ich hoffe, dass das hier nicht allzu sehr als OT empfunden wird, aber
ich vermute, dass sich die Leser dieser NG noch am ehesten in der
entsprechenden Musik auskennen (eher als von d.r.m.rock+pop).
Ich leite seit einiger Zeit ein kleines privates Vokalensemble von 4
Personen (3 + ich, sodaß jede Stimme einfach besetzt ist), für den ich
irgendwelche witzigen Stücke suche. Wir singen zwar auch "ernste"
Stücke (Mendelssohn, Bruckner, Brahms, Saint-Saens, etc.), aber von
denen finde ich selbst genug. Deshalb suche ich noch witzige Stücke,
z.B. von den Prinzen (die waren ja auch mal kleine Thomasse) oder von
den Comedian Harmonists, oder auch anderen (auch eher klassische
Komponisten sind erlaubt). Wir haben schon von den Prinzen "Audi
Victoria" und "Mein Hund ist schwul" gesungen. Sie sollten a-capella zu
singen sein, und möglichst nicht zuviel Polyphonie enthalten (bei nur
vier Leuten klingen einstimmige Passagen immer etwas mickrig, finde
ich).
Mir würde auch nur ein Hinweis auf das Lied reichen, da ich einen
vierstimmigen Satz auch selber schreiben kann.
--
Stefan Weinbrenner
> Ich leite seit einiger Zeit ein kleines privates Vokalensemble von 4
> Personen (3 + ich, sodaß jede Stimme einfach besetzt ist), für den ich
> irgendwelche witzigen Stücke suche.
[...]
> Deshalb suche ich noch witzige Stücke,
> z.B. von den Prinzen (die waren ja auch mal kleine Thomasse)
*Möööp*
Nicht alle Prinzen waren Thomaner!
> Sie sollten a-capella zu singen sein, und möglichst nicht zuviel
> Polyphonie enthalten (bei nur vier Leuten klingen einstimmige Passagen
> immer etwas mickrig, finde ich).
Klassisch:
Julius Otto - "Es liegt ein langer Magister im Wald"
Wenzel Heinrich Veit - "Es flog ein alter Käfer"
"Spanische Nächte" (Autor mir unbekannt)
Robert Volkmann - "Ich halte ihr die Augen zu"
Genauere Angaben zu den Stücken per Mail.
Frank
[...]
> Deshalb suche ich noch witzige Stücke, [...]
[...]
> Mir würde auch nur ein Hinweis auf das Lied reichen, da ich einen
> vierstimmigen Satz auch selber schreiben kann.
Mir fällt da spontan "Zeige uns Deinen Pullermann" (oder so ähnlich
:-) von Moritz Eggert, einem jungen Münchner Komponisten, ein. Das ist
eine Verarsche des inzwischen unerträglichen Stefan Raab. Ist jedoch
AFAIK nur für 3 Stimme, liesse sich aber sicherlich multiplizieren.
Am besten, Du setzt Dich mit ihm selbst in Verbindung [1] und berufst
Dich auf mich.
Grüße, Andreas.
Footnotes:
[1] http://www.moritzeggert.de
--
Ich bin der Wahrheit verpflichtet, wie ich sie jeden Tag erkenne, und
nicht der Beständigkeit. [Mahatma Gandhi]
<das bereits bekannte>
Ach ja, so ein Zufall, habe gerade mit Moritz telefoniert und ihn auf
Deine Suche angesprochen. Besagtes Stück heisst "Zeig' mir Deinen
Pullermann", ist allerdings nicht gut geeignet, da für 3 Stimmen plus
Begleitung, also nicht a capella.
Aber er nannte mir andere Stücke, so z. B. "Streaming" für
Männerquartett, das u. a. Modemgeräusche nachvollziehen muss (bisher
unaufgeführt) oder die bereits häufig aufgeführte "Böhmische Hymne" [1],
sehr kurz, einfach aufzuführen - und zwar gurgelnd :-)
Daneben nannte er noch die "Hibernalischen Gesänge" (in der Version
von 1995 [2]), allerdings ist das ein wenig ernster [3]).
Er sagte mir, Du solltest Dich einfach mit ihm in Verbindung setzen,
dann könnte er Dir ein paar Sachen schicken.
HTH.
Grüße, Andreas.
Footnotes:
[1] http://www.moritzeggert.de/info/vokal.htm#Boehmen1
[2] http://www.moritzeggert.de/info/vokal.htm#Hibernalisch2
[3] Gibt es auf CD, bei Wergo (läuft bei jpc unter dem Titel
"Number Nine I-III", da gibts wohl auch Hörproben)
--
Das Geheimnis zu langweilen besteht darin, alles zu sagen, was man weiß.
