls gebe ich
> die Hoffnung noch lange nicht auf!
> Danke für Deine Mail, habe mich sehr gefreut.
> Tschüß, Claudia
>

Ich mach dieses Jahr auch mal Urlaub mit Schnuddel - hab jetzt nen Auto
und kann ihn ueberall mit hinnehmen ;-)!

> -----Ursprüngliche Nachricht-----
> Von: Mario Schwarz <mario....@icn.siemens.de>
> Newsgroups: de.rec.sport.segeln
> Datum: Dienstag, 2. März 1999 12:02
> Betreff: Re: Auch ein Segelbericht ...

Paul Lenz

unread,
Mar 3, 1999, 3:00:00 AM3/3/99
to
N.Gsch...@t-online.de (Norbert Gschw.) schrieb am 02.03.99:

> Dein Freund wird dir die "Segelangst" IMO nicht nehmen können.

Warum nicht? Es sollte halt mal bei "langweiligen"
Windstärken anfangen und langsam steigern.


Proppi


Ich lese alle öffentlichen Antworten - bitte _keine_ PM-Kopien!
Diese Sig ist absichtlich nicht abgetrennt, weil ich bei meinem
Editor "RemoveTrailingWhite" aktiviert habe.
http://www.lenz-online.de ** XP v3.1 R **

Norbert Gschw.

unread,
Mar 4, 1999, 3:00:00 AM3/4/99
to

Paul Lenz schrieb in Nachricht <7CB0D...@sampo.han.de>...

>N.Gsch...@t-online.de (Norbert Gschw.) schrieb am 02.03.99:
>
>> Dein Freund wird dir die "Segelangst" IMO nicht nehmen können.
>
>Warum nicht? Es sollte halt mal bei "langweiligen"
>Windstärken anfangen und langsam steigern.
>
Frag mal irgendeinen Sportlehrer. Die meisten kennen die Probleme mit
"Partner lernt Partner eine Sportart".
Auch wenn Claudia nicht verheiratet ist:
Sportunterricht ist billiger als ein Scheidungsanwalt! :-)

Norbert

n...@available.com

unread,
Mar 4, 1999, 3:00:00 AM3/4/99
to

----------
In article <7bgdtt$e9b$2...@news07.btx.dtag.de>, N.Gsch...@t-online.de
(Norbert Gschw.) wrote:

>Dein Freund wird dir die "Segelangst" IMO nicht nehmen können.

>Wenn ich meine Frau gleich am Anfang unserer Segelerfahrungen "im Neopren"
>auf einen Kat gesetzt hätte - ich weis nicht recht, ob das was geworden
>wäre.
>Sportliche Aktivitäten vom Partner zu lernen ist, ist sehr problematisch und
>bei uns tabu - Sportlehrer sind billiger als Scheidungsanwälte ;-)).

Also dem kann ich nur beipflichten.

Ich (ohne Schein) hatte mal das zweifelhafte Vergnuegen, mit einer Freundin
(ohne Schein) und ihrem Ex (mit Schein) einen letzten Uebungstrip vor der
Binnenpruefung zu bestreiten. Eigentlich war das ein wunderschoenes
Wochenende mit zwei sehr netten Menschen, aber was die sich an den Kopf
geworfen haben...da habe ich sogar vergessen, seekrank zu werden!

Es bleibt dann nur zu hoffen, dass es mindestens 6 Bft. pfeifft und man auf
dem Vorschiff nicht so mitkriegt, was achterlich ablaeuft. Und MOB Manoever
nochmal gut durchdenken und sitz der Weste pruefen. :)

- henrik

PS: ok ok, soooo schlimm war's dann auch wieder nicht :)

Wulf Neubacher

unread,
Mar 6, 1999, 3:00:00 AM3/6/99
to
Hi Claudi,

das Problem mit der Angst vor der Schrägliag ist ganz normal.

Ich erinnere mich noch sehr gut wie ich zum ersten mal auf einem Kielboot
gefahren bin. Damals hatte ich bereits eine mehrjährige Erfahrung mit Jollen
inklusive Trapezsegeln und auch Kentern. Das alles war auch bei etwas
heftigerem Wetter kein Problem und macht ja sogar richtig Spaß. Das erste
mal, das ich auf einem Kielboot (Yacht, ca. 9m Länge)mitgefahren bin war ich
auf die Schräglage gar nicht vorbereitet, da die Jollen ja immer wagerecht
gesegelt werden. Als sich dann die Yacht auf die Seite legte bekam ich einen
richtigen Schrecken und mir wurde richtig mulmig. Ich habe mich dann erst
einmal ruhig zurückgelehnt, in mich hineingehocht und beobachtet. Ich wußte
ja: kentern kann so eine Yacht nicht (zumindest nicht unter normalen
Umständen). Je nach Schräglage saß ich mal unten, mal oben auf der Kante, -
und so nach einer halben Stunde hatte ich mich an diese Situation
einigermaßen gewöhnt und es wurde ein toller und viel zu kurzer Ausflug.

Trotzdem: ich habe dann selber anschließend Kielboote gechartert (offene und
kleinere Yachten). Und bei den ersten drei Ausflügen auf diesem Bootstyp
mußte ich mich immer wieder neu an die Krängung gewöhnen. Ist ja logisch!
Deine Wahrnehmung meldet eine ungewohnte Situation und Dein Gefühl sagt Dir:
Gefahr. Es braucht eben eine Weile, bis sich der Instinkt an die neue
Situation zu gewöhnen.

Übrigends: wir machen regelmäßig Segelausflüge bei denen wir Bekannte
(i.d.R. Nichtsegeler) mitnehmen. Und hier tritt immer das gleiche Problem
auf, sobald das Boot kränkt: Angst, Verkrampfung, Schrei (mal mehr, mal
weniger extrem). Ich laß denjenigen dann auf der oberen Kante sitzen,
erkläre ihm (meißt sogar vor Beginn der Fahrt) das das Boot nicht umkippen
kann und warum, und sage dann, wenn es soweit ist: Sitzenbleiben, immer mit
der Ruhe, keine Gefahr, das Boot kann nicht kippen. Und das funktioniert
wirklich gut. Die meißten brauchen eine Weile bis Sie sich daran gewöhnt
haben, aber das ruhige Sitzen und beobachten gibt eben die nötige Zeit zur
Gewöhnung. Und dann hat gerade die Kränkung bei entsprechendem Tempo immer
viel Spaß gebracht.

Nichts desto trotz: auch dies Mitsegler brauchten die nächsten zwei bis drei
male immer wieder eine Eingewöhnungszeit, bis Sie dann endgültig von anfang
an die Situation als nicht mehr bedrohlich empfanden. Also: gib Dir Zeit.
Setze Dich hin, lehne Dich zurück und versuche Dich zu entspannen. Das Boot
kann nicht umkippen und die Geöhnung an die Schräglage kommt schneller als
man am Anfang glauben kann.

Gruß
Wulf

Wir machen regelmäßig Segelausflüge

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