Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Referenzaufnahme für Mozarts "Zauberflöte"

264 views
Skip to first unread message

Philipp Ungan

unread,
Mar 10, 2001, 11:54:03 AM3/10/01
to
Hallo Freunde der klassischen Musik,
gibt es so etwas wie eine Referenzaufnahme (bzw. empfehlenswerte Aufnahmen)
von Mozarts Oper "Die Zauberflöte"?

Viele Grüße & Dank im Voraus!

Philipp


Roger Pellaton

unread,
Mar 10, 2001, 12:40:47 PM3/10/01
to
Philipp Ungan <Un...@goch.com> wrote:

> gibt es so etwas wie eine Referenzaufnahme (bzw. empfehlenswerte Aufnahmen)
> von Mozarts Oper "Die Zauberflöte"?

Ja. Und nein.
Wurde ausführlich vor wenigen Wochen hier diskutiert.


--
Roger
Einnahmen aus der Viehhaltung haben wir keine. Mit dem
Tod meines Mannes ging das letzte Rindvieh vom Hof.
(Versicherungsschreiben)

Anna Mosler

unread,
Mar 10, 2001, 12:36:32 PM3/10/01
to
Hallo Philipp,

am 18.1.2001 begann hier ein Thread mit dem Betreff "Zauberflöte".
Hast du da schon nachgeschaut?

Gruss

Anna

"Philipp Ungan" <Un...@goch.com> schrieb:

Philipp Ungan

unread,
Mar 10, 2001, 1:43:28 PM3/10/01
to
Hallo Anna,
ich habe den besagten Thread gefunden, danke dafür, obwohl ich ehrlich
gesagt bin ich nicht viel schlauer als vorher. Dein Video in Ehren, doch ich
wollte 'ne CD-Aufnahme ;-)

Aus der kontroversen Diskussion lese ich heraus, dass die Böhm-Aufnahme als
eine der Besten gilt.
Welche von Beiden ist denn gemeint?

DGG, ADD, 64 2 CD, 7948329 44.95 DM
VÖ-Datum: 4.2.97
Interpreten/Komponisten:
Lear, Otto, Peters, Fischer-Dieskau, Crass, Hotter, Wunderlich, Berlin PO,
Böhm

oder

DGG, ADD, 64/73 3 CD, 5109014 59.95 DM
VÖ-Datum: 8.5.89
Interpreten/Komponisten:
+Der Schauspieldirektor (ohne Dialoge) Lear, Otto, Peters, Fischer-Dieskau,
Crass, Hotter, Wunderlich, Berlin PO, Böhm (Zauberflöte)
Moll, Schreier, Grist, Auger, Staatskapelle Dresden, Böhm


Viele Grüße
Philipp


Anna Mosler

unread,
Mar 10, 2001, 1:56:18 PM3/10/01
to
Hallo Philipp,

"Philipp Ungan" <Un...@goch.com> schrieb im Newsbeitrag
news:98dsh3$oki$00$1...@news.t-online.com...


> Hallo Anna,
> ich habe den besagten Thread gefunden, danke dafür, obwohl ich ehrlich
> gesagt bin ich nicht viel schlauer als vorher.

Du befindest dich am Eingang zum Tempel der Weisheit, andere wandeln schon
länger darin herum.
Zum Glück, zum Glück, sind wir auch noch nicht schlauer! Deshalb wandeln wir
freudig weiter...

> Dein Video in Ehren,

Aber doch nicht wegen des von mir erwähnten (und gar nicht mehr im Handel
befindlichen) Videos habe ich dich auf diesen Thread hingewiesen!

Anna


Peter Brixius

unread,
Mar 10, 2001, 2:51:04 PM3/10/01
to
Hallo Philipp,

um vorauszuschicken, hier wie auch anderswo gibt es keine
"Referenz"aufnahme, es gibt eine Reihe sehr guter Aufnahmen und auch
hoerenswerte gute, viel Durchschnitt und einigen schlimme Ausfaelle.
Wenn man sich also eine Aufnahme zulegen moechte, so spielt eine
Rolle, wieweit man sich schon im Repertoire auskennt, ob man bestimmte
Vorlieben hat, wie wichtig einem ein DDD auf der CD-Huelle ist u.a.

