Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

alte GFK-Jachten

144 views
Skip to first unread message

Carsten Cherubim

unread,
Sep 7, 1998, 3:00:00 AM9/7/98
to
Hallo allerseits,

hat jemand Erfahrung mit ca. 20 Jahre alten GFK-Booten?

Treten dann irgendwelche Materialermuedungen, -schwaechen oder sonstige
Probleme auf?

Worauf sollte man beim Kauf eines solchen Bootes besonders achten?

ich waere ueber jeden Tip dankbar

Carsten

Jost Koller

unread,
Sep 7, 1998, 3:00:00 AM9/7/98
to
Carsten Cherubim <ch...@bbbrs5.bau.tu-dresden.de> wrote:
: Hallo allerseits,

: Carsten


Hallo Carsten,
meine Neptun-22 (Miglitsch, Nr.884) ist schon 27 Jahre alt, weshalb
ich Dir vielleicht ein paar Tips geben kann. Wenn es manchmal heisst,
"GFK wuerde mit der Zeit weich werden", ist damit gemeint, dass unter-
dimensionierte Stellen bei Ueberanspruchung feinste Brueche in den Glas-
fasern kriegen, und somit mit der Zeit "weich" erscheinen. Es ist also kein
Zerfallsprozess des Polyesters und bedeutet, dass ausreichend dimensionierte
Bauteile nicht zwangslaeufig weich werden und somit ihre volle Haerte haben.
Bei den Neptuns habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass das Deck je nach
Lust und Laune offensichtlich verschieden dick laminiert wurde.
Bei verschiedenen baugleichen Booten gibt es deshalb an verschiedenen Stellen
unterschiedlich harte und weiche Stellen. Beim Begehen des Decks sollte man
darauf achten, wie stark es sich durchbiegt. (Meine 22'er ist uebrigens noch
ziemlich "hart"). Der Rumpf selbst war kein Problem, da er mangels damaliger
Erfahrung ziemlich in der Dicke ueberdimensioniert wurde. Selbst wenn es
(wenige) weiche Stellen (an Deck) geben sollte, ist es nicht schwer, diese mit Epoxy
und Glasgewebe zu verstaerken und wieder belastbar zu machen.
Achte auf Haarrisse an Rumpf und Deck. Diese sind zwar oft nur im Gelcoat (der
obersten weissen Polyesterschicht des Decks), koennen aber manchmal auch tiefer
ins Laminat gehen und eine Ueberbeanspruchung bzw. Unterdimensionierung des
GFK bedeuten. In diesem Fall muesste wieder mit Gewebe und Epoxy repariert
und verstaerkt werden. Das Tauwerk wie auch die Segel sind bei einem so
alten Boot - vorausgesetzt, der Voreigner war kein Enthusiast - meist zu erneuern.
Ferner ist ein moeglicherweise vorhandener Trailer oft zu klein, da man das
damals wohl nicht ganz so eng wie heute gesehen hat. Ein neuer 2t-Trailer
kostet vollausgeruestet ca. 5000.-DM.
Schreckgespenst Osmose: Wie Du vielleicht weisst, koennen Polyester-Bootsruempfe
im Laufe der Jahre Wasser aufnehmen. Mit dem ins Laminat diffundiertem Wasser
koennen sich unausreagierte Polyesterbereiche (bzw. deren Bestandteile) verbinden und
dann eine Saeure bilden, die das Polyesterharz zersetzt und weich wie Butter macht.
Zu erkennen ist ein schaedigender Zersetzungsprozess sicher an der Blasenbildung
im Unterwasserschiff. Die Blasen entstehen dadurch, dass die Saeuren mit ihrer
gegenueber Wasser hoeheren Dichte weiteres Wasser durch die Gelcoat-Schicht des
Unterwasserschiffes ins Laminat hineinziehen (Osmoseeffekt), welches sich dann in Form
von Blasen (erstmal) zwischen Laminat und Gelcoat als Blasen ansammelt. Nach
Schaetzungen sollen bis zu 60% aller GFK-Yachten davon befallen werden. Wenn das
Boot Osmoseblasen gehabt hat, muss es fachgerecht saniert worden sein. D.h., der Unter-
wasserbereich des Rumpfes wird je nach "Schlimmheit" der Osmose entsprechend weit
abgeschliffen und nach evtl. Neuaufbau der aeusseren Schichten mit Epoxy-Schutz
versehen. Normalerweise sollte das mindestens 10 Jahre vor Osmose schuetzen.
Wenn ein Boot Osmose kriegen sollte, so ist das quasi immer in den ersten 10-12 Jahren der
Fall. Bekommt es das schon in den ersten drei Jahren, scheinen schwerwiegende
Laminierungsfehler vorhanden zu sein.
Bei einem 20 und mehr Jahre alten Boot, das bisher noch keine Osmoseanzeichen
gezeigt hat, ist damit zu rechnen, dass es das auch nicht mehr tun wird. Trotzdem
ist es moeglich, dass Feuchtigkeit im Laufe der Jahre ins Laminat eingedrungen ist.
Das ist zwar alles andere als wuenschenswert, aber weitgehend normal und fuehrt in diesen
Faellen offenbar nicht zum zerstoererischen Zersetzungsprozess. Diese Feuchtigkeit
kann mit speziellen Messgeraeten zerstoerungsfrei nachgewiesen werden, ist aber kein
zwingender Grund zu einer teuren Osmosebehandlung.
Weitere Stellen, die bei einem alten Boot zu testen sind: elektrolytische Lochkorrosion
aufgrund von Kontaktspannungen an (Alu-)mast und Grossbaum, wo Edelstahlbeschlaege
angenietet (bzw. -geschraubt) sind.
Ferner wuerde ich die gesamten Bodenplatten abbauen, um eventuelle (mehr oder weniger
gut reparierte) Brueche im GFK vor und hinter dem Kiel zu finden, die entstanden sind,
als der Voreigner mal irgendwo aufgebrummt ist. Wie ist das Laminat im Bereich der Mast-
abstuetzung erhalten? War es ueberlastet? In welchem Zustand sind die Beschlaege?
Wie stabil (und wie gut erhalten) ist die Ruderaufhaengung? Gibt es Risse im Laminat
an den Fuessen der Reelingsstuetzen? (-> Reparatur) Wie gut ist die Kielverbolzung?
Muessen die Polster erneuert werden? (Mind.1000.-DM) Segelt das Boot ueberhaupt anstaendig?
Prinzipiell sollte Dich das Alter des GFK-Bootes nicht unbedingt davon abhalten, es
zu kaufen. Es steht und faellt halt alles mit dem Zustand. Ansonsten kann man fuer
vergleichsweise wenig Geld eine gute und stabile Yacht bekommen. Wenn sie in Ordnung ist.
Fuer groessere Anschaffungen halte ich es ohnehin fuer dringend geboten, einen Gutachter
zu Rate zu ziehen. Kein serioeser Bootsverkaeufer wird sich dagegen aussprechen.