[François Marie Voltaire]
Schöne Grüße
Arno
"Stefan Weinbrenner" <StWein...@compuserve.de> schrieb im
Newsbeitrag news:a7qu4d$npb52$1...@ID-76170.news.dfncis.de...
> wie wär's mit dem Echo-Lied von Orlando di Lasso?
Mit vier Leuten?
Ansonsten ACK - Lasso lohnt sich immer...
v'audite nova!'G
--
Volker Gringmuth http://www.volker-gringmuth.de
"Gewebeveredler" ist meines Wissens das Wort mit den meisten Silben, das nur ei-
nen Vokal verwendet. Konstruieren kann man ja sicher längere Wörter, aber Google
findet immerhin 90 Gewebeveredlerbelegstellen" (Andreas Karrer in desd)
"Stefan Weinbrenner" <StWein...@compuserve.de> schrieb:
> Deshalb suche ich noch witzige Stücke
Richard Gené: Insalata Italiana (Parodie auf eine Opernszene), gibt's
bei Schott's Chorverlag, Mainz
Franz Schöggl: Variationen über Schubert's Lied "Die launige Forelle"
(mit bekannten Themen von Mozart, Weber, Beethoven, Liszt usw.), das
ist wirklich witzig, vor allem für Leute, die besagte Themen im
Original kennen
Carlheinz Heß: Treffpunkt der Herzen nach original Heiratsannoncen
(Anton Böhm & Sohn, Augsburg)
Mit freundlichen Grüßen,
Uli
> Ansonsten ACK - Lasso lohnt sich immer...
Ein ausgesprochener frühbarocker Witzbold ist auch der Italiener Adriano
Banchieri. Für Kenner: Von ihm stammt "Barca di Venezia per Padova",
weiland in der "Reflexe"-Reihe erschienen. Im "Chor aktuell" ist dieser
bekannte Tiergesang enthalten, Seiten 91 ff., "Capricciata" und
"Contrappunto bestiale alla mente".
Gruß
Ingo
--
Ingo Dierck, dierck & meyer mediengestaltung
mailto:ingo....@addcom.de
Was ist Komik? Die Frage beschäftigt uns seit vielen Jahrhunderten. Da will ich
lieber nicht anfangen zu philosophieren...
Man muß allerdings unterscheiden, ob ein "komisches" Chorwerk für die Zuhörer
denselben Unterhaltungswert hat wie für die Ausführenden und für den Autor, um
die Reihenfolge komischer Elemente zur Quelle zurückzuführen. Sehr schnell kommt
da unfreiwillige Komik ins Spiel, wenn die Humor-Rezeptoren zu unterschiedlich
sind und der Grad des Gelingens nur ins Ungefähre reicht. Können wir wirklich
noch über die drastischen Charakterisierungen in Banchieris Madrigalkomödien
lachen? Ich habe festgestellt, daß die Distanz zum zeitlichen Kontext der Musik
ein genuines Pointenverständnis unmöglich macht. Es kann immer nur ein "so-tun-
als-ob-wir-die-Komik-verstehen" sein. Zwar lachen wir über die Blödelschlager der
20er Jahre ("Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot"), aber können
wir uns je in die dada-verrückte Nachkriegsära einfühlen? Wird man in 20 jahren
noch über Anke Engelkes "Ladykracher" lachen? Heinz Erhardt, Loriot, Otto Waalkes.
..
Ich spreche aus leidiger Erfahrung. Vor anderthalb Jahrzehnten habe ich selbst
einige (witzige?) Stücke getextet und komponiert. Sie reißen mich heute nicht
mehr vom Hocker, machen mich geradzu erpreßbar! Ich oute mich.
z.B.
Ach, Friederich !
(für Frauenchor und Klavier)
1. Mein Gatte hat im Keller einen Hobbyraum.
Ach, ging' er lieber kegeln und zum Skat.
Doch er hobelt, bohrt und schleift und sägt, man glaubt es kaum.
Ich hab die Sägespäne, und wir den Salat.
Ab und zu ist er ja lieb, dann schmust und kost er.
Aber wenn in seinen Augen so ein Glanz ist,
dann geht er runter, und er repariert den Toaster,
ganz piepegal, ob der kaputt oder noch ganz ist.
Ach, Friederich, mein Friederich, so geht es nicht.
