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"London Symphony Orchestra - Alfred Scholz" - Etikettenschwindel auf Billig-CD's?

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Ralf Schmode

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Feb 13, 1999, 3:00:00 AM2/13/99
to
Hallo, Fachleute,

ja, ich gebe es zu - ich habe einmal eine Phase "durchgemacht", in der
ich meinen Hunger nach Klassik mit absoluten low-price-CD's gestillt
habe. Glücklicherweise habe ich dieses Stadium mittlerweile überwunden.

Beim "Genuß" dieser Produkte ist mir häufig aufgefallen, daß die Angaben
auf diesen CD's zu Orchester und Dirigent offensichtlich nicht stimmen -
dies ist mir spätestens dann aufgegangen, wenn offensichtlich identische
Aufnahmen unterschiedlicher Billig-Label angeblich von verschiedenen
Orchestern/Dirigenten eingespielt wurden :-) - häufig war es aber auch
so, daß die Qualität dieser Aufnahmen so war, daß ich mir eine
Beteiligung des genannten Orchesters unmöglich vorstellen konnte.

Meine Frage ist nun: Kann jemand diesen Etikettenschwindel
erklären/nachvollziehen? Im folgenden einige kurze Beispiele für
mußmaßliche "Phantasiekombinationen" unter diversen Billiglabeln:

London Symphony Orchestra - Alfred Scholz

Süddeutsche Philharmonie - Alexander von Pitamic (auch dieses Orchester
dirigiert in anderen Einspielungen "Alfred Scholz")

Slowakische Philharmonie - Libor Pesek (diese Kombination gibt es wohl,
aber identische Aufnahmen habe ich auch mit anderen Kombinationen von
Orchester/Dirigent gesehen... auch da muß ja wohl was faul sein)

Süddeutsche Philharmonie - Alfred Scholz (offensichtlich ein gefragter
Mann, wer auch immer das ist)

Radiophilharmonie Ljubljana - Anton Nanut (_das_ waren so ziemlich die
einzige Aufnahmen, bei der ich mir vorstellen konnte, daß die
Kombination echt ist... über die Qualität schweige ich mich aus)

Münchner Sinfonieorchester - Henry Adolph (den gibt es auch mit der
Süddeutschen Philharmonie und einem angeblichen "London Festival
Orchestra", das wiederum auch von einem gewissen "Kurt Redel" dirigiert
wird...)

London Symphony Orchestra - Alberto Lizzio (dieser Herr ward unter
anderen Billiglabeln auch mit dem "London Philharmonic Orchestra" - gibt
es das, ich kenne mehr das "Philharmonia Orchestra London? - und mit dem
"London Festival Orchestra" gesehen bzw. gehört...)

und zum Abschluß: eine Pianisten namens "Martha Bergreich" (kann es
sein, daß die Ähnlichkeit mit Martha Argerich beabsichtigt ist...?)

Ich könnte noch reihenweise solche Merkwürdigkeiten unter "Billigflagge"
nennen (entsprechende Label sind u. a. "Pilz", "Point" und "Zyx") - mich
interessiert, ob dieses "Phänomen" bekannt ist, ob die genannten
Herrschaften/Orchester überhaupt existieren, ob tatsächlich Schwindel
dahintersteckt und ob ggf. etwas dagegen unternommen wurde bzw. zu
unternehmen wäre.

Schönen Gruß aus Geesthacht -

Ralf

Roger Pellaton

unread,
Feb 14, 1999, 3:00:00 AM2/14/99
to
Ralf Schmode <rsch...@gmx.net> wrote:

> dies ist mir spätestens dann aufgegangen, wenn offensichtlich identische
> Aufnahmen unterschiedlicher Billig-Label angeblich von verschiedenen
> Orchestern/Dirigenten eingespielt wurden :-)

Könntest Du bitte ein einziges konkretes Beispiel anführen?


> London Symphony Orchestra - Alfred Scholz

Liegt hier auch rum. Liszt, Sampler mit Klassik-Highlights.
Ausserdem dirigiert er die Salzburger Solisten in einer (anständigen)
Aufnahme mit Mozart-Divertimenti.


