Ich hab ein Problem. Ich bin auf der Suche nach der deutschen Übersetzung
der Oper Carmina Burana oder noch besser, der kompletten 250 Verse der
Lieder von Beuren, aus denen Orff seine 25 Verse genommen hat.
Ich würde mich sehr freuen, wenn irgendjemand mir da eine entsprechende
Auskunft geben könnte !
Ich besitze zwar die 25 Verse von Orff, aber mir fehlt halt die Übersetzung
dazu !
Grüße
Christian
hä? gipsnich!
carmina burana = Bauernlieder
cationes profanae (Untertitel) = weltliche gesänge
versuch mal
über c.b.
http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.c/c160784.htm
http://home.tu-clausthal.de/student/chor/carmina.html
text lateinisch
http://www.gutenberg.aol.de/anonymus/carmina/carmina.htm
text deutsch
http://www.altenforst.de/archiv/konz25/carmina.htm
(in 4 min im internet gefunden. suchmaschinen ...)
anmerkung: da sich carl orff IMHO mit diesem stück den damaligen machthabern
angebiedert hat, sollte man es links liegen lassen.
frank
On Mon, 20 Nov 2000 19:25:15 +0100, "Christian Fege"
<christi...@t-online.de> wrote:
>Hallo erstmal !
>
>Ich hab ein Problem. Ich bin auf der Suche nach der deutschen Übersetzung
>der Oper Carmina Burana oder noch besser, der kompletten 250 Verse der
>Lieder von Beuren, aus denen Orff seine 25 Verse genommen hat.
Dem kann geholfen werden. Eine wohlfeile zweisprachige Ausgabe der
Carmina burana gibt es bei dtv klassik 2063 komplett, bei Reclam
(8785) in Auswahl auch zweisprachig. Eine hoechst vergnuegliche und
anregende Lektuere, vor allem, wenn man sich um den lateinischen Text
mit einigen Sprachkenntnissen und dem Kommentar mueht. Allein schon
das erste Lied mit seinem
Nummus ubi loquitur,
fit iuris confusio,
pauper retro pellitur,
quem defendit ratio,
sed dives attrahitur
pretiosus pretio.
hunc iudex adorat,
facit, quod implorat;
pro quo nummus orat,
explet, quod laborat.
dtv: (Mammon fuehrt das grosse Wort,/ und das Recht wird dreist
verdreht;/ einen Armen jagt man fort,/ dem Vernunft zur Seite steht, /
nur die Reichen schaetzt man dort, /wo's um hoechste Gueter geht./
Frommer Antlitz lichtet / Mammon hoch geschichtet; / wo der Mammon
richtet, / ist der Streit geschlichtet.) Reclam: (Wo Geld das Wort
ergreift, / wird das Recht verdreht; / den Armen weist man ab, / fuer
den gute Gruende sprechen; / um den Reichen aber mueht man sich, / der
hochgeschaetzt ist, weil er zahlt. / Den betet an der Richter, / tut,
was er begehrt. / Fuer wen das Geld plaediert, / der bringt zuwege,
was er unternimmt.)
und dem kaum mehr uebersetzbaren Schlusscouplet:
(tale fedus hodie
defedat et inficit)
nostros ablativos,
qui absorbent vivos,
moti per dativos
movent genitivos
(Diesen grammatischen Witz erklaert etwa die dtv-Ausgabe:
Die Ablative sind diejenigen, die (weg)nehmen (Ablativ von auferre -
wegnehmen), die Praelaten, die Passive (von pati "leiden") sind die
Leidtragenden, naemlich die Dative (von dare - "geben"), die geben
muessen. Durch die Gaben ueppig geworden, setzen die Ablative ihre
Genitive (von gignere - "zeugen") in Bewegung.
Es gibt auch Einspielungen der (originalen) Carmina burana etwa unter
Pickett oder Clemencic (mit mehrsprachigem Textbuch - wenigstens beimm
Pickett, den ich habe).
>Ich würde mich sehr freuen, wenn irgendjemand mir da eine entsprechende
>Auskunft geben könnte !
>Ich besitze zwar die 25 Verse von Orff, aber mir fehlt halt die Übersetzung
>dazu !
>
Tatsaechlich fehlt bei den meisten Einspielungen eine Uebersetzung,
wie ich erstaunt bei einer Schnelldurchsicht feststellte. In der
Orff-Box von Acanta, die die Carmina burana in der Leitner-Einspielung
enthalet, findet sich auch eine deutsche Uebersetzung, nicht die
groesste, aber immerhin ...
Es gruesst Peter
--
Mit der christlichen Religion laesst sich Staat machen, aber wahr-
lich mit den Christen sehr wenig.
(Lichtenberg)
Hallo Frank,
On Mon, 20 Nov 2000 20:15:38 +0100, in de.rec.music.klassik you wrote:
>anmerkung: da sich carl orff IMHO mit diesem stück den damaligen machthabern
>angebiedert hat, sollte man es links liegen lassen.
>
Ob dem so war, darueber kann man sich streiten. Das uebernationale
christliche lateinische Mittalalter mit seiner katholischen Prallheit
war nicht gerade auf der Linie der Machthaber, wie man Elly Neys
denunazitorischer Reaktion entnehmen kann.
