Münster (ADN). Im Prozess um eine tote Fallschirmspringerin tritt
die Münsteraner Staatsanwaltschaft auf der Stelle. Gentests am
angeblich manipulierten Fallschirm könnten den Angeklagten nicht
eindeutig überführen, sagte ein Rechtsmediziner am Donnerstag vor
dem Landgericht Münster aus. Zwar seien Männer-Gene gefunden worden.
Diese stammten aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 500
von dem Angeklagten. Dieser schwieg auch am dritten Prozesstag. Die
Verteidigung will weiter versuchen, einen Freispruch für ihren
Mandanten zu erreichen.
blue skies
Jens
Tschau
Chris
--
Christian Sester
Tel. +49-7802-50816 Fax 50830
http://home.t-online.de/home/chris.sester
"And in the end, it's not the years in your life that count. It's the life
in your years."
der Bericht war im Stern Ausgabe 5 vom 27.01.2000, Seite 60. Den solltest Du
aber auch im Netz unter dem Suchwort "Fallschirm-Mord" finden.
CU
Jens
Christian Sester <chris....@T-Online.de> schrieb in im Newsbeitrag:
87p6rn$v96$1...@news02.btx.dtag.de...
S T E R N - A R C H I V
Dokument 1 von 1 I
Quelle: STE I Ausgabe: 5 I 27-01-2000 I Seite: 60 I Autor/in:
*WERNER SCHMITZ*
DER FALLSCHIRM-MORD
Aus 3000 Meter Höhe stürzte Andrea Ullrich wie ein Stein auf die
Erde - ihr
Fallschirm war unbrauchbar gemacht worden. Das teuflische
Verbrechen von
Münster wird jetzt vor Gericht verhandelt. Angeklagt ist ein
schrulliger
Außenseiter: der Bahnbeamte und Clubkamerad Ralf Kasperek. Er soll
die
lebenslustige Frau getötet haben, weil sie seine Zuneigung
verschmähte und
ihn nur schamlos ausnutzte und ständig demütigte
Sonntagnachmittag in Sendenhorst. Auf dem Sprunggelände des
Fallschirmsportclubs
Münster in Westfalen herrscht reger Betrieb. Vereinsmitglieder
warten auf ihren
Sprungtermin, Zuschauer hocken auf den Bänken vor dem Vereinsheim
und bewundern
die sanfte Landung des Clubpräsidenten. Nordrhein-Westfalens
FDP-Chef Jürgen
Möllemann geht gekonnt nieder. "Der fällt immer auf die Füße",
lästert ein Zaungast.
Sprungdienstleiterin ist an diesem 30. Mai 1999 Andrea Ullrich,
eine erfahrene
Fallschirmspringerin. Knapp 1400 Sprünge hat die 31-Jährige schon
hinter sich. Fast
1000 mehr als Möllemann. Selbst springen will Andrea eigentlich
nicht. Aber dann
taucht ein "Tandem-Gast" auf. Einer von den blutigen Laien, die
sich für 250 Mark wie
ein Känguru vor den Bauch eines "TandemMasters" schnallen lassen
und mit ihm in
die Tiefe sausen.
Natürlich muss das aufregende Erlebnis auf Video festgehalten
werden. Nicht nur vom
Boden, wo ein Spezi des Gastes mit der Kamera herumwackelt.
Während des Fluges
soll der Springer auch aus der Luft gefilmt werden.
Andrea Ullrich ist die Frau für diesen Job. Ihren Beruf als
Krankenschwester hat sie
aufgegeben, zieht lieber über Deutschlands Sprungplätze, um gegen
gutes Geld
Aufnahmen zu machen. Ganze Filme hat sie schon über Möllemanns
freien Fall
gedreht.
Andrea übergibt die Sprungdienstleitung einem Clubkameraden und
holt ihren Schirm
aus der Scheune, wo auch Möllemanns Ausrüstung lagert. Etliche
Vereinsmitglieder
haben einen Schlüssel zum Scheunentor.