Mast- und Schotbruch,
Jost


---
Jost Koller Institut fuer Theoretische Physik
Email: Abteilung B
jost....@tu-clausthal.de TU Clausthal
Tel.: +49 (0)5323 72-2052 Leibnizstr.10
Fax.: +49 (0)5323 72-3116 D-38678 Clausthal-Zellerfeld

Tom Niegeländer

unread,
Sep 7, 1998, 3:00:00 AM9/7/98
to

Jost Koller schrieb in Nachricht
<6t18s1$147$1...@methusalix.rz.tu-clausthal.de>...

>Hallo Carsten,
>meine Neptun-22 (Miglitsch, Nr.884) ist schon 27 Jahre alt, weshalb
>ich Dir vielleicht ein paar Tips geben kann.

[SNIP]

Hallo Jost,
klasse Ausführung des Themas von dir. Dem ist eigentlich nichts mehr
hinzuzufügen.
Gruss Onkel Tom

Matt Koch

unread,
Sep 8, 1998, 3:00:00 AM9/8/98
to
Ich möchte noch eins zu Jost's sehr gutem post zufügen.

Es giebt viele boote die im Sandwich Verfahern gebaut worden sind. Das
finded man meistens in deck, aber manchmal auch im rumpf, wie bei dem J-24.
Das heist im Laminat, in der mitte eine Schicht Balsa/Sperr Holz ist (Dünne
Schicht GFK, Holz, Dünne Schicht GFK). Der Vorteil is das diese
Konstruktion leichter ist als solides GFK, aber der Nachteil ist das das
Holz verrotten kann falls Wasser durch nicht dichte Schraubenlöcher usw. in
den Kern kommt.

Wen der Kern am faulen ist wird das deck weich, und dioe eizige Möglichkeit
es zu reparieren ist eine Schicht GFK weg schnieden, den Kern ersetzen und
alles wieder mit GFK über laminieren, viel Arbeit oder sehr teuer.

Diese Schäden sind relativ leicht zu finden. Man klopft mit einem kleinen
plastik Hammer das deck nach. Schadstellen höhren sich dumpf an.

Hofft dieses hilft.

Mathias Koch
Paceship 26, Mischief (1977)
Montreal


0 new messages