Welches sind die juristischen Konsequenzen für den Skipper, wenn ein
Crewmitglied nachts ohne Lifeline ausrutscht und verloren geht und der
Skipper kein Liveline-Obligatorium ausgesprochen hat.
Samuel
>Welches ist Eure Meinung zum Tragen von Lifelines in der Nacht? Besteht
>generell ein Obligatorium
Kommt 'drauf an.....
Bei längeren (Blauwasser-) Törns, wenn nur einer Wache hat, würde ich
immer Lifeline anlegen, denn nichts ist erfrischender als morgens
aufzuwachen, und ins leere Cockpit zu gucken. Da weißt Du nämlich
genau, daß Umkehren keine Sinn hat - wer weiß, wie lange das Paddel
schon alleine ist.
> oder kann man dies bei Windstaerke 1-3
>vernachlaessigen?
Kann sich ja schnell ändern - und bei dem, was so alles unsere
Weltmeere bevölkert (Container, Holzteile, Netze, Wale....) ist ein
gewisses "unkontrolliertes Verhalten" des Bootes denkbar.
Aber mal ernsthaft - solange man keine hektischen Manöver ausführt
(Segelreffen/ bergen etc), was bei 1-3 und in der Nacht wohl eh nicht
stattfindet - , was vergibst Du Dir, wenn Du das Teil anlegst? Bei
gespannten Sorgleinen und 2 m Lifeline (die kurze nur um Umhaken der
langen benutzen), ist Deine Bewegungsfreiheit IMHO keineswegs
eingeschränkt.
Es soll ja auch schon so mancher beim Lenzen über Bord gegangen
sein......
Und dann das Ganze in einer mond-losen Nacht, das aus der Crewliste zu
streichende Mitglied hat natürlich keine Weste an, von
optischen/akustischen Signalmitteln ganz abgesehen.....
>Welches sind die juristischen Konsequenzen fuer den Skipper, wenn ein
>Crewmitglied nachts ohne Lifeline ausrutscht und verloren geht und der
>Skipper kein Liveline-Obligatorium ausgesprochen hat.
IMHO ist der Skipper für die Sicherheit der Crew verantwortlich - ob
Du dann juristisch fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge oder
Totschlag oder wasauchimmer draus zimmerst, überlasse ich den
Schwarzdohlen.
Ausserdem würde ich einem Skipper, der unter o.a. Umständen schonmal
eine Verlustmeldung schreiben mußte, und danach noch seines Lebens
froh wurde, 'eh nicht mehr trauen.
Ein Freund von mir, selbst Skipper, sagte kürzlich, daß er dann wohl
das Segeln ganz schmeißen würde - und das wäre für ihn echt 'ne
Entbehrung.
Also - leg das Teil an!!
>Samuel
>
Ulrich
...und immer eine Handbreit Wasser in der Koje....
Welches sind die juristischen Konsequenzen für den Skipper, wenn ein
Crewmitglied nachts ohne Lifeline ausrutscht und verloren geht und der
Skipper kein Liveline-Obligatorium ausgesprochen hat.
Samuel
Hallo Samuel,
als RudergängerIn nachts ohne lifeline - das finde ich schon sehr
leichtsinnig. Ich bin bisher davon ausgegangen, daß es sowie so ein MUSS
ist.
RudergängerIn geht über Bord und der Rest der Crew träumt in der Koje, na
prost...!
Gabriele
Mein Fazit:
Lifebelt ist wichtiger als Rettungsweste.
Es darf keiner ueber Bord gehen.
Gruss Anno
: Mein Fazit:
: Lifebelt ist wichtiger als Rettungsweste.
: Es darf keiner ueber Bord gehen.
Leider ist es auf den ueblichen Charteryachten schwierig, fuer mehrere
Crewmitglieder in der Plicht genuegend gute Punkte zum Anbinden zu finden.
Normalerweise findet sich doch rein gar nichts ausser dem Buegel am
Ruderstand, und ob das so gut ist, glaube ich nicht recht. Noch bloeder ist
das Gefummel mit den Langloechern in der Aluleiste auf dem Weg nach vorne...
warum es so schwer ist, zwei stabile Baender vom Bug zum Heck innen an den
Wanten vorbei (!) serienmaessig zu installieren, ist mir auch nicht klar.
Ich hab bis jetzt nur eine Charter-Yacht gesehen, wo zwei solcher Gurte
installiert waren, und fand es sehr positiv. Bei etwas Ueberlegung ist es
ja wohl klar, dass der Fixpunkt zum Anklinken moeglich weit innen sein
sollte, um den Fallweg im Ernstfall zu verringern. Was es normalerweise
gibt, ist einfach Murks.
Martin
--
| Martin Jangowski E-Mail: ma...@birdland.rhein-neckar.de |
| Voice: +49 621/53 95 06 Fax: +49 621/53 95 07 |
| Snail Mail: Koenigsbacher Str. 16 D-67067 Ludwigshafen Germany |
| RNInet e.V. Rhein-Neckar Internet |
Andererseits kommen einige interessante Gedanken zu Tage:
Martin Jangowski schrieb in Nachricht
<6th206$57p$1...@birdland.rhein-neckar.de>...
>Leider ist es auf den ueblichen Charteryachten schwierig, fuer mehrere
>Crewmitglieder in der Plicht genuegend gute Punkte zum Anbinden zu finden.
Ja Martin, das stimmt leider.
Ich nehme aus diesem Grund zwei Leinen mit (8mm Schot mit hoher
Reißfestigkeit), die ich für Nachtfahrten jeweils an Backbord und Steuerbord
befestige. Die haben sich für Arbeiten auf dem Vorschiff gut bewährt.
