Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Einstellen von Lenco L75

636 views
Skip to first unread message

Martin Bechmann

unread,
Jan 8, 2000, 3:00:00 AM1/8/00
to
Hallo Newsgroup!

Ich bin stolzer Besitzer eines Lenco L 75 Plattenspielers. Seit meine Katze
allerdings einen Lautsprecher so umgeworfen hat, daß er auf das Regalbrett
fiehl, auf welchem dieser steht, habe ich das Problem, daß die Nadel zu
schnell über die Platte zieht. Ich habe mich auch schon ein bißchen
umgehört, ein Bekannter meinte, die Nadel (oder das System?) müßte neu
eingestellt werden. Meine Fragen wären:

- Dazu braucht man angeblich eine Schablone oder etwas ähnliches, die die
Justierung der Nadel erlaubt. Eine solche habe ich nicht. Hat vielleicht von
Euch jemand eine, die man kopieren könnte, oder kann mir jemand eine
Bezugsquelle sagen oder Tips für die Suche geben?

- Könnte mir vielleicht jemand erklären, wie man eine solche Justierung
vornimmt, oder sollte ich als (wie man merkt blutiger Laie) lieber die
Finger davon lassen? Ich hatte so ein Problem schon mal, damals hat mir
derjenige, von dem ich das Gerät gebraucht gekauft habe, das System
justiert. Der Kontakt besteht aber nicht mehr. Wenn möglich, würde ich es
gerne selber lernen.

Ich bin das erste Mal hier in der Gruppe, sorry falls das offtopic oder
unter Eurem Nieveau sein sollte. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand
weiterhelfen könnte. Ich hänge nämlich an diesem Plattenspieler (und an den
Platten erst recht). Antworten auch gerne per E-Mail.

Grüße,

Martin

martin....@stud.uni-hannover.de

Muck Krieger

unread,
Jan 8, 2000, 3:00:00 AM1/8/00
to

Martin Bechmann <martin....@stud.uni-hannover.de> schrieb in im
Newsbeitrag: 8579q7$ftr$1...@newsserver.rrzn.uni-hannover.de...


Hallo Martin,

dein L 75 ist so etwas wie ein "schwarzes Schaf" unter den
Plattenspielern der sechziger und siebziger Jahre gewesen.
Er birgt einige technische Besonderheiten, die sich aus heutiger
Sicht eher als technische "Sackgassen" erwiesen haben.

Unter HiFi-Fans war der L 75 nur kurzfristig "in Mode", weil
gleichzeitig einige Mitbewerber im Ende "musikalischere"
Konzepte für Laufwerke entwickelten. Andererseits war der
L 75 jahrelang auch ein preiswertes und robustes Arbeits-
gerät für Musiklehrer, Diskotheken, Tanzschulen und so fort
wegen seiner technischen Besonderheiten wie z.B. stufenlos
von 10 bis 90 Umdrehungen pro Minute einstellbarer Drehzahl.

Hierin *könnte* *eine* der Ursachen deines Problems liegen.
Der Hebel zum einstellen der Geschwindigkeit (16/33/45/78)
wird durch kleine "Klammern" arretiert, diese widerum sind in
ihrer Position durch Lösen bzw. Anziehen der direkt daneben
positionierten Kreuzschlitzschrauben definierbar (mit Hilfe einer
sogenannten Stroboskopscheibe). Falls sich hier was gelockert
hatte, stimmt die Sollgeschwindigkeit natürlich nicht mehr.

Falls sich deine Nadel bzw. der Tonarm allerdings nicht durch,
sondern zu schnell *quer* über die Platte zieht, ist das zugrunde-
liegende Problem im wahren Sinne des Wortes *gravierender*.
Dann stimmt die Auflagekraft des Abnehmers nicht mehr (zu
wenig), und der Arm wird durch den Anti-Skatingmechanismus
bewegt. Dann brauchst du allerdings jemanden, der diesen etwas
*obskur* konstruierten Tonarm bzw. seine Schwächen kennt.
Ein Hauptproblem sind die *Lager*, im Falle des L 75 kleine
verdeckte Silikon-Klötzchen, die im Laufe der Jahrzehnte ver-
härten, brechen, oder sonstwie den Arm nicht mehr in seiner
definierten Position halten können.

Diese Ersatzteile sind m.W. sogar noch zu bekommen, der Einbau
ist allerdings recht "knifflig". Falls du jemanden findest, der das
beherrscht, stellt der dann auch die "Restgeometrie" wieder ein.