On Sat, 10 Mar 2001 19:43:28 +0100, "Philipp Ungan" <Un...@goch.com>
wrote:

>
>Aus der kontroversen Diskussion lese ich heraus, dass die Böhm-Aufnahme als
>eine der Besten gilt.

Das duerftest Du aber so nicht entnehmen koennen, die genannte
Aufnahme zaehlt zu den guten, allerdings vor allem wegen des Taminos
von Wunderlich. Der Furtwaengler- oder der Toscanini-Einspielung etwa
kann sie mE nicht das Wasser reichen.

>Welche von Beiden ist denn gemeint?
>
>DGG, ADD, 64 2 CD, 7948329 44.95 DM
>VÖ-Datum: 4.2.97
>Interpreten/Komponisten:
>Lear, Otto, Peters, Fischer-Dieskau, Crass, Hotter, Wunderlich, Berlin PO,
>Böhm
>
>oder
>
>DGG, ADD, 64/73 3 CD, 5109014 59.95 DM
>VÖ-Datum: 8.5.89
>Interpreten/Komponisten:
>+Der Schauspieldirektor (ohne Dialoge) Lear, Otto, Peters, Fischer-Dieskau,
>Crass, Hotter, Wunderlich, Berlin PO, Böhm (Zauberflöte)
>Moll, Schreier, Grist, Auger, Staatskapelle Dresden, Böhm
>

Die beiden sind, wie an der Besetzung erkennbar, identisch.
Entscheidend ist erst einmal das Aufnahmedatum, nicht das
Veroeffentlichungsdatum. Von Boehm gibt es noch eine gute Einspielung
von 1941 mit Anders als Tamino, Reinig als Pamina, Piltti als Koenigin
der Nacht, Weber als Sarastro, Poell als Papageno, sowie die
Einspielung von 1955 mit Gueden, Simoneau, Lipp, Boehme, Berry und
Schoeffler.
>
Wenn Du etwas genauer Deine Erwartungen an die Einspielung nennst,
kann man vielleicht konkreter antworten - nur eine Einspielung, die
man als "Referenz" nennen koennte ...

Es gruesst Peter

--
[Der Mensch] macht die Uebereinkuenfte der anderen zu seinem Eigen-
tum. Er verhaertet seine Gedanken zu ungeschmeidigen Vorstellungen
und vertroestet seine inwendigen Kraefte auf ein Nachher oder Jen-
seits. (Jahnn: Fluss ohne Ufer)

Roger Pellaton

unread,
Mar 10, 2001, 4:49:08 PM3/10/01
to
Philipp Ungan <Un...@goch.com> wrote:

> Welche von Beiden ist denn gemeint?

Ist doch die gleiche. 8)
Einfach einmal gebundelt mit dem Schauspiel-Direktor.


--
Roger

Der Rhein ist wie ein Jungbrunnen.
Wer daraus trinkt, wird nicht alt.

orphee

unread,
Mar 10, 2001, 5:26:49 PM3/10/01
to
>===== Original Message From pell...@magnet.ch (Roger Pellaton) =====

>Philipp Ungan <Un...@goch.com> wrote:
>
>> Welche von Beiden ist denn gemeint?
>
>Ist doch die gleiche. 8)
>Einfach einmal gebundelt mit dem Schauspiel-Direktor.
>
>
>
Ja, lieber Roger

das stimmt, nur Peter hat sich ein wenig umständlich ausgedrückt.
Ich liebe beide Aufnahmen, jede in sich ist etwas Besonderes.

Aber auch nicht zuverachten ist die Aufnahme unter Fricsay
auf DGG mit Greindl als Sarastro, Streich als Königin, Stader als
Pamina und Haefliger als Tamino.
Auc die Aufnahme von Solti mit Lorengar (hinreissend), Burrows, Prey
und der Deutkom ist nicht zu verachten.

Liebe Grüsse
Orphee

Peter Brixius

unread,
Mar 11, 2001, 1:12:32 AM3/11/01
to
Hallo Orphee,

In article <3AC0...@MailAndNews.com>, orp...@MailAndNews.com says...


> >
> >Ist doch die gleiche. 8)

> das stimmt, nur Peter hat sich ein wenig umst=E4ndlich ausgedr=FCckt.
?