Sicherlich wär ein Drahtzug die bessere Alternative, jedoch ist das richtige
Ablängen auf einer Charteryacht schwierig.
Das Problem in der Plicht ist so allerdings noch nicht gelöst - da heißt es
weitersuchen.
Mast und Schotbruch
Frank
Moin,
bei mir ist das Tragen von Lifelines und das Einpicken Pflicht
1. nachts
2. wenn's diesig ist oder regnet oder sonstwie schlechte Sicht herrscht
3. wenn die Sicht schlechter werden kann
4. wenn Manoever auf dem Vorschiff ausgefuehrt werden muessen und ein
aufrechter Gang nicht moeglich ist.
Ob es Pflicht ist oder nicht interessiert mich so wenig wie das Rumgemosere
der Crew. Wenn was passiert bist Du als Skipper eh verantwortlich und zwar vor Dir
selbst, den Angehoerigen des Ersoffenen und vor dem Seeamt.
Huebsches Beispiel (keine Woche alt). knapp 6 Bft in Boeen durchaus mehr, moderate
Welle (See 1,5 m). Wir laufen Strande an zum tanken, natuerlich geht in der Strander
Bucht die See deutlich flacher. zwei Mann muessen nach vorn um das Vorsegel zu bergen.
Natuerlich wollten sie Westen und Leine schon ablegen, war ja nischt mehr los. Skipper
besteht drauf. Mecker mecker suelz. Kurz bevor wir in Strande einlaufen kommt ein
Lotsenboot aus dem Hafen und schmeist ein Welle, wie wir sie den ganzen Tag nicht
hatten. Die Jungs waren echt froh, dass sie sich einhaken konnten.
Andre
Nachts, also bei Dunkelheit (nicht unbedingt, wenn die Sonne untergeht),
besteht für mich das Tragen von Rettungsweste und Lifeline zur Pflicht.
Natürlich auch für meine Crew, falls ich Skipper bin. Das Einpicken
gehört natürlich auch dazu. Ja, auch im Cockpit.
> Welches sind die juristischen Konsequenzen für den Skipper, wenn ein
> Crewmitglied nachts ohne Lifeline ausrutscht und verloren geht und der
> Skipper kein Liveline-Obligatorium ausgesprochen hat.
Keine Ahnung.
Gruß,
Michael
--
A day for firm decisions!!!!!
Or is it?
>Leider ist es auf den ueblichen Charteryachten schwierig, fuer mehrere
>Crewmitglieder in der Plicht genuegend gute Punkte zum Anbinden zu finden.
Da geb ich Dir 100% Recht, aus diesem Grund werden bei mir grundsätzlich für
die Nacht (und immer dann wenn Lifebelt angesagt ist) Strecktaue
ausgebracht. Ein (ausreichend langer) Festmacher auf jeder Seite entlang der
Plicht und dann mittschiffs nach vor tut´s da durchaus gut. Meistens finden
sich da auch genügend Beschläge dafür.
>.... Was es normalerweise
>gibt, ist einfach Murks.
Sehe ich auch so und glaube, daß dies einer der Hauptgründe für das Gemurre
und die Unlust, Lifebelt und Rettungsweste anzulegen ist. Allein der Gedanke
an das umständliche Anlegen einer beengenden Ausrüstung die auch noch die
Bewegungsfreiheit einschränkt, löst bei vielen bereits eine gewisse
Abwehrhaltung aus.
Abhilfe: Auch und vor allem beim Chartern in eine automatische Rettungsweste
mit integriertem Lifbelt (gibts schon für weniger als DM 200) und in eine
flexible Lifeline (nicht ganz billig aber dafür umso praktischer)
investieren.
Erleichtert das Leben, erhöht die Sicherheit (insbesondere im Vergleich zu
den üblichen Westen mit festen Auftriebskörpern) und kostet gemessen an
durchschnittlichen Chartergebühren nicht die Welt.
Ansonsten halte ich es wie Andre.
Gruß,
--Christian
Dachte ich mir auch. Nun beim ersten Törn in Griechenland darf ich die Weste
schon mal
nicht im Flugzeug mitnehmen!
Martin
Andre
: Dachte ich mir auch. Nun beim ersten Törn in Griechenland darf ich die Weste
: schon mal
: nicht im Flugzeug mitnehmen!
Seltsam, ich war im Mai in Griechenland und hatte selbstverstaendlich meine
Rettungsweste im Flugzeug dabei... man sollte sich vorher allerdings nach den
Vorschriften fuer die Mitnahme der CO2-Patrone erkundigen. Ich konnte bei beiden
Fluegen die Weste samt Ersatzpatrone im Koffer mitnehmen.
Die Kombination Weste + Lifeline halte ich nur dann f"ur sinnvoll,
wenn tats"achlich Gefahr f"ur das Schiff besteht (Sturm) und
ggf. ein Ausklinken erforderlich w"are. Ansonsten ist bei
konsequenter Benutzung der Lifeline eine Rettungsweste
"uberfl"ussig, zumal auch die Automatikwesten relativ
schwer sind und die Bewegungsfreiheit einschr"anken
(ganz abgesehen davon, da\3 die Automatikwesten in einer
schweren See schon mal von selbst aufpoppen)
Zudem kann man sich vorstellen, da\3 eine Weste eher dazu
verf"uhrt, den Lifebelt kurzzeitig auszuklinken, denn, 'man hat
ja noch die Weste', blo\3 da\3 die einem z.B. nachts auch
nix mehr hilft. Die Weste ist dann sinnvoll, wenn die Chance
besteht, einen "uber Bord gegangenen Segler in einer vertretbaren
Zeit wieder zu finden, und lediglich ein 'Untergehen' vermieden
werden mu\3 (Dem guten Eric Tabarly h"atte z.B. eine Weste auch
nichts mehr gen"utzt)
Eine optimale Kombination ist IMHO ein in die Segeljacke
integrierter Lifebelt, der einem das Rumgewurschtel mit
dem unhandlichen Geschirr erspart, und eine
(Automatik)-Weste, an die ggf. noch eine Lifeline eingeklinkt
werden kann.
