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Die Zauberfloete im 3sat

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Peter Brixius

unread,
Mar 1, 2007, 12:51:19 PM3/1/07
to
Heute abend gibt es ab 20.00 Uhr im 3sat eine Übertragung aus dem
Opernhaus Zürich. Gesendet wird "Die Zauberflöte" in der Regie von
Kusej, Harnoncourt ist am Pult.

Hoffentlich schauen genug mit, dass wir die Zauberflöten-Diskussion
mit neuer "Munition" versehen können.

Ich bin auf jeden Fall erst einmal gespannt. Bis dann!

Es grüßt Peter

--
Abends saß ich im Theater, und ich werde wohl über die Aufführung etwas sagen
müssen. Ich tu es sehr gern, denn es war eine Art Stubenmädchenstück mit
lieblichster, lustigster und doch auch wieder bester, schönster und
ernsthaftester Musikbegleitung. (R. Walser: Der Roman, woran ich weiter ...)

Anna Mosler

unread,
Mar 2, 2007, 3:54:28 AM3/2/07
to
Peter Brixius wrote:
> Heute abend gibt es ab 20.00 Uhr im 3sat eine Übertragung aus dem
> Opernhaus Zürich. Gesendet wird "Die Zauberflöte" in der Regie von
> Kusej, Harnoncourt ist am Pult.

Die Zürcher Neuproduktion der «Zauberflöte» ist voraussichtlich ab
Oktober 2007 als DVD bei der Deutschen Grammophon erhältlich.

> Hoffentlich schauen genug mit, dass wir die Zauberflöten-Diskussion
> mit neuer "Munition" versehen können.

Ab 18.30 Uhr übertrug der ZDFTheaterkanal am 1. März das Geschehen
"Backstage" zeitgleich. Als Internetstream gab es beides wohl auch.
Bilder, auch Diskussionen, hier:
http://aeschbacher.blog.sf.tv/alles-ueber-die-zauberfloete/index.html

Anna


Oliver Scholz

unread,
Mar 2, 2007, 9:43:13 AM3/2/07
to
Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

> Heute abend gibt es ab 20.00 Uhr im 3sat eine Übertragung aus dem
> Opernhaus Zürich. Gesendet wird "Die Zauberflöte" in der Regie von
> Kusej, Harnoncourt ist am Pult.
>
> Hoffentlich schauen genug mit, dass wir die Zauberflöten-Diskussion
> mit neuer "Munition" versehen können.
>
> Ich bin auf jeden Fall erst einmal gespannt. Bis dann!

[...]

Mist. Die Nachricht kam für mich zu spät. :-(

Hat es irgendjemand auf DVD aufgenommen? Wenn es hier eine Diskussion
um die Interpretation gibt, möchte ich nicht bis Oktober warten
müssen.


Oliver
--
12 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Andreas Eibach

unread,
Mar 2, 2007, 12:02:17 PM3/2/07
to

"Anna Mosler" <anna_...@bluewin.ch> wrote:
> Peter Brixius wrote:
>> Heute abend gibt es ab 20.00 Uhr im 3sat eine Übertragung aus dem
>> Opernhaus Zürich. Gesendet wird "Die Zauberflöte" in der Regie von
>> Kusej, Harnoncourt ist am Pult.
>
> Die Zürcher Neuproduktion der «Zauberflöte» ist voraussichtlich ab
> Oktober 2007 als DVD bei der Deutschen Grammophon erhältlich.

Hmm. Fragt sich _wieso_ erst Oktober '07.
Ich hoffe ja nicht, dass mit allzuviel digitalem Schnickschnack an der
_Audio_-Aufnahme herumgemischt und -editiert wird, und dafür diese Zeit
benötigt wird. Dessen kann man dieser Tage fast überhaupt nicht mehr
sicher sein. :-/
Wenn die Verzögerung durch mögliche Zusatz-"Gimmicks" begründet ist,
will ich ja gar nichts gesagt haben.

-Andreas

Peter Brixius

unread,
Mar 3, 2007, 8:12:42 AM3/3/07
to
On Fri, 02 Mar 2007 15:43:13 +0100, Oliver Scholz <alkib...@gmx.de>
wrote:

>
>Hat es irgendjemand auf DVD aufgenommen?

Habe ich :-)

>Wenn es hier eine Diskussion
>um die Interpretation gibt,

Die scheint es nicht zu geben - war sie so schlecht? ;-)

>möchte ich nicht bis Oktober warten
>müssen.
>

Brauchste nicht :-)

Es grüßt Peter

--
Aber da kam ein Page vor [...]. Die Rolle wurde von einem Mädchen
gespielt, und natürlich sehr gut. Jedes Mädchen spielt ja das
Verliebtsein nie anders als prächtig.
(R. Walser: Der Roman, woran ich weiter und weiter schreibe)

Peter Brixius

unread,
Mar 3, 2007, 8:16:04 AM3/3/07
to
On Fri, 2 Mar 2007 18:02:17 +0100, "Andreas Eibach" <aei...@mail.com>
wrote:

>
>"Anna Mosler" <anna_...@bluewin.ch> wrote:
>> Die Zürcher Neuproduktion der «Zauberflöte» ist voraussichtlich ab
>> Oktober 2007 als DVD bei der Deutschen Grammophon erhältlich.
>
>Hmm. Fragt sich _wieso_ erst Oktober '07.

Vielleicht zur 25. Aufführung - oder zum 10.000 Besucher?

>Ich hoffe ja nicht, dass mit allzuviel digitalem Schnickschnack an der
>_Audio_-Aufnahme herumgemischt und -editiert wird, und dafür diese Zeit
>benötigt wird.

Da sollen sie einfach Mr. Hatto einfliegen, der kann es doch.

>Dessen kann man dieser Tage fast überhaupt nicht mehr
>sicher sein. :-/

... und der macht es schnell ,,,

>Wenn die Verzögerung durch mögliche Zusatz-"Gimmicks" begründet ist,
>will ich ja gar nichts gesagt haben.
>

Vielleicht bekommt ja noch den Hinter-der-Bühne-Track dazu ...

Es grüßt Peter

--
Aber da kam ein Page vor [...]. Die Rolle wurde von einem Mädchen
gespielt, und natürlich sehr gut. Jedes Mädchen spielt ja das
Verliebtsein nie anders als prächtig.

(R. Walser: Der Roman, woran ich weiter und weiter schreibe)

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 3, 2007, 6:13:12 PM3/3/07
to
Peter Brixius schrieb:

> Heute abend gibt es ab 20.00 Uhr im 3sat eine Übertragung aus dem
> Opernhaus Zürich. Gesendet wird "Die Zauberflöte" in der Regie von
> Kusej, Harnoncourt ist am Pult.
>
> Hoffentlich schauen genug mit, dass wir die Zauberflöten-Diskussion
> mit neuer "Munition" versehen können.
>
> Ich bin auf jeden Fall erst einmal gespannt. Bis dann!
>
> Es grüßt Peter
>

Ich habe mir die Zauberflöte angesehen, weil es seit "Kindertagen"
meine Lieblingsoper war. Die Musik war fantastisch, aber ich war von der
modernen Ausstattung enttäuscht. Gerade die Zauberflöte lebt doch von
der "märchenhaften" Ausstattung, die in der modernisierten Version
einfach gefehlt hat. Aber das ist meine unmaßgebliche Meinung;
vielleicht spricht ja gerade das neue Bühnenbild viele an und ich freue
mich auf eine rege Diskussion.

Mozärtliche Grüße an alle
Marianne.

Andreas Eibach

unread,
Mar 4, 2007, 12:57:01 PM3/4/07
to

"Peter Brixius" <peter....@onlinehome.de> wrote:
>>Wenn die Verzögerung durch mögliche Zusatz-"Gimmicks" begründet ist,
>>will ich ja gar nichts gesagt haben.
>>
> Vielleicht bekommt ja noch den Hinter-der-Bühne-Track dazu ...

Unfug. :-))
Was ich meinte waren natürlich _Proben_! :)

-Andreas

Peter Brixius

unread,
Mar 4, 2007, 1:17:59 PM3/4/07
to
On Sun, 4 Mar 2007 18:57:01 +0100, "Andreas Eibach" <aei...@mail.com>
wrote:

>


>"Peter Brixius" <peter....@onlinehome.de> wrote:
>>>Wenn die Verzögerung durch mögliche Zusatz-"Gimmicks" begründet ist,
>>>will ich ja gar nichts gesagt haben.
>>>

>> Vielleicht bekommt [man] ja noch den Hinter-der-Bühne-Track dazu ...
>
>Unfug. :-))

Auch nicht als Splitscreen? :-)

>Was ich meinte waren natürlich _Proben_! :)
>

Wovon?

Es grüßt Peter

--
Woher rührt es, Maecenas, dass niemand zufrieden mit jenem
Los, das Vernunft ihm gab oder Schicksal ihm zuwarf,
die dagegen lobt, die Entgegengesetztes verfolgen?
(Horaz)

Peter Brixius

unread,
Mar 4, 2007, 1:50:12 PM3/4/07
to
On Sun, 04 Mar 2007 00:13:12 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:

>Ich habe mir die Zauberflöte angesehen, weil es seit "Kindertagen"
>meine Lieblingsoper war.

Es ist - ao glaube ich - *die* Nicht-Kinder-Oper, die am ehesten einen
unmittelbaren Eindruck auf Kinder macht. Deutlich knüpft ja Ingmar
Bergman in seiner Trollflöjten daran an. Da gibt es die
Identifikationsfigur des kindlichen Papagenos, ein Anzahl eingängiger
Melodien. Die Gefahr ist natürlich immer die, dass man "Die
Zauberflöte" darauf reduziert, denn sie ist *keine* Kinderoper. Das
Bedrohliche der Oper ging mir zum ersten Mal - wieder - bei Bergman
auf, diesmal aber in seiner "Stunde des Wolfs".

>Die Musik war fantastisch,

Verhältnismäßig breite Tempi ...

>aber ich war von der
>modernen Ausstattung enttäuscht.

Wahrscheinlich mehr von *der* modernen Ausstattung als der *modernen*
Ausstattung :-)

>Gerade die Zauberflöte lebt doch von
>der "märchenhaften" Ausstattung,

Ich dachte, von der Musik :-) Das Märchenhafte ist sicher eine der
möglichen Ausstattungsweisen (siehe da auch wieder die Trollflöjten),
aber doch nicht die einzige. Die Zauber- & Maschinenkommödie, in deren
Tradition sie steht, hat ja nicht eigentlich Märchen im Sinne. Das
Wunderbare scheint vor allem auf der Ebene des kindlichen Papagenos
mit seinem Glockenspiel zu funktionieren.

>die in der modernisierten Version
>einfach gefehlt hat.

Hat sie vielleicht eine andere Dimension aufgedeckt?

>Aber das ist meine unmaßgebliche Meinung;
>vielleicht spricht ja gerade das neue Bühnenbild viele an

Ich nehme an, es verstört erst einmal. Zum Teil widerspricht es ja
auch dem gesungenen Text.

>und ich freue
>mich auf eine rege Diskussion.
>

Ich auch ...

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 4, 2007, 4:47:52 PM3/4/07
to
Peter Brixius schrieb:

He, hallo, ich habe nicht behauptet, dass die Zauberflöte eine
Kinderoper sei, ich habe sie aber sehr früh im Theater in prunkvoller
Ausstattung gesehen. Sie hatte mich sehr berührt und ich erinnere mich
daran, dass ich mein "teures Kleid" total vollgeheult habe, weil die
Protagonisten so vielen Schwierigkeiten ausgesetzt waren, ehe sie sich
endlich wiedersehen durften. Ich glaube nicht, dass Kinder nur von
Papageno angesprochen werden, die Handlung können auch schon Kinder
begreifen, ohne dass ein Glockenspiel sie aus ihren kindlichen Träumen
hervorholen muss.

Ich habe die Oper noch einige Male, auch im Fernsehen aus Österreich
übertragen, gesehen. Nur war niemals eine so moderne Fassung dabei.
Vielleicht liegt es wirklich an meiner Einstellung zu den alten
Klassikern, die ich ungern in die heutige Zeit übertragen sehen mag.

Hänsel und Gretel markieren ja auch nicht ihren Rückweg nach Hause zu
den Eltern mit bunten Spraydosen, sondern immer noch mit Brotkrümeln und
Kieselsteinchen. :)

Mag sein, dass es den Horizont erweitert, wenn alte Werke modern
interpretiert werden. Ich mag sie lieber so, wie sie vom Künstler
gedacht waren.

Liebe Grüße an dich, Peter, und einen guten Start in eine neue Woche!
-Marianne

Peter Brixius

unread,
Mar 4, 2007, 5:12:36 PM3/4/07
to
On Sun, 04 Mar 2007 22:47:52 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:


>He, hallo, ich habe nicht behauptet, dass die Zauberflöte eine
>Kinderoper sei,

Das habe ich auch so verstanden. Es ist nicht ganz unüblich, sie
darauf zu reduzieren - ad usum delphinum natürlich. Auch am Wochenende
lief wieder so eine Zauberflöte für Kinder - aus Sicht von Papageno
erzählt - im Fernsehen.

>ich habe sie aber sehr früh im Theater in prunkvoller
>Ausstattung gesehen.

So ging es mir auch :-)

>Sie hatte mich sehr berührt und ich erinnere mich
>daran, dass ich mein "teures Kleid" total vollgeheult habe, weil die
>Protagonisten so vielen Schwierigkeiten ausgesetzt waren, ehe sie sich
>endlich wiedersehen durften. Ich glaube nicht, dass Kinder nur von
>Papageno angesprochen werden, die Handlung können auch schon Kinder
>begreifen, ohne dass ein Glockenspiel sie aus ihren kindlichen Träumen
>hervorholen muss.
>

Kinder können auch die Handlung von Tristan und Isolde verstehen - nur
die Handlung allein tut es nicht - auch bei der Zauberflöte nicht. Die
Musik Mozarts ist eben keine Filmmusik im schlechten Sinne.

>Ich habe die Oper noch einige Male, auch im Fernsehen aus Österreich
>übertragen, gesehen. Nur war niemals eine so moderne Fassung dabei.
>Vielleicht liegt es wirklich an meiner Einstellung zu den alten
>Klassikern, die ich ungern in die heutige Zeit übertragen sehen mag.

Dagegen ist nichts einzuwenden, solange es der eigene Geschmack ist.
Jeder hat seine Vorstellungen auch von der Zauberflöte. Meine ist der
von Millers Inszenierung nahe, ich kann aber mit jeder anderen
künstlerisch konsistenten lieben. Es würde mir nur nicht passen, wenn
nun alle Inszenierungen à la Miller wären - das würde nun wieder
Mozart nicht gerecht.

>
>Hänsel und Gretel markieren ja auch nicht ihren Rückweg nach Hause zu
>den Eltern mit bunten Spraydosen, sondern immer noch mit Brotkrümeln und
>Kieselsteinchen. :)

Es würde aber an der Aussage des Stückes nicht ändern - man müsste
sich nur ein Monster ausdenken, das Spraydosen auffrisst - aber
vielleicht ist das ein deutscher Rentner, der mit dem gelben Sack
unterwegs ist :-)

>
>Mag sein, dass es den Horizont erweitert, wenn alte Werke modern
>interpretiert werden. Ich mag sie lieber so, wie sie vom Künstler
>gedacht waren.

Wie sie vom Künstler gedacht worden sind, weiß sowieso keiner - da
kann es allenfalls nur Annäherungswerte geben (wie die Inszenierung
von Miller). Ich bin aber nicht der Meinung, dass für ein Publikum von
heute eine Aufführung von 1791 geeignet ist, außer es handelt sich um
eine Ansammlung von Musikprofessoren :-))


Auch die "märchenhafte" Inszenierung von Bergmann ist nicht eine von
1791 - sondern von 1974 - und der von 1791 deutlich unterschieden.

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 4, 2007, 5:55:05 PM3/4/07
to
Peter Brixius schrieb:

Hallo, Peter, sind wir eigentlich die Einzigen, die die Zauberflöte in
3Sat gesehen und gehört haben? Es reden so wenige mit und es sollte doch
eine rege Diskussion werden.

Herrlich und köstlich finde ich deine Assoziation mit dem Rentner und
dem gelben Sack (in der Hand) :).

Für heute Nacht verabschiede ich mich mit einem breiten Grinsen.
-Marianne.

Mary Ferrer

unread,
Mar 5, 2007, 5:20:34 AM3/5/07
to
Am Sun, 04 Mar 2007 22:47:52 +0100 schrieb Marianne Bialojahn:

> Ich mag sie lieber so, wie sie vom Künstler
> gedacht waren.

Wie soll man wissen, was sich der Komponist gedacht hat? Oft waren die
Komponisten mit den zeitnahen Aufführungen unzufrieden. Wagner hat nicht
ohne Grund Bayreuth gegründet.
Und wer weiss, wie ein durchgeknallter Charakter wie Mozart die Zauberflöte
inszeniert hätte, wenn er die volle Gestaltungsmacht gehabt hätte ...

Luisa Miller

unread,
Mar 5, 2007, 5:27:27 AM3/5/07
to
Am Sun, 04 Mar 2007 23:55:05 +0100 schrieb Marianne Bialojahn:

> Hallo, Peter, sind wir eigentlich die Einzigen, die die Zauberflöte in
> 3Sat gesehen und gehört haben? Es reden so wenige mit und es sollte doch
> eine rege Diskussion werden.

Die Zauberflöte ist heutzutage immer noch eine der am meisten gespielten
Opern - es drängt sich der Verdacht auf, dass sich vorwiegend Menschen, die
sich halt Opern anschauen wollen, mit denen sie sich nicht gross
auseinandersetzen müssen. Da ist dann auch der Diskussionsbedarf nicht so
hoch.
Vielleicht gäbe es ja ein paar Proteste, wenn man eine Inszenierung wie vor
200 Jahren anbieten würde ...

Verena Regli

unread,
Mar 5, 2007, 10:06:39 AM3/5/07
to
>
>> Hallo, Peter, sind wir eigentlich die Einzigen, die die Zauberflöte in
>> 3Sat gesehen und gehört haben? Es reden so wenige mit und es sollte doch
>> eine rege Diskussion werden.

Ich habe teilweise mitgesehen, war aber sehr irritiert, da für mein
dilletantisches Musikverständnis die Aufführung für Auge und Ohr nicht
zusammenpasste. Da kämpft Tamino gespielt verzweifelt mit den grauslichen
Schlangen und dann fragt er den Pamino so nebenbei: Hast du das Untier
getötet? Ich habe ständig eine Parodie zu hören erwartet und dann folgt ganz
pathetische: dies Bildnis ist .. usw. Die drei Damen kamen daher wie die
Akapickels und dann tönt es so klassisch, eben Mozart. Über die Qualität des
Gesanges sage ich nichts, da mein zwar neuer aber kleiner Apparat wohl nicht
alle Töne und Schattierungen rauslässt. Meine unqualifizierte Meinung: ich
war enttäuscht und schlich mich davon.

Verena


Roger Pellaton

unread,
Mar 5, 2007, 1:42:32 PM3/5/07
to
Marianne Bialojahn <mb.sp...@justmail.de> wrote:


> Hallo, Peter, sind wir eigentlich die Einzigen, die die Zauberflöte in
> 3Sat gesehen und gehört haben?

Darf man auch mitreden, wenn man sie auf SF1 und SF2 (backstage) gesehen
hat?


> Es reden so wenige mit und es sollte doch
> eine rege Diskussion werden.

Nun, ich fürchte mich halt etwas vor dem, was bei solchen Diskussionen
rumkommt...

Ich fands grauenhaft und war sehr enttäuscht. Ich hatte kurz zuvor mit
meinen Schülern das Werk behandelt. Aus verschiedenen Video-Ausschnitten
wussten sie schon, dass man nicht unbedingt einen Baum braucht, um sich
als Papageno dann textlich an einem zu erhängen. Und dass es durchaus
seinen Reiz haben kann, wenn die Königin aus dem Kühlschrank kommt, war
für sie auch nicht wirklich neu.

Aber das Gebotene war weit von dem entfernt, was ich mir erhofft hatte.
Tamino war für mich wenig überzeugend. Papageno eine Schlaftablette,
Pamina zu sehr bemüht, das Dramatische an ihrer Situation darzustellen.
Sarastro merkte man die 17'000te Vorstellung deutlich an. Am besten
gefielen mir noch Papagena und Monostatos. Bei der Königin befürchtete
ich erst das Schlimmste, war dann aber positiv überrascht. Als ich dann
in der Programmzeitschrift ihren Namen sah, wusste ich, woher ich sie
kannte: Sie hatte die Königin auch schon in Basel gespielt. Da
allerdings hatte sie einen wirklich königlichen Auftritt..!