Ich bin dir momentan wohl ganz egal.
Ach Friederich, mein Friederich, so geht es nicht,
warum machst du uns das Leben so zur Qual ?
Sag mal, fühlst nichts von meinen inn'ren Nöten ?
Denkst du denn nur an deinen Kolben und ans Löten ?
Warum haben wir uns eigentlich verehelicht ?
Ach, Friederich, so geht es wirklich nicht.
2. Mein Gatte sitzt des Abends vorm Computer.
Ich zähl wohl nicht zu seinem Kundenstamm.
Seine eheliche Pflicht, naja, die tut er,
doch das allenfalls aus seinem Sparprogramm.
Gerne ginge ich mit ihm mal wieder bummeln,
ins Konzert, ins Kino oder Schauspielhaus.
Doch er liebt nur, an den Tasten rumzufummeln,
und an der Hand hat er statt mir nur seine Maus.
Ach, Friederich, mein Friederich ...
...warum machst du uns das Leben so zur Qual ?
Bald trag ich an unserm Hochzeitstage Trauerflor.
Ich bin schon eifersüchtig auf den miesen Monitor.
Sieh mir einmal nur wie deinem blöden Bildschirm ins Gesicht !
Ach, Friederich, so geht es wirklich nicht.
3a. Mein Gatte geht am Wochenende angeln.
Die schöne neue Rute ist schon krumm.
Und tut es ihm an Regenwürmern mangeln,
grab ich den Schrebergarten zwei- bis dreimal um.
Er sagt, am siebten Tage braucht er Ruhe.
Ich nehm die Viecher aus, ist das gerecht ?
Das Maß ist voll und auch die Tiefkühltruhe.
In der Dusche liegt ein Hecht, mir wird ganz schlecht.
Ach, Friederich, mein Friederich ...
...warum machst du uns das Leben so zur Qual ?
Wenn du glaubst, kein andrer sorgte für mich besser,
steh nicht bis zum Bauch in irgendnem Gewässer.
Deine einz'ge Sorge ist doch: Sind die Gummistiefel dicht ?
Ach, Friederich, so geht es wirklich nicht.
3b. Mein Gatte geht am Wochenende golfen.
Sein Schlagarm wird nach Stunden noch nicht schlaff.
Ich hab ihm schon an jedem Loch geholfen
und such die Bälle noch im Dunkeln aus dem "rough".
Ob endlich deine Schläger mal komplett sind ?
Mit Handicap spiel bitte nicht bei mir !
Du grübelst doch noch, wenn wir schon im Bett sind:
"Nehm ich das Holz jetzt oder lieber Eisen 4 ?"
Ach, Friederich, mein Friederich ...
...warum machst du uns das Leben so zur Qual ?
Jedem Spieler geht beim Putten mal der Schub aus.
Deshalb dreh dich nicht gleich um und geh ins Clubhaus.
Hin und wieder mal ein "Bogey" fällt doch gar nicht ins Gewicht.
Ach, Friederich, so geht es wirklich nicht.
4. Mein Gatte geht zur Liedertafel "Euterpé".
Dort steht er hinten links und singt Tenor.
Daheim trinkt er vor jeder Probe Kräutertee
und kommt sich immerzu so wie Caruso vor.
Im Bett fragt er, "ob mir der Schlummer nahte".
Ich bin in Todesängsten schon darum.
Noch nennt er mich ja gottseidank "Agathe" -
sagt er "Desdemona", bringt er mich sicher um !
Ach, Friederich, mein Friederich ...
...warum machst du uns das Leben so zur Qual ?
Alle Nachbarn denken: Wer quält unsren Kater ?
Doch du singst im Bad und nennst das "La Traviata".
Nimm die Scheidung - oder im Gesang mal Unterricht.
Ach, Friederich, ich bitte dich,
was bist du wieder widerlich,
Ach, Friederich, so geht es wirklich nicht. So nicht !
Oder:
Lisa !
(Männerchor und Klavier)
1. Lisa geht bisweilen mit Matrosen:
Griechen, Indern, Amis und Franzosen.
Manch Korsar verliert zwar die Courage,
denn sie kommt so schwer aus der Korsage.
Hundert Bänder, Knöpfe, Haken, Ösen,
gilt es aufzufriemeln und zu lösen.
Aber dann, wenn der Genuß kommt
und der letzte Reißverschluß kommt -
Herrlich ! Herrlich !
Ich lieb' nur Lisa,
denn seit ich sie sah,
da wußt'ich gleich, daß sich die Sache bei ihr lohnt.