Frank
--
WWW * http://igv113.igv.kfa-juelich.de/frank/ * WWW
WWW * Segeln - Motorrad - NetBSD * WWW
Frank Baur (eMail: f.b...@fz-juelich.de)
IGV - Forschungszentrum Jülich GmbH, D - 52425 Jülich
> > Abhilfe: Auch und vor allem beim Chartern in eine automatische Rettungsweste
> > mit integriertem Lifbelt (gibts schon für weniger als DM 200) und in eine
> > flexible Lifeline (nicht ganz billig aber dafür umso praktischer)
> > investieren.
>
> Dachte ich mir auch. Nun beim ersten Törn in Griechenland darf ich die Weste
> schon mal
> nicht im Flugzeug mitnehmen!
Damit hatte ich noch nie Probleme.
Du mußt Dich rechtzeitig vor dem Abflug mit dem Gefahrgutbeauftragten
der Fluglinie in Verbindung setzen. Dieser setzt Dir dann ein
freundliches Schreiben auf, in dem er Dir die Mitnahme der Westen und
der CO2-Patronen bestätigt, mit dem Hinweis, das Schreiben beim Check-in
vorzulegen.
Bisher bin ich übrigens beim Rückflug noch nie danach gefragt worden,
was dazu führt, daß ich nicht weiß, ob es nicht vielleicht geschickter
ist, sich das Ding sicherheitshalber auch auf Griechisch ausfertigen zu
lassen. :-))
Die Patronen gehören übrigens nicht ins Handgepäck, sondern ins
aufgegebene Gepäck.
--
...und tschuess!
Michael
E-mail: M.Otte...@sailor.ping.de
Genau das habe ich gemacht. Besser gesagt nicht ich selber sondern die Dame, die die
deutsche Vertretung des Vercharterers hat (die übrigens ausgesprochen nett und
hilfreich ist). Sie meinte zu Anfang die Weste mitzunehmen wäre kein Problem, man
müsste sie eben nur vorher angeben. Nun als Ergebnis bekamen wir vom
Sicherheitsbeauftragten der Fluglinie ein Fax in dem stand, daß dies neuerdings
prinzipiell nicht mehr möglich ist. Ich denke, da kann man nicht mehr viel machen.
Ich habe dann bei dem Reisebüro angefragt, bei dem ich immer meine Dienstreisen
buche. Die Dame kannte das Problem und meinte auch das es nicht mehr möglich ist.
Sie hatte unlängst einen Kunden, der wollte eine CO2 Sprudel Patrone bei einem
innerdeutschen Flug mitnehmen. Er mußte dann mit dem Zug fahren, weil im Flieger
absolut nichts ging.
Aber es hängt sicher von der jeweiligen Fluggesellschaft ab. In meinem Fall ist es
Aero LLoyd!
> Die Patronen gehören übrigens nicht ins Handgepäck, sondern ins
> aufgegebene Gepäck.
So doof bin ich auch wieder nicht!
Bonjour a toi ;-)
> mein Vorbild, Eric Tabarly (66), hat in der Nacht vom 12. Juni einen
> großen
> Fehler gemacht. Bei einem Segelmanöver war er nicht gesichert und fiel
> ins 11 Grad kalte Wasser.
Sorry - aber Tabarly hat keinen Fehler gemacht, er hat sich aus Prinzip
*nie* angeleint. "Uber das Risiko war er sich voll bewu\3t (was
die Kolumnisten einiger deutscher Segelzeitschriften nie kapieren
werden).
Schl"usse f"ur die eigene Person respektive f"ur die Verantwortung
gegen"uber der Crew daraus zu ziehen, bleibt jedem selbst
"uberlassen.
Frank Baur schrieb:
> Bonjour a toi ;-)
>
> > mein Vorbild, Eric Tabarly (66), hat in der Nacht vom 12. Juni einen
> > großen Fehler gemacht.
> Sorry - aber Tabarly hat keinen Fehler gemacht, er hat sich aus Prinzip
> *nie* angeleint. "Uber das Risiko war er sich voll bewu\3t (was
> die Kolumnisten einiger deutscher Segelzeitschriften nie kapieren
> werden).
Pardon, aber mein Deutsch läßt in den Nuancen noch zu wünschen übrig.
Es ist richtig, er war ein Idéalist, und es war seine Art, zu segeln.
Salut, Robert
Samuel Steinemann schrieb:
> Welches ist Eure Meinung zum Tragen von Lifelines in der Nacht? Besteht
> generell ein Obligatorium oder kann man dies bei Windstärke 1-3
> vernachlässigen?
>
> Welches sind die juristischen Konsequenzen für den Skipper, wenn ein
> Crewmitglied nachts ohne Lifeline ausrutscht und verloren geht und der
> Skipper kein Liveline-Obligatorium ausgesprochen hat.
>
> Samuel
Schau mal auf die Seenot-Seite von http://sailpress.home.ml.org
und lies die Story vom Segler, der nachts vor Rügen unbemerkt über Bord
gegangen ist - was erst beim Frühstück bemerkt wurde.
Zur Juristerei: Wer als Skip nachts nicht Lifebelts,
Rettungs-/Schwimmwesten UND Notlichter anlegen läßt, handelt grob
fahrlässig und wird mit Sicherheit vom Seeamt eins auf die Mütze bekommen.
Wie willse denn was retten, watte nicht siehst?