Bühnentechnik, Kostüme, Requisiten, alles Fehlanzeige. Auf SF2 wurde
minutenlang die tolle Drehbühne erklärt und gezeigt. Da hab ich dann
nicht wirklich viel davon, wenn darauf nur ein paar Bezinfässer stehen.

Ich habe in meinem Leben wirklich schon einige Zauberflöten gesehen.
Live, oder im TV. Viele davon besitze ich auf Video. Auch die Basler
Inszenierung (mit Tamino im Bett) wurde als äusserst modern bezeichnet.
Aber sie hatte etwas, was Zürich fehlte: Herz, und Charme.

Für jeden geht es in der Zauberflöte um etwas anderes, und so darf auch
jeder mit seiner favorisierten Fassung selig werden. Immer verbunden mit
den beiden Hinweisen, man könne a) ohnehin nicht wissen, wie Mozart es
wollte, und b) selbst wenn man es wüsste, welcher Künstler würde sich
dann dazu herablassen, nach 200 Jahren der Entwicklung immer noch den
gleichen verstaubten Käse zu inszenieren.

Ich werde mit der Zürcher Inszenierung nicht selig. Das war kalt,
herzlos, traurig und blutleer. Falls mir die Regie damit irgendetwas
sagen wollte: Es ist ihr gründlich misslungen.

Und das war dann auch ziemlich der Tenor der Kinder heute Morgen.
Im übrigen wollte SF mit dieser Sendung auch Werbung für Oper machen.
Opernmuffel sollten angesprochen werden, sich für dieses faszinierende
Medium zu begeistern. Viel falscher kann man das wirklich nicht
machen...

--
Roger
Dürfen darf man alles - man muss es nur können.
(Kurt Tucholsky)

Dieter Göbel

unread,
Mar 5, 2007, 2:11:13 PM3/5/07
to

"Marianne Bialojahn" <mb.sp...@justmail.de> schrieb im Newsbeitrag
news:45EB3E88...@justmail.de...

> Mag sein, dass es den Horizont erweitert, wenn alte Werke modern
> interpretiert werden. Ich mag sie lieber so, wie sie vom Künstler
> gedacht waren.

Hallo Marianne,

das weiß man leider nicht und wird es nie erfahren;-)
Aber immerhin gibt es ja noch das Libretto. Und da kommen am Anfang
Schlangen vor, n i c h t s anderes, vor denen Tamino flieht.usw. usw.
Die Zauberflöte ist für mich immer noch voller Rätsel. Wenn dann eine
moderne - so wie die obige - Inszenierung eingesetzt wird, dann werden die
Fragen noch mehr, und ich verstehe immer weniger.
Mir bringen solche Theaterversuche nichts, sie können mich sogar ärgern;-)
Und dafür ist mir d i e s e Oper zu schade.
Mag Harnoncourt, der mit ziemlich getragenen Tempi, die zu dem chaotischen
Geschehen auf der Bühne überhaupt nicht passten, sich noch so viel Mühe
gegeben und in die Tiefe gelotet hat, es war vergebliche Liebesmüh; die
Inszenierung machte mir ein positives Erlebnis kaputt.
Meine Aufzeichnung mit allem Drum und Dran habe ich gelöscht. Ich tu mir
das doch nicht noch mal an.

Viele Grüße
Dieter

P.S.
Eine Frage zum Libretto:
In meinem Reclam-Heftchen(1991) steht vor dem Ersten Aufzug, 1. Aufzug:"Das
Theater ist eine felsige Gegend, hie und da mit Bäumen überwachsen: auf
beiden Seiten sind gangbare Berge, nebst einem runden Tempel.
Tamino kommt in einem prächtigen javonischen Jagdkleide rechts von einem
Felsen herunter, mit einem Bogen, aber ohne Pfeil; eine schlage verfolgt
ihn."
Von wem stammt diese Regieanweisung? Ich weiß es wirklich nicht.

Ingrid

unread,
Mar 5, 2007, 5:49:38 PM3/5/07
to
On 5 Mrz., 20:11, "Dieter Göbel" <D-Goe...@t-online.de> wrote:
> P.S.
> Eine Frage zum Libretto:
> In meinem Reclam-Heftchen(1991) steht vor dem Ersten Aufzug, 1. Aufzug:"Das
> Theater ist eine felsige Gegend, hie und da mit Bäumen überwachsen: auf
> beiden Seiten sind gangbare Berge, nebst einem runden Tempel.
> Tamino kommt in einem prächtigen javonischen Jagdkleide rechts von einem
> Felsen herunter, mit einem Bogen, aber ohne Pfeil; eine Schlange verfolgt

> ihn."
> Von wem stammt diese Regieanweisung? Ich weiß es wirklich nicht.

Lieber Dieter,

das Reclam-Heftchen habe ich leider nicht und kann Dir Deine Frage
deshalb nicht beantworten, aber August Everding und Jürgen Rose müssen
die Regieanweisung gelesen haben, denn die Münchner Inszenierung aus
dem Jahr 1978 und der Neueinstudierung am 31.10.04 (das Geld für eine
beauftragte Neuinszenierung war ausgegangen) entspricht genau diesen
Vorgaben. Ist also für alle diejenigen, die sich von Herzen eine so
originaltreue Zauberflöte wie nur irgend möglich wünschen, ein MUSS.
Nähere Informationen, auch ein interessantes Interview mit Herrn Rose
findet man unter diesem Link
http://www.bayerische.staatsoper.de/spielplan/vorstellung.php?l=de&dom=dom1&id=319

Herzliche Grüße
Ingrid

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 6, 2007, 6:20:19 AM3/6/07
to
Dieter Göbel schrieb:
Hallo Dieter, du sprichst mir aus der Seele.Auch ich war enttäuscht von
der Inszenierung, weil sie m.E. *gequält* modern sein wollte.

In meinem Opernführer (Knaurs grosser Opernführer, Verlag Droemer Knaur)
wird auch von einer felsigen Gegend mit einem Tempel gesprochen. Hier
ist Tamino sogar waffenlos, als er vor der Schlange flieht. Der zweite
Aufzug spricht von einem Palmenhain, so dass ich mir das Bühnenbild mit
zentimeterhohem Schnee gar nicht erklären konnte.
Außerdem ist von einem altägyptischen Milieu die Rede, das ich auch mit
dem Schnee auf der Bühne nicht in Einklang bringe. Spätestens zu diesem
Zeitpunkt hatte ich meine Aufmerksamkeit zurückgenommen und nur noch
"mit einem Auge" zugeschaut, aber zugehört. Ich habe mir vorgenommen,
mir meine Lieblingsoper von diesem einen Reinfall (meine Meinung) nicht
vergraulen zu lassen und versuche, das nächstgelegene Opernhaus
anzusteuern, um mir diese Oper -hoffentlich in alter Prächtigkeit-
erneut anzusehen.

Die Frage zum Libretto: Von wem stammt die Regieanweisung?
Die jetzt diskutierte Inszenierung war von Martin Kusej (lt. Programm-
Zeitung), aber du meinst wahrscheinlich die aus dem Reclam-Heftchen. Das
weiß ich nicht und es läßt sich sicherlich auch nicht mehr herausfinden.

Viele Grüße
Marianne.

Dieter Göbel

unread,
Mar 6, 2007, 3:48:50 PM3/6/07
to
Hallo Ingrid,

ja, das wäre was für mich;-)
Ich gehöre halt zu den Konservativen. Ist die Inszenierung ähnlich der bei
W. Sawallisch; denn die gibt es als DVD?.

Viele Grüße
Dieter


Werner Hintze

unread,
Mar 6, 2007, 6:09:32 PM3/6/07
to
On Tue, 06 Mar 2007 12:20:19 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:

>Die Frage zum Libretto: Von wem stammt die Regieanweisung?
>Die jetzt diskutierte Inszenierung war von Martin Kusej (lt. Programm-
>Zeitung), aber du meinst wahrscheinlich die aus dem Reclam-Heftchen. Das
>weiß ich nicht und es läßt sich sicherlich auch nicht mehr herausfinden.

Es ist aber nicht schwer, eine Vermutung abzugeben, die mit ziemlich
großer Sicherheit den Tatbestand trifft. Aller Wahrscheinlichkeit nach
wird sie vom Autor des Librettos sein, wie alle anderen Texte und
Regieanweisungen. Und um dessen Namen herauszubekommen, muss man keine
großen Forschungen betreiben.

Werner Hintze
--
Zum Senden einer Mail bitte vor dem "at"
eine 4 hinzufügen!

Ingrid

unread,
Mar 6, 2007, 6:33:10 PM3/6/07
to
Hallo Dieter,

gibt es die jetzt auch als DVD? Ich hab sie noch als VHS-Kassette. Es
ist die mit Wolfgang Sawallisch, Lucia Popp, Edita Gruberova,
Francisco Araiza, Wolfgang Brendel (der im Mai den Holländer singen
wird) und Kurt Moll, der sich ja leider von der Bühne verabschiedet
hat. Die Neueinstudierung ist fast identisch. Sie haben wirklich nur
ein paar neue Kleider genäht, die Kulissen frisch gestrichen und Beate
Vollak durfte die Tanzbären choreografieren, was wieder einmal sehr
kindgerecht geraten ist :-((

Der, von dem die Regieanweisungen kamen, müßte ja wohl Schikaneder
sein, oder?

PS. Die Carmen, die heute im ZDF-Theaterkanal lief, fand ich sehr
spannend und die wurde auch von Kusej inszeniert.

Eine gute Nacht
wünscht Ingrid

Dieter Göbel

unread,
Mar 7, 2007, 12:54:28 AM3/7/07
to

"Werner Hintze" <use...@floridante.de> schrieb im Newsbeitrag
news:m2tru2p04c9asqkop...@4ax.com...

> On Tue, 06 Mar 2007 12:20:19 +0100, Marianne Bialojahn
> <mb.sp...@justmail.de> wrote:
>
>>Die Frage zum Libretto: Von wem stammt die Regieanweisung?
>>Die jetzt diskutierte Inszenierung war von Martin Kusej (lt. Programm-
>>Zeitung), aber du meinst wahrscheinlich die aus dem Reclam-Heftchen. Das
>>weiß ich nicht und es läßt sich sicherlich auch nicht mehr herausfinden.
>
> Es ist aber nicht schwer, eine Vermutung abzugeben, die mit ziemlich
> großer Sicherheit den Tatbestand trifft. Aller Wahrscheinlichkeit nach
> wird sie vom Autor des Librettos sein, wie alle anderen Texte und
> Regieanweisungen. Und um dessen Namen herauszubekommen, muss man keine
> großen Forschungen betreiben.
>
Hallo Werner,

und warum richtet man sich nicht danach? Der gesungene Text wird doch auch
in modernen Inszenierungen beibehalten. Dann müsste man den
konsequenterweise ebenso ändern wie die Regieanweisungen.
Das ist wohl der Knackpunkt;-)

MfG
Dieter


Werner Hintze

unread,
Mar 7, 2007, 2:53:23 AM3/7/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 06:54:28 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>und warum richtet man sich nicht danach?

Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden. Weil
Theater eine Kunst ist und keine Kopiermaschine. Weil Theater eine
gegenwärtige Kunst ist und es keinen Sinn hat, das Theater vergangener
Zeiten zu kopieren. Weil die Kopie des alten Theaters, wenn sie heute
gespielt wird, heutiges Theater ist, das seinen Zuschauern vorlügt,
dass es altes sei.

Und so weiter und so fort.

Es hängt mir ein wenig zum Halse heraus, diese Binsenweisheiten immer
wieder verkünden zu müssen, nur weil sich der echte Opernfreund
weigert, die zur Kenntnis zu nehmen und wenigstens mal zu durchdenken.
Wenn bei diesem Durchdenken dann noch ein qualifiziertes Gegenargument
herauskäme, wäre das mal ein echtes Ereignis. Und zwar eines, das in
meiner bisherigen (inzwischen immerhin mehr als 20-jährigen) Laufbahn
noch nicht eingetreten ist.

Dieter Göbel

unread,
Mar 7, 2007, 3:13:42 AM3/7/07
to

"Werner Hintze" <use...@floridante.de> schrieb im Newsbeitrag
news:7lrsu2hjjarmueorj...@4ax.com...
Hallo Werner,

ich wusste, dass du so argumentierst;-)
Das ist alles richtig bis auf dieses: Es wird die notierte Musik gespielt
und ebenso das Libretto und beides gehört in die Zeit, in der sie entstanden
sind.
Insofern meine ich inkonsequent;-)

MfG
Dieter


Peter Brixius

unread,
Mar 7, 2007, 3:50:14 AM3/7/07
to
On Mon, 5 Mar 2007 11:27:27 +0100, Luisa Miller <L.Mi...@fantast.com>
wrote:

>Vielleicht gäbe es ja ein paar Proteste, wenn man eine Inszenierung wie vor
>200 Jahren anbieten würde ...

So ist es. Wenn man sich genauer besieht, was für eine Inszenierung
für die "Werktreuen" eine ideale ist, so ist es eine der letzten 50
Jahre. Diese unterscheidet sich aber schon erheblich von der
"Zauberflöte", wie sie zu Mozarts Zeiten aufgeführt wurde - ebenso wie
sich das Publikum unterscheidet.

Wenn man es bei dem holden Selbstbetrug beließe, wäre es ja soweit
gut. Jedem sei sein Geschmack gegönnt. Nur ausgerechnet den "Willen
des Komponisten" im Munde zu führen, der dann wohl per göttlicher
Eingebung den Regisseuren den üblichen Zauberflöten-Kitsch eingibt,
sanktioniert als ad usum delphinum, vergiftet die Atmosphäre. Mozart
schrieb "Die Zauberflöte" nicht für Kinder. Ein Zitat aus einem Brief,
der erst einmal einige Namen nennt, mit den Mozart in seiner Oper ist:

Die Herren "zeugten über alles recht sehr ihren beifall, aber Er, der
allwissende, zeigte so sehr den bayern, daß ich nicht bleiben konnte,
oder ich hätte ihn einen Esel heißen müssen; unglückseeligerweise war
ich eben drinnen, als der 2.te Ackt anfieng, folglich bey der
feyerlichen Szene, er belachte alles; anfangs hatte ich gedult genug
ihn auf einige Reden aufmerksam machen zu wollen, allein er belachte
alles; da ward es mir nun zu viel. ich hieß ihn Papageno, und gieng
fort. ich glaube aber nicht, daß es der dalk verstanden hat [...]"
(Brief vom 8.10.1791)

Nix da mit einer Inszenierung für Kinder, Ultramontane (das meint hier
der Ausdruck "Bayer") und Leute, die ihren Verstand abschalten, wenn
sie in die Oper gehen.

Mozart nahm die "Zauberflöte" Ernst (kein Machwerk also gegen den
Willen des Komponisten, wie ich hier schon zu meinem Vergnügen zu
lesen hatte), ein Stück der Aufklärung, mit einer Vielzahl von
Anspielungen auf die damalige politische Diskussion.

Kurz: man kann die Zauberflöte als geschichtliches Dokument aufführen,
da braucht es aber einiges an geschichtlichen Vorwissen - das wäre
etwas für die kleine Gruppe der Musikhistoriker. Man kann die
Zauberflöte für die gegenwärtigen Menschen aufführen, denen auch ein
wenig mehr an intellektueller Aufklärung gut tut, dann braucht man
aber auch eine zeitgenössische Inszenierung, die provoziert.

Warum sollte man denn sonst in ein Theater gehen? Will man einfach nur
die Wiederholung einer Konserve, auf der die "ideale" Aufführung
gespeichert ist? Das widerspricht mE dem Wesen des lebendigen
Theaters. Ich gehe doch in keine Aufführung, in der ich wiederfinde,
was ich alles schon zu gut kenne.

Wer also lieber die 50. Wiederholung von "Dallas" im Kabelkanal sehen
will, der mag eben auch den 50. Aufguss einer Inszenierung aus den
50ern goutieren.

Kunst aber ist immer Neues, will Neues. Um keinen falschen
Zungenschlag hier aufkommen zu lassen: Es gibt mehr als genug
Inszenierungen, über die ich mich ärgere - leider aber noch mehr
Sänger, die mich ärgern (überzeugend fand ich die Leistungen in Zürich
nicht gerade). Aber lieber doch eine Inszenierung, die mich aufregt,
als eine, bei denen ich (kaum noch) die Holzwürmer zählen kann, die
aus den Kulissen herausschauen!

Es grüßt Peter

--
Indessen die Wahrheit lachend zu sagen,
was verbietet's?
(Horaz)

Peter Brixius

unread,
Mar 7, 2007, 4:43:55 AM3/7/07
to
Hallo Verena,

Du hast meinen Wortschatz erweitert :-) ...

On Mon, 5 Mar 2007 16:06:39 +0100, "Verena Regli"
<re...@regli-surlej.ch> wrote:

>>
>>> Hallo, Peter, sind wir eigentlich die Einzigen, die die Zauberflöte in
>>> 3Sat gesehen und gehört haben? Es reden so wenige mit und es sollte doch
>>> eine rege Diskussion werden.
>
>Ich habe teilweise mitgesehen, war aber sehr irritiert,

So ging es mir auch ...

>da für mein
>dilletantisches Musikverständnis die Aufführung für Auge und Ohr nicht
>zusammenpasste.

Der gesungene Text schien nicht so Ernst genommen worden zu sein
(nicht nur in der 1. Szene), vielleicht gehörte das zum Konzept der
Inszenierung?

>Da kämpft Tamino gespielt verzweifelt mit den grauslichen
>Schlangen

(so grauslich kamen sie mir auch nicht wieder vor, obwohl: es waren
viele!)

>und dann fragt er den Pamino

Papageno? Ein neuer, mir noch nicht in Gedanken aufgekommener Aspekt -
Papageno, der illigitime Bruder der Pamina? Ließ sich die Königin der
Nacht vielleicht mit einem Vogel ein? Oder ihr Gemahl? Zoophilie - da
schaudert's einen doch!

>so nebenbei: Hast du das Untier
>getötet? Ich habe ständig eine Parodie zu hören erwartet und dann folgt ganz
>pathetische: dies Bildnis ist .. usw.

Die Sangeskünste von Tamino ....

>Die drei Damen kamen daher wie die
>Akapickels

Na, das kannte ich noch nicht, eine Internetrecherche half mir weiter:

http://als.wikipedia.org/wiki/Acapickels

Ein interessanter Hinweis, vor allem, weil er deutlich macht, *worin*
sich die drei Damen von der genannten Gruppe unterscheiden, nicht
wahr?

>und dann tönt es so klassisch, eben Mozart.

Das ist halt bei einem Sinfonieorchester nicht zu vermeiden :-) Aber
da wäre doch eine Crossover-Version möglich, so à la Rap it Amadeus,
oder?

>Über die Qualität des
>Gesanges sage ich nichts, da mein zwar neuer aber kleiner Apparat wohl nicht
>alle Töne und Schattierungen rauslässt. Meine unqualifizierte Meinung: ich
>war enttäuscht und schlich mich davon.
>

Nach der Arie der Königin der Nacht habe ich mich entschlossen, das
Ganze erst einmal aufnehmen zu lassen und dann in besserer Stimmung
wieder anzuhören. Zu der Inszenierung habe ich schon ein paar Ideen,
aber da schau ich mir erst alles wieder an.

Peter Brixius

unread,
Mar 7, 2007, 7:00:25 AM3/7/07
to
Lieber Roger,

On Mon, 5 Mar 2007 19:42:32 +0100, usenet_...@freesurf.ch (Roger
Pellaton) wrote:

>
>Nun, ich fürchte mich halt etwas vor dem, was bei solchen Diskussionen
>rumkommt...
>

Es ist nicht immer ermutigend, auch weil man oft genug an demselben
Punkt stehen bleibt, über den man sich eigentlich einig sein müsste,
um überhaupt diskutieren zu können.

Wenn ich unter einer Regiearbeit eine kunstgewerbliche Tätigkeit sehe,
die nur der Reproduktion eines schon vorgefertigten Musters dient,
dann wird man jede Abweichung vom Muster als Produktionsfehler sehen.
Sieht man aber unter einer Regiearbeit eine eigenständige
künstlerische Leistung, so muss man sie erst im Gesamt erfassen, um
dann bestimmte Einzelheiten klären zu können.Ich muss ja auch die
ganze Zauberflöte kennen, um die drei Akkorde am Anfang der Ouvertüre
zuordnen zu können, um ein einfaches Beispiel zu nennen.