Um 15.36 Uhr startet auf dem Flughafen Telgte die vereinseigene
Cessna in Richtung
Sendenhorst. An Bord der Tandem-Master mit Gast, Andrea mit der
Kamera auf dem
Helm und eine weitere Springerin. Die Frau hüpft in 2000 Meter
Höhe über dem
Clubheim als erste aus der Maschine.
Einen weiteren Kilometer schraubt sich die Cessna hoch in die
Lüfte. Dann springt das
Tandem, Andrea hinterher. Sie macht Fotos von dem
Abenteuerlustigen, filmt ihn im
rasenden Sturzflug. 2000 Meter in 50 Sekunden. Einen Kilometer
über dem
Sprungplatz öffnet der Tandem-Master den Fallschirm und schwebt
samt Gast zur
Erde.
ANDREA ULLRICH LÄSST sich weiter durchfallen, um den beiden nicht
in die Quere
zu kommen. Dann löst auch sie ihren Fallschirm aus. Doch der
Schirm öffnet sich nur
zu zwei Dritteln, rotiert gegen den Uhrzeigersinn um die eigene
Achse.
Als erfahrene Springerin weiß Andrea, was zu tun ist. Binnen
Sekunden "sprengt" sie
den defekten Hauptschirm ab und stabilisiert ihren Fall. Dann
greift sie den Auslöser
des Reservefallschirms und zieht. Nichts passiert. Andrea stürzt
weiter auf die Erde zu.
Normalerweise öffnet sich der Notschirm dennoch, auf 225 Meter
Höhe, automatisch.
Die hohe Fallgeschwindigkeit löst das "Cypres-System" aus, eine
Klinge durchtrennt
eine Kordel, der Fallschirm geht auf. So landen selbst bewusstlose
Springer sicher.
Bei Andrea Ullrich versagt auch diese letzte Sicherung. Ungebremst
rast sie zu Boden,
klatscht mit 180 Stundenkilometern auf den Platz. Vor den Augen
der kreischenden
Zuschauer. Eine Delle im Rasen erinnert an den Tod der Springerin.
"Was für eine teuflische Tat", denkt Josef Terhünte, als die
Mordkommission "Ullrich"
ihm 24 Tage später den Mann präsentiert, der gestanden hat,
Andreas Fallschirm
verdreht eingepackt, das Stahlseil des Reserveschirms
durchgekniffen und das
Cypres-System außer Kraft gesetzt zu haben. Seit Wochen hat man in
der
erzkatholischen Bischofsstadt gerätselt, wer der Mörder in
Möllemanns
Fallschirm-Verein sein könnte, und ob der Anschlag nicht doch dem
Ex-Wirtschaftsminister mit besten Beziehungen in den arabischen
Raum gegolten
habe. Vor Haftrichter Terhünte sitzt, müde und erschöpft von
langen Vernehmungen bei
der Kripo, der Bundesbahnobersekretär Ralf Kasperek aus Düren und
wiederholt sein
Geständnis. Als der 33-Jährige nach zwei Stunden den Raum als
Untersuchungshäftling verlässt, denkt Amtsrichter Terhünte: "Was
für ein armes
Schwein!"
Ralf Kasperek trifft Andrea Ullrich zum ersten Mal 1993, im Büro
des
Fallschirmlandeplatzes Spa, wo beide damals springen. Ralf, weil
sein teures Hobby in
Belgien billiger kommt. Andrea, weil sie die Freundin von Dirk,
dem Platzbesitzer, ist.
In Dirks Büro hat Kasperek ein en für ihn typischen Auftritt: Mit
seinen zwei Papageien
auf der Schulter läuft er auf und fragt Andrea: "Bist du gut zu
Vögeln?" Die Springerin
lacht. "Ich bin gut zu allen Tieren", konterte sie. Kasperek
imponiert das mächtig.