Gruß Joachim Preuß
Duisburg
>On 15 Sep 1998 18:42:50 GMT, E. Ries + R. Gebhard
> <E-...@t-online.de> wrote:
>> mein Vorbild, Eric Tabarly (66), hat in der Nacht vom 12. Juni einen
>> großen
>> Fehler gemacht. Bei einem Segelmanöver war er nicht gesichert und fiel
>> ins 11 Grad kalte Wasser.
>Sorry - aber Tabarly hat keinen Fehler gemacht, er hat sich aus Prinzip
>*nie* angeleint. "Uber das Risiko war er sich voll bewu\3t (was
>die Kolumnisten einiger deutscher Segelzeitschriften nie kapieren
>werden).
Ich denke, man kann auch bei der Auswahl seiner Prinzipien einen
Fehler machen.
Hans Friedrich Steffani
--
Hans Friedrich Steffani
Institut fuer Elektrische Maschinen und Antriebe, TU Chemnitz
mailto:hans.s...@e-technik.tu-chemnitz.de
http://www.tu-chemnitz.de/~hfst/
Andre
On 16 Sep 1998 10:12:31 GMT, Uwe Roettgering
<rot...@uni-muenster.de> wrote:
>
> Lifebelt?
>
> Mit Interesse habe ich die Diskussion um die Lifebelts verfolgt. Nach
> meiner Ansicht übertreiben es manche mit der Anleinerei. Um gar nicht erst
> über Bord zu fallen wird empfohlen, so selten wie möglich das Cockpit zu
> verlassen und, sollte es doch einmal erforderlich sein, grundsätzlich
> angeleint zu sein.
Solche Tips sind nat"urlich Unsinn.
> Beide Tips klingen gut, führen aber in die falsche
> Richtung. Es bringt nichts, wie ein verängstigtes Kanninchen im Cockpit zu
> hocken und nur alle Jahre wieder wie ein angeleintes Hündchen auf dem
> Vordeck herumzukriechen. Vielmehr muß man sich die Beweglichkeit
> antrainieren, sich sicher auf dem Schiff zu bewegen und dies geht nur durch
> üben, üben und üben. Da die meisten Segler nicht die Zeit zum Üben haben
> (zwei, drei Wochen Urlaub im Jahr sind dafür etwas kurz), ist verständlich,
> daß man sich unsicher fühlt und deshalb das Bedürfnis sich anzuleinen groß
> ist (Stichwort Seebeine).
Aus diesem Grund halte ich es z.B. f"ur Segler, die nicht so
oft auf dem Wasser unterwegs sind f"ur sinnvoll, sich bei viel Welle
die ersten 1-2 Tage anzuleinen, bis sie sich eingeschaukelt haben,
und eine halbwegs sichere Ausweichreaktion f"ur einen "uberkommenden
Baum haben. Danach kann man das mit dem Anleinen etwas lachser sehen.
Aber die Frage des Ursprungspostings war ja, ob man sich nachts
generell anleinen soll, und ich w"urd sagen, wenn man halt ein
bischen d"osig und damit unkonzentriert ist, dann tritt man
halt schon mal auf ein Fall und wenn Du nachts weg bist, dann bist
Du weg.
> Auch ich habe mich bei meinem ersten ruppigen
> Nordseetörn im Cockpit angeleint - heute würde ich das nicht mehr machen.
> Dieses Jahr bin ich über 10.000 Meilen gesegelt, davon zwei mal alleine
> über den Atlantik. Angeleint war ich nur bei einem Sturm vor Portugal im
> Cockpit (2 mal quergeschlagen)
Als Einhandsegler bist Du Dir und nur Dir gegen"uber verantwortlich.
Da kannst Du machen was Du willst. Als Skipper einer Crew f"allt ein
(t"odlicher) Unfall auf Dich zur"uck, rechtlich gesehen und auch
gegen"uber dem Verunfallten bzw. dessen Familie.
> Den möchte ich sehen, der angeleint einen Spi setzt ...
Den m"ochte ich sehen, der bei "uber 40 kn Wind einen Spi setzt...
(Zumal bei ner Chartercrew...)
> Fazit für mich: bis vielleicht 25-30 Knoten Wind leine ich mich nicht an
> (stattdessen krabble ich auf allen Vieren über Deck), und ab 40 Knoten
> sichere ich mich auch im Cockpit.
Ich halte es nicht f"ur sinnvoll, die Windst"arke als
alleiniges Kriterium anzusetzen, statt dessen:
1. Besteht erh"ohte Gefahr, da\3 ich im Falle des "Uberbordgehens
nicht mehr gefunden werde -> Einpicken
2. Besteht erh"ohte Gefahr, da\3 ich beim "Uberbordgehen nicht
obenbleibe (z.B. Bewu\3tlosigkeit durch Baum/Spibaum),
aber ein Rausfischen relativ problemlos w"are -> Weste
>Welches ist Eure Meinung zum Tragen von Lifelines in der Nacht? Besteht
>generell ein Obligatorium oder kann man dies bei Windst=E4rke 1-3
>vernachl=E4ssigen?
>Welches sind die juristischen Konsequenzen f=FCr den Skipper, wenn ein
>Crewmitglied nachts ohne Lifeline ausrutscht und verloren geht und der
>Skipper kein Liveline-Obligatorium ausgesprochen hat.
>Samuel
Wenn man mal die juristerei weg läßt, die Antwort liefert doch die
Frage : wie groß ist die Chance in der Dunkelheit jemandem im Wasser
zu finden?
Ich behaupte das geht gegen Null.
Besonders da nachts nicht allzuviele der Crew an Bord sind.
Die berühmte Schrecksekunde reicht dann, einen über Bord gegangen aus
den Augen zu verlieren und dann ist knallhart gesagt die Leiche
vorprogammiert.
karsten
Du hast nachts weniger Leute an Bord als tagsueber????