Ich küß nur Lisa,
treib 's nur mit dieser,
kenn ihre Nummer, und ich weiß auch wo sie wohnt.
Nur ihr steht 's gut und tadellos,
geht auch vom Hut die Nadel los.
Wer je die Lisa
von Kopf bis Knie sah,
der bleibt sein Lebtag nicht von dieser Frau verschont.
2. Lisa geht bisweilen mit Beamten:
vom Inspektor ab mit den gesamten.
Doch wer sie mit Feuer will begehren,
muß zuvor die Steuer ihr erklären.
Rauft man sich am Schreibtisch schon die Haare,
bringt sie immer neue Formulare.
Spricht im Halbschlaf noch von Rente,
morgens schon von Alimente -
Herrlich ! Herrlich !
Ich lieb' nur Lisa,
denn seit ich sie sah,
da wußt'ich gleich, daß sich die Sache bei ihr lohnt.
Ich küß nur Lisa,
treib 's nur mit dieser,
kenn ihre Nummer, und ich weiß auch wo sie wohnt.
Macht sich auch bald ein neuer Schatz
an ihren Mehrwertsteuersatz...
Wer je die Lisa
von Kopf bis Knie sah,
der bleibt sein Lebtag nicht von dieser Frau verschont.
3. Lisa hat ein Herz auch für die Ärzte,
weil ihr da und dort schon mal was schmerzte.
Kein Patient mehr heute drum Geschrei macht,
wenn sie sich im Warteraum schon frei macht.
Doch sie läßt sich nur die Pulse auszähl'n
oder einen Pickel aus der Haut schäl'n.
Lächelt "cheese" wie Zuckerwatte
in den Film der Röntgenplatte -
Herrlich ! Herrlich !
Ich lieb' nur Lisa,
denn seit ich sie sah,
da wußt'ich gleich, daß sich die Sache bei ihr lohnt.
Ich küß nur Lisa,
treib 's nur mit dieser,
kenn ihre Nummer, und ich weiß auch wo sie wohnt.
All' meine Herzgedanken schrei'n
nach dir und deinem Krankenschein.
Wer je die Lisa
von Kopf bis Knie sah,
der bleibt sein Lebtag nicht von ihr,
der wird von dieser
Lisa - dudeldidum - nicht verschont.
Einen hab ich noch:
Mein Onkel Nello spielt Cello
(für gemischten Chor und Klavier)
1. Früher schwärmte jede Göre
nur für Geiger und Tenöre.
Heut dreht sich kein Weib nach sowas um.
Jeder Frau - es überrollt se -
steht der Sinn nach anderm Holze,
und Sie werden gleich verstehn, warum.
Dicke Eiche oder schlanke Kiefer
haben heut 'nen besseren Geschmack,
denn sie mögen 's gerne auch mal tiefer
und verdrehn die Augen, wenn ich sag:
Mein Onkel Nello spielt Cello im Stadtcafé
zum Pianoforte, zur Torte und Eisbaiser,
wenn sich die Tänzer im Parkett um ihre Achse drehn
und noch im Takt sich wiegend draußen vor der Taxe stehn.
Mein Onkel Nello spielt Cello im Bratenrock.
Kein Mann macht schönere Töne beim Five o'clock.
Sein Pizzicato die Damenwelt betört,
das galt bis dato als gänzlich unerhört.
Wenn die Kadenzen dann glänzen im Saal,
ruft alles "Bello! Komm, Nello, noch mal !"
2. Alte Fräuleins, junge Damen,
kennen seinen Künstlernamen,
kennen sein Vibrato, seinen Strich.
Schon die Debütantenmäuschen
sind erregt und aus dem Häuschen.
( Ich gesteh 's: Der Mann erregt selbst mich.)
Jeder Frau fließt manche heiße Träne
von den roten Bäckchen gleich herab.
Nach der selig süßen Kantilene
ist hinüber sie und ihr Make up.
Mein Onkel Nello spielt Cello im Stadtcafé
zum Pianoforte, zu Torte und Eisbaiser.
Und jedes Mädchen, mag es noch so wohl erzogen sein,
möcht' gern mal Cello unter seinem sanften Bogen sein.
Mein Onkel Nello spielt Cello im Bratenrock.
Kein Mann macht schönere Töne beim Five o'clock.
Sein Pizzicato, daß man 's kaum selber glaubt.
Man fragt seit dato: Ja, ist denn das erlaubt ?
Streicht er voll Wärme die Därme beim Tanz,
ruft jeder "Hello, ja Nello, der kann 's."
