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Wer kennt diesen Liedanfang?

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Birte Müller

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Aug 10, 2001, 11:52:44 AM8/10/01
to
Hallo zusammen,

weiß einer von Euch, woher diese Liedzeilen stammen?

"Meine Herren mit 17 Jahren, kam ich auf den Liebesmarkt und ich habe
viel erfahren. Böses gab es viel, doch das war das Spiel, aber manches
hab ich doch verargt. (Refrain): Gott sei Dank geht alles schnell
vorüber, auch die Liebe und der Kummer sogar. Wo sind die Tränen von all
den Jahren? Wo ist der Schnee vom vergangenem Jahr? Wo sind die Tränen
von all den Jahren? Wo ist der Schnee vom vergangenem Jahr?"

Ich dachte eigenlcih, es sei aus der Drei-Groschen-Oper, aber auf der CD
ist dieses Lied nicht drauf...
Kann mir jemand weiterhelfen?

Danke,
Birte

Jens Richter

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Aug 10, 2001, 1:34:49 PM8/10/01
to
In article <3B74034C...@t-online.de>, "Birte Müller"
<Muelle...@t-online.de> wrote:

> Hallo zusammen,
>
> weiß einer von Euch, woher diese Liedzeilen stammen?

[Liedzeilen]

Das ist "Nanna's Lied", Text: B. Brecht, Musik: Kurt Weill
Lieben Gruß
Jens

Birte Müller

unread,
Aug 10, 2001, 1:22:19 PM8/10/01
to
Hallo Jens,

> Das ist "Nanna's Lied", Text: B. Brecht, Musik: Kurt Weill
> Lieben Gruß
> Jens

Weißt du denn auch, woraus das Lied ist? Doch Drei-Groschen-Oper???

Grüße,

Birte

Johannes Röhl

unread,
Aug 10, 2001, 3:17:28 PM8/10/01
to


es ist definitiv nichtaus der Dreigroschenoper; ich vermute, dass es nur so
als Klavierlied, oder (wahrscheinlicher) als Einlage für ein eigentlich
schon fertiges Bühnenwerk geschrieben wurde.
Laut meiner v.Otter-Aufnahme stammt es von 1939 (mehr steht leider nicht
dabei), was mich auch wundert, da Weill damals schon in den USA war,
also kaum noch deutsche Texte vertonte. Ein altes Konzert-
programm behauptet, es sei aus "Happy End", was aber auch nicht stimmt
(daraus stammen aber die besten Weill/Brecht -Lieder überhaupt, nämlich
"Surabaya Johnny" und der Matrosensong).
Aus "Mahagonny" ist es auch nicht.
"Silbersee" (nicht mit Brecht) kenne ich nicht, sonst weiss ich nicht,
was es noch für deutsche Stücke von ihnen gibt.


Johannes

--
__________________________________________________________
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Jens Richter

unread,
Aug 10, 2001, 4:21:17 PM8/10/01
to
In article <3B74184B...@t-online.de>, "Birte Müller"
<Muelle...@t-online.de> wrote:

Nein, es ist nicht aus der DGO. Es ist einfach ein Lied für Stimme
und Klavier. Weill hat mehrere Songs geschrieben, die nicht in der
Dreigroschenoper Verwendung fanden.
Grüße
Jens

Peter

unread,
Aug 10, 2001, 11:31:49 PM8/10/01
to Birte Müller
In dem "Kurt Weill - A Handbook - David Drew", sozusagen die "Bibel" ueber Werke von Kurt
Weill (ich weiss nicht ob dieses Buch auf deutsch uebersetzt wurde, aber ich empfehle es
sehr fuer alle Weill Enthusiasten), steht dass es "zwei" "Nanna's Lieder" gibt was ich
gleich bestaetigen kann denn ich habe CD Aufnahmen von beiden.

Das Kurt Weill "Nannas Lied" wurde in Suffern, New York, am 22. Dezember 1939 komponiert,
und ist Lotte Lenya gewidmet. Ich habe es auf CDs von Teresa Stratas und Ute Lemper.

Das "andere" "Nanna's Lied" wurde schon in 1936 von Hanns Eisler komponiert, nachdem das
Gedicht von Brecht in seinem Stueck "Die Rundkoepfe und die Spitzkoepfe" zuerst
eingefuehrt wurde. Ich habe diese Version auf einer CD auf englisch von Robyn Archer
gesungen.

Christian Panse

unread,
Aug 13, 2001, 3:17:51 AM8/13/01
to
Hallo Birte,

> weiß einer von Euch, woher diese Liedzeilen stammen?

Nachdem nun schon geklärt wurde, was es ist: Zu hören war das Stück in
den (vor)letzten jahren öfters auch von Tim Fischer, vielleicht geistert
es Dir in seiner Interpretation im Kopf rum?

Gruß,
Christian

Georg Commerell

unread,
Aug 13, 2001, 3:05:09 PM8/13/01
to
Hallo Johannes,

> Laut meiner v.Otter-Aufnahme stammt es von 1939 (mehr steht leider
> nicht dabei), was mich auch wundert, da Weill damals schon in den USA
> war, also kaum noch deutsche Texte vertonte.

Das ist schon korrekt. Brecht hat den Text nach New York geschickt und
Weill hat ihn dort vertont. Was dann daraus wurde, ist, so weit ich
weiss, unklar. Die Kurt-Weill-Foundation (http://www.kwf.org/) schreibt
auch nur: "First known performance: Whitney Museum of American Art, New
York; Teresa Stratas, soprano, Richard Woitach, piano, 4 January 1980."
(was nun wieder gar nicht meinem Geschmack in Bezug auf
Weill-Interpretationen entspricht).