Wo gehen die den hin?
SCNR ;-)
Du meinst wohl an Deck.
Im uebrigen bin ich auch der Meinung das nachts ebenso wie bei unsichtgem
Wetter unbedingt ein Lifebelt zu tragen und zu benutzen ist. Unabhaengig
von der Rechtslage.
--
so lang Olaf
Begruendeter Widerspruch ist ebenso willkommen wie Zustimmung.
Dieser Beitrag gibt ausschliesslich meine persoenliche Meinung zum Thema
wieder.
Typisch Bobby Schenk in Yacht !
Nicht das es falsc waere was er da schreiben laesst, aber ...
Er mag ja weit rumgekommen sein, aber seit Jahren hoert man nur
Allgemeinplaetze. Und das Schlimme ist, wahrscheinlich brauchten
etliche Yachtleser erst wieder so einen Schenk'schen 'Hirtenbrief'.
Andre
>Frage : wie groß ist die Chance in der Dunkelheit jemandem im Wasser
>zu finden?
>Ich behaupte das geht gegen Null
Ich behaupte GROESSER 50 wenn folgende Bedingungen erfuellt sind : 2er
Nachtwache, moderates Wetter und eine, neben Weste und Belt, dritte
Sicherheisausruestung, ein BLITZLICHT am Mann.
Ich behaupte die Sichtkontaktweite ist besser als bei Tag.
Jeder Rudergaenger muss in 5sec beidrehen koennen (ueben !) und dann bleibt
genug Zeit all hands on deck zu trommeln und ein mob-Manoever zu fahren, das
natuerlich auch geuebt sein muss. Aber das gilt genauso bei Tag.
Generell halte ich so ein Blitzlicht für eine billige praktikable
Sicherheitsausruestung fuer jede Nacht. Ob Leine oder Weste oder nicht.
Wer die Kohle hat, kann sich auch noch einen Peilsender einstecken.
Ich halte es auch psychologisch fuer foellig falsch das Nichtwiederfinden eines
mob von vorneherein als schicksalhaft gegeben darzustellen.
Als Skipper muss ich auf sowas vorbereitet sein und meine Crew vorbereiten. Ich
investiere auf jedem Chartertörn am ersten Tag ein paar Stunden fuer praktische
Sicherheit. Jeder muss beidrehen koennen, mindestens einer muss ein mob-M.
fahren können und ich fahre selber 2-3 Manöver um das Boot kennenzulernen.
Guenter
Das Blitzlicht ist eine feine Sache. Nur: die Frage ist, wo am Koerper
man das Ding befestigt. In Verbindung mit einer Automatikrettungsweste
kann es leicht passieren, dass das Teil voellig abgeschattet wird. Zudem
werden einige der auf dem Markt befindlichen Blitzlampen nicht automatisch
aktiviert und erfordern einen handlungsfaehigen Aussenbordskameraden.
Positiv an den Blitzlampen ist, dass sie im Gegensatz zu den zu Rettungskraegen
gehoerenden Leuchten sehr hell sind, und auch bei groeberer See noch gut
zu sehen sind.
>Ich halte es auch psychologisch fuer foellig falsch das Nichtwiederfinden eines
>mob von vorneherein als schicksalhaft gegeben darzustellen.
>Als Skipper muss ich auf sowas vorbereitet sein und meine Crew vorbereiten. Ich
>investiere auf jedem Chartertörn am ersten Tag ein paar Stunden fuer praktische
>Sicherheit. Jeder muss beidrehen koennen, mindestens einer muss ein mob-M.
>fahren können und ich fahre selber 2-3 Manöver um das Boot kennenzulernen.
Das halte ich genau wie Du. Das wird solange geuebt, bis wenigstens einer
auf irgendeine Weise in der Lage ist das Boot an die Boje zu bringen, denn
das ist eine Massnahme zu meiner Sicherheit.
Andre
>siehe auch YACHT 20/98 Seite 54
>Bobby Schenk vergleicht dort die Diskussion um Mann-über-Bord-Manöver
>mit dem Bergsteigern. Dort käme keiner auf die Idee sich darüber zu
>unterhalten, was nach einem Absturz zu machen sei. Primär ist dort
>die Frage: Wie kann ein Absturz definitiv verhindert werden!
>Bei Segeln scheint die Reihenfolge leider eher umgekehrt.
Eine Frage am Rande: Beim Fahrtensegeln sollte MOB nicht
vorkommen. Aber wie regelmaessig geht mal jemand beim Jollen-
segeln ueber Bord.
Jollensegeln sollte man aber auch nur in entsprechenden Revieren, bei
entsprechendem Wetter, oder unter entsprechender absicherung durch ein
geeignetes Motorboot.
Und in eine Jolle kommt man wesentlich einfacher wieder rein.
Betreibe ich mit der Jolle Fahrtensegeln, sollte wieder keiner ueberbord
gehen.
Wer auf einer Jolle ueberbord geht tut dies meist beim Kentern, dann ist
die Jolle aber noch da, und man braucht folglich kein MOB-Manoever zu
fahren.
>Das Blitzlicht ist eine feine Sache. Nur: die Frage ist, wo am Koerper
>man das Ding befestigt. In Verbindung mit einer Automatikrettungsweste
>kann es leicht passieren, dass das Teil voellig abgeschattet wird.<
Das ist aber die Schwerwettersituation, ich dachte mehr an 4 Bfd, Mondschein
und 30°C Nachttemperatur (Aegaeistoern), wo keiner eine Weste anzieht.
Der ploetzliche Tod beim Wasserlassen passiert in solchen Naechten.
Deshalb sorge ich dafuer, dass jeder ein Blitzlicht in der Tasche hat.