"Andrea war ein jeckes Huhn. Noch bekloppter als ich."
Wie "bekloppt" Ralf Kasperek wirklich ist, muss Gutachter
Professor Norbert Leygraf
schon am Dienstag voriger Woche zum Auftakt des Mordprozesses
gegen den
Bahnbeamten schildern - weil der sein Geständnis widerrufen hat
und vor Gericht
schweigt.
Beim Psychiater mimte Kasperek die Turbo-Version der "rheinischen
Frohnatur". Den
Gutachter begrüßt der Häftling mit flotten Sprüchen. "Ich bin der
Kasper von
Deutschland. Alle großen Männer haben mal im Knast gesessen, das
ist also kein
Problem für mich. Et kütt wie et kütt!"
Die Wahrheit hinter den Worten wirkt weniger witzig. Seinen Vater
bezeichnet
Kasperek als "Arschloch", seine Mutter als "Flintenweib". Die Ehe
der Eltern wird
geschieden, als der kleine Ralf fünf Jahre alt ist. Kasperek
senior bezweifelt später
seine Vaterschaft an dem Jungen. "Seitdem habe ich keinen Vater
mehr. Man hängt
der Alten keine drei Kinder an und verpisst sich dann."
Ohne männliches Vorbild wächst Ralf Kasperek bei der Mutter auf,
gemeinsam mit
seinen beiden älteren Schwestern. Es setzt oft Schläge, manchmal
auch mit dem
Handfeger. Die ältere Schwester verlässt mit 17 im Streit das
Haus. Schon in der
Grundschule gibt Ralf den Klassenclown. Sein Lieblingsfach:
"Lehrer verarschen".
Dumm ist der Junge nicht, schafft seinen Realschulabschluss mit
Durchschnittsnote
2,5. Sprachlich ist er sogar weit überdurchschnittlich begabt.
Trotzdem will er
Anstreicher werden. Die Malerlehre muss er sich jedoch
abschminken, weil ihm von
den Farbdämpfen sämtliche Haare ausfallen. Ralf wird Bäckerbursche
("Es gab nichts
anderes") und geht nach der Lehre zur Bundeswehr.
Erhofft hat Kasperek, dass es bei der Armee "drillmäßig so richtig
abgeht". Als sich
der Traum des kräftigen Kerls nicht erfüllt, wird auch beim Bund
"so viel Scheiße wie
möglich gebaut". Er kassiert Disziplinarstrafen, weil er eine
Woche wegbleibt - "war
Karneval". Kasperek lässt nichts aus. Während ein Unteroffizier
auf dem Kasernenplatz
seine Männer instruiert, steht "der Kasper" auf dem Balkon und
hebt den Arm zum
Hitler-Gruß. Politisch hält er sich für "tiefbraun", aber die
Rechtsradikalen sind ihm "viel
zu blöd".
Nach der Bundeswehr jobbt Kasperek als Gerüstbauer - und wird dann
Bahnbeamter
im mittleren Dienst. "Ich wollte nicht mehr arbeiten", bekennt er.
Natürlich gibt es auch
bei der Bahn bald Ärger. Er legt sich mit den Vorgesetzten an,
kassiert
Disziplinarstrafen, wird vom Betriebsdienst an den Computer
versetzt.
Den als öde empfundenen Beruf kompensiert Kasperek mit wilder
Freizeit. Als Rocker
rast er mit dem Motorrad in Kutte über den Asphalt, schießt im
"Bund der Militär- und
Polizeischützen" mit Revolver und Pistole und verfällt schließlich
Anfang der neunziger
Jahre dem Fallschirmspringen. "Es muss immer was los sein bei
mir."
Alles, was er anstellt, hat einen männerbündelnden, militärischen
Anstrich. Sein Vater
sei Zeitsoldat bei der Bundeswehr gewesen, ist das Erste, was Ralf
Kasperek zu
seinem Erzeuger einfällt. Pausenlos rennt der Sohn in einer
Armee-Jacke rum.
