René Schuster <
rene+...@schuster.priv.at> wrote:
> On 2016-07-01 14:10, Daniel Mandic wrote:
>> Bei 10m 0,25mm² LS-Kabel haben wir ungf. 1,4 Ohm,
> Hmm, ich komm da ziemlich genau auf die Hälfte, also 0,71 Ohm.
Du musst das Kabel doppelt zählen. Nicht wegen Stereo, wie Daniel
schrieb, sondern weil das Signal beide Adern des Kabels durchläuft
und sie hintereinander geschaltet sind, auch wenn sie nebeneinander
liegen.
Betrachte es mal aus der Perspektive des Verstärkers: Das Signal kommt
aus einer Klemme, "quetscht" sich durch die eine Ader des Kabels, da
wirkt der Widerstand das erste Mal. Dann durchläuft es den Lautsprecher
und muss dann wieder zum Verstärker zurück. Dabei durchläuft das Signal
die zweite Ader, die in der Regel den gleichen Widerstand wie die erste
Ader hat. Dabei wirkt der Widerstand das zweite Mal. Die beiden Adern
liegen optisch zwar parallel, aus Sicht des Signals aber hintereinander
und deshalb müssen ihre Widerstände addiert werden.
>> 32mm² LS-Kabel wären optimal für 1Ohm...
> Also im Heimbereich halte ich alle drei Angaben (10m, 0,25mm^2 und
> 32mm^2) für ziemlich praxisfern.
Ack.
> Wir reden da IMO eher in der Größenordnung von 3 m Länge und 2,5 oder
> 4 mm^2 Durchmesser, und da sind die Unterscheide akademisch.
Naja, "akademisch" finde ich untertrieben. 4mm² ist fast der doppelte
Querschnitt von 2,5mm², das Kabel hat also nur etwas mehr als den
halben Widerstand.
Interessanter finde ich die Frage der Relevanz: Braucht man das oder
nicht? Und das hängt eben ganz stark vom LS ab. Ein Lautsprecher mit
gutmütigem Impedanzverlauf und gutem Impulsverhalten, vorallem im Bass,
braucht weniger elektrische Bedämpfung durch den Verstärker und kommt
deshalb besser mit dünneren Kabeln klar. Ein pauschale Empfehlung ist
daher schwierig.
Man kann es aber auch mit Hilfe des Dämpfungsfaktors betrachten. Ein DF
von 100 gilt ja in der Regel als gut, unter 20 sollte er nicht liegen.
Da der Verstärker selbst auch noch seinen Ausgangswiderstand einbringt,
würde ich das Kabel mit etwas Sicherheitsreserve auslegen. Nehmen wir
an, der Verstärker selbst hat einen DF von 100, bliebe bei einem Kabel
mit einem Widerstand, der 1% des Nennwiderstands des LS beträgt, ein DF
von 50 übrig. Darunter würde ich nicht gehen.
Ich habe daher mal eine Tabelle auf Grundlage dieser Werte berechnet.
Links, von oben nach unten stehen die Kabelquerschnitte von 0,1 bis
6mm². Oben, von links nach rechts stehen die Nennimpedanzen des LS,
von 2-16 Ohm. In den Feldern darunter stehen die maximal erlaubten
Längen in Metern, unter der Annahme, dass der Widerstand des Kabels
nicht größer als 1% der LS-Nennimpedanz werden darf:
qmm 2 R 4 R 8 R 16 R
---- ---- ---- ---- ----
0.10 0.06 0.12 0.23 0.47
0.25 0.15 0.29 0.58 1.16
0.50 0.29 0.58 1.16 2.33
0.75 0.44 0.87 1.74 3.49
1.00 0.58 1.16 2.33 4.65
1.25 0.73 1.45 2.91 5.81
2.50 1.45 2.91 5.81 11.63
4.00 2.33 4.65 9.30 18.60
6.00 3.49 6.98 13.95 27.91
Zurück zu Deinem Beispiel: 3m Kabel mit 2,5 oder 4mm² Querschnitt. Wie
man sieht, kann das bei einem 4-Ohm-LS durchaus bedeutsam werden. Mit
2,5mm² liegt man schon an der Grenze (erlaubte Länge 2,91m) und sollte
evtl. 4mm² in Betracht ziehen (erlaubte Länge 4,65m).