IMMER bei Nacht !
> Zudem werden einige der auf dem Markt befindlichen Blitzlampen nicht
automatisch aktiviert und erfordern einen handlungsfaehigen
Aussenbordskameraden.<
Ein vom Baum KO-Geschlagener hat auch bei Tag schlechte Karten, da hilft in
der Tat nur eine Rettungsweste oder entgegen der Regel, Einer der
hinterherspringt.
Guenter
Hallo Samuel,
wir können jedem Skipper nur dringend empfehlen folgendes Obligatoriom
auszusprechen:
Lifeline plus Rettungsweste sind grundsätzlich zu tragen:
- ab Windstärke 5
- nachts
- bei schlechter Sicht
Liebe Grüße
Euer Sailing Island Team
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Sailing Island http://www.sailingisland.de
51° 11,4´ N, 006° 25,3´ E
Hochseeyachtschule
Yachtcharter & Törnagentur Tel.: (02161) 831370
Weststraße 2 Fax: (02161) 831408
41061 Mönchengladbach e-mail: sailin...@flix.de
DSV und VDS anerkannt
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
>Das ist aber die Schwerwettersituation, ich dachte mehr an 4 Bfd, Mondschein
>und 30°C Nachttemperatur (Aegaeistoern), wo keiner eine Weste anzieht.
>Der ploetzliche Tod beim Wasserlassen passiert in solchen Naechten.
>Deshalb sorge ich dafuer, dass jeder ein Blitzlicht in der Tasche hat.
>IMMER bei Nacht !
Nur Mut, ohne Weste (und wahrscheinlich ohne Lifeline) nachts zu
schippern. Dem Skipper, der seiner Crew solches erlaubt, sollte ein
guter Schutzengel beistehen. Bei mir gibt es das jedenfalls nicht!
>Ein vom Baum KO-Geschlagener hat auch bei Tag schlechte Karten, da hilft in
>der Tat nur eine Rettungsweste oder entgegen der Regel, Einer der
>hinterherspringt.
Der Tag hat im Gegensatz zur Nacht einen großen Vorteil: man sieht die
Welle, die den Baum überkommen läßt, meist vorher. Außerdem hilft
gegen solches Unbill ein ordentlicher Bullenstander - gerade in
Revieren mit Welle und einer steten Brise wie der Aegaeis.
Nachts: nur mit Weste und Lifeline!
Markus
SpYC-webmaster
http://www.spyc.de
>
>Guenter
>
Ich persoenlich habe einen Komet-Leuchtstift (bzw. eigentlich den Sechser-Stift von
Niemeyer) an meiner Weste festgebaendselt. Sofern ich noch handlungsfaehig
bin, kann ich damit 3 bzw. 6 Leuchtsignale abgeben. Die Sichtweite und Leuchtdauer
ist nicht gigantisch (nach Erfahrung Hoehe ca. 60 m, Dauer ca. 5-8 sec), sollte
aber ausreichen, der suchenden Crew den Weg zu weisen. Der 3-er Stift hat den
Vorteil sehr schmal zu sein. Er laesst sich somit problemlos mit einpacken.
Nachteil ist, dass er erst im Wasser geladen werden kann und eben nur 3 Schuss hat.
Beim 6-er ist's umgekehrt. Sofort einsatzbereit, aber doch deutlich dicker. Und man
hat 3 Versuche mehr...
Zusaetzlich habe ich noch eine Blitzleuchte, die ich meist in der Jackentasche
meines Oelzeugs habe. Da sie eh manuell gestartet werden muss, muss sie
IMHO nicht staendig am Einsatzplatz (d.h. aussen und moeglichst weit oben
am Mann) getragen werden. Wichtig ist auch, dass der Rettungskragen mit Leuchte
wirklich einsatzbereit ist und nach Moeglichkeit auch schnell hinterher geworfen
wird.
Bin ich erst mal KO oder gehe derart ueber Bord, nutzt das aber alles nichts. Daher
gilt fuer mich trotz aller Leuchtteile als oberste Direktive: Nicht aussenbord gehen!
Also wirklich und ordentlich festbinden. Eingepickter Lifebelt ist nachts
bei mir und meiner Crew absolute Pflicht. Und auch wenn die See noch so spiegelglatt
oder die Person noch so erfahren ist!
Gruss,
Holger.
Ist es denn nicht besser, sich mit ner festen Lifeline
abzusichern, die einen dann auch hält?
Wo macht Ihr denn die Lifeline auf Deck fest? An den Wanten/Mast?
Ulli
So flexibel sollte sie natuerlich nicht sein :-)
>Wo macht Ihr denn die Lifeline auf Deck fest? An den Wanten/Mast?
An einer umlaufenden Sorgleine, die bei mir an Deck liegt.
Vorteil: Du kannst auf dem ganzen Schiff herumgehen ohne Dich umhaengen zu muessen.
Die Sorgleine bitte NICHT an der Fussreling o.ae. festmachen, nur an absolut sicheren
Befestigungspunkten (Belegklampen, Poller, ...)
Eberhard
Elastische Lifelines sollen etwas mehr Bewegungsfreiheit bieten.
Ich persoenlich mag die Dinger nicht. Man wird sicher nicht wie ein Flummi
hinterhergezogen, denn soviel Kraft ist da nicht hinter. Mir jedenfalls
ist eine ordentliche Lifeline lieber. Eingepickt wird idealerweise
in einer Sorgleine, die auf den Seitendecks von vorn nach achtern
gespannt ist. Hat man sowas nicht (z.B) sollte man es einrichten. Geht
es nur um Gelegentliches Einpicken bei der Arbeit, tut es wohl auch das
stehende Gut. ALlerdings sollte man nie (!) die Reling benutzen.