> Slowakische Philharmonie - Libor Pesek (diese Kombination gibt es wohl,
> aber identische Aufnahmen habe ich auch mit anderen Kombinationen von
> Orchester/Dirigent gesehen... auch da muß ja wohl was faul sein)

Ich kenne Pesek. Er hat eine Menge Einspielungen für die tschechischen
Label Opus und Supraphon gemacht, mit wechselnden Formationen aus dem
östlichen Raum (die übrigens teils ausgezeichnet sind). Ich habe ihn in
Prag live erlebt und war beeindruckt. Dass da was gedreht wurde, möchte
ich mir irgendwie nicht vorstellen.


> London Symphony Orchestra - Alberto Lizzio

Liegt hier auch rum. Ganz übles Machwerk, klangtechnisch gesehen...


> mich
> interessiert, ob dieses "Phänomen" bekannt ist, ob die genannten
> Herrschaften/Orchester überhaupt existieren,

Ich glaube, Herren wie Scholz oder Lizzio übernehmen in den
Sommermonaten (Saisonpause) die Dirigate über kurzfristig
zusammengestellte Ensembles bestehend aus Leuten, die in der
vertragsfreien Zeit ein finanzielles Loch überbrücken müssen/wollen. Und
die heissen dann eben Salzburger Solisten oder London Festival
Orchestra. Wien ist in den Sommermonaten voll von solchen Ensembles,
deren Mitglieder alle komplett zum festen Stamm der Staatsoper gehören -
dass wollen die Plakate zumindest den Touristen weismachen.


Grüsse
Roger

Peter Brixius

unread,
Feb 14, 1999, 3:00:00 AM2/14/99
to
Lieber Roger,
was den Pesek angeht, moechte ich Dich bestaetigen, den habe ich auch
schon erlebt (mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra - und
das ist echt).

On Sun, 14 Feb 1999 17:50:54 +0100, pell...@magnet.ch (Roger
Pellaton) wrote:

>Ralf Schmode <rsch...@gmx.net> wrote:
>
>> dies ist mir spätestens dann aufgegangen, wenn offensichtlich identische
>> Aufnahmen unterschiedlicher Billig-Label angeblich von verschiedenen
>> Orchestern/Dirigenten eingespielt wurden :-)
>
>Könntest Du bitte ein einziges konkretes Beispiel anführen?
>
>
>> London Symphony Orchestra - Alfred Scholz

Das LSO existiert, wird aber in der Regel von anderen dirigiert ...


>
>Liegt hier auch rum. Liszt, Sampler mit Klassik-Highlights.
>Ausserdem dirigiert er die Salzburger Solisten in einer (anständigen)
>Aufnahme mit Mozart-Divertimenti.
>
>
>> Slowakische Philharmonie - Libor Pesek (diese Kombination gibt es wohl,
>> aber identische Aufnahmen habe ich auch mit anderen Kombinationen von
>> Orchester/Dirigent gesehen... auch da muß ja wohl was faul sein)
>
>Ich kenne Pesek. Er hat eine Menge Einspielungen für die tschechischen
>Label Opus und Supraphon gemacht, mit wechselnden Formationen aus dem
>östlichen Raum (die übrigens teils ausgezeichnet sind). Ich habe ihn in
>Prag live erlebt und war beeindruckt. Dass da was gedreht wurde, möchte
>ich mir irgendwie nicht vorstellen.
>
>
>> London Symphony Orchestra - Alberto Lizzio

s.o.


>
>Liegt hier auch rum. Ganz übles Machwerk, klangtechnisch gesehen...
>
>
>> mich
>> interessiert, ob dieses "Phänomen" bekannt ist, ob die genannten
>> Herrschaften/Orchester überhaupt existieren,
>
>Ich glaube, Herren wie Scholz oder Lizzio übernehmen in den
>Sommermonaten (Saisonpause) die Dirigate über kurzfristig
>zusammengestellte Ensembles bestehend aus Leuten, die in der
>vertragsfreien Zeit ein finanzielles Loch überbrücken müssen/wollen. Und
>die heissen dann eben Salzburger Solisten oder London Festival
>Orchestra.

Das London Festival Orchestra - und das ist eigentlich der Hauptpunkt
meines postings - existiert seit vielen Jahren unter seinem Leiter
Ross Pople. Ich habe eine ganze Reihe von Konzerten mit der Truppe
erlebt, die sich immer wieder durch Gaeste verstaerkt - die haben
ueber Jahre einmal in der Southbank waehrend der Saison monatlich ein
Konzert zum Gedenken an einen Komponisten gegeben - und musizierten
stets engagiert und meist ueberdurchschnittlich. Eine CD-Kassette mit
den Mendelsson-Bartholdy Steichersinfonien wurde damals als
ausgezeichnet im Fono Forum besprochen. Auch die CD mit Johann
Christian Bach ist durchaus zu empfehlen, weniger aber das, was in
letzter Zeit bei Arte Nova heraukommt (z.B. eine schwache Carmina
burana und ein ebenfalls schwaches Fauré Requiem).