Wenn man aber sich nur mehr über die Ausführung der drei Akkorde
unterhält, ohne Rücksicht auf die künstlerische Konzeption des Ganzen,
dann kann man sich (wie bei der Diskussion über die Berliner
Neuenfels-Inszenierung) mit der Zauberflöte als Phallus die Köpfe
einschlagen, ohne dass wenig mehr als die Holzsplitter in den Kopf
gedrungen sind.

Ich meine, dass Grundsatzdebatten immer etwas bringen können, wenn man
nicht bei ihnen stehen bleibt, sondern die Ergebnisse auch an einer
aktuellen Inszenierung überprüft. Aber auf die Inszenierung gleich mit
den langen Baulatten der Grundsätze einzuschlagen, scheint mir eher
nicht angebracht.

Ja, und Geschmacksurteil und Kunsturteil muss man schon unterscheiden
können, d.h. das individuelle Erleben, das aus den individuellen
Erfahrungen und Erwartungen hervorgeht, und Werturteile über
Kunstwerke, die sich objektiven Kriterien stellen können und stellen
müssen.

Wirft man das alles nicht durcheinander, braucht sich auch niemand zu
fürchten, was bei solchen Diskussionen herauskommt :-)

>Ich fands grauenhaft und war sehr enttäuscht.

Nun, das ist ein Wort (mir ging es mit den musikalischen Leistungen
ähnlich) ...

>Ich hatte kurz zuvor mit
>meinen Schülern das Werk behandelt. Aus verschiedenen Video-Ausschnitten
>wussten sie schon, dass man nicht unbedingt einen Baum braucht, um sich
>als Papageno dann textlich an einem zu erhängen. Und dass es durchaus
>seinen Reiz haben kann, wenn die Königin aus dem Kühlschrank kommt, war
>für sie auch nicht wirklich neu.

Wenn du das deinen Schülern vermittelt hast, dann hast du schon einen
guten Grund gelegt ...

>
>Aber das Gebotene war weit von dem entfernt, was ich mir erhofft hatte.

Das passiert einem im Konzert leider hin und wieder auch - und
manchmal liegt es eben an den eigenen Erwartungen ...

>Tamino war für mich wenig überzeugend.

ACK

>Papageno eine Schlaftablette,

ACK

>Pamina zu sehr bemüht, das Dramatische an ihrer Situation darzustellen.
>Sarastro merkte man die 17'000te Vorstellung deutlich an. Am besten
>gefielen mir noch Papagena und Monostatos. Bei der Königin befürchtete
>ich erst das Schlimmste, war dann aber positiv überrascht. Als ich dann
>in der Programmzeitschrift ihren Namen sah, wusste ich, woher ich sie
>kannte: Sie hatte die Königin auch schon in Basel gespielt. Da
>allerdings hatte sie einen wirklich königlichen Auftritt..!

Ich habe während der ersten Arie fluchtartig den Ort des Geschehens
verlassen und bin dann erst sehr viel später zurückgekommen (und da
hörte es sich musikalisch auch viel stimmiger an). Wie schon am
anderen Ort bemerkt, an einem meiner nächsten Abende werde ich mir die
Produktion mit der nötigen Ruhe noch einmal ansehen.

>
>Ich werde mit der Zürcher Inszenierung nicht selig. Das war kalt,
>herzlos, traurig und blutleer. Falls mir die Regie damit irgendetwas
>sagen wollte: Es ist ihr gründlich misslungen.

Gut, ich kann es nachvollziehen, will aber auch erst einmal selbst
einen Gesamteindruck gewinnen (ich hoffe, dass ich mich in den
sängerischen Leistungen geirrt habe!)


>
>Und das war dann auch ziemlich der Tenor der Kinder heute Morgen.
>Im übrigen wollte SF mit dieser Sendung auch Werbung für Oper machen.
>Opernmuffel sollten angesprochen werden, sich für dieses faszinierende
>Medium zu begeistern. Viel falscher kann man das wirklich nicht
>machen...

Man kann doch daraus eruieren, *wen* man gewinnen wollte :-)

Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 7:16:53 AM3/7/07
to
"Dieter Göbel" <D-Go...@t-online.de> writes:

> "Werner Hintze" <use...@floridante.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:7lrsu2hjjarmueorj...@4ax.com...
>> On Wed, 7 Mar 2007 06:54:28 +0100, "Dieter Göbel"
>> <D-Go...@t-online.de> wrote:
>>

[Regieanweisung zum Beginn des ersten Aufzugs]

>>>und warum richtet man sich nicht danach?
>>
>> Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden. Weil
>> Theater eine Kunst ist und keine Kopiermaschine. Weil Theater eine
>> gegenwärtige Kunst ist und es keinen Sinn hat, das Theater vergangener
>> Zeiten zu kopieren. Weil die Kopie des alten Theaters, wenn sie heute
>> gespielt wird, heutiges Theater ist, das seinen Zuschauern vorlügt,
>> dass es altes sei.

[...]


> ich wusste, dass du so argumentierst;-)
> Das ist alles richtig bis auf dieses: Es wird die notierte Musik gespielt
> und ebenso das Libretto und beides gehört in die Zeit, in der sie entstanden
> sind.
> Insofern meine ich inkonsequent;-)

Hier hast Du Dir zumindest ein schlechtes Beispiel ausgesucht, denn
Harnoncourt und Kušej ändern an dieser Stelle sowohl Libretto als auch
Musik. Es ist von "Schlange_n_" die Rede und im Terzett der drei Damen
wird die Stelle beginnend mit "So geht und sagt es ihr, ich bleib'
indessen hier." im Sprechgesang gesungen (nicht im Sinne von HipHop,
sondern im Sinne von "Pierrot Lunaire").

Die Schlange der Regieanweisung, das darf man wohl annehmen, soll
bedrohlich sein. Andernfalls wäre Tamino nur ein Clown. Allerdings,
wie soll das auf der Bühne wirken? Eine einzelne große Schlange dürfte
heute bestenfalls wie ein Drache auf einem chinesischen Straßenfest
wirken, schlimmstenfalls wie ein Muppet. Selbst aufwändigste
Illusionstechnik würde höchstens die Assoziation eines Drachens in
einem Fantasy-Film wachrufen.

Wie soll also eine Inszenierung damit umgehen? Die Frage bezieht sich
nicht auf äußerliche "Modernisierung", sondern auf Bühnenwirkung. Das
Publikum wird sich (heute) kaum über irgendetwas gruseln, aber es
sollte wahrnehmen können, dass etwas Bedrohliches dargestellt wird.

Eine Unzahl kleiner Schlangen auf die Bühne zu bringen und sie in
ihrem Schrecken in Verbindung mit sich auf dem Boden windenden
Menschen zu zeigen, ist in meinen Augen ein äußerst geschickter
Einfall. Das *ist* eine treue Umsetzung der ursprünglichen
Regieanweisung.

Wie gesagt: es geht um Bühnenwirkung. Wenn Du (als hypothetischer
Regisseur) den Buchstaben der Regieanweisung nachbetest, dann handelst
Du ihrem *Geist* zuwider. Ein Tamino in einem "prächtigen javonischen
Jagdkleide" von einem großen grünen Muppet verfolgt? Das wäre heute
eine Lachnummer. "Tamino der Hanswurst" ist *keine* werktreue
Realisierung der Zauberflöte.

(Das heißt nicht, dass ich den Hochzeitsanzug in dieser Inszenierung
für eine gute Idee halte; aber das werde ich später kommentieren.)


Oliver
--
17 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 7:19:47 AM3/7/07
to
"Dieter Göbel" <D-Go...@t-online.de> writes:

> "Werner Hintze" <use...@floridante.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:7lrsu2hjjarmueorj...@4ax.com...
>> On Wed, 7 Mar 2007 06:54:28 +0100, "Dieter Göbel"
>> <D-Go...@t-online.de> wrote:
>>

[Regieanweisung zum Beginn des ersten Aufzugs]

>>>und warum richtet man sich nicht danach?


>>
>> Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden. Weil
>> Theater eine Kunst ist und keine Kopiermaschine. Weil Theater eine
>> gegenwärtige Kunst ist und es keinen Sinn hat, das Theater vergangener
>> Zeiten zu kopieren. Weil die Kopie des alten Theaters, wenn sie heute
>> gespielt wird, heutiges Theater ist, das seinen Zuschauern vorlügt,
>> dass es altes sei.

[...]


> ich wusste, dass du so argumentierst;-)
> Das ist alles richtig bis auf dieses: Es wird die notierte Musik gespielt
> und ebenso das Libretto und beides gehört in die Zeit, in der sie entstanden
> sind.
> Insofern meine ich inkonsequent;-)

Hier hast Du Dir zumindest ein schlechtes Beispiel ausgesucht, denn

für eine gute Idee halte; aber das werde ich später kommentieren. Ich
kann aber schon ankündigen, dass ich sowohl musikalische Realisierung
als auch Inszenierung, zwar sperrig und gewöhnungsbedürftig, letztlich
aber gelungen finden. Vielleicht mit einigen Abstrichen im Detaill.)

Werner Hintze

unread,
Mar 7, 2007, 9:00:37 AM3/7/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 09:13:42 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>Das ist alles richtig bis auf dieses: Es wird die notierte Musik gespielt
>und ebenso das Libretto und beides gehört in die Zeit, in der sie entstanden
>sind.
>Insofern meine ich inkonsequent;-)

Keineswegs. Die Aufführung von Musik ist kein Theater. Im Theater ist
die Musik nur eines unter vielen anderen. Da gibt es sehr verschiedene
ästhetische Ebene, sehr verschiedene Ebenen der Mitteilung und eben
auch verschiedene Zeitebenen. Was am Ende herauskommt, ist ein neues
und eigenständiges Kunstwerk, das sich aus diesen Elementen
zusammensetzt, ohne sie zwangsläufig zu einer ununterscheidbaren Masse
verschmelzen zu müssen.

Die Widersprüche und Konflikte zwischen den verschiedenen (auch
zeitlichen) Ebenen dieses Kunstwerks machen einen wesentlichen Teil
seines Wesens aus.

Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 10:13:03 AM3/7/07
to
Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

[...]


>>Die drei Damen kamen daher wie die
>>Akapickels
>
> Na, das kannte ich noch nicht, eine Internetrecherche half mir weiter:
>
> http://als.wikipedia.org/wiki/Acapickels

OT: Wenn ich als gebürtiger Moselfranke diesen angeblich schwäbischen
Artikel der alemannischen Wikipedia lesen kann, dann frage ich mich:
wie schwäbisch kann das denn in Wirklichkeit sein? Das ist für mich
leichter zu lesen selbst als die luxemburgische Wikipaedia
(Luxemburgisch ist eine moselfränkische Sprache).

Peter Brixius

unread,
Mar 7, 2007, 10:28:18 AM3/7/07
to
On Wed, 07 Mar 2007 16:13:03 +0100, Oliver Scholz <alkib...@gmx.de>
wrote:

>Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:
>
>[...]
>>>Die drei Damen kamen daher wie die
>>>Akapickels
>>
>> Na, das kannte ich noch nicht, eine Internetrecherche half mir weiter:
>>
>> http://als.wikipedia.org/wiki/Acapickels
>
>OT: Wenn ich als gebürtiger Moselfranke

Du auch? :-)

>diesen angeblich schwäbischen
>Artikel der alemannischen Wikipedia lesen kann, dann frage ich mich:
>wie schwäbisch kann das denn in Wirklichkeit sein? Das ist für mich
>leichter zu lesen selbst als die luxemburgische Wikipaedia
>(Luxemburgisch ist eine moselfränkische Sprache).
>

Geht mir auch so - wahrscheinlich ist das Schwäbisch in einer weiteren
phonologischen Umschrift. Ich habe aber normalerweise mit
schriftlichen Äußerungen im Schwäbischen - wie Du - erheblich größere
Probleme ...

Andreas Eibach

unread,
Mar 7, 2007, 12:40:42 PM3/7/07
to

"Peter Brixius" <peter....@onlinehome.de> wrote:
> On Sun, 4 Mar 2007 18:57:01 +0100, "Andreas Eibach" <aei...@mail.com>
> wrote:
>
>>
>>"Peter Brixius" <peter....@onlinehome.de> wrote:
>>>>Wenn die Verzögerung durch mögliche Zusatz-"Gimmicks" begründet ist,
>>>>will ich ja gar nichts gesagt haben.
>>>>
>>> Vielleicht bekommt [man] ja noch den Hinter-der-Bühne-Track dazu ...
>>
>>Unfug. :-))
>
> Auch nicht als Splitscreen? :-)
>
>>Was ich meinte waren natürlich _Proben_! :)
>>
> Wovon?
Orchester + Dirigent, ggf. incl. Generalprobe, was auch immer.
Die könnten doch bei den Proben u. U. mitgeschnitten haben.
Zumindest gibt's das bei einigen US-Produktionen, da sind solche
"rehearsals" gerne als Special auf die DVD gepackt.
Damit die DVD auch ein Special hat. ;)

-Andreas

Andreas Eibach

unread,
Mar 7, 2007, 12:46:14 PM3/7/07
to

"Peter Brixius" <peter....@onlinehome.de> wrote:
> Geht mir auch so - wahrscheinlich ist das Schwäbisch in einer weiteren
> phonologischen Umschrift. Ich habe aber normalerweise mit
> schriftlichen Äußerungen im Schwäbischen - wie Du - erheblich größere
> Probleme ...
Dann üb dich mal ein:
news://alt.aeffle.und.pferdle :-)

Tja, was es alles gibt!

-Andreas

Andreas Eibach

unread,
Mar 7, 2007, 12:52:43 PM3/7/07
to

"Werner Hintze" <use...@floridante.de> wrote:
> Weil Theater eine
> gegenwärtige Kunst ist und es keinen Sinn hat, das Theater vergangener
> Zeiten zu kopieren. Weil die Kopie des alten Theaters, wenn sie heute
> gespielt wird, heutiges Theater ist, das seinen Zuschauern vorlügt,
> dass es altes sei.

Definiere "vergangener Zeiten".
Definiere "alt".

Also, wenn es eine hervorragende Inszenierung von 1978 gibt, und die
nach 20 Jahren mal wieder neu aufgeführt wird - meist mit völlig anderer
Besetzung, oft auch mit kleinen Modifikationen - dann doch bitte lieber
das, als eine an den Haaren herbeigezogene sogenannte Neuinszenierung!

-Andreas

Werner Hintze

unread,
Mar 7, 2007, 1:09:37 PM3/7/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 18:52:43 +0100, "Andreas Eibach" <aei...@mail.com>
wrote:

>Also, wenn es eine hervorragende Inszenierung von 1978 gibt, und die

>nach 20 Jahren mal wieder neu aufgeführt wird - meist mit völlig anderer
>Besetzung, oft auch mit kleinen Modifikationen - dann doch bitte lieber
>das, als eine an den Haaren herbeigezogene sogenannte Neuinszenierung!

Was sollen denn solche lächerlichen Alternativen? Ehe ich ein Brot
esse, das gar nicht durchgebacken und außerdem versalzen ist, esse ich
lieber eins, das drei Wochen alt ist.

Ich will weder das eine noch das andere, sondern ein gutes Brot. Und
Punkt. Du willst ja sicher nicht sagen, dass alle neuen Inszenierungen
zwangsläufig an den Haaren herbeigezogen sind.

Peter Brixius

unread,
Mar 7, 2007, 1:12:46 PM3/7/07
to
On Mon, 5 Mar 2007 20:11:13 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>
>"Marianne Bialojahn" <mb.sp...@justmail.de> schrieb im Newsbeitrag
>news:45EB3E88...@justmail.de...
>
>> Mag sein, dass es den Horizont erweitert, wenn alte Werke modern
>> interpretiert werden. Ich mag sie lieber so, wie sie vom Künstler
>> gedacht waren.
>

>das weiß man leider nicht und wird es nie erfahren;-)

So ist es, aber das ist auch nicht so schlimm. Interpretationen müssen
immer neu aus ihrer Zeit heraus entstehen, sonst taugt das Kunstwerk
ohnedies nicht. Wäre sein Bedeutungsgehalt einmal ausgeschöpft, dann
hat es nichts mehr zu bedeuten. Es gibt genug Kunstwerke, die schaffen
das gleich bei der ersten Aufführung.

>Aber immerhin gibt es ja noch das Libretto.

Nun, das will (nicht nur zur Mozart-Zeit) nichts besagen, v.a.
natürlich die Bühnenanweisungen. Die sind - wenn überhaupt - für die
Uraufführung gedacht, d.h. für eine bestimmte Bühne und ein bestimmtes
Publikum. Denkfaul soll das keinen machen, vor allem keinen Regisseur.
Als Goethe die Zauberflöte in Weimar aufführte, hat er sich um solche
Petitessen nicht gekümmert ...

>Und da kommen am Anfang
>Schlangen vor, n i c h t s anderes,

Da irrst du dich, im *Libretto* kommt keine Schlange vor, welches Tier
es war, überlasse ich mal deiner philologischer Arbeit :-)

>vor denen Tamino flieht.usw. usw.

Peters (Die Sprache der Musik in Mozarts Zauberflöte, 2. Aufl. 1997)
Hinweis: "Das Tier, die Schlange, die ihn verfolgt, ist Märchen - oder
mythologisches Bild. Es ist das Tier, das ihn aus dem eigenen Selbst
bedroht." (S. 235) ist so einfach wie naheliegend. Das es nicht die
Gestalt einer *Schlange* oder auch *einer* Schlange haben muss,
eigentlich evident.

Eine kleine Bemerkung: Tamino ist ein javonischer Prinz - und Mozart
setzt keinen Exotismus in dem Musik ein (obwohl er das durchaus
beherrschte), entsprechend auch die ägyptische Kulisse - sie findet
sich in der Musik nicht wieder.

>Die Zauberflöte ist für mich immer noch voller Rätsel. Wenn dann eine
>moderne - so wie die obige - Inszenierung eingesetzt wird, dann werden die
>Fragen noch mehr, und ich verstehe immer weniger.

Dem einen geht es so, dem anderen anders :-) Eine Verkindlichung der
Oper ist natürlich einsichtiger, sie verzichtet aber auch die Tiefen,
die das Stück hat.

Um einen Unterschied zum Märchen zu nennen: im Märchen entwickeln sich
die Personen nicht weiter, sie gehen aus den Prüfungen heraus, wie sie
herein gehen. In der "Zauberflöte" gibt es eklatante Entwicklungen,
nicht nur bei Tamino und Pamina.

>Mir bringen solche Theaterversuche nichts, sie können mich sogar ärgern;-)
>Und dafür ist mir d i e s e Oper zu schade.

Nun, die hat GottseiDank keinen Schutz nötig :-) Ist die Inszenierung
schlecht, ist mir dafür *jede* Oper zu schade. Aber wie viele Opern
werden für Stars als Passepartout missbraucht - und die Leute, die
über *diese* Zauberflöte schimpfen, jubeln über solchen Missbrauch und
halten das auch noch für brillant.

>Mag Harnoncourt, der mit ziemlich getragenen Tempi, die zu dem chaotischen
>Geschehen auf der Bühne überhaupt nicht passten, sich noch so viel Mühe
>gegeben und in die Tiefe gelotet hat, es war vergebliche Liebesmüh; die
>Inszenierung machte mir ein positives Erlebnis kaputt.
> Meine Aufzeichnung mit allem Drum und Dran habe ich gelöscht. Ich tu mir
>das doch nicht noch mal an.
>

Ich tue das ...


>
>P.S.
>Eine Frage zum Libretto:
>In meinem Reclam-Heftchen(1991) steht vor dem Ersten Aufzug, 1. Aufzug:"Das
>Theater ist eine felsige Gegend, hie und da mit Bäumen überwachsen: auf
>beiden Seiten sind gangbare Berge, nebst einem runden Tempel.
>Tamino kommt in einem prächtigen javonischen Jagdkleide rechts von einem
>Felsen herunter, mit einem Bogen, aber ohne Pfeil; eine schlage verfolgt
>ihn."
>Von wem stammt diese Regieanweisung? Ich weiß es wirklich nicht.
>

Von Schikaneder, die steht in dem von der Uraufführung unabhängig
erschienenen Textbuch (das sich in einigen Punkten gegenüber der
komponierten Fassung unterscheidet, aber das ist einen eigenen Thread
wert :-). Von daher ist sie in die gedruckte gekommen. Du glaubst doch
nicht, dass Mozart fein säuberlich Bühnenanweisungen in die
handschriftliche Partitur notierte? :-)

Manfred Russ

unread,
Mar 7, 2007, 1:24:44 PM3/7/07
to
Wed, 07 Mar 2007 08:53:23 +0100 Werner Hintze schrieb:


[Regieanweisung]


> On Wed, 7 Mar 2007 06:54:28 +0100, "Dieter Göbel"
> <D-Go...@t-online.de> wrote:
>
> >und warum richtet man sich nicht danach?