> Ich liebe beide Aufnahmen, jede in sich ist etwas Besonderes.
>

Worin bestehen denn die Unterschiede, die ein jeweils Besonderes
ausmachen?

Um dann doch noch etwas deutlicher zu der genannten Aufnahme zu werden:
zunaechst ist es eine traditionelle Aufnahme, in der man wenig von den
Klangraffinessen hoert, die Mozart da komponiert hat, dann muss man
schon bei Gardiner, Mackerras oder Norrington (den ich vorziehe)
nachhoeren (die Stelle in der Ouvertuere T. 58 ff. habe ich hier einmal
diskutiert). Das Dirigat Boehms kann mich nicht ueberzeugen, da gibt es
besseres. Und dann die Besetzung *neben* Wunderlich, dessen Leistung
diese Einspielung begehrt gemacht hat. Doch kann ich Loebl/Werba nicht
folgen: "Wunderlich ist der beste, der ideale Tamino aller Zeiten." (S.
257) Es ist eine grosse Interpetation, aber der Groetaz? Gibt es da
nicht noch Roswaenge (Toscanini, Beecham), Dermota (Karajan,
Furtwaengler) oder Anders (Boehm 1941)?
Auch Crass macht seine Sache nicht schlecht (vgl. aber Kipnis, Weber
oder Schoeffler). Aber dann kommt Roberta Peters als Koenigin der Nacht
- da hoere man nur einmal Wilma Lipp (z.B. Furtwaengler 1951) zum
Vergleich. (Was soll etwa der scharfe Akzent auf "erko'ren"? Ueberall
anderswo hoert man das wie auch sinnvoll legato. Auch stoert mich da
z.T. starke Vibrato von Peters, bei "O zittre nicht" zittert sie mehr
als Tamino :-))
Und was soll man zur Pamina von Evelyn Lear schreiben? Hoer Dir nur mal
ihr "Fuehlst Du nicht der Liebe Sehnen" aus der Nr. 17 und vergleiche
das einmal mit der entsprechenden Stelle bei Furtwaengler, gesungen von
Seefried oder Tiana Lemnitz bei Beecham (BTW auch diese Aufnahme wird
von Referenzsuechtigen als eine solche gefuehrt ... und da gibt es
inzwischen die tolle Aufbereitung aus den Dutton Laboratories).
Und Fischer-Dieskau als Papageno - hier gefaellt er mir bei weitem nicht
so wie etwa Domgraf-Fassbaender bei Toscanini .


> Aber auch nicht zuverachten ist die Aufnahme unter Fricsay

> auf DGG mit Greindl als Sarastro, Streich als K=F6nigin, Stader als


> Pamina und Haefliger als Tamino.

Warum nicht zu verachten? Da waeren doch ein paar Woertlein der
Erklaerung am Platze. Der saengerischen Leistungen wegen? Oder doch eher
wegen des charakteristischen Dirigats Fricsays?

> Auc die Aufnahme von Solti mit Lorengar (hinreissend), Burrows, Prey
> und der Deutkom ist nicht zu verachten.
>

Da hier Loebl/Werba, mit denen ich durchaus nicht immer uebereinstimme,
es so trocken und treffend ausgedrueckt haben, zitiere ich sie, um zu
zeigen, was einen bei dieser Aufnahme bedrueckt:
"Diese Aufnahme kommt aus Wien, ist aber nur in geringsten Mengen
wienerisch. Es raecht sich, dass man echte und angebliche Stars
zusammenholte, ohne Ensemblebindung, ohne einheitlichen Stil. So ist das
eine brillante Allerweltsauffuehrung geworden, glatt und oberflaechlich,
herzlos und in manchen Details sogar seltsam. Das seltsamste: Die
Koenigin der Nacht [=Deutekom] singt ihre Koloraturen mit der
Bedrohlichkeit einer mechanischen Nachtigall und im Stil des Erzherzog-
Johann-Jodlers."

