On 06.12.14 10.06, Werner Tann wrote:
> Marcel Mueller <
news.5...@spamgourmet.org> schrieb:
>
>> Relevanter ist da schon, wie sich der Player bei verkratzten, schlecht
>> lesbaren CDs verhält; oder auch das Bedienkonzept. Da gibt es schon
>> deutliche Unterschiede.
>
> Ja. Darum ging es mir aber, wie schon im Betreff verdeutlicht,
> ausdrücklich nicht.
Unterschätze das mit den Lesefehlern nicht. CDDA hat kaum Redundanz
entsprechend häufig gibt es Lesefehler. Ich würde nach meiner Erfahrung
schätzen bei 50% der Medien und bei vllt. 25% von Anfang an. Und das
wirkt sich sehr wohl auf den Klang aus. Bei einem CD-Player wird bei
einem Fehler nämlich einfach interpoliert und weiter gespielt. Das fällt
meist gar nicht gleich auf. Springen tut er nur, wenn die Fehler so
heftig werden, dass gar nichts mehr geht.
Das Konzept von Philips war da nicht schlecht, was die CDs mit höherer
Geschwindigkeit in einen Puffer gelesen hat, um dann ggf. ein wenig Zeit
für einen Retry zu haben. Gekommen ist das allerdings von Tragbaren
Playern, die auch beim Joggen laufen sollten. Es wurde ferner nicht
versäumt, den Nutzen mit noch billigeren (mechanischen) Komponenten
aufzuwiegen.
>> Du kannst das jetzt Placebo nennen oder nicht. Für die Betroffenen ist
>> der Effekt genauso real, wie dass man in einem hellblau gestrichenen
>> Zimmer bei gleicher Temperatur eher friert. Insofern sind die Argumente
>> nicht ganz verkehrt. Absurd wird es meistens nur, wenn diese
>> Diskussionen mit einem technischen Vorwand begründet werden, denn genau
>> diese Kausalität existiert oft nicht.
>
> Vieles, was ich in Tests lese, klingt mir halt sehr nach Schlangenöl.
> Interessant wären (wie auch in der Vinyl/CD/mp3-Debatte) Blindtests.
Vinyl vs. CD ist etwas anderes. Das kann man mühelos in Blindtests
unterscheiden. Das Laufgeräusch der Nadel in der Rille bekommst Du nie
unter die Hörschwelle. Insofern weiß jeder, was die CD ist.
Ferner sind die Abmischungen komplett anders. Bei Vinyl musste die
Schnelligkeit der Nadel begrenzt werden. Deshalb würden spezielle Filter
eingesetzt. Bei CD kommt es hingegen auf die lineare Maximalamplitude
und die Nyquistfrequenz an. Dafür werden andere Filter eingesetzt.
Kurzum, das Material klingt schon vor dem Platzieren auf dem Zielmedium
aufgrund des unterschiedlichen Masterings anders.
Was von beidem einem dann besser gefällt ist schlich Geschmackssache.
Typischerweise das, was man gewohnt ist.
CD vs. MP3 bzw. psychoakustisch reduziert komprimiert ist schon
schwieriger. Wenn das MP3 gut gemacht ist, kann ein normales
menschliches Gehirn den Unterschied praktisch nicht erkennen. Die Nase
vorn haben dann Personen mit einem irgendwie geschädigten oder anderen
Hörvermögen.
Aber auch hier gilt die Macht der Gewohnheit. Wer aus seinem
Erfahrungsschatz noch nie das Originalinstrument gehört hat, sondern nur
Konservenkost aus dem Handy mit 15€ Schmalzbohrer im Ohr, wird die
Artefakte, so denn überhaupt wahrnehmbar, im allgemeinen bevorzugen,
weil er sie als 'natürlicher' empfindet.
> Was ist der Höreindruck, wenn die Tester das Gerät nicht sehen und
> fühlen und den Preis nicht kennen?
Das funktioniert nur innerhalb von Geräten einer Klasse wirklich
neutral. Also z.B. CD vs. CD. Und letztlich wird als Ergebnis nur
herauskommen, ob ein Unterschied überhaupt mit statistischer Signifikanz
zu erkennen ist. Von Statistik haben etliche in dem Metier
glücklicherweise keine Ahnung, weshalb dann in viel zu kleine und/oder
nicht repräsentative Stichproben alles mögliche hineininterpretiert
werden kann. (Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.)
Was hingegen ggf. als besser oder schlechter wahrgenommen wird, ist
wieder Gewohnheit. Heißt, eine objektive Aussage bekommt man in keinem Fall.
Nicht unterscheidbar ist aber auch schon eine ziemlich starke Aussage,
denn sie zeigt, dass zwei Geräte entweder gleich gut oder gleich
schlecht sind. Typischerweise eher gleich gut, denn es ist nicht trivial
zweimal exakt denselben Fehler zu machen, sofern die Geräte nicht
baugleich sind. Wenn dann ein paar Nullen im Preis dazwischen liegen,
ist das auch schon mal was.
> Von den technischen Details verstehe ich nichts, kann daher
> Digital-Analog-Wandler nicht wirklich beurteilen. Aber was man schon
Dafür gibt es Messgeräte. Die messen zwar nicht den Höreindruck, wohl
aber, ob etwas /verändert/ wurde, und das objektiv. Das ist zwar keine
notwendige Bedingung für einen guten Höreindruck, aber im allgemeinen
einen hinreichende. Und genau da kommt auch der Streit her. Die Frage
ist letztlich, wie empfindlich muss man die Messgeräte einstellen, damit
es hinreichend ist. Prinzipsbedingt wird man bei diesem Ziel besser als
notwendig. Die Frage ist halt wie viel besser.
> seit ewigen Zeiten über HiFi generell sagt, gilt auch für CD-Player:
> am Ende ist das Hörerlebnis wichtiger als jedes technische Merkmal.
> Ein guter Verkäufer punktet mit der Vorführung, nicht mit dem
> Herunterrattern auswendiggelernter Werte.
Das ist so.
Marcel