Jaaaaaa, die Sachen kamen immer prima an, die Musik ist auch ganz schön
schmissig, aber es fehlte wohl die letzte Professionalität, so daß kein Verlag
damit etwas anfangen wollte. Kommt irgendwie 50 Jahre zu spät...
Hat noch jemand bis hierher gelesen? Bevor man mir vorwirft, ich würde die
Newsgroup mißbrauchen, um verweifelt meine erfolglosen Kompositionen anzubieten,
mache ich lieber
SCHLUSS. (Kein Gashahn.)
Peter
--
__________________________________________________________
News suchen, lesen, schreiben mit http://newsgroups.web.de
> Können wir wirklich noch über die drastischen Charakterisierungen in
> Banchieris Madrigalkomödien lachen? Ich habe festgestellt, daß die Distanz
> zum zeitlichen Kontext der Musik ein genuines Pointenverständnis unmöglich
> macht. Es kann immer nur ein "so-tun- als-ob-wir-die-Komik-verstehen"
> sein.
Das ist ein interessanter Gedanke. Allerdings hatte Stefan Weinbrenner
keine Angaben über das Zielpublikum gemacht. Da habe ich einfach mal die
Vorschläge in eine andere Richtung ergänzt.
> Ich spreche aus leidiger Erfahrung. Vor anderthalb Jahrzehnten habe ich
> selbst einige (witzige?) Stücke getextet und komponiert. Sie reißen mich
> heute nicht mehr vom Hocker, machen mich geradzu erpreßbar! Ich oute mich.
> Ach, Friederich !
> (für Frauenchor und Klavier)
> Lisa !
> (Männerchor und Klavier)
> Mein Onkel Nello spielt Cello
> (für gemischten Chor und Klavier)
> Hat noch jemand bis hierher gelesen?
Doch, habe ich. Und ich muß sagen, daß die Texte durchaus witziger sind
als einiges, was ich schon öffentlich chorgesungen habe.
Über die Musik dazu kann ich freilich nichts sagen.
Hach, das tut aber gut.
>Über die Musik dazu kann ich freilich nichts sagen.
Wen es interessiert, dem schicke ich gern die Noten. Ach ja, ein Männerquartett
a cappella habe ich auch noch (in memoriam der 50er Jahre)
T r u d e
1. Wenn nach dem Happy End spät
im Kino das Licht angeht,
liegt deine Hand in meiner Hand
so feuchtwarm auf dem Sesselrand.
Und draußen unter'm Sternenlicht
beim In-die-Augen-schauen
möcht ich mich im Laternenlicht
so gern noch weiter trauen.
Doch vor dem ersten Zungenkuß
kommt immer schon dein Omnibus. Ach,
Trude, mein' Trude,
komm mit auf meine Bude.
Dort machen wir es uns gemütlich.
Trudchen, bitte, sei so gütlich.
Trude, mein' Trude,
sei heut doch nicht so krude !
Ich leg 'ne Tangoplatte auf -
ach, komm doch mal mit rauf !
2. Wenn ich dich beim Fünf-Uhr-Tee
am Colaglas nippen seh,
wie keine du mir dann gefällst,
weil du so süß den Strohhalm hältst.
Und spielt die Combo unser Lied,
spendier ich weiße Brause
mit Kirschlikör, wenn's keiner sieht.
Um neun mußt du nach Hause.
Dein Vater steht schon vor der Tür,
das nächste Mal gehn wir zu mir. Ach,
Trude, mein' Trude,
komm mit auf meine Bude.
Dort machen wir es uns gemütlich.
Trudchen, bitte, sei so gütlich.
Trude, mein' Trude,
sei heut doch nicht so krude !
Ich nehm den Nachbarstratsch in Kauf -
ach, komm doch mal mit rauf !
3. Heut abend ist die Luft rein,
ich bin bis halb elf allein.
Die Wirtin sitzt im Kino dann
und schaut sich O.W. Fischer an.
Und wenn du dich nur an mich schmiegst,
Pullover an Pullunder -
daß du davon ein Baby kriegst,
das wäre schon ein Wunder.
Den Borgward borgt uns Onkel Fritz,
dann tun wir's auf dem Liegesitz. Doch,
Trude, mein' Trude,
komm erst mit auf die Bude.
Dort machen wir es uns gemütlich.
Trudchen, bitte, sei so gütlich.
Zieh keine Schnute,
sonst treib ich es mit Ute !