Ich will dir mit all diesen "Bedenken" natürlich nicht die Freude an
deinem Plattenspieler nehmen. Besorg dir jedoch auf jeden Fall
eine neue "Nadel" sprich Tonabnehmer, für den Lenco bewährt
sind robuste sogenannte "Diskothensysteme" von z.B. Shure oder
Stanton (falls noch erhältlich), die sind auch nicht so sensibel für
dessen "rumpelndes" Antriebskonzept. Es gibt (noch) Händler die
dir da weiterhelfen können, und die sollten dir oder deinen Helfer(n)
auch mit Einstellschablonen, Tonarmwaagen etc. zur Hand gehen
können (diese Hilfsmittel braucht's für alle Plattenspieler)

Viel Glück, und Gruß an die Katze (die war nur der Auslöser und
nicht die eigentliche Ursache deiner "Katastrophe")

Muck

Ralph Weber

unread,
Jan 9, 2000, 3:00:00 AM1/9/00
to martin....@stud.uni-hannover.de
Hallo

Martin Bechmann schrieb:

> - Dazu braucht man angeblich eine Schablone oder etwas ähnliches, die die
> Justierung der Nadel erlaubt. Eine solche habe ich nicht. Hat vielleicht von
> Euch jemand eine, die man kopieren könnte, oder kann mir jemand eine
> Bezugsquelle sagen oder Tips für die Suche geben?

Hallo, in der Stereoplay war mal eine Bastelanleitung für sowas, kann Dir aber
leider nicht mehr sagen, in welcher.


> - Könnte mir vielleicht jemand erklären, wie man eine solche Justierung
> vornimmt, oder sollte ich als (wie man merkt blutiger Laie) lieber die
> Finger davon lassen? Ich hatte so ein Problem schon mal, damals hat mir
> derjenige, von dem ich das Gerät gebraucht gekauft habe, das System
> justiert. Der Kontakt besteht aber nicht mehr. Wenn möglich, würde ich es
> gerne selber lernen.

Also, mehrere möglichkeiten: Da ich diesen Lenco leider nicht so genau kenne,
etwas allgemeiner:

Das Tonarmgewicht: Die Skala sollte zwischen 0,7 und 1,5 eingestellt werden,
ausprobieren, wie es am Besten klingt.

Die Antiskating-Eenstellung: Sie verhindert, daß der Tonarm sich schneller in
die eine oder die andere Richtung bewegt. Mit einer alten Testplatte kann man so
was am besten einstellen, ansonsten mal das System auf einer glatten scheibe
Plastik laufen lassen, sie sollte absolut glatt sein um es nicht zu beschädigen,
eine CD oder so was verwenden und an der Antiskating-Schraube drehen, bis der
Arm nicht mehr oder nur noch minimal nach links und rechts wackelt.

Überprüfen, was passiert, wenn die Skala für das Tonarmgewicht genau 0 zeigt.
Wenn der Arm dann perfekt "in der Schwebe" bleibt, geht sie richtig, wenn er
sich hebt oder senkt, evtl. Nachjustieren, bis er bei 0 wirklich "schwebt" falls
man bei dem Lenco so was justieren kann.

Auf jeden falls empfiehlt sich ein neues System, Audio Technica bietet ganz gute
Lo-Budget Systeme, die schon unter 100 DM zu haben sind, ansonsten Denon, die
werden bei den meisten Radiostationen benutzt (insofern die noch Vinyl spielen),
solltest Du eins mit der Aufschrift "Shure Stereo Dynetic", "Shure Hi-Track"
oder "Shure Supertrack plus" haben, kann man den Abnehmer auch einzeln tauschen,
der kostet dich dann ca. 50 DM, zu beziehen über den nächsten Elektronikhandel.


> Ich bin das erste Mal hier in der Gruppe, sorry falls das offtopic oder
> unter Eurem Nieveau sein sollte. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand
> weiterhelfen könnte. Ich hänge nämlich an diesem Plattenspieler (und an den
> Platten erst recht). Antworten auch gerne per E-Mail.

Offtopic bist Du nicht, unter dem Niveau ebenfalls nicht, und Dein Plattenspielr
ist ein unheimlich beliebtes und stabiles Gerät dieser Zeit.

So long, Ralph


--
Ralph Weber, Troisdorf, Germany
===============================
http://rweber.cjb.net
mailto:web...@gmx.de
ICQ UIN: 32509064
===============================

Heute schon gelacht? Nein?
-> http://www.computerbild.de

Martin Bechmann

unread,
Jan 9, 2000, 3:00:00 AM1/9/00
to
Hallo!

Erstmal vielen Dank, Muck und Ralph, für die detaillierten Auskünfte. Ist ja
interessant, mehr über das Gerät zu erfahren.

Muck schrieb:

>Falls sich deine Nadel bzw. der Tonarm allerdings nicht durch,
>sondern zu schnell *quer* über die Platte zieht, ist das zugrunde-
>liegende Problem im wahren Sinne des Wortes *gravierender*.

Das ist der Fall. :-( Die Nadel zieht nach innen. Ich habe auch schon ein
wenig mit den Gewichten rumprobiert. Normalerweise habe ich vorher das große
Gewicht hinten am Tonarm so eingestellt, daß der Arm schwebte, und dann mit
dem vorderen, kleineren Gewicht den richtigen Auflagedruck zu finden. Bin
damit aber zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen, also wird es wohl die
Anti-Skating-Einrichtung sein.

Ich werd' mich also nochmal um ein System kümmern, da nochmal nachfragen und
noch ein bißchen basteln.

Grüße,

Martin

0 new messages