>Wien ist in den Sommermonaten voll von solchen Ensembles,
>deren Mitglieder alle komplett zum festen Stamm der Staatsoper gehören -
>dass wollen die Plakate zumindest den Touristen weismachen.
>
>

Es gruesst Peter
--
Was auf Shakespearisch in der Welt zu tun war hat Shakespaer [!]
groesstenteils getan.
(Lichtenberg)

Ralf Schmode

unread,
Feb 14, 1999, 3:00:00 AM2/14/99
to
Roger Pellaton schrieb:

> > dies ist mir spätestens dann aufgegangen, wenn offensichtlich identische
> > Aufnahmen unterschiedlicher Billig-Label angeblich von verschiedenen
> > Orchestern/Dirigenten eingespielt wurden :-)
>
> Könntest Du bitte ein einziges konkretes Beispiel anführen?

Hi, Roger,

vielen Dank erstmal für Deine ausführliche Antwort, die bei mir bereits
einige Klarheiten beseitigt hat :-)

Es war gar nicht so leicht, in meiner Sammlung noch ein Beispiel zu
finden. Der Grund ist simpel: Eine Aufnahme, die ich offenbar schon
habe, kaufe ich nicht noch einmal - und da mein Klassikgeschmack eher
etwas "langsamer" ist als in der Mehrzahl der Einspielungen geboten,
habe ich die Spielzeiten häufig einigermaßen im Kopf und erkenne daher
"Dubletten" auch dann, wenn sie unter anderem Orchester/Dirigenten
daherkommen.

Eins habe ich aber dann doch auf die Schnelle gefunden, sogar eine
"Triplette":

F. Mendelssohn-Bartholdy, Sinfonien Nr. 4 und 5

Version A: Angeblich "The New Philharmonic Orchestra/Garry Blackwater",
Label "Bella Musica"

4. Sinfonie:

1. Satz 11:34
2. Satz 05:45
3. Satz 06:54
4. Satz 06:02

5. Sinfonie:

1. Satz 11:05
2. Satz 05:35
3. Satz 03:14
4. Satz 08:36

Version B: Angeblich "London Symphony Orchestra/Alfred Scholz"; Label:
"Pilz"

4. Sinfonie:

1. Satz 11:29
2. Satz 05:40
3. Satz 06:52
4. Satz 05:55

5. Sinfonie:

1. Satz 11:02
2. Satz 05:31
3. Satz 03:15
4. Satz 08:35

Version C: Angeblich "Philharmonisches Festspielorchester/Vladimir
Petroschoff"; Label: "mediaphon"

4. Sinfonie

1. Satz 11:29
2. Satz 05:40
3. Satz 06:52
4. Satz 05:55

Merkwürdig, nicht? Die Aufnahmen sind absolut identisch - die kleinen
Differenzen ergeben sich aus dem Mitzählen der Pausen - und in diesem
Fall/diesen Fällen übrigens recht ordentlich eingespielt; unter diesen
Labeln habe ich schon Schlimmeres erwischt. Gerade deshalb würde mich
aber interessieren, wer sich hier unter Pseudonym an Mendelssohn
vergreift :-)

In der Hoffnung, daß Du mir (noch) weiter helfen kannst -

mit ratlosen Grüßen

Ralf

Arno Schuh

unread,
Feb 15, 1999, 3:00:00 AM2/15/99
to
Hallo Ralf,
ob ich ein Fachleut bin, weiß ich nicht. ;-) Aber zu deiner Frage
Folgendes:
Imho. handelt es sich bei dem von dir unten geschilderten
Ärgernis bei Billig-Labels (gibt es übrigens auch bei
Hochpreis-Labels!) nicht um bewussten Schwindel, sondern eher um
mangelnde Sorgfalt bzw. Schlamperei. Meist liegt diesen CDs ja auch
nur ein einzelnes Blättchen bei, auf dem so gut wie nichts drauf
steht, und das bisschen, was dann noch da steht ist oft falsch; d. h.
die Reihenfolge der Tracks stimmt nicht, die Stücke sind falsch
betitelt, es stehen mehr Stücke da als auf der CD sind oder man hat
vergessen ein Stück, das auf der CD drauf ist, auch aufzulisten,
falsche Interpreten zum genannten Stück bzw. Instrument usw. usw. Von
irgendwelchen, für den Sammler nützlichen Informationen (Aufnahmedatum
und -ort etc.) ganz zu schweigen.

