Ich weiss nur, das die Stimmung in D-Dur oder D-Moll sein soll, die Saiten in
Terzen gestimmt, und zumeist sieben Saiten besitzt. Was hat es mit den
Resonanzsaiten auf sich? Gibt es besondere Effekte, welche man mit diesem
Instrument vollbringen kann?
Also etwa: d0 f0 a0 d1 f1 a1 d2, wenn es sieben Saiten wären. Oder geht sie
etwa tiefer? Oder ist sie doch anders gestimmt?
Freut sich auf Informationen
John Strieder (AlbanBe...@cs.com)
In article <20000520034800...@nso-fy.news.cs.com>,
albanbe...@cs.com says...
> Wer hat Informationen über die Viola d´amore, ein altes Barockinstrument?
>
im Zweifelsfall ein Nachschlagewerk ...
> Ich weiss nur, das die Stimmung in D-Dur oder D-Moll sein soll, die Saiten in
> Terzen gestimmt, und zumeist sieben Saiten besitzt. Was hat es mit den
> Resonanzsaiten auf sich? Gibt es besondere Effekte, welche man mit diesem
> Instrument vollbringen kann?
>
> Also etwa: d0 f0 a0 d1 f1 a1 d2, wenn es sieben Saiten wären. Oder geht sie
> etwa tiefer? Oder ist sie doch anders gestimmt?
>
Die Viola d'amore ist "in Altlage, etwa so gross wie die heutige Bratsche
(Corpuslaenge um 40 cm) mit fuenf bis sieben Griffsaiten aus Messing oder
Darm und sieben bis 14 unterhalb des Griffbretts gespannten metallenen
Resonanzsaiten, die unter dem Steg laufen. /Ihr Klang ist argentin oder
silbern, dabey ueberaus angenehm und lieblich/ (Walther 1732). Die
Stimmung der Griffsaiten ist variabel und wird je nach Bedarf
eingerichtet; Walther gibt die Stimmung im Akkord c-moll oder auch C-dur
an, Johann Philipp Eisel (Musicus autodidactus, Erfurt 1738) F B c g c1
f1 b1. [...] Leopold Mozart (1756) kennt neben den Stimmungen in Dur- und
Mollakkorden eine Terz-Quart-Stimmung wie auf den Violen sowie eine
violinmaessige in Quinten, die auch Walther erwaehnt."
(Brockhaus Riemann R-Z, S. 308 f.)
Es gruesst Peter
--
Es ist gewiss etwas sehr Charakteristisches in dem Deutschen ein
paar Erfahrungen sogleich in ein System zu ordnen [...]. Nichts
hindert den Fortgang der Wissenschaft mehr. (Lichtenberg)
> Wer hat Informationen über die Viola d´amore, ein altes Barockinstrument?
In Reclams Musikinstrumentenführer. Die Instrumente und ihre Akustik.
Von Ermanno Briner. Mit Zeichnungen von Gianluca Poletti und Bruno
Agostinone. Zweite, durchgesehene und verbesserte Auflage von 1992 heißt
es nur (S. 365 f.):
Die Viola d'amore ist ein zu den Gamben gehörendes Instrument in
Bratschengröße, allerdings in Armstellung gespielt, bei dem unterhalb
des Halses 7-14 Resonanzsaiten verlaufen, dann über die Decke geführt
und unter den 6-7 Spielsaiten durch kleine Löcher des Steges gezogen
sind. Sie kommt in Meyerbeers »Hugenotten« (1836) vor. Hindemith schrieb
1927 ein Konzert für Viola d'amore (»Kammermusik Nr. 6« op. 46,1).
-----
Und in John Henry van der Meer: Musikinstrumente. Von der Antike bis zur
Gegenwart. Prestel-Verlag, München 1983 (Bibliothek des Gemanischen
Nationalmuseums Nürnberg zur deutschen Kunst- und Kulturgeschichte. Neue
Folge Band 2) steht auf S. 110 f. (nebst Abbildungen):
Die VIOLA D'AMORE besaß ursprünglich keine Resonanzsaiten. Von John
Evelyn (Tagebuch 1679) bis Johann Philipp Eisel (>Musicus Autodidaktos<,
1738) wird die Viola d'Amore beschrieben als ein Instrument in Viola da
Gamba-Form mit der Mensur etwa einer Bratsche oder einer Violine, mit
relativ niedrigen Zargen (um 4 cm) - was auf Armspiel schließen läßt -,
mit fünf bis sechs, gelegentlich sieben Saiten, die fast alle aus Metall
sind. Die höchste Saite konnte aus Darm sein. Hier wurden also
Metallsaiten gestrichen. Solche Instrumente, meistens den für die Viola
d'Amore typischen Flammen- oder Widerhakenlöchern, sind erhalten. Die
Metallsaiten sind korrodiert und durch Darmsaiten ersetzt worden, wobei
diese Instrumente als >Armviolen< aufgefaßt wurden. Es gibt aber keinen
Hinweis, daß fünf-, sechs- oder siebensaitige Instrumente mit Darmsaiten
- abgesehen von Viola pomposa und Quinton, die einer ganz anderen
Kategorie angehören - auf dem Arm gespielt worden wären. So ist die
Schlußfolgerung erlaubt, solche Instrumente als Viole d'Amore ohne
Resonanzsaiten mit gestrichenen Metallsaiten zu betrachten. Sie kommen
meistens aus Norddeutschland (Joachim Tielke, Hamburg; Paul Albrecht,
Danzig), gelegentlich auch aus Süddeutschland und Italien. Das
Germanische Nationalmuseum besitzt ein nicht signiertes süddeutsches
Instrument, mit fünf Saiten; eines mit sechs Saiten von Giuseppe
Gagliano (Neapel 1765) ist in der Sammlung Carel van Leeuwen Boomkamp.