Ich mach 'ne Schampusflasche auf -
ach, komm doch mal mit rauf !
© 1984 by the author
Erstaufführung der Neufassung am 25.Oktober 1996 um 20h im Turm von St.Georg
durch die unvergleichlichen
„suspenders®“
(„Fräulein Vera, ich muß Ihnen unbedingt meine Käfersammlung zeigen. Würden Sie
auf eine Ohrfeige mit raufkommen ?“)
Was ist das für ein Ensemble, was du da hast? Textest du selbst viel?
Habt ihr eine Demoaufnahme? Schreibst du Auftragstexte?
Fragen über Fragen...
Harald
Hallo Harald,
ein Ensemble habe ich seit Jahren nicht mehr. Damals schrieb ich wirklich viel
für uns selbst (SSAATTBB und TTBB, mit und ohne Piano). Für "Ich fax dir einen
Liebesbrief" gab es sogar mal einen Chansonpreis. Inzwischen existieren auch die
"suspenders" nicht mehr, ich bin aus dem Gewerbe so ziemlich raus. Eigentlich
schade, wenn ich bedenke, daß ich für die Kings Singers mal ein deutsches
Programm schreiben sollte... Ich hätte schon Lust, mal wieder einzusteigen. Also -
her mit den Aufträgen!! *g* Naja, heute läßt der Beruf kaum Zeit für sowas,
trotzdem will ich wieder ein kleines Chanson- und Literaturprogramm bis zum
Herbst auf die Beine stellen, aber das gehört nicht in diese klassische Rubrik,
fürchte ich.
Gruß aus Hamburg
von
Peter
1988-90 schrieb ich mit zwei Freunden eine Operetten-Parodie für die Besetzung
SSAATTBB mit Klavier, ist also ohne großen Aufwand zu realisieren. Es handelt
sich um 18 Musiknummern - Chöre, Couplets, Duette und Soli. Titel: FRÜHLING AUF
GALAPAGOS. Dazu ein total albernes Textbuch. Erschienen bei AHN & SIMROCK in
München. Es wurde rudimentär mit meiner damaligen Vokalgruppe in Hamburg
aufgeführt, im NDR gesendet und 1997 elfmal am Schauspielhaus Leipzig gespielt,
ist aber sonst in Vergessenheit geraten.
Wer also in einem ambitionierten Ensemble singt oder eins kennt, der/die kann
von mir gern die Bezugsquellen bekommen. Hier eine Einführung:
FRÜHLING AUF GALAPAGOS
oder
Die Wiedergeburt der Operette aus dem Geiste der Kokosnuß
Vorspiel (kann entfallen)
Bon soir, tristesse. Unter den Klängen elegischer Klaviermusik öden sich Gäste
in einem stocksteifen Restaurant an. Estrella, eine attraktive Frau um die 40,
begeht mit ihrem zweiten Mann den 20. Hochzeitstag. Die Stimmung ist gedrückt,
denn Estrella kann den Schildkrötenforscher Ludwig Törtel nicht vergessen. Obwohl
er damals die blutjunge Mutter mit unbekanntem Ziel sitzengelassen hat, schätzt
ihn Estrella weit höher als ihre derzeitige „gute Partie“, was den Gatten Nr.2
sichtlich kränkt. Um die Athmosphäre zu verbessern, serviert der Sommelier eine
Flasche Wein auf Kosten des Hauses. Ein beim Einschenken zutage tretender
Fremdkörper berührt den Kellner hochnotpeinlich, versetzt aber Estrella in
Entzücken, denn er entpuppt sich als Flaschenpost von ihrem verschollenen Ex-
Liebsten. In dem Papier schildert dieser seine Notlage: er sei auf eine entlegene
Insel verschlagen und brauche Hilfe. Voller Tatendrang bricht Estrella zu einer
Rettungsaktion auf!
1.AKT
(Auf einem Kreuzfahrtschiff, 25 Jahre zuvor)
Eine bunte Gesellschaft kreuzt im nächtlichen Pazifischen Ozean vor den
Galapagos-Inseln. Die parazuelanische Konsulsfamilie Mendoza y Meyer sieht der
baldigen Ankunft in der Hauptstadt „Santo Domingo de la Cruz y la corrupción que
es la corazón de Latino-America“ mit gemischten Gefühlen entgegen. Karl-Carlos
kann kaum erwarten, bald wieder in der Heimat zu sein, zumal seine Chancen im
laufenden Präsidentschaftswahlkampf gut sind. Gattin Schatzi, eine Ungarin,
möchte lieber endgültig fort aus dem sündigen Parazuela, denn sie ist im Kloster
aufgewachsen und hat mit der Ehe alles verloren: ihre Unschuld, ihre Puszta-
Heimat, sogar ihren ungarischen Akzent. Gefahr sieht sie vor allem für Estrella,
ihre 15jährige Tochter, die sich an Bord schon sehr konkret für die Männerwelt
interessiert. Groß ist die Auswahl an ledigen attraktiven Herren allerdings nicht.