Zu den Labels: Pilz ist, soweit ich weiß, schon vor einiger Zeit in
Konkurs gegangen. Zyx gibt es immer noch. Da kann ich mich nur an
einen Streit erinnern, der vor einiger Zeit zwischen Zyx und BMG lief,
wer denn nun die Rechte an den Melodiya-Aufnahmen hat. Ansonsten habe
ich noch nichts Negatives über dieses Label gelesen.
Point scheint es auch noch zu geben, wobei ich mir nicht ganz sicher
bin, ob es sich bei dem Label, das es jetzt noch gibt, um das selbe
handelt wie bei dem von dir erwähnten Billig-Label. Die Aufnahmen, die
ich zuletzt von Point gesehen habe waren alles Hochpreis-Aufnahmen.

Davon aber einmal abgesehen muss ein niedriger Preis nicht unbedingt
schlechte Qualität bedeuten. Naxos, Arte Nova z. B. beweisen das
Gegenteil. Sie bieten für unter 10 DM Neuerscheinungen von guter
Qualität.
Und imho. haben wir es auch den von dir genannten
Billig-Labels zu verdanken, dass auch die Major Companies zumindest
Serien von Wiederveröffentlichungen zu einem sammlerfreundlichen Preis
anbieten (müssen).

Schöne Grüße

Arno


Am 13
Feb 1999 11:04:00 -0600, Ralf Schmode <rsch...@gmx.net>schrieb:

>Hallo, Fachleute,
>ja, ich gebe es zu - ich habe einmal eine Phase "durchgemacht", in der
>ich meinen Hunger nach Klassik mit absoluten low-price-CD's gestillt
>habe. Glücklicherweise habe ich dieses Stadium mittlerweile überwunden.
>Beim "Genuß" dieser Produkte ist mir häufig aufgefallen, daß die Angaben
>auf diesen CD's zu Orchester und Dirigent offensichtlich nicht stimmen -

>dies ist mir spätestens dann aufgegangen, wenn offensichtlich identische
>Aufnahmen unterschiedlicher Billig-Label angeblich von verschiedenen

>Orchestern/Dirigenten eingespielt wurden :-) - häufig war es aber auch
>so, daß die Qualität dieser Aufnahmen so war, daß ich mir eine
>Beteiligung des genannten Orchesters unmöglich vorstellen konnte.
>Meine Frage ist nun: Kann jemand diesen Etikettenschwindel
>erklären/nachvollziehen? Im folgenden einige kurze Beispiele für
>mußmaßliche "Phantasiekombinationen" unter diversen Billiglabeln:

>London Symphony Orchestra - Alfred Scholz

>Süddeutsche Philharmonie - Alexander von Pitamic (auch dieses Orchester
>dirigiert in anderen Einspielungen "Alfred Scholz")

>Slowakische Philharmonie - Libor Pesek (diese Kombination gibt es wohl,
>aber identische Aufnahmen habe ich auch mit anderen Kombinationen von
>Orchester/Dirigent gesehen... auch da muß ja wohl was faul sein)

>Süddeutsche Philharmonie - Alfred Scholz (offensichtlich ein gefragter
>Mann, wer auch immer das ist)
>Radiophilharmonie Ljubljana - Anton Nanut (_das_ waren so ziemlich die
>einzige Aufnahmen, bei der ich mir vorstellen konnte, daß die
>Kombination echt ist... über die Qualität schweige ich mich aus)
>Münchner Sinfonieorchester - Henry Adolph (den gibt es auch mit der
>Süddeutschen Philharmonie und einem angeblichen "London Festival
>Orchestra", das wiederum auch von einem gewissen "Kurt Redel" dirigiert
>wird...)
>London Symphony Orchestra - Alberto Lizzio (dieser Herr ward unter
>anderen Billiglabeln auch mit dem "London Philharmonic Orchestra" - gibt
>es das, ich kenne mehr das "Philharmonia Orchestra London? - und mit dem
>"London Festival Orchestra" gesehen bzw. gehört...)
>und zum Abschluß: eine Pianisten namens "Martha Bergreich" (kann es
>sein, daß die Ähnlichkeit mit Martha Argerich beabsichtigt ist...?)
>Ich könnte noch reihenweise solche Merkwürdigkeiten unter "Billigflagge"