Es gruesst Peter

--
Die Faulheit seiner Seele wird so allgemein, dass [der Mensch] Un-
recht, ihm selbst zugefuegt, mit stoischen Betrachtungen verklei-
det.
(Jahnn: Fluss ohne Ufer)

Claus Huth

unread,
Mar 11, 2001, 4:54:51 AM3/11/01
to
Lieber Peter,

Peter Brixius wrote:

> > Aber auch nicht zuverachten ist die Aufnahme unter Fricsay
> > auf DGG mit Greindl als Sarastro, Streich als K=F6nigin, Stader als
> > Pamina und Haefliger als Tamino.
> Warum nicht zu verachten? Da waeren doch ein paar Woertlein der
> Erklaerung am Platze. Der saengerischen Leistungen wegen? Oder doch eher
> wegen des charakteristischen Dirigats Fricsays?

Ja, da wäre ich doch dankbar, wenn mich jemand aufklärte. Die steht ja
grade bei 2001 für 19,95 rum, und ich hab schon zweimal überlegt, ob ich
sie mir nun kaufen solle, und zweimal hab ich sie stehen lassen......

[Solti I]

> Da hier Loebl/Werba, mit denen ich durchaus nicht immer uebereinstimme,
> es so trocken und treffend ausgedrueckt haben, zitiere ich sie, um zu
> zeigen, was einen bei dieser Aufnahme bedrueckt:
> "Diese Aufnahme kommt aus Wien, ist aber nur in geringsten Mengen
> wienerisch. Es raecht sich, dass man echte und angebliche Stars
> zusammenholte, ohne Ensemblebindung, ohne einheitlichen Stil. So ist das
> eine brillante Allerweltsauffuehrung geworden, glatt und oberflaechlich,
> herzlos und in manchen Details sogar seltsam. Das seltsamste: Die
> Koenigin der Nacht [=Deutekom] singt ihre Koloraturen mit der
> Bedrohlichkeit einer mechanischen Nachtigall und im Stil des Erzherzog-
> Johann-Jodlers."

;-)) Köstlich, das kannte ich nicht ;-)) Erzherzog-Johann-Jodler,
klasse!!

Beste Grüsse

Claus


Peter Brixius

unread,
Mar 11, 2001, 6:56:45 AM3/11/01
to
Lieber Claus,

On Sun, 11 Mar 2001 10:54:51 +0100, in de.rec.music.klassik you wrote:

>> > Aber auch nicht zuverachten ist die Aufnahme unter Fricsay
>> > auf DGG mit Greindl als Sarastro, Streich als K=F6nigin, Stader als
>> > Pamina und Haefliger als Tamino.
>> Warum nicht zu verachten? Da waeren doch ein paar Woertlein der
>> Erklaerung am Platze. Der saengerischen Leistungen wegen? Oder doch eher
>> wegen des charakteristischen Dirigats Fricsays?
>
>Ja, da wäre ich doch dankbar, wenn mich jemand aufklärte. Die steht ja
>grade bei 2001 für 19,95 rum, und ich hab schon zweimal überlegt, ob ich
>sie mir nun kaufen solle, und zweimal hab ich sie stehen lassen......
>

Dir darf ich die Aufnahme anraten, v.a. eben wegen des Dirigats von
Fricsay - das ist doch immer eine Anschaffung wert. Die Loesung fuer
die Rollen (gute) Sprecher statt der Saenger einzusetzen, macht einen
nicht unbedingt gluecklich, erspart einem natuerlich auch manches :-)
Edles Mono wird Dich auch nicht stoeren. Haefliger als Papgeno,
Fischer-Dieskau als Papageno sind Geschmackssache (mich stoert diese
aufgesetzte Naivitaet, mit Betonung auf 'lustig') Rita Streich ist
auch nicht meine erste Wahl fuer die Koenigin der Nacht (aber besser
als Roberta Peters IMHO). Wunderschoen singt Maria Stader und Greindl
ist auch eine gute Besetzung fuer den Sarastro, Trumpfkarten sind
Fricsay, der RIAS-Kammerchor und das RIAS Symphonie-Orchester Berlin.
Ein hinreissendes Finale ...