Kater stellt fest, dass Orff zu den Kuenstlern gehoerte, die "manchmal
allen Grund [hatten], sich unsicher und sogar aengstlich zu fuehlen,
was ihre kuenstlerische Betaetigung anging." (Kater: Die missbrauchte
Muse, S. 365) Er fuehrt in diesem Zusammenhang gerade die Carmina
burana an. Orff komponierte nach Kater "die Carmina burana mit einiger
Beklommenheit, zumal er wusste, dass allein der Text in
mittelalterlichem Latein die Nazis aergern konnte. Das war in der Tat
der Fall und galt auch der sexuell eindeutigen deutschen Uebersetzung
im Programmheft und fuer die Mitglieder des Chores wie der fuer manche
befremdlich klingenden Musik." (a.a.O., S. 366)
Ja. Genauso wie z.B. die Symphonie Schostakowitschs, mit der er sich
Versöhnung erkauft hat, nachdem er im Stalinismus in Ungnade gefallen
war. Genauso wie sämtliche Kirchenmusik, die nichts anderes tut, als
ein System zu verherrlichen und zu perpetuieren, das Millionen
Menschen auf dem Gewissen hat. Genauso wie sämtliche zur Aufführung
bei Hofe geschriebenen Barockopern, die nichts anderes waren als
wertvernichtende, pompöse Selbstinszenierungen der
produktionsmittelkontrollierenden absolutistischen Herrscherklasse.
Genauso wie alles von Wagner, der nicht nur von so ziemlich allen
Germanentümelnden missbraucht wird, sondern außerdem beinharter
Antisemit war. Genauso wie alles von Berlioz, denn der nahm
schließlich Opium ohne Ende. Genauso wie alles von Bach, der Raucher
war und das in seinem Oeuvre sogar noch gepriesen hat... wer weiß,
gekifft hat er vielleicht auch noch.
(ad nauseam et ad absurdum)
mawa
--
Hat er auf deinen Haaren am Morgen gelegen
Darf nachmittags er, wie er will, auf mich schnein
Der Schnee, der jetzt grob ist und feucht wie der Regen
War, um dich zu schmücken, fast gläsern und rein
>Hallo erstmal !
>
>Ich hab ein Problem. Ich bin auf der Suche nach der deutschen Übersetzung
>der Oper Carmina Burana oder noch besser, der kompletten 250 Verse der
>Lieder von Beuren, aus denen Orff seine 25 Verse genommen hat.
Die "Carmina burana" sind keine Oper. Ich hätte auf Liederzyklus oder
Kantate getippt, Orff selbst hat sein Opus mit "Weltliche Gesänge"
überschrieben.
>Ich würde mich sehr freuen, wenn irgendjemand mir da eine entsprechende
>Auskunft geben könnte !
>Ich besitze zwar die 25 Verse von Orff, aber mir fehlt halt die Übersetzung
>dazu !
>
Es gibt zweisprachige Ausgaben von Reclam (15 DM - Auswahl - Hrsg.
Günter Bernt) und dtv (36 DM - Gesamtausgabe - Hrsg. Hilka/Schumann).
--------------------
Es lässt freundlichst :-) grüßen
Jo Kaiser
> ...and Frank Westerdorff wrote
> > anmerkung: da sich carl orff IMHO mit diesem stück den damaligen machthabern
> > angebiedert hat, sollte man es links liegen lassen.
> Ja. Genauso wie z.B. die Symphonie Schostakowitschs, mit der er sich
> Versöhnung erkauft hat, nachdem er im Stalinismus in Ungnade gefallen
> war. Genauso wie sämtliche Kirchenmusik, die nichts anderes tut, als
> ein System zu verherrlichen und zu perpetuieren, das Millionen
> Menschen auf dem Gewissen hat. Genauso wie sämtliche zur Aufführung
> bei Hofe geschriebenen Barockopern, die nichts anderes waren als
> wertvernichtende, pompöse Selbstinszenierungen der
> produktionsmittelkontrollierenden absolutistischen Herrscherklasse.
> Genauso wie alles von Wagner, der nicht nur von so ziemlich allen
> Germanentümelnden missbraucht wird, sondern außerdem beinharter
> Antisemit war. Genauso wie alles von Berlioz, denn der nahm
> schließlich Opium ohne Ende. Genauso wie alles von Bach, der Raucher
> war und das in seinem Oeuvre sogar noch gepriesen hat... wer weiß,
> gekifft hat er vielleicht auch noch.
Du hast Richard Strauss vergessen (Reichsmusikkammer).
Und Bruckner hat angeblich mal versucht, ein junges Mädchen zu
vergewaltigen.(Btw, weiß jemand Näheres darüber?)
Nicht nur auf den Komponisten muss man achten.
Man darf auch keine Aufnahmen hören, die von Karajan oder Furtwängler
eingespielt wurden.
Und ganz besonders Pfui ist natürlich, wenn der "Nazi" den "Bolschwiken"
dirigiert. Also, Leute: Die beiden Aufnahmen von Schostakowitsch' Zehnter
mit Karajan sind Ober-Pfui. Vernichtet diese Tonträger. :->
MfG, Jürgen
>Du hast Richard Strauss vergessen (Reichsmusikkammer).
>Und Bruckner hat angeblich mal versucht, ein junges Mädchen zu
>vergewaltigen.(Btw, weiß jemand Näheres darüber?)
>Nicht nur auf den Komponisten muss man achten.
Nur gut, dass wir hier nicht über Jazz sprechen - mit dem ganzen
Hurengesocks ... und die Jazzer haben ja nicht nur in Konzertsälen,
sondern auch in Etablissements gespielt, in denen Alkoholiker,
Mafia-Leute und sonstige leicht- mittel- bis schwerkriminelle Elemente
verkehrt haben.
Ich finde es wird Zeit, die moralische Integrität von Musikern (und
haben wir hier überhaupt schon von Musikerinnen gesprochen?) auf den
Prüfstand zu stellen! Musik - wenigstens die! muss sauber werden!
Metastasio (Die Milde des Kaiser Titus): "Wenn die Gerechtigkeit all
ihre Strenge anwendete, würde die Erde bald eine Wüste sein."