Breitschultrig, mit kurzgeschorenem Haar, wirkt er wie ein
Elitesoldat, ein
Einzelkämpfer tief in Feindesland. Auf den ersten Blick. Man würde
ihm das vielleicht
sogar abnehmen, wenn sein Körper nicht gegen diese Rolle
rebellierte. Keine Sekunde
kann er ruhig sitzen, selbst das Gesicht ist ständig in Bewegung.
Kasperek stülpt die
Lippen vor wie eine Comic-Ente, seine Augenbrauen fahren
Paternoster.
MIT DEN MÄDELS hat so ein Mannsbild natürlich Probleme. "Weiber -
kennst du eine,
kennst du alle", tönt er beim Gutachter, "die muss noch gestrickt
werden, die zu mir
passt". Auf die Frage, ob er schon sexuelle Beziehungen zu Frauen
gehabt habe, blafft
er: "Meinen Sie, ich bin von vorgestern?" - und hat im Grunde
nicht geantwortet. Im
Geständnis bei der Polizei hörte sich das anders an, kleinlaut.
"Ich bin bislang einmal
im Monat zu einer Professionellen gegangen. Das war okay."
Und bei diesem überdrehten, innerlich tief verunsicherten Mann,
der persönliche
Prob-leme nur mit seinen beiden Blaustirn-Papageien bespricht,
ruft im März 1999 die
sportliche Andrea Ullrich an, Fallschirmspringerin wie er,
Taucherin, Skiläuferin. "Ich bin
einsam", haucht sie in den Hörer und bittet Ralf zu sich nach
Münster.
Schon am nächsten Wochenende eilt der Rheinländer ins ihm
verhasste Westfalen.
Frühlingsanfang sei es gewesen, erinnert er sich bei der Polizei,
"und ich hatte eine
Flasche selbst gemachten Eierlikör dabei". Gemeinsam fahren die
beiden nach Kassel,
zur Saisoneröffnungsparty des dortigen Fallschirm-Clubs. Von
Kassel zum Springen
nach Schweighofen und von da am Sonntag zu Kasperek nach Düren.
Alles in Ralfs
Audi. Andrea Ullrich hat kein eigenes Auto. Gefahren wird
gemeinsam, geschlafen
getrennt. Auch in Kaspereks Wohnung. "Immer langsam mit die jungen
Pferde",
vertröstet ihn Andrea.
Kasperek hingegen ist hin und weg. Liebesbriefe im Stile Cyrano de
Bergeracs schreibt
er seiner "Prinzessin ohnegleichen", gereimte Episteln, die sich
im Nachlass der
Angebeteten finden. "Du liebe, süße, kleine Maus, ich komm auch
gern zu dir nach
Haus."
Nach Andalusien lädt er sie ein, zum Fallschirmspringen in
Linares, und ist im
Springerhimmel, als sie zusagt. Kasperek holt Andrea bei ihren
Eltern in Krefeld ab,
umarmt sie zur Begrüßung. "Das hat sie sich gefallen lassen." In
Spanien schlafen die
beiden in einem Zimmer, aber in getrennten Betten. Nur einmal, als
Andrea friert,
kriecht sie zum Wärmen in Ralfs Bett. Zum Äußersten lässt sie es
auch da nicht
kommen. Dafür darf Kasperek ihr morgens die Tasche packen und zum
Platz tragen.
Dort führt er sich auf wie ein Platzhirsch. "Ich hab ihr den
Verehrer gemacht und dem
Schürzenjäger Rudi, der mitgefahren ist, das Baggern verboten."
Andrea flirtet trotzdem
mit anderen Männern. Ralf ist enttäuscht. An ihre Einsamkeit mag
er nicht recht
glauben. Mitreisende lästern offen über das seltsame Pärchen.
Kasperek chauffiert
Andrea zum Schluss noch nach Hause. Er übernachtet in ihrem Zimmer
- auf dem
Fußboden.