>[Solti I]
>
[snip]


>
>;-)) Köstlich, das kannte ich nicht ;-)) Erzherzog-Johann-Jodler,
>klasse!!
>

Fand ich auch ... :-))

Es gruesst herzlich Peter

orphee

unread,
Mar 11, 2001, 7:34:32 AM3/11/01
to
>===== Original Message From Claus Huth <clhu...@stud.uni-saarland.de> =====

Die
>> Koenigin der Nacht [=Deutekom] singt ihre Koloraturen mit der
>> Bedrohlichkeit einer mechanischen Nachtigall und im Stil des Erzherzog-
>> Johann-Jodlers."
>

>;-)) Köstlich, das kannte ich nicht ;-)) Erzherzog-Johann-Jodler,
>klasse!!
>

Ihr kennt den Erzherzog-Johann-Jodler nicht:
' Wo I geh' und steh' tuat mir mei Herz so weh.....'
:-))))))
Orphee

Alfred Schmidt

unread,
Mar 11, 2001, 9:16:25 AM3/11/01
to

Philipp Ungan <Un...@goch.com> schrieb in im Newsbeitrag:
98dsh3$oki$00$1...@news.t-online.com...


> Aus der kontroversen Diskussion lese ich heraus, dass die Böhm-Aufnahme
als
> eine der Besten gilt.
> Welche von Beiden ist denn gemeint?
>

Lieber Philipp, Lieber Peter, Liebe Mozartianer

1) Dass die beiden von Dir zitierten Böhm-Aufnahmen identisch sind, haben
Dir inzwischen auch andere geschrieben, das weßt Du alo bereits.

2) Ist es eine Referenzaufnahme ?
Ja natürlich. Schon allein wegen des unvergleichlichen Fritz Wunderlich,
aber auch wegen Böhm, der jahrzehntelang den Wiener Mozart-Geschmack seiner
Zeit mitprägte.
Aber: Auch Referenzaufnahmen "altern", sie entsprechen oft nicht mehr dem
Zeitgeschmack. Was man an Böhms Interpretationen früher lobte, wird heute
teilweise getadelt. Dazu gehört m.E. der ausgeprägte "Schönklang" unter
Einebnung und Glättung dramatischer Strukturen.

3)Persönlich glaube ich, daß die "Zauberflöte" eine "Idee" ist, die nie ganz
ideal verwirklicht werden kann, darin liegt aber gerade ihr Reiz.

4) Zur Frage, um die es eigentlich ging, ob dies eine besitzenswerte
Aufnahme sei muß ich bedingungslos JA sagen, aber mit
e i n er Zauberflöte kann höchstens der Einstieg gemacht werden....

5) Es gibt tatsächlich noch eine zweite STEREO Aufnahme der Zauberflöte
unter Karl Böhm, (1955?) mit Simeneau, Lipp, Güden, etc (DECCA).
Allerdings (Hallo Peter!) muss angemerkt werden, daß bei dieser alle Dialoge
fehlen,sie also nur eine Ansammlung aller Musiknummern ist.


6.)Die Aufnahme von 1966 ist eine gute rauscharme Stereoaufnahme und wird
auch Klangfetischisten nicht vergrämen.
Nicht DIE Referenz schlechthin (die gibt es nämlich nicht), aber IMHO eine
sehr gute Aufnahme.

mit freundlichen Grüßen aus Wien
Alfred


Peter Brixius

unread,
Mar 11, 2001, 9:54:57 AM3/11/01
to
Lieber Alfred,

On Sun, 11 Mar 2001 15:16:25 +0100, "Alfred Schmidt"
<aon.91...@aon.at> wrote:

[Boehm 1965]


>
>2) Ist es eine Referenzaufnahme ?
>Ja natürlich. Schon allein wegen des unvergleichlichen Fritz Wunderlich,
>aber auch wegen Böhm, der jahrzehntelang den Wiener Mozart-Geschmack seiner
>Zeit mitprägte.

Wenn man *eine* Referenzaufnahme sagt (eigentlich ein Widerspruch in
sich), bin ich dabei.

Was Boehm angeht, so sind seine frueheren Aufnahmen haeufig die
besseren. Ich ziehe im Zweifel beim Dirigat eben die Salzburger
Einspielung von 1941 (erschienen bei Myto) vor, zu der es allerdings
Alternativen gibt. Wenn man von Wunderlich absieht, der aber dort von
Anders nicht eben schlecht vertreten wird, so sind die anderen Rollen
dort mE besser, zT. weit besser besetzt.