Andre
Meine Meinung:
1. Vermeide, über Bord zu gehen.
2. Wenn Du dennoch über Bord gehen solltest, sorge dafür, daß Du in der zur
Verfügung stehenden Zeit wiedergefunden _und_ ins Trockene geholt werden
kannst.
Maßnahmen (materiell):
Ein straff gespanntes, ausreichend dimensioniertes Strecktau an Backbord
und Steuerbord.
Nach Möglichkeit (Problem Charterboote!) ausreichend feste Einpickpunkte an
den Arbeitsplätzen Cockpit, Mast, Vorschiff ...
Rettungsweste mit Lifebelt, Lifeline und Licht (hier eignen sich auch die
berühmten Knicklichter ziemlich gut: es gibt sie jetzt in weiß und extrem
hell, Brenndauer ca. 30 Minuten, Kostenpunkt etwa 6 DM) für jeden.
Maßnahmen (personell):
1.a) Bei Manövern im Hafen (Grenze: Molenköpfe) : _Alle_ an Deck tragen
Schwimmweste, Lifeline halte ich hier für nicht nötig, da es sich (in der
Regel) um ein geschützten Bereich handelt und es genügend Möglichkeiten
gibt, jemanden wieder aus dem Wasser zu holen. Gerade bei der Arbeit mit
den doch unhandlichen Festmacherleine wäre eine Lifeline mehr hinderlich
als nützlich. Alle deshalb, weil doch mal jemand, der keine Aufgabe hat mal
eben aus dem Cockpit springt und helfend zugreift.
1.b) Bei Manövern außerhalb des Hafens tagsüber: _Alle_ an Deck tragen
Schwimmweste und Lifebelt, wer außerhalb des Cockpits arbeitet, pickt sich
ein.
1.c) Außerhalb des Hafens tagsüber: Wer das Cockpit verläßt, legt
Schwimmweste und Lifebelt an und pickt sich ein, im Cockpit hat die
fahrende Wache ihre Klamotten klarliegen.
1.d) Außerhalb des Hafens nachts: _Alle_ an Deck tragen Schwimmweste und
Lifebelt und picken sich in und außerhalb des Cockpits ein. Verlassen des
Cockpits nur, wenn für seemännische Manöver nötig (nicht zum "Lenzen"!) und
nur, wenn mindestens zwei Leute im Cockpit bleiben (Rudergänger und ein
Ausguck, der einen eventuell über Bord gegangenen im Auge behalten kann!).
Zum Einpicken noch eine Bemerkung, die ich bisher vermißt habe: Man sollte
sich grundsätzlich immer an so kurzer Leine wie möglich auf der Luvseite
einpicken, selbst wenn man in Lee arbeitet: Die Wahrscheinlichkeit ist
deutlich höher, daß man bei einem Sturz an Deck bleibt und nicht in Höhe
Wasserlinie an der Lifeline hängt.
Diese Maßnahmen scheinen jetzt ziemlich restriktiv zu sein, haben aber
durchaus ihren Sinn: Durch das relativ häufige Tragen der Westen gewöhnt
man sich an die Dinger, so daß sie einen relativ schnell nicht mehr beim
Arbeiten behindern und das Anlegen zur automatischen Selbstverständlichkeit
wird.
2. Robert schrieb, daß ein Mensch bei 11 Grad Wassertemperatur so etwa 6
Stunden überleben kann. Das ist ja im Prinzip richtig, allerdings wird der
Mensch schon nach recht kurzer Zeit nicht mehr aktionsfähig sein (die
Marine spricht hier als Daumenwert von einer Minute(!) pro Grad
Wassertemperatur) und nach dieser Zeit bei dieser Temperatur ausgezeichnete
Medizinische Versorgung brauchen, um zu überleben.
Der zweite Punkt, den ich bisher vermißt habe, schließt hieran an: Wenn ich
den MOB gefunden (oder optimalerweise nicht aus den Augen verloren) habe,
und ihn am Boot habe, muß ich den Typen wieder an Deck kriegen.
Dazu folgende (wahre) Geschichte: Es war einmal beim Anlegen eines
Marineschiffes, als ein Sealord meinte, die ausrauschende Leine unbedingt
festhalten zu müssen und von dieser über Bord gezogen wurde. Er rief "Ich
schwimme zur Leiter!", dem Befehl seines Vorgesetzten, seine Rettungsweste
auszulösen (wir haben Halbautomaten), kam er erst nach mehrmaliger
Aufforderung und Widerspruch nach. Wenige Minuten später (Wassertemperatur:
ca. 8°C) war der Soldat nicht mehr in der Lage, die Leiter aus eigener
Kraft auch nur einen Meter hoch zu erklimmen, mußte mit einer Unterkühlung
2. Grades aus dem Wasser gehoben werden und ärztlich behandelt werden.
Durch die organisierten Maßnahmen trug er keine Folgeschäden davon.
2. Maßnahmen:
Sobald jemand in den Bach geht, wird (logisch) die gesamte Besatzung
alarmiert, der Rudergänger fährt am Wind eine Crashwende (alle Schoten
bleiben fest) und schießt dann in unmittelbarer Nähe des MOB in den Wind.
Vor dem Wind: er schießt sofort in den Wind und schmeißt den Jockel an. Der
zweite im Cockpit läßt _keinen_ Blick vom MOB!!!! Schnellstmöglich wird
dann eine Leinenverbindung zum MOB hergestellt, am Ende der Leine macht
sich ein Schwimmkörper mit Karabinerhaken gut, den kann der MOB nämlich
auch mit klammen Fingern einfach einpicken, allerdings sollte man ihm das
Ding möglichst nicht auf den Kopf schmeißen!