Seiner Liebe tut das keinen Abbruch. Per Brief entschuldigt er
sich für seinen
Spanien-Auftritt und bittet um eine neue Chance, "denn auch
Verrückte brauchen
Liebe". "Ich hatte mir erhofft, dass Andrea für mich die Frau fürs
Leben werden könnte",
bekennt er bei der Polizei.
Kaspereks kauziges Outfit sorgt bei den Münsteraner
Fallschirmfreunden für hämische
Bemerkungen. Er springt in der löchrigen Trainingshose, die er
beim ersten Sprung
getragen hat. Eine lederne Fliegerkappe über den Ohren. Sein
Teddy, dem er einen
kleinen Fallschirm gebastelt hat, springt mit. Im freien Fall, den
Kopf nach unten, singt
Kasperek laut. Seine "Prinzessin ohnegleichen" versucht er von den
Clubkameraden
abzuschirmen. Wenn sie sich mit anderen länger unterhält, wird er
unruhig und will mit
ihr wegfahren. Nie lässt er Andrea aus den Augen, folgt ihr wie
ein Mischlingshund,
halb Yorkshire- und halb Bulltterrier.
Er ermahnt sie, sich nicht angrabschen zu lassen. Aber Andrea
kümmert das nicht.
Sie setzt ihre körperlichen Reize bewusst ein, um Vorteile zu
erlangen:
Videofilm-Einnahmen beim Tandem-Master, billige Sprünge beim
Platzbesitzer, einen
Privatchauffeur bei Kasperek. Und Andrea Ullrich kann auch
ausflippen. In
Springerkreisen erzählt man sich, "das jecke Huhn" habe ihrem
Ex-Freund nach einem
Streit in die Shampoo-Flasche gepinkelt und abgeschnittene
Fingernägel aufs
Butterbrot gelegt.
Kasperek entgeht das alles nicht. "Sie war nicht dat Engelchen",
weiß er. Aber
Hoffnungen macht er sich immer noch. Kauft ihr ein Los für die
Klassenlotterie, gibt
Andrea Geld, damit sie nicht schwarzfährt. Das findet der
Bahnbeamte nämlich gar
nicht toll.
Und Pfingsten fährt er sie nach Saarlouis. Da könne sie allerhand
Geld mit
Tandem-Videos machen, verspricht er ihr. Aber die Tandems kommen
nicht, und
Andrea will abends nicht im Zelt schlafen, das Ralf für sie beide
aufgebaut hat. Als sie
sich in der Pizzeria nach anderen Schlafmöglichkeiten erkundigt,
stößt Kasperek
unterm Tisch gegen ihr Bein. "Du sollst mich nicht treten", blafft
Andrea ihn vor allen
Leuten an. Wütend rennt er raus.
Am nächsten Abend zieht Andrea mit einem anderen Typen los,
verschwindet samt
Schlafsack im Hinterzimmer der Platzkneipe, das ihr neuer
Begleiter als
Wochenendbleibe gemietet hat. Kasperek schleicht hinterher. Steht
unter dem Fenster
und lauscht. Hört seine Prinzessin kichern. Über ihn. Andrea
erzählt dem anderen, wie
sie zu "Kasper" steht: dass Ralf nur ihr Chauffeur sei, berichtet
sie. Dass er fast darum
gebettelt habe, sie am nächsten Tag nach Karlsruhe zu bringen.
Dass sie ihn noch ein
bisschen ausnützen wolle.
"Mir wären fast die Ohren abgefallen", erklärt Kasperek nach
seiner Festnahme der
Polizei. "So gedemütigt hatte ich mich noch nie gefühlt. Dass mich
jemand so abwertet
und runterdrückt, konnte ich nicht verstehen. Ich habe da den
absoluten Hass
gekriegt." Zu allem Überfluss fällt er beim Lauschen auch noch in
ein Kellerloch und
wird vom Wirt erwischt. Beschämt rennt er zurück zum Zelt, trinkt
Bier und grübelt. "In
der Phase kam mir der Gedanke, Andrea das heimzuzahlen", sagt er
im inzwischen
widerrufenen Geständnis.