>Aber: Auch Referenzaufnahmen "altern", sie entsprechen oft nicht mehr dem
>Zeitgeschmack. Was man an Böhms Interpretationen früher lobte, wird heute
>teilweise getadelt. Dazu gehört m.E. der ausgeprägte "Schönklang" unter
>Einebnung und Glättung dramatischer Strukturen.
>

BTW gibt es eben auch bessere Mozarteinspielungen von Boehm als gerade
die Zauberfloete.

>3)Persönlich glaube ich, daß die "Zauberflöte" eine "Idee" ist, die nie ganz
>ideal verwirklicht werden kann, darin liegt aber gerade ihr Reiz.
>

D'accord ...

>4) Zur Frage, um die es eigentlich ging, ob dies eine besitzenswerte
>Aufnahme sei muß ich bedingungslos JA sagen, aber mit
>e i n er Zauberflöte kann höchstens der Einstieg gemacht werden....
>

Auch da bin ich einverstanden. Beecham, Furtwaengler (1951), Karajan
(1950), Toscanini, Walter sind weitere Adressen. HIP-Interpretationen
habe ich schon genannt, der Vollstaendigkeit halber auch hier
Gardiner, Mackerras, Norrington - jetzt haette ich ihn beinahe
vergessen ('tschuldigung, Claus) Christie ...

>5) Es gibt tatsächlich noch eine zweite STEREO Aufnahme der Zauberflöte
>unter Karl Böhm, (1955?) mit Simeneau, Lipp, Güden, etc (DECCA).
>Allerdings (Hallo Peter!) muss angemerkt werden, daß bei dieser alle Dialoge
>fehlen,sie also nur eine Ansammlung aller Musiknummern ist.
>

Es war uebrigens *meine* erste Zauberfloete, damals noch von den
Einkuenften aus guten Arbeiten & Kegelaufsetzen erstanden ... Dazu hat
man natuerlich ein nostalgisches Verhaeltnis. Berry und Lipp scheinen
mir das auch heute noch zu rechtfertigen.


>
> 6.)Die Aufnahme von 1966 ist eine gute rauscharme Stereoaufnahme und wird
>auch Klangfetischisten nicht vergrämen.
>Nicht DIE Referenz schlechthin (die gibt es nämlich nicht), aber IMHO eine
>sehr gute Aufnahme.
>

Es gruesst herzlich Peter

Philipp Ungan

unread,
Mar 11, 2001, 11:50:47 AM3/11/01
to
Hallo Alfred,

ich sehe ein, dass der Begriff "Refernzaufnahme" im Bezug auf die Bewertung
eines Kunstwerks hinkt, auch wenn Opernführer suggerieren, es gäbe immortale
Referenzaufnahmen, so ist es in Wahrheit ähnlich wie einem technischen
Gerät, das auch veraltet.

Meine Ansprüche an Aufnahmen sind vor allem ein gelungenes Klangbild ohne
Rauschen, Verzerrungen oder ähnlichem und zweitens Lebendigkeit, wobei die
Tradition ruhig verlassen werden kann. Ich legen keinen großen Wert auf
historisch bedeutsame Aufnahmen.

Böhm wird mir wärmestens empfohlen, und ich glaube damit einen guten Griff
zu tätigen, auch wenn ich auf seine mitunter außerordentliche Pompösität
verzichten kann.

Was heißt denn "gebundelt mit Schauspiel-Direktor"?

Grüße
Philipp


Peter Brixius

unread,
Mar 11, 2001, 12:27:29 PM3/11/01
to
Hallo Philipp,

On Sun, 11 Mar 2001 17:50:47 +0100, "Philipp Ungan" <Un...@goch.com>
wrote:

>


>Meine Ansprüche an Aufnahmen sind vor allem ein gelungenes Klangbild ohne
>Rauschen, Verzerrungen oder ähnlichem und zweitens Lebendigkeit, wobei die
>Tradition ruhig verlassen werden kann. Ich legen keinen großen Wert auf
>historisch bedeutsame Aufnahmen.
>

Wie waere es denn mit der Einspielung von Christie, die Dir in puncto
Klangqualitaet ein erhebliches Mehr als Boehm bieten wird, in bester
historischer Auffuehrungpraxis steht, eine gute Besetzung hat und eine
vom musikalischen her wirklich gelungenes Dirigat? Blochwitz als
Tamino, Dessay als Koenigin der Nacht, Scharinger als Papageno und
Mannion als Pamina ... was will man heute mehr?