Wo ist denn hier nochmal der Popcornautomat?

> Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden. Weil
> Theater eine Kunst ist und keine Kopiermaschine.

[...]


> Es hängt mir ein wenig zum Halse heraus, diese Binsenweisheiten immer
> wieder verkünden zu müssen, nur weil sich der echte Opernfreund
> weigert, die zur Kenntnis zu nehmen und wenigstens mal zu durchdenken.

Ein idealer Punkt für eine FAQ.

Zudem werden teilweise schon leichte Textänderungen vorgenommen. Zum
Beispiel bei der Dresdner Inszenierung von Hänsel & Gretel. "Muhme" ist
da ein Begriff, der nicht mehr länger zumutbar erscheint und wurde daher
(zumindest in den Untertiteln) zu "Oma", oder etwas ähnlichem.

Ok, man wollte sich wohl dem Zielpublikum anpassen (Kinderoper, weil 2
oder 3 Kinderlieder drin vorkommen), wobei ich Hänsel und Gretel
allerdings _nicht_ für eine Kinderoper halte.

Manfred
--
In der Summe bleibt man von innen besehen derselbe.
Nur die anderen wurden immer älter.

(Hermann Kinder)

Dieter Göbel

unread,
Mar 7, 2007, 1:45:41 PM3/7/07
to

"Peter Brixius" <peter....@onlinehome.de> schrieb im Newsbeitrag
news:fettu29vs1ig6lalk...@4ax.com...

> On Mon, 5 Mar 2007 20:11:13 +0100, "Dieter Göbel"
> <D-Go...@t-online.de> wrote:
>
>>
>>Und da kommen am Anfang
>>Schlangen vor, n i c h t s anderes,
>
> Da irrst du dich, im *Libretto* kommt keine Schlange vor, welches Tier
> es war, überlasse ich mal deiner philologischer Arbeit :-)

Hallo,

Da braucht man keine philologische Arbeit, sondern ganz normales Lesen;-)
Da steht im Libretto u.a. folgendes
Tamino: "Der listigen Schlange zum Opfer erkoren..."
Später(gesprochen) Tamino: "Die bösartige Schlange liegt tot zu meinen Füßen
..."
Tamino zu Papageno: "Also warst du wohl gar mein Erretter, der diese
giftige Schlange bekämpfte?"
Papageno: "Schlange!"
Wie kommst du zu der Behauptung, dass da keine Schlange vorkommt???;-)

Eine Verkindlichung der
> Oper ist natürlich einsichtiger, sie verzichtet aber auch die Tiefen,
> die das Stück hat.

Warum ist denn eine am Schikaneders Libretto einschließlich seiner
Regieanweisung Aufführung automatisch "verkindlicht"? Auch das kann ich
nicht nachvollziehen.
Ist Everdings Inszenierung auch "verkindlicht"?


Viele Grüße
Dieter


Peter Brixius

unread,
Mar 7, 2007, 2:36:11 PM3/7/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 19:45:41 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>Da braucht man keine philologische Arbeit, sondern ganz normales Lesen;-)
>Da steht im Libretto u.a. folgendes
>Tamino: "Der listigen Schlange zum Opfer erkoren..."
>Später(gesprochen) Tamino: "Die bösartige Schlange liegt tot zu meinen Füßen
>..."
>Tamino zu Papageno: "Also warst du wohl gar mein Erretter, der diese
>giftige Schlange bekämpfte?"
>Papageno: "Schlange!"
>Wie kommst du zu der Behauptung, dass da keine Schlange vorkommt???;-)

Ursprünglich war es es grimmiger Löwe :-) Da hat der Text natürlich
anders gelautet ...

Grillparzers Großmutter spielte übrigens den Affen - sollte man nicht
auch heute die wilden Tiere von Menschen spielen lassen? So, wie es
die zeitgenössischen Illustrationen zeigen, wäre es die Lachnummer
schlechthin. Es gibt übrigens von Gisela Jaacks einen Aufsatz über
"Das Bühnenbild der Maschinenkommödie 'Die Zauberflöte'", da kannst du
nachlesen, wie unterschiedlich die Aufführungen schon in der
Mozartzeit waren ...



>
>Eine Verkindlichung der
>> Oper ist natürlich einsichtiger, sie verzichtet aber auch die Tiefen,
>> die das Stück hat.
>
>Warum ist denn eine am Schikaneders Libretto einschließlich seiner
>Regieanweisung Aufführung automatisch "verkindlicht"? Auch das kann ich
>nicht nachvollziehen.
>Ist Everdings Inszenierung auch "verkindlicht"?
>

Da ich sie nicht kenne, kann ich das nicht sagen. Es gibt, so denke
ich, viele Wege, die zu Mozart führen, und sicher keinen "Königsweg".

Christoph Bohm

unread,
Mar 7, 2007, 3:18:55 PM3/7/07
to
Am Wed, 7 Mar 2007 19:24:44 +0100 schrieb Manfred Russ:

> Ok, man wollte sich wohl dem Zielpublikum anpassen (Kinderoper, weil 2
> oder 3 Kinderlieder drin vorkommen), wobei ich Hänsel und Gretel
> allerdings _nicht_ für eine Kinderoper halte.

Was ist denn für Dich eine Kinderoper? Oder anders gefragt - wenn Hänsel
und Gretel keine Kinderoper (im Sinne einer Oper, die Kinder anspricht, die
musikalisch wie stofflich kindgerecht ist) darstellt, welche Oper schwebt
Dir denn dann vor?

Für meine Begriffe ist Hänsel und Gretel in jeder Hinsicht eine Oper, die
sich in erster Linie an Kinder als Zuhörer richtet (was nicht ausschließt,
daß nicht auch Erwachsene sie mit Gewinn hören und sehen können). Das
beginnt beim Märchenstoff, dem die gruseligen und brutalen Elemente (Die
Aussetzung der Kinder im Wald durch die Eltern, die Tötung der anderen
Kinder durch die Hexe, die grausame Mutterfigur) entzogen sind. Zugleich
wird ein festes Weltbild aufgestellt, das immer wieder auf die göttliche
Rettung hinweist, was dem ganzen einen festen christlich-moralischen Rahmen
gibt (pädagogischer Aspekt). Die Musik spricht durch die durchgängige
Verwendung von Volksweisen (die ja im Familienkreis gesungen wurden und
werden) gerade diejenigen an, die wenig Hörerfahrung haben.

Natürlich kann (und soll) man all das in einer Inszenierung hinterfragen,
darf man das starre biedere Weltbild, das in der Oper vermittelt wird
angreifen und die Rollen der einzelnen Protagonisten kritisch, ironisch
oder sonstwie durchleuchten, aber man blickt dann mit einem erwachsenen
Auge auf den Stoff, der - so, wie er textuell und musikalisch vorliegt - in
jeder Hinsicht kindgerecht ist.

viele Grüße aus Münster!

Christoph

Andreas Eibach

unread,
Mar 7, 2007, 4:00:22 PM3/7/07
to
<IMHO>Die meisten. Was da landläufig hineininterpretiert wird, ist oft
zuviel des guten.</IMHO>
Ich bin da u. U. etwas konservativ *schaut trotzig*

-Andreas

Andreas Eibach

unread,
Mar 7, 2007, 4:01:54 PM3/7/07
to

"Manfred Russ" <spam-or...@gmx.de> wrote:
>Zudem werden teilweise schon leichte Textänderungen vorgenommen. Zum
>Beispiel bei der Dresdner Inszenierung von Hänsel & Gretel. "Muhme" ist
>da ein Begriff, der nicht mehr länger zumutbar erscheint

... und "Tante" bedeutet.

>und wurde daher
>(zumindest in den Untertiteln) zu "Oma", oder etwas ähnlichem.

Soso. Also, ich muss sagen - _sehr_ frei. :-)

-Andreas

Dieter Göbel

unread,
Mar 7, 2007, 5:30:02 PM3/7/07
to

"Manfred Russ" <spam-or...@gmx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:MPG.205920565...@ID-30918.user.uni-berlin.de...

Wed, 07 Mar 2007 08:53:23 +0100 Werner Hintze schrieb:


[Regieanweisung]
> On Wed, 7 Mar 2007 06:54:28 +0100, "Dieter Göbel"
> <D-Go...@t-online.de> wrote:
>
> >und warum richtet man sich nicht danach?

Wo ist denn hier nochmal der Popcornautomat?

Versteh ich nicht;-)

> Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden. Weil
> Theater eine Kunst ist und keine Kopiermaschine.
[...]
> Es hängt mir ein wenig zum Halse heraus, diese Binsenweisheiten immer
> wieder verkünden zu müssen, nur weil sich der echte Opernfreund
> weigert, die zur Kenntnis zu nehmen und wenigstens mal zu durchdenken.

Ein idealer Punkt für eine FAQ.

Zudem werden teilweise schon leichte Textänderungen vorgenommen.

Ich vermute, es werden immer mehr werden, weil der Wortschatz der
Bevölkerung immer geringer wird, also muss man sich anpassend, so etwa ein
Wortschatz von ca. 100 Wörtern müsste reichen. In 100 Jahren versteht kein
Mensch mehr die Zauberflöte, weil es viele Wörter gar nicht mehr gibt.

Zum
Beispiel bei der Dresdner Inszenierung von Hänsel & Gretel. "Muhme" ist
da ein Begriff, der nicht mehr länger zumutbar erscheint

Da musst du Goethes Faust auch bearbeiten; denn da kommt auch eine Muhme
vor;-)

und wurde daher
(zumindest in den Untertiteln) zu "Oma", oder etwas ähnlichem.

Das ist aber eine wesentliche Erleichterung, um das schwierige Märchen zu
verstehen.

Ok, man wollte sich wohl dem Zielpublikum anpassen (Kinderoper, weil 2
oder 3 Kinderlieder drin vorkommen), wobei ich Hänsel und Gretel
allerdings _nicht_ für eine Kinderoper halte.

Und warum nicht? Sie hält sich doch weitgehend an den Stoff des Märchens.
Wenn du selbst diesen für zu schwer hälst, dann gibt eigentlich überhaupt
keine Oper mehr , die für Kinder geeignet ist. Die Zauberflöte würde ich
bestimmt nicht nehmen.
Vielleicht Hindemiths "Wir bauen eine Stadt" - aber wer kennt die noch?

MfG
Dieter


Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 6:42:55 PM3/7/07
to
"Andreas Eibach" <aei...@mail.com> writes:

[...]


>> Du willst ja sicher nicht sagen, dass alle neuen Inszenierungen
>> zwangsläufig an den Haaren herbeigezogen sind.
> <IMHO>Die meisten. Was da landläufig hineininterpretiert wird, ist oft
> zuviel des guten.</IMHO>
> Ich bin da u. U. etwas konservativ *schaut trotzig*

Das werden wir noch sehen. Der *wahre* Konservative in dieser NG bin
immer noch ich.


Oliver
--
18 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 6:59:33 PM3/7/07
to
OT

Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

[...]


>>> http://als.wikipedia.org/wiki/Acapickels
>>
>>OT: Wenn ich als gebürtiger Moselfranke
>
> Du auch? :-)

Isch bin e kuwwelenzer Schängelsche.

Allerdings ist mein aktives Koblenzer Moselfränkisch unter aller Sau;
selbst wenn ich Grammatik und Lexik einigermaßen zustande brächte --
was nicht der Fall ist, weil ich es als Wahl-Frankfurter mittlerweile
mit dem Rheinfränkischen vermische -- dann hätte ich immer noch einen
dicken standarddeutschen Akzent.

(Leider. Echte Diglossie hat etwas für sich.)
inzwischen.)

>>diesen angeblich schwäbischen
>>Artikel der alemannischen Wikipedia lesen kann, dann frage ich mich:
>>wie schwäbisch kann das denn in Wirklichkeit sein? Das ist für mich
>>leichter zu lesen selbst als die luxemburgische Wikipaedia
>>(Luxemburgisch ist eine moselfränkische Sprache).
>>
> Geht mir auch so - wahrscheinlich ist das Schwäbisch in einer weiteren
> phonologischen Umschrift.

Ich hatte ja eher den Verdacht, dass es sich bei dem vorgeblich
Schwäbischen in Wirklichkeit um einen modernen, an das
Standarddeutsche angeglichenen Regiolekt handelt. Geschriebenes
Luxemburgisch z.B. kann ich genau dann verstehen, wenn ich es mir
vorspreche. Das ist eine ganz interessante Erfahrung, weil sie
kindliche Erinnerungen an die Zeit des Lesenlernens erweckt, als ich
mir Wörter noch vorsprechen musste, um sie zu verstehen.

Schau's Dir selbst einmal an: http://lb.wikipedia.org/wiki/Mozart


Oliver
--
18 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 7:05:18 PM3/7/07
to
OT

Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

[...]


>>> http://als.wikipedia.org/wiki/Acapickels
>>
>>OT: Wenn ich als gebürtiger Moselfranke
>
> Du auch? :-)

Isch bin e kuwwelenzer Schängelsche.

Allerdings ist mein aktives Koblenzer Moselfränkisch unter aller Sau;
selbst wenn ich Grammatik und Lexik einigermaßen zustande brächte --
was nicht der Fall ist, weil ich es als Wahl-Frankfurter mittlerweile
mit dem Rheinfränkischen vermische -- dann hätte ich immer noch einen
dicken standarddeutschen Akzent.

(Leider. Echte Diglossie hat etwas für sich.)

>>diesen angeblich schwäbischen


>>Artikel der alemannischen Wikipedia lesen kann, dann frage ich mich:
>>wie schwäbisch kann das denn in Wirklichkeit sein? Das ist für mich
>>leichter zu lesen selbst als die luxemburgische Wikipaedia
>>(Luxemburgisch ist eine moselfränkische Sprache).
>>
> Geht mir auch so - wahrscheinlich ist das Schwäbisch in einer weiteren
> phonologischen Umschrift.

Ich hatte ja eher den Verdacht, dass es sich bei dem vorgeblich


Schwäbischen in Wirklichkeit um einen modernen, an das
Standarddeutsche angeglichenen Regiolekt handelt. Geschriebenes
Luxemburgisch z.B. kann ich genau dann verstehen, wenn ich es mir
vorspreche. Das ist eine ganz interessante Erfahrung, weil sie
kindliche Erinnerungen an die Zeit des Lesenlernens erweckt, als ich
mir Wörter noch vorsprechen musste, um sie zu verstehen.

Schau's Dir selbst einmal an: http://lb.wikipedia.org/wiki/Mozart


Oliver
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18 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Oliver Scholz

unread,
Mar 7, 2007, 7:35:24 PM3/7/07
to
OT

(Allerdings nicht *ganz* OT, denn "Papageno und der Dialekt" ist schon
ein relevantes Thema bei der Zauberflöte. Der Züricher Papageno von
Kusej spricht an mindestens einer Stelle Alemannisch. Zurecht, IMO.)

Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

[...]


>>> http://als.wikipedia.org/wiki/Acapickels
>>
>>OT: Wenn ich als gebürtiger Moselfranke
>
> Du auch? :-)

Isch bin e kuwwelenzer Schängelsche.

Allerdings ist mein aktives Koblenzer Moselfränkisch unter aller Sau;
selbst wenn ich Grammatik und Lexik einigermaßen zustande brächte --
was nicht der Fall ist, weil ich es als Wahl-Frankfurter mittlerweile
mit dem Rheinfränkischen vermische -- dann hätte ich immer noch einen
dicken standarddeutschen Akzent.

(Leider. Echte Diglossie hat etwas für sich.)

>>diesen angeblich schwäbischen


>>Artikel der alemannischen Wikipedia lesen kann, dann frage ich mich:
>>wie schwäbisch kann das denn in Wirklichkeit sein? Das ist für mich
>>leichter zu lesen selbst als die luxemburgische Wikipaedia
>>(Luxemburgisch ist eine moselfränkische Sprache).
>>
> Geht mir auch so - wahrscheinlich ist das Schwäbisch in einer weiteren
> phonologischen Umschrift.

Ich hatte ja eher den Verdacht, dass es sich bei dem vorgeblich


Schwäbischen in Wirklichkeit um einen modernen, an das
Standarddeutsche angeglichenen Regiolekt handelt. Geschriebenes
Luxemburgisch z.B. kann ich genau dann verstehen, wenn ich es mir
vorspreche. Das ist eine ganz interessante Erfahrung, weil sie
kindliche Erinnerungen an die Zeit des Lesenlernens erweckt, als ich
mir Wörter noch vorsprechen musste, um sie zu verstehen.

Schau's Dir selbst einmal an: http://lb.wikipedia.org/wiki/Mozart


Oliver
--
18 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Andreas Eibach

unread,
Mar 7, 2007, 10:04:08 PM3/7/07
to

"Oliver Scholz" <alkib...@gmx.de> wrote:
> "Andreas Eibach" <aei...@mail.com> writes:
>
> [...]
>>> Du willst ja sicher nicht sagen, dass alle neuen Inszenierungen
>>> zwangsläufig an den Haaren herbeigezogen sind.
>> <IMHO>Die meisten. Was da landläufig hineininterpretiert wird, ist
>> oft
>> zuviel des guten.</IMHO>
>> Ich bin da u. U. etwas konservativ *schaut trotzig*
>
> Das werden wir noch sehen. Der *wahre* Konservative in dieser NG bin
> immer noch ich.

Und du glaubst, dass ich da was gegen hab?!
Dürfen ruhig ein paar mehr sein; schadet überhaupt nicht! :P

-Andreas

Werner Hintze

unread,
Mar 8, 2007, 2:42:27 AM3/8/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 23:30:02 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>Zudem werden teilweise schon leichte Textänderungen vorgenommen.
>
>Ich vermute, es werden immer mehr werden, weil der Wortschatz der
>Bevölkerung immer geringer wird, also muss man sich anpassend, so etwa ein
>Wortschatz von ca. 100 Wörtern müsste reichen.

Naja. Das Abendland geht eben unaufhaltsam seinem Untergang entgegen
und früher war sowieso alles besser. Nachdem dies geklärt ist, zur
Sache selbst:

Die Behauptung, dass in den letzten 50 Jahren - vor allem unter dem
Einfluss des schrecklichen "Regietheaters" (was immer mit dieser
idiotischen Wortmissbildung gemeint sein mag), die Veränderungen an
den Stücktexten und Partituren überhand genommen hätten, ist einfach
unzutreffend. Das genaue Gegenteil ist der Fall, wie eigentlich jedem
sofort klar werden muss, der vor dem Aussprechen einer solchen
Behauptung, diese kurz überprüft und vielleicht einen Blick in die
Geschichte der Oper wirft. Nie zuvor sind die Operntexte so weitgehend
unangetastet geblieben wie in den Operninszenierungen des 2. Hälfte
des 20. Jahrhunderts. (Mit "Text" meine ich hier das Ganze von
Libretto und Partitur.) Und zwar nicht gegen den Widerstand der
Regisseure, sondern sehr wesentlich auf deren Betreiben. Ich kann mich
sehr gut an Diskussionen zwischen Dirigenten und Regisseuren erinnern,
wo erstere der Meinung waren, man müsse auf jeden Fall irgend einen
eingebürgerten Strich machen oder eine Stelle in gewisser Weise
ändern, während der Regisseur (nicht selten erfolglos) darauf bestand,
dass das Stück möglichst strichlos gespielt wird.

Letzteres ist vielleicht nicht ganz so leicht für jeden zu ermitteln
(obwohl ich finde, dass die Dauerschimpfer auf das sog. "Regietheater"
sich durchaus mal die Zeit nehmen sollten, sich über den Gegenstand zu
informieren), der Punkt zur Geschichte der Oper ist es aber sehr wohl.
(War es etwa Willkür von bösen, bösen Regisseuren, die den
"traditionellen" Strich im 2. Akt des "Tristan" bewirkt hat, durch den
das Gespräch zwischen Tristan und Isolde seinen Sinn restlos einbüßt?)

Werner Hintze

unread,
Mar 8, 2007, 2:47:14 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100, Thomas Deck <x2oma...@gmx.de>
wrote:

>Selbstverständlich kann man mit historisch-wissenschaftlichen
>Untersuchungen den Gedanken des Komponisten bzw. des Librettisten nahe
>kommen.