Das eigentliche Problem beginnt erst jetzt:
Wie gesagt ist der MOB bereits nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage
mitzuhelfen, ab einem gewissen Seegang kann ich auch die Badeleiter am Heck
knicken.
Dazu, wie man den Typen jetzt wieder an Deck bekommt, gibt die einschlägige
Fachliteratur diverse Tips, auch in den Katalogen der Yachtausrüster findet
man jede Menge Equipment. Da man aber im Ernstfall nicht erst in Büchern
nachschlagen kann und auch der nächste Ausrüster nicht um die Ecke ist,
sollte man sich bereits im Vorfeld Gedanken machen, was man denn so tun
kann. Gut kommt auch, das ganze mal auszuprobieren: Also bei ruhigem und
warmen Wetter den schwersten Besatzungsangehörigen in den Bach zu schmeißen
und versuchen, ihn _ohne_dessen_Mithilfe _ wieder raus zu kriegen. Beim
Chartern wird man damit sicherlich gewisse Probleme haben, da das
vorhandene Material begrenzt ist und der Vercharterer sicherlich auch nicht
begeistert ist, wenn man die Fock an der Fußreling beibändselt und jemanden
darin über die Kante zerrt. Zumindest kann man sich aber Gedanken machen
und die für den Erstfall zweckmäßigste Konstrukton mal (außer Sichtweite
des Vercharterers) aufbauen.
Nächstes Problem: Ich habe ihn aus dem Wasser und muß ihn medizinisch
versorgen. Den Sommer-Badehosen-Segler trifft das nicht so schnell, aber
der letzte Sommer war ja keiner, so daß sich zumindest zwei Leute an Bord
nochmal über die Symptome und Maßnahmen bei Unterkühlung klarwerden
sollten. Auch wenn man den MOB an Bord hat, kann man ihn noch umbringen.
Erstmal Mast- und Schotbruch,
Olaf Hoffmann
Leutnant zur See
Universität der Bundeswehr Hamburg -Segel AG-
Dieser Beitrag gibt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder,
die nicht unbedingt mit der meines Dienstherren übereinstimmen muß.
gel
>Diese Maßnahmen scheinen jetzt ziemlich restriktiv zu sein, haben aber
>durchaus ihren Sinn: Durch das relativ häufige Tragen der Westen gewöhnt
>man sich an die Dinger, so daß sie einen relativ schnell nicht mehr beim
>Arbeiten behindern und das Anlegen zur automatischen Selbstverständlichkeit
>wird.
Das ist meiner Meinung nach ein soziales Problem an Bord.
Die Westen werden ueber Tag kaum angenommen. Als Skipper muss man
da ziemlichen Druck machen. Das senkt dann erheblich die Stimmung.
Wichtig ist also, die Notwendigkeit im jeweiligen Umfeld herauszstellen.
>
>2. Robert schrieb, daß ein Mensch bei 11 Grad Wassertemperatur so etwa 6
>Stunden überleben kann. Das ist ja im Prinzip richtig, allerdings wird der
>Mensch schon nach recht kurzer Zeit nicht mehr aktionsfähig sein (die
>Marine spricht hier als Daumenwert von einer Minute(!) pro Grad
Wie wahr, bei den meisten Crews geistern voellig falsche Vorstellungen
darueber in den Koepfen. Die Skipper wissen es, aber wie macht man
das den meist nicht so erfahreren oder informierten Mitseglern klar?
>2. Maßnahmen:
>Sobald jemand in den Bach geht, wird (logisch) die gesamte Besatzung
>alarmiert, der Rudergänger fährt am Wind eine Crashwende (alle Schoten
>bleiben fest) und schießt dann in unmittelbarer Nähe des MOB in den Wind.
>Vor dem Wind: er schießt sofort in den Wind und schmeißt den Jockel an.
Das ist mit einer 0/8 15 Crew kaum zu machen. Ich habe bei schoenem Wetter
wenig Wind etc mal mit einer Crew trainiert, danach haben sich alle gut
angepickt.
Bei Wind ueber 6 hilft der Motor meiner Meinung nach nichts. Davor habe
ich
immer Angst. Mit einer Gastcrew bleib ich im Hafen, auf See kommen
die Jungens nur gut angebunden an Deck!
>Das eigentliche Problem beginnt erst jetzt:
>Wie gesagt ist der MOB bereits nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage
>mitzuhelfen, ab einem gewissen Seegang kann ich auch die Badeleiter am Heck
>knicken.
>Dazu, wie man den Typen jetzt wieder an Deck bekommt, gibt die einschlägige
>Fachliteratur diverse Tips, auch in den Katalogen der Yachtausrüster findet
>man jede Menge Equipment. Da man aber im Ernstfall nicht erst in Büchern
Ich denke das ist das Hauptproblem. Einen 80 -100kg Nassen Menschen an
Bord zu nehmen ist ein unglaubliches Problem. In einfach ueber die Kante zu
ziehen
gelingt nicht. Wie man jemand an Bord nimmt sollte geuebt werden.
Zwei Leute ziehen keinen Ohnmaechtigen an Bord!!
>
>Erstmal Mast- und Schotbruch,
>
Bisher hatte ich das Glueck keinen Unfall an Bord zuhaben,
mir graust es vor so einer Sizuation.
mfg
gerd
Andre
Von den Knicklichtern kann ich nur abraten! Wir haben mal aus Spass neugekaufte
Lichter auszuprobieren (mit noch ca. einem Jahr Haltbarkeit). Die Knicklichter
stammten dabei aus zwei verschiedenen Laeden.
Resultat bei fuenf Versuchen: 2 total Ausfaelle, ein schwach leuchtendes und
zwei funktionsfaehige :-((
Dann doch lieber ein kleines Blitzlich fuer DM 30,00.
Eberhard