Die klassische Viola d'Amore besitzt sechs, später sieben Spielsaiten
aus Darm und ebenso viele metallene Resonanzsaiten. Alle Saiten sind im
Wirbelkasten befestigt, der daher trotz der kleinen Wirbel besonders
langgestreckt sein muß. Die Resonanzsaiten laufen hinter dem Griffbrett
durch eine Hohlkehle im Hals und sind meistens an Haken am Saitenhalter
angehängt. Wahrscheinlich war Salzburg der Entstehungsort dieses Typs:
Das früheste erhaltene derartige Instrument ist von Johann Paul Schorn
in Salzburg und 1699 datiert (Gesellschaft der Musikfreunde, Wien, als
Leihgabe in der Sammlung alter Musikinstrumente, Wien). Der neue Typ
erreicht zunächst die benachbarten Gebiete, das oberösterreichische Linz
und Bayern, und erst in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts Wien,
Böhmen, Sachsen und Norditalien. Die Korpusform und die herkömmlichen
Flammen- und Widerhakenlöcher wurden beim neuen Instrument meistens
beibehalten. Es wird in einem gebrochenen Dreiklang gestimmt, meistens:
[...]
In frühen Werken mit Viola d'Amore kann es fraglich sein, ob das
Instrument ohne oder mit Resonanzsaiten gemeint ist, so an drei Stellen
in der Kantate Tritt auf die Glaubensbahn (BWV 152, 1714) von Johann
Sebastian Bach.
Leopold Mozart, der Vater von Wolfgang Amadeus, hat am Anfang seiner
>Violinschule< von 1756 eine Zusammenfassung der seinerzeit
gebräuchlichen Streichinstrumente gegeben. Darunter nennt er das
ENGLISCHE VIOLETT, eine Viola d'Amore mit doppelt so vielen Resonanz-
wie Spielsaiten. Es sind auch Viole d'Amore mit mehr Resonanz- als
Spielsaiten bekannt; das Verhältnis beträgt nicht immer 2:1. Meistens
haben sie einen ziemlich länglichen Korpus mit welligem Ober- und
Unterbügel, gelegentlich auch mit Einschnitten darin wie bei der
süddeutschen Viola da Gamba. Die meisten Instrumente dieser Art stammen
aus dem Süden des deutschen Sprachgebiets. Kein Komponist hat jedoch
gezielt für Englisches Violett geschrieben: Man hat darauf wohl die
normalen Viola d'Amore-Stimmen ausgeführt.
Auch der Tanzmeistergeige wurden manchmal Resonanzsaiten beigegeben.
Solche POCHETTES D'AMOUR haben vier Spiel- und vier metallene
Resonanzsaiten, die wie bei der Viola d'Amore durch eine Hohlkehle im
Hals laufen.
Aber was die Stimmung der Saiten angeht, herrscht bei mir immer noch
verwirrung.
Ich vermutete:
d0 f0 a0 d1 f1 a1 d2
In einem Minilexikon (in dem es nur am Rande erwähnt wird) steht:
meist in
A0 d0 a0 d1 f#1 a1 d2
Peter zitierte:
F0 B0 c0 g0 c1 f1 b1
Während also mein Minilexikon schon eine Stimmung beschreibt, die eine Quarte
tiefer steht als meine vermutung, so zitiert Peter eine Stimung die nochmal
eine große Terz tiefer steht, und somit nur eine Quarte vom Cello entfernt ist
- sehr merkwürdig, das!
Vieleicht meldet sich ja noch jemand, der dieses Instrument vielleicht sogar
spielt...
Grüße (und nochmals Dank)
John Strieder (AlbanBe...@cs.com)
P.S.: Wisst ihr, was es für CDs von dem Hindemith-Konzert gibt?
Oder hat Naxos irgendetwas mit diesem Instrument im Programm?