>nennen (entsprechende Label sind u. a. "Pilz", "Point" und "Zyx") - mich


>interessiert, ob dieses "Phänomen" bekannt ist, ob die genannten

>Herrschaften/Orchester überhaupt existieren, ob tatsächlich Schwindel
>dahintersteckt und ob ggf. etwas dagegen unternommen wurde bzw. zu
>unternehmen wäre.

>Schönen Gruß aus Geesthacht -
>
>Ralf
>

--
Arno Schuh, Staden 42, D-54439 Saarburg,
Telefon 065813944, Fax -993807, mailto:arno....@in-trier.de
http://www.in-trier.de/~arno.schuh/toccata.stm, ICQ 26117968
d gze lbc } 6e 6z>e ket( v -pa~tc gghc

Peter Lemken

unread,
Feb 15, 1999, 3:00:00 AM2/15/99
to
Ralf Schmode <rsch...@gmx.net> wrote:
>Hallo, Fachleute,
>
>ja, ich gebe es zu - ich habe einmal eine Phase "durchgemacht", in der
>ich meinen Hunger nach Klassik mit absoluten low-price-CD's gestillt
>habe. Glücklicherweise habe ich dieses Stadium mittlerweile überwunden.
>
>Beim "Genuß" dieser Produkte ist mir häufig aufgefallen, daß die Angaben
>auf diesen CD's zu Orchester und Dirigent offensichtlich nicht stimmen -
>dies ist mir spätestens dann aufgegangen, wenn offensichtlich identische
>Aufnahmen unterschiedlicher Billig-Label angeblich von verschiedenen
>Orchestern/Dirigenten eingespielt wurden :-) - häufig war es aber auch
>so, daß die Qualität dieser Aufnahmen so war, daß ich mir eine
>Beteiligung des genannten Orchesters unmöglich vorstellen konnte.
>
>Meine Frage ist nun: Kann jemand diesen Etikettenschwindel
>erklären/nachvollziehen? Im folgenden einige kurze Beispiele für
>mußmaßliche "Phantasiekombinationen" unter diversen Billiglabeln:
>
[Schnipp]

Aufschluss ueber den "Etikettenschwindel" findet sich auf der "Classics
without Class" Website:

www.hnh.com/news/others/cwc.html

Peter Lemken
Berlin

Ralf Schmode

unread,
Feb 15, 1999, 3:00:00 AM2/15/99
to
Peter Lemken wrote:
>
> Aufschluss ueber den "Etikettenschwindel" findet sich auf der "Classics
> without Class" Website:
>
> www.hnh.com/news/others/cwc.html

Moin, Peter,

toller Link - sehr aufschlußreich. Vielen herzlichen Dank! Hab' ich also
nicht ganz schief gelegen mit meiner Vermutung :-(

Christian Saefken

unread,
Feb 16, 1999, 3:00:00 AM2/16/99
to
>mangelnde Sorgfalt bzw. Schlamperei. Meist liegt diesen CDs ja auch
>nur ein einzelnes Blättchen bei, auf dem so gut wie nichts drauf
>steht, und das bisschen, was dann noch da steht ist oft falsch;

Manchmal habe ich das Gefühl, daß die CD-Label in den Produktionsfirmen von
den Lehrlingen und Praktikanten verfaßt werden. Mein krassestes Beispiel ist
eine Einspielung des Mozart-Requiems mit den Wiener Sängerknaben und dem
Wiener Konzerthausorchester unter einem gewissen Ferdinand Grossmann, in der
aus dem Lamm Gottes auf der Rückseite ein "Agnus aeterna" wird. Daß es beim
nächsten Track "Lux aeterna" heißt, hat den Setzer nicht gestört. Aber ich
bin ja selber schuld - warum kaufe ich sowas?

Herzliche Grüße,

Christian


Peter Brixius

unread,
Feb 17, 1999, 3:00:00 AM2/17/99
to
Lieber Christian,
was soll ich da sagen: purer Leichtsinn oder extravagante Neugier?