>Böhm wird mir wärmestens empfohlen, und ich glaube damit einen guten Griff
>zu tätigen, auch wenn ich auf seine mitunter außerordentliche Pompösität
>verzichten kann.
>

Die findest Du bei William Christie nicht vor.

>Was heißt denn "gebundelt mit Schauspiel-Direktor"?

Frueher haette man sich da in deutscher Sprache verstaendigt, aber es
geht ja um Software - es ist eine CD-Box, in der ausser der
Zauberfloete auch der Schauspieldirektor von Mozart enthalten ist, ein
Werk, das im Auftrag Kaiser Josephs entstand und als Konkurrenzstueck
zu Salieris "Prima la musica" mit dieser uraufgefuehrt wurde.

Es gruesst Peter

Dieter Göbel

unread,
Mar 11, 2001, 2:00:27 PM3/11/01
to

"Peter Brixius" <Peter....@Koeln.Netsurf.de> schrieb im Newsbeitrag
news:0ucnat82tq4nutukr...@4ax.com...
> Hallo Philipp,

>
aber es
> geht ja um Software - es ist eine CD-Box, in der ausser der
> Zauberfloete auch der Schauspieldirektor von Mozart enthalten ist, ein
> Werk, das im Auftrag Kaiser Josephs entstand und als Konkurrenzstueck
> zu Salieris "Prima la musica" mit dieser uraufgefuehrt wurde.
>
Hallo Peter und Philipp,
ich habe damals diese Kombination gekauft, weil es die Doppel-CD noch
nicht gab.
Aber "Der Schauspieldirektor" ist sehr hörenswert, die Ouvertüre(!) und
die vier Nummern sind durchaus Mozart auf der Höhe seiner Meisteropern.
Die Böhm-Aufnahme - und deswegen bleibt sie in meinen Regalen nicht nur
stehen - schätze ich:
1. wegen des ausgeglichenen Dirigats
2. wegen Wunderlich und Crass
Aber es ist nur ein Aspekt der Zauberflöte;-)

An Gardiner kann ich mich nicht erfreuen, so sehr mir seine
Klavierkonzerte mit Bilson gefallen. Da ist doch ziemlich viel "Leben"
auf der Strecke geblieben.
Viele Grüße
Dieter

Claus Huth

unread,
Mar 11, 2001, 3:55:26 PM3/11/01
to
Lieber Peter,

fast erwartungsgemäss (oder?) möchte ich Dir da natürlich zur Seite
springen ;-)

Peter Brixius wrote:
>
> Wie waere es denn mit der Einspielung von Christie, die Dir in puncto
> Klangqualitaet ein erhebliches Mehr als Boehm bieten wird, in bester
> historischer Auffuehrungpraxis steht, eine gute Besetzung hat und eine
> vom musikalischen her wirklich gelungenes Dirigat? Blochwitz als
> Tamino, Dessay als Koenigin der Nacht, Scharinger als Papageno und
> Mannion als Pamina ... was will man heute mehr?

Vielleicht noch Hagen als Sarastro - und Der wunderbare Laurent Naouri
in den Rollen als Priester und Geharnischter ist auch nicht zu
verachten. Ich habe mich grade nochmal durch die Aufnahme gehört
(Papageno will grade "Ein Mädchen oder Weibchen"), eit längerem Mal
wieder. Und immer noch möchte ich sie gerne empfehlen, höre sie auch
immer wieder gerne, obwohl ich sie eigentlich inzwischen doch sehr gut
kenne (BTW sind IMHO auch die Dialoge für das Medium CD ziemlich gut
gelungen, auch wenn man sie sich vielleicht manchmal etwas ungekürzter
wünscht).....

> >Böhm wird mir wärmestens empfohlen, und ich glaube damit einen guten Griff
> >zu tätigen, auch wenn ich auf seine mitunter außerordentliche Pompösität
> >verzichten kann.
> >
> Die findest Du bei William Christie nicht vor.

Ei Gottseidank nicht, oder?

Beste Grüsse

Claus

Philipp Ungan

unread,
Mar 11, 2001, 4:52:10 PM3/11/01
to
Salü Peter!