Interessant finde ich auch, dass die beliebte Aussage: "0,75mm² reicht
im Heimbereich vollauf" kritisch zu sehen ist. Bei einem 4-Ohm-LS darf
das Kabel dann nichtmal einen Meter lang werden (0,87m).
Alles natürlich unter der Bedingung, dass der Kabel-Widerstand 1% der
LS-Nennimpedanz nicht überschreiten sollte. Wie geschrieben: Je nach
Lautsprecher kann man das auch weniger streng handhaben.
>> Meßbar, hatte noch nie etwas mit hörbar oder sehbar zu tun....
> Kommt darauf an - alles was hörbar ist ist auch messbar, aber nicht
> alles was messbar ist ist hörbar.
Ich finde den ersten Teil des Satzes (alles was hörbar ist, ist auch
messbar) nicht so klar.
Wenn man nur den Schall betrachtet, der von außen am Ohr ankommt,
dann hast Du recht. Man kann dann ein Mikrofon neben das Ohr halten
und alles messen, was da ankommt.
Aber das ist nicht das, was wir hören. Unser Gehör besteht aus mehr
als dem Ohr, da kommt noch unser Gehirn ins Spiel. Und ich würde
sagen, wir hören eher mit dem Gehirn als mit dem Ohr. Denn wir hören
nie exakt das, was am Ohr ankommt, sondern wir interpretieren alles,
bewerten es, filtern, betonen, selektieren, usw. Wie man so schön
sagt: wir hören das, was wir hören wollen.
Das wird z.B. deutlich, wenn wir uns mit jemandem in lauter Umgebung
unterhalten. Wir schaffen es, den ganzen Umweltlärm auszublenden und
uns auf die Worte des anderen zu konzentrieren. Würde man den gleichen
Geräuschmix mit einem Mikrofon aufnehmen, wäre die Stimme des anderen
auf der Aufnahme vielleicht kaum zu hören. Dafür wären da vielleicht
Geräusche zu hören, wie das Hupen eines Autos oder das Klingeln einer
Straßenbahn, die uns während des Gesprächs gar nicht aufgefallen sind.
Beim Musikhören ist es genauso. Mir fiel das erstmals auf, als ich mit
einem guten Freund, der auch Hifi-Fan ist, unsere Geräte anhörte. Wir
hatten uns, bis er leider weggezogen ist, regelmäßig getroffen und uns
unsere Neuanschaffungen angehört. Entweder bei ihm oder bei mir. Er
hatte ständig neue DACs und Endstufen gekauft, ich meist neue LS. Und
so hatten wir immer neue interessante Kombinationen. Das waren schöne
Hörsessions. Irgendwann fiel mir auf, dass wir zwar beide das gleiche
hören, die Signale aus den LS also für uns beide die gleichen waren,
aber wir auf ganz unterschiedliche Dinge achteten. Ihm fiel etwas auf,
was ich gar nicht gehört hatte. Mir war etwas wichtig, was ihm nicht
aufgefallen war, usw. Im Gespräch hatten wir uns darüber natürlich
ausgetauscht und mit der Zeit auch gehört, was der andere meinte, aber
anfangs war uns das nicht klar. Zumindest ich hielt meine eigene
Hörwahrnehmung bis dahin für quasi "objektiv" (unbewusst natürlich),
ging also davon aus, dass alle anderen auch so hören wie ich, bzw.
genau das hören, was ich auch höre.
Damit zurück zu Deiner These, dass man alles messen könne, was man
hören könne. Das, was wir hören, ist eben nicht das, was außen an
unserem Ohr ankommt. Das, was wir hören, ist das, was wir daraus
machen. Und das sind dann so Dinge wie: Der Lautsprecher klingt
luftig oder lästig oder gepresst oder quäkig. Das können wir aber
nicht messen, zumindest nicht direkt, Es gibt kein Messgerät, auf
dem Luftigkeit oder Lästigkeit abgelesen werden kann.
Was man machen kann, und was ja auch gemacht wird: Man kann Dinge
wie den Frequenzgang, den Klirrfaktor, usw. messen. Und dann muss
man schauen, wie das mit den Höreindrücken korreliert. Das Problem
dabei: das korreliert nicht perfekt, es bleibt ein Rest übrig, den
man nicht erklären kann. Und da man nicht weiß, was es ist, weiß man
(zumindest derzeit) auch nicht, wie man es messen kann oder wo nach
man suchen muss.
Gruß, Martin