Das kann man nicht. Man kann dem nahekommen, was man in den
überlieferten Materialien vorfindet. Ob das Vorgefundene das ist, was
der Komponist beabsichtigt oder selbst darin gesehen hat, kann man
nicht erfahren. (Es ist gut bekannt, dass Autoren, die ihre Werke nach
längerer Zeit wieder vornehmen und sie sozusagen als fremde
betrachten, oft erstaunt sind über das, was sie da vorfinden.)
Außerdem wird man nicht verhindern können, dass man das vorgefundene
Material als Mensch von heute interpretiert, denn ein anderer kann man
nicht werden.

Kurz und gut: Die Behauptung, dass man die Gedanken des Komponisten
nicht herausfinden kann, ist keine Lüge. Stattdessen ist Deine
Gegenbehauptung reichlich wenig durchdacht.

>Und dann fallen eben 90% aller modernen Inszenierungen durch.

Warum? Wer legt fest, dass das Kriterium für die Qualität einer
Inszenierung die Nähe zu den angeblichen Gedanken der Autoren ist? Und
wer legt fest welches diese Gedanken waren? Auch hier solltest Du
vielleicht etwas nachdenken, bevor Du redest.

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 8, 2007, 3:25:32 AM3/8/07
to
Andreas Eibach schrieb:

>
> "Oliver Scholz" <alkib...@gmx.de> wrote:
>> "Andreas Eibach" <aei...@mail.com> writes:
>>
>> [...]
>>>> Du willst ja sicher nicht sagen, dass alle neuen Inszenierungen
>>>> zwangslÀufig an den Haaren herbeigezogen sind.
>>> <IMHO>Die meisten. Was da landlÀufig hineininterpretiert wird, ist oft

>>> zuviel des guten.</IMHO>
>>> Ich bin da u. U. etwas konservativ *schaut trotzig*
>>
>> Das werden wir noch sehen. Der *wahre* Konservative in dieser NG bin
>> immer noch ich.
>
> Und du glaubst, dass ich da was gegen hab?!
> DÃŒrfen ruhig ein paar mehr sein; schadet ÃŒberhaupt nicht! :P
>
> -Andreas

Wenn Ihr noch einen braucht, dann geselle ich mich dazu.
Viele Grüße an alle Konservativen :)
Marianne.

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 8, 2007, 3:28:43 AM3/8/07
to
Dieter Göbel schrieb:
Den alten Ausdruck für Muhme kenne ich nur als "Tante" nicht als Oma.
In Johanna Spyries "Heidi" wird die Tante, die Heidi in die Stadt holt,
als Muhme bezeichnet.

Marianne.

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 3:34:41 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 09:28:43 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:


> Den alten Ausdruck für Muhme kenne ich nur als "Tante" nicht als Oma.
>In Johanna Spyries "Heidi" wird die Tante, die Heidi in die Stadt holt,
>als Muhme bezeichnet.
>

Es ist eindeutig die Tante: ahd. muoma, mhd. muome = Schwester der
Mutter -> allg. Tante.

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 8, 2007, 3:44:52 AM3/8/07
to
Werner Hintze schrieb:

Warum werden die unterschiedlichen Meinungen denn so "aggressiv" disku-
tiert? Jeder darf doch eine andere Einstellung zu den Dingen haben; ohne
solche Aussagen wie "du solltest nachdenken, ehe du redest" würden die
Diskussionen lebhafter, denn viele lassen sich von dem manchmal rüden
Ton abschrecken, überhaupt eine eigene Meinung kundzutun.

Zitat: "Natürlich darf jeder seine eigene Meinung haben, solange sie der
meinigen nicht widerspricht" :).

Mit ganz entspannten und freundlichen Grüßen an die Runde
Marianne.

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 4:51:22 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 09:44:52 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:

>Warum werden die unterschiedlichen Meinungen denn so "aggressiv" disku-
>tiert?

Das kommt halt davon, dass esaus dem Wald herausschallt, wie man in
ihn hineinruft. Du hast nämlich Thomas Decks Einlassung ausgelassen,
die ich dir gerne noch einmal nahebringe:

>Ich frage mich schon länger, warum ich euren Standpunkt so unredlich
>finde, obwohl mir moderne Inszenierungen auch lieber sind. Hier haben
>wir den Grund:

>Das ist schlichtweg gelogen!

Wenn man dem anderen Unredlichkeit und Lüge vorwirft, wohlgemerkt
nicht etwa, dass er sich geirrt hat oder nicht so gut informiert ist,
braucht man sich über eine scharfe Reaktion nicht zu wundern. Warum
also reagierst du auf Werner, nicht aber auf Thomas, der den
Wortwechsel ausgelöst hat?

>denn viele lassen sich von dem manchmal rüden
>Ton abschrecken, überhaupt eine eigene Meinung kundzutun.
>

Offensichtlich lässt sich Werner nicht von dem rüden Ton abschrecken,
GottseiDank.

Es grüßt Peter
(der sich BTW von "euren Standpunkt" nicht angesprochen fühlt, weil er
seinen eigenen hat)

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 8, 2007, 5:15:46 AM3/8/07
to
Peter Brixius schrieb:

Asche auf mein Haupt. Das Posting ist bei mir als gelesen markiert, ich
hatte es aber nicht zur Kenntnis genommen. (Klickfehler?)

Trotzdem fände ich eine gepflegte Unterhaltung besser, weil eine
Beschimpfung die nächste nach sich zieht und irgendwann nur noch diese
das Thema bestreiten.

Peter, hättest du gedacht, dass die Diskussion -ursprünglich über die
Zauberflöte" :) -solche Dimensionen annimmt? Es ging doch mal um Kultur,
oder? Wurde eigentlich jemals die vor kurzer Zeit modern inszenierte
"Carmen" mit Anna Netrebko diskutiert? Ich habe sie gesehen und fand
sie, obwohl das Bühnenbild fast nur aus einer roten Couch bestand, sehr
gut gemacht. Da passten das Bühnenbild und die Handlung gut zusammen.
Genau das habe ich bei der Zauberflöte vermisst.

Bitte, schimpfe nicht mit mir, wenn die Carmen schon abgehandelt wurde,
ich bin ziemlich neu in den NGs.

Einen sehr freundlichen Gruß
Marianne.

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 8, 2007, 5:49:02 AM3/8/07
to
Peter Brixius schrieb:
> On Sun, 04 Mar 2007 00:13:12 +0100, Marianne Bialojahn
> <mb.sp...@justmail.de> wrote:
>
>> Ich habe mir die Zauberflöte angesehen, weil es seit "Kindertagen"
>> meine Lieblingsoper war.
>
> Es ist - ao glaube ich - *die* Nicht-Kinder-Oper, die am ehesten einen
> unmittelbaren Eindruck auf Kinder macht. Deutlich knüpft ja Ingmar
> Bergman in seiner Trollflöjten daran an. Da gibt es die
> Identifikationsfigur des kindlichen Papagenos, ein Anzahl eingängiger
> Melodien. Die Gefahr ist natürlich immer die, dass man "Die
> Zauberflöte" darauf reduziert, denn sie ist *keine* Kinderoper. Das
> Bedrohliche der Oper ging mir zum ersten Mal - wieder - bei Bergman
> auf, diesmal aber in seiner "Stunde des Wolfs".
>
>> Die Musik war fantastisch,
>
> Verhältnismäßig breite Tempi ...
>
>> aber ich war von der
>> modernen Ausstattung enttäuscht.
>
> Wahrscheinlich mehr von *der* modernen Ausstattung als der *modernen*
> Ausstattung :-)
>
>> Gerade die Zauberflöte lebt doch von
>> der "märchenhaften" Ausstattung,
>
> Ich dachte, von der Musik :-) Das Märchenhafte ist sicher eine der
> möglichen Ausstattungsweisen (siehe da auch wieder die Trollflöjten),
> aber doch nicht die einzige. Die Zauber- & Maschinenkommödie, in deren
> Tradition sie steht, hat ja nicht eigentlich Märchen im Sinne. Das
> Wunderbare scheint vor allem auf der Ebene des kindlichen Papagenos
> mit seinem Glockenspiel zu funktionieren.
>
>> die in der modernisierten Version
>> einfach gefehlt hat.
>
> Hat sie vielleicht eine andere Dimension aufgedeckt?
>
>> Aber das ist meine unmaßgebliche Meinung;
>> vielleicht spricht ja gerade das neue Bühnenbild viele an
>
> Ich nehme an, es verstört erst einmal. Zum Teil widerspricht es ja
> auch dem gesungenen Text.
>
>> und ich freue
>> mich auf eine rege Diskussion.
>>
> Ich auch ...
>
> Es grüßt Peter
>

Ich komme noch einmal auf deine Frage zurück: Hat sie vielleicht eine
andere Dimension aufgedeckt? Darüber grüble ich nun schon einige Tage.
Kannst du mir aufs Pferd helfen? Was hast du damit gemeint? Ging es
dabei um *meine* Meinung zur Inszenierung oder um die Inszenierung im
Allgemeinen?

Über deine freundliche Nachhilfe freut sich
Marianne.

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 6:04:51 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 11:15:46 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:

>
>Asche auf mein Haupt.

Ist schon in Ordnung, brauchst du nicht zu tun (obwohl in der
Fastenzeit ja nicht ganz unüblich, wenigstens bei gläubigen Menschen)

>Das Posting ist bei mir als gelesen markiert, ich
>hatte es aber nicht zur Kenntnis genommen. (Klickfehler?)
>

Passiert schon mal :-)

>Trotzdem fände ich eine gepflegte Unterhaltung besser, weil eine
>Beschimpfung die nächste nach sich zieht und irgendwann nur noch diese
>das Thema bestreiten.

Das geht mir ebenso. Nur wenn man sich gegenseitig respektiert, kann
man auch voneinander lernen. Warum sollte man sonst auch hier
schreiben oder etwas lesen?

>
>Peter, hättest du gedacht, dass die Diskussion -ursprünglich über die
>Zauberflöte" :) -solche Dimensionen annimmt? Es ging doch mal um Kultur,
>oder?

Wir sind hier eine zivilisierte Gruppe, aber sie ist eben auch offen
für Leute, denen mehr daran gelegen ist, ihr Aggressionspotenzial zu
messen. Man kann mE in der Sache hart, aber noch immer mit dem
notwendigen Respekt vor dem anderen und seiner Meinung diskutieren.

>Wurde eigentlich jemals die vor kurzer Zeit modern inszenierte
>"Carmen" mit Anna Netrebko diskutiert?

Nein, die ist noch nicht vorgekommen ...

>Ich habe sie gesehen und fand
>sie, obwohl das Bühnenbild fast nur aus einer roten Couch bestand, sehr
>gut gemacht. Da passten das Bühnenbild und die Handlung gut zusammen.

Ichhabe sie leider noch nicht gesehen.

>Genau das habe ich bei der Zauberflöte vermisst.

Ich bin leider aus beruflichen & persönlichen Gründen in dieser Woche
nicht dazu gekommen, mir die Züricher Inszenierung ganz anzusehen. Den
Anfang fand ich irritierend, aber auch interessant.

Ich habe jetzt auch mal gleich die Everding-Inszenierung geordert,
dann kann ich in der nächsten Woche das Ganze auch einmal im Vergleich
besehen.

Mich ärgert meist, dass die Dialog nach Lust und Laune beschnitten
werden und damit wichtige Vor- und Nachinformationen verloren gehen.
So ist man meist allseits der Meinung, Monostatos habe die Bastonnade
bekommen (böser, boser Sarastro!), aber im Dialog erfährt man, dass er
begnadigt wurde. Das nenne ich nun eine Verfälschung dessen, was in
der Partitur steht.

Ich werde ja bei Sawallisch sehen, wieweit er zumindest einer fairen
Darstellung Sarastros gerecht wird ...

>
>Bitte, schimpfe nicht mit mir, wenn die Carmen schon abgehandelt wurde,
>ich bin ziemlich neu in den NGs.
>

Nein, tue ich nicht - fange du doch einfach einen neuen Thread mit der
Carmen an, das interessiert sicher auch andere ...

Es grüßt Peter


--
Die Schlange hatte weniger an, aber mehr drauf als
alle anderen Tiere des Feldes.
(Gen. 3,1 in Bibel in gerechter Sprache)

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 6:16:21 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 11:49:02 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:

>Ich komme noch einmal auf deine Frage zurück: Hat sie vielleicht eine
>andere Dimension aufgedeckt? Darüber grüble ich nun schon einige Tage.
>Kannst du mir aufs Pferd helfen?

Es hat, so glaube ich, schon den Hinweis auf das Interview gegeben und
den folgenden Link

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/595896/

Die Inszenierung setzt also die Handlung schon voraus, im Ablauf der
Oper wird nun (im Ubw?) das Vergangene neu reflektiert und
verarbeitet. Es ist sozusagen eine Fortsetzung der "Zauberflöte" in
der "Zauberflöte" selbst, das finde ich schon recht faszinierend.
Zitat: "Die Bühne wird ihr Seelenraum, die Handlung ihr Denken und
Fantasieren."

Für mich schienen sich die Ängste Taminos in der Anfangsszene in den
drei Damen widerzuspiegeln. Denn er ist ja am Anfang quasi blind,
tappt als Suchender in eine nicht gesehene Welt, in der er sich erst
einmal orientieren muss. Die drei Damen sind also gleichzeitig die
Trägerinnen der Ängste Taminos wie eigene Akteurinnen, geschuldet dem
ursprünglichen Handeln in der zurückliegenden Oper.

Das war mal meine Anfangsidee, dann ging mir aber einiges vom Singen
so auf den Nerv, dass ich mich erst einmal beschied, die Inszenierung
in einer besseren Stimmung wieder anzusehen.

>Was hast du damit gemeint? Ging es
>dabei um *meine* Meinung zur Inszenierung oder um die Inszenierung im
>Allgemeinen?
>

Ich verspreche, ich lege noch nach - aber erst *nach* der Ansicht :-)

Marianne Bialojahn

unread,
Mar 8, 2007, 6:23:46 AM3/8/07
to
Peter Brixius schrieb:

Ich würde dich dafür lieben, wenn du das machen könntest. Ich gebe zu,
ich weiß nicht, wie ich ohne Fehler dahinkomme. Mehrere Versuche haben
mich als Blödfrau geoutet ;-). Ich weiß, dass du ein netter Mensch bist
und sicher gerne hilfst.

Gruß Marianne.

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 6:53:06 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 12:23:46 +0100, Marianne Bialojahn
<mb.sp...@justmail.de> wrote:


>Ich würde dich dafür lieben, wenn du das machen könntest.

Dank roter Coach und der Feststellung, dass Anna Netrebko zwar die
Rolle der Micaele "drauf" hat, aber es bislang (und wohl erst 2010
geplant) keine Carmen mit ihr geben wird, habe ich den Traviate-Thread
von damals "neu" eröffnet ...

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 6:56:15 AM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 12:53:06 +0100, Peter Brixius
<peter....@onlinehome.de> wrote:

>On Thu, 08 Mar 2007 12:23:46 +0100, Marianne Bialojahn
><mb.sp...@justmail.de> wrote:
>
>
>>Ich würde dich dafür lieben, wenn du das machen könntest.
>
>Dank roter Coach und der Feststellung, dass Anna Netrebko zwar die

^
Couch

Ich sehe wohl zuviel Fußball im Moment :-(

Wolfram Heinrich

unread,
Mar 8, 2007, 1:19:57 PM3/8/07
to
Am Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100 schrieb Thomas Deck:

> Ein Regisseur ist will etwas schaffen, das ist sein Beruf, daher
> *muss* er den Willen des Komponisten ignorieren, wie soll er denn
> sonst seine eigenen Ideen einbringen?
>
Äh, indem er vielleicht selber eine Oper schreibt?

> Der Großteil des Publikums sieht das übrigens genau so. Man geht in
> die Oper, um zu sehen, was sich der Regisseur dieses Mal ausgedacht
> hat.

Und ist dann furchtbar enttäuscht, wenn es gefällt - wo man sich doch schon
so aufs Ausbuhen gefreut hat.

> Das einzige Problem besteht darin, dass die Genialität der
> Regisseure manchmal nicht mit der Genialität des
> Komponisten/Librettisten mithalten kann...
>
Und umgekehrt. Ich habe mal im Fernseh eine Aufführung des "Jedermann" (K.
M. Brandauer etc.) gesehen, die aus diesem öden, jammervollen Stück ein
Erlebnis gemacht hat.

Ciao
Wolfram
--
Bankweisheit (deutsch)
Im Schein ist Wahrheit.
www.theodor-rieh.de
www.theodor-rieh.de/heinrich
www.madonnadellascala.it

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 1:46:43 PM3/8/07
to
On Thu, 8 Mar 2007 19:19:57 +0100, Wolfram Heinrich
<theodo...@freenet.de> wrote:

>Am Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100 schrieb Thomas Deck:
>
>> Ein Regisseur ist will etwas schaffen, das ist sein Beruf, daher
>> *muss* er den Willen des Komponisten ignorieren, wie soll er denn
>> sonst seine eigenen Ideen einbringen?
>>
>Äh, indem er vielleicht selber eine Oper schreibt?

Also muss er sich erst einmal hinsetzen und mächtig studieren, damit
der den Willen des Komponisten erkennt - denn nur wenn er ihn kennt,
kann er ihn auch ignorieren :-)

>
>> Der Großteil des Publikums sieht das übrigens genau so. Man geht in
>> die Oper, um zu sehen, was sich der Regisseur dieses Mal ausgedacht
>> hat.
>
>Und ist dann furchtbar enttäuscht, wenn es gefällt - wo man sich doch schon
>so aufs Ausbuhen gefreut hat.

Das Züricher Publikum (und die Presse) schien alles andere als
unzufrieden zu sein ...

>
>> Das einzige Problem besteht darin, dass die Genialität der
>> Regisseure manchmal nicht mit der Genialität des
>> Komponisten/Librettisten mithalten kann...
>>
>Und umgekehrt. Ich habe mal im Fernseh eine Aufführung des "Jedermann" (K.
>M. Brandauer etc.) gesehen, die aus diesem öden, jammervollen Stück ein
>Erlebnis gemacht hat.
>

Wie auch Meinrad im "Unbestechlichen" ...

Wolfram Heinrich

unread,
Mar 8, 2007, 1:58:13 PM3/8/07
to
Am Thu, 08 Mar 2007 19:46:43 +0100 schrieb Peter Brixius:

> On Thu, 8 Mar 2007 19:19:57 +0100, Wolfram Heinrich
> <theodo...@freenet.de> wrote:
>
>>Am Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100 schrieb Thomas Deck:
>>
>>> Ein Regisseur ist will etwas schaffen, das ist sein Beruf, daher
>>> *muss* er den Willen des Komponisten ignorieren, wie soll er denn
>>> sonst seine eigenen Ideen einbringen?
>>>
>>Äh, indem er vielleicht selber eine Oper schreibt?
>
> Also muss er sich erst einmal hinsetzen und mächtig studieren, damit
> der den Willen des Komponisten erkennt - denn nur wenn er ihn kennt,
> kann er ihn auch ignorieren :-)
>

Ebent nicht. Wenn der Regisseur selber eine Oper schreibt, braucht er gar
nix zu ignorieren, bloß ein bisserl vor sich hinkomponieren und - so er
sein eigener Librettist ist - ein bisserl ein Stückerl sich ausdenken.
Jeder Depp schreibt doch heutzutag ein Stück.

>>> Der Großteil des Publikums sieht das übrigens genau so. Man geht in
>>> die Oper, um zu sehen, was sich der Regisseur dieses Mal ausgedacht
>>> hat.
>>
>>Und ist dann furchtbar enttäuscht, wenn es gefällt - wo man sich doch schon
>>so aufs Ausbuhen gefreut hat.
>
> Das Züricher Publikum (und die Presse) schien alles andere als
> unzufrieden zu sein ...
>

Ich hatte es, wie meinen obigen Einwand, nur ganz allgemein gemeint, nicht
auf eine spezielle Aufführung einer speziellen Oper bezogen.

>>> Das einzige Problem besteht darin, dass die Genialität der
>>> Regisseure manchmal nicht mit der Genialität des
>>> Komponisten/Librettisten mithalten kann...
>>>
>>Und umgekehrt. Ich habe mal im Fernseh eine Aufführung des "Jedermann" (K.
>>M. Brandauer etc.) gesehen, die aus diesem öden, jammervollen Stück ein
>>Erlebnis gemacht hat.
>>
> Wie auch Meinrad im "Unbestechlichen" ...
>

Huh, ist der Hofmannsthal wirklich so jammervoll wie man es nach dem
Jedermann annimmt?