Gruss
Georg

Peter

unread,
Aug 13, 2001, 4:36:17 PM8/13/01
to Georg Commerell
Georg Commerell wrote:

> Hallo Johannes,
>
> > Laut meiner v.Otter-Aufnahme stammt es von 1939 (mehr steht leider
> > nicht dabei), was mich auch wundert, da Weill damals schon in den USA
> > war, also kaum noch deutsche Texte vertonte.
>

In dem "Kurt Weill - A Handbook - David Drew", sozusagen die "Bibel" ueber Werke von Kurt

Johannes Röhl

unread,
Aug 14, 2001, 3:03:45 AM8/14/01
to


Ganz meiner Meinung; ich habe eine Stratas-CD (allerdings ohne dieses Lied),
die ganz fürchterlich ist. Da hilft es auch nichts, wenn das Beiheft behauptet,
die Lenya habe Stratas quasi als ihre Nachfolgerin gesehen. Die deutsche
Diktion ist einfach jenseits von Gut und Böse und ruiniert so alle deutschen
Songs komplett. Die Lemper ist nicht so schlecht und auch mit der v.Otter-CD
bin ich ganz zufrieden (obwohl die teils von der Kritik runtergemacht wurde)
Eine der besten Weill-Sängerinnnen, die ich je gehört habe, ist Hedwig Fass-
bänder; ich fürchte aber, die hat keine Plattenaufnahmen gemacht.

Burkhard Zohm

unread,
Aug 14, 2001, 4:42:21 AM8/14/01
to
Hallo Peter,

Peter schrieb:


> In dem "Kurt Weill - A Handbook - David Drew", sozusagen die "Bibel"
> ueber Werke von Kurt Weill (ich weiss nicht ob dieses Buch auf deutsch
> uebersetzt wurde, aber ich empfehle es sehr fuer alle Weill
> Enthusiasten), steht dass es "zwei" "Nanna's Lieder" gibt was ich
> gleich bestaetigen kann denn ich habe CD Aufnahmen von beiden.

> Das "andere" "Nanna's Lied" wurde schon in 1936 von Hanns Eisler
> komponiert, nachdem das Gedicht von Brecht in seinem Stueck "Die
> Rundkoepfe und die Spitzkoepfe" zuerst eingefuehrt wurde. Ich habe
> diese Version auf einer CD auf englisch von Robyn Archer gesungen.

Ich habe eine Aufnahme mit Gisela May (für Brecht-Eisler immer noch
meine Lieblingsinterpretin) und finde das Lied eigentlich besser als die
Fassung von Weill - weniger tragisch-romantisch, deshalb IMHO Brecht
angemessener.
Überhaupt gehören die Eisler-Lieder viel öfter aufgeführt. Die
Weill-Renaissance ist ja nun ganz gut im Rollen (jetzt sollte noch ein
bißchen mehr von den amerikanischen Sachen aufgeführt werden); wo bleibt
das Eisler-Revival? Es ist schade, daß er noch immer als DDR-Komponist
abgetan wird und deshalb weitgehend ungehört bleibt:-(

Tschö,
Burkhard

Burkhard Zohm

unread,
Aug 14, 2001, 4:36:37 AM8/14/01
to
Hallo allerseits,

Johannes Röhl schrieb:

> Georg Commerell <comm...@dplanet.ch> wrote:
> Ganz meiner Meinung; ich habe eine Stratas-CD (allerdings ohne dieses
> Lied), die ganz fürchterlich ist. Da hilft es auch nichts, wenn das
> Beiheft behauptet, die Lenya habe Stratas quasi als ihre Nachfolgerin
> gesehen. Die deutsche Diktion ist einfach jenseits von Gut und Böse
> und ruiniert so alle deutschen Songs komplett.

Full Ack.

> Die Lemper ist nicht so schlecht und auch mit der v.Otter-CD
> bin ich ganz zufrieden (obwohl die teils von der Kritik runtergemacht
> wurde) Eine der besten Weill-Sängerinnnen, die ich je gehört habe, ist

> Hedwig Fassbänder; ich fürchte aber, die hat keine Plattenaufnahmen
> gemacht.

Muß gestehen, daß ich sie alle nicht kenne. Aus rein nostalgischen
Gründen mag ich Gisela May sehr (aber eigentlich mehr für Eisler); mein
Geheimtip in Sachen Weill ist und bleibt Stefanie Wüst (kenne sie
allerdings nur Live vom K-W-Festival in DE, wo sie z.B. eine kongeniale
Fennimore gegeben hat).
Ach ja, und an dieser Stelle ist noch mal nachdrücklich eine Lanze zu
brechen für die Interpretation der Dreigroschenoper mit Max Raabe, Nina
Hagen und HK Gruber...;-))

Jens Richter

unread,
Aug 14, 2001, 5:05:14 AM8/14/01
to
On Tue, 14 Aug 2001 10:36:37 +0200, Burkhard Zohm
<bz...@ix.urz.uni-heidelberg.de> wrote:

>Hallo allerseits,

>Ach ja, und an dieser Stelle ist noch mal nachdrücklich eine Lanze zu
>brechen für die Interpretation der Dreigroschenoper mit Max Raabe, Nina
>Hagen und HK Gruber...;-))

Ehrlich? Raabe mit seinem notorisch einförmigen "Schlager der
30er"-Roll-R-Ton (den er allerdings gut bringt) und
Dauerkreischkrächzerin Nina Hagen? Mir hat diese Einspielung des
"Ensemble Modern" überhaupt nicht gefallen. Da war ja die LP mit
Johanna von Koczian noch adäquater...imho selbstredend;-)
Grüße
Jens

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