Peter Brixius <Peter....@Koeln.Netsurf.de> schrieb in im Newsbeitrag:
0ucnat82tq4nutukr...@4ax.com...
[...]


> Wie waere es denn mit der Einspielung von Christie, die Dir in puncto
> Klangqualitaet ein erhebliches Mehr als Boehm bieten wird, in bester
> historischer Auffuehrungpraxis steht, eine gute Besetzung hat und eine
> vom musikalischen her wirklich gelungenes Dirigat? Blochwitz als
> Tamino, Dessay als Koenigin der Nacht, Scharinger als Papageno und
> Mannion als Pamina ... was will man heute mehr?

Die obengenannte Aufnahme scheint sehr interessant zu sein. Lass mich an
einen Experten noch die Fraeg stellen, was Du von Roger Norrington hälst und
in wie fern sie mit Christie vergleichbar ist.

Viele Grüße
Philipp


Johannes Roehl

unread,
Mar 14, 2001, 7:10:28 AM3/14/01
to
On Sun, 11 Mar 2001, Dieter Göbel wrote:
> "Peter Brixius" <Peter....@Koeln.Netsurf.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:0ucnat82tq4nutukr...@4ax.com...
> > Hallo Philipp,
> >
> aber es
> > geht ja um Software - es ist eine CD-Box, in der ausser der
> > Zauberfloete auch der Schauspieldirektor von Mozart enthalten ist, ein
> > Werk, das im Auftrag Kaiser Josephs entstand und als Konkurrenzstueck
> > zu Salieris "Prima la musica" mit dieser uraufgefuehrt wurde.
> >
> Hallo Peter und Philipp,
> ich habe damals diese Kombination gekauft, weil es die Doppel-CD noch
> nicht gab.
> Aber "Der Schauspieldirektor" ist sehr hörenswert, die Ouvertüre(!) und
> die vier Nummern sind durchaus Mozart auf der Höhe seiner Meisteropern.

Na ja, die Ouverture ist sicher ganz grossartig, aber alle die meinen,
dass der text der Zauberflöte irgendwie albern sei, sollten sich mal den
Schauspieldirektor anhören...

> Die Böhm-Aufnahme - und deswegen bleibt sie in meinen Regalen nicht nur
> stehen - schätze ich:
> 1. wegen des ausgeglichenen Dirigats
> 2. wegen Wunderlich und Crass
> Aber es ist nur ein Aspekt der Zauberflöte;-)

ich sollte der Aufnahme vielleicht nohcmal eine Chance geben; sie wurde
auch sonst von ernstzunehmender Seite empfohlen, aber ich war, als ich sie
vor ein oder zwei Jahren mal ausgeliehen hatte, doch recht
enttäuscht...(fand das Ding einfach langweilig)

JR

--
Enkephalon mê esthie! (Pythagoreer, DK58 C6,31)


Peter Brixius

unread,
Mar 15, 2001, 6:11:46 AM3/15/01
to
Hallo Johannes,

On Wed, 14 Mar 2001 13:10:28 +0100, Johannes Roehl
<s6...@mailserv.uni-giessen.de> wrote:


>
>Na ja, die Ouverture ist sicher ganz grossartig, aber alle die meinen,
>dass der text der Zauberflöte irgendwie albern sei, sollten sich mal den
>Schauspieldirektor anhören...
>

Deshalb hat es auch eine Reihe von Umtextierungen gegeben, die
allerdings eher in die Kuriositaetenschau gehoeren ...
Salieri hatte einfach das bessere Libretto, deshalb ging er auch als
Sieger von der Walstatt.



>> Die Böhm-Aufnahme - und deswegen bleibt sie in meinen Regalen nicht nur
>> stehen - schätze ich:
>> 1. wegen des ausgeglichenen Dirigats
>> 2. wegen Wunderlich und Crass
>> Aber es ist nur ein Aspekt der Zauberflöte;-)
>
>ich sollte der Aufnahme vielleicht nohcmal eine Chance geben; sie wurde
>auch sonst von ernstzunehmender Seite empfohlen, aber ich war, als ich sie
>vor ein oder zwei Jahren mal ausgeliehen hatte, doch recht
>enttäuscht...(fand das Ding einfach langweilig)

... ist vielleicht ein anderes Wort fuer "ausgeglichen" :-)

SCNR

0 new messages