Ciao
Wolfram
--
Höflich beklatschte die Feuerwehr,
Kortzfleyschens Geschlechtsverkehr
www.theodor-rieh.de
www.theodor-rieh.de/heinrich
www.madonnadellascala.it

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 2:06:40 PM3/8/07
to
On Thu, 8 Mar 2007 19:58:13 +0100, Wolfram Heinrich
<theodo...@freenet.de> wrote:

>Am Thu, 08 Mar 2007 19:46:43 +0100 schrieb Peter Brixius:
>
>> On Thu, 8 Mar 2007 19:19:57 +0100, Wolfram Heinrich
>> <theodo...@freenet.de> wrote:
>>
>>>Äh, indem er vielleicht selber eine Oper schreibt?
>>
>> Also muss er sich erst einmal hinsetzen und mächtig studieren, damit
>> der den Willen des Komponisten erkennt - denn nur wenn er ihn kennt,
>> kann er ihn auch ignorieren :-)
>>
>Ebent nicht. Wenn der Regisseur selber eine Oper schreibt, braucht er gar
>nix zu ignorieren, bloß ein bisserl vor sich hinkomponieren und - so er
>sein eigener Librettist ist - ein bisserl ein Stückerl sich ausdenken.

Auch das ist ja ein bekanntes Problem :-) Wenn er naiv vor sich
hinkomponiert, "erfindet" er schon Erfundenes :-)

Aber Regisseure sind eben keine Komponisten - tröstlicherweise. Wenn
die so komponieren, wie sie Regie führen, dann wird aus der
Zauberflöte ein Dreimäderlhaus (wenigstens was die konservative
Fraktion angeht).

>Jeder Depp schreibt doch heutzutag ein Stück.

Die Deppen können heute doch schon gar nicht mehr schreiben - die
programmieren ein Computerspiel :-(

>Huh, ist der Hofmannsthal wirklich so jammervoll wie man es nach dem
>Jedermann annimmt?
>

Als Stückeschreiber steht er bei mir wahrlich nicht oben ...

Wolfram Heinrich

unread,
Mar 8, 2007, 2:24:22 PM3/8/07
to
Am Thu, 08 Mar 2007 20:06:40 +0100 schrieb Peter Brixius:

> On Thu, 8 Mar 2007 19:58:13 +0100, Wolfram Heinrich
> <theodo...@freenet.de> wrote:
>
> Aber Regisseure sind eben keine Komponisten - tröstlicherweise. Wenn
> die so komponieren, wie sie Regie führen, dann wird aus der
> Zauberflöte ein Dreimäderlhaus (wenigstens was die konservative
> Fraktion angeht).
>

Dann darfst du dir gar nicht erst vorstellen, was bei der progressiven
Fraktion rauskommt...

>>Jeder Depp schreibt doch heutzutag ein Stück.
>
> Die Deppen können heute doch schon gar nicht mehr schreiben - die
> programmieren ein Computerspiel :-(
>

Oh, ich habe höchsten Respekt vor jedem, der ein Computerspiel
programmieren kann. Das kann *ich* nämlich *nicht*! Ein Stück
dahinwogegen... Aber, wem erzähl ich das?

>>Huh, ist der Hofmannsthal wirklich so jammervoll wie man es nach dem
>>Jedermann annimmt?
>>
> Als Stückeschreiber steht er bei mir wahrlich nicht oben ...
>

Als was dann?

Ciao
Wolfram
--
Erwartet euch nicht zuviel vom Weltuntergang.
STANISLAW JERZY LEC
www.theodor-rieh.de
www.theodor-rieh.de/heinrich
www.madonnadellascala.it

Oliver Scholz

unread,
Mar 8, 2007, 2:31:10 PM3/8/07
to
Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

[...]


> Aber Regisseure sind eben keine Komponisten - tröstlicherweise. Wenn
> die so komponieren, wie sie Regie führen, dann wird aus der
> Zauberflöte ein Dreimäderlhaus (wenigstens was die konservative
> Fraktion angeht).

Oder "Zum weißen Rössl". Der Punkt scheint mir zu sein, dass einige
die Zauberflöte und andere Opern für genau diese Art Kitsch halten.

Dagegen bestehe ich auf der Autonomie des Kunstwerks, also auch des
Bühnenkunstwerks. Ich weigere mich, alles, was mit Kunst und Kultur zu
tun hat, nur noch als eine Funktion von Entertaintment und
Verkauszahlen zu betrachten. Da bin ich konservativ.

>>Jeder Depp schreibt doch heutzutag ein Stück.
>
> Die Deppen können heute doch schon gar nicht mehr schreiben - die
> programmieren ein Computerspiel :-(

Ich hab' auch schon ein Computerspiel programmiert ... Wenn man das
wirklich gut zu machen vesucht, ist das eine sehr anspruchsvolle
Freizeitbeschäftigung. Jedenfalls anspruchsvoller als Fernsehen.

Oliver Scholz

unread,
Mar 8, 2007, 2:38:07 PM3/8/07
to
Werner Hintze <use...@floridante.de> writes:

> On Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100, Thomas Deck <x2oma...@gmx.de>
> wrote:
>
>>Selbstverständlich kann man mit historisch-wissenschaftlichen
>>Untersuchungen den Gedanken des Komponisten bzw. des Librettisten nahe
>>kommen.
>
> Das kann man nicht. Man kann dem nahekommen, was man in den
> überlieferten Materialien vorfindet. Ob das Vorgefundene das ist, was
> der Komponist beabsichtigt oder selbst darin gesehen hat, kann man
> nicht erfahren. (Es ist gut bekannt, dass Autoren, die ihre Werke nach
> längerer Zeit wieder vornehmen und sie sozusagen als fremde
> betrachten, oft erstaunt sind über das, was sie da vorfinden.)

Genau. Zumal: in der Philologie (das ist die Wissenschaft, die solche
"historisch-wissenschaftlichen Untersuchungen" anstellt) hat man es
nicht mit den Gedanken oder Intentionen des Autors zu tun. Das wäre
wohl eher so etwas wie eine Psychologie post mortem. Sondern
ausschließlich mit der *Bedeutung* des *Textes* in seinem zeitlichen,
ggf. auch persönlichen Kontext. Über seelische oder mentale Zustände
des Autors zu einem gegenen Zeitpunkt innerhalb des Zeitraums der
Niederschrift spekuliert da niemand.

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 2:39:34 PM3/8/07
to
On Thu, 8 Mar 2007 20:24:22 +0100, Wolfram Heinrich
<theodo...@freenet.de> wrote:

>Am Thu, 08 Mar 2007 20:06:40 +0100 schrieb Peter Brixius:
>
>> On Thu, 8 Mar 2007 19:58:13 +0100, Wolfram Heinrich
>> <theodo...@freenet.de> wrote:
>>
>> Aber Regisseure sind eben keine Komponisten - tröstlicherweise. Wenn
>> die so komponieren, wie sie Regie führen, dann wird aus der
>> Zauberflöte ein Dreimäderlhaus (wenigstens was die konservative
>> Fraktion angeht).
>>
>Dann darfst du dir gar nicht erst vorstellen, was bei der progressiven
>Fraktion rauskommt...
>

Stimmt, das ist weniger vorhersagbar :-)

>>>Jeder Depp schreibt doch heutzutag ein Stück.
>>
>> Die Deppen können heute doch schon gar nicht mehr schreiben - die
>> programmieren ein Computerspiel :-(
>>
>Oh, ich habe höchsten Respekt vor jedem, der ein Computerspiel
>programmieren kann.

*Da* habe ich einen Stein ins Wasser geworfen :-)

>> Als Stückeschreiber steht er bei mir wahrlich nicht oben ...
>>
>Als was dann?
>

Seine Prosa mag ich, auch einiges an seiner Lyrik.

Oliver Scholz

unread,
Mar 8, 2007, 2:41:57 PM3/8/07
to
Werner Hintze <use...@floridante.de> writes:

> On Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100, Thomas Deck <x2oma...@gmx.de>
> wrote:
>
>>Selbstverständlich kann man mit historisch-wissenschaftlichen
>>Untersuchungen den Gedanken des Komponisten bzw. des Librettisten nahe
>>kommen.
>
> Das kann man nicht. Man kann dem nahekommen, was man in den
> überlieferten Materialien vorfindet. Ob das Vorgefundene das ist, was
> der Komponist beabsichtigt oder selbst darin gesehen hat, kann man
> nicht erfahren. (Es ist gut bekannt, dass Autoren, die ihre Werke nach
> längerer Zeit wieder vornehmen und sie sozusagen als fremde
> betrachten, oft erstaunt sind über das, was sie da vorfinden.)

Genau. Zumal: in der Philologie (das ist die Wissenschaft, die solche

Peter Brixius

unread,
Mar 8, 2007, 2:44:01 PM3/8/07
to
On Thu, 08 Mar 2007 20:31:10 +0100, Oliver Scholz <alkib...@gmx.de>
wrote:

>Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:
>
>[...]
>> Aber Regisseure sind eben keine Komponisten - tröstlicherweise. Wenn
>> die so komponieren, wie sie Regie führen, dann wird aus der
>> Zauberflöte ein Dreimäderlhaus (wenigstens was die konservative
>> Fraktion angeht).
>
>Oder "Zum weißen Rössl". Der Punkt scheint mir zu sein, dass einige
>die Zauberflöte und andere Opern für genau diese Art Kitsch halten.

ACK. Oder als einen Anlass spielfaule Stars auf die Bühne zu stellen,
die nur in ihrem Einsatz nicht beirrt werden wollen.

>
>Dagegen bestehe ich auf der Autonomie des Kunstwerks, also auch des
>Bühnenkunstwerks. Ich weigere mich, alles, was mit Kunst und Kultur zu
>tun hat, nur noch als eine Funktion von Entertaintment und
>Verkauszahlen zu betrachten. Da bin ich konservativ.

Wie ohnedies die Bezeichnungen "konservativ" und "progressiv" in sich
widersprüchlich und fragwürdig sind. Es sind halt Hilfsgrößen beim
gegenseiten Einfärben der Wolle.

>
>>>Jeder Depp schreibt doch heutzutag ein Stück.
>>
>> Die Deppen können heute doch schon gar nicht mehr schreiben - die
>> programmieren ein Computerspiel :-(
>
>Ich hab' auch schon ein Computerspiel programmiert ...

OK - Ausnahmen bestätigen ...

>Wenn man das
>wirklich gut zu machen vesucht, ist das eine sehr anspruchsvolle
>Freizeitbeschäftigung. Jedenfalls anspruchsvoller als Fernsehen.
>

Einverstanden ...

Oliver Scholz

unread,
Mar 8, 2007, 2:44:11 PM3/8/07
to
Werner Hintze <use...@floridante.de> writes:

> On Thu, 08 Mar 2007 00:39:16 +0100, Thomas Deck <x2oma...@gmx.de>
> wrote:
>
>>Selbstverständlich kann man mit historisch-wissenschaftlichen
>>Untersuchungen den Gedanken des Komponisten bzw. des Librettisten nahe
>>kommen.
>
> Das kann man nicht. Man kann dem nahekommen, was man in den
> überlieferten Materialien vorfindet. Ob das Vorgefundene das ist, was
> der Komponist beabsichtigt oder selbst darin gesehen hat, kann man
> nicht erfahren. (Es ist gut bekannt, dass Autoren, die ihre Werke nach
> längerer Zeit wieder vornehmen und sie sozusagen als fremde
> betrachten, oft erstaunt sind über das, was sie da vorfinden.)

Das ist richtig.

Allerdings kann man in der Philologie (das ist die Wissenschaft, die
solche "historisch-wissenschaftlichen Untersuchungen" anstellt)
einiges herausbekommen. Das hat aber nichts mit den Gedanken oder

Andreas Eibach

unread,
Mar 8, 2007, 5:16:24 PM3/8/07
to

"Marianne Bialojahn" <mb.sp...@justmail.de> wrote:
> Den alten Ausdruck für Muhme kenne ich nur als "Tante" nicht als Oma.
> In Johanna Spyries "Heidi" wird die Tante, die Heidi in die Stadt
> holt,
> als Muhme bezeichnet.

Nicht zu vergessen die "Muhme Rumpumpel" aus Preußlers "Kleiner Hexe" :)

-Andreas

Oliver Scholz

unread,
Mar 9, 2007, 7:39:43 AM3/9/07
to
Gerade sind wir wieder bei der guten alten Debatte "Regietheater" vs.
"Zum Weißen Rössl" angelangt. Ich möchte gerne noch einmal
zurückkommen auf die Interpretation der Zauberflöte bei Kušej und
Harnoncourt.

Am gewichtigsten fand ich die Einwände von Roger Pellaton. Ich glaube,
diese Interpretation mag leicht zunächst kalt und uninspiriert wirken;
und insofern kann ich die Kritik nachvollziehen. Ich möchte aber dafür
werben, sie aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sie durch
einen anderen Schalltrichter zu behören. Exemplarisch: ich kann
nachvollziehen, wie es kommt, dass Papageno (Ruben Drole) wie eine
"Schlaftablette" wirkt; aber ich möchte für eine Perspektive werben,
in der er großartig ist.

Bereits bei der Salzburger Interpretation der Nozze, die wir hier vor
ein paar Monaten diskutiert hatten, wurde deutlich, dass Harnoncourt
einen ganz anderen Weg in seiner Mozart-Interpretation geht. (Für mich
ein weiteres Indiz, dass solche Dinge wenig mit dem Alter zu tun
haben.) Die Nozze fand ich zunächst scheußlich. Insofern war ich auf
die Zauberflöte schon vorbereitet, aber was mir damals missfiel,
beginnt nun, mich zu überzeugen. Festgemacht wurde dieser andere
Ansatz damals und auch jetzt wieder an den "breiten Tempi" --
allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Harnoncourt wirklich langsamer
spielen lässt als in anderen mir bekannten Einspielungen. Vielmehr
glaube ich, dass er vor allem anders artikuliert als früher.
Musikalisch präsentiert diese Zauberflöte eine unendliche Versenkung
ins Detaill. Gegen diese extreme Artikulation des Detaills tritt das
äußere Espressivo zurück und wird zu so etwas wie einem Espressivo
nach Innen: es ist musikalisch eine sehr *verinnerlichte* Zauberflöte.
Mit jedem Hören gefällt mir diese Auffassung immer besser; es mag
sogar sein -- aber das weiß man in Wirklichkeit immer erst hinterher
-- es mag sogar sein, dass sie meine bisherige Lieblingseinspielung
ablöst (die von Östman mit B. Bonney als Pamina).

Die Regie Kušejs folgt der Zeit-Gestaltung des Dirigats von
Harnoncourt. Der große Spannungsbogen der Handlung tritt zurück. Die
Gestaltung des Augenblicks wird entscheidend; weil damit aber
scheinbar von den größeren Handlungsbögen abgesehen wird, vom
Wechselspiel von Spannung und Auflösung, Spannung auf höherer Ebene
und Klimax, so wirkt die Inszenierung leicht wie verlangsamt. In
Wirklichkeit aber ergeben sich die größeren Zusammenhänge vom
Orchestergraben wie von der Bühne als selbstverständlicher Nebeneffekt
der Versenkung ins Detaill.

Ich hoffe, dass ich noch die Zeit finde, in einem späteren Posting auf
Einzelheiten der Inszenierung einzugehen. Sie hat auch ihre Probleme.
Einige Lösungen finde ich geradzu brilliant; aber es scheint als hätte
Kušej Schwierigkeiten mit den Ambivalenzen der Zauberflöte. Während er
z.B. die eine Seite der Priester ganz richtig auffasst (d.h., und das
macht mich ein wenig stolz, ganz in dem Sinne, den ich hier schon
vertreten habe), so unterschlägt er dagegen ihre andere Seite, die
aufklärerische. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn nicht die Musik --
jedenfalls nach meinem Ohr -- stellenweise der Inszenierung
widerspräche. Aber dazu später. Auch zu anderen Problemen.

Harnoncourt wie Kušej jedenfalls nehmen die Zauberflöte sehr ernst.
Auch als Märchen! Es wird immer wieder ausgerufen, dass doch die
Zauberflöte ein Märchen sei. Als ob damit schon viel gesagt wäre! Was
heisst denn Märchen? Selbst wenn man nur von Volksmärchen spricht, so
ist damit noch herzlich wenig gesagt. Denn Schneewittchen z.B. bei
Musäus ist eine völlig andere Sache als bei den Grimms. Ersterer nimmt
den Stoff des Volksmärchen, um darauf seinen aufklärerischen Witz und
seine klassische Eloquenz anzuwenden, letztere versuchen, einen
romantischen "Volkton" zu erfinden. (Musäus wird viel zu wenig
gelesen.) Und wenn wir von Kunstmärchen sprechen, so sieht es noch
einmal ganz anders aus. Und wenn wir innerhalb der Kunstmärchen von
der Sonderform der *allegorischen* Kunstmärchen reden, noch einmal
anders.

Dass ich die Zauberflöte (einmal abgesehen davon, dass sie ein
Bühnenwerk ist und keine Erzählung) bei den allegorischen Kunstmärchen
einordne, ist nicht im engeren Sinne philologisch informiert, sondern
nur mein Eindruck. Der ist allerdings so stark, dass jede andere
Einordnung bei mir zunächst sehr lange auf Unglauben stoßen würden.
Wenn man nun aus dem allegorischen Kunstmärchen ein Grimmsches Märchen
macht, dann führt das auf einen Holzweg, besonders weil bei dem
heutigen Mangel an Bildung und dem Missverständnis der Romantik als
sentimentaler Kitsch daraus wohl eher "Fantasy" würde. Allerdings
kennt auch das 20. und 21. Jhd. literarische Formen, die wenigstens in
gewisser Hinsicht eine Verwandschaft mit dem allegorischen
Kunstmärchen haben: die phantastische Prosa eines Franz Kafka, eines
Jorge Louis Borges oder eines Italo Calvino. Als einen Verwandten
dieser Formen nimmt Kušej die Zauberflöte ernst.

Mehr vielleicht später.


Oliver
--
19 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Wolfgang Weber

unread,
Mar 9, 2007, 8:44:40 AM3/9/07
to
Oliver Scholz schrieb:

> Allerdings
> kennt auch das 20. und 21. Jhd. literarische Formen, die wenigstens in
> gewisser Hinsicht eine Verwandschaft mit dem allegorischen
> Kunstmärchen haben: die phantastische Prosa eines Franz Kafka, eines
> Jorge Louis Borges oder eines Italo Calvino.

Als einen Verwandten dieser Formen nimmt Kušej die Zauberflöte ernst.

Gut zu lesen - wo ich mich das ganze Stück hindurch gefragt habe, ob
Kušej ein Pseudonym von Eco ist-?

>
> Mehr vielleicht später.

Man tou.
>
>
> Oliver

Wolfgang

Oliver Scholz

unread,
Mar 9, 2007, 8:58:23 AM3/9/07
to
Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:

[...]


> Gut zu lesen - wo ich mich das ganze Stück hindurch gefragt habe, ob
> Kušej ein Pseudonym von Eco ist-?

Ich weiß, was Du meinst; aber wenn sich Umberto Eco hinter dem Namen
Kušej versteckte, dann hätte er im Stück jede Gelegenheit genutzt, uns
ins Gesicht zu schauen, ob wir auch ja merken, was für ein unglaublich
schlauer, unglaublich belesener Semiotik-Professor er ist.

Oliver Scholz

unread,
Mar 9, 2007, 9:02:33 AM3/9/07
to
Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:

[...]


> Gut zu lesen - wo ich mich das ganze Stück hindurch gefragt habe, ob
> Kušej ein Pseudonym von Eco ist-?

Ich weiß, was Du meinst; aber wenn sich Umberto Eco hinter dem Namen


Kušej versteckte, dann hätte er im Stück jede Gelegenheit genutzt, uns

ins Gesicht zu grinsen, ob wir auch ja merken, was für ein unglaublich


schlauer, unglaublich belesener Semiotik-Professor er ist.