Aber der deutsche Schildkrötenforscher Ludwig Törtel hat es ihr angetan. Zwar
trifft er Frauen gegenüber nicht immer den richtigen Ton, sein Engagement für
bedrohte Tiere ist jedoch beispielhaft. Sogar Bordratte Karlheinz kann sich
seines Schutzes erfreuen.
Aus Nordfriesland stammt die Ethno-Linguistin Ingeborg Trappenkamp, die an ihrer
Dissertation über Sprachverwandtschaft arbeitet. Sie möchte über einen
gemeinsamen archaischen Konjunktiv den Nachweis erbringen, daß Amrum und
Galapagos vor der Kontinentaldrift einmal verbunden gewesen sein müssen. Einer
ehelichen Verbindung will das etwas linkische Fräulein („Halten Sie mal meine
Handtasche!“) mit der empfindlichen Haut noch aus dem Wege gehen, wenngleich der
sich aufdringlich nähernde Steward Max bei ihr Chancen hätte. Ihre Haut- und
Herzensprobleme kann sie einer reiferen Promenadendeck-Bekanntschaft anvertrauen:
Mimi Charmeuse, ehemaliger Revuestar aus Paris, eine an Bord anerkannte Show-
Größe und in Nebentätigkeit Kosmetikberaterin für die Firma Avignon und ihren
internationalen Duftstoff („Pour Madame, pour Monsieur - Padam, Padam, c’est
merveilleux!“). Schon die 17. Saison tingelt sie auf dem Schiff, ohne einen
zahlungskräftigen Mann zum Heiraten gefunden zu haben. Dieses Jahr wird sie sich
wenigstens dem Kapitän an den Hals werfen. Und das will etwas heißen: Julius
Goedeke, der sprachlich wie navigatorisch nur eine Katastrophe zu nennen ist,
fühlt sich von Mimis Avancen durchaus geschmeichelt. Außerdem ist er als
Interpret seines fragwürdigen Shanty-Liedes quasi ein Kollege.
Der gesellschaftliche Höhepunkt naht mit dem Zeremoniell der Äquatortaufe. Die
Konsulsleute sind bei ihrer Lieblingsbeschäftigung - sie streiten sich. Schatzi
bemerkt, daß Mimi ihren Mann besser zu kennen scheint als es ihr zusteht. Hatten
sie was miteinander, als Karl-Carlos Agrarattaché in Paris war? Ihre ungarische
Eifersucht lodert und verlangt nach dem Puszta-Heimatlied. Estrella kriegt zur
Cocktailstunde ihren ersten Schwips, wird ohnmächtig und darf auf künstliche
Beatmung vom Steward hoffen „so mit Musik und Licht aus und alles“ Während zu
Boden geht, was geküßt werden will, kollidiert das Schiff an Backbord mit einem -
Eiswürfel! SOS. Damit keine Panik ausbricht, serviert Steward Max gratis den
Cocktail der Saison: Popocatepetltiticacamacchupichuacapulcochachachacopacabana!
2.AKT
(Am Strand, einen Tag später)
Die Passagiere sind sich nicht ganz sicher, ob der Schiffbruch echt war oder,
wie Mimi behauptet, von der Reederei als Überraschung inszeniert wurde.
Jedenfalls läßt man es sich beim Landgang gut ergehen. Der Professor nimmt in
Begleitung Estrellas die Fauna der Insel in Augenschein, mit Schwerpunkt auf die
Riesenzwergschildkröten. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß deren nur alle 96
einhalb Jahre stattfindender Balztanz kurz bevorsteht. Max versucht, Ingeborg mit
Hilfe eines heimlich auf ihrem Ohrläppchen applizierten Spezialduft aus Mimis
üppigem Kulturbeutel schwach zu machen. Das verführeische Tröpfchen landet jedoch
zufällig bei Estrella, die sich liebestrunken am Steward festkrallt. Ingeborg hat
genug gesehen. Beim Konsulsehepaar überstürzen sich die Ereignisse. Eine
Flaschenpost wird entdeckt, adressiert an Mendoza y Meyer. Darin beklagt sich ein
schwangeres Pariser Freudenmädchen namens Mimi über den entflohenen Geliebten.