On Tue, 16 Feb 1999 22:46:51 +0100, "Christian Saefken"
<csa...@gwdg.de> wrote:

>>mangelnde Sorgfalt bzw. Schlamperei. Meist liegt diesen CDs ja auch
>>nur ein einzelnes Blättchen bei, auf dem so gut wie nichts drauf
>>steht, und das bisschen, was dann noch da steht ist oft falsch;
>
>Manchmal habe ich das Gefühl, daß die CD-Label in den Produktionsfirmen von
>den Lehrlingen und Praktikanten verfaßt werden. Mein krassestes Beispiel ist
>eine Einspielung des Mozart-Requiems mit den Wiener Sängerknaben und dem
>Wiener Konzerthausorchester unter einem gewissen Ferdinand Grossmann,

Ferdinand Grossmann (4.7.1887 - 5.12.1970) oestr. Chorleiter,
Dirigent, Komponist, leitete von 1939-45 die Wiener Saengerknaben,
1956-66 durfte er das wieder tun. Aufnahmen wie dieses Requiem mit
Knabensopran und Knabenalt sind aeusserst selten (und IMHO eine
Ueberforderung der Knaben), es gibt noch eine Einspielung von
Gillesberger bei BMG auch mit Equiluz, aber mit Eder statt Buchbauer.
Nun ja, von wann ist die Aufnahme, wie ist sie klanglich - und wie
sind denn die Knabensolisten in ihrer anspruchsvollen Partie? Fuer
paar Mark mehr, denke ich, haettest Du eine solide Aufnahme bekommen
wie z.B. diese hervorragende von Fricsay.
Diese Aufnahme ist auf jeden Fall von ZYX (und da wuerde mich ja fast
der Vergleich zu der Gillesberger-Aufnahme interessieren - weiss da
jemand etwas?)


> in der
>aus dem Lamm Gottes auf der Rückseite ein "Agnus aeterna" wird. Daß es beim
>nächsten Track "Lux aeterna" heißt, hat den Setzer nicht gestört. Aber ich
>bin ja selber schuld - warum kaufe ich sowas?

Aber das kann Dir auch bei einem so guten Label wie archiphon
passieren. Da habe ich die Inédits von Lipatti gekauft - die Angaben
der Stuecke war die reinste Katastrophe, aus einer Fantasie fuer
Klavier von Brahms wird ein Intermezzo usw. usf. Selbst die Angaben
von Lipattis Kompositionen auf der 2. CD sind unzureichend, und da
waere ich jetzt auf das Booklet angewiesen gewesen, und so musste ich
dann etwas meuhsam mir die Daten zusammensuchen.
Wenn man dann den Preis einer solchen Liebhaberserie wie von archiphon
vergleicht mit ZYX ...
Es gruesst Peter
--
Wenn die Menschen nicht in Etagen wohnten, so waere die halbe
Erde schon mit Haeusern angefuellt, so bauen wir schon in die Luft
wo wir nicht hingehoeren. (Lichtenberg)

Christian Saefken

unread,
Feb 17, 1999, 3:00:00 AM2/17/99
to
>Lieber Christian,
>was soll ich da sagen: purer Leichtsinn oder extravagante Neugier?

Eher pubertäre Unwissenheit und ein schmaler Geldbeutel (letzteres ist bis
heute leider nicht viel besser geworden.)

>Nun ja, von wann ist die Aufnahme, wie ist sie klanglich - und wie
>sind denn die Knabensolisten in ihrer anspruchsvollen Partie? Fuer
>paar Mark mehr, denke ich, haettest Du eine solide Aufnahme bekommen
>wie z.B. diese hervorragende von Fricsay.

Das ist wohl leider so. Klanglich ist die Aufnahme ein wenig dumpf,
garantiert nicht "DDD" wie die Firma PILZ Media Group den unwissenden Käufer
glauben machen mag. Aber man bekommt für ein paar Mark fünfzig immerhin eine
solide Einspielung, wie sie wohl in den 50er/60er Jahren mode war. Ist
natürlich im Gegensatz zur Rekonstruktion nach C.R.F. Maunder, die ich mir
kürzlich (ebenso leichtsinnig) gekauft ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Aber bei Mozart gerate ich immer an so schräge Aufnahmen, ein echtes Grauen
ist eine Wiener Aufnahme von "Cosi fan tutte" mit Anneliese Rothenberger
*schauder*

Herzliche Grüße,

Christian

(der auch ein paar anständige Aufnahmen besitzt, auch wenn es sich gerade
anders anhört)

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