Wolfgang Weber

unread,
Mar 9, 2007, 10:24:05 AM3/9/07
to
Oliver Scholz schrieb:

> Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:
>
> [...]
>
>>Gut zu lesen - wo ich mich das ganze Stück hindurch gefragt habe, ob
>>Kušej ein Pseudonym von Eco ist-?
>
>
> Ich weiß, was Du meinst; aber wenn sich Umberto Eco hinter dem Namen
> Kušej versteckte, dann hätte er im Stück jede Gelegenheit genutzt, uns
> ins Gesicht zu grinsen, ob wir auch ja merken, was für ein unglaublich
> schlauer, unglaublich belesener Semiotik-Professor er ist.
>
>
> Oliver

Du meinst also... Unglaublich!
Ob er schlau, belesen und Professor ist, soll mal Nebensache sein; aber
der Typ hats doch tatsächlich geschafft mich 3 Stunden lang, über beide
Backen feixend, vor die Glotze zu fesseln. Also ist Kušej wirklich... Na
klar! Und Semiotiker? Was sonst-?
Total zerblüfft-

Wolfgang

Roger Pellaton

unread,
Mar 10, 2007, 7:11:42 AM3/10/07
to
Werner Hintze <use...@floridante.de> wrote:


> Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden.

Aber bei der Musik gilt das nicht, richtig? Noten müssen so gespielt
werden wie notiert, weil sie, ganz im Gegensatz zu Text oder Geschichte,
in einem grösseren Kontext eingebunden und abgeändert sofort das grosse
Ganze zerstören würden?


> Weil Theater eine Kunst ist und keine Kopiermaschine.

Einverstanden.


> Weil Theater eine
> gegenwärtige Kunst ist und es keinen Sinn hat, das Theater vergangener
> Zeiten zu kopieren.

Das halte ich für zumindest auf einem Auge blind.
In einem Theaterstück, wie auch in einer Oper, steht für mich immer noch
die Geschichte an erster Stelle. Die Regie dient der Geschichte, und
nicht umgekehrt. Wenn eine Geschichte aus dem alten China erzählt wird,
dann spielt diese Geschichte immer noch im alten China, auch wenn sie
heute erzählt wird. Transferiert man die Geschichte ins städtische
Bordell, ist es eine andere Geschichte. Und mit Verlaub: Ich halte
Regisseure und Dramaturgen für masslos überschätzt. Sie können gerne
Geschichten erzählen, erfinden, inszenieren, was auch immer. Aber dann
bitte Shakespeare, da Ponte oder Mozart auf dem Titelblatt weglassen.


> Weil die Kopie des alten Theaters, wenn sie heute
> gespielt wird, heutiges Theater ist, das seinen Zuschauern vorlügt,
> dass es altes sei.

Da hältst Du Dein Publikum aber für sehr beschränkt.
Selbst einem sturen Traditionalisten wie mir ist klar, dass man "altes"
Theater nicht eins zu eins auf eine heutige Bühne bringen kann. Aber
Tosca springt nun mal von den Zinnen der Engelsburg. Ja, das ist eine
alte Geschichte, aus einer Zeit, da die Engelsburg noch kein
Touristen-Spot war. Willst Du mir ernsthaft erklären, dass Du Dich als
Dramaturg ausserstande siehst, diese alte Zeit in einer Inszenierung
wieder aufleben zu lassen, indem Du mich mit Kulissen, Requisiten und
Kostümen in diese Zeit entführst? Jemand wie mich, der Dir willig dahin
folgen würde? Die Begründung, das wäre nicht echt, als Grundlage dafür
zu benutzen, die Tosca von einem städtischen Linienbus überfahren zu
lassen, ist wesentlich mehr Lüge als alles andere.

> Es hängt mir ein wenig zum Halse heraus, diese Binsenweisheiten immer
> wieder verkünden zu müssen

Das glaube ich, und ich verstehe es auch.
Ich möchte einfach einwerfen, dass es mit der "Wahrheit" so eine Sache
ist. Insbesondere, wenn man sie immer wiederholen muss, damit sie nicht
durch die Binsen geht...


> nur weil sich der echte Opernfreund
> weigert, die zur Kenntnis zu nehmen

Jaaa Werner, ich mache das absichtlich. Mir gefällt das, Euch Modernen
so richtig aufzumischen. Ich freu mich schon die ganze Woche aufs
Wochenende.


> und wenigstens mal zu durchdenken.
> Wenn bei diesem Durchdenken dann noch ein qualifiziertes Gegenargument
> herauskäme, wäre das mal ein echtes Ereignis.

Und nun kann ich Dir Dein Statement ungeschminkt zurückspiegeln.
Gegenargumente gibt es genug. Den Unsinn zum Beispiel, dass das Bild
offensichtlich nicht mehr zum gesungenen Text passt. Aber was das
anbelangt, höre ich ja auch nicht wirklich was innovativ Neues oder
Ueberzeugendes. Der ewige Hinweis auf die "Binsenwahrheit", dass altes
Theater in heutiger Zeit gar nicht möglich sei, zeugt ebenso wenig von
einer lebendigen und mutigen Auseinandersetzung mit Argumenten.


> Und zwar eines, das in
> meiner bisherigen (inzwischen immerhin mehr als 20-jährigen) Laufbahn
> noch nicht eingetreten ist.

Ein entmutigendes Fazit einer doch beachtlichen Laufbahn.
(Lieber Peter: Das war es, was ich gemeint habe. Früher oder später
landet man immer an diesem Punkt, jedes Mal. Das ist auch der Grund,
warum ich dieser Diskussion - bis auf wenige Ausnahmen wie dieser hier -
aus dem Weg gehe.)


--
Roger
Dürfen darf man alles - man muss es nur können.
(Kurt Tucholsky)

Roger Pellaton

unread,
Mar 10, 2007, 7:11:41 AM3/10/07
to
Lieber Peter


> Wenn ich unter einer Regiearbeit eine kunstgewerbliche Tätigkeit sehe,
> die nur der Reproduktion eines schon vorgefertigten Musters dient,
> dann wird man jede Abweichung vom Muster als Produktionsfehler sehen.

Das ist mir zu einfach.
Ja verdammt, Mozarts Zauberflöte IST die Reproduktion eines
vorgefertigten Musters. Er schreibt das Vogelfängerlied nämlich in
G-Dur. Und da solls auch bleiben, weil es so seinen Sinn hat. Warum
sollte also der Papageno plötzlich in Cis-Dur singen? Und warum sollten
die Streicher plötzlich durch Bostitch, Gartenschlauch und Giesskanne
ersetzt werden? Weil es dann vielleicht nicht mehr Mozart ist?

Nun, beim Baum, an dem sich Papageno dann etwas später zu erhängen
beabsichtigt, lässt mans dann etwas lockerer angehen. Bäume hab ich
schon länger nicht mehr gesehen in dieser Szene. Dafür eine Menge
anderer kruder Einfälle, die vom hehren Ansinnen des Regisseurs Zeugnis
ablegen, sich ja auch möglichst künstlerisch und vor allem eigenständig
von seinen Vorgängern abzuheben. Manchmal hab ich den Eindruck, bei
einer Neuinszenierung wird die Frage "Was macht Sinn?" ersetzt durch
"Was hat noch keiner gemacht vor mir?"
Aber völlig wurscht, worunter Papageno dann später steht, er singt
natürlich immer noch "Diesen Baum da will ich zieren..."
Und falls mich das stört, kann man mich immer noch als verknöcherten
Traditionalisten abtun, der sich in seiner musealen Sturheit weigert,
etwas Neues anzunehmen.


> Sieht man aber unter einer Regiearbeit eine eigenständige
> künstlerische Leistung, so muss man sie erst im Gesamt erfassen, um
> dann bestimmte Einzelheiten klären zu können.

Aber sicher doch.
Und weil dieses "im Gesamt erfassen" so viel Zeit und Kraft in Anspruch
nimmt, und ausserdem mittlerweile ziemlich offensichtlich einem
Kleinstbestandteil des Publikums vorbehalten bleibt (resp. bleiben
soll), tut es uns unendlich leid, dass wir Sie mit unserem Konzept nicht
haben erreichen können. Versuchen Sie's doch demnächst mit Otello in der
Nazizeit, oder der Tosca im bolivianischen Schlachthaus.

> Ich muss ja auch die
> ganze Zauberflöte kennen, um die drei Akkorde am Anfang der Ouvertüre
> zuordnen zu können, um ein einfaches Beispiel zu nennen.

Aber warum gleich ein Beispiel, das an allen 4 Beinen hinkt?
Ich muss weder die gesamte Oper, noch den freimaurerischen Hintergrund
der Oper kennen, geschweige denn verstehen, um die drei Akkorde der Oper
wieder zu erkennen, oder zu geniessen (sofern mich letzteres nicht
ohnehin gleich disqualifiziert).

> Ich meine, dass Grundsatzdebatten immer etwas bringen können, wenn man
> nicht bei ihnen stehen bleibt, sondern die Ergebnisse auch an einer
> aktuellen Inszenierung überprüft. Aber auf die Inszenierung gleich mit
> den langen Baulatten der Grundsätze einzuschlagen, scheint mir eher
> nicht angebracht.

Ich verstehe, was Du meinst.
Aber irgendwie geht mir dabei der Genuss etwas verloren. Ich gehe doch
nicht in die Oper, um Wertesysteme zu hinterfragen, Grundsatzdebatten zu
führen oder Ergebnisse einer aktuellen Inszenierung zu überprüfen. Und
ich glaube, an genau diesem zentralen Punkt unterscheiden wir uns derart
deutlich, dass wir uns kaum in der Mitte treffen werden, selbst wenn man
die Mitte seeehr flexibel in einer der beiden Richtungen verlagern
würde. ;-)

> Ja, und Geschmacksurteil und Kunsturteil muss man schon unterscheiden
> können

Kann ich, ist ganz einfach.
Bei den letzten 10 Inszenierungen dieser Art handelte es sich um ganz
grosse Kunst, die leider nicht meinem Geschmack entsprach.
Was bei konsequenter Anwendung dazu führen wird, dass moderne
Inszenierungen ganz generell nicht meinem Geschmack entsprechen. Aber
soweit bin ich glücklicherweise noch nicht ganz.

Demnächst hat Rossinis Italienerin hier in Basel Premiere. Ob das dann
vielleicht was ist für mich? Für jemand eher einfach Gestrickten, der
Rossinis Musik mag, der Geschichte folgen und sie verstehen möchte, ohne
unbedingt belehrt, bekehrt oder sonstwie bevormundet zu werden?

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 10:30:55 AM3/10/07
to
usenet_...@freesurf.ch (Roger Pellaton) writes:

> Werner Hintze <use...@floridante.de> wrote:
>
>
>> Weil sie nicht dazu gedacht sind, buchstäblich befolgt zu werden.
>
> Aber bei der Musik gilt das nicht, richtig? Noten müssen so gespielt
> werden wie notiert, weil sie, ganz im Gegensatz zu Text oder Geschichte,
> in einem grösseren Kontext eingebunden und abgeändert sofort das grosse
> Ganze zerstören würden?

Ist das so? Welcher Interpret der Noten versteht sich als einfachen
Umsetzer? Ein Midi-Programm spielt die Noten genau so wie sie notiert
werden, alle anderen verändern vieles und tun vieles hinzu.

Und auch Eingriffe gibt es: Wiederholungen werden gespielt oder
weggelassen; ein Ton wird abgeändert, weil das moderne Instrument ihn
anders als das alte anspielen kann; dynamische Vorschriften oder
Tempo-Angaben werden unterschiedlich interpretiert. Nicht einmal
HIP-Interpreten (jedenfalls nicht die auf die es mir ankommt)
behaupten, sie würden "genau so spielen wie zur Zeit des Komponisten"
oder "genau so spielen wie es der Komponist gemeint hat".

Glenn Gould sollte also nicht "Bach" auf seine CDs drauf schreiben,
sondern nur "Glenn Gould"? Ich sage: es würde dieser Diskussion sehr
gut tun, wenn die Inszenierung wirklich einmal genauso beurteilt würde
wie die musikalische Interpretation.

[...]


>> Weil Theater eine
>> gegenwärtige Kunst ist und es keinen Sinn hat, das Theater vergangener
>> Zeiten zu kopieren.
>
> Das halte ich für zumindest auf einem Auge blind.
> In einem Theaterstück, wie auch in einer Oper, steht für mich immer noch
> die Geschichte an erster Stelle. Die Regie dient der Geschichte, und
> nicht umgekehrt. Wenn eine Geschichte aus dem alten China erzählt wird,
> dann spielt diese Geschichte immer noch im alten China, auch wenn sie
> heute erzählt wird.

Glucks "Chinesinnen" spielen z.B. in Wirklichkeit *nicht* im alten
China. Wenn Du sie im alten China spielen lässt, dann *verfälschst* Du
die Geschichte.

[...]


>> Weil die Kopie des alten Theaters, wenn sie heute
>> gespielt wird, heutiges Theater ist, das seinen Zuschauern vorlügt,
>> dass es altes sei.
>
> Da hältst Du Dein Publikum aber für sehr beschränkt.

Er hat nicht behauptet, dass das Publikum diese Lüge nicht
durchschauen würde.

> Selbst einem sturen Traditionalisten wie mir ist klar, dass man "altes"
> Theater nicht eins zu eins auf eine heutige Bühne bringen kann. Aber
> Tosca springt nun mal von den Zinnen der Engelsburg.

Und das es Zinnen sind und dass die Burg "Engelsburg" heißt ist das
Wichtigste an der "Tosca"? Danke für die Warnung. Die Tosca kenne ich
bisher noch nicht wirklich, aber wenn die Handlung, wie Du
implizierst, ohne solche Äußerlichkeiten keinen Gehalt mehr hat, dann
werde ich mir solchen Schund auch nicht antun.

> Ja, das ist eine alte Geschichte, aus einer Zeit, da die Engelsburg
> noch kein Touristen-Spot war. Willst Du mir ernsthaft erklären, dass
> Du Dich als Dramaturg ausserstande siehst, diese alte Zeit in einer
> Inszenierung wieder aufleben zu lassen, indem Du mich mit Kulissen,
> Requisiten und Kostümen in diese Zeit entführst?

Als ob es die Aufgabe von Theater wäre, die "alte Zeit [...] wieder
aufleben zu lassen"! (Und was für eine angeblich "alte Zeit" das
wäre!)

[...]


> (Lieber Peter: Das war es, was ich gemeint habe. Früher oder später
> landet man immer an diesem Punkt, jedes Mal. Das ist auch der Grund,
> warum ich dieser Diskussion - bis auf wenige Ausnahmen wie dieser hier -
> aus dem Weg gehe.)

Ja, schade. Zuerst hatte ich geglaubt, man könne mit Dir einfach
einmal über die Qualität *dieser* Inszenierung für sich diskutieren.
Nun ist es doch wieder dieselbe Sauce.

Oliver
--
20 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 11:01:17 AM3/10/07
to
usenet_...@freesurf.ch (Roger Pellaton) writes:

[...]


> um die drei Akkorde der Oper wieder zu erkennen, oder zu geniessen
> (sofern mich letzteres nicht ohnehin gleich disqualifiziert).

Das mit dem "Genießen", das so oft vorkommt, geht mir in diesem
Zusammenhang ebenso auf die Nerven, wie das Schielen darauf, was *das*
Publikum angeblich eigentlich wolle.

Natürlich genieße ich auch. Ich schwelge in Tönen und berausche mich
am Kunst-Erlebnis. Oh ... aber im letzteren liegt schon eine ganze
Welt, die nicht mehr in erster Linie etwas mit dem Genuß zu tun hat.

Genießen hat etwas mit Geschmack zu tun. Der hat bei Kunst seinen
Platz, aber der Platz ist nicht der des Vorsitzenden. Ich habe
kürzlich, an einem sehr schläfrigen Wochenende, mehrere Folgen von
"Xena, warrior princess" mit großem Genuss gesehen (ja, ich bin ein
bisschen verrückt). Ich habe kürzlich mit großem Genuss ein Ragout mit
Kaninchen-Leber gegessen. Ich habe mich vor zwei Wochen mit großem
Genuss an Grog betrunken. Aber das alles sind Genüsse von gänzlich
anderer Art als der Genuss beim Hören und Sehen der Zauberflöte.

Ich gehe in erster Linie in die Oper, weil mein Leben nach der
Auseinandersetzung mit einer gelungenen Interpretation ein kleines
bisschen reicher und tiefer geworden ist. Das ist dann in der Folge
auch ein Genuß, aber das ist wahrhaftig nicht das erste, was mir
einfällt. Ja, so stark und überwältigend der Genuß auch sein mag, er
ist gegenüber der ästhetischen Erfahrung ebenso nebensächlich, wie die
eingeschlafenen Beine auf den unbequemen Sitzen.

Ich finde es deshalb ausgesprochen *bizarr*, wenn in diesem
Zusammenhang mit "Genuß" argumentiert wird. Als ginge es um
Kaninchenragout oder Grog. Und zwar wohlgemerkt nicht, weil ich nicht
auch genießen würde.

"Wo das Denken dem Fühlen im Weg steht, ist beides unterentwickelt."
(Helmut Lachenmann)

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 11:22:44 AM3/10/07
to
Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:

> Oliver Scholz schrieb:
>
>> Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:
>>
>> [...]
>>
>>>Gut zu lesen - wo ich mich das ganze Stück hindurch gefragt habe, ob
>>>Kušej ein Pseudonym von Eco ist-?
>>
>>
>> Ich weiß, was Du meinst; aber wenn sich Umberto Eco hinter dem Namen
>> Kušej versteckte, dann hätte er im Stück jede Gelegenheit genutzt, uns
>> ins Gesicht zu grinsen, ob wir auch ja merken, was für ein unglaublich
>> schlauer, unglaublich belesener Semiotik-Professor er ist.

[...]
> Du meinst also... Unglaublich!

Neien, nein. Ich wollte nur sagen: ich verstehe den Eindruck sehr gut.
Tatsächlich lese ich ihn als Bestätigung. Das andere war nur ein
Seitenhieb, den ich mir nicht ganz verkneifen konnte; denn bei aller
Achtung ihm gegenüber, hat Eco auch ein paar Eigenheiten, die mir ein
wenig auf die Nerven gehen. Aber dass Tamino durch die Welt der
Zauberflöte stolpert, wie K. durch die des Schlosses, erinnert mich an
Kafka. Die Ironie und Komik dabei an den von mir sehr verehrten
Calvino.

> Ob er schlau, belesen und Professor ist, soll mal Nebensache sein;
> aber der Typ hats doch tatsächlich geschafft mich 3 Stunden lang, über
> beide Backen feixend, vor die Glotze zu fesseln.

Das verstehe ich sehr gut; beides, das Fesseln wie das Feixen.


Oliver
--
20 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 11:37:17 AM3/10/07
to
Oliver Scholz <alkib...@gmx.de> writes:

[...]


> Ich finde es deshalb ausgesprochen *bizarr*, wenn in diesem
> Zusammenhang mit "Genuß" argumentiert wird. Als ginge es um
> Kaninchenragout oder Grog. Und zwar wohlgemerkt nicht, weil ich nicht
> auch genießen würde.

Nachtrag: wenn ich mir den Schund anschaue, für den einige hier
argumentieren -- wenigstens dem Anschein nach, falls das ungerecht
sein sollte, bitte ich um explizite Abgrenzung -- dann steht das
*meinem* Genuss ausgesprochen im Wege. Z.B. habe ich mir tatsächlich
einmal diese Einspielung der Meistersinger angetan.

http://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/hnum/3346204/rk/classic/rsk/hitlist

Und ich fand's abgeschmackt. Ich kann also durchaus sagen: es geht mir
hier auch um *meinen* Genuss, weil *das* kann ich wahrhaftig nicht
genießen.

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 11:50:55 AM3/10/07
to
Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:

> Oliver Scholz schrieb:
>
>> Wolfgang Weber <Wo-W...@t-online.de> writes:
>>
>> [...]
>>
>>>Gut zu lesen - wo ich mich das ganze Stück hindurch gefragt habe, ob
>>>Kušej ein Pseudonym von Eco ist-?
>>
>>
>> Ich weiß, was Du meinst; aber wenn sich Umberto Eco hinter dem Namen
>> Kušej versteckte, dann hätte er im Stück jede Gelegenheit genutzt, uns
>> ins Gesicht zu grinsen, ob wir auch ja merken, was für ein unglaublich
>> schlauer, unglaublich belesener Semiotik-Professor er ist.

[...]
> Du meinst also... Unglaublich!

Neien, nein. Ich wollte nur sagen: ich verstehe den Eindruck sehr gut.
Tatsächlich lese ich ihn als Bestätigung. Das andere war nur ein
Seitenhieb, den ich mir nicht ganz verkneifen konnte; denn bei aller
Achtung ihm gegenüber, hat Eco auch ein paar Eigenheiten, die mir ein

wenig auf die Nerven gehen. (Eco ist oder war Professor für Semiotik
und als solcher früher berühmt denn als Romancier.) Aber dass Tamino


durch die Welt der Zauberflöte stolpert, wie K. durch die des
Schlosses, erinnert mich an Kafka. Die Ironie und Komik dabei an den
von mir sehr verehrten Calvino.