Also doch. Karl-Carlos beteuert hartnäckig seine Unschuld. Nun tauchen auch
Zweifel an Schatzis Engelsreinheit auf und stellen gar die legitime Vaterschaft
für Estrella in Frage. Bevor die Austernmesser gezückt werden und Blut fließt,
sublimiert Schatzi ihren Schmerz durch ihr lange zurückgehaltenes Puszta-
Heimatlied. Jaj, Mámá, jetzt muß es heraus.
3.AKT
(Wieder an Bord, am späten Nachmittag)
Das Schiff ist nach einer Notreperatur wieder flott gemacht, die Aufregung unter
den Passagieren hat sich etwas gelegt. Der Steward erfährt freudevoll, daß
Ingeborg ihrer intimen Freundin Mimi in seinem Sinne das Herz geöffnet hat. Die
Sängerin hält den Moment für gekommen, von ihrem familiären Unglück zu berichten.
Vor vielen Jahren wurde sie von einem südamerikanischen Verführer schwanger,
mußte sich aber von ihrer kleinen Tochter trennen. Währenddessen schweben Max und
Ingeborg im siebenten Himmel. Er outet sich als Sohn des Milliardärs Aristoteles
Patschnassis, sie wird durch eine plötzliche Erbschaft (Telegramm aus Friesland!)
entsprechend standesgemäß. Schatzi versucht, nacheinander ihre Tochter und sich
selbst noch mit Max zu verkuppeln, da sie ihre Ehe nach all den Nachforschungen
für null und nichtig halten darf. Als ein Schmuckstück mit verräterischen
Initialen Karl-Carlos’ Untreue zu belegen scheint, erreichen die familiären
Verwicklungen inzestuöse Dimensionen. Erstmal Schildkrötenballett. Aber am Ende
löst sich der Knoten überraschend einfach: Mimi Charmeuse entpuppt sich als
Schatzis Mutter aus der Verbindung mit Karl-Carlos’ Adoptivvater. Happy End. Der
Konsulsfamilie steht nach der Übermittlung des Wahlsieges eine rosige Zukunft
bevor, dem Staate Parazuela die gesicherte Rückkehr zur Korruption. Max schenkt
seiner Braut mal eben ein paar Galapagos-Inseln, Mimi verbindet sich mit dem
Kapitän sowohl ehelich als auch geschäftlich durch geplante Butterfahrten mit
Showteil und zollfreier Kosmetikberatung. Estrella und Professor Törtel sehen
gemeinsam der wundersamen Forschung und Vermehrung entgegen. Der Tierwelt und der
eigenen.
MUSIKNUMMERN
1. TROPISCHE NÄCHTE (Ensemble)
2. DIPLOMATEN WISSEN ZU SPEISEN (Schatzi, Karl-Carlos)
3. MÄNNER HER (Estrella)
4. EINER FÜR DICH, EINER FÜR MICH (Mimi, Ingeborg)
5. DAS BUNTE SIND IMMER DIE MÄNNCHEN (Professor)
6. NICHTS IST SO SÜSS WIE DIE LIEBE IN PARIS (Mimi)
7. MINDEN, MALTA, MAINZ UND MINDANAO (Kapitän)
8. POPOCATEPETLTITICACA... (Max mit Ensemble)
9. LANDGANG (Ensemble)
10. ALLE TIERE HABEN EINE ART ZU SAGEN (Ingeborg, Professor, Ensemble)
11. DAS KÜSSEN UNTERM KAKTUS IST GEFÄHRLICH (Kapitän)
12. MEIN PARAZUELA (Karl-Carlos, Ensemble)
13. EKLIGE TIERE (Estrella, Professor)
14. UNGARLAND, MEIN UNGARLAND (Schatzi, Ensemble)
15. KÜSS MICH UNTERM KREUZ DES SÜDENS (Max, Ingeborg)
16. HASELMÄUSCHEN, KLEIDERLÄUSCHEN (Schatzi, Karl-Carlos)
6a. Reminiszenz NICHTS IST SO SÜSS (Mimi, Kapitän)
12a. PARAZUELA-HYMNE (instrumental)
17. SCHILDKRÖTENBALLETT (Melodram ESTRELLA, PROFESSOR)
18. FRÜHLING AUF GALAPAGOS (Ensemble)
8a. POPOCATEPETLTITICACA (Ensemble)