Dennoch fährt er Andrea am Pfingstdienstag nach Karlsruhe. Sie
will sich in einem
Krankenhaus um einen Job bewerben. Sie meckert den ganzen Weg über
und lässt ihn
dann vor der Klinik warten. Stundenlang. Als Kasperek sich
schließlich an der Pforte
erkundigt, heißt es, Andrea sei längst weg. Kasperek sucht sie
noch am Karlsruher
Bahnhof und fährt dann wutschnaubend allein zurück nach Düren. Im
Auto Andreas
Fallschirm.
"Irgendwann auf der Fahrt oder als ich nach Hause kam, hatte ich
zum ersten Mal den
Gedanken, den Schirm von Andrea zu manipulieren. Ich fühlte mich
tierisch mies und
total daneben irgendwie", protokolliert die Polizei später und
lässt sich von Kasperek
schildern, wie er den Schirm funktionsuntüchtig gemacht habe,
stellt die Tat mit ihm
nach und filmt den Vorgang, den Kasperek heute bestreitet.
AM MITTWOCH vor ihrem Tod ruft Andrea bei Kasperek an, schnauzt,
will ihre Sachen
zurück. Er bringt den Fallschirm zu ihren Eltern nach Krefeld und
ist sich nicht zu
schade, Andrea noch nach Münster zu kutschieren. In Sendenhorst
bringen sie den
manipulierten Schirm in die Club-Scheune. Am nächsten Sonntag hat
Andrea
Sprungdienst. Kasperek weiß das. Er kommt nicht nach Münster,
springt weit weg in
Gransee. Wann er das letzte Mal geweint habe, fragt ihn der
Psychiater, als "der
Kasper von Deutschland" im Gespräch vor aufgesetzter Fröhlichkeit
mal wieder fast
platzt. "Am Sonntag, als ich von Gransee zurückgekommen bin",
antwortet Kasperek
ernst. "Wo ich das Liebchen verloren habe, da war ich doch so
etwas geknickt."
Das Urteil soll am 13. März verkündet werden.
Bildunterschrift: STURZFLUG IN DEN TOD - Ein Zuschauer
dokumentierte mit seiner
Videokamera, wie die 31-jährige Andrea Ullrich am 30. Mai 1999 vom
Himmel fiel und
mit 180 Stundenkilometern aufschlug / DAS OPFER ANDREA ULLRICH,
31: Die
Krankenschwester hatte ihren Job aufgegeben und zog lieber über
Deutschlands
Sprungplätze, um mit Videoaufnahmen Geld zu verdienen / DER
ANGEKLAGTE RALF
KASPEREK, 33: Der Sonderling, der immer mit lederner Fliegerkappe
sprang, nannte
Andrea Ullrich "Prinzessin" - die machte sich aber nur lustig über
ihn / DER TATORT
SPRUNGGELÄNDE SENDENHORST BEI MÜNSTER: Rettungssanitäter und
Helfer
bergen den zerschmetterten Körper der abgestürzten
Fallschirmspringerin Andrea
Ullrich /
Fotonachweis: ACTION PRESS, BILD ZEITUNG
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Jens schrieb:
> Hi Christian,
>
> der Bericht war im Stern Ausgabe 5 vom 27.01.2000, Seite 60. Den solltest Du
> aber auch im Netz unter dem Suchwort "Fallschirm-Mord" finden.
>
> CU
> Jens
>
> Christian Sester <chris....@T-Online.de> schrieb in im Newsbeitrag:
> 87p6rn$v96$1...@news02.btx.dtag.de...
> > Hallo,
> > in welchem Stern gab´s einen Bericht ? Oder war´s im TV ?