> Ob er schlau, belesen und Professor ist, soll mal Nebensache sein;


> aber der Typ hats doch tatsächlich geschafft mich 3 Stunden lang, über
> beide Backen feixend, vor die Glotze zu fesseln.

Das verstehe ich sehr gut; beides, das Fesseln wie das Feixen.


Oliver
--
20 Ventôse an 215 de la Révolution
Liberté, Egalité, Fraternité!

Werner Hintze

unread,
Mar 10, 2007, 12:02:02 PM3/10/07
to
On Sat, 10 Mar 2007 13:11:42 +0100, usenet_...@freesurf.ch (Roger
Pellaton) wrote:

>Aber bei der Musik gilt das nicht, richtig? Noten müssen so gespielt
>werden wie notiert, weil sie, ganz im Gegensatz zu Text oder Geschichte,
>in einem grösseren Kontext eingebunden und abgeändert sofort das grosse
>Ganze zerstören würden?

Noten *können* gar nicht gespielt werden, wie sie notiert sind. Das
tut auch niemand. Die Notation ist vielzu unvollkommen, als dass sie
wirklich alles vorgeben könnte. (Ob dies ein Fehler ist, sei
dahingestellt.)

>Das halte ich für zumindest auf einem Auge blind.
>In einem Theaterstück, wie auch in einer Oper, steht für mich immer noch
>die Geschichte an erster Stelle.

Richtig. Die Geschichte, die auf dem Theater erzählt wird.

>Die Regie dient der Geschichte, und
>nicht umgekehrt.

Unsinn. Dient der Maler seinem Bild, der Komponist seiner Sonate?

>Wenn eine Geschichte aus dem alten China erzählt wird,
>dann spielt diese Geschichte immer noch im alten China, auch wenn sie
>heute erzählt wird.

Verstehe ich nicht. "Aida" spielt im alten Ägypten (oder besser: In
einem Phantasieland, das uns als altes Ägypten serviert wird). Aber in
erster Linie spielt ein Stück auf der Bühne. Wir reisen keineswegs ins
alte Ägypten (und würde das in "Aida" gezeigte Land auch nicht finden,
egal an welche Ort oder an welche Zeit wir reisen). Ob ich nun
Pyramiden oder Küchenstühle hinstelle, ändert an der Substanz der
Sache erst einmal gar nichts. Wenn ich nicht frage *warum* das Stück
in diesem Phantasie-Ägypten angesiedelt ist, kann ich so viele
Pyramiden und Elefanten auf die Bühne bringen, wie ich will, die
Substanz wird nicht da sein. Wenn ich aber danach frage, kann sich
durchaus herausstellen, dass diese Substanz *heute* und *an diesem
Ort* in *dieser speziellen Situation* mit zwei Küchenstühlen besser
darzustellen ist.

Was soll daran falsch sein, die Vorlagen auf ihre Substanz zu
befragen?

>Ich halte
>Regisseure und Dramaturgen für masslos überschätzt.

Au! Der Schlag hat aber gesessen!


Werner Hintze
--
Zum Senden einer Mail bitte vor dem "at"
eine 4 hinzufügen!

Andreas Eibach

unread,
Mar 10, 2007, 12:35:56 PM3/10/07
to

"Roger Pellaton" <usenet_...@freesurf.ch> wrote:
> Manchmal hab ich den Eindruck, bei
> einer Neuinszenierung wird die Frage "Was macht Sinn?" ersetzt durch
> "Was hat noch keiner gemacht vor mir?"

Bingo. Und genau das meinte ich mit "an den Haaren herbeigezogen".
Sehr frei nach Bastian Sick: "Wenn der Bezug nicht hergestellt werden
kann, wird der Bezug eben erschaffen. Notfalls wird Papageno das
betreffende Neo-Requisit mit Gewalt vor die Füße geknallt."

-Andreas

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 1:04:51 PM3/10/07
to
usenet_...@freesurf.ch (Roger Pellaton) writes:

[...]


> Manchmal hab ich den Eindruck, bei einer Neuinszenierung wird die
> Frage "Was macht Sinn?" ersetzt durch "Was hat noch keiner gemacht
> vor mir?"

Den Eindruck habe ich manchmal auch. Wenn es nur das ist, dann ist es
Mist. Es gibt auf den Bühnen dieser Republik auch Moden und
Konventionen. In den 80ern war es in Mode, alle Möglichen in
SS-Uniformen auftreten zu lassen. Nicht dass dies nicht auch Sinn
machen könnte, aber oft genug war es bloße Konvention. Und heute ist
es wohl Mode, bei jedem Duett mit einem erotischen Unterton, dem
Publikum diesen Unterton gleich mit dem Holzhammer beizubringen, indem
man die Beteiligten sich in Andeutung des Geschlechtsaktes auf dem
Boden herumwälzen lässt. (Selbst die von mir geschätzte
Kušej-Inszenierung gibt dieser Versuchung an einer Stelle nach; zum
Glück aber nur an einer Stelle.) Das sind Moden und Konventionen.

Und das ist der Grund, weshalb diese elende Debatte "Regietheater" vs.
"Zum Weißen Rössl" so schräg ist. Der wahre Gegensatz ist:
künstlerisch-gehaltvolles Musiktheater vs. Konventionalismus. Unter
das Verdikt des Letzteren fallen die Moden des angeblichen
"Traditionalismus" ebenso wie die Moden des angeblichen
"Regietheaters".

Deshalb ist diese Debatte schlicht und ergreifend in schlechter Weise
abstrakt. Das ist alles in Wahrheit keine Frage abstrakter Kriterien,
sondern eine Frage des Gehaltes jeder konkreten Inszenierung für sich.
"Kommen da auch ja Uniformen vor?" ist ein ebenso schlecht-abstraktes
Kriterium wie "Kommen da auch ja *keine* Uniformen vor?" Beides
verfehlt die Sache.

> Aber völlig wurscht, worunter Papageno dann später steht, er singt
> natürlich immer noch "Diesen Baum da will ich zieren..." Und falls
> mich das stört, kann man mich immer noch als verknöcherten
> Traditionalisten abtun, der sich in seiner musealen Sturheit
> weigert, etwas Neues anzunehmen.

Das hat mit Tradition so wenig zu tun mit Konservativität. Wer sich
auf eine Tradition beruft, erklärt mindestens implizit auch immer,
worin die ihrem Wesen nach besteht. Und da sehe ich die Dinge
*wahrhaftig* ganz anders.

Vielleicht ist es nämlich auch einfach ein bisschen egal, ob das ein
Baum ist, oder nicht. Vielleicht ist nämlich wesentlich wichtiger, wie
Papageno im Zusammenhang des Geschehens aufgefasst wird. Und ob dieses
Geschehen Sinn macht. Das prüfe *ich* ab, und nicht, ob der "Baum"
auch wirklich ein Baum ist; mir scheint nämlich die Tatsache ein wenig
nebensächlich, dass Papageno seinen Freitod mittels eines Exemplars
einer Pflanzensorte initiiern will, die von der Encyclopaedia
Britannica wie folgt characterisiert wird: "most plants classified as
trees have a single self-supporting trunk containing woody tissues,
and in most species the trunk produces secondary limbs, called
branches."

Wenn natürlich die botanische Dimension als die hauptsächliche
betrachtet wird, dann prüft man zurecht, ob da auch wirklich ein Baum
zum Aufhängen genommen wird. Aber ich bin der Ansicht, dass z.B. die
Tatsache des Freitods und die Tatsache der Erlösung durch die drei
Knaben *wesentlich* wichtiger ist; und dass ferner eine Inszenierung,
die Papageno zum harm- und bedeutungslosen Clown macht, auch dadurch
nicht zu retten ist, dass sie einen Baum aufstellt, und nicht z.B. ein
Stück braun und grün bemalter Pappe.

>> Sieht man aber unter einer Regiearbeit eine eigenständige
>> künstlerische Leistung, so muss man sie erst im Gesamt erfassen, um
>> dann bestimmte Einzelheiten klären zu können.
>
> Aber sicher doch.
> Und weil dieses "im Gesamt erfassen" so viel Zeit und Kraft in Anspruch
> nimmt, und ausserdem mittlerweile ziemlich offensichtlich einem
> Kleinstbestandteil des Publikums vorbehalten bleibt (resp. bleiben
> soll)

Ja? *Du* unterschätzt das Publikum.

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 1:16:01 PM3/10/07
to
Werner Hintze <use...@floridante.de> writes:

[...]


> Wenn ich nicht frage *warum* das Stück in diesem Phantasie-Ägypten
> angesiedelt ist, kann ich so viele Pyramiden und Elefanten auf die
> Bühne bringen, wie ich will, die Substanz wird nicht da sein. Wenn
> ich aber danach frage, kann sich durchaus herausstellen, dass diese
> Substanz *heute* und *an diesem Ort* in *dieser speziellen
> Situation* mit zwei Küchenstühlen besser darzustellen ist.
>
> Was soll daran falsch sein, die Vorlagen auf ihre Substanz zu
> befragen?

Bravo! Du sprichst mir aus der Seele.

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 1:24:42 PM3/10/07
to
Werner Hintze <use...@floridante.de> writes:

[...]


> Wenn ich nicht frage *warum* das Stück in diesem Phantasie-Ägypten
> angesiedelt ist, kann ich so viele Pyramiden und Elefanten auf die
> Bühne bringen, wie ich will, die Substanz wird nicht da sein. Wenn
> ich aber danach frage, kann sich durchaus herausstellen, dass diese
> Substanz *heute* und *an diesem Ort* in *dieser speziellen
> Situation* mit zwei Küchenstühlen besser darzustellen ist.

Bravo! Du sprichst mir aus der Seele.

> Was soll daran falsch sein, die Vorlagen auf ihre Substanz zu
> befragen?

Schon, weil dieses Befragen davon ausgeht, dass die Vorlagen auch
tatsächlich eine Substanz *haben*.

Peter Brixius

unread,
Mar 10, 2007, 2:28:41 PM3/10/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 06:54:28 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>
>"Werner Hintze" <use...@floridante.de> schrieb im Newsbeitrag
>news:m2tru2p04c9asqkop...@4ax.com...
>> On Tue, 06 Mar 2007 12:20:19 +0100, Marianne Bialojahn
>> <mb.sp...@justmail.de> wrote:
>>
>>>Die Frage zum Libretto: Von wem stammt die Regieanweisung?
>>
>> Aller Wahrscheinlichkeit nach
>> wird sie vom Autor des Librettos sein, wie alle anderen Texte und
>> Regieanweisungen.

>und warum richtet man sich nicht danach?

Sinn machen die Regieanweisungen vielleicht noch für die Uraufführung.
Ansonsten sind sie von Interesse für den Historiker. Natürlich werden
sie - wie eben auch die Aufführungstradition - auch bei späteren
Aufführungen zur Kenntnis genommen.

>Der gesungene Text wird doch auch
>in modernen Inszenierungen beibehalten.

In der Regel schon (im Unterschied zu der Mehrzahl von traditionellen
Aufführungen. Wenn ich da etwa an die Karajan-Einspielung der Lucia
denke, wo ich dann im Klavierauszug richtig ins Suchen kam. Vor kurzem
habe ich meine Probleme mit der Mackerras-Einspielung von "Giulio
Cesare" erzählt. Inzwischen habe ich die Rudel-Einspielung zur
Kenntnis genommen. Da wird noch wesentlich freier mit dem Notentext
verfahren - halt eine traditionelle Aufführung der Met. Ich fürchte,
die Vertreter von traditionellen Opernaufführungen rufen da "Haltet
den Dieb", ohne sich zu vergewissern, wie es bei den hochgelobten
Einspielungen aus der Vergangenheit aussah).

>Dann müsste man den
>konsequenterweise ebenso ändern wie die Regieanweisungen.
>Das ist wohl der Knackpunkt;-)
>
Jede Aufführung muss sich einer Vielzahl von Entscheidungen stellen
(wie in der Rudeleinspielung Giulio und Telemeo von Bassisten gesungen
werden!), die sich z.T. zu einer Aufführungstradition verhalten, z.T.
eben auch wieder neue Wege vorbereiten.

Als Schallplattenfreund wird es einen ärgern, dass die einzig
greifbare Einspielung von "Echo et Narcisse" (unter Jacobs) ein
Mitschnitt einer Aufführung bei den Schwetzinger Festspielen ist - und
erhebliche Eingriffe in den Notentext beinhaltet. Aber eine Aufführung
auf dem Theater (und ihre Dokumentation auf der Schallplatte/CD) ist
eben etwas anderes als ein philologischer Dienst an einem
Plattenfreund :-)

Peter Brixius

unread,
Mar 10, 2007, 2:37:07 PM3/10/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 09:13:42 +0100, "Dieter Göbel"
<D-Go...@t-online.de> wrote:

>Das ist alles richtig bis auf dieses: Es wird die notierte Musik gespielt

Das stimmt - wie du weißt - ja so einfach nicht. Dafür ist die
Notation zu "grob" - und bedarf einer Interpretatioen. Wenn du
ernsthaft dieser Meinung wärest, dann müsstet du all die Aufnahmen,
die mit Klavier statt (notiertem) Cembalo oder Hammerklavier gespielt
werden, sofort auf die Müllhalde werfen, aber ...

>und ebenso das Libretto und beides gehört in die Zeit, in der sie entstanden
>sind.

... es spielt eben nicht nur die Zeit der Entstehung sondern auch die
Zeit der Aufführung (und ihr Publikum) eine gewichtige Rolle.

>Insofern meine ich inkonsequent;-)
>
Tja, wir haben anscheinend alle so unsere Inkonsequenzen :-)

Peter Brixius

unread,
Mar 10, 2007, 2:42:46 PM3/10/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 18:40:42 +0100, "Andreas Eibach" <aei...@mail.com>
wrote:

>>>Was ich meinte waren natürlich _Proben_! :)
>>>
>> Wovon?
>Orchester + Dirigent, ggf. incl. Generalprobe, was auch immer.
>Die könnten doch bei den Proben u. U. mitgeschnitten haben.
>Zumindest gibt's das bei einigen US-Produktionen, da sind solche
>"rehearsals" gerne als Special auf die DVD gepackt.
>Damit die DVD auch ein Special hat. ;)
>
Das wäre auf jeden Fall mal eine gute Idee.

Peter Brixius

unread,
Mar 10, 2007, 2:48:24 PM3/10/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 18:52:43 +0100, "Andreas Eibach" <aei...@mail.com>
wrote:

>Also, wenn es eine hervorragende Inszenierung von 1978 gibt, und die
>nach 20 Jahren mal wieder neu aufgeführt wird - meist mit völlig anderer
>Besetzung, oft auch mit kleinen Modifikationen - dann doch bitte lieber
>das, als eine an den Haaren herbeigezogene sogenannte Neuinszenierung!
>
Wenn du das so schreibst, gibt es sowieso keine Alternative :-) Es mag
die eine oder andere Inszenierung geben, die sich auch nach längerer
Zeit so wiederholen lässt, aber in der Regel ist das kein Zeichen von
Qualität, sondern von gediegener Mittelmäßigkeit. Wenn ich etwa die
"Fidelio"-Inszenierung von Felsenstein nehme, eine der großen
Inszenierungen des Fidelio, so ist sie so groß, weil sie auch soviel
an der (damaligen) Gegenwart in sich trägt. Selbst in Bayreuth denkt
niemand daran, die maßstablichen Inszenierungen von Wieland Wagner zu
wiederholen.

Nein, ich behaupte, nur Mittelmaß lässt sich in der von dir genannten
Art reproduzieren.

Oliver Scholz

unread,
Mar 10, 2007, 3:32:12 PM3/10/07
to
Peter Brixius <peter....@onlinehome.de> writes:

[...]


> In der Regel schon (im Unterschied zu der Mehrzahl von traditionellen
> Aufführungen. Wenn ich da etwa an die Karajan-Einspielung der Lucia
> denke, wo ich dann im Klavierauszug richtig ins Suchen kam. Vor kurzem
> habe ich meine Probleme mit der Mackerras-Einspielung von "Giulio
> Cesare" erzählt. Inzwischen habe ich die Rudel-Einspielung zur
> Kenntnis genommen. Da wird noch wesentlich freier mit dem Notentext
> verfahren - halt eine traditionelle Aufführung der Met. Ich fürchte,
> die Vertreter von traditionellen Opernaufführungen rufen da "Haltet
> den Dieb", ohne sich zu vergewissern, wie es bei den hochgelobten
> Einspielungen aus der Vergangenheit aussah).

Ich weigere mich, "traditionell" als Bezeichnung für den erklärten
Konventionalismus zu akzeptieren. Ich bin nämlich entschieden
Traditionalist! Allerdings gibt es wohl einen Streit darum, was das
Wesen der Großen Tradition ausmacht. Ich sehe es jedenfalls nicht
darin, dass die großen Opern den Zuschauer *bloß* unterhalten wollten,
ihn "in eine andere Zeit entführen" und ihn für einen Augenblick "die
Sorgen des Alltags vergessen lassen" wollten. Oder ähnlichen
kulturindustriellen Schmuh. Ich sehe darin nichts Traditionelles,
vielmehr scheint mir das nahtlos in die heutige Entertainment- und
Spaß-Gesellschaft hinein zu passen. Ich sehe in der Tradition vor
allem die künstlerische Radikalität eines Mozart, den Ausdruckswillen,
das Transzendieren vorgefundener Formen und die Auseinandersetzung mit
Zeit und Menschen. Und ich bin der Ansicht, dass dies eine Tradition
ist, die auch uns Heutigen noch viel zu sagen hat; und die nicht bloß
für das bewusstlose und geistfeindliche Amüsement dienstbar gemacht
werden darf.

(Ja, ich bin verärgert.)

[...]


> Als Schallplattenfreund wird es einen ärgern, dass die einzig
> greifbare Einspielung von "Echo et Narcisse" (unter Jacobs) ein
> Mitschnitt einer Aufführung bei den Schwetzinger Festspielen ist - und
> erhebliche Eingriffe in den Notentext beinhaltet. Aber eine Aufführung
> auf dem Theater (und ihre Dokumentation auf der Schallplatte/CD) ist
> eben etwas anderes als ein philologischer Dienst an einem
> Plattenfreund :-)

Ja, Jacobs ist recht zuverlässig darin, gegen den Buchstaben des
Werkes zu verstoßen, um das ans Licht zu bringen, was er begründet --
manchmal besser und manchmal schlechter -- als den *Geist* des Werkes
ausmacht. Dafür schätze ich ihn. Vor einiger Zeit hatte ich ihn ja
auch zugleich gelobt und getadelt, dass er genau so mit meiner
Lieblingsoper umspringt. Schlecht sind solche Eingriffe nur dann, wenn
sie bloßer Konvention entspringen und nicht, wie bei Jacobs, das
Ergebnis einer künstlerischen Auseinandersetzung sind.

Schade ist es natürlich, wenn dies die einzige Einspielung ist. Aber
vielleicht erbarmt sich Minkowski ja irgendwann. :-)

Peter Brixius

unread,
Mar 10, 2007, 3:33:07 PM3/10/07
to
On Wed, 7 Mar 2007 19:24:44 +0100, spam-or...@gmx.de (Manfred
Russ) wrote:

>Zudem werden teilweise schon leichte Textänderungen vorgenommen. Zum
>Beispiel bei der Dresdner Inszenierung von Hänsel & Gretel.
>
>Ok, man wollte sich wohl dem Zielpublikum anpassen (Kinderoper, weil 2
>oder 3 Kinderlieder drin vorkommen), wobei ich Hänsel und Gretel
>allerdings _nicht_ für eine Kinderoper halte.
>
Sie ist zumindest vom Komponisten als eine solche konzipiert worden.
Adelheid Wette klassifizierte sie als "Kinderstuben-Weihfestspiel".
Ursprünglich (Urfassung mit wenigen Lieder -> Singspiel) ist sie wohl
auf für die Aufführung für Kinder geschrieben worden, mit der
auskomponierten Fassung für ein Wagner-Orchester war die Entscheidung
für erwachsene Sänger gefallen.

Selbst wenn es denn eine Kinderoper ist, braucht sie nicht als
Kinderoper aufgeführt zu werden (wie eben auch die "Zauberflöte" als
Kinderoper aufgeführt werden kann).

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